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6.1 | Füchse in menschlicher Obhut: Füchse als Pelzlieferanten?

6.1 | Füchse in menschlicher Obhut: Füchse als Pelzlieferanten?

6.1.1 | Unter welchen Bedingungen werden Füchse in Pelzfarmen gehalten?

Füchse werden typischerweise in über dem Boden aufgehängten Drahtkäfigen von etwa einem Quadratmeter Größe gehalten. Die Enge der Käfige sowie der Wegfall praktisch aller natürlichen Verhaltensweisen führt zu gravierenden psychischen Störungen, die sich in Kannibalismus, Aggression und stereotypen Bewegungsabläufen, seltener in Apathie und Selbstverstümmelung niederschlagen. Dadurch, dass Kot und Urin durch den Drahtkäfig auf den Boden fallen, entfällt die Käfigreinigung; der beißende Geruch der sich ansammelnden Exkremente ist jedoch für das Nasentier Fuchs unerträglich. Außerdem schneidet der Draht des Käfigbodens in die empfindlichen Fuchspfoten, was zu Entzündungen, häufig auch schwerwiegenderen Verletzungen führt.

Bisweilen wird angeführt, dass es doch „humane“ Fuchsfarmen gäbe, in denen die Haltungsbedingungen besser seien. Es hat bislang jedoch niemand einen glaubhaften Beleg für die Existenz derartiger Farmen geliefert. Der Grund dafür ist wirtschaftlicher Natur: Das Gutachten über die Mindestanforderung für die Haltung von Säugetieren in Deutschland schreibt vor, dass Füchse in Gruppen zu halten sind, wobei ein Paar mindest 40 Quadratmeter an angemessen strukturreichem Gehege zur Verfügung stehen muss. Jedes weitere Tier erhöht diesen Wert um 15 Quadratmeter. Dabei handelt es sich wohlgemerkt um absolute Mindeststandards – gute Wildtierstationen in Deutschland stellen ihren Tieren eher das fünf- bis zehnfache an Gehegefläche zur Verfügung. Unter solchen Bedingungen ist eine auch nur halbwegs rentable Pelztierzucht schlichtweg nicht möglich.

Viele europäische Länder haben die Zucht von Füchsen in Pelztierfarmen daher bereits verboten, darunter das Vereinigte Königreich, Österreich, Norwegen, die Niederlande, Irland, Italien, Tschechien, Kroatien, Luxemburg, Litauen und Lettland. In Deutschland ist die Zucht zwar nicht explizit verboten, aber durch gesetzliche Mindeststandards an die Tierhaltung unrentabel; die letzte deutsche Pelzfarm schloss im Jahr 2019. In anderen Ländern wie Finnland oder Griechenland wird die Pelztierzucht dagegen weiter betrieben. Stand März 2026 prüft die EU-Kommission derzeit ein EU-weites Verbot der Pelztierhaltung.

Polarfüchse in Pelzfarm
(Foto: FurKills.com)
Rot- und Silberfüchse in Pelzfarm
(Foto: PeTA)

6.1.2 | Sind die Füchse in Pelzfarmen nicht längst domestiziert?

Zuchtfüchse auf russischer Experimentalfarm
(Bild: TobitRiver/flickr.com)

Von der Pelzindustrie wird oft das Argument ins Feld geführt, die in Pelzfarmen gehaltenen Füchse seien bereits domestiziert, weswegen ihre Haltung nicht mit außergewöhnlichem Stress verbunden sei. Füchse werden jedoch erst seit gut hundert Jahren in Pelzfarmen gezüchtet. Wenn man diesen Zeitraum mit der langen Entwicklung unserer heutigen Haus- und „Nutz“tierrassen vergleicht, kann von einem „domestizierten Fuchs“ im eigentlichen Sinn des Worts nicht die Rede sein.

In Russland laufen jedoch bereits seit Jahrzehnten Experimente, die zum Ziel haben, möglichst zutrauliche Füchse mit vermarktbarem Fell zu züchten. Die Resultate dieser zweifelhaften Zuchtversuche führten zwar in der Tat dazu, dass die betreffenden Füchse in mancherlei Hinsicht hundeähnliche Verhaltensweise an den Tag legten – darunter Schwanzwedeln und stürmisches Begrüßen und Belecken der Züchter. Durch die gezielte Selektion im Hinblick auf Zutraulichkeit litt jedoch die Fellqualität.

Und selbst wenn es domestizierte Füchse mit wunderschönem Pelz gäbe – würde jemand allen Ernstes einen Hund monatelang in einen kleinen Drahtkäfig sperren wollen, nur um ihn danach zu töten und ihm das Fell über die Ohren zu ziehen?

Literatur:
Nimon, A.J. & Broom, D.M. (2001): The welfare of farmed foxes Vulpes vulpes and Alopex lagopus in relation to housing and management: A review. Animal Welfare 10, 223-248.
Scientific Committee on Animal Health and Animal Welfare (2001): Tierschutz und Pelzfarmen. Gutachten im Auftrag der Europäischen Kommission, 211.

6.1.3 | Wann und wie werden Füchse in Pelzfarmen getötet?

Fuchs mit Schnauzenelektrode vor der Elektrokution
(Foto: ALV) – Vorschaubild

Auf Pelzfarmen werden Füchse im Spätherbst, wenn sich das dichte Winterfell herausgebildet hat und die Tiere in der Terminologie der Pelzzüchter „reif“ sind, getötet – und zwar mit Methoden, die den wertvollen Pelz nicht zerstören. In manchen Farmen werden die Füchse unter den Augen ihrer Käfignachbarn erschossen oder mit Knüppeln erschlagen, seltener werden Giftspritzen eingesetzt.

Der wahrscheinlich gängiste Weg, Füchse in Pelzfarmen zu töten, ist die Elektrokution. Dabei wird dem Fuchs die Schnauze mit einer zangenförmigen Elektrode verschlossen, während ihm eine zweite, stabförmige Elektrode in den After eingeführt wird. Ein fünf bis zehn Sekunden dauernder Stromstoß aus einer Autobatterie mit nachgeschaltetem Transformator, der die Spannung auf 115 oder 230 Volt erhöht, tötet das Tier. Wird der Strom zu kurz angelegt, oder leiten die Elektroden zu schlecht (etwa bei trockenen Schleimhäuten infolge einer Infektionskrankheit), können die Füchse nach der Prozedur wieder zu Bewusstsein kommen.

Elektrokution eines Fuchses (Foto: PeTA) – Vorschaubild

Noch unerträglicher sind die aus China und anderen asiatischen Ländern bekannt gewordenen Tötungs- und Pelzungsmethoden. Verschiedene Tierschutzorganisationen haben mit versteckter Kamera aufgenommenes Bild- und Videomaterial veröffentlicht, auf dem zu sehen ist, wie Füchse und Marderhunde mit Knüppelschlägen und Fußtritten malträtiert werden, bevor ihnen schließlich – weitgehend immobilisiert, aber noch lebendig – das Fell über die Ohren gezogen wird.

6.1.4 | Wie viele Füchse werden jährlich in Pelzfarmen getötet?

Etwa 3,5 Millionen der gut 20 Millionen Tiere, die jedes Jahr in Pelzfarmen getötet werden, sind Füchse (alle Fuchsarten eingerechnet). Nerze sind nach wie vor mit rund 14 Millionen pro Jahr die am häufigsten in Pelzfarmen getöteten Tiere. Die Pelztierzucht ist damit weltweit stark rückläufig – noch 2014 wurden weltweit mehr als 100 Millionen Tiere in Pelzfarmen getötet.

Der international größte „Produzent“ von Fuchspelzen ist China, gefolgt von Finnland.

6.1.5 | Wie kann man Echtpelz von Kunstpelz unterscheiden?

Heutzutage ist Kunstpelz meist sehr hochwertig und nicht selten so sehr auf „echt“ getrimmt, dass er nur noch schwer von Echtpelz zu unterscheiden ist. Hinzu kommt, dass Tierpelze von der Modeindustrie immer häufiger geschoren und gefärbt werden – paradoxerweise oft mit dem Ziel, sie nicht allzu leicht als Echtpelz identifizierbar zu machen. Eindeutige Deklarationen sind insbesondere bei Pelzbesätzen an preisgünstigen Jacken und Mänteln selten. Wie also kann man zweifelsfrei bestimmen, ob es sich bei einem Fellbesatz um Kunstpelz oder Tierfelle handelt?

  • Ist Unterwolle vorhanden? Ziehen Sie die Oberhaare des Pelzes etwas auseinander und schauen Sie, was darunter zum Vorschein kommt. Ist der Pelz lang bzw. ungeschnitten, ist bei Echtpelz manchmal die Unterwolle zu erkennen. Diese besteht aus ganz feinen, dichten und flauschigen Haaren.
  • Ist Leder vorhanden? Echtpelz wird mitsamt Leder gewonnen und verarbeitet. Ziehen Sie die Haare vorsichtig auseinander. Am darunter liegenden Gewebe können Sie erkennen, ob es sich um ein künstlich gewebtes Muster bzw. Stoff handelt oder ob die Haare auf echter Tierhaut gewachsen sind.
  • Weichheit und Flexibilität der Haare: Echtpelz bewegt sich oft schon bei leichten Brisen. Wenn Sie ganz sanft über den Pelz blasen und sich die Haare trotzdem bewegen, haben Sie wahrscheinlich Echtpelz vor sich.
  • Wie riecht verbranntes Fell? Man kann Echt- von Kunstpelz unterscheiden, indem man ein paar Haare verbrennt. Wenn Sie einen synthetischen Geruch wahrnehmen und die Haare zu kleinen, harten Klümpchen verschmelzen, handelt es sich um Kunstpelz. Zerfallen die Haare jedoch und riecht es nach verbrannten Haaren, so handelt es sich um Echtpelz.

(Die Tests wurden von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten gesammelt.)


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