FAQ: Sinnesleistungen und körperliche Leistungsfähigkeit
1.4 Allgemeines über Füchse: Sinnesleistungen, Intelligenz und körperliche Leistungsfähigkeit
1.4.1 Wie gut sind die Sinnesleistungen von Rotfüchsen?
In der Nahaufnahme sind die vertikal
geschlitzten Pupillen des Fuchsauges
gut zu erkennen (Bild: Paul Cecil)
Die Sinnesleistungen von Füchsen sind in nahezu allen Belangen rekordverdächtig – sie können Töne bis zu einer Frequenz von 65kHz wahrnehmen, wohingegen der menschliche Hörbereich bei etwa 16kHz endet. Auch die füchsische Nase ist um Größenordnungen (ca. 400mal) sensibler als die eines Menschen und braucht sich in keiner Hinsicht vor der eines Spürhundes zu verstecken.
Ihre katzenähnlichen, vertikal stehenden Pupillen sowie eine reflektierende Schicht im Augenhintergrund verleihen Füchsen überdies eine sehr gute Nachtsicht durch die optimale Ausnutzung des Restlichts. Die vertikalen Pupillen schließen tagsüber besser als die bei anderen Hundeartigen zu findenden runden Pupillen und bieten den empfindlichen Fuchsaugen daher bei hellem Sonnenschein und reflektierendem Schnee optimalen Schutz. Allerdings ist die Farbwahrnehmung und Schärfe des füchsischen Sehsinns im Gegensatz zur Nacht- und Bewegungswahrnehmung – ähnlich wie bei Katzen – nicht so ausgeprägt wie beim Menschen.
Die Nase eines Fuchses ist etwa 400mal sen-
sibler als die des Menschen (Bild: Paul Cecil)
1.4.2 Wie alt werden Füchse?
Füchse können durchaus 12 bis 15 Jahre alt werden – wenn man sie lässt. Leider stellt der Mensch ihnen an den meisten Orten auf der Erde intensiv nach, so dass den meisten Füchsen noch in ihrem ersten Lebensjahr das Fell über die Ohren gezogen wird. Der Biologe Felix Labhardt stellte fest, dass in intensiv bejagten Regionen etwa 75% der Füchse innerhalb ihres ersten Lebensjahres getötet werden.
1.4.3 Wie schnell können Füchse rennen?
Füchse können kurzzeitig bis zu 55km/h erreichen und würden damit einen Hundert-Meter-Sprint gegen jeden Menschen bequem gewinnen, halten diese beachtliche Geschwindigkeit jedoch nicht über größere Distanzen durch. Gegenüber ausgeprägten Fluchttieren wie etwa Feldhasen stehen sie damit auf verlorenem Posten – Hasen erreichen mühelos 70km/h und sind dabei weitaus wendiger als ein Fuchs.
Rotfuchs in vollem Lauf (Bild: Archiv)
1.4.4 Wie hoch können Füchse springen?
Zäune und Mauern von 1,80 Meter Höhe stellen für einen Fuchs kein unüberwindbares Hindernis dar.
1.4.5 Sind Füchse wirklich so schlau?
Systematische Untersuchungen dazu gibt es leider nicht – und sie wären wohl auch wenig aussagekräftig, denn eine an der üblichen menschenzentrierten Intelligenzdefinition ansetzende Studie würde die spezifischen Erfordernisse und Bedingungen des Lebens wilder Tiere vollkommen außer Acht lassen. Die Frage läßt sich daher nur anhand von Indizien beantworten:
  • Füchse stellen sich beispielsweise tot, um die Aufmerksamkeit von Aasfressern wie etwa Krähen auf sich zu ziehen, und erbeuten diese, wenn sie sich dem vermeutlich toten Tier genähert haben. Lange Zeit wurde dies von Biologen als Märchen abgetan, bis es in den sechziger Jahren erstmals einem russischen Tierfotografen gelang, dieses Verhalten auf Bildern festzuhalten.
  • Verschiedene Autoren berichten davon, daß Füchse zu einem stacheligen Ball zusammengerollte Igel erbeuten, indem sie sie ins Wasser rollen und auf diese Weise dazu zwingen, ihren „Rundum-Schutzpanzer“ zu öffnen.
  • Der Verhaltensforscher Dröscher berichtet über das „Charming“, einer Technik, die Füchse bei der Kaninchenjagd benutzen – ohne dem Kaninchen offensichtliche Aufmerksamkeit zu schenken, tollen Füchse wild in der Gegend herum und nähern sich dabei Stück für Stück der gleichermaßen irritierten wie faszinierten Beute, bis sie diese packen können
  • Als der Biologe Felix Labhardt Füchse zu Forschungszwecken mit Kastenfallen fangen wollte, erlebte er sein blaues Wunder – die Füchse lernten rasch, den trickreich befestigten Köder zu stehlen, ohne dass die Falle zuschnappte, wobei „der Fuchs... dazu äußerst subtil und vorsichtig vorgegangen sein (musste)“. Labhardt schreibt weiter: „Ohne Zweifel hat der Fuchs an der Falle menschliche Duftspuren wahrgenommen und war sich einer Gefahr bewusst. Und es scheint so, als ob er Einsicht in die Funktionsweise der Falle hatte, wahrscheinlich ohne eine solche je in Betrieb erlebt zu haben, und alles in der Dunkelheit der Nacht.“ (F.Labhardt, Der Rotfuchs, Paul Parey 1990).
  • Jagdzeitschriften stilisieren die Fuchsjagd makabrerweise gerade aufgrund der füchsischen Intelligenz zu etwas besonders Reiz- und Lustvollem empor: Unter allen Wildarten sei gerade das Erbeuten eines Rotfuchses die größte „jagdliche Herausforderung“.
Wie dem auch sei – alles deutet darauf hin, daß an der sprichwörtlichen Schläue von Füchsen durchaus etwas dran ist. Allerdings dürfte es eine große interindividuelle Variationsbreite geben – der unerfahrene Jährling hatte schließlich weit weniger Gelegenheit zum Lernen als ein „alter Fuchs“.
1.4.6 Können Füchse schwimmen?
Ja (wie auch Hunde), allerdings sind sie nicht die allerbesten Schwimmer im Tierreich.
1.4.7 Können Füchse klettern?
Rotfüchse sind keine sonderlich guten Kletterer und können lediglich einfache Kletteraufgaben bewältigen. Mit Katzen oder den exzellent kletternden Graufüchsen können sie es bei weitem nicht aufnehmen. Allerdings wurden Rotfüchse schon des öfteren auf Dächern oder (vergleichsweise leicht erklimmbaren) Bäumen gesehen.