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5.2 | Fuchsjagd: Auswirkungen der Jagd für die Füchse

5.2 | Fuchsjagd: Auswirkungen der Jagd für die Füchse

5.2.1 | Wie wirkt sich Jagd auf die Struktur von Fuchspopulationen aus?

In stark bejagten bzw. von Seuchen heimgesuchten Fuchspopulationen sind die interindividuellen Bindungen weniger intensiv und kürzer, das Durchschnittsalter der Tiere weitaus niedriger, die Stabilität von Familiengemeinschaften geringer. Die Sterblichkeit ist naheliegenderweise höher, die Geburtenrate ebenfalls, und es gibt im Herbst mehr Jungtiere, die sich ein eigenes Revier suchen. Dadurch kommt es zur mehr aggressiven Auseinandersetzungen und territorialen Konflikten; Seuchen werden somit leichter übertragen und schneller verbreitet. Siehe dazu auch 2.4.4, Was für Auswirkungen haben hohe Verluste auf das Sozialleben von Füchsen?.

Nicht selten durch die Jagd vereiteltes Familienidyll: Fuchspaar mit vier Welpen (Bild: Günter Schumann)

Literatur:
Labhardt, F. (1990): Der Rotfuchs. Paul Parey, Hamburg/Berlin.
Janko C., Trappmann D., Schröder W., Linke S., König A. (2013): Populationsdichten des Rotfuchses (Vulpes vulpes) im Stadt-Land-Gradienten und deren Determinanten. Beiträge zur Jagd- und Wildforschung, Bd. 38, 89-94
Kistler, C., Gloor, S., Hegglin, D., Bontadina, F. (2023): Das Management des Fuchses sollte auf wissenschaftlichen Grundlagen anstatt auf Annahmen basieren. In: Voigt, C.C. (eds) Evidenzbasiertes Wildtiermanagement. Springer Spektrum, Berlin, Heidelberg

5.2.2 | Macht die Jagd Füchse scheu?

Diese Frage kann anhand eines einfachen Vergleichs zwischen Fuchspopulationen in stark bejagten und jagdfreien Gebieten leicht beantwortet werden. Füchse, die stark verfolgt werden, sind sehr viel menschenscheuer, haben größere Fluchtdistanzen, und sind ausgeprägter nachtaktiv als Füchse, die nicht verfolgt werden. Wie der Biologe Darius Weber zudem feststellte, führt intensive Baujagd dazu, dass die Baunutzung von Füchsen drastisch abnimmt.

Literatur:
Labhardt, F. (1990): Der Rotfuchs. Paul Parey, Hamburg/Berlin.
Weber, D. (1988): Wie und wann Füchse ihre Baue benutzen. Deutsche Jagd Zeitung, 12.

5.2.3 | Ist Fuchsjagd grausam?

Natürlich läßt sich so eine Frage nicht emotionslos beantworten. Nach dem, was wir wissen, müssen wir bei Füchsen eine ähnliche Leidensfähigkeit annehmen wie etwa bei Haushunden. Sie sind zu engen emotionalen Bindungen fähig, reagieren höchst sensibel auf die Reize ihrer Umgebung, und sind überdies sehr intelligente Beutegreifer. Wenn wir es also als grausam bezeichnen würden, Hunde ohne vernünftigen Grund zu erschießen, Welpen vor den Augen ihrer Mutter zu töten, ihnen in Fallen die Knochen zu brechen oder sie zu Tode zu hetzen, dann müßte dasselbe auch für unsere Sicht der Fuchsjagd gelten (siehe dazu 5.3.4, „Was wären die Konsequenzen, wenn man Fuchsjagd sofort verbieten würde?“.

Darüber hinaus ist unbekannt, wie viele Füchse in Deutschland jedes Jahr durch schlecht gezielte Schüsse nur verletzt, aber nicht getötet werden, und nach der Flucht langsam und qualvoll sterben und zumindest langfristig an ihren Verletzungen leiden. In Dänemark wurde bei Röntgenuntersuchungen erlegter Tiere festgestellt, dass 13,8% der Füchse alte Schrotkugeln in ihrem Körper trugen. Untersuchungen aus Großbritannien zu diesem Thema haben gezeigt, dass für jeden bei der Jagd getöteten Fuchs mindestens ein weiterer nur verletzt und von diesen angeschossenen Tieren wiederum nur ein Teil überhaupt gefunden wird.

Erschossener Fuchs (Bild: Fam. Pelli) – Vorschaubild
Erschossener Fuchs nach Treibjagd (Bild: Rosi Stevens) – Vorschaubild

Literatur:
Fox, N. et al. (2003): Welfare Aspects of Shooting Foxes. All Party Parliamentary Middle Way Group.
Fox, N. et al. (2005): Wounding rates in shooting foxes (Vulpes vulpes). Animal Welfare, 14.
Bolliger G., Gerritsen V., Rüttimann A. (2010): Die Baujagd unter dem Aspekt des Tierschutz- und Jagdrechts, Gutachten (Schweiz)
Elmeros, M., Holm, T.E., Haugaard, L., Madsen A.B. (2012): Prevalence of embedded shotgun pellets in protected and in legally hunted medium-sized carnivores in Denmark. Eur J Wildl Res 58, 715–719


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