4.1 | Füchse und Menschen: Allgemeines über Stadtfüchse
4.1.1 | Warum kommen Füchse in menschliche Siedlungsgebiete?
Die Gründe dafür, dass sich Füchse heutzutage häufig in Städten sehen lassen, sind vielfältig. Der nach dem ersten Weltkrieg immer weiter verbreitete öffentliche Nahverkehr sowie die Zunahme privater Fahrzeuge ermöglichte es immer mehr Menschen, an einem Ort zu leben und an einem anderen zu arbeiten. Dadurch wurden viele ländliche Gebiete zu Vororten von Städten. Doch die Urbanisierung beeinflusste nicht nur Menschen; auch Füchse änderten ihren Lebensstil. In den neuen, verhältnismäßig großen Gärten fanden sie Deckung, vor allem aber einen reich gedeckten Tisch vor – hohe Dichten an Mäusen, Ratten und Tauben, weggeworfenes Essen, Beeren und Obst, aber auch draußen bereitgestelltes Katzen- und Hundefutter. Außerdem stellten die Füchse rasch fest, dass die Menschen ihnen in der Stadt in der Regel nicht feindlich gegenüberstanden. So breiteten sie sich nach und nach auch in Richtung Stadtzentrum aus.
Tatsächlich gibt es für Füchse im Siedlungsraum oft bessere Deckungs- und Nahrungsverhältnisse als in der umgebenden, oft durch die industrielle Landwirtschaft regelrecht ausgeräumten Kulturlandschaft. Das spiegelt sich auch deutlich in der Größe von Stadtfuchs-Revieren wider: Wo in freier Natur oft hunderte Hektar erforderlich sind, um eine Fuchsfamilie zu ernähren, genügen in der Stadt meist zwischen 10 und 40 Hektar.
4.1.2 | Füchse im Garten: Freund oder Feind?
Das hängt mit Sicherheit von der individuellen Einstellung zu Füchsen ab. Der Schaden, den Füchsen in Gärten anrichten können, hält sich meist in überschaubaren Grenzen – beim Vergraben von Beuteresten umgewühlte Beete, beim Spielen verschleppte Gegenstände, oder die nächtlichen Lautäußerungen sind in aller Regel der Gipfel der von Stadtfüchsen zu erwartenden Belästigung. Umfragen in fuchsreichen Städten zeigen, dass nur ein sehr kleiner Teil der Bürger überhaupt jemals mit derartigen Problemen konfrontiert ist. Nichtsdestoweniger ist ein durchwühltes Blumenbeet, ein verschlepptes Paar Schuhe oder eine schlaflose Nacht im individuellen Fall sicherlich ärgerlich. Falls man – aus welchem Grund auch immer – seine füchsischen Besucher lieber loswerden möchte, gibt es jedoch keinen Grund, gleich den Jäger zu rufen. Unter 4.3.2 Wie werde ich den Fuchs in meinem Garten los? finden sich Hinweise auf tierfreundliche Vergrämungsmethoden.
Auf der anderen Seite freuen sich sicherlich viele Menschen darüber, Wildtiere als Besucher in ihrem Garten zu haben und sie beobachten zu können. Umfragen in verschiedenen europäischen Städten mit großen Fuchspopulationen zeigen dementsprechend auch, dass die meisten Menschen dem urbanen Meister Reineke neutral bis positiv gegenüberstehen: In einer großangelegten Studie in Großbritannien gaben 65,7% der Befragten an, Stadtfüchse zu mögen, und weitere 25,8% beurteilten sie neutral. Ähnliche Resultate zeigte eine Umfrage in einem Münchner Vorort, in der ebenfalls positive Einstellungen zu Stadtfüchsen überwogen und 91% der Aussage zustimmten, Stadtfüchse hätten ein Recht auf Leben.
Literatur:
König, A. (2007): Fears, attitudes and opinions of suburban residents with regards to their urban foxes. A case study in the community of Grünwald – a suburb of Munich. European Journal of Wildlife Research, 10.
Baker, P., Harris, S. & White, P. (2006): After the hunt: The future for foxes in Britain. Report, University of Bristol/University of York.
4.1.3 | Stellen Stadtfüchse nicht ein Gesundheitsrisiko für den Menschen dar?
Wenn man sich an die unter 3.2.5 Wie kann ich mich vor Echninokokkose schützen? erwähnten Vorsichtsmaßnahmen hält, kann man diese Frage getrost mit nein beantworten.
Stadtfüchse stellen alles in allem kein größeres Gesundheitsrisiko dar als andere Tiere (Haustiere und unsere Mitmenschen eingeschlossen), und fungieren überdies als eifrige Ratten- und Mäusejäger, so dass sie als Vertilger klassischer „Schädlinge“ durchaus auch dem Menschen dienen.
4.1.4 | Stellen Stadtfüchse eine Gefahr für spielende Kinder dar?
Grundsätzlich vermeiden Füchse direkten Kontakt mit allem, was entweder laut oder wehrhaft ist oder stark nach Mensch riecht. All das trifft auf Kinder zu, also besteht keine Gefahr.
Etwas weniger flapsig: Es gibt in Deutschland einen dokumentierten Fall im Landkreis Miesbach, in dem ein Kind von einem Fuchs gebissen wurde. Dabei handelte es sich um einen Achtjährigen, der in einem Zelt übernachtete und von dem Fuchs im Schlaf überrascht wurde. Allerdings war der Fuchs stark verhaltensauffällig; demselben Tier konnten weitere aggressive Verhaltensweisen zugeschrieben werden. Die Behörden stuften den Fuchs als „abnormes“ Individuum ein.
Dabei handelt es sich jedoch um einen Einzelfall, der angesichts von mehr als 80 Millionen Menschen in Deutschland und einer beträchtlichen Stadtfuchspopulation getrost vernachlässigt werden kann. Als Vater habe ich jedenfalls keine Bedenken, unsere Tochter trotz regelmäßigen Besuchs von Füchsen (aber auch Dachsen, Waschbären und Mardern) allein im Garten spielen zu lassen.
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