# fuechse.info > Full Documentation: a single-file Markdown export for AI context ingestion. For an index of Markdown endpoints, see [llms.txt](https://fuechse.info/llms.txt). ## Pages --- title: 1 | Allgemeines über Füchse date: 2026-02-01 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/1-0-allgemeines-ueber-fuechse/ --- # 1 | Allgemeines über Füchse „Alles über Füchse“ ist das Motto des großen Fragen & Antworten-Bereichs auf fuechse.info. Er ist die wohl umfassendste deutschsprachige Online-Informationsquelle über den Rotfuchs und wird regelmäßig aktualisiert und ergänzt. Wer eine Frage hat, die hier nicht beantwortet wird, kann sie mir schicken, und ich werde schauen, dass ich sie (samt Antwort, versteht sich) beim nächsten Update hinzufüge. Die Seiten sind durch Querverlinkungen so gestaltet, dass man bequem darin schmökern kann, aber natürlich sind alle Inhalte auch über die Volltextsuche auffindbar. **1. Allgemeines über Füchse** ***1.1 Taxonomie und Terminologie*** - 1.1.1 Wie sind Rotfüchse biologisch zu klassifizieren? - 1.1.2 Was ist der wissenschaftliche Name für den Rotfuchs? - 1.1.3 Welche anderen Fuchsarten gibt es neben dem Rotfuchs? - 1.1.4 Was bedeutet „schnüren“? - 1.1.5 Gibt es sonst noch irgendwelche wichtigen „fuchsspezifischen“ Begriffe? - 1.1.6 Woher kommt die Ähnlichkeit von Fuchs und Katze? - 1.1.7 Was heißt „Fuchs“ in anderen Sprachen? ***1.2 Aussehen und Erscheinungsbild*** - 1.2.1 Wie sieht ein Rotfuchs aus? - 1.2.2 Wie groß ist ein Rotfuchs? - 1.2.3 Wie sieht eine Fuchsspur aus? - 1.2.4 Was für eine Zahnformel haben Füchse? - 1.2.5 Sind alle Rotfüchse rot? - 1.2.6 Worin unterscheiden sich Rotfüchse in nördlichen Arealen von Rotfüchsen in südlicheren (und wärmeren) Gefilden? - 1.2.7 Riechen Füchse wirklich so unangenehm? - 1.2.8 Haben Füchse einziehbare Krallen? - 1.2.9 Wie kann man das Alter von Füchsen bestimmen? - 1.2.10 Wie kann man Fuchsrüden von Fähen unterscheiden? - 1.2.11 Wie sieht ein Fuchsschädel aus? - 1.2.12 Wie sieht ein Fuchsskelett aus? - 1.2.13 Wie sieht Fuchskot aus? ***1.3 Verbreitung, Lebensraum und Lebensweise *** - 1.3.1 Wo überall gibt es Füchse? - 1.3.2 Welche Art von Lebensraum bevorzugen Rotfüchse? - 1.3.3 Sind Füchse eher tag- oder eher nachtaktiv? - 1.3.4 Halten Füchse sich meist im Bau auf? - 1.3.5 Wie ist ein Fuchsbau angelegt? - 1.3.6 Leben Füchse wirklich mit anderen Tieren zusammen in einem Bau? - 1.3.7 Halten Füchse Winterschlaf? ***1.4 Sinnesleistungen, Intelligenz und körperliche Leistungsfähigkeit *** - 1.4.1 Wie gut sind die Sinnesleistungen von Rotfüchsen? - 1.4.2 Wie alt werden Füchse? - 1.4.3 Wie schnell können Füchse rennen? - 1.4.4 Wie hoch können Füchse springen? - 1.4.5 Sind Füchse wirklich so schlau? - 1.4.6 Können Füchse schwimmen? - 1.4.7 Können Füchse klettern? ***1.5 Nahrung und Feinde *** - 1.5.1 Wovon ernähren sich Füchse? - 1.5.2 Wieviel Nahrung brauchen Füchse am Tag? - 1.5.3 Wie jagen Füchse ihre Beute? - 1.5.4 Rotten Füchse ihre Beutetiere aus? - 1.5.5 Betreiben Füchse Vorratswirtschaft? - 1.5.6 Welche Funktion erfüllen Füchse in der Natur? - 1.5.7 Was sind die bedeutendsten Feinde von Füchsen? --- title: 1.1 | Allgemeines über Füchse- Taxonomie und Terminologie date: 2026-03-21 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/1-1-allgemeines-ueber-fuechse-fuchsarten-systematik/ --- # 1.1 | Allgemeines über Füchse: Taxonomie und Terminologie ### ***1.1.1 | Fuchsarten und Systematik: Wie sind Rotfüchse biologisch zu klassifizieren?*** Rotfüchse gehören zum Stamm der Chordatiere, Unterstamm der Wirbeltiere, Klasse der Säugetiere, Ordnung der Karnivoren (Raubtiere), Familie der Caniden, Gattung Vulpes. Auch wenn viele Verhaltensweisen von Füchsen eher katzenartig anmuten, sind sie also doch deutlich enger mit Hund und Wolf verwandt. Neben dem Rotfuchs gibt es eine ganze Reihe weiterer Fuchsarten, die nicht alle der Gattung Vulpes zuzurechnen sind – zu den bekanntesten darunter dürften der Wüstenfuchs oder Fennek (*Vulpes zerda*), der Polarfuchs (*Alopex lagopus*) und auch der in Nord- und Mittelamerika beheimatete Graufuchs (*Urocyon Cinereoargenteus*) zählen. ### ***1.1.2 | Was ist der wissenschaftliche Name für den Rotfuchs? *** Der europäische Rotfuchs trägt den wissenschaftlichen Namen „Vulpes vulpes“, die amerikanische Unterart heißt „Vulpes vulpes fulva“, die japanische „Vulpes vulpes japonica“. Auf der nördlichen japanischen Hauptinsel Hokkaido lebt zudem die Unterart „Vulpes vulpes schrencki“. ### ***1.1.3 | Welche anderen Fuchsarten gibt es neben dem Rotfuchs? *** Rotfüchse sind sicherlich das, was den meisten Menschen in den Sinn kommt, wenn von „dem Fuchs“ gesprochen wird. Zudem hat der Rotfuchs von allen Fuchsarten das weitaus größte Verbreitungsgebiet. Nichtsdestoweniger gibt es aber eine ganze Reihe weiterer Fuchsarten, wie beispielsweise - den im Winter schneeweißen, im Sommer braun-weißen Polarfuchs (Alopex lagopus), der mit seinem extrem dichten Fell in den klimatischen Extremregionen der Tundra und der Arktis lebt. - den zierlichen Fennek oder Wüstenfuchs (Vulpes zerda), der die Wüstengebiete Nordafrikas auf der Suche nach Springmäusen und anderen kleinen Beutetieren durchstreift. Er ist die kleinste Fuchsart. - den Graufuchs (Urocyon cinereoargenteus), der als hervorragender Kletterer die deckungs- und waldreichen Gebiete in Nord- und Mittelamerika bewohnt. *Polarfuchs, Alopex lagopus (Bild: Archiv)* *Graufuchs, Urocyon cinereoargenteus (Bild: Archiv)* *Fennek, Vulpes zerda (Bild: Olav Jahn)* Die Systematik der sogenannten „echten Füchse“ sieht folgendermaßen aus: - Gattung Vulpes Rotfuchs (*Vulpes vulpes*) - Bengalfuchs (*Vulpes bengalensis*) - Afghanfuchs (*Vulpes cana*) - Kapfuchs (*Vulpes chama*) - Steppenfuchs (*Vulpes corsac*) - Tibetfuchs (*Vulpes ferrilata*) - Blassfuchs (*Vulpes pallida*) - Rüppellfuchs (*Vulpes rueppelli*) - Kitfuchs (*Vulpes velox*) - Fennek (*Vulpes zerda*) - Polarfuchs (*Vulpes lagopus*) (früher als *Alopex lagopus* klassifiziert; durch DNA-Analysen wurde inzwischen jedoch eine Neuklassifikation in die Gattung *Vulpes* vorgenommen) - Gattung Urocyon Graufuchs (*Urocyon cinereoargenteus*) - Insel-Graufuchs (*Urocyon littoralis*) - Gattung Otocyon Löffelhund (*Otocyon megalotis*) Im Gegensatz zu verbreiteten Annahmen handelt es sich übrigens bei Platinfuchs, Silberfuchs oder Kreuzfuchs nicht um separate Arten oder Unterarten, sondern lediglich um Farbvariationen des Rotfuchses. ### ***1.1.4 | Was bedeutet „schnüren“? *** Wenn Füchse es nicht sonderlich eilig haben und sich auch nicht gerade an ein Beutetier anschleichen, „schnüren“ sie – d.h. ihre Pfotenabdrücke liegen auf einer fast perfekten Geraden, wie an einer Schnur aufgereiht. *Fuchsspur (schnürend)* ### ***1.1.5 | Gibt es sonst noch irgendwelche wichtigen „fuchsspezifischen“ Begriffe?*** Männliche Füchse werden Rüden genannt, Fuchsdamen dagegen Fähen. Jungfüchse sind – ganz genau wie bei Hunden – Welpen. Der Schweif eines Fuchses wird gelegentlich als Lunte bezeichnet. Insbesondere in der Jägersprache gibt es eine ganze Reihe weiterer spezifischer Bezeichnungen für füchsische Körperteile und Verhaltensweisen, die jedoch sowohl für den Alltagsgebrauch als auch im wissenschaftlichen Kontext irrelevant sind. ### ***1.1.6 | Woher kommt die Ähnlichkeit von Fuchs und Katze?*** Füchse gehören zur Familie der Caniden, der hundeartigen Raubtiere, und dennoch sind viele ihrer Verhaltensweisen wie etwa ihre behänden, grazilen Bewegungen oder ihre Taktik beim Beutefang eher katzenähnlich. Vor etwa 40 Millionen Jahren lebte als gemeinsamer Vorfahre der heutigen Hunde und Katzen ein wieselähnliches Tier namens Miacidae; danach teilten sich die Linien jedoch, und als Spross des hündischen Stammbaums entwickelte sich der heutige Rotfuchs. Die Ähnlichkeit zwischen Füchsen und Katzen ist eine Folge konvergenter Evolution: Ähnliche Lebensweisen (Lebensraum, Beute, etc.) führen zur Ausbildung ähnlicher Eigenschaften. Daher kommt es beispielsweise, dass Füchse und Haus- bzw. Wildkatzen vertikal geschlitzte Pupillen besitzen, während ihre größeren Verwandten Wolf und Luchs durch runde Pupillen blicken. Weil vertikale Schlitzpupillen eine sehr gute Tiefenortung im Nahbereich ermöglichen, sind sie für bodennahe Kleintierjäger optimal. Auch der typische „Mäusesprung“ findet sich gleichermaßen bei Fuchs und Katze, weil beide sich zu großen Teilen von Mäusen ernähren. ### ***1.1.7 | Was heißt „Fuchs“ in anderen Sprachen?*** - Englisch: Fox - Französisch: Renard - Italienisch: Volpe - Spanisch: Zorro - Schwedisch: Räv - Japanisch: Kitsune - Tschechisch: Lishka - Russisch: Lisa - Gälisch: Sionnach - Lateinisch: Vulpes - Niederländisch: Vos - Dänisch: Ræv - Esperanto: Vulpo - Norwegisch: Rev - Türkisch: Tilki - Polnisch: Lis - Portugiesisch: Raposa weiter zu *1.2 Allgemeines über Füchse: Aussehen und Erscheinungsbild* --- title: 1.2 | Allgemeines über Füchse- Aussehen und Erscheinungsbild date: 2026-03-15 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/1-2-allgemeines-ueber-fuechse-aussehen-geruch-anatomie/ --- # 1.2 | Allgemeines über Füchse: Aussehen und Erscheinungsbild ### ***1.2.1 | Wie sieht ein Rotfuchs aus?*** Wer das Glück hat, so schrieb einst der amerikanische Biologe Leonard Lee Rue III, einen Rotfuchs im Winterfell in einer schneebedeckten Landschaft zu sehen, hat das Schönheitsideal des Tierreichs vor sich. *Jungfuchs (Bild: Chris und Lara Pawluk)* Unabhängig von derartigen ästhetische Aspekten ist das Aussehen eines Rotfuchses durchaus objektivierbar: Bei der Farbvariante mit der weitaus größten Verbreitung sind Rücken, Außenseite der Läufe sowie der größte Teil des Schwanzes hell- bis rostrot, die Schwanzspitze, Bauch, Hals und die Innenseite der Läufe sind weiß bis hellgrau, in einigen Fällen auch cremefarben. Die Pfoten sowie die Rückseite der spitzen, dreieckigen Ohren sind schwarz. Neben dieser „klassischen“ Fuchsfärbung gibt es aber auch andere Farbvarianten. *Rotfuchs im Schnee (Bild: Eric Bégin)* Füchse verfügen über eine relativ lange, schlanke Schnauze. Die bei erwachsenen Füchsen bernsteinfarbenen, bei Fuchswelpen oft blauen Augen sind leicht schräg gestellt und haben – ähnlich wie es bei Katzen der Fall ist – senkrechte Pupillen. Der Rotfuchs hat einen sehr schlanken und leichten Körper, wirkt zumindest im Winter durch den dichten Pelz und den langen, buschigen Schwanz aber größer und massiger, als er ist. Über den Jahresverlauf kann das Aussehen ein und desselben Tieres übrigens erheblich variieren. Wenn Füchsen im Frühjahr nach und nach der dichte Winterpelz ausfällt und sie zusätzlich durch die oft aufreibende Jungenaufzucht an Gewicht verlieren, sehen sie oft ziemlich mitgenommen aus. Dies gilt insbesondere für die Fähen, die sich zudem mit den Zähnen das Bauchfell ausrupfen, um den Welpen leichteren Zugang zu den Zitzen zu ermöglichen. *Fuchs im Sommerfell (Bild: Paul Cecil)* Eine oft gestellte Frage ist, warum Füchse eine so auffällige Farbgebung besitzen. Eine gängige Hypothese dazu ist, dass die helle Schweifspitze sowie die deutlichen Kontraste an Schnauze und Ohren dazu dienen, im Dunkel der Nacht die füchsische Gebärdensprache zu unterstreichen. ### ***1.2.2 | Wie groß ist ein Rotfuchs?*** Füchse sind kleiner, als viele Menschen sie sich vorstellen – im Schnitt zwar etwas größer, aber nicht viel schwerer als eine Hauskatze. Fuchsrüden haben eine durchschnittliche Schulterhöhe von etwa 40cm und messen von der Schnauze bis zur Schwanzspitze gut einen Meter, wobei der Schwanz knapp ein Drittel dieser Länge ausmacht. Füchsinnen sind im allgemeinen etwas zierlicher und leichter als Rüden, die – je nach Lebensraum – im Mittel zwischen 6 und 8 Kilogramm auf die Waage bringen. ### ***1.2.3 | Wie sieht eine Fuchsspur aus?*** Die Pfotenabdrücke eines Fuchses ähneln denen eines kleinen bis mittelgroßen Hundes, sind aber eher eiförmig als rund. Die Abdrücke der vier Krallen sind im allgemeinen gut zu sehen. Am einfachsten ist eine Fuchsspur zu erkennen, wenn der Fuchs nicht sonderlich in Eile war: Bei der normalen füchsischen Gangart, dem charakteristischen „Schnüren“, sind alle Pfotenabdrücke in einem Abstand von 30-40cm schnurgerade aufgereiht. Ein fliehender Fuchs setzt dagegen die Pfoten nebeneinander, wobei sich die Hinterpfoten vor den Vorderpfoten abdrücken. *Fuchsspur beim charakteristischen „Schnüren“* ### ***1.2.4 | Was für eine Zahnformel haben Füchse?*** *Ein Fuchs zeigt sein Gebiss (Bild: Paul Cecil)* Ganz einfach 🙂 3 1 4 2 ——— = 42 3 1 4 3 Füchse verfügen also über insgesamt 12 Schneidezähne (jeweils 3 auf der rechten und linken Seite von Unter- und Oberkiefer), 4 Eckzähne, 16 Vorderbackenzähne sowie 10 Backenzähne (davon 4 im Ober- und 6 im Unterkiefer). Während die Eckzähne (auch Fangzähne genannt) zum Festhalten der Beute dienen, haben die Backen- und Vorderbackenzähne in erster Linie die Aufgabe, Fleisch und andere zähe Nahrung zu zerteilen (daher auch die Bezeichnung „Reißzähne“). ### ***1.2.5 | Sind alle Rotfüchse rot?*** Einige Rotfüchse haben leuchtend rotorangenes Fell, aber es gibt keine wirklich feuerroten Füchse. Die Helligkeit und der Farbton variieren dabei sehr stark – manche Füchse sind eher rot- oder sogar dunkelbraun, andere blaßrot bis nahezu grau, und auch Albinos wurden schon gesehen. Die helle rotorangene Farbvariante wird Birkfuchs genannt, dunkle rotbraune Füchse dagegen als Brandfüchse bezeichnet, und beim Kreuzfuchs überlappt sich ein dunkler Längsstreifen auf dem Rücken mit einem Querstreifen, der sich über die Schultern erstreckt. Kreuzfüchse haben in der Regel dunkles Bauchfell und dunkle Laufinnenseiten. Auch der Silberfuchs ist eigentlich ein Rotfuchs – oder besser gesagt: Er ist eine silbergraue bis schwarze Farbspielart des Rotfuchses, die – ähnlich wie der fast weiße Platinfuchs – häufig auf sogenannten Pelzfarmen gezüchtet wird. *Silberfüchse (Bild: ftcb/flickr.com)* *Kreuzfuchs (Bild: kevin76/flickr.com)* *Platinfuchs in Pelzfarm (Bild: Edmund Haferbeck)* ### ***1.2.6 | Worin unterscheiden sich Rotfüchse in nördlichen Arealen von Rotfüchsen in südlicheren (und wärmeren) Gefilden?*** Im allgemeinen sind Füchse in nördlichen Gefilden etwas größer und schwerer als ihre im Süden lebenden Artgenossen. Größere Lebewesen haben relativ zu ihrer Körpermasse eine geringere Oberfläche und damit den Vorteil, dass sie ihre wertvolle Körperwärme nicht so rasch an die Umgebung abgeben. Außerdem verfügen Rotfüchse, die in kälteren Regionen leben, in aller Regel über ein dichteres Fell. ### ***1.2.7 | Riechen Füchse wirklich so unangenehm?*** Der Geruch, den die meisten Menschen mit Füchsen verbinden, ist der ihres Urins. Er ist schwer zu beschreiben; manche fühlen sich davon aber an „Teeröl, verstopften Abfluss, Kater, Rauch, Wundbrand, gekochten Leim, verbrannten Karamell“ oder auch verbrannten Gummi erinnert. Fest steht, dass der Geruch sehr intensiv und einprägsam ist. Wer ihn einmal bewusst wahrgenommen hat, erkennt ihn jederzeit wieder. Mit Urin grenzen Füchsen zum Beispiel ihr Revier ab. Füchse verfügen noch über eine Reihe weiterer Duftdrüsen, die vor allem für die Kommunikation unter Füchsen enorm wichtig sind. Dazu gehören neben Drüsen an den Pfoten und in den Mundwinkeln vor allem die sogenannte „Viole“, eine Duftdrüse an der Schwanzoberseite, die einen durchaus angenehmen veilchenähnlichen Duft ausströmt. Darüber hinaus befinden sich zwei Drüsen an beiden Seiten des Afters, die den Kot mit einem intensiv riechenden Sekrekt benetzen. Nach all diesen Beschreibungen könnte man nun meinen, dass Füchse einen starken Körpergeruch haben. Tatsächlich ist es ein verbreitetes Vorurteil, dass Füchse „stinken“. Allerdings kann es sich ein Beutegreifer nicht leisten, seine nächste Mahlzeit durch den eigenen Geruch schon „zehn Meter gegen den Wind“ zu warnen. Vermutlich hat das Vorurteil vom stinkenden Fuchs eher den Umständen geschuldet, unter denen Menschen Füchsen begegnen. Bei Stress, vor allem aber in Extremsituationen wie akuter Panik oder Todesangst werden stark riechender Kot und Urin abgegeben. Auch die Duftdrüsen sind in solchen Situationen besonders aktiv und sondern ihre stark riechenden Sekrete ab. Wo Füchse früher auf Höfen angekettet oder in Fallen zur Schau gestellt wurden, ist es daher kaum verwunderlich, dass den Schaulustigen vor allem der intensive Geruch der Tiere in Erinnerung geblieben ist. ### ***1.2.8 | Haben Füchse einziehbare Krallen?*** Grundsätzlich gehören Füchse zu den hundeartigen Raubtieren (Caniden) und können ihre Krallen nicht wie Katzen vollständig einziehen. Allerdings sind – im Gegensatz zu Hunden – die Krallen der Vorderpfoten teilweise einziehbar. ### ***1.2.9 | Wie kann man das Alter von Füchsen bestimmen?*** Abgesehen davon, dass Jährlinge in der Regel schlanker und zierlicher sind als ältere Füchse, ist die genaue Altersbestimmung bei erwachsenen wilden Füchsen nahezu unmöglich. Bei gefangenen oder toten Tieren besteht die Möglichkeit, das Alter über die Abnutzung des Gebisses zu bestimmen. ### ***1.2.10 | Wie kann man Fuchsrüden von Fähen unterscheiden?*** Wenn sie uns nicht gerade den Gefallen tun, vor unseren Augen ihr Revier zu markieren oder andere verräterische Tätigkeiten zu verüben, ist das bei wildlebenden Füchsen sehr schwer. Rüden sind etwas größer und massiger als Fähen und haben zumeist auch einen etwas breiteren Kopf. Zur Zeit der Jungenaufzucht (April bis Juli) ist der Bauch von Fähen oft nur dünn behaart, da die Füchsin sich das Bauchfell auszupft, um den Welpen besseren Zugang zu den Zitzen zu ermöglichen; auch dies ist bisweilen ein nützlicher Anhaltspunkt. Fuchs und Füchsin in der winterlichen Paarungszeit ### ***1.2.11 | Wie sieht ein Fuchsschädel aus?*** Die folgenden Bilder zeigen Aufnahmen von Fuchsschädeln. Füchse haben im Vergleich etwa zu Wölfen eine deutlich schmalere, zierlichere Schnauze, einen flacheren Stirnverlauf, und – in Relation zur Schädelgröße – relativ lange, spitze Fangzähne. *Fuchsschädel (Rüde) von oben* *Fuchsschädel (Rüde) von der Seite* ### ***1.2.12 | Wie sieht ein Fuchsskelett aus?*** Das Skelett eines Fuchses gleicht in vielen Punkten dem eines Hundes oder Wolfes. Im Vergleich zu einem Wolfsskelett wirkt ein Fuchsskelett weitaus zierlicher; die Wirbelsäule ist stärker gebogen, der Schweif im Verhältnis zum Körper länger, und die Hinterläufe sind im Vergleich zu den Vorderläufen länger. *Skelett eines Rotfuchses* ### ***1.2.13 | Wie sieht Fuchskot aus?*** *Fuchslosung* Fuchskot ist meist dunkelbraun bis schwarz und an einem Ende deutlich zugespitzt (siehe Bild). Die Spitze kommt durch die Fellhaare von Beutetieren zustande. Im Sommer, wenn die Kirschen reif sind, sind im Fuchskot oft Kirschkerne zu erkennen. Füchse verwenden ihren Kot zur Reviermarkierung und platzieren ihn gerne an erhöhten, gut sichtbaren Stellen. Findet man Fuchskot im Garten, sollte man ihn am besten mit einem Hundekotbeutel einsammeln und im Restmüll entsorgen. *weiter zu 1.3 Allgemeines über Füchse: Verbreitung, Lebensraum und Lebensweise* *zurück zu 1.1 Allgemeines über Füchse: Taxonomie und Terminologie* --- title: 1.3 | Allgemeines über Füchse- Verbreitung, Lebensraum und Lebensweise date: 2026-03-15 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/1-3-verbreitung-lebensraum-und-lebensweise/ --- # 1.3 | Allgemeines über Füchse: Verbreitung, Lebensraum und Lebensweise ### ***1.3.1 | Wo überall gibt es Füchse?*** *Die rot markierten Areale repräsentieren das * *heutige Verbreitungsgebiet des Rotfuchses.* Durch ihre Intelligenz und Anpassungsfähigkeit können Rotfüchse heute als der weltweit erfolgreichste Beutegreifer gelten. Sie verfügen – mit der Ausnahme des Menschen – über das größte natürliche Verbreitungsgebiet aller Säugetiere: Nahezu ganz Asien südlich der Tundra (abgesehen von den ganz im Südosten gelegenen Gebieten), Europa, Nordafrika und Nordamerika. In Australien und einer Reihe von Pazifikinseln wurden Rotfüchse von Siedlern ausgesetzt – einerseits als Jagdwild, andererseits aber auch mit dem Ziel, Kaninchen“plagen“ in den Griff zu bekommen. Da die dort zu findende Beuteltierfauna auf den anpassungsfähigen Neuankömmling als Beutegreifer nicht vorbereitet war und Füchse mit ihr dementsprechend oft leichtes Spiel hatten, werden insbesondere in Australien seit Jahren Versuche unternommen, *Vulpes vulpes* wieder auszurotten. Die Erfolge dieser mit Flinte, Fallen und Giftködern, aber auch verhütend wirkenden Präparaten (sogenannten Immunokontrazeptiva) geführten Kampagnen sind jedoch bescheiden. ### ***1.3.2 | Welche Art von Lebensraum bevorzugen Rotfüchse?*** Durch ihre unglaubliche Anpassungsfähigkeit können Rotfüchse nahezu überall überleben, wo sich ihnen genug pflanzliche oder tierische Nahrung bietet. Sie sind in den hohen Gebirgen Osteuropas und Nordamerikas ebenso anzutreffen wie den Sanddünen Hollands oder der kanadischen Tundra. In Bergregionen leben Füchse bis zu einer Höhe von 1.800m über NN; in Tibet sogar bis knapp 4.000m. Einer der beliebtesten Fuchslebensräume sind heute aber ausgerechnet menschliche Siedlungsgebiete. Insbesondere die Vororte bieten mit ihrer lockeren Einzel- oder Reihenhausbebauung einen abwechslungs- und deckungsreichen Lebensraum mit reichlich Nahrung. Stadtfüchse laben sich an Mäusen und Ratten, die im Siedlungsbereich immer zu finden sind, erbeuten Stadttauben oder bedienen sich an Fallobst, verschmähen aber auch menschliche Nahrungsreste aus dem Stadtpark-Mülleimer nicht. *Fuchs auf dem Dach: Füchse erobern die Städte (Bild: Paul Cecil)* Wie „günstig“ ein Lebensraum für Füchse ist, schlägt sich in der Größe ihrer Reviere nieder. Je mehr Nahrung auf einer gegebenen Fläche verfügbar ist, desto kleiner ist auch das Streifgebiet der dort lebenden Füchse – letzten Endes betreiben Füchse bei der Nahrungssuche nämlich nicht mehr Aufwand als nötig ist, um satt zu werden. Während ein Fuchsrevier in der kargen kanadischen Tundra mehrere tausend Hektar haben kann, sind es in mitteleuropäischen Wäldern meist wenige Hundert. Stadtfüchse dagegen begnügen sich oft mit weniger als zehn Hektar. *Stadtfuchs auf Garagendach* *Video (c) Helmut Sütsch, www.fuchsfilm.de* ### ***1.3.3 | Sind Füchse eher tag- oder eher nachtaktiv?*** Überall dort, wo Füchse stark von Menschen verfolgt werden, sind sie ausgeprägt dämmerungs- und nachtaktiv; allenfalls in der Paarungszeit und während der Erziehung der Welpen sieht man sie hin und wieder am Tag. In Gegenden, wo Füchse schon seit langer Zeit nicht bejagt werden, kann man Füchse weitaus häufiger im Sonnenlicht spielen, sich balgen und nach Nahrung suchen sehen. ### ***1.3.4 | Halten Füchse sich meist im Bau auf?*** Außerhalb der Fortpflanzungszeit sind Füchse eher selten im Bau anzutreffen – viel lieber lassen sie sich die Sonne auf den Pelz scheinen oder verweilen an einem gut geschützten, deckungsreichen Ort in ihrem Revier. Lediglich durch sehr ungemütliches Wetter – wie etwa strömenden Regen – lassen sie sich in den Bau treiben. Die Geburt der Jungen findet dagegen im sicheren Bau statt, und auch in der Zeit danach hält sich insbesondere die Füchsin mit ihrem Nachwuchs häufig in der Höhle auf. Gelegentlich findet auch die Paarung unterirdisch statt, weil Fuchs und Füchsin – ähnlich wie Hunde – nach dem Akt bis zu 30 Minuten untrennbar aneinander „hängen“ und eventuellen Angriffen von Artgenossen oder Menschen in dieser Zeit hilflos ausgeliefert sind. Außerdem stellte der Biologe Darius Weber fest, dass in Gebieten, in denen Füchse häufig mit Hunden aus dem Bau gehetzt und erschossen werden („Baujagd“), die Baue signifikant seltener benutzt werden als in Vergleichsgebieten ohne Baujagd. *Füchsin mit Welpen am Bau* *Video (c) Helmut Sütsch, www.fuchsfilm.de* ### ***1.3.5 | Wie ist ein Fuchsbau angelegt?*** Fuchsbaue haben in aller Regel zumindest einen sogenannten „Kessel“ – eine Art Raum, in dem die Füchsin beispielsweise ihre Kinder zur Welt bringt – sowie praktisch immer mehrere Ausgänge, um den Baubewohnern bei drohender Gefahr ausreichend Fluchtmöglichkeiten zu bieten. Der Kessel wird von Füchsen nicht ausgepolstert; vielmehr kuscheln sich die neugeborenen Fuchswelpen in das weiche Fell ihrer Mutter. Wenn die Geburt der Welpen bevorsteht, legt die Füchsin vorsorglich gleich mehrere Baue an oder richtet bestehende Baue wieder her. Manchmal übernehmen Füchse ganz einfach Kaninchenbaue und erweitern diese für ihre Zwecke oder sie ziehen in alte Dachsbaue ein. Dachse sind besonders fleißige Baumeister, so dass ihre Baue unterirdisch gewaltige Ausmaße annehmen können. Dort bewohnen Füchse dann oft nur einen kleinen Teil. ### ***1.3.6 | Leben Füchse wirklich mit anderen Tieren zusammen in einem Bau?*** In der Tat kommt es durchaus vor, dass Füchse in friedlicher Koexistenz mit anderen Tieren ein- und denselben Bau bewohnen. Insbesondere Dachshöhlen sind oft so geräumig, dass sie neben dem „Hausherren“ Dachs auch eine Fuchsfamilie als Untermieter beherbergen können. Selbst Kaninchen teilen sich gelegentlich den Bau mit einem Fuchs, ohne dass dieser Jagd auf die Langohren macht – „Burgfriede“ wird dieses Phänomen genannt. ### ***1.3.7 | Halten Füchse Winterschlaf?*** Nein, Füchse sind auch (oder gerade) im Winter sehr aktiv. Beispielsweise fällt die hitzige Paarungszeit („Ranz“) in die Monate Dezember bis Februar. *weiter zu 1.4 Allgemeines über Füchse: Sinnesleistungen, Intelligenz und Leistungsfähigkeit* *zurück zu 1.2 Allgemeines über Füchse: Aussehen und Erscheinungsbild* --- title: 1.4 | Allgemeines über Füchse- Sinnesleistungen, Intelligenz und körperliche Leistungsfähigkeit date: 2026-03-19 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/1-4-allgemeines-ueber-fuechse-sinnesleistungen-intelligenz-und-koerperliche-leistungsfaehigkeit/ --- # 1.4 | Allgemeines über Füchse: Sinnesleistungen, Intelligenz und körperliche Leistungsfähigkeit ### ***1.4.1 | Wie gut sind die Sinnesleistungen von Rotfüchsen?*** Die Sinnesleistungen von Füchsen sind in nahezu allen Belangen rekordverdächtig – sie können Töne bis zu einer Frequenz von 65kHz wahrnehmen, wohingegen der menschliche Hörbereich bei etwa 20kHz endet. Zudem können Füchse ihre Ohren sehr exakt ausrichten. Dadurch sind sie in der Lage, die Geräusche einer Maus noch unter einer dreißig Zentimeter dicken Schneedecke punktgenau zu orten. *In der Nahaufnahme sind die vertikal geschlitzten Pupillen des Fuchsauges gut zu erkennen (Bild: Paul Cecil)* Auch der Geruchssinn spielt im Leben von Füchsen eine wichtige Rolle. Die Fuchsnase hat es daher im wahrsten Sinne des Wortes in sich: Feine Knochenstrukturen in ihrem Innern sorgen dafür, dass in der vergleichsweise kleinen füchsischen Nasenhöhle eine Riechschleimhaut mit riesiger Oberfläche Platz findet. Da Füchse zudem über ein Vielfaches der Riechzellen eines Menschen verfügen, dürften sie durch ihre Nase ungleich mehr über ihre Umwelt erfahren als wir. Schaut man einem Fuchs in die Augen, fallen sofort die vertikal geschlitzten Pupillen auf. Der größte Vorteil dieser Pupillenform ist, dass sie im Nahbereich eine sehr akkurate Tiefenwahrnehmung ermöglicht. Bodennahen Kleintierjägern wie Fuchs und Katze hilft diese bei der exakten Ortung von Beutetieren; sie ist aber auch auf der Flucht von großem Nutzen. Wer einmal beobachtet hat, wie ein Fuchs in vollem Lauf durch Unterholz und Gebüsch navigiert oder millimetergenau unter Zäunen hindurchtaucht, bekommt einen Eindruck davon, wie gut das funktioniert. Die vertikalen Pupillen schließen außerdem besser als runde Pupillen und bieten den empfindlichen Fuchsaugen bei hellem Sonnenschein und reflektierendem Schnee optimalen Schutz. *Die Nase eines Fuchses ist um ein Vielfaches sensibler als die des Menschen (Bild: Paul Cecil)* Die Augen von Füchsen sind (wie bei vielen anderen Tieren) mit einer reflektierenden Schicht im Augenhintergrund versehen, dem sogenannten tapetum lucidum. Es ist auch dafür verantwortlich, dass Fuchsaugen im Scheinwerferlicht regelrecht aufleuchten, weil es einfallendes Licht zurückwirft. Da das Licht die Netzhaut dabei ein zweites Mal passiert, fungiert das tapetum lucidum letztlich als Restlichtverstärker und sorgt dafür, dass Füchse auch bei schwachem Licht noch gut sehen können. Allerdings ist die Farbwahrnehmung und Fernsicht bei Füchsen vermutlich deutlich schwächer ausgeprägt als bei uns Menschen. Wie ein Team aus tschechischen und deutschen Forschern feststellte, scheinen Füchse aber sogar über Sinneswahrnehmungen zu verfügen, für die es bei uns Menschen schlichtweg keine Entsprechung gibt. Als die Wissenschaftler Füchse bei der Mäusejagd beobachteten, stellten sie verdutzt fest, dass die Tiere Sprünge in nordöstlicher Richtung stark bevorzugten. Mäusesprünge in dieser Richtung waren aber nicht nur häufiger, sondern hatten auch eine viel höhere Erfolgsquote als Sprünge in andere Himmelsrichtungen. Der Effekt zeigte sich unabhängig von Tages- und Jahreszeit, Windrichtung, Witterung und Bewölkung des Himmels oder Alter und Geschlecht des Fuchses und war umso ausgeprägter, je schlechter die Sicht des Fuchses auf sein Beutetier war. Die Forscher schlossen daraus, dass Füchse die Fähigkeit haben, das Erdmagnetfeld wahrzunehmen und es sich bei der Mäusejagd zunutze zu machen. Wenn wir zum Beispiel einen Laserpointer in einer bestimmten Höhe halten und in einem konstanten Winkel gegen den Boden richten, hat der Leuchtpunkt immer die gleiche Entfernung zu uns, wenn wir damit umherlaufen. Analog dazu könnte ein Fuchs, der ein Beutetier zwar hört, aber nicht sieht, sich beispielsweise so lange auf die Beute zubewegen, bis die Richtung zur Geräuschquelle in einem bestimmten Verhältnis zur Ausrichtung des Erdmagnetfelds steht. Daraus ergibt sich die Distanz zum Zielpunkt des Beutesprungs ebenso exakt wie in unserem Laserpointer-Beispiel. Der Fuchs könnte bei Sprüngen in Richtung des Erdmagnetfelds also eine hochgradig spezialisierte und tausendfach eingeübte Bewegungsfolge abspulen, während bei anderen Orientierungen Sprungrichtung, -weite und -winkel jedes Mal variieren ### ***1.4.2 | Wi******e alt werden Füchse?*** Füchse können in Gefangenschaft 12 bis 15 Jahre alt werden; in freier Natur gibt es dokumentierte Beispiele von zwölfjährigen Tieren. Durch menschengemachte Einflüsse ist die Lebensspanne der meisten Füchse in freier Wildbahn jedoch deutlich geringer: - Eine Studie aus den 2010er Jahren bezifferte die mittlere Lebensdauer von Stadtfüchsen in Berlin mit 20 Monaten für Rüden und 21 Monaten für Fähen. Die meisten Füchse starben dabei an Verkehrsunfällen – insbesondere unerfahrene Jungtiere sind davon stark gefährdet. - Bei einer Studie an englischen Stadtfüchsen stellte sich heraus, dass es starke Unterscheide zwischen Füchsen am Standrand und jenen im Stadtzentrum gab. Die Füchse vom Stadtrand lebten im Durchschnitt mehr als fünf Jahre, die im Stadtzentrum – bedingt durch weit höheres Verkehrsaufkommen – jedoch nur 12-18 Monate. - In sehr stark bejagten Gebieten sind sogar mittlere Lebenserwartungen von nur 11 bis 15 Monaten üblich. Wie der Biologe Felix Labhardt feststellte, werden dort 75% der Füchse innerhalb ihres ersten Lebensjahres getötet. Die bei weitem häufigste Todesursache ist dabei natürlich die Jagd. Die Lebenserwartung von Füchsen hängt also stark davon ab, wo die Tiere leben, wie stark ihr Lebensraum durch den Straßenverkehr beeinflusst ist, und vor allem, wie stark der Mensch ihnen nach dem Leben trachtet. Wo Krankheiten wie Räude und Staupe grassieren, können auch sie – zumindest vorübergehend – zur Haupttodesursache von Füchsen werden. ### ***1.4.3 | Wie schnell können Füchse rennen?*** Füchse können kurzzeitig bis zu 50km/h erreichen und würden damit einen Hundert-Meter-Sprint gegen jeden Menschen bequem gewinnen, auch wenn sie solche Geschwindigkeiten nicht über größere Distanzen durchhalten. Gegenüber ausgeprägten Fluchttieren wie etwa Feldhasen stehen sie damit dennoch auf verlorenem Posten – Hasen erreichen mühelos 70km/h und sind dabei weitaus wendiger als ein Fuchs. *Rotfuchs in vollem Lauf (Bild: Archiv)* ### ***1.4.4 | Wie hoch können Füchse springen?*** Füchse können aus dem Stand bis zu 1,80 Meter hoch und fünf Meter weit springen. Selbst Zäune von über zwei Metern Höhe sind für einen Fuchs kein unüberwindbares Hindernis, wenn sie keinen Überkletterschutz (oder Elektrolitzen) besitzen, da Füchse die Zaunmaschen zum Klettern nutzen können. ### ***1.4.5 | Sind Füchse wirklich so schlau?*** Systematische Untersuchungen dazu gibt es leider nicht. Allerdings gibt es einige Indizien dafür, dass Füchse tatsächlich besonders schlaue Gesellen sind. Ein Anhaltspunkt für die Intelligenz einer Tierart ist etwa der sogenannte Enzephalisationskoeffizient (EQ), der ein Maß für die relative Größe des Gehirns darstellt. Die deutschen Hirnforscher Gerhard Roth und Ursula Dicke errechneten den EQ für eine Reihe verschiedener Arten und wählten als Vergleichsspezies die Hauskatze (der dadurch ein Wert von 1,0 zugewiesen wird). Es verwundert nicht, dass der Mensch diese Tabelle mit einem EQ von 7,8 klar anführt und dass Affen deutlich höhere Werte erreichen als etwa Nagetiere. Kaninchen liegen in der Auflistung von Roth und Dicke bei 0,4, Löwen bei 0,6, Pferde bei 0,9 und Hunde bei einem EQ von 1,2. Füchse kommen immerhin auf einen Wert von 1,6, womit sie in ähnliche Größenordnungen vorstoßen wie manche Affenarten (Gorillas besitzen beispielsweise einen EQ zwischen 1,5 und 1,8). Daneben gibt es einige ganze Reihe weitere „praktische“ Hinweise auf die Intelligenz von Füchse, z.B.: - Füchse stellen sich beispielsweise tot, um die Aufmerksamkeit von Aasfressern wie etwa Krähen auf sich zu ziehen, und erbeuten diese, wenn sie sich dem vermeutlich toten Tier genähert haben. Lange Zeit wurde dies von Biologen als Märchen abgetan, bis es in den sechziger Jahren erstmals einem russischen Tierfotografen gelang, dieses Verhalten auf Bildern festzuhalten. - Selbst Wildfüchse sind mitunter in der Lage, einen menschlichen Fingerzeig korrekt zu deuten. Noch viel besser gelingt das Füchsen, die seit Generationen gezielt auf Zahmheit selektiert werden, wie es etwa in einem bekannten (aber ethisch fragwürdigen) russischen Langzeitexperiment der Fall ist. Nach gut sechzig Jahren Zuchtauswahl können die heute dort geborenen Fuchswelpen Zeigegesten ebenso gut deuten wie junge Hunde. Manche Biologen sind daher überzeugt, dass Füchse die intelligenteren Hunde geworden wären, hätte man sie anstelle des Wolfs domestiziert. - Der Verhaltensforscher Dröscher berichtet über das „Charming“, einer Technik, die Füchse bei der Kaninchenjagd benutzen – ohne dem Kaninchen offensichtliche Aufmerksamkeit zu schenken, tollen Füchse wild in der Gegend herum und nähern sich dabei Stück für Stück der gleichermaßen irritierten wie faszinierten Beute, bis sie diese packen können - In einer US-amerikanischen Studie der Biologen Abigail Reid und Alain Tousignant zum Explorations- und Problemlöseverhalten von Füchsen, Wölfen und Mähnenwölfen schnitten Füchse deutlich besser ab als ihre größeren Verwandten; sie gingen allerdings auch forscher an die Aufgaben heran. - Als der Biologe Felix Labhardt Füchse zu Forschungszwecken mit Kastenfallen fangen wollte, erlebte er sein blaues Wunder – die Füchse lernten rasch, den trickreich befestigten Köder zu stehlen, ohne dass die Falle zuschnappte, wobei „der Fuchs… dazu äußerst subtil und vorsichtig vorgegangen sein (musste)“. Labhardt schreibt weiter: „Ohne Zweifel hat der Fuchs an der Falle menschliche Duftspuren wahrgenommen und war sich einer Gefahr bewusst. Und es scheint so, als ob er Einsicht in die Funktionsweise der Falle hatte, wahrscheinlich ohne eine solche je in Betrieb erlebt zu haben, und alles in der Dunkelheit der Nacht.“ (F.Labhardt, Der Rotfuchs, Paul Parey 1990). - Jagdzeitschriften stilisieren die Fuchsjagd makabrerweise gerade aufgrund der füchsischen Intelligenz zu etwas besonders Reiz- und Lustvollem empor: Unter allen Wildarten sei gerade das Erbeuten eines Rotfuchses die größte „jagdliche Herausforderung“. Wie dem auch sei – alles deutet darauf hin, daß an der sprichwörtlichen Schläue von Füchsen durchaus etwas dran ist. Allerdings dürfte es eine große interindividuelle Variationsbreite geben – der unerfahrene Jährling hatte schließlich weit weniger Gelegenheit zum Lernen als ein „alter Fuchs“. ### ***1.4******.6 | Können Füchse schwimmen?*** Ja (wie auch Hunde), allerdings sind sie nicht die allerbesten Schwimmer im Tierreich. ### ***1.4.7 | Können Füchse klettern?*** Rotfüchse sind leidlich gute Kletterer. Im Siedlungsbereich klettern sie etwa astreiche oder schräg stehende Bäume empor, um an Meisenknödel zu gelangen, und stellen sich dabei ziemlich geschickt an. Mit Katzen oder den exzellent kletternden Graufüchsen (die manchmal auch „Baumfüchse“ genannt werden) können sie es aber bei weitem nicht aufnehmen. *weiter zu 1.5 Allgemeines über Füchse: Nahrung und Feinde* *zurück zu 1.3 Allgemeines über Füchse: Verbreitung, Lebensraum und Lebensweise* --- title: 1.5 | Allgemeines über Füchse- Nahrung und Feinde date: 2026-03-19 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/1-5-fuechse-nahrung-beute-feinde/ --- # 1.5 | Allgemeines über Füchse: Nahrung und Feinde ### ***1.5.1 | Wovon ernähren sich Füchse?*** *Eine Füchsin reckt sich nach Beeren (Bild: Günther Schumann)* Auch wenn Füchse aus taxonomischer Sicht Karnivoren, also Fleischfresser sind, besteht ihre Nahrung keineswegs nur aus Fleisch – insbesondere im Sommer, wenn Obst und Beeren reif sind, steigt der Rotfuchs zu wesentlichen Teilen auf bequem erreichbare pflanzliche Kost um. Bei einer im Sommerhalbjahr durchgeführten Untersuchung im Saarland fand man in den Mägen von 37 von 55 erschossenen Füchsen Obstreste. Füchse jagen – im Gegensatz etwa zum Rudeljäger Wolf – allein, und ihre Beute sind dementsprechend Lebewesen, die deutlich kleiner sind als sie selbst. Hauptbeute von Füchsen sind ohne jeden Zweifel Mäuse, die in manchen Gebieten bis zu 90 Prozent der Fuchsnahrung ausmachen. Kaninchen stehen dort, wo sie häufig sind, ebenfalls relativ weit oben auf der füchsischen Speisekarte, und – man höre und staune – auch Regenwürmer erfreuen sich großer Beliebtheit. Der Biologe Macdonald beobachtete beispielsweise Füchse, die im Sommer in einer einzigen Nacht 150 Regenwürmer fingen und damit knapp zwei Drittel ihres täglichen Energiebedarfs deckten. In der Nähe menschlicher Siedlungen bedienen sich Füchse überdies gerne an den Abfällen unserer Zivilisation, vom Hamburger bis zur nur halb aufgegessenen und achtlos weggeworfenen Pizza. *Fuchs mit gerissener Taube (Bild: Paul Cecil)* Demgegenüber sind weniger häufige Wildtiere wie etwa Wildgeflügel oder auch Feldhasen nur sehr selten auf der Speisekarte von Füchsen zu finden. Einerseits ist es für den Fuchs Zeitverschwendung, erfolglos nach seltener und dementsprechend schwer zu findender Beute zu suchen, andererseits ist etwa ein gesunder Hase keine Beute für einen noch so schnellen Fuchs – mit ihren kräftigen Hinterläufen können die Langohren sich aus dem Stand auf mehr als 70 km/h katapultieren. Untersuchungen zeigen, dass der bei weitem größte Teil der von Füchsen gefressenen Hasen als Aas aufgenommen wird. ***Literatur:** Jedrzejewski, W.; Jedrzejewski, B. (1992): Foraging and diet of the red fox Vulpes vulpes in relation to variable food resources in Biatowieza National Park, Poland. Ecography 15 (2), 212-220. Leckie, F. et al. (1998): Variation in the diet of red foxes on Scottish moorland in relation to prey abundance. Ecography 21 (6), 599-604* *Knauer, F., Küchenhoff, H., Pilz S. (2009): **A statistical analysis of the relationship between red fox Vulpes vulpes and its prey species (grey partridge Perdix perdix, brown hare Lepus europaeus and rabbit Oryctolagus cuniculus) in Western Germany from 1958 to 199*8 *Kissling, J., Bshary R., Fischer C. (2018): Assessing the predation pressure of the Red fox on the Brown hare in agricultural areas of Switzerland. 33rd International Union of Game Biologists.* ### ***1.5.2 | Wieviel Nahrung brauchen Füchse am Tag?*** Nach Macdonald, einem renommierten Fuchsforscher, können Füchse über einen gewissen Zeitraum mit lediglich 50 kcal pro Tag auskommen, ohne dass sich das in ihrem Verhalten niederschlägt. Im Schnitt brauchen erwachsene Füchse aber ungefähr 600 kcal pro Tag, um dauerhaft zu überleben. Das entspricht etwa 200-300 Gramm Nahrung oder rund 15 Mäusen. Zum Vergleich: Ein ausgewachsener, normalgewichtiger Mensch verbraucht täglich gut 2000kcal. ***Literatur:** Macdonald, D. (1993): Unter Füchsen. Eine Verhaltensstudie. Knesebeck, München.* ### ***1.5.3 | Wie jagen Füchse ihre Beute?*** Füchse sind Beutegreifer und bedienen sich bei der Nahrungssuche einer Mischung aus Lauern und Stöbern – beim Durchstreifen ihres Reviers stecken sie die Nase in jedes vielversprechende Dickicht und Erdloch, suchen auf Feldern nach kleinen Beutetieren, warten einige Zeit vor Mauselöchern, und begnügen sich oftmals schließlich damit, nach regnerischem Wetter an die Oberfläche gekommene Regenwürmer aufzulesen. *Fuchs auf dem Sprung… (Bild: Archiv)* Charakteristisch für die Mäusejagd ist der typische Beutesprung der Füchse: Hat der Fuchs seine Beute ausgemacht, katapultiert er sich beinahe senkrecht in die Luft und drückt die Maus mit den Krallen seiner Vorderpfoten zu Boden. Dann packt er sie mit den Fangzähnen und tötet sie. Beim Auflesen von Regenwürmern kommen dem Fuchs seine sensiblen Schnurrbarthaare zugute: Mit gesenktem Kopf streift er über Acker, Wege und abgeerntete Felder. Wann immer seine Schnurrhaare einen sich vom Boden nach oben räkelnden Regenwurm berühren, schnappt er zu. *Fuchs auf der Mäusejagd im Winter* ### ***1.5.4 | Rotten Füchse ihre Beutetiere aus?*** Als Folge der industrialisierten Landwirtschaft und der massiven Umgestaltung von Lebensräumen durch den Menschen gehen die Bestände vieler Wildtiere kontinuierlich zurück. Darunter befindet sich auch so manche Tierart – vom Feldhasen über bodenbrütende Vögel bis hin zum Feldhamster -, die auch dem Fuchs als Beuteart dient. Die Einfluss von Beutegreifern wie dem Fuchs auf bedrohte Arten variiert stark. Vielerorts ist er sehr gering. Wo die Ausräumung ihres Lebensraums die Lebensbedingungen der Beutearten jedoch bereits stark verschlechtert hat, können Füchse und andere Beutegreifer die Situation weiter verschärfen. Das liegt beispielsweise daran, dass die Beutetiere aufgrund eines Mangels an Deckung und Nahrung zu riskanterem Verhalten bei der Nahrungssuche gezwungen sind. Hinzu kommt, dass es weniger geschützte Brutplätze und Versteckmöglichkeiten gibt. Das heißt jedoch nicht, dass das Töten von Füchsen und anderen Beitegreifern bedrohten Tierarten hilft. Tatsächlich kommt die weit überwiegende Zahl wissenschaftlicher Studien zu dem Ergebnis, dass das nicht der Fall ist. In erster Linie liegt das daran, dass selbst intensive Jagd die Fuchspopulation in den meisten Fällen nicht reduzieren kann. Will man bedrohten Arten helfen, kann dies nur dadurch geschehen, dass man ihre Lebensräume wieder verbessert (z.B. Vorhandensein von Deckung, Nahrung, geeigneten Brutstätten). Dadurch können auch prädationsbedingte Verluste reduziert werden. In einem geeigneten Lebensraum können Beutegreifer und Beutetiere problemlos koexistieren. Weitere Ausführungen und Quellenhinweise zu diesem Thema finden sich unter Ist Fuchsjagd ein geeignetes Mittel, um bedrohten Vogel- und Säugetierarten zu helfen? sowie in den Kurzzusammenfassungen wissenschaftlicher Literatur. *Ein gesundes Kaninchen kann ein Fuchs allenfalls dann erwischen, wenn er es überrascht – das wissen auch diese Langohren und sind deshalb trotz des Jungfuchses in ihrer Nähe ziemlich entspannt.* ***Literatur:** Macdonald, D. (1993): Unter Füchsen. Eine Verhaltensstudie. Knesebeck, München.* *Mooij, J.H. (1998): Zum Einfluß von Biotopeignung und Prädatoren auf die Bestände einiger Niederwildarten. Beiträge zur Jagd- und Wildforschung 23, 161-178. Bruns, H.A., Hötker H., Christiansen J., Hälterlein B. & Petersen-Andresen W. (2001): Brutbestände und Bruterfolg von Wiesenvögeln im Beltringharder Koog (Nordfriesland) in Abhängigkeit von Sukzession, Beweidung, Wasserständen und Prädatoren. Corax 18, Sonderheft 2: 67-80.* *Kämmerle, J.L., Niekrenz S., Storch I. (2019): No evidence for spatial variation in predation risk following restricted-area fox culling. BMC Ecol. 19(1):17* *Jellesmark, S., Ausden, M., Blackburn, T.M., Hoffmann, M., McCrae, L., Visconti, P., Gregor, R.D. (2022): The effect of conservation interventions on the abundance of breeding waders within nature reserves in the United Kingdom. Ibis 165, 69-81* ### ***1.5.5 | Betreiben Füchse Vorratswirtschaft?*** Haben Füchse viel Erfolg bei der Nahrungssuche und finden oder erbeuten sie mehr, als sie verzehren können, vergraben sie den Überschuss in Verstecken. Für diese Verstecke besitzen Füchse selbst nach längerer Zeit ein beeindruckendes Gedächtnis – in einem von dem Verhaltensforscher Dröscher geschilderten Beispiel fand ein Fuchs 44 von 45 Verstecken wieder (eine Aufgabe, an der menschliche Eltern an Ostern oft scheitern). Der Geruch spielt dabei allenfalls bei der Feinortung der vergrabenen Nahrung eine Rolle: Als der Biologe David Macdonald die von einem Fuchs versteckte Nahrung ausgrub und einen Meter entfernt wieder säuberlich verbuddelte, gelang es dem Fuchs nicht, diese wiederzufinden. *Fuchsrüde vergräbt Beutereste* ### ***1.5.6 | Welche Funktion erfüllen Füchse in der Natur?*** Einerseits sind sie wichtige Aasvertilger und Mäusejäger, andererseits haben sie eine große Bedeutung für Gesundheit und Kondition ihrer Beutebestände. So läuft ein gesunder Hase selbst dem fittesten Fuchs mit Leichtigkeit davon. Allerdings sind Füchse in der Lage, bereits subtile Anzeichen einer Krankheit oder Verletzung bei ihren Beutetieren zu erkennen. Im Zweifelsfall sprintet ein Fuchs dem Hasen oder Kaninchen dann ein paar Dutzend Meter hinterher, um dessen Fitness zu prüfen. Bei einem gesunden Beutetier wird die Verfolgung abgebrochen; ist die Beute jedoch erkennbar geschwächt, bleibt der Fuchs dran. Auf diese Weise werden kranke und schwache Tiere frühzeitig erbeutet, und Seuchen und Parasiten werden an der Ausbreitung gehindert. Das funktioniert ungleich effektiver, als es menschliche Eingriffe in eine Tierpopulation jemals könnten. Füchse sind also regelrechte Gesundheitspolizisten in der Natur, die die Bestände ihrer Beutetiere gesund und widerstandsfähig halten. ### ***1.5.7 | Was sind die bedeutendsten Feinde von Füchsen?*** Diese Frage läßt sich sehr einfach beantworten. Menschen, und dabei insbesondere Jäger und Fallensteller, die an dem Fell oder auch einfach nur an der Bejagung des Fuchses gefallen finden, sind in einem wesentlich Teil seines Verbreitungsgebietes die einzigen (dafür aber umso erbitterteren) Feinde des Rotfuchses. Sie sind Studien zufolge für 56% bis über 80% der Todesfälle unter Füchsen verantwortlich. Im städtischen Raum, wo Füchse nicht gejagt werden und von früh bis spät dichter Straßenverkehr herrscht, sind Kollisionen mit Autos die häufigste Todesursache von Füchsen. Auch Krankheiten wie Räude oder Staupe können Fuchspopulationen stark zusetzen. Dort, wo es Wolf, Steinadler und Luchs gibt, stellen diese für Füchse – insbesondere für Jungtiere – eine Gefahr dar. Untersuchungen aus Skandinavien zeigen, dass Luchse mancherorts für zwischen 4 und 14% der Todesfälle der beobachteten Füchse verantwortlich waren. Ob die Anwesenheit von großen Beutegreifern wie Luchsen oder Wölfen für die Fuchspopulation positiv oder negativ ist, hängt wahrscheinlich von einer Reihe anderer Faktoren ab. So gibt es Studien, die einen negativen Einfluss von Luchsen auf die Fuchspopulation belegen; in anderen Untersuchungen zeigte sich dagegen, dass Füchse von Wölfen und Luchsen profitieren (etwa, weil sie sich an deren Rissen gütlich tun). ***Literatur:** Labhardt, F. (1990): Der Rotfuchs. Paul Parey, Hamburg/Berlin.* *Sarmeto, P., Bandeira, V., Gomes, P., Carrapato, C., Eira, C., Fonseca, C. (2021): Adapt or perish: how the Iberian lynx reintroduction affects fox abundance and behaviour. Hystrix, the Italian Journal of Mammalogy, 32(1):48-54* *weiter zu 2.1 | Ökologie und Verhalten: Füchsische Kommunikation* *zurück zu 1.4 Allgemeines über Füchse: Sinnesleistungen, Intelligenz und körperliche Leistungsfähigkeitlge* --- title: 2 | Ökologie und Verhalten date: 2026-02-01 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/2-0-oekologie-und-verhalten/ --- # 2 | Ökologie und Verhalten „Alles über Füchse“ ist das Motto des großen Fragen & Antworten-Bereichs auf fuechse.info. Er ist die wohl umfassendste deutschsprachige Online-Informationsquelle über den Rotfuchs und wird regelmäßig aktualisiert und ergänzt. Wer eine Frage hat, die hier nicht beantwortet wird, kann sie mir schicken, und ich werde schauen, dass ich sie (samt Antwort, versteht sich) beim nächsten Update hinzufüge. Die Seiten sind durch Querverlinkungen so gestaltet, dass man bequem darin schmökern kann, aber natürlich sind alle Inhalte auch über die Volltextsuche auffindbar. **2. Ökologie und Verhalten** ***2.1 Füchsische Kommunikation *** - 2.1.1 Wie verständigen Füchse sich untereinander? - 2.1.2 Welchen Sinn haben die Duftmarken von Füchsen? - 2.1.3 Welche Duftdrüsen besitzen Füchse? - 2.1.4 Was ist typisch für füchsische Körpersprache? - 2.1.5 Was für Laute geben Füchse von sich? ***2.2 Familienleben*** - 2.2.1 Wann und wie paaren sich Füchse? - 2.2.2 Leben Füchse monogam (in Einehe)? - 2.2.3 Leben Füchse in Rudeln zusammen? - 2.2.4 Wann, wo und wie werden die Jungfüchse geboren? - 2.2.5 Wovon hängt die Wurfgröße bei Füchsen ab? - 2.2.6 Wie lange werden Füchse gesäugt? - 2.2.7 Wann bekommen Jungfüchse ihre ersten Zähne? - 2.2.8 Wie spielen Füchse? - 2.2.9 In welchem Alter sind Rotfüchse ausgewachsen/geschlechtsreif/selbständig? - 2.2.10 Hilft der Fuchsrüde bei der Welpenaufzucht? - 2.2.11 Verlassen alle Jungfüchse das Revier ihrer Eltern? ***2.3 Reviere und Territorialität*** - 2.3.1 Wie groß ist ein durchschnittliches Fuchsrevier? - 2.3.2 Besitzen alle Füchse ein Revier? - 2.3.3 Wie kämpfen Füchse um Reviere? - 2.3.4 Wie grenzen Füchse ihr Revier ab? ***2.4 Populationsdynamik *** - 2.4.1 Was sind die häufigsten Todesursachen von Rotfüchsen? - 2.4.2 Können Füchse überhand nehmen/gibt es „zu viele“ Füchse? - 2.4.3 Ist es möglich, Fuchspopulationen mit Gewehr und Falle zu reduzieren? - 2.4.4 Was für Auswirkungen haben hohe Verluste auf das Leben von Füchsen? --- title: 2.1 | Ökologie und Verhalten- Füchsische Kommunikation date: 2026-03-20 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/fuechse-verhalten-oekologie-kommunikation/ --- # 2.1 | Ökologie und Verhalten: Füchsische Kommunikation ### ***2.1.1 | Wie verständigen Füchse sich untereinander?*** Füchse verfügen über ein komplexes Verständigungssystem. Sie kommunizieren über eine Vielzahl unterschiedlicher Laute, wie etwa Bellen, Keckern, Knurren, Winseln in unterschiedlichen Tonhöhen, -folgen und Lautstärken. Außerdem spielen Gesichtsausdrücke und Körperhaltung – ähnlich wie bei Hunden – eine wichtige Rolle. Zuguterletzt sind auch Gerüche in der „interfüchsischen Kommunikation“ von großer Wichtigkeit. Die Gerüche von Duftdrüsen unter den Pfoten, in den Mundwinkeln, am Schwanz und am After, sowie der Duftstoffe im Urin enthalten eine Menge für einen Fuchs einfach zu dekodierender Information. ### ***2.1.2 | Welchen Sinn haben die Duftmarken von Füchsen******?*** Geruchsmarkierungen mittels Harn oder Kot werden beispielsweise zur Kennzeichnung des Reviers eingesetzt und dienen damit der Information und gegebenenfalls der Abschreckung benachbarter oder revierloser Füchse. Auf diese Weise tragen Duftmarken auch dazu bei, aggressive Auseinandersetzungen zwischen Artgenossen zu vermeiden. Damit derartige Markierungen gut wahrnehmbar sind, werden sie oft an erhöhten Stellen wie etwa auf Felsen oder Baumstümpfen platziert. Zudem enthalten Geruchsmarkierungen Informationen über ihren Urheber: Andere Füchse können an ihnen das Geschlecht erkennen; in der Paarungszeit vermögen Fuchsrüden am Fähenharn beispislweise die Empfängnisbereitschaft der Füchsin zu erschnuppern. ### ***2.1.3 | Welche Duftdrüsen besitzen Füchse?*** *Füchse besitzen Duftdrüsen in den Mundwinkeln, die * *sie zum Markieren verwenden (Bild: Paul Cecil)* - An der Schwanzoberseite befindet sich nahe des Schweifansatzes die sogenannte Viole oder Veilchendrüse, die bei vielen Füchsen von einem Fleck dunklen Fells umgeben ist. Sie sondert einen veilchenähnlichen Geruch ab – daher der Name – und dient insbesondere der Kommunikation und Identifikation bei Begegnungen zwischen Füchsen. Sich begrüßende Füchse schnuppern einander oft an den Violen; in der Paarungszeit ist dies besonders häufig zu beobachten. - Direkt im After befinden sich links und rechts zwei etwa erbsengroße Duftdrüsen, die ein stechend riechendes Sekret produzieren, mit dem der Kot benetzt wird. Sie dienen primär der Reviermarkierung. - In den Mundwinkeln befinden sich weitere Duftdrüsen, die vor allem der Markierung dienen. - Die Zehendrüsen sitzen zwischen den Zehen aller vier Pfoten. Ihre genaue Bedeutung ist derzeit noch nicht geklärt. ### ***2.1.4 | Was ist typisch für füchsische Körpersprache?*** *Ängstlich-aggressiver Gesichtsausdruck eines * *subdominanten Fuchses (Bild: Paul Cecil)* In vielerlei Hinsicht ähnelt die füchsische Körpersprache jener von anderen Hunden oder Hundeartigen. Mit Hilfe von Stellung und Bewegung von Schweif, Ohren, Lippen/Gesicht und Körper bringen sie eine Vielzahl unterschiedlicher Informationen zum Ausdruck. Aufgestellte Ohren und ein erhobener Schwanz deuten auf einen selbstsicheren oder dominanten Fuchs hin, während angelegte Ohren, ein gesenkter oder gar eingekniffener Schwanz und eine geduckte Haltung auf Unterwerfung schließen lassen. Um in der Paarungszeit Konkurrenten einzuschüchtern und potentielle Partnerinnen zu beeindrucken, versuchen Fuchsrüden gelegentlich, mittels durchgedrückter Läufe und eines regelrechten Buckels größer zu wirken. Im Gegensatz dazu signalisieren ein zuckender Schweif und angelegte Ohren, deren Innenseite nach hinten weist, Nervosität und Unsicherheit. *Körperhaltung und Ohrstellung lassen vermuten, dass * *der **linke Welpe der Ranghöhere ist (Bild: Paul Cecil)* Ganz ähnlich wie Haushunde fordern Füchse ihre Artgenossen zum Spiel auf – mit zu Boden gedrückten Vorderleib, aufgestellten Ohren und hochgerecktem Hinterteil. Sich etwa mit gespitzten Ohren auf die Hinterbeine zu stellen und dabei einem anderen Fuchs möglicherweise die Vorderpfote über den Rücken zu werfen, kann aber ganz genauso als Aufforderung zum Spiel gelten. Das Bettelverhalten der Welpen gleicht ebenfalls jenem von Hunden – Jungfüchse lecken ihren Eltern über die Mundwinkel, um Nahrung zu erhalten. Füchse wedeln jedoch nicht wie Hunde mit dem Schweif, und auch das typische Zähnefletschen fehlt bei ihnen. Derartige Verhaltens- bzw. Ausdrucksweisen können beliebig kombiniert werden und rasch wechseln, so dass eine Deutung für Menschen bisweilen recht schwierig ist. ### ***2.1.5 | Was für Laute geben Füchse von sich?*** Füchse kommunizieren über eine Vielzahl unterschiedlicher Laute, wie etwa Bellen, Keckern, Knurren, Winseln in unterschiedlichen Tonhöhen, -folgen und Lautstärken. Der deutsche Zoologe und Verhaltensforscher Günter Tembrock untersuchte 1952 bis 1966 systematisch die Laute von Füchsen. Am Ende hatte er 345 Tonbänder gefüllt und konnte insgesamt vierzig verschiedene Fuchslaute unterscheiden. Viele seiner Aufnahmen sind heute über das Tierstimmenarchiv des Museums für Naturkunde Berlin abrufbar. Zu den gängigsten Fuchslauten gehören die folgenden (Klick auf die Links öffnet einen neuen Tab mit einem kurzen Video – Ton einschalten nicht vergessen!): - Fuchswelpen, die sich einsam fühlen oder Hunger haben, rufen mit einem rauen, quärrenden oder trällernden Dreifachbellen nach ihrer Mutter. - Mit zunehmendem Alter wird aus den leisen Kontaktlauten der Welpen schließlich ein lautes dreifaches Bellen, das meist in der Tonlage abfällt, aber manchmal auch in einem langgezogenen Heulen endet. Füchse nutzen diese Rufe, um über größere Distanzen in Verbindung zu bleiben. - Nur in der Paarungszeit ist der einsilbige Paarungsruf zu hören, ein lautes, heiseres Bellen. Er dient dazu, mögliche Sexualpartner herbeizulocken und mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Menschen können diesen markerschütternden Schrei oft nicht einordnen – es kommt durchaus vor, dass besorgte Anwohner bei der Polizei anrufen, weil sie die nächtlichen Liebesrufe der Füchse als Schmerzens- oder Todesschreie von Mensch oder Tier fehldeuten. - Wenn Altfüchse zu den Welpen kommen, ihnen Futter bringen oder sie zu sich locken wollen, äußern sie mehrfach einen leisen, gutturalen Laut. Dieses sogenannte „Lockmuffen“ klingt wie ein sanftes Glucksen und fungiert als Begrüßungslaut gegenüber den Welpen. - Das Winseln, das Welpen oder rangniedrigere Füchse gegenüber älteren oder dominanteren Artgenossen äußern. Es dient zur Begrüßung, aber auch als Zeichen der Unterwerfung oder Beschwichtigung. Außerdem betteln Welpen damit um Nahrung. - Wenn Füchse „keckern“, erzeugen sie mit geöffnetem Maul einen lauten, rollenden, schrillen Ton. Er ist eine klare Aufforderungen zu mehr Abstand und ein Stück weit mit dem warnenden Knurren eines Hunds vergleichbar: „Geh bloß weg!“ - Um sich gegenseitig vor Gefahren zu warnen, geben Füchse auf kurze Distanz ein einsilbiges, dumpfes Bellen oder „Schreckmuffen“ ab. Auf größere Distanz wird daraus ein lautes, heiseres Warnbellen. *Fuchsbellen Video (c) Helmut Sütsch, www.fuchsfilm.de* *weiter zu 2.2 Ökologie und Verhalten: Familienleben* *zurück zu 1.5 | Allgemeines über Füchse: Nahrung und Feinde* --- title: 2.2 | Ökologie und Verhalten- Fortpflanzung und Familienleben date: 2026-03-26 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/2-2-fuechse-fortpflanzung-familienleben/ --- # 2.2 | Ökologie und Verhalten: Fortpflanzung und Familienleben ### ***2.2.1 | Wann und wie paaren sich Füchse?*** Die Paarungszeit der Füchse reicht im allgemeinen von Dezember bis Februar, wobei der eigentliche Akt zumeist im Januar oder Februar stattfindet. Es sind aber durchaus Fälle dokumentiert, in denen die Befruchtung nachweislich bereits im November oder erst im März erfolgt ist. Der Paarung geht ein oft wochenlanges, mal hitziges, mal zärtliches Vorspiel voraus. Die Füchsin ist nur während einiger weniger Tage empfängnisbereit, und genau diesen Zeitpunkt muß der Fuchsrüde abpassen. Aus diesem Grund weicht er ihr für geraume Zeit nicht von der Seite, duldet keine Nebenbuhler im Revier, und prüft ständig – durch Beschnuppern oder vorsichtige Annäherungsversuche – den „Stand der Dinge“. Zu Beginn werden selbst vorsichtige Annäherungsversuche des Rüden allerdings recht ruppig von der Fähe abgewehrt. Sie lässt keinen Zweifel aufkommen, dass allein sie bestimmt, wann es soweit ist. Vergewaltigungen, wie sie bei manchen Marder- oder auch Vogelarten gängig sind, gibt es bei Füchsen nicht. Im Laufe von Tagen und manchmal sogar Wochen wird durch langsame Annäherung nach und nach ein enges emotionales Band geknüpft. Schließlich lässt die Fähe die Nähe des Rüden zu, und die beiden tauschen Zärtlichkeiten in Form von gegenseitigem Belecken und Beknabbern aus. *„Hängen“ der Füchse nach der Paarung (Bild: Stephanie Fuchs)* Die Paarung wird nach Hundeart vollzogen – der Rüde umfasst mit den Vorderläufen den Körper der Füchsin und besteigt sie, wobei er bisweilen in einer Art „Liebesbiss“ mit den Zähnen ihren Nacken fasst. Der Penis des Rüden verfügt zur Stabilisierung beim raschen Eindringen in die Fähe über einen Penisknochen; an der Basis des Glieds befindet sich der sogenannte Knoten, der während des Akts anschwillt und nach der Paarung dazu führt, dass das Liebespaar sich nicht sofort trennen kann. Ähnlich wie auch Hunde oder Wölfe hängen Fuchs und Füchsin dadurch nach dem Akt für 20 bis 30 Minuten aneinander. Da sie für die Dauer des Hängens jeglichen Angriffen von außen wehrlos ausgeliefert sind und eine gewaltsame Trennung für Rüde wie auch Fähe mit einem erheblichen Verletzungsrisiko einhergehen würde, findet die Paarung nicht selten im Bau statt. *Fuchspaarung* ### ***2.2.2 | Leben Füchse monogam (in Einehe)?*** Noch vor gar nicht allzu langer Zeit dominierte die Ansicht, dass Füchse ausschließlich in monogamer Einehe zusammenleben. Inzwischen wissen wir, dass die Wahrheit komplizierter ist. Je nach Lebensumständen und individuellen Vorlieben gibt es bei ihnen ganz unterschiedliche Modelle des Zusammenlebens. Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass Polygamie in manchen Fuchsgesellschaften sehr verbreitet ist, andernorts jedoch die Ausnahme darstellt. Welche Faktoren letztlich die Treue von Fuchs und Füchsin beeinflussen, ist noch nicht endgültig geklärt, aber Nahrungsverfügbarkeit, Populationsdichte und Sterberate scheinen allesamt eine Rolle zu spielen. *Fuchspaar (Bild: Kevin76/flickr.com)* Auf individueller Ebene gibt es beide Extreme. So brachte eine Fähe aus Bristol in einem einzigen Wurf die Welpen von sage und schreibe sieben verschiedenen Vätern zur Welt. Auf der anderen Seite leben viele Füchse streng monogam und paaren sich über Jahre hinweg immer wieder mit demselben Partner. Das Spektrum zwischen Einehe und freier Liebe ist bei Füchsen also ähnlich breit wie bei uns Menschen. ### ***2.2.3 | Leben Füchse in Rudeln zusammen?*** Familienidyll: Fuchspaar mit vier Kindern (Foto: Günther Schumann) Bei relativ hohen Bestandsdichten und stabilen sozialen Verhältnissen leben Füchse oft in Familienverbänden, bestehend aus den Jungfüchsen und ihren Eltern sowie häufig noch einigen älteren Töchtern der ranghöchsten Füchsin. Diese subdominanten Füchsinnen bringen zwar ihrerseits keine Welpen zur Welt, beteiligen sich aber durch Nahrungsbeschaffung und Wachehalten an der Aufzucht der Jungen. Dies ähnelt grundsätzlich durchaus einer Rudelstruktur, wie sie beispielsweise von Wölfen bekannt ist. *Fuchsfamilie* **Literatur:** *Meia, J.-S. (1994): Organisation d’une population de renards (Vulpes vulpes) en milieu montagnard, Dissertation, Univ. de Neuchâtel. Kaphegyi, T. (2002): Untersuchungen zum Sozialverhalten des Rotfuchses (Vulpes vulpes L.), Dissertation, Forstwissenschaftliche Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Brsg, Freiburg im Breisgau* ### ***2.2.4 | Wann, wo und wie werden die Jungfüchse geboren?*** *Füchsin mit Jungfuchs (Bild: Günther Schumann)* Nach einer Tragzeit von durchschnittlich 53 Tagen bringt die Fähe meist vier oder fünf, in Ausnahmefällen bis zu zehn Welpen in der Sicherheit des Fuchsbaus zur Welt. Je nachdem, wann die Paarung stattgefunden hat, können die Geburtstermine zwischen Mitte Februar und Mitte Mai liegen; die meisten Füchse erblicken jedoch im März oder April das Licht der Welt. Die Füchsin polstert den Fuchsbau – anders als etwa bei Dachsen – nicht extra aus. Stattdessen kuscheln sich die neugeborenen Jungfüchse in das weiche Fell ihrer Mutter. Anders als Haushunde bekommen Füchse (wie übrigens auch die meisten anderen wildlebenden Hundeartigen) nur einmal im Jahr Nachwuchs. Füchse werden blind und taub mit einem Geburtsgewicht von lediglich 80 bis 150 Gramm geboren und bedürfen daher in den ersten Lebenswochen einer sehr intensiven Pflege durch ihre Mutter. Am 12. bis 14. Lebenstag öffnen sie zum ersten Mal die Augen. Ihr Fell ist in den ersten Lebenswochen noch graubraun; erst nach und nach bildet sich die charakteristische Fuchsfärbung heraus. ### ***2.2.5 | Wovon hängt die Wurfgröße bei Füchsen ab?*** Die Wurfgröße bei Füchsen hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab. So bekommen Jährlingsfähen und relativ alte Füchsinnen über sechs Jahren im Schnitt weniger Welpen als Fähen im „besten Fortpflanzungsalter“; auch die allgemeine Fitness der Füchsin spielt eine Rolle. Auf Populationsebene ist vor allem bedeutsam, wie nahe die Fuchspopulation der sogenannten „Carrying Capacity“ ihres Lebensraums ist. Wo reichlich Nahrung existiert und wenig Füchse leben, fällt die durschnittliche Wurfgröße höher aus. Im Normalfall bringt eine Füchsin vier bis fünf Junge zur Welt; in Gebieten, in denen Füchse stark bejagt werden oder viele Tiere Krankheiten wie Räude oder Staupe zum Opfer gefallen sind, können es jedoch doppelt so viele sein. Als in Dänemark etwa 2012 ein erheblicher Teil der Fuchspopulation einer Staupeepidemie zum Opfer fiel, studierten Forscher das Ausmaß dieses Effekts. Während die mittlere Wurfgröße vor dem Einbruch der Population noch bei 5,6 Welpen gelegen hatte, schnellte sie danach auf sage und schreibe 8,2 in die Höhe. Wo keine Krankheiten grassieren und Füchse nicht bejagt werden, sind die Wurfgrößen dagegen typischerweise deutlich kleiner. In einem spanischen Schutzgebiet wurden beispielsweise im Durchschnitt 3,1 Welpen pro Bau gezählt; im Nationalpark Bayerischer Wald waren es sogar nur 1,8. Durch die steigenden Wurfgrößen bei einer Populationsdichte unterhalb der Lebensraumkapazität können Verluste durch Jagd oder Krankheiten schnell wieder ausgeglichen werden. *Neun Welpen sind eine ungewöhnlich großer Wurf.* **Literatur:** *Baker, P. & Harris, S. (1997). How will a ban on hunting affect the British fox population? Report of the School of Biological Sciences, University of Bristol. Cheddar, Somerset: Electra. Pagh, S., Chriél, M., Madsen, A. B., Jensen, T-L. W., Elmeros, M., Asferg, T., & Hansen, M. S. (2018): Increased reproductive output of Danish red fox females following an outbreak of canine distemper. Canid Biology & Conservation, 21(3), 12-20* *Jackowiak, M., Jasińska K.D., Gryz, J., Guzowska, E., Szyc, K., Krauze-Gryz, D. (2024): Is it beneficial to be a city dweller? Impacts of urban conditions on red fox reproduction. Journal of Zoology 325(2):155-165* ### ***2.2.6 | Wie lange werden Fuchswelpen gesäugt?*** In der Regel werden Fuchswelpen die ersten 8 Wochen nach der Geburt von ihrer Mutter gesäugt, nehmen gegen Ende dieser Zeit jedoch bereits einen wachsenden Anteil an fester Nahrung zu sich. Diese Nahrung – meist das Fleisch von Beutetieren wie Mäusen oder Kaninchen – wird von den Eltern zum Bau gebracht. Im Alter von drei bis vier Monaten beginnen die Jungfüchse, selber kleine Tiere zu erbeuten. Zunächst sind dies vor allem Insekten wie etwa Käfer oder Heuschrecken, später dann auch Mäuse. *Füchsin säugt ihre vier Welpen* ### ***2.2.7 | Wann bekommen Jungfüchse ihre ersten Zähne?*** Ab etwa drei Wochen bekommen Fuchswelpen ihre Milchzähnchen. ### ***2.2.8 | Wie spielen Füchse?*** *Jungfüchse beim Balgen (Bild: Paul Cecil)* Jungfüchse sehen im Alter von drei bis vier Wochen zum ersten Mal die Welt außerhalb des sicheren Fuchsbaus. Sie verbringen von diesem Zeitpunkt an viel Zeit mit Spielen – anspringen, sich balgen, einander jagen, und vieles mehr. Spielpartner sind dabei nicht nur die anderen Welpen des Wurfs, sondern alle Familienmitglieder, wobei insbesondere die Eltern viel Gezerre an Schweif und Fell ertragen müssen. Im Spiel mit den Geschwistern bildet sich nach und nach eine Rangordnung aus. Beim Spielen erlernen Füchse zudem wichtige Verhaltensweisen, die für Jagd, Feindvermeidung und soziale Interaktion bedeutsam sind. Andererseits scheinen Füchse ganz allgemein recht verspielte Tiere zu sein – auch erwachsene Füchse werden immer wieder bei interessanten Spielen mit Artgenossen, aber auch Gegenständen der menschlichen Zivilisation vom Putzlappen über Schuhe bis hin zum Gartentrampolin beobachtet. Der Fotograf Günter Schumann konnte Füchse etwa dabei fotografieren, wie sie sich immer wieder übermutig einen schneebedeckten Abhang hinunterrutschen ließen. *Fuchswelpen spielen vor dem Bau* ### ***2.2.9 | In welchem Alter sind Rotfüchse ausgewachsen / geschlechtsreif / selbständig?*** *Jungfüchse vor dem Bau (Bild: Günther Schumann)* Füchse verlassen das elterliche Revier normalerweise im Herbst ihres ersten Lebensjahres – also im Alter von etwa sechs Monaten -, um sich ein eigenes Territorium zu suchen, und sind von da an auf sich selbst gestellt. Geschlechtsreif werden Füchse bereits mit etwa neun Monaten, ausgewachsen sind sie mit 10-11 Monaten. In Jagdmagazinen liest man manchmal, dass Füchse im Alter von rund drei Monaten vollkommen selbständig seien und man die nun für das Überleben der Welpen vermeintlich nicht mehr erforderlichen Elterntiere ab Juli „guten Gewissens“ erschießen könne. In vielen Bundesländern enden auch die Schonzeiten für Füchse – wenn es überhaupt welche gibt – bereits Ende Juni oder Mitte Juli. Da das tatsächliche Wurfdatum jedoch von Februar bis Mai variieren kann und bei weitem nicht jeder Jungfuchs schon mit drei Monaten für sich selbst zu sorgen vermag, dürften jedes Jahr viele noch unselbständige Fuchswelpen qualvoll verhungern, weil ihre Eltern erschossen wurden. ### ***2.2.10 | Hilft der Fuchsrüde bei der Welpenaufzucht?*** *Vater und Sohn (Bild: Paul Cecil)* Sowohl Fuchs als auch Füchsin sind liebevolle und treusorgende Eltern. Wenn der Fuchsrüde nicht erschossen wird oder durch einen Unfall ums Leben kommt, hilft er der Füchsin bei der Jungenaufzucht, indem er seine Familie mit Nahrung versorgt, sie bewacht und gegen eventuelle Feinde verteidigt. Sind die Jungen alt genug, kann man ihn auch desöfteren beim Spiel mit den Jungfüchsen beobachten. In stark bejagten Populationen mit großem individuellem Stress und hoher Mortalitätsrate sind derartige Verhaltensweisen aufgrund der geringer ausgeprägten sozialen Bindungen allerdings weitaus seltener. Wird die Füchsin getötet, und die Jungfüchse sind bereits von der Muttermilch entwöhnt, übernimmt der Fuchsrüde oft die Aufzucht der Jungen – alleinerziehende Väter sind also beileibe kein spezifisch menschliches Phänomen. *Fuchsvater bringt Beute zum Bau* **Literatur:** *J.R.Malcolm (1985): Paternal Care in Canids. American Zoologist, 25(3): 853-856 C.J. Zabel, S.J. Taggart (1989): Shift in red fox, Vulpes vulpes, mating system associated with El Niño in the Bering Sea, Animal Behavior 38, 830-838 Vergara V. (2001): Comparison of parental roles in male and female Red Foxes, Vulpes vulpes, in southern Ontario. Canadian Field Naturalist 115(1), 22-33 Gloor S., Bontadina F., Hegglin D. (2006): Stadtfüchse. Ein Wildtier erobert den Siedlungsraum. Haupt* ### ***2.2.11 | Verlassen alle Jungfüchse das Revier ihrer Eltern?*** Nicht zwangsläufig. Wenn die sozialen Verhältnisse stabil und die Bestandsdichten relativ hoch sind, bleiben zumindest Füchsinnen häufig noch länger bei ihren Eltern. Diese sogenannten Helferfähen werden selbst nicht trächtig, helfen jedoch bei der Aufzucht der Jungen, ähnlich, wie es auch in Wolfsrudeln zu beobachten ist. Bei sehr hohen Populationsdichten stellten Forscher fest, dass sogar männliche Jungfüchse bisweilen im Familienverband verbleiben. Selbst nicht blutsverwandte Familienmitglieder konnten in Einzelfällen nachgewiesen werden. Die Vielfalt füchsischer Familienmodelle scheint also ähnlich groß zu sein wie bei uns Menschen. *weiter zu 2.3 | Ökologie und Verhalten: Reviere und Territorialität* *zurück zu 2.1 | Ökologie und Verhalten: Füchsische Kommunikation* --- title: 2.3 | Ökologie und Verhalten- Reviere und Territorialität date: 2026-03-13 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/2-3-fuechse-reviere-territorialitaet-kaempfen/ --- # 2.3 | Ökologie und Verhalten: Reviere und Territorialität ### ***2.3.1 | Wie groß ist ein durchschnittliches Fuchsrevier?*** In städtischen Gebieten liegt die Größe eines Fuchsreviers oft in der Größenordnung von nur zehn bis zwanzig Hektar, also der Fläche von zwanzig bis vierzig Fußballfeldern. In der kargen kanadischen Tundra können es dagegen durchaus mehrere Tausend Hektar sein. Bedeutsam für die Reviergröße ist insbesondere die Menge an erreichbarer Nahrung: Während im Siedlungsraum zahllose Nahrungsquellen – Mäuse, Ratten, Zivilisationsabfälle – vorhanden sind, ist die Dichte an Beutetieren sowie an verwertbarer pflanzlicher Nahrung etwa in gebirgigen Regionen vergleichsweise gering. Die gleiche Fläche an Kulturland oder in der (Vor-)Stadt kann also weitaus mehr Füchse ernähren als ein Gebirgsrevier oder auch ein dichter Wald. ### ***2.3.2 | Besitzen alle Füchse ein Revier?*** Im Herbst verlassen die meisten Jungfüchse das elterliche Revier, um sich ein eigenes Territorium zu suchen. Dafür begeben sie sich auf Wanderungen, die sie meist Dutzende Kilometer weit durch andere Fuchsreviere führen. Hat ein junger Fuchs Glück, so kann er ein – beispielsweise durch den Tod des Reviereigentümers – gerade frei gewordenes Revier übernehmen. Andernfalls muss er den Inhaber herausfordern und besiegen, was sich meist als schwieriges Unterfangen erweist, da es sich bei territorialen Füchsen häufig um erfahrenere, kräftige Tiere handelt. Der Revierinhaber hat außerdem einen „Heimvorteil“, weil er die Gegebenheiten seines Territoriums bestens kennt. Zur Territorialität, dem Revierverhalten von Füchsen, gibt es noch viele unbeantwortete Fragen, mit denen sich einige Biologen intensiv befassen. In vielen Fuchsgesellschaften scheint es beispielsweise keine festen Reviergrenzen, sondern überlappende Territorien zu geben, deren überschneidende Flächen von mehreren benachbarten Füchsen zugleich genutzt werden (siehe dazu beispielsweise die Dissertation des Forstwissenschaftlers Thomas Kaphegyi, Untersuchungen zum Sozialverhalten des Rotfuchses (Vulpes vulpes L.)). Eine derartige Situation dürfte man vor allem in Gebieten vorfinden, in denen ein großzügiges Nahrungsangebot die innerartliche Konkurrenz reduziert. Wo Nahrung dagegen knapp ist, werden Reviergrenzen deutlich vehementer verteidigt. **Literatur:** *Kaphegyi, T. (2002): Untersuchungen zum Sozialverhalten des Rotfuchses (Vulpes vulpes L.), Dissertation, Forstwissenschaftliche Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Brsg, Freiburg im Breisgau Macdonald D. (1993): Unter Füchsen – Eine Verhaltensstudie. Knesebeck, München* ### ***2.3.3 | Wie kämpfen Füchse um Reviere?*** Kämpfe zwischen füchsischen Widersachern sind stark ritualisiert und basieren eher darauf, den Gegner durch Größe einzuschüchtern und ihn durch Kraft und Körpermasse zu besiegen, als auf dem Einsatz von Zähnen und Krallen. Die meisten Dispute zwischen erwachsenen Füchsen werden sogar ganz ohne jeden Körperkontakt ausgetragen: Füchsen steht ein großes Arsenal an Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung, um Meinungsverschiedenheiten kampflos beizulegen. Oft genügt schon ein Ruf oder eine Markierung, um Ansprüche deutlich zu machen, und in vielen Fällen akzeptiert der Empfänger diese Botschaft ohne weitere „Diskussion“. Hat man bereits Sichtkontakt zueinander, sendet zudem die Körpersprache deutliche Signale. Dadurch können zwei Füchse einander taxieren und körperliche Auseinandersetzungen vermeiden. *Kämpfe finden bei Rotfüchsen meist in stark ritualisierter Form statt (Bild: Günther Schumann)* Wo Warnungen nicht genügen, kommt es oft zu einem lautstarken, aber unblutigen Kräftemessen. Dabei rempeln die Tiere sich gegenseitig heftig mit den Flanken an. Die Köpfe voneinander abgewandt, versuchen die Kontrahenten, einander durch seitwärts oder rückwärts gerichtete Schubser mit dem Hinterteil wegzustoßen. Meistens keckern sie dabei aufgeregt, ihre Schwänze peitschen hin und her, und ihre Körper sind zu einem Buckel gekrümmt. Die gefährlichen Zähne kommen dagegen nicht zum Einsatz. Gibt keiner der Rivalen klein bei, nehmen die Auseinandersetzungen manchmal die Form von Ritualkämpfen an, die in Anspielung an den bekannten Paartanz gelegentlich scherzhaft als „Foxtrott“ bezeichnet werden. Die Kontrahenten drücken sich dabei, auf den Hinterläufen stehend, aneinander hoch. Mit weit aufgerissenem Maul und zurückgeworfenem Kopf, die Vorderpfoten in die Schultern des Gegners gestemmt, versuchen sie, den anderen Fuchs wegzustoßen. Wer so stark zurückgedrängt wird, dass er das Gleichgewicht verliert, muss rückwärts oder zur Seite springen, um nicht unter seinem Kontrahenten zu landen. Den so entstandenen Nachteil des Unterlegenen nutzt der Gewinner dann meistens aus, um ihn zu verjagen. Die weit aufgerissenen Mäuler dokumentieren dabei die Beißhemmung der Kontrahenten. Der Vorteil dieser Ritualkämpfe liegt auf der Hand: Ein mit Fängen und Krallen geführter ernsthafter Kampf würde auf beiden Seiten mit großer Wahrscheinlichkeit zu ernsthaften Verletzungen führen, die die Füchse in ihrem ohnehin harten Überlebenskampf schwächen würde. ### ***2.3.4 | Wie grenzen Füchse ihr Revier ab?*** Durch Kot- und Urinmarken, die bevorzugt an auffälligen Stellen abgesetzt werden, sowie akustisch durch Lautäußerungen. Siehe dazu auch den Abschnitt Füchsische Kommunikation. *weiter zu 2.4 | Ökologie und Verhalten: Populationsdynamik* *zurück zu 2.2 | Ökologie und Verhalten: Familienleben* --- title: 2.4 | Ökologie und Verhalten- Populationsdynamik date: 2026-03-13 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/2-4-fuechse-populationsdynamik-gibt-es-zu-viele-fuechse-fuchsjagd/ --- # 2.4 | Ökologie und Verhalten: Populationsdynamik ### ***2.4.1 | Was sind die häufigsten Todesursachen von Rotfüchsen?*** *Jäger zieht Füchsen das Fell über die Ohren * *(Foto: Kottke)* – **Vorschaubild** Dort, wo Füchse – wie in den größten Teilen Europas, Asiens und Nordamerikas – stark von Menschen bejagt werden, gehen Studien zufolge 56% bis über 80% der Todesfälle auf das Konto von Jägern oder Fallenstellern. Der englische Biologe David Macdonald hat in seiner Fuchsmonographie „Unter Füchsen“ (engl. Running with the Fox) die Ergebnisse einiger derartiger Untersuchungen zusammengetragen: Wo Kopfprämien für Füchse gezahlt werden, ist das Gemetzel erwartungsgemäß besonders schlimm. In Zentral-Iowa starben 84% der Füchse in ihrem ersten Lebensjahr, in Ontario waren 80% der getöteten Füchse Jungtiere. Untersuchungen in Deutschland haben ergeben, dass 56% bis 75% der Füchse durch die Jagd zu Tode kommen. Eine andere gravierende Todesursache für Füchse ist der Straßenverkehr. Im Siedlungsraum, der meist von viel befahrenen Straßen durchzogen ist, fallen ihm besonders viele Füchse zum Opfer. Das gilt vor allem für junge, unerfahrene Tiere, die noch keine Erfahrung im Straßenverkehr sammeln konnten. Regional fordern auch Parasiten und Infektionskrankheiten einen hohen Tribut. Wo Räude oder Staupe grassieren, sterben daran bisweilen so viele Tiere, dass das die Fuchspopulation örtlich vorübergehend deutlich dezimieren kann. Der Einfluss natürlicher Feinde wie Wolf, Luchs oder Steinadler wird demgegenüber meist deutlich überschätzt. Füchse scheinen im Beutespektrum dieser Tiere meist nur als „Gelegenheitsbeute“ eine Rolle zu spielen. Der bedeutendste natürliche Feind des Fuchses ist in Europa wohl der Luchs; Untersuchungen in Skandinavien zeigten, dass mancherorts zwischen 4% und 14% der beobachteten Füchse Luchsen zum Opfer fielen. In Relation zu den Verlusten durch Jagd oder Straßenverkehr sind selbst diese Zahlen jedoch überschaubar. **Literatur:** *Labhardt, F. (1990): Der Rotfuchs. Paul Parey, Hamburg/Berlin. Macdonald, D. (1993): Unter Füchsen. Eine Verhaltensstudie. Knesebeck, München. Macdonald D. (1993): Unter Füchsen – Eine Verhaltensstudie. Knesebeck, München Nouvellet P. et al. (2011): Rabies and Canine Distemper Virus Epidemics in the Red Fox Population of Northern Italy (2006–2010), PLoS ONE 8 (4)* *Sarmeto, P., Bandeira, V., Gomes, P., Carrapato, C., Eira, C., Fonseca, C. (2021): Adapt or perish: how the Iberian lynx reintroduction affects fox abundance and behaviour. Hystrix, the Italian Journal of Mammalogy, 32(1):48-54* ### ***2.4.2 | Können Füchse überhand nehmen/gibt es „zu viele“ Füchse?*** Von Menschen, die ein Interesse daran haben, Füchse zu töten – ob aus Spaß oder Jagdleidenschaft, wegen des Pelzes oder weil sie in Füchsen lästige Beutekonkurrenten sehen – wird oft behauptet, es gäbe „zu viele“ Füchse, oder Füchse „nähmen überhand“, wenn man ihnen nicht mehr mit Flinte und Falle nachstellen würde. Ob es „zu viele“ Füchse gibt, liegt letzten Endes im Auge des Betrachters. Für Menschen, die möglichst jeden zu Jagdzwecken ausgesetzten Fasan anschließend auch wieder abschießen wollen, ist jeder Fuchs einer zu viel – „wer Füchse sieht, hat zu viele davon“, titelte daher einst eine große deutsche Jagdzeitschrift. Wer dagegen an einer friedlichen Koexistenz mit Füchsen interessiert ist, sich vielleicht sogar an ihrem Anblick und ihrer Beobachtung erfreut, oder ihre Dienste bei der Bekämpfung von Wildtierkrankheiten und der Vertilgung landwirtschaftlicher „Schädlinge“ schätzt, wird praktisch niemals zu viele Füchse vorfinden. Füchse stehen am oberen Ende der Nahrungskette. Ihre Bestände wurden und werden nicht durch eventuelle Fressfeinde bestimmt, sondern über das zur Verfügung stehende Nahrungsangebot sowie ein komplexes Sozialsystem reguliert, durch das stabile Bestände mit einem Minimum an individuellem Stress etabliert werden. *Auf einer Treibjagd getötete Füchse (Bild: Rosi Stevens)* – **Vorschaubild** Füchse leben dort, wo die Populationsdichte hoch und die Verluste eher gering sind, oft in größeren Familiengemeinschaften zusammen. Regelmäßig sind solche Konstellationen bei Stadtfüchsen zu beobachten, aber es gibt sie ebenso in freier Natur, wie Untersuchungen im Schweizer Jura, im Bayerischen Wald oder in holländischen Dünengebieten zeigen. In diesen Familiengemeinschaften bekommt in der Regel nur die dominante Füchsin Nachwuchs. Das verschafft ihren Welpen einen Überlebensvorteil, weil sie mit weniger Artgenossen um die zur Verfügung stehenden Ressourcen konkurrieren müssen. Das sorgt bei hohen Fuchsbeständen dafür, dass sich nur ein kleiner Teil der Fähen erfolgreich fortpflanzt. Die Geburtenrate ist niedrig, und das reduziert als willkommener Nebeneffekt wiederum die Gefahr von Hungersnöten und Krankheiten. Füchse haben also ausgeklügelte Methoden entwickelt, um ihre Population selbst zu regulieren. Greift nun jedoch der Mensch mit Flinte und Falle in dieses soziale Gefüge ein, so brechen die Familienstrukturen auf. Die Lebenserwartung sinkt, soziale Beziehungen werden flüchtiger. Die Füchse haben kaum feste Reviere und keine festen Paarbindungen; nahezu jede läufige Fähe findet ihren eher zufälligen Partner, der nach der Paarung gleich weiterzieht, um bei der nächsten sein Glück zu versuchen. Dadurch steigt die Vermehrungsrate an und gleicht Verluste aus. Weitere Informationen dazu unter 2.4.3, Ist es möglich, Fuchspopulationen mit Gewehr und Falle zu reduzieren?. Nichtsdestoweniger gibt es heutzutage mehr Füchse in Mitteleuropa als noch vor fünfzig oder hundert Jahren; insbesondere in städtischen Regionen hat die Fuchsdichte zugenommen. Zurückzuführen ist dies nicht zuletzt darauf, dass das moderne Kulturland Füchsen einen reich gedeckten Tisch bietet. Gerade extensiv bebaute Vor- und Kleinstädte mit Einfamilien- und Doppelhäusern, Grünflächen und vergleichsweise großen Gärten sind ein idealer Lebensraum für Füchse. Dort können auf derselben Fläche deutlich mehr Füchse leben als in reinen Wald- oder Feldrevieren. Literatur: *Lindström, E.R. (1992): Diet and Demographics of the Red Fox (vulpes Vulpes) in Relation to Population Density — The Sarcoptic Mange Event in Scandinavia. In book: Wildlife 2001: Populations Kaphegyi T.A. (2002): Untersuchungen zum Sozialverhalten des Rotfuchses (Vulpes vulpes L.), Dissertation, Forstwissenschaftliche Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Brsg, Freiburg im Breisgau, 2002 Baker, P., Harris, S. & White, P. (2006): After the hunt: The future for foxes in Britain. Report, University of Bristol/University of York. Goszczyński, J., Misiorowska, M., Juszko, S. (2008): Changes in the density and spatial distribution of red fox dens and cub numbers in central Poland following rabies vaccination. Acta Theriologica 53(2):121-127 Pagh, S., Chriél, M., Madsen, A. B., Jensen, T-L. W., Elmeros, M., Asferg, T., & Hansen, M. S. (2018): Increased reproductive output of Danish red fox females following an outbreak of canine distemper. Canid Biology & Conservation, 21(3), 12-20* ### ***2.4.3 | Ist es möglich, Fuchspopulationen mit Gewehr und Falle zu reduzieren?*** Dies wurde (und wird) vielerorts versucht; funktioniert hat es fast nirgendwo. Besonders bezeichnend sind die Maßnahmen zur Tollwutbekämpfung, mit denen die Fuchspopulation in den 1960er- und 1970er-Jahren drastisch dezimiert werden sollte. Von höchster Stelle wurde damals dazu aufgerufen, alle erreichbaren Füchse zu töten – in der Hoffnung, dadurch die Tollwut einzudämmen, die sich damals rasant in Europa ausbreitete. So rückten Jäger dem armen Reineke ganjährig mit Flinten, Fallen, Hunden und sogar dem berüchtigten Giftgas Zyklon B zu Leibe, vergaste ganze Fuchsfamilien in ihren Bauen, und rottete als Kollateralschaden dieses blindwütigen Baubegasungs-Aktionismus beinahe den Dachs aus. Allerdings ließen sich weder die Tollwut noch die Fuchspopulationen von dieser gnadenlosen Hatz nennenswert beeindrucken – die Fuchsdichte konnte bundesweit nicht gesenkt werden, und die Tollwut breitete sich eher noch schneller aus als zuvor. Wie aber konnte die Fuchspopulation einer höchst ansteckenden tödlichen Seuche und einer großangelegten Tötungskampagne zugleich trotzen? *Tote Füchse nach einer großanlegten Fuchsjagd bei Messkirch (Foto: S. und B. Pelli)* – **Vorschaubild** *Dieselben Füchse, zum Abtransport in einen Anhänger geworfen (Foto: S. und B. Pelli)* – **Vorschaubild** Wie unter 2.4.2, Können Füchse überhand nehmen? beschrieben, sind die Geburtenraten bei einer stabilen Fuchspopulation in der Nähe der Kapazitätsgrenze ihres Lebensraums niedrig – „Geburtenbeschränkung statt Massenelend“, kommentierte das einmal der Biologe Erik Zimen. Wo der Mensch jedoch mit Flinte und Falle in diese Population eingreift, brechen die Familienverbände auf. Dadurch steigt der Anteil an Fähen, die Nachwuchs gebären, deutlich an. Hinzu kommt, dass den überlebenden Tieren mehr Ressourcen zur Verfügung stehen – und das wiederum führt meist dazu, dass pro Wurf auch mehr Welpen zur Welt kommen. Als in Dänemark 2012 ein erheblicher Teil der Fuchspopulation einer Staupeepidemie zum Opfer fiel, studierten Forscher das Ausmaß dieser Effekte. Vor dem Staupeausbruch bekam dort nur ein kleiner Anteil der Jährlingsfähen Nachwuchs: Füchsinnen in ihrem ersten Lebensjahr machten gerade einmal sechs Prozent der reproduzierenden Weibchen aus. Nach der Epidemie lag ihr Anteil dagegen bei 61 Prozent. Hatten die allermeisten jungen Fähen sich zuvor also nicht fortgepflanzt, beteiligten sie sich nun rege am Reproduktionsgeschehen. Doch damit nicht genug: Während die mittlere Wurfgröße vor dem Einbruch der Population noch bei 5,6 Welpen gelegen hatte, schnellte sie danach auf sage und schreibe 8,2 in die Höhe. Die Vermehrungsrate der Füchse war also beträchtlich gestiegen. Stärkere Verluste führen also zu deutlich höheren Geburtenraten. Hochrechnungen zufolge müsste man flächendeckend Jahr für Jahr mehr als 80 Prozent des Frühjahrsbestands der Füchse töten, um die Fuchspopulation tatsächlich dauerhaft zu reduzieren – eine Zahl, die in der Praxis bei einem so intelligenten und anpassungsfähigen Tier wie dem Rotfuchs in den meisten Lebensräumen unerreichbar ist. Das erklärt auch, warum selbst die massiven Tötungskampagnen der 1960er und 1970er Jahre der Fuchspopulation wenig anhaben konnten. In Australien wurden Füchse von Menschen eingeführt; sie stellen dort ein erhebliches Problem für einheimische Tierarten dar. Man versucht daher schon seit Jahrzehnten, sie mit allen verfügbaren Mitteln wieder auszurotten: Ganzjähriger, weitgehend unbeschränkter Abschuss und Fallenfang von adulten Tieren und Welpen, flächendeckende Auslage von Giftködern, Jagd mit Hunden und Fang mit Schlingen, auch der Einsatz von Verhütungsmitteln – nichts bleibt unversucht; ethische Bedenken haben dabei praktisch keinen Raum. Aber selbst dort ist man weit davon entfernt, den Fuchs zurückzudrängen; gelungen ist das allenfalls in wenigen sehr spezifischen Lebensräumen wie etwa Insellagen. Alles in allem zeichnet dies ein sehr deutliches Bild: Selbst mit vergleichsweise drastischen Maßnahmen kann man Fuchspopulationen in aller Regel nicht „reduzieren“; die Fuchspopulation passt sich der so oder so der Lebensraumkapazität an. Fuchsjagd kurbelt lediglich die „Produktion“ von Nachwuchs an und dient damit allenfalls jenen Menschen, die Freude am Töten von Füchsen haben oder damit Geld verdienen, ihnen das Fell über die Ohren zu ziehen. **Literatur:** *Mooij, J.H. (1998): Zum Einfluß von Biotopeignung und Prädatoren auf die Bestände einiger Niederwildarten. Beiträge zur Jagd- und Wildforschung 23, 161-178.* *Kaphegyi, T. (2002): Untersuchungen zum Sozialverhalten des Rotfuchses (Vulpes vulpes L.), Dissertation, Forstwissenschaftliche Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Brsg, Freiburg im Breisgau Baker, P. & Harris, S. (2006): Does culling reduce fox (Vulpes vulpes) density in commercial forests in Wales, UK? European Journal of Wildlife Research, 53 (2). Goszczyński, J., Misiorowska, M., Juszko, S. (2008): Changes in the density and spatial distribution of red fox dens and cub numbers in central Poland following rabies vaccination. Acta Theriologica 53(2):121-127 *Beja, P. at al. (2009): Predator abundance in relation to small game management in southern Portugal: conservation implications. European Journal of Wildlife Research, 55(3): 227-238 *González Casanovas, J., Barrull, J., Mate, I., Zorrilla, J.M. (2012): Shaping carnivore communities by predator control: competitor release revisited. Ecological Research 27(3) Barrull, J., Mate, I., Salicrú, M., Palet, J. (2014): Differential response of a carnivore community to predator control: A spatio-temporal observational study. Italian Journal of Zoology, 81:2, 271-279 *Kämmerle, J.L., Niekrenz S., Storch I. (2019): No evidence for spatial variation in predation risk following restricted-area fox culling. BMC Ecol. 19(1):17 Delcourt, J., Brochier, B., Delvaux, D., Vangeluwe, D., Poncin, P. (2022): Fox Vulpes vulpes population trends in Western Europe during and after the eradication of rabies. Mammal Review 52, 343-359 ### ***2.4.4 | Welche Auswirkungen haben hohe Verluste auf das Leben von Füchsen?*** Studien zeigen, dass Füchse in Jagdgebieten weitaus weniger Zeit damit verbringen, mit ihren Jungen zu spielen. Dafür konzentrieren sie sich stärker darauf, Wache zu halten. In stark bejagten oder von Seuchen heimgesuchten Fuchspopulationen sind die interindividuellen Bindungen weniger intensiv und kürzer, Lebenserwartung und Durchschnittsalter der Tiere naheliegenderweise niedriger, die Stabilität von Familiengemeinschaften geringer. Zudem finden wesentlich häufiger aggressive Auseinandersetzungen um Reviere und Reviergrenzen statt. Füchse, die unter hohem Jagddruck zu leiden haben, sind sehr viel scheuer. Während es an Orten, an denen Füchse schon seit Generationen verfolgt werden, schwer ist, sie zu beobachten, stören sich Füchse in jagdfreien Reservaten – oder auch in Städten, in denen sie allgemein weitaus weniger von Menschen zu befürchten haben als in ländlichen Gegenden – kaum an der Gegenwart von Menschen. Der Biologe Darius Weber, der zahlreiche Studien zum Einfluss der Jagd auf das Verhalten von Wildtieren durchgeführt hat, stellte zudem fest, dass Füchse dort, wo sie intensiv mit Hunden im Bau verfolgt werden, deutlich seltener im Bau anzutreffen sind. *Literatur: Vergara V. (2001): Comparison of parental roles in male and female Red Foxes, Vulpes vulpes, in southern Ontario. Canadian Field Naturalist 115(1), 22-33* *Goretzki,J., Tottewitz,F. & Sparing,H. (2003): Bemerkenswerte Ergebnisse der Wildmarkierung. BFH-Nachrichten, 4 Labhardt, F. (1990): Der Rotfuchs. Paul Parey, Hamburg/Berlin. Weber, D. (1988): Wie und wann Füchse ihre Baue benutzen. Deutsche Jagd Zeitung, 12.* *weiter zu 3.1 | Füchse und Wildtierkrankheiten: Tollwut* *zurück zu*** ***2.3 | Ökologie und Verhalten: Reviere und Territorialität* --- title: 3 | Füchse und Wildtierkrankheiten date: 2026-02-01 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/3-fuechse-und-wildtierkrankheiten/ --- # 3 | Füchse und Wildtierkrankheiten „Alles über Füchse“ ist das Motto des großen Fragen & Antworten-Bereichs auf fuechse.info. Er ist die wohl umfassendste deutschsprachige Online-Informationsquelle über den Rotfuchs und wird regelmäßig aktualisiert und ergänzt. Wer eine Frage hat, die hier nicht beantwortet wird, kann sie mir schicken, und ich werde schauen, dass ich sie (samt Antwort, versteht sich) beim nächsten Update hinzufüge. Die Seiten sind durch Querverlinkungen so gestaltet, dass man bequem darin schmökern kann, aber natürlich sind alle Inhalte auch über die Volltextsuche auffindbar. **3. Füchse und Wildtierkrankheiten** ***3.1 Tollwut *** - 3.1.1 Was ist die Tollwut? - 3.1.2 Wie groß ist die Gefahr, an Tollwut zu erkranken? - 3.1.3 Welche Rolle spielt die Tollwut heute? - 3.1.4 Woran erkennt man ein an Tollwut erkranktes Tier? - 3.1.5 Wie wurde die Tollwut bekämpft? - 3.1.6 Wie kann ich mich vor Tollwut schützen? ***3.2 Fuchsbandwurm*** - 3.2.1 Was ist der Fuchsbandwurm? - 3.2.2 Wie groß ist die Gefahr, an Echinokokkose zu erkranken? - 3.2.3 Wo ist der Fuchsbandwurm besonders verbreitet? - 3.2.4 Können meine Haustiere durch den Kontakt mit Füchsen zu Überträgern des Fuchsbandwurms werden? - 3.2.5 Kann sich mein Pferd mit dem Fuchsbandwurm infizieren? - 3.2.6 Wie kann ich mich vor Echninokokkose schützen? - 3.2.7 Was wird gegen den Fuchsbandwurm unternommen? ***3.3 Räude*** - 3.3.1 Was ist die Räude? - 3.3.2 Ist die Räude auf Haustiere übertragbar? - 3.3.3 Ist die Räude auf den Menschen übertragbar? - 3.3.4 Wie verbreitet ist die Räude unter Füchsen? - 3.3.5 Woran erkennt man eine Räudeinfektion bei Füchsen? - 3.3.6 Was kann man gegen die Räude bei Füchsen unternehmen? --- title: 3.1 | Füchse und Wildtierkrankheiten- Tollwut date: 2026-03-13 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/3-1-fuechse-tollwut-erkrankungsrisiko-ausrottung/ --- # 3.1 | Füchse und Wildtierkrankheiten: Tollwut ### ***3.1.1 | Was ist die Tollwut?*** *Tollwütiger Hund mit Speichelfluss (Bild: Public Health Image Library)* Die Tollwut ist eine ansteckende, ohne sofortige Behandlung tödlich verlaufende Viruskrankheit, die durch Speichel oder Blut (in der Regel den Biss eines infizierten Tieres) übertragen wird. Als Symptome werden beim Menschen Bewusstseinsstörungen, Lähmungen, Atemkrämpfe, Wasserscheu, oft Wutanfälle beschrieben. Die Inkubationszeit beträgt 20 bis 60 Tage. Heute gibt es wirksame Impfungen gegen die Tollwut, und innerhalb eines Tages nach dem Biss eines tollwütigen Tieres ist auch eine sogenannte postexpositionelle Impfung noch möglich, die das Überleben sichert. Dadurch hat die Tollwut zumindest in Europa ihren Schrecken weitestgehend verloren. Füchse spielten im Infektionsgeschehen der europäischen Nachkriegszeit eine zentrale Rolle. Sie sind nämlich – wie andere Hundeartige auch – für das Tollwutvirus besonders anfällig und können bereits an einem Zehntausendstel der Virendosis erkranken, die nötig ist, um einen Menschen zu infizieren. So kam es, dass die Tollwut bald ungezügelt in der Fuchspopulation grassierte. Punktuell übertrugen erkrankte Füchse sie durch Bisse auf Haustiere, und diese gaben das Virus dann vereinzelt an Menschen weiter. Allerdings gab es in Deutschland zwischen 1947 und 1981 gerade einmal neun Infektionsfälle bei Menschen. Heutzutage ist Mitteleuropa vollständig frei von der sogenannten terrestrischen Tollwut, jener Tollwutform, die beim Fuchs und anderen Beutegreifern auftreten kann. Lediglich die Fledermaustollwut, die jedoch von einem anderen Virustyp verursacht wird als die terrestrische Tollwut und mit ihr epidemiologisch nicht in Verbindung steht, kommt bei uns noch immer vor. ### ***3.1.2 | Wie groß ist die Gefahr, an Tollwut zu erkranken?*** Heutzutage ist die terrestrische Tollwut in Mitteleuropa ausgerottet. Die Internationale Gesellschaft für Tiergesundheit (OIF) erklärte Finnland und die Niederlande bereits 1991 für tollwutfrei; 1997 folgte Italien, 1998 die Schweiz, 2000 Frankreich, und im Jahr 2008 schließlich Deutschland und Österreich. Insofern besteht bei uns heutzutage überhaupt kein Erkrankungsrisiko mehr. Selbst in den 1980er Jahren, als die Tollwut in Deutschland noch großflächig grassierte, wurde die Wahrscheinlichkeit für einen Menschen, an Tollwut zu erkranken, mit eins zu 171.875.000 beziffert – das Risiko, vom Blitz getroffen zu werden, war zwanzigmal höher. ### ***3.1.3 | Welche Rolle spielt die Tollwut heute?*** Die Tollwut ist in Mittel- und Westeuropa heute bedeutungslos. Umso unverständlicher ist, dass sie bisweilen noch immer zur Begründung für die Jagd auf Füchse angeführt wird. Auch die in den 1980er- und 1990er-Jahren allgegenwärtigen Schilder „Tollwut – gefährdeter Bezirk“ sind noch immer nicht von allen Ortseingängen verschwunden. ### ***3.1.4 | Woran erkennt man ein an Tollwut erkranktes Tier?*** Tollwutkranke Wildtiere zeigen oft keinerlei Scheu mehr vor dem Menschen. In späteren Stadien der Krankheit zeigen befallene Tiere oft starke Wahrnehmungstrübungen und bisweilen Anzeichen von Apathie und zunehmender Schwächung, die bei Annäherung von Menschen oder anderen Tieren jedoch durch kurze aggressive Ausbrüche unterbrochen werden kann. Zudem geht die Tollwut – wie andere Wildkrankheiten auch – mit einem deutlich angegriffenen, ausgemergelten Aussehen des betroffenen Tieres, stumpfem, struppigem und ausgedünntem Fell einher. Da die Tollwut bei uns ausgerottet ist, können Sie allerdings mit Sicherheit davon ausgehen, dass Sie bei uns keinem tollwütigen Wildtier begegnen werden. Wenn ein Fuchs zutraulich ist, hat das übrigens nur äußerst selten etwas mit einer Erkrankung zu tun. Insbesondere in städtischen oder stadtnahen Regionen leben Füchse oftmals in so unmittelbarer Nähe zu Menschen, dass sich ihre Scheu nach und nach verringert. Werden sie dann noch von wohlmeinenden Bürgern gefüttert, können die betreffenden Füchse – je nach individueller Disposition – durchaus regelrecht frech werden und lassen sich bisweilen auch durch lautes Rufen nicht sofort vertreiben. ### ***3.1.5 | Wie wurde die Tollwut bekämpft?*** Insbesondere in den 1960er- bis 1980er-Jahren versuchte man die Tollwut vornehmlich durch die Tötung von Füchsen zu bekämpfen. Die Grundidee war damals, Füchse so stark zu dezimieren, dass Begegnungen zwischen ihnen selten werden – so selten, dass ein infizierter Fuchs vor seinem Tod im Durchschnitt weniger als einen anderen Fuchs anstecken kann. Berechnungen zufolge war es dafür notwendig, den Fuchsbestand auf nur 0,3 Füchse pro Quadratkilometer zu reduzieren. Bereits 1959 wurden daher Abschussprämien für Füchse gezahlt. Ab 1964 begann man zusätzlich in vielen Bundesländern, die Bewohner jedes bekannten Fuchsbaus mit dem berüchtigten Giftgas Zyklon B zu töten. Wie wir heute wissen, endeten diese Versuche, die Tollwut zu bekämpfen, in einem Fiasko (siehe 5.3.2, Ist Fuchsjagd dazu geeignet, Wildtierkrankheiten wie die Tollwut einzudämmen?). Dass die Tollwut in Europa dennoch besiegt werden konnte, ist vielmehr der Veterinärmedizin zu verdanken. 1978 wurden in der Schweiz im Rahmen eines Feldversuchs erstmals Köder mit Tollwutimpfstoff eingesetzt, und ab 1983 fanden dann auch in Deutschland Feldversuche mit einer Schluckimpfung für Füchse statt. Ihren Siegeszug trat die Tollwutimpfung schließlich an, als man begann, Impfköder aus Fischmehl, Paraffin und pflanzlichen Fetten industriell zu produzieren und im großen Stil automatisiert aus Flugzeugen abzuwerfen. Die Kosten für die Impfkampagnen beliefen sich dabei auf nur auf ein Dreizehntel der Aufwendungen, die zuvor für die kontraproduktiven Baubegasungen und Tötungsprämien angefallen waren. **Literatur:*** Debbie, J. (1991): Rabies control of terrestrial wildlife by population reduction. In: Baer, G.M. (Ed.), The natural History of Rabies. CRC Press, Boca Raton. Schneider, L.G. (1991): Einfluss der oralen Immunisierung auf die Epidemiologie der Tollwut. Fuchs-Symposium Koblenz. Schriften des Arbeitskreises Wildbiologie an der Justus-Liebig-Univ. Gießen, 20. Müller T. et al. (2012): SURVIS: a fully-automated aerial baiting system for the distribution of vaccine baits for wildlife, Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift 125, Heft 5/6 Müller, T., Bätza, H. J., Freuling, C., Kliemt, A., Kliemt, J., Heuser, R., Schlüter, H., Selhorst, T., Vos, A., Mettenleiter, T.C. (2012): Tilgung der Fuchstollwut in Deutschland mithilfe der oralen Immunisierung. Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift 125 (5/6): 178–190* ### ***3.1.6 | Wie kann ich mich vor Tollwut schützen?*** Ein besonderer Schutz ist in Europa nicht erforderlich. Lediglich für bestimmte Risikogruppen wie Tierärzte, die mit potentiell tollwutkranken Tieren (z.B. im Ausland) zu tun haben, bietet sich eine Schutzimpfung an. weiter zu *3.2 | Füchse und Wildtierkrankheiten: Fuchsbandwurm* zurück zu *2.4 | Ökologie und Verhalten: Populationsdynamik* --- title: 3.2 | Füchse und Wildtierkrankheiten- Der Fuchsbandwurm date: 2026-03-13 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/3-2-fuechse-fuchsbandwurm-risiko-haustiere/ --- # 3.2 | Füchse und Wildtierkrankheiten: Der Fuchsbandwurm ### ***3.2.1 | Was ist der Fuchsbandwurm?*** Der Kleine Fuchsbandwurm (Echninococcus multilocularis) ist ein Tierparasit, dessen Endwirt der Fuchs ist. Im Dünndarm des infizierten Fuchses können sich zahlreiche erwachsene Bandwürmer aufhalten, deren Eier mit dem Kot ausgeschieden werden. Die Eier werden zunächst von einem Zwischenwirt – meist Nagetiere wie etwa Feldmäuse – aufgenommen; die Larve des Fuchsbandwurms gelangt dadurch in die Blutbahn des Zwischenwirts und schwächt diesen durch die sukzessive Zersetzung des Gewebes in Leber, Lunge oder auch Milz. Eine derart erkrankte Maus wird wiederum zur leichten Beute für Füchse und andere Beutegreifer, die dadurch mit dem Bandwurm infiziert werden. *Larven des Fuchsbandwurms (Bild: US Dep. of Health and Human Services)* Für den Endwirt – in diesem Fall den Fuchs – ist der Bandwurmbefall kaum schädlich; für den Zwischenwirt (meist Mäuse oder Ratten) verläuft er jedoch tödlich. Für den Menschen, der als Fehlzwischenwirt eine „Sackgasse“ für den Bandwurm darstellt, sind die Infektionsfolgen ebenfalls gravierend und äußern sich im Krankheitsbild der alveolären Echinokokkose. Unbehandelt kann sie zur metastasenartigen Zerstörung lebenswichtiger Organe führen und nach zehn bis 15 Jahren mit dem Tod enden. Heutzutage kann die alveoläre Echninokokkose zwar erfolgreich behandelt werden; wird sie jedoch erst spät diagnostiziert, muss der betroffene Patient lebenslang Medikamente einnehmen, um ein weiteres Wachstum der Bandwurmfinnen zu verhindern. Die die alveoläre Echinokokkose eine extrem seltene Krankheit ist und zwischen Infektion und Diagnose meist viele Jahre liegen, ist der genaue Weg, auf dem Menschen sich mit dem Fuchsbandwurm infizieren, noch nicht endgültig geklärt. Es gibt jedoch deutliche statistische Hinweise darauf, dass bestimmte Risikogruppen – vor allem Jäger und Halter von Hunden und Freigängerkatzen – ein erhöhtes Infektionsrisiko besitzen. Die alveoläre Echinokokkose ist übrigens nicht mit der deutlich häufigeren zystischen Echinokokkose zu verwechseln, die durch den dreigliedrigen Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) verursacht wird. ### ***3.2.2 | Wie groß ist die Gefahr, an Echinokokkose zu erkranken?*** Die Echinokokkose wurde mit Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes am 1. Januar 2001 in Deutschland meldepflichtig; daher liegen seitdem akkurate Zahlen über die Anzahl an Infektionen vor. Das dafür zuständige Robert-Koch-Institut in Berlin veröffentlicht die ausgewerteten und bestätigten Meldungen in den jeweiligen infektionsepidemiologischen Jahrbüchern. Demnach infizieren sich bundesweit im Jahr etwa 30 bis 50 Menschen an alveolärer Echinokokkose. Damit zählt sie zu den seltensten Parasitenerkrankungen Europas. Zur Einordnung: Sich mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren ist hierzulande ähnlich unwahrscheinlich, wie vom Blitz getroffen zu werden. In Deutschland dürften deutlich mehr Menschen durch Jagdwaffen zu Schaden kommen als durch den Fuchsbandwurm. Zudem können einfache Hygienemaßnahmen vor der Infektion schützen. Ein Großteil der Erkrankungen betrifft übrigens Angehörige von „Risikogruppen“. Dazu gehören beispielsweise Jäger, die regelmäßig ohne Vorsichts- und Hygienemaßnahmen (z.B. Mundschutz, Einmalhandschuhe) getöteten Füchsen das Fell über die Ohren ziehen. Eine statistische Häufung von Erkrankungen findet sich auch bei Landwirten. Möglicherweise spielt von Fuchskot verunreinigtes Erdreich hier eine Rolle. Verzichtet man etwa auf angemessene Handhygiene bei und nach der Feldarbeit, könnten Bandwurmeier von den Händen in den Mund gelangen. Für Normalverbraucher besteht am ehesten noch durch innigen Kontakt mit mäusefressenden Heimtieren ein Infektionsrisiko. Da auch Hunde und Katzen durch den Verzehr infizierter Mäuse zu Trägern von Fuchsbandwürmern werden können und die Bandwurmeier mit dem Kot ausscheiden, ist im Umgang mit ihnen Hygiene geboten. In Gegenden, in denen der Fuchsbandwurm verbreitet ist, bietet sich zudem eine regelmäßige Entwurmung an. Der häufig zitierte Infektionsweg über den Verzehr mit Bandwurmeiern kontaminierter Beeren oder Früchte wird heute von vielen Experten dagegen grundsätzlich angezweifelt. Voraussetzung dafür wäre schließlich, dass ein vom Bandwurm befallener Fuchs sein Geschäft genau auf jenen Früchten verrichtet, die ein Pilz- oder Beerensammler danach pflückt und ungewaschen verzehrt. **Literatur:** *Sréter, T., Széll, Z., Sréter-Lancz, Z., Varga, I. (2004): Echinococcus multilocularis in Northern Hungary. Emerging Infectious Diseases, 3. Kern, P. et al. (2003): Human Alveolar Echinococcosis in Europe, 1982-2000. Emerging Infectious Diseases, 3. Kern, P., Ammon, A., Kron, M., Sinn, G., Sander, S., Petersen, L.R., Gaus, W. (2004): Risk Factors for Alveolar Echinococcosis in Humans. Emerging Infectious Diseases 10(12)* ### ***3.2.3 | Wo ist der Fuchsbandwurm besonders verbreitet?*** In Europa tritt der Fuchsbandwurm nicht flächendeckend, sondern inselartig auf; die Befallsrate – also der Anteil infizierter Füchse an der Gesamtpopulation – schwankt dabei erheblich. Besonders hoch sind die Befallsraten im Schweizer Kanton Thurgau und im Bereich der Schwäbischen Alb, wo bis zu 70 Prozent der Füchse mit dem Fuchsbandwurm befallen sind. Interessanterweise scheint es keinen Zusammenhang zwischen der Befallsrate der Füchse und der Anzahl auftretender Echinokokkose-Erkrankungen beim Menschen zu geben. Selbst in Gebieten mit hoher Fuchsdichte und Befallsraten um 60% konnte kein Anstieg an Echninokokkoseinfektionen verzeichnet werden. **Literatur:** *Sréter, T., Széll, Z., Sréter-Lancz, Z., Varga, I. (2004): Echinococcus multilocularis in Northern Hungary. Emerging Infectious Diseases, 3. Kern, P. et al. (2003): Human Alveolar Echinococcosis in Europe, 1982-2000. Emerging Infectious Diseases, 3.* ### ***3.2.4 | Können meine Haustiere durch den Kontakt mit Füchsen zu Überträgern des Fuchsbandwurms werden?*** Die Übertragung des Fuchsbandwurms auf Füchse, aber auch Hunde und Katzen erfolgt ausschließlich durch das Fressen von infizierten Zwischenwirten, also Mäusen. Endwirte des Fuchsbandwurms (etwa Hunde) können sich an anderen Endwirten (Füchsen) nicht mit Stadien des Fuchsbandwurms infizieren, die in ihnen zu adulten Würmern heranwachsen können. Sie werden daher durch Fuchskontakt nicht zu Ausscheidern. Grundsätzlich kann der Fuchsbandwurm aber auch als Parasit bei Hunden und Katzen vorkommen – nämlich dann, wenn diese vom Fuchsbandwurm befallene Nagetiere fressen und sich dadurch infizieren. Hygiene im Umgang mit mäusefangenden Haustieren und eine regelmäßige Entwurmung ist daher in Gebieten, in denen der Fuchsbandwurm häufig ist, empfehlenswert. ### ***3.2.5 | Kann sich mein Pferd mit dem Fuchsbandwurm infizieren?*** Theoretisch können Pferde ebenso wie der Mensch durch die Aufnahme von Bandwurmeiern zu Fehlzwischenwirten werden. Allerdings gehören Pferde zu den für die alveoläre Echinokokkose sehr wenig empfänglichen Tieren: Es gibt weltweit nur eine winzige Zahl nachgewiesener Fälle solcher Infektionen. Die Gefahr für Pferde ist also verschwindend gering. Wesentlich häufiger ist der Befall mit Finnen des Hundebandwurms, in dessen Epidemiologie der Fuchs jedoch keine Rolle spielt. ### ***3.2.6 | Wie kann ich mich vor Echninokokkose schützen?*** Zum Schutz vor der Infektion mit alveolärer Echinokokkose in Gegenden, in denen die Befallsrate von Füchsen mit dem Fuchsbandwurm hoch ist, sollten einige einfache Sicherheitsmaßnahmen beachtet werden: - Tot aufgefundene Füchse nur mit Gummihandschuhen anfassen. - Fuchskot im Garten in Hundekotbeuteln über den Restmüll entsorgen - Nach dem Pilzesammeln und der Garten- oder Feldarbeit sollten die Hände gewaschen werden. - Beim Umgang mit Hunden und Katzen ist Hygiene der beste Infektionsschutz. Nach der Berührung des Fells in der Afterregion sollte man die Hände nicht ungewaschen zum Mund führen. - Zusätzlich können als weitere Vorsichtsmaßnahme frisch gepflückte Beeren, Waldfrüchte und Pilze vor dem Verzehr gut gewaschen oder auf über 60 Grad erhitzt werden, um Fuchsbandwurmeier abzutöten (einfrieren genügt nicht). Bei stadtnah lebenden Füchsen, die dauerhaft in Gärten anzutreffen sind, kann theoretisch eine Behandlung der Füchse mit dem Entwurmungsmittel Praziquantel in Erwägung gezogen werden. Bei Feldstudien konnten Fuchspopulationen mit Entwurmungsködern auf Praziquantel-Basis praktisch vollständig vom Fuchsbandwurm befreit werden. Eine Dauerlösung ist das allerdings nicht: Ein entwurmter Fuchs kann sich schon mit der nächsten Maus, die er frisst, wieder neu mit dem Bandwurm infizieren. ### ***3.2.7 | Was wird gegen den Fuchsbandwurm unternommen?*** Vielerorts hat man versucht, die Befallsrate von Rotfüchsen mit dem Fuchsbandwurm durch verstärkte Fuchsjagd zu reduzieren. Bis heute gibt es aber keinen einzigen Fall, in dem diese Maßnahmen von Erfolg gekrönt waren – wenig verwunderlich, wenn man sich vor Augen führt, dass mit jagdlichen Mitteln in aller Regel gar keine Reduktion der Fuchsbestände zu erreichen ist (siehe dazu 2.4.3 Ist es möglich, Fuchspopulationen mit Gewehr und Falle zu reduzieren?). Der einzig wirksame Möglichkeit, gegen den Fuchsbandwurm vorzugehen, besteht in Fraßködern, über die den Füchsen eine orale Wurmkur verabreicht werden kann. Bereits in den 1990er Jahren konnte in Studien im Raum Göppingen (Baden-Württemberg) die hohe Effektivität dieser Methode nachgewiesen werden; jüngere Untersuchungen unterstützen diese Ergebnisse. Von 2003 bis 2007 wurden beispielsweise im Landkreis Starnberg Entwurmungsköder ausgelegt. Waren 2003 noch 51% der Füchse mit dem Fuchsbandwurm infiziert, so sank diese Zahl im Jahr 2005 auf 42%, 2006 auf 12%, und im März 2007 betrug die Befallsrate sogar nur noch 0,8%. Allerdings ist angesichts der extrem geringen Infektionsraten beim Menschen und der vergleichsweise einfachen Schutzmaßnahmen fraglich, ob die Behörden selbst in Gebieten mit hohen Befallsraten bereit sind, die großflächige Entwurmung der Füchse zu finanzieren. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten übrigens darauf hin, dass intensive Fuchsbejagung die Ausbreitung des Fuchsbandwurms demgegenüber sogar beschleunigen kann: Fuchsjagd führt zu höheren Nachwuchsraten und damit zu einem größeren Anteil an Jungfüchsen, die für den Fuchsbandwurm besonders anfällig sind. Sie tragen in ihrem Darmtrakt weitaus mehr adulte, also fortpflanzungsfähige Bandwürmer, und scheiden dadurch mehr Bandwurmeier aus. Das Infektionsrisiko steigt bei intensiver Fuchsbejagung infolgedessen also sogar an. Weitere Informationen finden Sich in dem Artikel Fuchsbandwurm: Risikofaktor Jagd. **Literatur:** *König, A., Romig, T. (2007): Bericht an die Gemeinden des Landkreises Starnberg sowie die Gemeinden Neuried und Planegg über das Projekt Kleiner Fuchsbandwurm im Bereich der Gemeinden im LK Starnberg sowie den Gemeinden Neuried und Planegg im LK München. Deplazes, P. et al. (2004): Wilderness in the city: The urbanization of Echinococcus multilocularis. Trends in Parasitology, 2. Hegglin, D., Ward, P.I., Deplazes, P. (2003): Anthelmintic baiting of foxes against urban contamination with Echinococcus multilocularis. Emerging Infectious Diseases, 10. Comte S. et al (2017): Echinococcus multilocularis management by fox culling: An inappropriate paradigm, Preventive Veterinary Medicine, Volume 147, 178-185 Craig, P.S.; Hegglin, D.; Lightowlers, M.W.; Torgerson, P.R.; Wang, Q. (2017): Echinococcosis: Control and Prevention. Advances in Parasitology 96 : 55-158 * weiter zu *3.3 | Füchse und Wildtierkrankheiten: Räude* zurück zu *3.1 | Füchse und Wildtierkrankheiten: Tollwut* --- title: 3.3 | Füchse und Wildtierkrankheiten- Räude date: 2026-03-14 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/3-3-fuechse-raeude-behandlung-uebertragung/ --- # 3.3 | Füchse und Wildtierkrankheiten: Räude ### ***3.3.1 | Was ist die Räude/Fuchsräude?*** Bei Scabies, die umgangssprachlich meist Räude genannt wird, handelt es sich um eine recht weit verbreitete parasitäre Hauterkrankung, die Säugetiere und Vögel befallen kann. Unter wildlebenden Tieren ist in Mitteleuropa vor allem der Fuchs betroffen. Verursacht wird die Räude von der Sarcoptesmilbe (Sarcoptes scabiei), deren Weibchen sich in die Oberhaut bohren und dort in Kanälen Kot und Eier ablegen. Infolgedessen entstehen heftig juckende Bläschen und Pusteln. Kratzt sich das befallene Tier, entstehen häufig Sekundärläsionen in Form von Kratzwunden; das Fell fällt aus, und im Finalstadium sind einzelne Körperteile bisweilen völlig nackt. Unbehandelt führt die Krankheit bei Füchsen und anderen Hundeartigen oft zum Tode. Die Inkubationszeit beträgt etwa drei bis sechs Wochen. ### ***3.3.2 | Ist die Räude auf Haustiere übertragbar?*** Scabies ist stark ansteckend; Hunde können sich beispielsweise durch körperlichen Kontakt mit befallenen Füchsen infizieren. Allerdings gibt es sehr effektive und zuverlässige Behandlungsformen, die die Parasiten bereits nach einmaliger Anwendung abtöten: Mittel der Wahl sind dabei die Wirkstoffe Ivermectin und Selectamin, die entweder auf die Haut aufgetragen oder eingenommen werden können. ### ***3.3.3 | Ist die Räude auf den Menschen übertragbar?*** Räudemilben können sich in menschlicher Haut nicht weiterentwickeln und sterben ab. Eine Infektion mit der Räude (beispielsweise durch Kontakt mit infizierten Haustieren) ist daher nicht möglich. Allerdings kann Sarcoptes scabiei den Menschen befallen und eine kurzzeitige Erkrankung mit Juckreiz und kleinen Papeln auslösen. Diese sogenannte Pseudokrätze heilt auch ohne Behandlung nach wenigen Tagen ab. ### ***3.3.4 | Wie verbreitet ist die Räude unter Füchsen?*** Für die Räude gibt es keine behördliche Anzeige- oder Meldepflicht. Deshalb sind keine systematischen Kenntnisse zur Häufigkeit der Räude vorhanden; wo Daten existieren, basieren diese zumeist auf Zufallsbefunden der Veterinärämter. Umfragen in Jagdbezirken haben ergeben, dass im Jahr 2021 in 2% der Jagdreviere amtlich bestätigte Räudefälle vorlagen; für 21% der Reviere wurde das Vorhandensein der Räude angenommen. Die Zahlen variierten dabei zwischen den Bundesländern erheblich – während etwa in Hessen, Schleswig-Holstein oder Berlin in über 50% der Jagdreviere Räudefälle vermutet wurden, galt dies nur für rund 15% der Reviere in Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen. Gegenüber den Zahlen den beiden anderen bislang durchgeführten Erfassungen 2013 und 2015 wurden im Jahr 2021 geringfügig mehr Räudefälle „angenommen“ oder per Zufallsbefund von Veterinärämtern bestätigt. Die Datengrundlage ist aber so unzureichend, dass man daraus keinen Trend ableiten kann – ob die Räudefälle nun zu- oder abnehmen oder womöglich auf konstantem Niveau verharren, wäre letztlich reine Spekulation. Äußerungen – wie immer wieder von einzelnen Jägern und Jagdverbänden zu hören – , dass die Räude zugenommen hätte, sind damit zunächst einmal nichts als unbelegte Behauptungen. In Baden-Württemberg wurde die Verbreitung der Räude 2005 im Rahmen einer umfassenden Studie untersucht. Hier zeigte sich, dass von 2.481 untersuchten Füchsen nur etwa drei Prozent tatsächlich in Kontakt mit Räudemilben gekommen waren. Als Haut und Fell dieser etwa 80 Tiere genauer untersucht wurden, stellte sich heraus, dass nur vier von ihnen tatsächlich äußere Merkmale einer Räudeerkrankung aufwiesen. Hochgerechnet bedeutet dies, dass von 10.000 baden-württembergischen Füchsen etwa 300 räudepositiv waren und gerade einmal 15 von ihnen auch Symptome zeigten. Die Räude war hier also zumindest zu dieser Zeit eine sehr seltene Erkrankung. Auch in der Vergangenheit flackerte die Räude lokal immer wieder auf und erlosch dann von selbst wieder. Vor allem dort, wo die Räude besonders stark um sich gegriffen hat, scheinen die Füchse eine zunehmende Resistenz gegen Neuinfektionen zu entwickeln. Da die Jagd den eigentlich gegebenen Überlebensvorteil für räuderesistente Füchse jedoch zunichte macht (ein Jäger sieht einem Fuchs seine Räuderesistenz schließlich nicht an), dürfte das Töten von Füchsen auch in dieser Hinsicht kontraproduktiv sein. Zur Verbreitung der Räude und ihrer Bekämpfung siehe auch den Artikel Die Räude und das Jägerlatein: Töten für die Tiergesundheit?. **Literatur:** *Constantin, E.-M. (2005): Epidemiologische Untersuchung zur Verbreitung der Räude beim Rotfuchs (Vulpes vulpes) in Baden-Württemberg. Dissertation, Berlin Davidson, R.; Bornstein, S.; Handelanda, K. (2008): Long-term study of Sarcoptes scabiei infection in Norwegian red foxes (Vulpes vulpes) indicating host/parasite adaptation. Veterinary Parasitology, Vol. 267(3-4)* ### ***3.3.5 | Woran erkennt man eine Räudeinfektion bei Füchsen?*** Die offenkundigsten Anzeichen sind häufiges und sehr intensives Kratzen sowie kahle Körperstellen, vornehmlich an Kopf, Hinterteil und Schwanz. Mit Räude infizierte Füchse verhalten sich überdies bisweilen untypisch – zielloses Umherwandern am Tag, begleitet von häufigem Kratzen und Bissen in das eigene Fell und vollständigem Ablegen jeglicher Menschenscheu sind Anzeichen für eine Infektion. Dazu kommen Abmagerung, Dehydrierung und Augenentzündungen. *Räudekranker Fuchs im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit (Bild: TinyPackages/flickr)* Räude kann auch dazu führen, dass erkrankte Füchse verstärkt Siedlungen aufsuchen. Insbesondere wenn das Fell dünner geworden ist, ist die Wärme in Siedlungen und Städten wohltuend und zieht die Tiere an. Für fehlende Scheu bei Füchsen gibt es allerdings viele Ursachen – die meisten zutraulichen Tiere sind erfahrungsgemäßg vollständig gesund. Junge Füchse trauen sich bisweilen aus reiner Neugier sehr nah an Menschen heran, und gerade in Siedlungen und Städten sind Füchse menschliche Präsenz gewöhnt und haben den Menschen nicht als Feind kennengelernt. Zutraulichkeit allein ist also kein Anzeichen für eine Erkrankung. ### ***3.3.6 | Was kann man gegen die Fuchsräude unternehmen?*** Während Haustiere leicht gegen Räude zu behandeln sind, gestaltet sich das bei Füchsen etwas schwieriger. Wildtierhelfer setzen vor allem die Präparate Bravecto und Simparica in der Dosierung für kleine Hunde (5-8kg) ein. Dabei handelt es sich um große Kautabletten, die bereits bei einmaliger Anwendung effektiv gegen Räudemilben wirken und selbst im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung meist zu einer vollständigen Genesung des Fuchses führen. Bravecto und Simparica eignen sich auch für säugende Füchsinnen und werden von ihnen gut vertragen. Die Jagdverbände propagieren angesichts des Auftretens von Fuchsräude einmal mehr intensivere Fuchsbejagung als Allheilmittel zur Bekämpfung der Infektion. Ähnlich wie bei Tollwut und Fuchsbandwurm gibt es jedoch keinen Anhaltspunkt, warum noch erbarmungslosere Fuchsjagd die Ausbreitung der Räude eindämmen sollte – immerhin hat die Vergangenheit gezeigt, dass die Reduktion der Fuchsdichte mit jagdlichen Mitteln nicht möglich ist. Zudem fördert die Bejagung Wanderbewegungen in Fuchspopulationen, wodurch die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Erkrankung sogar eher steigen dürfte. Da die Räude herdförmig auftritt und in einigen Gebieten deutlich schlechter Fuß fassen kann als in anderen Regionen, vermuten Epidemiologen übrigens, dass sich mancherorts weitestgehend gegen die Räude immune Fuchspopulationen herausbilden. **Literatur:** *Wandeler, P. et al. (2003): The city-fox phenomenon: genetic consequences of a recent colonization of urban habitat. Molecular Ecology 12, 647-656. Baker, P., Newman, T. & Harris, S. (2001): Bristol’s foxes – 40 years of change. British Wildlife 12, 411-417. Newman, T.J., Baker, P.J. & Harris, S. (2002): Nutritional condition and survival of red foxes infected with sarcoptic mange. Canadian Journal of Zoology 80, 154-161.* *Davidson R.K., Bornstein S., Handeland K. (2008): Long-term study of Sarcoptes scabiei infection in Norwegian red foxes (Vulpes vulpes) indicating host/parasite adaptation. Veterinary Parasitology 156 (3-4)* *Lee, S.K., Lee, A.-N., Shin, E.-B., et al. (2025): Sarcoptic Mange in Reintroduced Red Foxes (Vulpes vulpes) in South Korea: Case Histories, Clinical Assessments, Treatments, and Pathological Findings. Animals 15(10)* weiter zu *4.1 | Füchse und Menschen: Allgemeines über Stadtfüchse* zurück zu *3.2 | Füchse und Wildtierkrankheiten: Fuchsbandwurm* --- title: 4 | Füchse und Menschen date: 2026-02-01 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/4-fuechse-und-menschen/ --- # 4 | Füchse und Menschen „Alles über Füchse“ ist das Motto des großen Fragen & Antworten-Bereichs auf fuechse.info. Er ist die wohl umfassendste deutschsprachige Online-Informationsquelle über den Rotfuchs und wird regelmäßig aktualisiert und ergänzt. Wer eine Frage hat, die hier nicht beantwortet wird, kann sie mir schicken, und ich werde schauen, dass ich sie (samt Antwort, versteht sich) beim nächsten Update hinzufüge. Die Seiten sind durch Querverlinkungen so gestaltet, dass man bequem darin schmökern kann, aber natürlich sind alle Inhalte auch über die Volltextsuche auffindbar. **4. Füchse und Menschen ** ***4.1 Stadtfüchse *** - 4.1.1 Warum kommen Füchse in menschliche Siedlungsgebiete? - 4.1.2 Füchse im Garten: Freund oder Feind? - 4.1.3 Stellen Stadtfüchse nicht ein Gesundheitsrisiko für den Menschen dar? - 4.1.4 Stellen Stadtfüchse eine Gefahr für spielende Kinder dar? ***4.2 Füchse und Haus- bzw. „Nutz“tiere *** - 4.2.1 Stellen Stadtfüchse eine Gefahr für Haustiere dar? - 4.2.2 Stellen Füchse eine Gefahr für Schafe dar? - 4.2.3 Stellen Füchse eine Gefahr für Hühner dar? - 4.2.4 Besteht die Gefahr, dass Füchse sich mit meinem Hund paaren? ***4.3 Wildlebende Füchse als Nachbarn*** - 4.3.1 Wie kann ich Füchse dazu bringen, meinen Garten (auch) in Zukunft zu besuchen? - 4.3.2 Wie werde ich den Fuchs in meinem Garten los? - 4.3.3 Kann ich den Fuchs in meinem Garten nicht einfach erschießen lassen? - 4.3.4 Kann ich etwas gegen den Lärm unternehmen, den Füchse machen? - 4.3.5 Was ist davon zu halten, Füchse in Lebendfallen zu fangen und andernorts wieder auszusetzen? - 4.3.6 Soll ich Füchse in meinem Garten füttern? - 4.3.7 Wie, wo und wann kann ich wildlebende Füchse am besten beobachten? --- title: 4.1 | Füchse und Menschen- Allgemeines über Stadtfüchse date: 2026-03-14 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/4-1-fuechse-in-der-stadt-umgang-koexistenz-risiken/ --- # 4.1 | Füchse und Menschen: Allgemeines über Stadtfüchse ### ***4.1.1 | Warum kommen Füchse in menschliche Siedlungsgebiete?*** *Immer mehr Füchse erobern menschliche Siedlungsgebiete (Bild: Paul Cecil)* Die Gründe dafür, dass sich Füchse heutzutage häufig in Städten sehen lassen, sind vielfältig. Der nach dem ersten Weltkrieg immer weiter verbreitete öffentliche Nahverkehr sowie die Zunahme privater Fahrzeuge ermöglichte es immer mehr Menschen, an einem Ort zu leben und an einem anderen zu arbeiten. Dadurch wurden viele ländliche Gebiete zu Vororten von Städten. Doch die Urbanisierung beeinflusste nicht nur Menschen; auch Füchse änderten ihren Lebensstil. In den neuen, verhältnismäßig großen Gärten fanden sie Deckung, vor allem aber einen reich gedeckten Tisch vor – hohe Dichten an Mäusen, Ratten und Tauben, weggeworfenes Essen, Beeren und Obst, aber auch draußen bereitgestelltes Katzen- und Hundefutter. Außerdem stellten die Füchse rasch fest, dass die Menschen ihnen in der Stadt in der Regel nicht feindlich gegenüberstanden. So breiteten sie sich nach und nach auch in Richtung Stadtzentrum aus. Tatsächlich gibt es für Füchse im Siedlungsraum oft bessere Deckungs- und Nahrungsverhältnisse als in der umgebenden, oft durch die industrielle Landwirtschaft regelrecht ausgeräumten Kulturlandschaft. Das spiegelt sich auch deutlich in der Größe von Stadtfuchs-Revieren wider: Wo in freier Natur oft hunderte Hektar erforderlich sind, um eine Fuchsfamilie zu ernähren, genügen in der Stadt meist zwischen 10 und 40 Hektar. *Fuchsfamilie auf einem Friedhof* ### ***4.1.2 | Füchse im Garten: Freund oder Feind?*** *Fuchs im Garten (Bild: Paul Cecil)* Das hängt mit Sicherheit von der individuellen Einstellung zu Füchsen ab. Der Schaden, den Füchsen in Gärten anrichten können, hält sich meist in überschaubaren Grenzen – beim Vergraben von Beuteresten umgewühlte Beete, beim Spielen verschleppte Gegenstände, oder die nächtlichen Lautäußerungen sind in aller Regel der Gipfel der von Stadtfüchsen zu erwartenden Belästigung. Umfragen in fuchsreichen Städten zeigen, dass nur ein sehr kleiner Teil der Bürger überhaupt jemals mit derartigen Problemen konfrontiert ist. Nichtsdestoweniger ist ein durchwühltes Blumenbeet, ein verschlepptes Paar Schuhe oder eine schlaflose Nacht im individuellen Fall sicherlich ärgerlich. Falls man – aus welchem Grund auch immer – seine füchsischen Besucher lieber loswerden möchte, gibt es jedoch keinen Grund, gleich den Jäger zu rufen. Unter 4.3.2 Wie werde ich den Fuchs in meinem Garten los? finden sich Hinweise auf tierfreundliche Vergrämungsmethoden. Auf der anderen Seite freuen sich sicherlich viele Menschen darüber, Wildtiere als Besucher in ihrem Garten zu haben und sie beobachten zu können. Umfragen in verschiedenen europäischen Städten mit großen Fuchspopulationen zeigen dementsprechend auch, dass die meisten Menschen dem urbanen Meister Reineke neutral bis positiv gegenüberstehen: In einer großangelegten Studie in Großbritannien gaben 65,7% der Befragten an, Stadtfüchse zu mögen, und weitere 25,8% beurteilten sie neutral. Ähnliche Resultate zeigte eine Umfrage in einem Münchner Vorort, in der ebenfalls positive Einstellungen zu Stadtfüchsen überwogen und 91% der Aussage zustimmten, Stadtfüchse hätten ein Recht auf Leben. **Literatur:*** König, A. (2007): Fears, attitudes and opinions of suburban residents with regards to their urban foxes. A case study in the community of Grünwald – a suburb of Munich. European Journal of Wildlife Research, 10. Baker, P., Harris, S. & White, P. (2006): After the hunt: The future for foxes in Britain. Report, University of Bristol/University of York.* ### ***4.1.3 | Stellen Stadtfüchse nicht ein Gesundheitsrisiko für den Menschen dar?*** Wenn man sich an die unter 3.2.5 Wie kann ich mich vor Echninokokkose schützen? erwähnten Vorsichtsmaßnahmen hält, kann man diese Frage getrost mit nein beantworten. Stadtfüchse stellen alles in allem kein größeres Gesundheitsrisiko dar als andere Tiere (Haustiere und unsere Mitmenschen eingeschlossen), und fungieren überdies als eifrige Ratten- und Mäusejäger, so dass sie als Vertilger klassischer „Schädlinge“ durchaus auch dem Menschen dienen. ### ***4.1.4 | Stellen Stadtfüchse eine Gefahr für spielende Kinder dar?*** Grundsätzlich vermeiden Füchse direkten Kontakt mit allem, was entweder laut oder wehrhaft ist oder stark nach Mensch riecht. All das trifft auf Kinder zu, also besteht keine Gefahr. Etwas weniger flapsig: Es gibt in Deutschland einen dokumentierten Fall im Landkreis Miesbach, in dem ein Kind von einem Fuchs gebissen wurde. Dabei handelte es sich um einen Achtjährigen, der in einem Zelt übernachtete und von dem Fuchs im Schlaf überrascht wurde. Allerdings war der Fuchs stark verhaltensauffällig; demselben Tier konnten weitere aggressive Verhaltensweisen zugeschrieben werden. Die Behörden stuften den Fuchs als „abnormes“ Individuum ein. Dabei handelt es sich jedoch um einen Einzelfall, der angesichts von mehr als 80 Millionen Menschen in Deutschland und einer beträchtlichen Stadtfuchspopulation getrost vernachlässigt werden kann. Als Vater habe ich jedenfalls keine Bedenken, unsere Tochter trotz regelmäßigen Besuchs von Füchsen (aber auch Dachsen, Waschbären und Mardern) allein im Garten spielen zu lassen. weiter zu *4.2 | Füchse und Menschen: Füchse und Haus- bzw. „Nutz“tiere* zurück zu* 3.3 | Füchse und Wildtierkrankheiten: Räude* --- title: 4.2 | Füchse und Menschen- Füchse und Haus- bzw. "Nutz"tiere date: 2026-03-14 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/4-2-fuechse-und-haustiere-nutztiere/ --- # 4.2 | Füchse und Menschen: Füchse und Haus- bzw. "Nutz"tiere ### ***4.2.1 | Stellen Stadtfüchse eine Gefahr für Haustiere dar?*** Wer seinen Goldhamster, seine Rennmaus oder sein Zwergkaninchen nachts frei im nicht umzäunten Garten unbeaufsichtigt herumlaufen lässt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit Probleme mit Füchsen (und diversen anderen Beutegreifern) bekommen. Aber ernsthaft: Für Hunde und Katzen stellen Füchse in aller Regel keine Gefahr dar – Fuchs und Katze gehen sich aus dem Weg oder ignorieren einander, Hunde werden von Füchsen konsequent gemieden. Selbst relativ kleine Hunde oder Katzen sind so wehrhaft, dass ein Kampf mit ihnen für den Fuchs ein erhebliches Verletzungsrisiko mit sich bringen würde; ein Risiko, das ein wildlebender Beutegreifer nur im absoluten Notfall eingehen würde. Eine Studie, in der 40.000 Wildkamera-Fotos aus achthundert Berliner Hausgärten analysiert wurden, zeigt eindeutig, dass Katzen dort die dominante Spezies sind und dass Füchse Begegnungen mit ihnen möglichst vermeiden. Auch wenn Füchse bedingt durch ihre schlanke, eher hochbeinige Statur oft größer aussehen als eine Katze: Ihr Gewicht liegt mit fünf bis maximal acht Kilo nur wenig über dem einer Katze. Dass Meinungsverschiedenheiten mit Füchsen für Freigängerkatzen ein sehr überschaubares Risiko darstellen, zeigen auch die Ergebnisse eines gemeinsamen Forschungsprojekts des Royal Veterinary College in London und der Universität Sydney. Um Gesundheitsrisiken für Haustiere zu erfassen, erhoben die Forscher Daten von Tierarztbesuchen einer sechsstelligen Anzahl von Katzen in ganz Großbritannien. Es zeigte sich, dass von 10.000 Hauskatzen immerhin 541 wegen Bissverletzungen durch Artgenossen und 196 wegen Verkehrsunfällen behandelt werden mussten. Auseinandersetzungen mit Füchsen waren dem Tierarztbesuch dagegen nur in fünf nachgewiesenen und neun vermuteten Fällen vorausgegangen. Wenn also eine Freigängerkatze mit Blessuren nach Hause kommt, die auf Bisse hindeuten, ist dafür höchstwahrscheinlich kein Fuchs verantwortlich, sondern eine andere Katze. Sehr kleine Hundewelpen und junge Katzen können Füchsen zwar zum Opfer fallen, aber nur dann, wenn keine Menschen oder erwachsene Hunde/Katzen in der Nähe sind. Alle anderen Haustiere werden typischerweise so gehalten (z.B. in Volieren, Käfigen oder im Haus), dass ihnen durch Füchse keine Gefahr droht. In Einzelfällen kommt es vor, dass Füchse versuchen, in im Freien stehende Kaninchenkäfige einzudringen. Auch wenn die Käfige selbst „fuchssicher“ sind, führt das bei den betreffenden Kaninchen natürlich zu Angst- und Panikreaktionen. In diesen Fällen ist es ratsam, die Käfige weiträumiger fuchssicher einzuzäunen oder den Fuchs – sofern möglich – aus dem Garten zu vertreiben (siehe dazu 4.3.2 Wie werde ich den Fuchs in meinem Garten los?). *Füchse und Katzen gehen einander aus dem Weg. In Einzelfällen wurden aber auch schon Katzen beim Spiel mit wilden Füchsen beobachtet. (Foto: Harry Rutherford)* ### ***4.2.2 | Stellen Füchse eine Gefahr für Schafe dar?*** Erwachsenen Schafen werden Füchse erfahrungsgemäß nicht gefährlich. Fälle, in denen Bissspuren von Füchsen an toten Schafen nachgewiesen wurden, sind stets darauf zurückzuführen, dass die Füchse sich an tot oder sterbend aufgefundenen Tieren bedient haben. Ähnlich sieht es bei Jungschafen aus. Studien aus Großbritannien weisen aus, daß von jenen Lämmern, die nicht das Erwachsenenalter erreichen, 40% tot geboren werden. Weitere 30% sterben durch Kälte, Verhungern oder Verdursten; 20% kommen durch Krankheiten um, 5% sterben in den ersten Lebenswochen durch angeborene Defekte, und weitere 5% werden durch Unfälle oder eben Beutegreifer getötet. Unter diesen 5% handelt es sich bei einem Großteil der von Beutegreifern gerissenen Tiere um Lämmer, die krank waren und/oder von ihrer Mutter verlassen wurden und die folgenden Tage ohnehin nicht überlebt hätten. In einer anderen Studie in einem zeitweise fuchsjagdfreien Gebiet in Schottland wurde festgestellt, dass lediglich ein Prozent der in den ersten Lebenswochen sterbenden Lämmer auf das Konto von Füchsen ging. Wenn man also die Überlebensrate von neugeborenen Lämmern verbessern will, wäre die Optimierung ihrer Lebensbedingungen (Schutz vor Kälte und Witterung, bessere Nahrungsversorgung) in den ersten Wochen nach ihrer Geburt das Mittel der Wahl. **Literatur:** *Baker, P., Harris, S. & White, P. (2006): After the hunt: The future for foxes in Britain.Report, University of Bristol/University of York. McDonald, E.; Baker, P.; Harris, S. (1997): Is the fox a pest? The ecological and economic impact of foxes in Britain. Hewson, R. (1990): Victim of myth – predation by foxes upon lambs in the absence of control. LACS, London.* ### ***4.2.3 | Stellen Füchse eine Gefahr für Hühner dar?*** Grundsätzlich ja, und zwar vor allem dann, wenn die Füchse im Winter oder während der Jungenaufzucht vom Hunger geplagt werden. Allerdings ist es heutzutage kein allzu großes Problem mehr, sich und seine Hühner davor zu schützen. Nachts sollten Hühner sich in jedem Fall in einem fuchssicher eingezäunten Areal befinden – „fuchssicher“ heißt dabei, dass es sich um einen ausreichend engmaschigen, hohen (oder überdachten) Zaun handeln muß, der mindestens 30 bis 50 Zentimeter in den Boden eingelassen ist (damit sich der Fuchs nicht darunter hindurchgräbt). Ein Stall oder ein von einem Elektrozaun umgebenes Areal funktionieren natürlich ebenso gut. Anstatt den Zaun in den Boden einzulassen, ist es natürlich auch möglich, den Boden des Stalls mit engmaschigem Draht auszukleiden. In Großbritannien wurden sehr gute Erfahrungen mit Elektrozäunen gemacht, von denen Füchse sich stets respektvoll fernhalten. Eine andere wirkungsvolle Methode, um Hühner vor Füchsen zu schützen, ist natürlich die Anschaffung eines (Wach-)Hundes. Wenn man sich Gedanken über den Schutz von Hausgeflügel vor Füchsen macht, sollte man auch über andere Beutegreifer wie etwa Marder nachdenken, die durch noch kleinere Löcher in Umzäunungen schlüpfen können als Füchse. **Literatur:** *Baker, P., Harris, S. & White, P. (2006): After the hunt: The future for foxes in Britain. Report, University of Bristol/University of York. McDonald, E.; Baker, P.; Harris, S. (1997): Is the fox a pest? The ecological and economic impact of foxes in Britain.* *Pépin, D., Feuvrier, P., Powolny, T., Giraudoux, P. (2025): Investigating the effects of red fox management on poultry beyond the controversy, Jura Massif, France. Scientific Reports 15(1)* ### ***4.2.4 | Besteht die Gefahr, dass Füchse sich mit meinem Hund paaren?*** Definitiv nicht. Füchse sind wählerisch genug, sich nur mit Füchsinnen zu paaren, und abgesehen davon sind Füchse und Hunde genetisch gänzlich inkompatibel – sie haben beispielsweise unterschiedliche Chromosomenzahlen. Die Gefahr, dass aus der (sehr unwahrscheinlichen) Liaison eines Fuchsrüden mit einer Hündin Fuchs-Hund-Hybriden entstehen, ist also (im Gegensatz etwa zu Paarungen zwischen Hund und Wolf bzw. Hund und Kojote) nicht gegeben. weiter zu *4.3 | Füchse und Menschen: Wildlebende Füchse als Nachbarn* *zurück zu 4.1 | Füchse und Menschen: Allgemeines über Stadtfüchse* --- title: 4.3 | Füchse und Menschen- Wildlebende Füchse als Nachbarn date: 2026-03-14 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/4-3-fuechse-nachbarn-fuettern-loswerden-fangen-beobachten/ --- # 4.3 | Füchse und Menschen: Wildlebende Füchse als Nachbarn ### ***4.3.1 | Wie kann ich Füchse dazu bringen, meinen Garten (auch) in Zukunft zu besuchen?*** Füchse werden sich immer dann in der Nähe von bestimmten Menschen aufhalten, wenn sie darin einen Vorteil sehen, sich also sicher fühlen sowie ausreichend Deckung und Nahrung vorfinden. Allein schon aufgrund der vielen Füchsen zu eigenen verspielten Neugier werden sie sich dann hin und wieder sehen lassen. Wenn man gute Lebensbedingungen für Füchse schaffen will, sollte man einen Teil seines Gartens sich selbst überlassen. Büsche, Sträucher und ein Haufen abgestorbener Äste mit ausreichend weicher, zum Graben geeigneter Erde darunter sind ein sehr guter Anfang; einfach zugängliches Wasser und viel potentielle Beute oder andere Nahrungsquellen machen den Garten dann zum idealen Heim für Füchse. Auf keinen Fall darf der Garten eingezäunt oder von einer undurchdringbar dichten Hecke eingegrenzt sein, und freilaufende Hunde oder spielende Kinder vertreiben einen Fuchs mit großer Warscheinlichkeit. *Fuchs im Garten (Foto: Paul Cecil)* *Füchse sind erfolgreiche Kulturfolger (Foto: Wendel Schaatsbergen)* Durch gezieltes, regelmäßiges Füttern kann man Füchse zwar auch anlocken und zum dauerhaften Verweilen bewegen; in aller Regel dürfte man damit den Tieren jedoch keinen Gefallen tun. Einerseits besteht dadurch die Gefahr, sie vom Menschen abhängig werden zu lassen; andererseits führt es dazu, dass die Füchse ihre Menschenscheu – in einem Land, in dem sie von vielen Menschen als Schädlinge betrachtet und intensiv verfolgt werden, oft überlebensnotwendig – immer mehr verlieren. ### ***4.3.2 | Wie werde ich den Fuchs in meinem Garten los?*** Wenn man einen Fuchs dazu bringen möchte, seinen Garten zu verlassen, sollte man einige grundlegende Dinge beachten. Zunächst einmal sollten alle Nahrungsquellen (Hunde- und Katzenfutter, Vogelfutter, auf den Komposthaufen geworfene Essensreste, nicht verschlossene/nicht fest verschließbare Mülleimer,…) eliminiert werden. Gartengrille sollten gut gereinigt werden. Die Erfahrungen mit Wildvergrämungsgeräten variieren stark. Manche Füchse lassen sich von Geräten beeindrucken, die einen Bewegungssensor mit Ultraschalltönen wechselnder Frequenz sowie einem Blitz kombinieren (erhältlich z.B. im Online-Handel), anderen stören sich dagegen kaum daran. Dasselbe gilt für bewegungsgesteuerte Wasserfontänen, die bei Annäherung einen Sprühstoß Wasser abgeben. Hin und wieder halten bisweilen schon einfache Außenlampen mit Bewegungsmelder Füchse fern, weil Füchse nachts gut ausgeleuchtete Bereiche meiden, doch weisen diese einen hohen Gewöhnungseffekt auf. Die Wirkung ist daher meist nur von kurzer Dauer. Bei alledem sollte man berücksichtigen, dass Vergrämungsgeräte unter Umständen natürlich auch andere Wildtiere sowie Katzen abschrecken. Im Zweifelsfall hilft hier nur Ausprobieren. Recht zuverlässig fliehen Füchse vor intensiver menschlicher Aktivität – am einfachsten ist es, sie lautstark davonzujagen oder mit einem Gartenschlauch nasszuspritzen (dabei aber zum Schutz von Fuchs und Verkehrsteilnehmern aufpassen, dass der betreffende Fuchs nicht direkt auf eine vielbefahrene Straße rennen kann). Man kann auch eine sogenannte Rappeldose einsetzen, um aufdringliche Füchse wieder zu etwas mehr Respekt zu erziehen. Das ist nichts anderes als eine kleine Blechdose, die mit ein paar Münzen, Schrauben, Steinchen oder ähnlichem befüllt und sicher verschlossen wird. Nähert sich ein Fuchs, wirft man diese Dose vor ihm auf den Boden. Das laute Scheppern lässt ihn zurückschrecken, und er lernt, diese unangenehme Erfahrung mit der Nähe zum Menschen zu verbinden Füchse verlassen ihre Baue normalerweise, wenn sie in unmittelbarer Umgebung häufige menschliche Aktivität wahrnehmen. Ein lautes Radio, eingestellt auf einen Sender, auf dem wenig Musik gespielt wird, vertreibt Füchse ebenso wie intensive menschliche Gerüche. Zudem gibt es spezielle Vergrämungsmittel. Im Garten- oder Tierfachmarkt gibt es ein Mittel mit dem treffenden Namen „Get Off My Garden“, das auf dem Rasen verstreut oder leicht in die obere Erdschicht von Beeten oder Topfpflanzen eingearbeitet wird. Weil der Zitrusgeruch dieses gelartigen Granulats von Füchsen als unangenehm wahrgenommen wird, hält es sie davon ab, an den behandelten Stellen zu graben. Ein anderes Mittel – ein Pulver mit dem Handelsnamen „Scoot“ – kommt dort zum Einsatz, wo Füchse markieren. Es wird in Wasser aufgelöst und mit einer Gießkanne großflächig an den betroffenen Stellen verteilt. Getrocknet ist das Mittel unsichtbar und geruchlos. Markiert nun dort ein Fuchs, reagiert der Wirkstoff mit der Markierung und verändert ihren Geruch so, dass der Fuchs sie für die eines dominanten Artgenossen hält. Anfangs mag er versuchen, diesen imaginären Konkurrenten durch vermehrtes Markieren zu vertreiben. Es dauert jedoch nicht lange, bis der Fuchs seine Bemühungen – und damit auch das betreffende Grundstück – aus Angst vor einem übermächtigen Widersacher aufgibt. Niemals sollte man dagegen versuchen, die Füchse zu fangen oder zu gar zu töten. Außerdem sollte man den Füchsen zuliebe darauf verzichten, sie während der Jungenaufzucht (Februar bis Juli/August) zu vertreiben, sofern der Bau von Füchsin und Welpen auf dem fraglichen Grundstück liegt. Wenn die Vergrämung unvermeidbar ist, sollte man so lange wie möglich damit warten – jeder Tag erhöht die Überlebenschancen der vetriebenen Fuchsfamilie. ### ***4.3.3 | Kann ich den Fuchs in meinem Garten nicht einfach erschießen lassen?*** Das kann man theoretisch durchaus tun – die Frage ist nur: Warum? Für den Fuchs ist es die schlechteste mögliche Lösung, für den Menschen ist es mittelfristig betrachtet eigentlich gar keine. Jedes Fuchs“vakuum“ hat eine wahre Sogwirkung auf reviersuchende Füchse, und das freigewordene Territorium wird innerhalb kürzester Zeit wieder besetzt sein. In Großbritannien, wo bereits Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts viele Stadtfüchse lebten, wurde die großflächige staatliche Fuchsbejagung in Städten daher im Jahr 1970 eingestellt; wo danach auf Bezirksebene noch gegen Stadtfüchse vorgegangen wurde, beendete man dies mangels entsprechender Erfolge Mitte der 80er Jahre. Wenn man einen Fuchs aus welchem Grund auch immer loswerden möchte, sollte man es stattdessen mit Vergrämung versuchen; siehe dazu 4.3.2 Wie werde ich den Fuchs in meinem Garten los?. ### ***4.3.4 | Kann ich etwas gegen den Lärm unternehmen, den Füchse machen?*** Die meisten Menschen gewöhnen sich nach einiger Zeit an die Fuchsrufe, die in der winterlichen Paarungszeit laut werden – während des übrigen Jahres sind Füchse ausgesprochen leise Gesellen. Falls es in dem einen oder anderen Fall nicht so sein sollte, siehe 4.3.2 Wie werde ich den Fuchs in meinem Garten los?. ### ***4.3.5 | Was ist davon zu halten, Füchse in Lebendfallen zu fangen und andernorts wieder auszusetzen?*** Das sollte man unbedingt vermeiden und allenfalls dann tun, wenn die Tötung des betreffenden Fuchses (durch Jäger bzw. Behörden oder den vulpophoben Nachbarn) droht. Der Fuchs kennt das Gebiet, in das er ausgesetzt wird, in aller Regel überhaupt nicht; er läuft Gefahr, von den Inhabern der dortigen Fuchsreviere wieder und wieder verjagt zu werden. Vor allem wird er leicht zum Opfer von Jägern, da er mit den Deckungen, Gefahren und Fluchtwegen in seinem neuen Lebensraum nicht vertraut ist. Abgesehen davon ist der Fang von Füchsen in Kastenfallen mit erheblichem Stress für das Tier verbunden. ### ***4.3.6 | Soll ich Füchse in meinem Garten füttern?*** *Fuchs mit „erbeutetem“ Hühnerei (Foto: Archiv)* Grundsätzlich sollte man darauf verzichten, Füchse zu füttern. Füchse sind Wildtiere und sollten es auch bleiben; man sollte sie nicht in die Abhängigkeit vom Menschen treiben. Vor allem ist wichtig, dass Füchse nicht beginnen, Menschen mit Nahrung zu assoziieren und aufgrunddessen ihre Scheu vor Menschen zu verlieren. Ein zutraulicher Fuchs ist leider oft ziemlich schnell ein toter Fuchs, wenn sich zum Beispiel der wenig fuchsfreundliche Nachbarn von ihm gestört fühlt und den Jäger ruft. ### ***4.3.7 | Wie, wo und wann kann ich wildlebende Füchse am besten beobachten?*** Um wildlebende Füchse zu beobachten, braucht man vor allem zwei Dinge: Geduld und ein wenig Glück. Abgesehen davon, sollte man sich ein gutes Fernglas und/oder – im Idealfall – ein Nachtsichtgerät beschaffen und farblich zur Tarnung geeignete, weiche (d.h. nicht raschelnde) Kleidung tragen. Auf die Möglichkeit, wildlebende Füchse zu fotografieren oder zu filmen, soll hier nicht näher eingegangen werden – das ist eine Wissenschaft für sich, derer der Autor dieser Zeilen im übrigen auch nicht mächtig ist. *Füchse sind wachsam und nicht immer leicht zu beobachten… (Foto: Paul Cecil)* Will man Füchse beobachten, sollte man das am besten nachts bzw. während der Dämmerung tun, sich davor aber in jedem Fall tagsüber mit der Umgebung vertraut machen und einen geeigneten Beobachtungsplatz auswählen. Idealerweise ist das ein Ort, an dem Spuren auf das längere Verweilen von Füchsen hindeuten – Pfotenabdrücke, frische Federn oder andere Beutereste an einem Bau, Markierungen. Zur Beobachtung sollte man sich auf jeden Fall hinter Büschen oder Bäumen verstecken; ansonsten sieht der Fuchs die verräterische menschliche Silhouette und nimmt Reißaus. Bedenken sollte man auch, dass Füchse auch in der Dämmerung hervorragende Bewegungsseher sind und extrem gute Ohren haben. Nicht zuletzt ist zu berücksichtigen, dass der Wind den eigenen Geruch möglichst nicht in Richtung des Fuchses tragen sollte. Seinen Beobachtungsposten sollte man dann gut eine Stunde vor Einbruch der Dämmerung einnehmen. Um es sich etwas einfacher zu machen, kann man z.B. auch ein Tarnzelt nutzen. *… aber immer wieder für eindrucksvolle Fotos gut (Foto: Matthew Hull)* In freier Wildbahn ist es oft am einfachsten, Fuchswelpen am Bau zu beobachten (wenn man einmal einen bewohnten Bau ausgemacht hat). Im Sommer sieht man erwachsene Füchse oft in der Dämmerung auf frisch gemähten Feldern nach den Überresten von Mäusen, Ratten und anderen Tieren suchen, die vom Mähdrescher getötet wurden. Weitaus einfacher ist es oft, Füchse in der Stadt zu beobachten. In Berlin etwa genügt oft schon ein Spaziergang im Tiergarten zur Dämmerung, um einen oder sogar mehrere Füchse zu sehen. Als meine Frau und ich einmal gegen drei Uhr nachts auf dem Weg von einer Feier zu unserem Übernachtungsort waren, liefen uns innerhalb von rund 15 Minuten sage und schreibe vier Füchsen über den Weg – der letzte stand in einer Parkbucht und sah uns aus weniger als fünf Metern Abstand gelangweilt an, bevor er entspannt seines Weges ging. Solche Erlebnisse sind mit scheuen Landfüchsen praktisch ausgeschlossen. Weiß man, dass Füchse sich desöfteren an bestimmten Orten aufhalten, kann man sie dadurch zum häufigeren und längeren Verweilen animieren, dass man ihnen den einen oder anderen Leckerbissen mitbringt und an der betreffenden Stelle auslegt. Hundefutter oder Früchte sind dafür beispielsweise gut geeignet. Allerdings sollten die Brocken nicht zu groß sein, weil der Fuchs größere Futterstücke meistens an einen sicheren Ort tragen und dort verzehren wird. Außerdem sollte man mit der Dosierung des Leckerbissen Maß halten – eine regelrechte Fütterung sollte nicht daraus werden. Viele nützliche Tipps zur Fuchsbeobachtung – von der Auswahl geeigneter Kleidung bis zum Finden der idealen Beobachtungsplätze – sind in Martin Hemmingtons englischsprachigem Buch „Foxwatching“ zu finden. **Literatur:** *Hemmington, M. (1997): Foxwatching – In the shadow of the fox. Whittet Books, London.* weiter zu *5.1 | Fuchsjagd: Wie, wann, wo, warum?* zurück zu *4.2 | Füchse und Menschen: Füchse und Haus- bzw. „Nutz“tiere* --- title: 5 | Fuchsjagd date: 2026-02-01 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/5-fuchsjagd/ --- # 5 | Fuchsjagd „Alles über Füchse“ ist das Motto des großen Fragen & Antworten-Bereichs auf fuechse.info. Er ist die wohl umfassendste deutschsprachige Online-Informationsquelle über den Rotfuchs und wird regelmäßig aktualisiert und ergänzt. Wer eine Frage hat, die hier nicht beantwortet wird, kann sie mir schicken, und ich werde schauen, dass ich sie (samt Antwort, versteht sich) beim nächsten Update hinzufüge. Die Seiten sind durch Querverlinkungen so gestaltet, dass man bequem darin schmökern kann, aber natürlich sind alle Inhalte auch über die Volltextsuche auffindbar. **5. Fuchsjagd ** ***5.1 Fuchsjagd: Wie, wann, wo, warum? *** - 5.1.1 Wie viele Füchse werden von Jägern getötet? - 5.1.2 Warum werden Füchse gejagt? - 5.1.3 Wie werden Füchse gejagt? - 5.1.4 Ist die Fallenjagd auf Füchse legal? - 5.1.5 Wann werden Füchse gejagt? - 5.1.6 Gibt es Gebiete, in denen Füchse nicht gejagt werden? - 5.1.7 Was kann man gegen die Fuchsjagd tun? ***5.2 Fuchsjagd: Konsequenzen der Jagd *** - 5.2.1 Wie wirkt sich Jagd auf die Struktur von Fuchspopulationen aus? - 5.2.2 Macht die Jagd Füchse scheu? - 5.2.3 Ist Fuchsjagd grausam? ***5.3 Fuchsjagd: „Müssen“ Füchse gejagt werden?*** - 5.3.1 Oft wird behauptet, es gäbe „zu viele“ Füchse. Stimmt das? - 5.3.2 Ist Fuchsjagd dazu geeignet, Wildtierkrankheiten wie die Tollwut einzudämmen? - 5.3.3 Ist Fuchsjagd ein geeignetes Mittel, um bedrohten Vogel- und Säugetierarten zu helfen? - 5.3.4 Was wären die Konsequenzen, wenn man die Fuchsjagd abschaffen würde? --- title: 5.1 | Fuchsjagd- Wie, wann, wo, warum? date: 2026-03-14 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/5-1-fuchsjagd-jagdarten-schonzeiten-jagdfreie-gebiete/ --- # 5.1 | Fuchsjagd: Wie, wann, wo, warum? ### ***5.1.1 | Wie viele Füchse werden von Jägern getötet?*** Allein in Deutschland werden nach offiziellen Zahlen der Jagdverbände jedes Jahr über 400.000 Füchse erschossen, in Fallen gefangen oder anderweitig von Jägern getötet. In Österreich beläuft sich die sogenannte „Fuchsstrecke“ derzeit auf etwa 65.000 Tiere im Jahr, in der Schweiz auf rund 25.000. Damit dürfte die Jagd in den meisten Gebieten Mitteleuropas die häufigste Todesursache für Füchse sein – Kugel, Schrot und Schlagfalle sind Studien zufolge für 56 bis 80 Prozent der jährlichen Fuchsmortalität verantwortlich. *Fuchs im Schnee (Bild: Yellowstone National Park)* *Tote Füchse nach einer sog. „Fuchswoche“ (Bild: Fam. Pelli)* ### ***5.1.2 | Warum werden Füchse gejagt?*** *Füchsen wird das Fell über die Ohren gezogen (Bild: Kottke)* – **Vorschaubild** Die Beweggründe, die Menschen dazu bringen, Füchsen nachzustellen und sie zu töten, sind vielfältig. In Mittel- und Westeuropa sowie weiten Teilen Nordamerikas dürfte der Hauptgrund Freude und Lust an der Jagd sein – hunderte von Jagdberichten, die in Büchern, Jagdzeitschriften und Online-Medien veröffentlicht werden, stilisieren die Fuchsjagd mit Flinte oder Falle zu einem unglaublich erregenden Erlebnis empor. Insbesondere die winterliche Ansitz- oder Lockjagd zur Paarungszeit sowie die Baujagd finden sich immer wieder in den literarischen Ergüssen schreibender Waidmänner. Wer sich dafür interessiert, entdeckt in den Online-Foren von Jagdzeitschriften wie „Wild und Hund“ einen reichen Fundus entsprechender Beispiele. Einige davon habe ich in der Rubrik „Jäger über Füchse“ zusammengetragen. Wo die „klassische“ englische Form der Fuchsjagd, bei der die Füchse hoch zu Ross und mit Hundemeuten bis zur Erschöpfung gehetzt werden, gesetzlich noch erlaubt ist, stehen nach Angaben der Jäger Tradition und Sport im Vordergrund (siehe dazu beispielsweise Roger Longriggs Werk „The History of Foxhunting“). Zusätzlich spielt für einige Jäger und Fallensteller sicher auch das Fell eine Rolle, das sie dem getöteten Fuchs über die Ohren ziehen können – für die einen als Trophäe, für die anderen als Handelsware. Nebenbei werden auch die Fangzähne sowie bisweilen bei Rüden der Penisknochen als Trophäe genutzt. Alles in allem kann man jedoch davon ausgehen, dass diese Motive durch gefallene Pelzpreise und eine sich verändernde Modewelt zumindest in der westlichen Hemisphäre immer mehr zugunsten des Jagderlebnisses in den Hintergrund gerückt sind. *Erlegte Füchse, im Container entsorgt (Bild: E.Tourin)* – **Vorschaubild** Berufsjäger, die zum Beispiel ein finanzielles Interesse an möglichst hohen Abschussquoten etwa bei zuvor ausgesetzten, teuren Zuchtfasanen haben, sehen in Füchsen demgegenüber Schädlinge und Beutekonkurrenten, die es zu eliminieren gilt. In diesen Fällen verschiebt sich der Fokus von der lustorientierten „Nutzung“ der Fuchsbestände zu ihrer Bekämpfung – es geht darum, jeden erreichbaren Fuchs so effizient wie möglich zu eliminieren. Die großen Jagdverbände haben in den letzten Jahrzehnten großen PR-Aufwand betrieben, um den Fuchs als Schädling darzustellen. Es wird angeführt, Füchse seien eine Bedrohung für andere Tierarten (siehe dazu 1.5.4, Rotten Füchse ihre Beutetiere aus?), gefährliche Krankheitsüberträger (siehe die Punkte unter 3.1, Tollwut und 3.2, Fuchsbandwurm) oder landwirtschaftliche Schädlinge (siehe dazu die Punkte unter 4.2, Füchse und Haus-/Nutztiere). Dabei dürfte es sich jedoch weniger um echte Motive für die Fuchsbejagung handeln, sondern eher um Versuche, die Fuchsjagd vor den Augen einer immer kritischeren Öffentlichkeit zu rechtfertigen. ### ***5.1.3 | Wie werden Füchse gejagt?*** *Erlegter Fuchs, am Hochsitz aufgehängt * *(Bild: E. Dreyer)* – **Vorschaubild** Menschen haben sich eine große Vielfalt an Methoden ausgedacht, um Füchse (und natürlich andere Tiere) zu töten. In England wurden Füchse noch vor gar nicht allzu langer Zeit mit Pferden und Hundemeuten bis zur Erschöpfung gehetzt. Die englische Fuchsjagd gipfelte darin, dass das gejagte Tier von den Hunden bei lebendigem Leib zerrissen wird. Im Jahr 2004 wurde die Tötung des Fuchses durch Jagdhunde bei Hetzjagden in Großbritannien per Gesetz untersagt. Stattdessen wurden im Rahmen sogenannter „Spurenjagden“ Fährten mit Fuchsurin gelegt, denen die Jagdhunde nun folgen sollen. Allzu oft stöbern die Hunde bei solchen Jagden jedoch trotzdem Füchse auf und töten diese, so dass sich faktisch wenig geändert hat. Strafbar sind derartige „versehentliche“ Tötungen von Füchsen nämlich nicht, und der Nachweis einer strafbaren Handlung gestaltet sich in der Praxis äußerst schwer. In den meisten Ländern – darunter auch Deutschland, Österreich und die Schweiz – werden Füchse in der Regel mit Kugel, Schrot oder Falle getötet. Beispielsweise lockt man sie mit Teilen von Wildkadavern (dem sogenannten „Luder“), mit dem Urin läufiger Füchsinnen oder mit Imitationen der Klagelaute verletzter Beutetiere an und erschießt sie vom Hochsitz aus. Auf Treib- und Drückjagden werden die verängstigten Füchse durch den von Treibern verursachten Lärm bzw. stöbernde Hunde aus der Deckung vor die Flinten der wartenden Jäger getrieben. Die Baujagd ist eine besonders grausame Jagdart, bei der kleine, aber aggressive („raubwildscharfe“) Hunde in den Fuchsbau geschickt werden, um die Füchse herauszutreiben. Vor dem Baueingang warten dann bereits die Schützen auf sie. Mutige Füchse lassen es dabei bisweilen auf einen Kampf mit dem Hund ankommen, der im schlimmsten Fall für beide Beteiligten tödlich enden kann, oft aber zumindest zu gravierenden Verletzungen führt. Begeisterte Baujäger listen im Internet nicht ohne Grund auf, was man alles dabei haben sollte, um den Hund nach einem solchen Jagdtag wieder zusammenzuflicken: Verschiedene Medikamente, Infusionsschläuche, chirurgisches Besteck und Spritzen sind darunter, aber ebenso Tacker, Gaze („für das Einsetzen in größere Wunden“) und Verbandsmaterial. So mancher Fuchs wird außerdem mit Hilfe von Fallen gefangen und getötet (siehe dazu 5.1.4 Ist die Fallenjagd auf Füchse legal?). Im Winter rufen Jagdvereine vielerorts „Fuchswochen“ aus, bei denen es darum geht, revierübergreifend so viele Füchse wie möglich zur Strecke zu bringen. Dabei kommen alle legalen Jagdarten zum Einsatz. Die Deutsche Jagd Zeitung veranstaltete im Dezember 2021 gar einen Fuchsjagd-Wettbewerb – mit Urkunden und Medaillen für diejenigen Jäger, die die meisten Füchse töteten. ### ***5.1.4 | Ist die Fallenjagd auf Füchse legal?*** *Fuchswelpen in Jungfuchsfalle (Foto: Johanna Kurz)* Leider ja, und zwar fast überall. In Nordamerika und weiten Teilen Asiens gibt es für die Fallenjagd wenig Einschränkungen; so erfreuen sich dort die berüchtigten Tellereisen großer Beliebtheit. Sie fangen ihr Opfer an der Pfote und halten es fest, bis der Jäger das gefangene Tier findet und tötet. Während dieser Zeit sind die Gefangenen den Angriffen anderer Tiere hilflos ausgeliefert, und beißen sich oftmals die Pfote ab, um zu entkommen. Letzteres gilt insbesondere für Fuchsmütter, die ihre Welpen nicht verhungern lassen wollen. Findet der Trapper das gefangene Tier nach Stunden oder gar Tagen in der Falle, tötet er es mit Knüppelschlägen oder erschießt es. In Deutschland sind per Gesetz nur noch Fallen erlaubt, die „sofort töten“ oder „unersehrt fangen“. In vielen Bundesländern müssen Jäger neben dem Jagdschein keine weitergehenden Kenntnisse erwerben, um die Fallenjagd ausüben zu können; in anderen ist ein separater Sachkundenachweis erforderlich, den er in einem Fallenlehrgang an einem Wochenende erwerben kann. *Dieser mit der Schnauze in eine „sofort tötende“ Schlagfalle geratene und vor Schmerz wimmernde Fuchs hatte Glück im Unglück – Waldarbeiter fanden ihn vor dem Jäger und retteten ihn (Foto: Deutscher Tierschutzbund)* – **Vorschaubild** „Sofort tötende“ Fallen wie etwa der sogenannte Schwanenhals sind besonders bedenklich und auch nicht mehr in allen Bundesländern zugelassen (Berlin und Baden-Württemberg haben sie z.B. aus Tierschutzgründen verboten). Schwanenhalsfallen sollen das Tier, das den Köder annimmt, durch den Schlag eines Metallbügels auf Hals oder Brustkorb töten. Das geschieht aber nur, wenn ein Tier der richtigen Größe den Köder aus der richtigen Position mit dem richtigen Körperteil annimmt. Wenn einer dieser Parameter nicht stimmt – etwa, weil ein Fuchs auf die dumme Idee kommt, mit der Pfote am Köder zu zerren – resultiert das in Quetschungen und blutigen Verletzungen bis hin zur Verstümmelung. Auch sogenannte Fangbunker, also Kisten, in denen die Totschlagfallen eingebaut werden, können nur verhindern, dass ein Tier in eine zu kleine Falle geht, aber nicht, dass ein Tier in einer zu großen Falle schwer verletzt wird. Gang und Gäbe ist es darüber hinaus in den meisten Bundesländern, Jungfüchse bereits am Bau in speziellen Jungfuchsfallen zu fangen. Diese Drahtgitterfallen gehören zur Kategorie der „unversehrt fangenden Fallen und bestehen aus einem kastenförmigen Fangkorb, der über dem Baueingang befestigt wird. Beim Verlassen des Baus passieren die Welpen eine Klappe, die ihnen den Weg zurück in die Höhle versperrt. Die so gefangenen Jungfüchse werden schließlich vom Jäger erschlagen oder erschossen. ### ***5.1.5 | Wann werden Füchse gejagt?*** In vielen europäischen Ländern dürfen Füchse das ganze Jahr über getötet werden. Auch in Deutschland sehen längst nicht alle Bundesländer eine Schonzeit für Füchse vor, und Fuchswelpen dürfen – mit Ausnahme von Berlin, Baden-Württemberg und dem Saarland (Stand 17.3.2026) – überall ganzjährig gejagt werden. Bundesweit verfügt Berlin über die fortschrittlichste Jagdzeitenregelung. Dort sind erwachsene Füchse zumindest von Februar bis Oktober vor Nachstellungen geschützt. Jungfüchse dürfen auch dort aber schon am 1. Mai wieder ganz legal mit Flinte und Falle zu Tode gebracht werden. Die aktuellen Jagd- und Schonzeiten sind nach Bundesländern geordnet auf Websites wie schonzeiten.de zu finden. Die Jagdzeitenregelungen werden von (in aller Regel sehr jagdaffinen) Ministeriumsmitarbeitern in enger Abstimmung mit den Jagdverbänden getroffen. Wo doch einmal – meist unter grüner Regierungsbeteiligung – aus Tier- und Naturschutzsicht Verbesserungen erreicht werden, nimmt die nächste konservative Regierung sie meist unmittelbar wieder zurück (wir z.B. in Hessen und Nordrhein-Westfalen). Die Jagdverbände schießen systematisch scharf gegen jede auch noch so geringfügige Einschränkung von Jagdzeiten und erlaubten Jagdmethoden. Wo es für erwachsene Füchse keine geregelten Schonzeiten gibt, gilt Paragraph 22 Absatz 4 des Bundesjagdgesetzes. Dieser sagt aus, dass Elterntiere, die für die Aufzucht noch unselbständiger Jungtiere erforderlich sind, nicht getötet werden dürfen. Ob ein erwachsener Fuchs für die Jungenaufzucht erforderlich ist, liegt letztlich jedoch im Ermessensspielraum des Jägers – diese gesetzliche Regelung dürfte also weitestgehend nutz- und wirkungslos sein. Hinzu kommt, dass Schonzeitvergehen praktisch nie zur Anzeige kommen. In Jagdforen und -zeitschriften ist immer wieder zu lesen, dass Jungfüchse spätestens im Juli in der Lage seien, für sich selbst zu sorgen, und man zu diesem Zeitpunkt daher getrost wieder Jagd auf Altfüchse machen könne. Diese Denkweise spiegelt sich auch in den Schonzeitregelungen der meisten Bundesländer für Altfüchse wider. Tatsächlich ist aber nachgewiesen, dass viele Fuchswelpen erst im April oder Mai zur Welt kommen – und dann im Juli natürlich bei weitem noch nicht selbständig sind. Infolgedessen dürften Jahr für Jahr viele Fuchswelpen qualvoll erfrieren oder verdursten, weil ihre Eltern von Jägern getötet wurden. Zudem Seite zeigen Erfahrungen aus Wildtierstationen, dass manche Welpen bereits Ende Januar geboren werden. Die Hauptjagdzeit auf Füchse fällt aber gerade auf die Paarungszeit in den Wintermonaten, so dass viele Fuchsrüden nach erfolgreicher Paarung mit einer Fähe erlegt werden dürften. Diese Fuchsrüden fehlen dann bei der Jungenaufzucht, wo sie normalerweise Fähe und Welpen mit Nahrung versorgen würden. Studien zeigen, dass Überlebenschancen und Kondition solcher vaterlos aufwachsenden Welpen deutlich schlechter sind als bei Jungfüchsen, die von beiden Elternteilen versorgt werden. ### ***5.1.6 | Gibt es Gebiete, in denen Füchse nicht gejagt werden?*** Im gesamten Verbreitungsgebiet des Rotfuchses gibt es Reservate oder Nationalparks, in denen er nicht gejagt wird – dies sind Orte, an denen Füchse weitaus einfacher zu beobachten und weitaus weniger scheu sind als dort, wo Interaktion zwischen Mensch und Fuchs in erster Linie als einseitiger Krieg stattfindet. Das gilt etwa für die meisten Nationalparks. Bekannte Beispiele dafür sind etwa der kanadische Prince-Albert-Nationalpark, in dem der Biologe J.D.Henry zahlreiche Studien durchführte, oder der italienische Gran Paradiso-Nationalpark. Aber auch in Deutschland verzichten elf der 16 Nationalparks auf die Bejagung von Füchsen (darunter etwa die Parks Berchtesgaden, Bayerischer Wald, Nordschwarzwald, Eifel, Harz, Hunsrück und Hainich). Im Schweizer Kanton Genf wurde die Hobbyjagd schon 1974 per Volksentscheid abgeschafft. Zwar werden Wildschweine noch durch staatlich bestellte Wildhüter zur Vermeidung von Wildschäden geschossen, Füchse und andere Tiere dagegen nur, wenn sie krank, verletzt oder verhaltensauffällig sind. Das Fazit ist durchweg positiv: Wie der Genfer Faunainspektor Gottlieb Dandliker betont, ist die Artenvielfalt dort mittlerweile um ein Vielfaches größer als zu Zeiten, in denen noch gejagt wurde. Seltene Vögel seien zurückgekehrt, und die Dichte der Hasenpopulation zähle zu den höchsten in der Schweiz. Von explodierenden Fuchsbeständen, zusammenbrechenden Vogel- oder Niederwildpopulationen und ausufernden Wildkrankheiten gebe es keine Spur. Laut einer Meinungsumfrage aus dem Jahr 2006 unterstützen daher rund 90 Prozent der Genfer Bürger das Jagdverbot. In den Niederlanden stand Reineke mit dem Inkrafttreten eines neuen Naturschutzgesetzes („Flora- en Faunawet“) im Jahre 2002 auf Initiative der damaligen Mitte-Links-Regierung ganzjährig unter Schutz. Obwohl keinerlei nachteilige ökologische oder landwirtschaftliche Folgen nachgewiesen werden konnten, brach ein wahrer Proteststurm in der niederländischen Jägerschaft aus, der nach der Machtübernahme einer von Jägern durchsetzten konservativen Regierung im Jahr 2005 dazu führte, dass Füchse wieder ganzjährig zum Abschuss frei gegeben wurden (siehe dazu den Artikel Füchse in den Niederlanden: Quo vadis, Reineke?). Bestand hatte dagegen das Jagdverbot auf Füchse, dass Luxemburg im Jahr 2015 gegen den massiven Widerstand der dortigen Jägervereinigung beschlossen hat. Für die Bejagung des Fuchses, so der damalige grüne Staatssekretär im Umweltministerium Camille Gira, gebe es schlicht und ergreifend „keinen objektiven Grund“. Die Luxemburger Jäger prophezeiten damals apokalyptische Zustände, die – das wird an diesem Punkt kaum noch überraschen – ausblieben. Es gibt keine Anzeichen für einen Anstieg der Fuchspopulation und keinen Einbruch der Bestände seltener Tierarten. Auch die Befallsrate der Füchse mit dem Fuchsbandwurm schnellte keinesfalls in die Höhe. Im Gegenteil: Lag sie im Jahr 2014 noch bei etwa 40 Prozent, war sie im Jahr 2019 auf weniger als 20 Prozent gesunken. Ein weiteres Land, in dem Füchse grundsätzlich nicht gejagt werden, ist Israel. Umweltministerin Gila Gamliel unterzeichnete dort 2021 sogar ein Gesetz, das den Handel mit Pelzprodukten in der Modeindustrie landesweit verbietet. ### ***5.1.7 | Was sind Schliefanlagen?*** In sogenannten Schliefanlagen werden Jagdhunde zur sogenannten Baujagd auf Füchse abgerichtet, bei der „raubwildscharfe“ Jagdhunde im Bau verharrende Füchse vor die Flinten der draußen wartenden Jäger treiben sollen. Diese Abrichtung erfolgt an lebenden Füchsen, die eigens für dieses Zweck gefangen wurden und zwischen den einzelnen Abschnitten der Jagdhundausbildung in Käfigen gehalten werden. Bevorzugt werden für die Jagdhundeausbildung junge, unerfahrene Jungfüchse eingesetzt. Die Schliefanlage selber ist einem Fuchsbau nachempfunden und besteht aus einem System von Betonröhren, durch das der abzurichtende Hund den Fuchs jagt. Um Kämpfe zwischen „Übungsfuchses“ und Jagdhund zu vermeiden, sind einzelne Abschnitte der Anlage durch Schieber abtrennbar. Auch wenn die Schieber den direkten Kontakt zwischen Fuchs und Hund verhindern, flüchtet der Fuchs in Panik. Im Kessel angekommen, besteht keine weitere Fluchtmöglichkeit mehr; nur das Gitter des letzten Schiebers trennt den Fuchs noch von seinem Todfeind, der ihn aus nächster Nähe anbellt. Jäger behaupten gerne, die Füchse seien bei dieser Prozedur entspannt – so entspannt, dass sie im Kessel sogar einschliefen. Tatsächlich verfallen die Füchse jedoch durch den anhaltenden extremen Stress in eine Art Schockstarre und können apathisch reagieren oder sogar zu schlafen beginnen. Sie gewöhnen sich auch nicht mit der Zeit an die Tortur. *Junger Fuchs in Schliefanlage* *Warten auf die Tortur* *Am Ende der Ausbildungssaison werden die „Übungsfüchse“ bisweilen getötet* Wenn es doch einmal „versehentlich“ dazu kommt, dass der „raubwildscharfe“ Jagdhund sich in den Fuchs verbeißt, muss das aus Jägersicht nicht unerwünscht sein, da – so Jagdbuchautor Neumann – nur so „der Fuchs (…) in seiner unmittelbaren Wehrhaftigkeit (…) kennengelernt wird“. Erschreckenderweise gibt es auch Zoos und Tier- oder Wildparks, die „ihre“ Füchse Jagdhundevereinen für die Abrichtung von Jagdhunden überlassen. Das wurde etwa vom Hochwildschutzpark Hunsrück in Rheinböllen und vom Wildpark Frankenberg bekannt. Vermutlich gibt es viele weitere derartige Arrangements zwischen Wildparks und Jägern. Falls Sie auf entsprechende Hinweise oder Belege stoßen, würden ich mich freuen, von Ihnen zu hören. ### ***5.1.8 | Was kann man gegen die Fuchsjagd tun?*** Da die Fuchsjagd in den meisten Ländern leider völlig legal ist, bleibt einem oft nichts anderes übrig, als meinungsbildend auf seine Umwelt einzuwirken. Füchse haben bei manchen Menschen einen schlechten Ruf, und so ist es wichtig, positive Informationen über sie zu streuen, verzerrte Bilder und falsche Annahmen zu korrigieren und Sympathie für Meister Reineke zu wecken. Gemäß einer repräsentativen Studie aus dem Jahr 2020 befürworten weniger als zehn Prozent der Deutschen die Fuchsjagd. Eine überwältigende Mehrheit ist also der Meinung, dass man Meister Reineke in Frieden lassen sollte. Dass die Politik sich dem nicht beugt, liegt schlichtweg daran, dass diese Mehrheit schweigt und einer kleinen, aber einflussreichen und lautstarken Minderheit das Feld überlässt. Damit sich die Umfragewerte auch in politischen Entscheidungen niederschlagen, müssen die Freunde des Fuchses ihr Schweigen brechen, ihre Stimme erheben und handeln. - Wenn in den Medien Berichte über Füchse oder Fuchsjagd veröffentlicht werden, schreiben Sie Zuschauer- oder Leserbriefe, die – je nach Färbung des Artikels – Fehlannahmen richtigstellen oder die Autoren für ihre faire Berichterstattung loben. Fassen Sie sich möglichst kurz und bleiben Sie sachlich und faktenorientiert. - Lebt in Ihrer Nachbarschaft ein Fuchs, versuchen Sie, die Einstellung Ihrer Nachbarn zur Anwesenheit des Tieres herauszufinden. So lassen sich eventuelle Vorurteile ausräumen, und Sie stellen sicher, dass nicht gleich der Jäger gerufen wird. - Nutzen Sie sich bietende Gelegenheiten, in ihrem Bekanntenkreis auf Hintergründe und Folgen der (Fuchs)Jagd aufmerksam zu machen. - In den sozialen Medien wird viel über Füchse und Fuchsjagd diskutiert, und auch das wirkt letztlich meinungsbildend. Warum sich nicht einmal in solche Auseinandersetzungen einbringen, etwa mit Hilfe der Argumente und Quellen in unseren Zusammenfassungen wissenschaftlicher Literatur? Das führt dazu, dass die vielen guten Argumente gegen die Fuchsjagd Eingang in immer mehr Köpfe finden und sich verfestigen. Letzten Endes erhöht es auch den Druck auf die Politik, Änderungen herbeizuführen. - Immer wieder finden von Tier- und Naturschutzvereinen Protestaktionen statt, ob gegen die Fuchsjagd per se oder bestimmte jagdliche Ereignisse wie Fuchswochen, Hubertusmessen oder Schliefanlagen. Warum nicht einmal daran teilnehmen? - Sofern Sie Grundbesitzer und Zwangsmitglied in einer Jagdgenossenschaft sind, haben Sie die Möglichkeit, mit Ihrem Grundeigentum aus der Genossenschaft auszutreten und damit die Jagd auf Ihrem Grund und Boden zu unterbinden. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschied 2012, dass die Zwangsbejagung von Grundeigentum einen Verstoß gegen die Menschenrechte darstellt und daher zu beenden ist. Weitere Informationen zur Mitgliedschaft in Jagdgenossenschaften, erfolgreichen Austritten sowie dem Kampf gegen die Zwangsbejagung finden sich auf der Website der Initiative Zwangsbejagung ade. - Unsere Wahlentscheidungen und die Forderungen, die wir an unsere WahlkreisvertreterInnen und -kandidatInnen stellen, sind weitere Möglichkeiten politischer Einflussnahme. Warum nicht einmal den Vertreter Ihres Wahlkreises bei einer Bürgersprechstunde in eine Diskussion über die sinnlose und grausame Jagd auf Füchse verwickeln? - Jeder kann einen Beitrag dazu leisten, dass zumindest die geltenden Gesetze auch angewendet werden. Wer beim Waldspaziergang die Augen aufmacht, kann womöglich Rechtsverstöße von Jägern aufdecken: Sind illegale Fallen aufgestellt? Sind legale Fallen zur Zeit der Jungenaufzucht fängisch gestellt? Werden an sogenannten Luderplätzen (Lockfütterungen für Füchse in Schussdistanz zu Hochsitzen) nicht nur Wildkadaver, sondern vielleicht auch Überreste von Haus- oder Nutztieren ausgelegt? Wo immer man rechtlich zweifelhaftes Verhalten von Jägern beobachtet, sollte man das dokumentieren, nach Möglichkeit einen Zeugen hinzuziehen, und es dann bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige bringen. Es schadet auch nicht, die Lokalpresse hinzuzuziehen. - Zu guter Letzt kann man Organisationen unterstützen, die sich praktisch, medial und politisch für den Fuchs einsetzen: Im Aktionsbündnis Fuchs haben sich beispielsweise zahlreiche Vereine zusammengefunden, die gemeinsam für die Abschaffung der Fuchsjagd kämpfen. weiter zu *5.2 | Fuchsjagd: Konsequenzen der Jagd* zurück zu *4.3 | Füchse und Menschen: Wildlebende Füchse als Nachbarn* --- title: 5.2 | Fuchsjagd- Auswirkungen der Jagd für die Füchse date: 2026-03-17 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/5-2-fuchsjagd-tierschutz-jagdfolgen/ --- # 5.2 | Fuchsjagd: Auswirkungen der Jagd für die Füchse ### ***5.2.1 | Wie wirkt sich Jagd auf die Struktur von Fuchspopulationen aus?*** In stark bejagten bzw. von Seuchen heimgesuchten Fuchspopulationen sind die interindividuellen Bindungen weniger intensiv und kürzer, das Durchschnittsalter der Tiere weitaus niedriger, die Stabilität von Familiengemeinschaften geringer. Die Sterblichkeit ist naheliegenderweise höher, die Geburtenrate ebenfalls, und es gibt im Herbst mehr Jungtiere, die sich ein eigenes Revier suchen. Dadurch kommt es zur mehr aggressiven Auseinandersetzungen und territorialen Konflikten; Seuchen werden somit leichter übertragen und schneller verbreitet. Siehe dazu auch 2.4.4, Was für Auswirkungen haben hohe Verluste auf das Sozialleben von Füchsen?. *Nicht selten durch die Jagd vereiteltes Familienidyll: Fuchspaar mit vier Welpen (Bild: Günter Schumann)* **Literatur:*** Labhardt, F. (1990): Der Rotfuchs. Paul Parey, Hamburg/Berlin. Janko C., Trappmann D., Schröder W., Linke S., König A. (2013): Populationsdichten des Rotfuchses (Vulpes vulpes) im Stadt-Land-Gradienten und deren Determinanten. Beiträge zur Jagd- und Wildforschung, Bd. 38, 89-94 Kistler, C., Gloor, S., Hegglin, D., Bontadina, F. (2023): Das Management des Fuchses sollte auf wissenschaftlichen Grundlagen anstatt auf Annahmen basieren. In: Voigt, C.C. (eds) Evidenzbasiertes Wildtiermanagement. Springer Spektrum, Berlin, Heidelberg* ### ***5.2.2 | Macht die Jagd Füchse scheu?*** Diese Frage kann anhand eines einfachen Vergleichs zwischen Fuchspopulationen in stark bejagten und jagdfreien Gebieten leicht beantwortet werden. Füchse, die stark verfolgt werden, sind sehr viel menschenscheuer, haben größere Fluchtdistanzen, und sind ausgeprägter nachtaktiv als Füchse, die nicht verfolgt werden. Wie der Biologe Darius Weber zudem feststellte, führt intensive Baujagd dazu, dass die Baunutzung von Füchsen drastisch abnimmt. **Literatur:** *Labhardt, F. (1990): Der Rotfuchs. Paul Parey, Hamburg/Berlin. Weber, D. (1988): Wie und wann Füchse ihre Baue benutzen. Deutsche Jagd Zeitung, 12.* ### ***5.2.3 | Ist Fuchsjagd grausam?*** Natürlich läßt sich so eine Frage nicht emotionslos beantworten. Nach dem, was wir wissen, müssen wir bei Füchsen eine ähnliche Leidensfähigkeit annehmen wie etwa bei Haushunden. Sie sind zu engen emotionalen Bindungen fähig, reagieren höchst sensibel auf die Reize ihrer Umgebung, und sind überdies sehr intelligente Beutegreifer. Wenn wir es also als grausam bezeichnen würden, Hunde ohne vernünftigen Grund zu erschießen, Welpen vor den Augen ihrer Mutter zu töten, ihnen in Fallen die Knochen zu brechen oder sie zu Tode zu hetzen, dann müßte dasselbe auch für unsere Sicht der Fuchsjagd gelten (siehe dazu 5.3.4, „Was wären die Konsequenzen, wenn man Fuchsjagd sofort verbieten würde?“. Darüber hinaus ist unbekannt, wie viele Füchse in Deutschland jedes Jahr durch schlecht gezielte Schüsse nur verletzt, aber nicht getötet werden, und nach der Flucht langsam und qualvoll sterben und zumindest langfristig an ihren Verletzungen leiden. In Dänemark wurde bei Röntgenuntersuchungen erlegter Tiere festgestellt, dass 13,8% der Füchse alte Schrotkugeln in ihrem Körper trugen. Untersuchungen aus Großbritannien zu diesem Thema haben gezeigt, dass für jeden bei der Jagd getöteten Fuchs mindestens ein weiterer nur verletzt und von diesen angeschossenen Tieren wiederum nur ein Teil überhaupt gefunden wird. *Erschossener Fuchs (Bild: Fam. Pelli)* – **Vorschaubild** *Erschossener Fuchs nach Treibjagd (Bild: Rosi Stevens)* – **Vorschaubild** **Literatur:*** Fox, N. et al. (2003): Welfare Aspects of Shooting Foxes. All Party Parliamentary Middle Way Group. Fox, N. et al. (2005): Wounding rates in shooting foxes (Vulpes vulpes). Animal Welfare, 14. Bolliger G., Gerritsen V., Rüttimann A. (2010): Die Baujagd unter dem Aspekt des Tierschutz- und Jagdrechts, Gutachten (Schweiz) Elmeros, M., Holm, T.E., Haugaard, L., Madsen A.B. (2012): Prevalence of embedded shotgun pellets in protected and in legally hunted medium-sized carnivores in Denmark. Eur J Wildl Res 58, 715–719* weiter zu *5.3 | Fuchsjagd: „Müssen“ Füchse gejagt werden* zurück zu *5.1 | Fuchsjagd: Wie, wann, wo, warum?* --- title: 5.3 | Fuchsjagd- „Müssen“ Füchse gejagt werden / ist Fuchsjagd "notwendig"? date: 2026-03-18 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/5-3-fuchsjagd-muessen-fuechse-gejagt-werden/ --- # 5.3 | Fuchsjagd: „Müssen“ Füchse gejagt werden / ist Fuchsjagd "notwendig"? ### ***5.3.1 | Oft wird behauptet, es gäbe „zu viele“ Füchse und die Fuchsjagd sei „notwendig“. Stimmt das?*** Siehe dazu 2.4.2 Könne Füchse überhand nehmen/gibt es „zu viele“ Füchse? sowie – ausführlicher – die Kurzzusammenfassungen wissenschaftlicher Literatur. ### ***5.3.2 | Ist Fuchsjagd dazu geeignet, Wildtierkrankheiten wie die Tollwut einzudämmen?*** Lange Zeit versuchte man in Europa, der Ausbreitung der Tollwut durch die systematische Tötung von Füchsen zu bekämpfen, weil diese als Hauptüberträger der Seuche gelten. Dabei wurden alle erdenklichem Methoden eingesetzt, bis hin zur Vergasung ganzer Fuchsfamilien in ihren Bauen. Hintergedanke war dabei, die Fuchsdichte auf weniger als 0,3 Tiere pro Quadratkilometer zu reduzieren: Bei dieser Dichte hätte rechnerisch jeder tollwutkranke Fuchs vor seinem Tod weniger als einen anderen Fuchs infiziert, und das Tollwutgeschehen wäre zum Erliegen gekommen. Es gelang jedoch weder, den Rotfuchs großflächig zu dezimieren, noch die Tollwut unter Kontrolle zu bekommen – im Gegenteil, es hatte den Anschein, als sei die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Krankheit sogar noch angestiegen. Je mehr Füchse jedes Jahr umkommen – beispielsweise durch die Jagd -, desto mehr werden geboren (siehe 2.4.2 Können Füchse überhand nehmen/gibt es „zu viele“ Füchse?), und desto mehr Jungfüchse gibt es, die sich im Herbst ein eigenes Revier suchen müssen. Gerade diese Jungfüchse sind es aber, die auf ihren langen herbstlichen Wanderungen zur Verbreitung von Krankheiten beitragen: Sie begegnen weit mehr Artgenossen als territoriale, also seßhafte Füchse, und laufen Gefahr, sich bei Revierkämpfen mit der Tollwut oder anderen Wildtierkrankheiten zu inifizieren oder diese weiterzugeben. Fuchsjagd trägt also eher zur Ausbreitung der Tollwut bei als zu ihrer Eindämmung. Erst als man in den 1980er-Jahren begann, Füchse mit aus Flugzeugen abgeworfenen Impfködern großflächig gegen die Tollwut zu immunisieren, wurde die Tollwut besiegt. Im Jahr 2008 erklärte die Internationale Gesellschaft für Tiergesundheit (OIF) Deutschland für tollwutfrei. Weitere Informationen zum Thema unter 3.1.5 Wie wird die Tollwut bekämpft?. **Literatur:** *Hegglin, D., Ward, P.I., Deplazes, P. (2003): Anthelmintic baiting of foxes against urban contamination with Echinococcus multilocularis. Emerging Infectious Diseases, 10. Kaphegyi, T. (2002): Untersuchungen zum Sozialverhalten des Rotfuchses (Vulpes vulpes L.), Dissertation, Forstwissenschaftliche Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Brsg, Freiburg im Breisgau Debbie, J. (1991): Rabies control of terrestrial wildlife by population reduction. In: Baer, G.M. (Ed.), The natural History of Rabies. CRC Press, Boca Raton. Comte S. et al (2017): Echinococcus multilocularis management by fox culling: An inappropriate paradigm, Preventive Veterinary Medicine, Volume 147, 178-185 Craig, P.S.; Hegglin, D.; Lightowlers, M.W.; Torgerson, P.R.; Wang, Q. (2017): Echinococcosis: Control and Prevention. Advances in Parasitology 96 : 55-158* ### ***5.3.3 | Ist Fuchsjagd ein geeignetes Mittel, um bedrohten Vogel- und Säugetierarten zu helfen?*** *Feldhase (Bild: Marko Kivelä)* In nahezu allen Fällen ist die Antwort auf diese Frage ein klares Nein. In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet sind Füchse nie die Ursache der Gefährdung einer Tierart; diese ist vielmehr in der zunehmenden Zerstörung des Lebensraumes, der Deckung und des Nahrungsangebots vieler Wildtiere zu sehen. Biologen sind sich weitgehend darin einig, dass die einzige dauerhaft wirksame Maßnahme, um den Fortbestand dieser bedrohten Arten zu sichern, die Rücknahme der Gefährdungsursache selbst ist. Es wäre also angebracht, die Flinte zur Seite zu legen und stattdessen Hecken zu pflanzen, Ausgleich für zerstörte Biotope zu schaffen und die Lebensgrundlagen der gefährdeten Tiere wiederherzustellen. Die Fuchsjagd ist dagegen weder notwendig noch – in den meisten Fällen – überhaupt hilfreich. Verfechter der Fuchsbejagung legen gerne die Abschusszahlen beim Fuchs mit denen von Rebhuhn oder Feldhase übereinander und versuchen so zu „beweisen“, dass der Fuchs für den Rückgang von Hase und Rebhuhn verantwortlich ist. Die Fuchsstrecke ist nämlich seit 1990 gestiegen, die Hasen- und Rebhuhnstrecken dagegen gesunken. Ebenso könnte man aber den Vergleich von der Geburtenrate beim Menschen und der Häufigkeit des Klapperstorchs heranziehen, um zu „beweisen“, dass der Storch die Babies bringt – auch hier gibt es nämlich einen ausgeprägten statistischen Zusammenhang. Davon abgesehen, setzte etwa in den Niederlanden und Belgien ein starker Rückgang der Rebhuhnbestände schon in den 1950er Jahren ein, während die Fuchspopulation dort erst im Laufe der 1960er Jahre (Niederlande) bzw. in den 1980er Jahren (Belgien) anwuchs. In Deutschland begann der Niedergang des Rebhuhns bereits in den 1930er Jahren und jener des Feldhasen Mitte der 1970er Jahre; eine Zunahme der Fuchsbestände wurde aber erst ab etwa 1990 verzeichnet. Selbst im Extremfall einer räumlich abgegrenzten Population bedrohter bodenbrütender Vogelarten macht es aus der Perspektive des Artenschutzes zumeist keinen Sinn, Füchse zu erschießen. Die Verhaltensweisen, das Jagdverhalten und die bevorzugten Aufenthaltsorte des territorialen Fuchses (=des Revierinhabers) sind den Vögeln bekannt; sie können den Räuber also einschätzen. Außerdem hält der Revierinhaber Konkurrenten fern, indem er reviersuchende Füchse (und auch andere Beutegreifer) konsequent aus seinem Revier verjagt. Wird dieser territoriale Fuchs jetzt aber getötet, entsteht ein Vakuum, das eine regelrechte Sogwirkung auf herumstreunende Füchse aus dem Umland hat. Die Anzahl der Füchse, mit der die bedrohten Vögel konfrontiert sind, steigt also kurzfristig sogar an, und mehr noch: Die Gewohnheiten dieser Füchse sind ihnen unbekannt. Damit kann paradoxerweise die Gefahr, einem Fuchs zum Opfer zu fallen, sogar anwachsen. Zahlreiche Forschungsprojekte zu diesem Thema zeigen daher, dass selbst derart radikale Maßnahmen in der Praxis weit weniger gut als erhofft funktionieren. Eine Analyse der renommierten britischen Royal Society for the Protection of Birds (RSPB), die eine große Anzahl wissenschaftlicher Studien über den Einfluss von Beutegreifern auf bedrohte Vogelarten zusammenfasst, kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: In drei Vierteln der Untersuchungen hatte das Töten ihrer natürlichen Feinde keinerlei positive Auswirkungen auf den Bestand der Beutetiere. Oft gelingt es nämlich trotz massivster Dezimierungsversuche selbst auf vergleichsweise kleinen Arealen nicht, die Fuchsdichte tatsächlich zu reduzieren. Und sogar dort, wo intensive Bejagung den Fuchsbestand dezimiert, ist in vielen Fällen kein positiver Einfluss auf die Entwicklung der Beuteart zu verzeichnen. Dass die großflächige Reduktion von Füchsen mit jagdlichen Mitteln unmöglich ist, wurde vielfach belegt. Nur in deckungsarmen Gebieten, wo mittels extremer Fuchsbekämpfung unter Einsatz von Berufsjägern überhaupt eine drastische Dezimierung von Füchsen – und natürlich allen anderen relevanten Beutegreifern – erreicht werden kann, lässt sich überhaupt eine Konstellation konstruieren, in der Restpopulationen einer Beuteart durch die Verfolgung von Beutegreifern geholfen werden kann. Ob jedoch der gewaltsame Tod Hunderter oder Tausender Füchse, Marder, Krähen und Greifvögel pro Jahr zur Verlängerung des Überlebens einer wenige Dutzend Tiere zählenden Vogelpopulation ethisch rechtfertigbar ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Und ob die dazu eingesetzten finanziellen und personellen Ressourcen nicht weitaus besser und effektiver in Maßnahmen zur Restrukturierung des Lebensraums der bedrohten Art und demnach zur dauerhaften, nachhaltigen Sicherung ihres Überlebens eingesetzt werden könnten, ebenfalls. Weitere Ausführungen unter Punkt 1.5.4 Rotten Füchse ihre Beutetiere aus? sowie in den Kurzzusammenfassungen wissenschaftlicher Literatur. **Literatur:** *Mooij, J.H. (1998): Zum Einfluß von Biotopeignung und Prädatoren auf die Bestände einiger Niederwildarten. Beiträge zur Jagd- und Wildforschung 23, 161-178. W. Teunissen, H. Schekkerman, F. Willems (2006): Predatie bij weidevogels. Opzoek naar de mogelijke effecten van predatie op de weidevogelstand. Kämmerle, J.L., Niekrenz S., Storch I. (2019): No evidence for spatial variation in predation risk following restricted-area fox culling. BMC Ecol. 19(1):17 La Haye M, van Kats R., Müskens G.J.D.M., Hallmann C. (2020): Predation and survival in reintroduced populations of the Common hamster Cricetus cricetus in the Netherlands. Mammalian Biology – Zeitschrift für Säugetierkunde 100(6):1-11 Jellesmark, S., Ausden, M., Blackburn, T.M., Hoffmann, M., McCrae, L., Visconti, P., Gregor, R.D. (2022): The effect of conservation interventions on the abundance of breeding waders within nature reserves in the United Kingdom. Ibis 165, 69-81* ### ***5.3.4 | Was wären die Konsequenzen, wenn man die Fuchsjagd abschaffen würde?*** Wie man an den Beispielen fuchsjagdfreier Gebiete wie Luxemburg erkennen kann, wären weder aus ökonomischer, Arten- oder Tierschutzsicht negative Konsequenzen zu erwarten. Da die Fuchspopulation sich nahezu flächendeckend bereits der Lebensraumkapazität angepasst, ist nicht davon auszugehen, dass ein Fuchsjagdverbot weiträumig zu einem Anstieg der Fuchsdichte führen würde. Aufgrunddessen würde auch weder das Gefährdungspotential für Beutetiere noch die Ausbreitung von Krankheiten wachsen. Würde man zeitgleich die Bejagung derzeit noch verfolgter Beutearten – etwa des Feldhasen – einstellen, könnte sich sogar eine positive Bestandsentwicklung der betreffenden Tiere ergeben. Für die Füchse selbst würde ein Jagdverbot bedeuten, dass sich wieder stabilere Familien- und Paarbindungen etablieren könnten; die mittlere Lebensdauer der Füchse würde zunehmen, während individueller Stress, Geburten- und Sterberaten sänken. Vermutlich würde überdies die Stabilität der Fuchsreviere zunehmen. Uneinheitlich wären die Folgen für den Menschen: Viele würden sich daran erfreuen, Füchse leichter beobachten zu können; andere müßten hinnehmen, dass es keine neuen Fuchsfelle mehr zu kaufen gäbe, und manche müssten auf ihre Freude an der Fuchsjagd verzichten. In England wird im Hinblick auf die „traditionelle Fuchsjagd“ mit Pferden und Hundemeuten zudem oft argumentiert, dass viele Arbeitsplätze von der Jagd abhängig seien – für die in Deutschland, Österreich und der Schweiz praktizierte Form der Fuchsjagd gilt dies jedoch mit Sicherheit nicht. Die Produktion etwa von Totschlagfallen oder Munition und Gewehren spezifisch für die Bejagung von Meister Reineke stellt hierzulande keinen erwähnenswerten Wirtschaftsfaktor dar. *Jäger beim sogenannten „Streckelegen“ getöteter Füchse * *(Bild: Fam. Pelli)* – **Vorschaubild** Fuchsjagd: Tote Füchse in einem Anhänger nach einer sogenannten „Fuchswoche“ – **Vorschaubild** weiter zu *6.1 | Füchse in menschlicher Obhut: Füchse als Pelzlieferanten?* zurück zu *5.2 | Fuchsjagd: Konsequenzen der Jagd* --- title: 6 | Füchse in menschlicher Obhut date: 2026-02-01 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/6-fuechse-in-menschlicher-obhut/ --- # 6 | Füchse in menschlicher Obhut „Alles über Füchse“ ist das Motto des großen Fragen & Antworten-Bereichs auf fuechse.info. Er ist die wohl umfassendste deutschsprachige Online-Informationsquelle über den Rotfuchs und wird regelmäßig aktualisiert und ergänzt. Wer eine Frage hat, die hier nicht beantwortet wird, kann sie mir schicken, und ich werde schauen, dass ich sie (samt Antwort, versteht sich) beim nächsten Update hinzufüge. Die Seiten sind durch Querverlinkungen so gestaltet, dass man bequem darin schmökern kann, aber natürlich sind alle Inhalte auch über die Volltextsuche auffindbar. **6. Füchse in menschlicher Obhut ** ***6.1 Füchse als Pelzlieferanten*** - 6.1.1 Unter welchen Bedingungen werden Füchse in Pelzfarmen gehalten? - 6.1.2 Sind die Füchse in Pelzfarmen nicht längst domestiziert? - 6.1.3 Wann und wie werden Füchse in Pelzfarmen getötet? - 6.1.4 Wie viele Füchse werden jährlich in Pelzfarmen getötet? - 6.1.5 Wie kann man Echtpelz von Kunstpelz unterscheiden? ***6.2 Füchse als Haustiere? *** - 6.2.1 Sollte man verletzte Füchse mit nach Hause nehmen, um sie dort (bzw. beim Tierarzt) zu behandeln? - 6.2.2 Ist es sinnvoll, verwaiste Fuchsbabys mit nach Hause zu nehmen? - 6.2.3 Darf ich einen Fuchswelpen einfach mitnehmen? - 6.2.4 Ich habe einen Fuchswelpen gefunden – was nun? - 6.2.5 Kann man Füchse als Haustier halten? --- title: 6.1 | Füchse in menschlicher Obhut- Füchse als Pelzlieferanten? date: 2026-03-18 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/6-1-fuechse-pelze-pelzfarmen-tierschutz/ --- # 6.1 | Füchse in menschlicher Obhut: Füchse als Pelzlieferanten? ### ***6.1.1 | Unter welchen Bedingungen werden Füchse in Pelzfarmen gehalten?*** Füchse werden typischerweise in über dem Boden aufgehängten Drahtkäfigen von etwa einem Quadratmeter Größe gehalten. Die Enge der Käfige sowie der Wegfall praktisch aller natürlichen Verhaltensweisen führt zu gravierenden psychischen Störungen, die sich in Kannibalismus, Aggression und stereotypen Bewegungsabläufen, seltener in Apathie und Selbstverstümmelung niederschlagen. Dadurch, dass Kot und Urin durch den Drahtkäfig auf den Boden fallen, entfällt die Käfigreinigung; der beißende Geruch der sich ansammelnden Exkremente ist jedoch für das Nasentier Fuchs unerträglich. Außerdem schneidet der Draht des Käfigbodens in die empfindlichen Fuchspfoten, was zu Entzündungen, häufig auch schwerwiegenderen Verletzungen führt. Bisweilen wird angeführt, dass es doch „humane“ Fuchsfarmen gäbe, in denen die Haltungsbedingungen besser seien. Es hat bislang jedoch niemand einen glaubhaften Beleg für die Existenz derartiger Farmen geliefert. Der Grund dafür ist wirtschaftlicher Natur: Das Gutachten über die Mindestanforderung für die Haltung von Säugetieren in Deutschland schreibt vor, dass Füchse in Gruppen zu halten sind, wobei ein Paar mindest 40 Quadratmeter an angemessen strukturreichem Gehege zur Verfügung stehen muss. Jedes weitere Tier erhöht diesen Wert um 15 Quadratmeter. Dabei handelt es sich wohlgemerkt um absolute Mindeststandards – gute Wildtierstationen in Deutschland stellen ihren Tieren eher das fünf- bis zehnfache an Gehegefläche zur Verfügung. Unter solchen Bedingungen ist eine auch nur halbwegs rentable Pelztierzucht schlichtweg nicht möglich. Viele europäische Länder haben die Zucht von Füchsen in Pelztierfarmen daher bereits verboten, darunter das Vereinigte Königreich, Österreich, Norwegen, die Niederlande, Irland, Italien, Tschechien, Kroatien, Luxemburg, Litauen und Lettland. In Deutschland ist die Zucht zwar nicht explizit verboten, aber durch gesetzliche Mindeststandards an die Tierhaltung unrentabel; die letzte deutsche Pelzfarm schloss im Jahr 2019. In anderen Ländern wie Finnland oder Griechenland wird die Pelztierzucht dagegen weiter betrieben. Stand März 2026 prüft die EU-Kommission derzeit ein EU-weites Verbot der Pelztierhaltung. *Polarfüchse in Pelzfarm (Foto: FurKills.com)* *Rot- und Silberfüchse in Pelzfarm (Foto: PeTA)* ### ***6.1.2 | Sind die Füchse in Pelzfarmen nicht längst domestiziert?*** *Zuchtfüchse auf russischer Experimentalfarm (Bild: TobitRiver/flickr.com)* Von der Pelzindustrie wird oft das Argument ins Feld geführt, die in Pelzfarmen gehaltenen Füchse seien bereits domestiziert, weswegen ihre Haltung nicht mit außergewöhnlichem Stress verbunden sei. Füchse werden jedoch erst seit gut hundert Jahren in Pelzfarmen gezüchtet. Wenn man diesen Zeitraum mit der langen Entwicklung unserer heutigen Haus- und „Nutz“tierrassen vergleicht, kann von einem „domestizierten Fuchs“ im eigentlichen Sinn des Worts nicht die Rede sein. In Russland laufen jedoch bereits seit Jahrzehnten Experimente, die zum Ziel haben, möglichst zutrauliche Füchse mit vermarktbarem Fell zu züchten. Die Resultate dieser zweifelhaften Zuchtversuche führten zwar in der Tat dazu, dass die betreffenden Füchse in mancherlei Hinsicht hundeähnliche Verhaltensweise an den Tag legten – darunter Schwanzwedeln und stürmisches Begrüßen und Belecken der Züchter. Durch die gezielte Selektion im Hinblick auf Zutraulichkeit litt jedoch die Fellqualität. Und selbst wenn es domestizierte Füchse mit wunderschönem Pelz gäbe – würde jemand allen Ernstes einen Hund monatelang in einen kleinen Drahtkäfig sperren wollen, nur um ihn danach zu töten und ihm das Fell über die Ohren zu ziehen? **Literatur:** *Nimon, A.J. & Broom, D.M. (2001): The welfare of farmed foxes Vulpes vulpes and Alopex lagopus in relation to housing and management: A review. Animal Welfare 10, 223-248. Scientific Committee on Animal Health and Animal Welfare (2001): Tierschutz und Pelzfarmen. Gutachten im Auftrag der Europäischen Kommission, 211.* ### ***6.1.3 | Wann und wie werden Füchse in Pelzfarmen getötet?*** *Fuchs mit Schnauzenelektrode vor der Elektrokution * *(Foto: ALV)* – **Vorschaubild** Auf Pelzfarmen werden Füchse im Spätherbst, wenn sich das dichte Winterfell herausgebildet hat und die Tiere in der Terminologie der Pelzzüchter „reif“ sind, getötet – und zwar mit Methoden, die den wertvollen Pelz nicht zerstören. In manchen Farmen werden die Füchse unter den Augen ihrer Käfignachbarn erschossen oder mit Knüppeln erschlagen, seltener werden Giftspritzen eingesetzt. Der wahrscheinlich gängiste Weg, Füchse in Pelzfarmen zu töten, ist die Elektrokution. Dabei wird dem Fuchs die Schnauze mit einer zangenförmigen Elektrode verschlossen, während ihm eine zweite, stabförmige Elektrode in den After eingeführt wird. Ein fünf bis zehn Sekunden dauernder Stromstoß aus einer Autobatterie mit nachgeschaltetem Transformator, der die Spannung auf 115 oder 230 Volt erhöht, tötet das Tier. Wird der Strom zu kurz angelegt, oder leiten die Elektroden zu schlecht (etwa bei trockenen Schleimhäuten infolge einer Infektionskrankheit), können die Füchse nach der Prozedur wieder zu Bewusstsein kommen. *Elektrokution eines Fuchses (Foto: PeTA)* – **Vorschaubild** Noch unerträglicher sind die aus China und anderen asiatischen Ländern bekannt gewordenen Tötungs- und Pelzungsmethoden. Verschiedene Tierschutzorganisationen haben mit versteckter Kamera aufgenommenes Bild- und Videomaterial veröffentlicht, auf dem zu sehen ist, wie Füchse und Marderhunde mit Knüppelschlägen und Fußtritten malträtiert werden, bevor ihnen schließlich – weitgehend immobilisiert, aber noch lebendig – das Fell über die Ohren gezogen wird. ### ***6.1.4 | Wie viele Füchse werden jährlich in Pelzfarmen getötet?*** Etwa 3,5 Millionen der gut 20 Millionen Tiere, die jedes Jahr in Pelzfarmen getötet werden, sind Füchse (alle Fuchsarten eingerechnet). Nerze sind nach wie vor mit rund 14 Millionen pro Jahr die am häufigsten in Pelzfarmen getöteten Tiere. Die Pelztierzucht ist damit weltweit stark rückläufig – noch 2014 wurden weltweit mehr als 100 Millionen Tiere in Pelzfarmen getötet. Der international größte „Produzent“ von Fuchspelzen ist China, gefolgt von Finnland. ### ***6.1.5 | Wie kann man Echtpelz von Kunstpelz unterscheiden?*** Heutzutage ist Kunstpelz meist sehr hochwertig und nicht selten so sehr auf „echt“ getrimmt, dass er nur noch schwer von Echtpelz zu unterscheiden ist. Hinzu kommt, dass Tierpelze von der Modeindustrie immer häufiger geschoren und gefärbt werden – paradoxerweise oft mit dem Ziel, sie nicht allzu leicht als Echtpelz identifizierbar zu machen. Eindeutige Deklarationen sind insbesondere bei Pelzbesätzen an preisgünstigen Jacken und Mänteln selten. Wie also kann man zweifelsfrei bestimmen, ob es sich bei einem Fellbesatz um Kunstpelz oder Tierfelle handelt? - **Ist Unterwolle vorhanden?** Ziehen Sie die Oberhaare des Pelzes etwas auseinander und schauen Sie, was darunter zum Vorschein kommt. Ist der Pelz lang bzw. ungeschnitten, ist bei Echtpelz manchmal die Unterwolle zu erkennen. Diese besteht aus ganz feinen, dichten und flauschigen Haaren. - **Ist Leder vorhanden?** Echtpelz wird mitsamt Leder gewonnen und verarbeitet. Ziehen Sie die Haare vorsichtig auseinander. Am darunter liegenden Gewebe können Sie erkennen, ob es sich um ein künstlich gewebtes Muster bzw. Stoff handelt oder ob die Haare auf echter Tierhaut gewachsen sind. - **Weichheit und Flexibilität der Haare:** Echtpelz bewegt sich oft schon bei leichten Brisen. Wenn Sie ganz sanft über den Pelz blasen und sich die Haare trotzdem bewegen, haben Sie wahrscheinlich Echtpelz vor sich. - **Wie riecht verbranntes Fell?** Man kann Echt- von Kunstpelz unterscheiden, indem man ein paar Haare verbrennt. Wenn Sie einen synthetischen Geruch wahrnehmen und die Haare zu kleinen, harten Klümpchen verschmelzen, handelt es sich um Kunstpelz. Zerfallen die Haare jedoch und riecht es nach verbrannten Haaren, so handelt es sich um Echtpelz. (Die Tests wurden von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten gesammelt.) *weiter zu 6.2 | Füchse in menschlicher Obhut: Füchse als Haustiere?* *zurück zu 5.3 | Fuchsjagd: „Müssen“ Füchse gejagt werden?* --- title: 6.2 | Füchse in menschlicher Obhut- Füchse als Haustiere? date: 2026-03-19 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/6-2-fuechse-als-haustiere/ --- # 6.2 | Füchse in menschlicher Obhut: Füchse als Haustiere? ### ***6.2.1 | Sollte man verletzte Füchse mit nach Hause nehmen, um sie dort (bzw. beim Tierarzt) zu behandeln?*** Grundsätzlich sollte man erst einmal die Situation eruieren, indem man den Fuchs einige Zeit aus der Distanz beobachtet. Nur wenn es sich um eine schwere Verletzung zu handeln scheint, sollte man eingreifen; andernfalls ist es besser, den Fuchs dort zu lassen, wo er ist, und ihn gegebenenfalls mit ein wenig Futter oder Wasser zu unterstützen. In England wurde beispielsweise beobachtet, dass verletzte Füchse sich nach einem Autounfall in einen für sie sicheren Garten legten, bis sie sich so weit erholt hatten, dass sie sich wieder selbst versorgen konnten. Grundsätzlich gilt: Wenn es nicht unbedingt erforderlich ist, etwas anderes zu unternehmen, sollte man verletzte Füchse vor Ort unterstützen. Füchse zur Behandlung einzufangen, ist für die Tiere mit erheblichem Stress und großer Angst verbunden. Zudem findet ein Fuchs, der für einige Zeit in menschlicher Obhut war, sein altes Revier danach meist von einem neuen Inhaber besetzt vor, und es ist fraglich, ob der Rekonvaleszente es sich so leicht zurückerobern kann. Bei der Entnahme von Füchsen aus freier Natur – auch wenn es nur vorübergehend ist – sind zudem gesetzliche Vorgaben zu beachten, die von Bundesland zu Bundesland variieren. Grundsätzlich gilt, dass bei in freier Wildbahn aufgefundenen Tieren, die zu ihrer Rettung vorübergehend in menschliche Obhut genommen werden, der Jagdausübungsberechtigte informiert werden muss. Die Nothilfe für das Tier geht dabei aber immer vor: Erst wenn es sicher versorgt ist und sich z.B. in der Obhut von Tierarzt, Tierheim oder Wildtierstation befindet, muss der Anruf beim Jäger erfolgen. Wichtig dabei ist, dass dieser ein Aneignungsrecht beseitzt und theoretisch die Herausgabe des verletzten Tieres verlangen kann. In der Praxis machen nur wenige davon Gebrauch; immer wieder kommt es zudem vor, dass die Finder der Tiere sich nicht mehr erinnern können, in wessen Obhut sie das verletzte Tier gegeben haben. Auf befriedetem Grund (z.B. Hausgärten) liegt das Aneignungsrecht beim Grundstücksbesitzer; hier hat der Jäger i.d.R. keinen Anspruch auf Herausgabe des verletzten Wildtieres. ### ***6.2.2 | Ist es sinnvoll, verwaiste Fuchsbabys mit nach Hause zu nehmen?*** *… die Versuchung ist groß: Fuchswelpe * *(Foto: J.Jordan)* Auch hier gilt im Normalfall: Erst beobachten, dann handeln. Füchsinnen lassen ihre Kinder durchaus für mehrere Stunden allein, insbesondere dann, wenn sie selbst (z.B. durch den Tod des Vaters) für Nahrung sorgen müssen. Selbst wenn feststeht, dass die Mutter getötet wurde, besteht bei älteren Jungfüchsen (die schon feste Nahrung zu sich nehmen können) die Möglichkeit, dass der Vater oder ältere Geschwister die Versorgung übernehmen. Im Zweifelsfall sollte man Kontakt mit Wildtierhelfern aufnehmen und sich dort kompetenten Rat einholen. Fuchswelpen sollte man also erst dann mit „nach Hause“ nehmen, wenn weitgehend gesichert ist, dass das Tier wirklich verwaist ist. Die Fuchs-Hilfe hat auf ihrer Website eine ganze Reihe an wertvollen Hinweisen zusammengestellt, die darauf schließen lassen, ob Fuchswelpen Hilfe brauchen oder nicht. Aber selbst wenn man ein Fuchsbaby zu Unrecht mitgenommen hat, ist meist noch eine Rückführung zu seinen Eltern möglich. Im Gegensatz zu manchen anderen Wildtieren verstoßen Fuchseltern ihren nämlich Nachwuchs nicht, wenn ihm menschlicher Geruch anhaftet. Falls eine solche Rückführung nötig ist, nehmen Sie unbedingt Kontakt mit Wildtierhelfern auf, die Sie etwa über das Fuchshilfsnetz finden können. Wenn ein Fuchswelpe tatsächlich Hilfe benötigt, kann man ihn – Expertise im Umgang mit Wildtieren, Platz und genügend Zeit vorausgesetzt – selbst aufpäppeln (siehe dazu 6.2.4 Ich habe einen Fuchswelpen gefunden – was nun?) oder ihn in kompetente Hände abgeben. Leider sind nur wenige Wildparks und Naturschutzstationen bereit, Füchse aufzunehmen, so dass fachkundige Unterstützung hier rar ist. Eine Liste an Auffangstationen für Wildtiere – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – findet sich bei der Organisation Wildtierschutz Deutschland e.V., die zudem einige Auffangstationen unterstützt, in denen Fuchswelpen für die Wiederauswilderung vorbereitet werden. Auch bei der Fuchs-Hilfe beschäftigt man sich – wie der Name schon sagt – mit dem Schutz von Füchsen und der Hilfe für verletzte oder verwaiste Welpen. ### ***6.2.3 | Darf ich einen Fuchswelpen einfach mitnehmen?*** Das sogenannte Aneignungsrecht – also das Recht, sich lebende oder tote Wildtiere in Wald und Flur anzueignen – fällt dem Jagdausübungsberechtigten zu. Nimmt man einen Fuchswelpen oder ein anderes junges Wildtier aus dem Wald mit, begeht man also streng genommen Jagdwilderei. Ausnahmen davon gelten aber, wenn ein Tier akut hilfsbedürftig ist. Rechtlich vergleichsweise unbedenklich ist in vielen Bundesländern zudem die Aufnahme von Wildtieren in befriedeten Gebieten wie etwa Privatgrundstücken im Siedlungsbereich, sofern man selbst Besitzer oder Mieter des betreffenden Grundstücks ist. Wer einem Jäger einen verwaisten oder verletzten Fuchswelpen meldet, kann in den meisten Fällen leider davon ausgehen, dass mit dem betreffenden Tier „kurzer Prozess“ gemacht wird. Weitere Ausführungen unter 6.2.1 | Sollte man verletzte Füchse mit nach Hause nehmen, um sie dort (bzw. beim Tierarzt) zu behandeln? ### ***6.2.4 | Ich habe einen Fuchswelpen gefunden – was nun?*** Auf der Website Wir Füchse sowie bei der Fuchs-Hilfe finden sich umfassende Informationen über den Umgang mit verwaisten Fuchswelpen. ### ***6.2.5 | Kann man Füchse als Haustier halten?*** Wenn damit ein „Haustier“ im klassischen Sinn gemeint ist, muss man diese Aussage verneinen. Zwar gibt es durchaus einzelne Beispiele von Füchsen, die sich in menschlicher Obhut wohl fühlen, sofern „ihr“ Mensch die Kenntnisse, die Zeit und den Willen hat, auf sie einzugehen. Selbst dann ist die Haltung eines Fuchses aber ein Abenteuer mit reichlich Konflikpotential: Sie werden in aller Regel nicht stubenrein, haben einen äußerst ausgeprägten Willen und lassen sich nicht erziehen, verstecken überall im Haus Futter, zerstören die Einrichtung, machen Lärm, und ihre Ausscheidungen verbreiten einen intensiven Geruch. Eine halbwegs artgerechte und angemessene Haltung ist nur in großen, strukturreichen Freigehegen möglich. *Jungfuchs im Wohnzimmer (Foto: Archiv)* Abgesehen davon, entwickeln selbst in menschlicher Obhut aufgewachsene Jungfüchse oft einen unbändigen Freiheitsdrang und fühlen sich in Gefangenschaft sichtlich unwohl. Füchse haben schlichtweg nicht jenen Domestizierungsprozess durchlaufen, dem unsere Haushunde über Jahrtausende unterworfen waren. Grundsätzlich gilt: Wenn ein gefangener Fuchs die Möglichkeit und den Willen besitzt, in die Freiheit entlassen zu werden, sollte ihm dieser Wunsch gewährt werden. Mit genügend Vorbereitung ist das manchmal selbst nach Jahren der Gefangenschaft noch möglich. Soweit irgend möglich, sollte dies jedoch in einem Gebiet erfolgen, in dem Füchse nicht oder nur selten gejagt werden, und in dem sich keine vielbefahrenen Straßen befinden. Studien haben gezeigt, dass ausgewilderte Füchse in der ersten Zeit nach der Freilassung besonders häufig zum Opfer von Jägern oder Autos werden, weil sie sich erst einmal mit der neuen Umgebung vertraut machen müssen und dabei weitgehend ziellos umherirren. **Literatur:** *Robertson, C.P.J. & Harris, S. (1995): The condition and survival after release of captive-reared fox cubs. Animal Welfare 4, 281-294. Robertson, C.P.J. & Harris, S. (1995): The behaviour after release of captive-reared fox cubs. Animal Welfare 4, 295-306* weiter zu *7.1 | Der Fuchs im Spiegel von Kultur und Religion: Die Rolle von Füchsen in Mythen, Legenden und Glauben* zurück zu* 6.1 | Füchse in menschlicher Obhut: Füchse als Pelzlieferanten?* --- title: 7 | Der Fuchs im Spiegel von Kultur und Religion date: 2026-02-01 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/7-der-fuchs-im-spiegel-von-kultur-und-religion/ --- # 7 | Der Fuchs im Spiegel von Kultur und Religion „Alles über Füchse“ ist das Motto des großen Fragen & Antworten-Bereichs auf fuechse.info. Er ist die wohl umfassendste deutschsprachige Online-Informationsquelle über den Rotfuchs und wird regelmäßig aktualisiert und ergänzt. Wer eine Frage hat, die hier nicht beantwortet wird, kann sie mir schicken, und ich werde schauen, dass ich sie (samt Antwort, versteht sich) beim nächsten Update hinzufüge. Die Seiten sind durch Querverlinkungen so gestaltet, dass man bequem darin schmökern kann, aber natürlich sind alle Inhalte auch über die Volltextsuche auffindbar. **7. Der Fuchs im Spiegel von Kultur und Religion ** ***7.1 Die Rolle von Füchsen in Mythen, Legenden und Glauben *** - 7.1.1 Haben Füchse menschliche Legenden und Mythen stärker inspiriert als andere Tiere? - 7.1.2 Was für Eigenschaften wurden/werden Füchsen im Volksglauben zugeschrieben? - 7.1.3 Welche Rolle spielt der Fuchs in der japanischen Mythologie? - 7.1.4 Welche Rolle spielt der Fuchs in der chinesischen Mythologie? - 7.1.5 Welche Rolle spielt der Fuchs in der koreanischen Mythologie? - 7.1.6 Welche Rolle spielt der Fuchs in der Mythologie der nordamerikanischen Ureinwohner? - 7.1.7 Welche Rolle spielt der Fuchs in der südamerikanischen Mythologie? - 7.1.8 Welche Rolle spielt der Fuchs in europäischen Legenden und Mythen? - 7.1.9 Welche Rolle spielt der Fuchs im christlichen Glauben? - 7.1.10 Was sind Kitsunes? ***7.2 Der Fuchs in der Literatur *** - 7.2.1 Welche Arten von Geschichten über Füchse gibt es? - 7.2.2 Welche bekannten Fabeln handeln von Füchsen? - 7.2.3 Woher kommt der Name „Reineke“? - 7.2.4 Worum geht es in der Geschichte des “Reineke Fuchs”? - 7.2.5 Wie viele Varianten des Reineke-Epos gibt es? - 7.2.6 Gibt es moderne Romane und Geschichten über Füchse? - 7.2.7 Gibt es Comics über Füchse? ***7.3 Der Fuchs in den modernen (Unterhaltungs-)Medien *** - 7.3.1 Gibt es Realfilme, die von Füchsen handeln? - 7.3.2 Welche Zeichentrickfilme gibt es über Füchse? - 7.3.3 Welche bekannten Zeichentrickserien handeln von Füchsen? - 7.3.4 Welche Computer- und Videospiele handeln von füchsischen Charakteren? ***7.4 Der Fuchs in der Musik *** - 7.4.1 Welche Stücke der klassischen Musik handeln von Füchsen? - 7.4.2 Welche modernen Songs handeln von Füchsen? --- title: 7.1 | Der Fuchs im Spiegel von Kultur und Religion- Die Rolle von Füchsen in Mythen, Legenden und Glauben date: 2026-03-19 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/7-1-fuchse-religion-mythen-legenden-glauben-kitsune/ --- # 7.1 | Der Fuchs im Spiegel von Kultur und Religion: Die Rolle von Füchsen in Mythen, Legenden und Glauben ### ***7.1.1 | Haben Füchse menschliche Legenden und Mythen stärker inspiriert als andere Tiere?*** Füchse sind vergleichsweise häufige und weit verbreitete Tiere und als solche dem Menschen relativ vertraut. Seit Jahrtausenden gelten sie als Geflügelräuber und werden wegen ihres Pelzes oder aus Jagdlust verfolgt; andererseits haben ihre heimliche Lebensweise, ihre sprichwörtliche Schläue und ihre Schönheit Menschen schon immer fasziniert. Insofern ist es wenig überraschend, dass Füchse in vielen Kulturkreisen eine wichtige Rolle in Mythologie, Kultur und Religion spielen. Insbesondere aus asiatischen Mythen und Legenden sind Füchse nicht wegzudenken; ganze Kulte und Glaubensrichtungen machten sie dort zu zentralen Figuren. Schon in der Altsteinzeit scheinen Füchse die Menschen besonders fasziniert und inspiriert zu haben. In den 1990er-Jahren entdeckte ein Archäologenteam am Göbekli Tepe, einem Hochplateau im Südosten der Türkei, Überreste einer riesigen Tempelanlage. Heute gilt dieser Fund als eine der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der Neuzeit, handelt es sich dabei doch um den bei weitem ältesten steinernen Tempel der Menschheitsgeschichte. Zudem weist die Anlage am Göbekli Tepe viele architektonische und künstlerische Leistungen auf, die man den Menschen der Altsteinzeit bis dahin nicht annähernd zugetraut hatte. Detaillierte Reliefs und selbst nahezu vollplastische Darstellungen verschiedener Tiere finden sich überall in der Anlage. Viele davon zeigen besonders große oder wehrhafte Arten, darunter Löwen, Schlangen, Wildschweine und Stiere. Das häufigste Säugetiermotiv ist jedoch der Fuchs – realistisch dargestellt, mit spitzen Zähnen und buschigem Schwanz, begegneten den Ausgrabungsteams auffallend viele Darstellungen von Füchsen. ### ***7.1.2 | Was für Eigenschaften wurden/werden Füchsen im Volksglauben zugeschrieben?*** Über nahezu alle Kulturkreise hinweg wird der Fuchs als besonders listig und schlau beschrieben – eine Eigenschaft, die wohl einen realen biologischen Hintergrund hat (siehe dazu 1.4.5 – Sind Füchse wirklich so schlau?) und für den realen Fuchs überlebenswichtig ist. Ebenso universell ist dabei, dass diese Schläue sich mal in Heimtücke, Hinterlist und Übervorteilung anderer, mal aber auch in Weisheit, Hilfsbereitschaft und Weitblick äußert. In europäischen Tierfabeln nutzt der Fuchs die Schwächen anderer mit großem Erfolg zu seinem eigenen Vorteil, aber wo immer er Überheblichkeit zeigt – auch eine Eigenschaft, die ihm bisweilen zugeschrieben wird –, zieht er letzten Endes den Kürzeren (siehe dazu auch 7.2.2 – Welche bekannten Fabeln handeln von Füchsen?). Darüber hinaus gilt der Fuchs insbesondere in Asien als Symbol für Fruchtbarkeit. Er steht für Verführung und Sexualität, beweist aber zumindest in manchen Geschichten japanischen und chinesischen Ursprungs auch Liebe, Aufopferungsbereitschaft und Fürsorglichkeit. In der westlichen Kultur ist die Assoziation mit Attraktivität und Sexualität etwa durch den amerikanischen Slangausdruck „foxy“ geläufig, der ein Synonym für „sexy“ ist. ### ***7.1.3 | Welche Rolle spielt der Fuchs in der japanischen Mythologie?*** *Fuchsstatuen wie diese bewachen den Fushimi Inari-Schrein in Kyoto* Die japanische Mythologie zeichnet ein sehr ambivalentes Bild des Fuchses. Einerseits wird er als Botentier Inaris, dem Gott der Fruchtbarkeit, verehrt, andererseits fürchtet man die oft harmlosen, bisweilen jedoch ernsten Schaden anrichtenden Streiche der Kitsunes. „Kitsune“ ist zunächst nichts anderes als das japanische Wort für Fuchs, doch geht der Volksglaube davon aus, dass ein Fuchs mit zunehmendem Alter an Macht gewinnt und schließlich unter anderem die Fähigkeit erlangen kann, sich in beliebige Lebewesen und Gegenstände zu verwandeln. Ein besonders beliebtes Motiv in der japanischen Kultur ist die Verwandlung von Füchsen in schöne Frauen, die Männer verführen und bisweilen auch Kinder mit ihnen zeugen. Findet der Mann dann die wahre Natur seiner Geliebten heraus – oft geschieht das durch ungewöhnliches Verhalten eines Hundes ihr gegenüber, oder schlicht durch ein Missgeschick der Dame wie etwa das unabsichtliche Offenbaren ihres Schweifs –, macht sie sich aus dem Staub und lässt den Menschen mit dem gemeinsamen Nachwuchs allein. Auf der anderen Seite werden Kitsunes viele positive Eigenschaften – darunter Schläue, Dankbarkeit und Selbstlosigkeit – zugeschrieben, und im Gegensatz zu anderen Tierehen soll dem japanischen Volksglauben nach die Verbindung eines Mannes mit einer Fuchsfrau weise und tüchtige Menschen hervorbringen, die oft große Gelehrte werden. Alles in allem zeichnen die Kitsune-Mythen Japans ein deutlich positiveres Bild des Fuchses als die Geschichten über Fuchsgeister, die in China und vor allem Korea zu finden sind. Ihre offensichtlichste und wohl bekannteste Rolle haben Füchse in der japanischen Mythologie als Vertraute des Fruchtbarkeitsgottes Inari, der bisweilen (zum Ärger der Inari-Priester) auch selbst als weißer Fuchs dargestellt wird. Inari-Schreine werden meist von zwei Fuchsstatuen flankiert; die Schreinpriester sind in gewisser Weise auch für die wildlebenden Füchse im Gebiet um den Schrein zuständig und füttern diese in harten Wintern bisweilen mit Soja und Reis. Füchse, die zur Paarungszeit ihr Liebensspiel auf den Reisfeldern Japans treiben, gelten traditionell als Glücksbringer und Omen für Fruchtbarkeit. ### ***7.1.4 | Welche Rolle spielt der Fuchs in der chinesischen Mythologie?*** Wie auch in der japanischen Mythologie sind Füchse im altchinesischen Glauben magische Wesen, die – ausreichendes Alter und dementsprechende Macht vorausgesetzt – sich in jedes beliebige Wesen oder Ding verwandeln können. In China überwiegen dabei die negativen Aspekte der Fuchsgeister. So verfiel der letzte Kaiser der Shang-Dynastie der Legende zufolge einer Konkubine namens Daiji, die das Reich im Auftrag der Göttin Nü-kwa zugrunde richten sollte. Als Daiji nach dem Tod des Kaisers von Soldaten gefangen und hingerichtet wurde, stellte man schockiert fest, dass die Konkubine keine gewöhnliche Menschenfrau, sondern eine Füchsin in Menschengestalt war. Andere Überlieferungen dieser Geschichte berichten davon, dass Daiji von einem bösen neunschwänzigen Fuchsgeist besessen war, der sie grausam und tyrannisch werden ließ. Diese „Besessenheit“ durch Fuchsdämonen, welche sich der meschlichen Seele bemächtigen, spielte in China eine noch größere Rolle als in Japan. Um dagegen vorzugehen, führte man einerseits Exorzismusrituale durch, andererseits war die Brandmarkung von Menschen als „Fuchsbesessene“ – ähnlich wie bei der Hexenjagd im europäischen Mittelalter – auch ein probates Mittel, um unliebsame Außenseiter und unbequeme Zeitgenossen loszuwerden. Bei alledem soll nicht unerwähnt bleiben, dass es durchaus auch sympathische Füchse in der chinesischen Literatur gibt. In einer Geschichte hilft ein Fuchsgeist, der auf einem Hügel nahe des Zhou-Palastes lebt, den dort ansässigen Menschen durch Prophezeiungen und Heilmittel. Außerdem gibt es eine lange Tradition von „Fuchsromanzen“, die bis ins vierte Jahrhundert zurückreichen. Die bekannteste davon ist vermutlich die Geschichte „Renshi zhuan“ (dt. Die Fuchsfee), die im 8. Jahrhundert von dem Schriftsteller und Hofbeamten Shen Jiji verfasst wurde. Sie erzählt davon, wie der Protagonist Zheng sich in eine wunderschöne Dame namens Ren verliebt. Zheng findet jedoch bald heraus, dass Ren eine gestaltwandelnde Füchsin ist. Aus lauter Verzweiflung über die Enttarnung flüchtet Ren in die Wälder, doch Zheng sucht nach ihr. Als die beiden sich schließlich versöhnen, führen sie eine überaus glückliche Ehe. Ren beweist dabei viele Talente – etwa als Heiratsvermittlerin für Zhengs reichen Freund Yin, aber auch als Beraterin in geschäftlichen Angelegenheiten. Durch ihre Ratschläge wird der zunächst mittellose Zheng zu einem wohlhabenden Mann. Wie auch in Japan, treten Füchsinnen und Fuchsgeister in China oft in einem sexuellen Kontext in Erscheinung. So spielen sie etwa die Rolle unwiderstehlicher Verführerinnen, die sich durch die Verwandlung in schöne Frauen Einfluss in der Menschenwelt sichern. Außerdem sind in der chinesischen Literatur verschiedene Bezüge zwischen Füchsen und Prostituierten zu finden. In Städten wie Peking oder Tianjin sowie Hauptstädten der Mandschurei wurden in Bordellen Fuchsaltäre errichtet, und Fuchsgottheiten wurden darum ersucht, den Mädchen Schutz und die Erhaltung ihrer Attraktivität zu gewähren. ### ***7.1.5 | Welche Rolle spielt der Fuchs in der koreanischen Mythologie?*** Kaum irgendwo hat der Fuchs eine so negative Rolle inne wie in der koreanischen Mythologie. Verfügt er in der japanischen und chinesischen Mythen- und Legendenwelt über viele positive Eigenschaften, so sind kumihos, die magischen neunschwänzigen Füchse Koreas, durch und durch dämonische, böses Wesen. Sie verführen in der Gestalt schöner Frauen arglose Männer und töten sie dann während des Akts mit bloßen Händen. Bisweilen sind ihre Opfer noch am Leben, wenn die Kumihos beginnen, ihre Herzen oder Lebern zu fressen. ### ***7.1.6 | Welche Rolle spielt der Fuchs in der Mythologie nordamerikanischer Ureinwohner?*** In der Mythologie der nordamerikanischen Ureinwohner tritt der Fuchs insbesondere als männlicher Charakter auf, der sich durch Gewandtheit und Verschlagenheit auszeichnet. Er erscheint dabei als listiger Betrüger, aber bisweilen auch als weiser Berater. So wird der Fuchs in einem Mythos des in Neu Mexiko beheimateten Pueblo-Volks zwar durch eine ausgeklügelte List zum Häuptling des Stamms, regiert von da an jedoch äußerst weise und umsichtig. In den Geschichten anderer – vornehmlich nördlicher – Völker, etwa der Achomawi, der Atsugewi oder der Ute, spielt der Fuchs gemeinsam mit Wolf und Kojote in wechselnden Besetzungen eine wichtige Rolle in der Schöpfungsgeschichte. Durch die Kraft ihrer Gedanken können die betreffenden Tiere dabei aus Stöcken oder Holzspänen lebende Wesen erschaffen. Während es dabei meist der Fuchs ist, der das Wohl der Welt im Sinn hat, versucht der Kojote in einigen dieser Mythen, die Pläne seines kleineren Verwandten auf die eine oder andere Art und Weise zu sabotieren. Allerdings gibt es ebenso Varianten, in denen Fuchs und Wolf oder Fuchs und Kojote einträchtig bei der Erschaffung des Menschen kooperieren, und Versionen, in denen der verschlagene Fuchs die Pläne des wohlmeinenden Wolfes durchkreuzt. ### ***7.1.7 | Welche Rolle spielt der Fuchs in der südamerikanischen Mythologie?*** Zwar gehört Südamerika nicht zum Verbreitungsgebiet des bei uns heimischen Rotfuchses; der Kontinent ist jedoch von einigen seiner Verwandten besiedelt. Dazu gehört etwa der Andenfuchs oder auch Culpeo. Sein Schicksal in den Mythologien verschiedener südamerikanischer Völkergruppen, die in Peru, Bolivien, Paraguay, Argentinien sowie Randgebieten Brasiliens und Chiles ansässig waren, ist nach heutigem Kenntnisstand verblüffend einheitlich. Da die Geschichte damals nur mündlich weitergegeben wurde, lässt die Größe dieses Gebiets den Schluss zu, dass der Andenfuchs eine erhebliche Rolle in den Mythen der frühen Bewohner Südamerikas besessen haben muss. Vor der Machtübernahme durch die Inka wurde der Culpeo als Symboltier der Mondgottheiten verehrt. Auch im Tempel des Schöpfergottes Pachacamac nahe Lima fand sich die Statue eines Gottes in Gestalt eines Andenfuchses. Wie in anderen Ländern galt der Fuchs damals in Südamerika als Fruchtbarkeitsbringer. Culpeo-Schweife und Amulette aus ihren Fängen dienten beispielsweise als Aphrodisiaka. In einer Legende der Chane tritt der Andenfuchs als trickreicher Verführer auf, der durch eine List mit Frau und Töchtern des Jaguars schläft, und wie in Japan auch, galt der Anblick von Füchsen beim Liebesspiel auf den Feldern als Omen für Fruchtbarkeit. Hatte der Fuchs zunächst ein hohes Ansehen, so veränderte sich dies mit dem Aufstieg der Inka, der „Sonnenanbeter“, die in das Alte Reich eingedrungen waren und die Herrschaft an sich rissen. Die Menschen wurden gezwungen, ihren alten Göttern abzuschwören, und unter dem Druck der neuen Herrscher wurden bestehende Legenden ergänzt und umgedeutet. Wie Klaus Mailahn in seinem Buch „Der Fuchs in Glaube und Mythos“ beispielsweise beschreibt, ertrinkt in der derart veränderten Version eines alten Mythos die Füchsin, zuvor an der Erschaffung des Meeres beteiligt, in ihrer eigenen Schöpfung. In der Zeit der Eroberer ließen christliche Priester viele Zeugnisse früherer Kulturen zerstören, darunter Kultstätten und -objekte, die mit der Verehrung von Tieren im Zusammenhang standen. Besondere Verachtung scheint indes sowohl bei den Inkas als auch bei den christlichen Eroberern dem Fuchs gegolten zu haben. So resümiert Mailahn, der viele Quellen zur Rolle des Fuchses in der südamerikanischen Mythologie zusammengetragen hat: „Ich möchte dieses Kapitel nicht abschließen, ohne meiner Verwunderung darüber Ausdruck zu verleihen, mit wie viel Feindseligkeit sich die Erzähler und Mythenschreiber eines ganzen Kontinents auf ein einziges Tier stürzen konnten und ihre Verschleierungsaufgabe dabei doch so schlecht vollbrachten, dass trotz aller Verhöhnungen der hohe Stellenwert des Fuchses, den er in alter Zeit gehabt haben muss, heute noch durchschimmert (…).“ ### ***7.1.8 | Welche Rolle spielt der Fuchs in europäischen Legenden und Mythen?*** Der Fuchs gilt als eines der Symboltiere des griechischen Gottes Dionysos. Er wurde vor allem von Frauen verehrt, den Mänaden, zu deren klassischer Kleidung Fuchsfelle und Fuchsmützen gehörten. Von den Fuchsfellen rührt die synonym zu „Mänaden“ verwendete Bezeichnung „Bassariden“ her, denn bassaros heißt „Fuchs“. Andere auf den Fuchs bezogene Eigennamen sind Dionysos Bassaros, „fuchshafter Dionysos“ oder Bassareus, „der Fuchsgott“, als der er in Lydien verehrt wurde. Eine andere mythische Fuchskreatur aus dem antiken Griechenland ist der Teumessische Fuchs, ein riesiges Tier, das als Strafe der Götter wieder und wieder über die Bewohner Thebens herfallen sollte. Da es dem Fuchs vorherbestimmt war, niemals gefangen oder getötet zu werden, wandte sich der Regent Thebens verzweifelt an den Helden Amphytrion und beauftragte diesen damit, den Fuchs zur Strecke zu bringen. Amphytrion löste das Problem, in dem er Laelaps auf den Fuchs hetzte, einen Jagdhund, dem es seinerseits vorherbestimmt war, jedes Beutetier zu fangen. Zeus sah sich nun mit einer Paradoxie der Schicksale konfrontiert, die er nur zu lösen vermochte, in dem er Fuchs und Hund zu Stein verwandelte. Aus dem römischen Reich ist von Ovid die Tradition des „Fuchsbrennens“ überliefert, die dazu dienen sollte, die Felder vor Brand und Versengung durch böse Gestirne zu beschützen. Dafür band man Heu um die Schweife gefangener Füchse, entzündete dieses und hetzte die Tiere so durch die Fluren. Es liegt nahe, dass diese Tradition einen Zusammenhang zu der biblischen Erzählung von Samson (Ri 15,5) besitzt, der mit der unfreiwilligen Hilfe derart gequälter Tiere die Felder der Philister niederbrannte. Ein häufig in den Überlieferungen europäischer Länder zu findendes Motiv ist die Rolle des Fuchses als Hexentier. Oft geht es dabei nicht nur um Hexen, die Füchse als Begleiter haben – als solche sind Füchse nach Katzen die am zweithäufigsten in Erscheinung tretenden Tiere –, sondern auch um die Verwandlung der Hexen selber in Füchse. Wird derartigen „Hexenfüchsen“ von Jägern nachgestellt, so erweisen sie sich in Geschichten meist als unverwundbar, oder es gelingt ihnen, durch List oder besondere körperliche Eigenschaften (besondere Größe oder Kraft) zu entkommen. Gelegentlich spielen sie dem Jäger dabei übel mit. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass solche Geschichten einen realen Hintergrund in Form von Jagderlebnissen besitzen, die im Nachhinein entsprechend ausgeschmückt wurden. Eine besondere Rolle in der europäischen Tradition spielt der Epos vom Reineke Fuchs, der in unterschiedlichen Formen bereits seit dem 11. Jahrhundert in unterschiedlichen Ländern Europas verbreitet ist. Mehr dazu unter 7.2.4 Worum geht es in der Geschichte des “Reineke Fuchs”? Interessant ist übrigens auch, dass der Fuchs bis in das 19. Jahrhundert dem Osterhasen Konkurrenz machte: In Westfalen brachte damals nicht etwa Meister Lampe, sondern vielmehr Reineke die Ostereier. ### ***7.1.9 | Welche Rolle spielt der Fuchs im christlichen Glauben?*** In der Bibel – und dabei sowohl im Alten wie auch im Neuen Testament – spielen Füchse keine allzu bemerkenswerte Rolle. Dort, wo sie erwähnt sind, werden ihnen jedoch wenig schmeichelhafte Eigenschaften zugeschrieben. Sie treten als ketzerische Priester und falsche Propheten – oder zumindest deren Sinnbilder – in Erscheinung (Ez 13,4), und Jesus selbst bezeichnet den grausamen König Herodes in einem Gespräch mit den Pharisäern als „Fuchs“ (Lk 13,31). Die Füchsen bereits von Aesop zugeschriebene Vorliebe für Trauben lässt Sulamith in Hohelied 2,15 seine Zuhörer auffordern: „Fanget uns die Füchse, die kleinen Füchse, welche die Weinberge verderben, denn unsere Weinberge sind in der Blüte!“ Im Buch der Richter findet sich die wohl bekannteste Bibelstelle, in der Füchse erwähnt werden – unglücklicherweise in einem für die Tiere wenig angenehmen Zusammenhang. Im Zorn auf die Philister fängt Samson, der für seine Stärke, aber auch seinen Jähzorn bekannt ist, Dutzende Füchse und bindet jeweils zwei von ihnen mit den Schweifen aneinander. Anschließend setzt er die Fuchsschwänze in Brand und treibt die Tiere über die Felder der Philister, um diese zu zerstören (Ri 15, 5). Außerhalb der Bibel werden Füchse in der christlichen Tradition meist als Teufels- oder Hexentiere geschmäht, was sicherlich einer der Gründe für den schlechten Ruf ist, unter dem Reineke auch heute mancherorts noch zu leiden hat. ### ***7.1.10 | Was sind Kitsunes?*** *Abbildung eines neunschwänzigen Kitsunes (Japan, Datum unbekannt)* Kitsune ist der japanische Name sowohl des Rotfuchses als auch des weißen Polarfuchses (*Vulpes lagopus*). In Japan sind dabei zwei Unterarten des Rotfuchses verbreitet: *Vulpes vulpes japonica* lebt auf Honshu, der größten der vier Hauptinseln, während auf der nördlichen Insel Hokkaido *Vulpes vulpes schrencki* (Kita kitsune oder Nordfuchs) beheimatet ist. Der Rotfuchs spielt in der japanischen Mythologie eine große Rolle (siehe 7.1.3 Welche Rolle spielt der Fuchs in der japanischen Mythologie?). Anders als oft angenommen sind die Kitsunes per se keine Geisterwesen oder Dämonen, sondern ganz gewöhnliche Füchse. Allerdings gewinnen sie im japanischen Volksglauben mit zunehmendem Alter Intelligenz, Macht und magische Fähigkeiten hinzu und erhalten schließlich sogar in der Fähigkeit, sich in praktisch beliebige Objekte oder Lebewesen zu verwandeln. Um Füchse, die in der Gestalt schöner Frauen einflussreichen Männern den Kopf verdrehen, ranken sich unzählige japanische und chinesische Geschichten. Mit zunehmendem Alter eines Kitsunes wächst übrigens nicht nur seine Macht, sondern auch die Anzahl seiner Schweife: Auf der höchsten Stufe der Macht stehen neunschwänzige Füchse, die als unsterblich und praktisch unbesiegbar gelten. weiter zu *7.2 | Der Fuchs im Spiegel von Kultur und Religion: Der Fuchs in der Literatur* zurück zu *6.2 | Füchse in menschlicher Obhut: Füchse als Haustiere?* --- title: 7.2 | Der Fuchs im Spiegel von Kultur und Religion- Der Fuchs in der Literatur date: 2026-03-19 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/7-2-fuechse-literatur-comics-reineke/ --- # 7.2 | Der Fuchs im Spiegel von Kultur und Religion: Der Fuchs in der Literatur ### ***7.2.1 | Welche Arten von Geschichten über Füchse gibt es?*** Füchse haben die menschliche Fantasie schon von je her zu den unterschiedlichsten Geschichten inspiriert. Von den Jahrtausende alten Fuchsmythen Asiens und Südamerikas über die Fabeln der Antike sowie die mitteleuropäischen „Reineke Fuchs“-Erzählungen bis hin zur modernen Tier- und Fantasyliteratur beschäftigen sich unzählige Legenden, Mythen und Geschichten mit dem Fuchs. Er besetzt dabei sehr unterschiedliche Rollen (siehe auch 7.1.2 Was für Eigenschaften wurden/werden Füchsen im Volksglauben zugeschrieben?): Mal wird Vulpes vulpes als egoistischer Schurke, mal als strahlender Held, mal als unbeugsamer Rebell gegen die Obrigkeit, mal als zwielichtiger Vagabund dargestellt. ### ***7.2.2 | Welche bekannten Fabeln handeln von Füchsen?*** *Illustration zu „Der Fuchs und die Trauben“ (nach Oudry)* Fabeln sind kurze Erzählungen mit belehrender Absicht, in der Tiere – mitunter aber auch Pflanzen und Gegenstände – menschliche Eigenschaften erhalten. Die Handlung von Fabeln gipfelt meist in einer Schlusspointe, aus der eine allgemeine moralische Aussage resultiert. Die Fabel war vielen Dichtern ein willkommenes Mittel, um unter dem Deckmantel vordergründig harmloser Tiergeschichten Kritik an ihren Zeitgenossen zu üben, ohne dafür Repressalien erwarten zu müssen. Füchse gehören neben etwa Löwe oder Wolf zu jenen Tieren, die besonders oft in Fabeln vorkommen. Meist nutzen sie dabei die Schwächen anderer Tiere durch List und Schläue aus (wie etwa in Aesops „Der Fuchs und der Rabe“) und gehen selbst dann siegreich aus Auseinandersetzungen hervor, wenn sie körperlich unterlegen sind (wie in „Der Fuchs und der Wolf“ von Jean de la Fontaine). Bisweilen wird der Fuchs aber auch selber hereingelegt – meist als Folge seiner eigenen Überheblichkeit, wie etwa in Fontaines „Der Fuchs und der Storch“. Zu den bekanntesten Fabel über Füchse gehören - Aesop: Der Fuchs und der Rabe, Der Fuchs und die Trauben, Der Fuchs und der Löwe - Jean de la Fontaine: Der Fuchs und der Wolf (am Brunnen), Der Fuchs und der Hahn, Der Fuchs und der Storch - Gotthold Ephraim Lessing: Der Affe und der Fuchs, Der hungrige Fuchs ### ***7.2.3 | Woher kommt der Name „Reineke“?*** In der Literatur des europäischen Mittelalters sind Tiererzählungen mit Füchsen in großer Zahl zu finden. Ab dem 12. Jahrhundert wurde der Fuchs zur Hauptfigur umfangreicherer Dichtungen, in denen er als Reinardus, Reinhart oder Reynaert auftrat – Wortkompositionen, die sich wohl aus den Begriffen „regin“ (=Rat) und „hart“ (stark, kühn) zusammensetzen, und die man sinngemäß als „Der an Listen Reiche“ übersetzen könnte. Die heute verbreitete Form „Reineke“ geht auf die „Reineke Fuchs“-Versionen von Gottsched und Goethe zurück (siehe dazu 7.2.5 Wie viele Varianten des Reineke-Epos gibt es?). ### ***7.2.4 | Worum geht es in der Geschichte des “Reineke Fuchs”?*** Reineke Fuchs ist die Hauptfigur eines in verschiedenen Vers- und Prosaformen veröffentlichten Tierepos, dessen Geschichte bis weit ins europäische Mittelalter zurückreicht (siehe dazu 7.2.5 Wie viele Varianten des Reineke-Epos gibt es?). *Reineke in Siegerpose (Illustration von W. v. Kaulbach)* Reineke nimmt dabei keineswegs die Rolle eines strahlenden Helden ein – ganz im Gegenteil: Als der Löwe Nobel, König der Tiere, zum Hoftag lädt, bleibt der Fuchs als einziger fern. Nicht ohne Grund, wie sich herausstellt: Die Anwesenden, allen voran der Wolf Isegrim, beschweren sich über die Untaten und Verbrechen Reinekes und fordern vehement seine Bestrafung. Kater und Bär werden nacheinander losgeschickt, um Reineke aus seiner Burg Malepartus an den Hof zu bringen, doch sie beide fallen auf Tricks des Fuchses herein und kommen dabei fast zu Tode. Zunächst scheint Reineke den Bogen überspannt zu haben: Der König zwingt Reineke, vor Gericht zu erscheinen, und der Fuchs wird zum Tode verurteilt. Den Kopf bereits in der Schlinge, gelingt es Reineke, den gierigen König mit einer als Beichte getarnten Lügengeschichte über einen unermesslichen Goldschatz auf seine Seite zu ziehen. Bär und Wolf werden zu Hochverrätern erklärt und in den Kerker geworfen; der Fuchs kommt davon und gibt vor, sich reumütig auf eine Pilgerreise zu begeben. Lampe, der Hase, muss ihn begleiten. Unverfroren, wie Reineke jedoch ist, tötet er seinen Reisegefährten, verzehrt ihn und schickt den Kopf an den König zurück. Bär und Wolf werden von Nobel rehabilitiert. Der Dachs Grimbart, Freund Reinekes, legt nach der Rückkehr des Fuchses bei Nobel ein gutes Wort für Reineke ein und bringt ihn erneut zum Hof. Dort beginnt eine zweite Gerichtsverhandlung, in deren Verlauf weitere Schandtaten des Fuchses ans Licht kommen. Reineke, unterstützt vom Dachs, stellt dem Wohltaten seiner Familie entgegen, darunter auch die Rettung von Nobels krankem Vater. Als der Wolf Isegrim jedoch den Vorwurf erhebt, der Fuchs habe seine Gattin Gieremund geschändet, beschließt der König, Isegrim und Reineke in einem Zweikampf gegeneinander antreten zu lassen. Damit scheint es einmal mehr, als habe Reineke sein Leben verwirkt: Dem großen Wolf, seinem Erzfeind, ist er körperlich weit unterlegen. Dennoch gewinnt Reineke, indem er den Wolf auf sehr unsportliche Weise mit Sand und Harn blendet und ihn so schließlich außer Gefecht setzt. Der Sieg beeindruckt Publikum und König so sehr, dass Reineke freigesprochen und zum Kanzler des Reichs ernannt wird. ### ***7.2.5 | Wie viele Varianten des Reineke-Epos gibt es?*** Reineke Fuchs ist das wohl mit Abstand bekannteste Tierepos Europas. Die zahllosen Varianten der Geschichte reichen bis ins Mittelalter zurück und stammen von Dichtern in den verschiedensten mittel- und westeuropäischen Ländern. *Holzschnitt aus dem „Lübecker Druck“ (um 1500)* Bereits im 12. oder 13. Jahrhundert entstand in Frankreich der Roman de Renart, in dem der Fuchs Renart durch List und Schläue über Wolf und Löwe triumphiert. Die Gesellschaft, in der die betreffenden Tiere leben, weist dabei viele Parallelen zur höfischen Welt jener Zeit auf, deren Vertreter durch das Vermischen von menschlichen und tierischen Verhaltensweisen parodiert werden. Als Beleg für den erheblichen Einfluss dieses Werks und seiner zahlreichen Varianten kann die französische Sprache gelten, in der das Wort „goupil“ als Bezeichnung für den Fuchs schließlich durch das heute gebräuchliche „renard“ abgelöst wurde. In Anlehnung an den Roman de Renart entstand im 14. Jahrhundert im Elsass der mittelhochdeutsche Reinhart Fuchs. Der Fuchs tritt in diesem gesellschaftskritischen Werk als Königsmörder auf, indem er den Löwen am Schluss der Erzählung vergiftet. Etwa zur selben Zeit erschien eine mittelniederländische Bearbeitung des Epos unter dem Titel „Van de vos Reynaerde“ mit offenem Ende. *Reineke bei König Nobel: Illustration Wilhelm von Kaulbachs zu „Reineke Fuchs“ (1846)* Im Jahre 1498 brachte Hans van Gethelen in Lübeck eine niederdeutsche Version des Reineke-Epos unter dem Titel Reynke de Vos auf den Markt, die im 16. Jahrhundert in Mitteleuropa und Skandinavien große Verbreitung erlangte. Dieses Buch war in Versform verfasst, wobei die einzelnen Kapitel mit Prosakommentaren versehen waren, in denen die Geschehnisse noch einmal – bezogen auf den menschlichen Alltag – kommentiert wurden. Im 16. und 17. Jahrhunderts erschienen in verschiedenen europäischen Ländern Varianten und Übersetzungen des ursprünglichen Lübecker Drucks, die zum Teil mit aufwändigen Illustrationen versehen waren. Der einflussreiche Gelehrte Johann Christoph Gottsched (1700-1766) veröffentlichte im Jahr 1752 schließlich eine neuhochdeutsche Prosafassung unter dem Titel „Reineke der Fuchs“. Die Illustrationen des niederländischen Künstlers Allart van Everdingen kamen im Gegensatz zu den meisten anderen Reineke-Versionen ohne sonderliche Vermenschlichungen der Tiere aus – Reineke und seine Zeitgenossen laufen darin auf vier Beinen und bedienen sich keiner menschlichen Insignien. *Illustration zu einer bei Gatter nicht erschienenen * *Kinderbuchausgabe von Goethes „Reineke Fuchs“.* Die heute wohl bekannteste Fassung des Reineke Fuchs stammt von Johann Wolfgang von Goethe. Das Werk des Dichterfürsten erschien im Frühjahr 1794 in Berlin und besteht aus mehr als 4000 Versen in Hexametern, die in zwölf „Gesänge“ aufgeteilt sind. Er hielt sich inhaltlich dabei eng an die Reineke-Bearbeitung Gottscheds. Die Illustrationen, die der Maler Wilhelm von Kaulbach für die 1846 von der Cotta’schen Verlagsbuchhandlung auf den Markt gebrachte Ausgabe des Werks anfertigte, gehören zu den bekanntesten Reineke-Bebilderungen. Im 19. und 20. Jahrhundert erschienen weitere Bearbeitungen des Reineke-Epos in unterschiedlichen Formen, von denen jedoch keine die Verbreitung der Goethe’schen Fassung erlangte. Darüber hinaus veröffentlichte Friedrich Rassmann 1820 eine vereinfachte und gesäuberte Kinderbuchversion, in der Gewalt und Sexualität – die Vorlage enthält unter anderem eine Szene, in der die Wölfin Gieremund von Reineke vergewaltigt wird – weitestgehend gestrichen wurden. Rassmanns Bearbeitung folgten weitere Textversionen für Kinder- und Jugendbücher in den verschiedensten Sprachen. Dass die Geschichte um Reineke Fuchs nichts von ihrem Reiz eingebüßt hat, zeigt sich allein schon darin, dass noch immer Neu- und Nacherzählungen des Stoffs erscheinen. Zu den besten davon gehören etwa die großartig (modern!) illustrierte Fassung von Reinhard Michl (2019) oder die detailverliebte Nacherzählung von Anne Louise Avery aus dem Jahr 2020. ### ***7.2.6 | Gibt es moderne Romane und Geschichten über Füchse?*** Im 20. und 21. Jahrhundert sind Hunderte, wenn nicht Tausende an Romane, Novellen und Kurzgeschichten über Füchse publiziert worden. Von klassischen, meist jagdlich geprägten Tiergeschichten wie etwa „The Fox and the Hound“ (dt. „Fuchsspur“) von Daniel P. Mannix, das als Vorlage für das gleichnamige Disney-Werk (im Deutschen „Cap und Capper“) diente, über Kinder- und Jugendbücher wie die in viele Sprachen übersetzte „Farthing Wood“- Serie (dt.: „Als die Tiere den Wald verließen“) des britischen Schriftstellers Colin Dann bis hin zu kitschig-romantischen Werken wie Kij Johnsons „The Fox Woman“ finden sich Füchse in den unterschiedlichsten Literaturgenres. Die wichtigsten neueren Bücher, in denen ein Fuchs die Rolle des Protagonisten übernimmt, werden auf der Seite Literatur über Füchse vorgestellt. ### ***7.2.7 | Gibt es Comics über Füchse?*** *Cover eines „Fix und Foxi“-Hefts* Der bekannteste deutschsprachige Comic dürfte wohl „Fix und Foxi“ sein, der als das über lange Zeit erfolgreichste deutsche Comicmagazin (mit zwei Unterbrechungen) von 1953 bis 2010 herausgegeben wurde und auf eine Gesamtauflage von über 750 Millionen Exemplaren kommt. Die beiden Füchse Fix und Foxi dienen als sympathische, aufgeschlossene und sozial engagierte Protagonisten, die sich als Identifikationsfiguren für Jugendliche eignen, aber – von körperlichen Merkmalen wie dem buschigen Schweif abgesehen – nur wenige „klassische“ füchsische Eigenschaften besitzen. Computerspiele, Filme und eine Fernsehserie über Fix und Foxi, die in mehr als dreißig Ländern ausgestrahlt wurde, dokumentieren die Popularität der beiden Cartoon-Füchse (siehe dazu die nach Rolf Kauka, dem im Jahr 2000 verstorbenen Erschaffer von Fix und Foxi, benannte Kaukapedia). Ebenfalls große Verbreitung erlangten die Comics, die parallel zu der BBC-Zeichentrickproduktion „Die Tiere vom Thalerwald“ erschienen. Die auf den Jugendbüchern von Colin Dann basierende Serie erzählt die Geschichte einer bunt gemischten Gruppe von Tieren, die sich nach der Zerstörung ihres Lebensraums auf die gefahrvolle Suche nach einer neuen Heimat begeben. Dabei werden sie von dem klugen, besonnenen Fuchs angeführt, der durch und durch als Sympathieträger fungiert. Anders als bei den eher belanglosen „Fix und Foxi“-Geschichten geht es hier um das Leben realer Tiere in ihrer realen Umgebung, die von Gefahren in Form von Umweltzerstörung, Jagd und Naturgewalten geprägt ist. *Cover von „Love – Der Fuchs“* Während die Tiere in den Thalerwald-Geschichten sprechen können, verzichtet die ursprünglich zwischen 1974 und 1976 erschienene englische Comic-Geschichte „Marney the Fox“ auf jede Vermenschlichung. Die von Scott Goodall geschriebene und von John Stokes illustrierte Erzählung folgt einem jungen Fuchs, der nach dem Verlust seiner Familie in der gefährlichen Landschaft Devons ums Überleben kämpft. Marneys Geschichte wurde in Hardcover-Form im Jahr 2017 wieder aufgelegt. Die preisgekrönte Graphic Novel „Love – Der Fuchs“ von 2012 geht sogar so weit, gänzlich auf Text zu verzichten. Das bildgewaltig illustrierte Werk porträtiert den Überlebenskampf einen Fuchses, der auf einer Insel Unwettern, Feinden und vielen anderen Gefahren trotzdem muss. Die Probleme von Senzou, seines Zeichens ein mächtiger (und ziemlich bösartiger) schwarzer Kitsune in der in sieben Bänden abgeschlossenen Manga-Reihe „The Fox and Little Tanuki“ (2018-2023), sind gänzlich anderer Natur. Für seine Missetaten von der Sonnengöttin für 300 Jahre eingesperrt und seiner magischen Kräfte beraubt, kommt er nur unter einer Bedingung frei: Er muss als Mentor für den unschuldigen Tanuki-Welpen Manpachi fungieren – für Senzou die Höchststrafe. Die Geschichte verwebt Elemente der japanischen Mythologie gelungen mit einer herzerwärmenden Erzählung über Verantwortung und Freundschaft. In einer ganze Reihe von Comics und Graphic Novels tauchen anthropomorphisierte Füchse auf, Mischwesen zwischen Mensch und Tier, die auf zwei Beinen gehen, aber oft viele tierische Attribute aufweisen. Dazu gehört etwa die Demonenjägerin Fang in der gleichnamigen Graphic Novel von Joe Kelly und Niko Henrichon (2022), die Füchse in den aus dem Französischen übersetzten Reihe „Der Wald der Jungfrauen“ (2012) von Jean Dufaux und Béatrice Tillier, oder Sherlock Fox, seines Zeichens (wie sollte es anders sein) Detektiv, der in einem ländlichen Idyll myteriöse Morde aufzuklären versucht. *Cover von „Fang“* Weniger ruhmreiche Rollen haben Füchse dagegen oft als Nebencharaktere in anderen Comics inne. Smirre, der Fuchs aus „Nils Holgersson“, übernimmt in den gleichnamigen Comic- und Animationsserien weitaus stärker als in Selma Lagerlöfs ursprünglicher Geschichte den Part des gefräßigen, aber oftmals dummen Bösewichts, und in dem mehrfach preisgekrönten Erwachsenencomic „Blacksad – Arctic Nation“ steht ein ebenso demagogischer wie skrupelloser Polarfuchs an der Spitze einer faschistischen Organisation. Anthropomorphe Füchse sind auch in Webcomics zahlreich vertreten. Bemerkenswert ist etwa Oliver Knörzers „The adventurous Scarlet Carolus and the Machine of Eternal Summer„, eine Science Fantasy-Geschichte über ein hochbegabtes Waisenmädchen in einer untergehenden Welt. Gemeinsam mit einem Fuchs macht sie sich an das hoffnungslos erscheinende Unterfangen, eine sagenumwobene Maschine zu finden, die ihre Welt retten kann. Auch Dana Simpsons Geschichten von Ozie and Millie, die mit ihrem philosophischen Hintergrund teilweise an Bill Wattersons „Calvin & Hobbes“ erinnern, sind absolut empfehlenswert. Wer schmunzeln möchte, ist indes bei dem Strip Faux Pas gut aufgehoben. Er erzählt die amüsanten Abenteuer eines als Filmtier ausgebildeten Fuchses mit seinen vierbeinigen Schauspielerkollegen. weiter zu *7.3 | Der Fuchs im Spiegel von Kultur und Religion: Füchse in Filmen und Videospielen* zurück zu *7.1 | Der Fuchs im Spiegel von Kultur und Religion: Die Rolle von Füchsen in Mythen, Legenden und Glauben* --- title: 7.3 | Der Fuchs im Spiegel von Kultur und Religion- Füchse in Filmen und Videospielen date: 2026-03-19 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/7-3-fuechse-in-filmen-und-videospielen/ --- # 7.3 | Der Fuchs im Spiegel von Kultur und Religion: Füchse in Filmen und Videospielen ### ***7.3.1 | Gibt es Realfilme, die von Füchsen handeln?*** *Filmposter zu „The Glacier Fox“ (dt.: Der Gletscherfuchs)* Es gibt nur wenige abendfüllende Realfilme über Füchse, auch wenn darunter durchaus Perlen zu finden sind. Allen voran ist dabei Koreyoshi Kuraharas Film Der Gletscherfuchs (1978) zu nennen, in dem der Fuchs Flep und seine Gefährtin Layla sich in einer ebenso schönen wie grausamen Welt behaupten müssen. Atemberaubende Aufnahmen und mitreißende Musik machen diesen Film unvergesslich, doch die Grausamkeiten, die der Fuchsfamilie widerfahren, lassen nicht nur empfindsamen Naturen Tränen in die Augen treten. *Der Fuchs und das Mädchen (Filmposter)* Der Fuchs von Belstone (1973), basierend auf dem Roman „The ballad of the Belstone Fox“ von David Rook, erzählt die Geschichte eines Fuchses, der in England zunächst von Menschen großgezogen, in Freiheit aber erbarmungslos mit Pferden und Hundemeuten gejagt wird. Wieder und wieder entkommt er seinen Verfolgern, bis diese schließlich einen hohen Preis für ihren Fanatismus bezahlen müssen. Luc Jaquets warmherziger Film Der Fuchs und das Mädchen hat seit seiner Veröffentlichung 2007 viele Freunde gewonnen. Er handelt von der zunächst behutsamen Annäherung eines freiheitsliebenden, naturverbundenen Mädchens und einer wilden Füchsin. Als das Kind jedoch versucht, die Füchsin zu zähmen und ein Haustier aus ihr zu machen, nimmt die Situation eine dramatische Wendung. Die Botschaft ist: Wildes Leben kann man nicht zähmen oder besitzen – man muss sich an seinem Dasein erfreuen, wenn man Gelegenheit dazu hat. In den Kinderfilmen um die „Schule der magischen Tiere“ hat der (sprechende) Fuchs Rabat eine zentrale Rolle inne. Er ist – da bleibt die Geschichte den üblichen Fuchs-Attributen treu – klug und gewitzt, aber auch loyal und fürsorglich. ### ***7.3.2 | Welche Animationsfilme gibt es über Füchse?*** *Cap und Vixie aus „Cap und Capper“ (Walt Disney)* Es gibt international eine große Anzahl an Animationsfilmen und -serien mit füchsischen Protagonisten. Sie richten sich größtenteils an ein junges Publikum, aber viele davon können auch Erwachsene gut unterhalten. Zu den bekanntesten derartigen Filmen gehört sicherlich der Walt Disney-Film Cap und Capper (1981), der in groben Zügen dem sehr viel ernsteren (und traurigeren) Buch „The Fox and the Hound“ (dt. Fuchsspur) von Daniel P. Mannix folgt. Darin schließen ein junger Fuchs und ein Jagdhund Freundschaft – um sich später als Jäger und Jagdwild gegenüberzustehen. Der Disney-typisch hochwertige Zeichenstil und die liebenswürdigen Charaktere machen diesen Film auch heute noch zu etwas Besonderem; der spät nachgeschobene, schlichtweg schlechte zweite Teil hätte jedoch besser nicht produziert werden sollen. *Robin Hood als Fuchs (Walt Disney)* Zu den bekanntesten Disney-Werken gehört auch die oskarnominierte Zeichentrickversion von Robin Hood (1973). Der bekannte englische Volksheld wird hier von einem Fuchs verkörpert, der sich gegen den bösen Prinz John (einen Löwen) und den Sheriff von Nottingham (einen Wolf) durchsetzen muss. Auch die Abenteuer von Mark Twains Romanhelden Tom Sawyer gibt es in einer Zeichentrickfassung aus dem Jahr 2000 – hier wird Tom von einem Kater, sein Freund Huckleberry Finn von einem Fuchs verkörpert. „Zootopia“ (dt. Zoomania) von 2016 ist ein weiterer Disney-Film mit füchsischer Hauptrolle. Dabei muss die Polizeianwärterin und Hasendame Judy mit dem Fuchs und Trickbetrüger Nick Wilde zusammenarbeiten, um in einer von anthropomorphen Säugetieren bewohnten Stadt eine Verschwörung aufzudecken. Zootopia war mit dem vierthöchsten Einspielergebnis des Jahres 2016 ein riesiger Kassenerfolg, und er gewann eine Vielzahl namhafter Auszeichnungen (darunter ein Academy Award, ein Golden Globe, ein Annie Award, und die Aufnahme in die Top Ten der besten Filme 2016 durch das American Film Institute). Auch der Nachfolger Zootopia 2 von 2025 heimste zahlreiche Preise und Nominierungen ein, und kommerziell übertrumpfte er den ersten Teil sogar noch einmal deutlich: Stand März 2026 ist er der Animationsfilm mit dem weltweit zweithöchsten Einspielergebnis und auf Platz neun der kommerziell erfolgreichsten Filme aller Zeiten. In Die Gangster Gang (original „The Bad Guys“) von Dreamworks (2022) ist die Hauptfigur zwar kein Fuchs; die Füchsin Diane Foxworthy spielt jedoch eine tragende Rolle in der Geschichte. 2025 wurde auch hier ein zweiter Teil nachgeschoben, und abermals ist Diane dabei. Ein echter Geheimtipp ist die ungarische Produktion Vuk der kleine Fuchs (1981), die zwar technisch nicht mit den aufwändigen Disney- oder Dreamworks-Filmen mithalten kann, aber durchaus spannend und charmant erzählt ist. Die Familie des jungen Fuchses Vuk wird von Jägern getötet, und sein Onkel Karak nimmt sich der Aufgabe an, den Welpen alles beizubringen, was ein Fuchs können und wissen muss. Vuk wird schlau und erfolgreich, doch die Menschen stellen ihm wieder und wieder mit Gewehr, Falle und Hunden nach. „Vuk“ war übrigens der erfolgreichste ungarische Kinofilm der 1980er Jahre. Das Remake aus dem Jahr 2008 sollte man dagegen weiträumig meiden. *Fuchs Fink und Roboter Roz in „Der wilde Roboter“* Ebenfalls eine Art Geheimtipp (und definitiv weit weniger bekannt, als er es verdient hätte) ist „Der wilde Roboter“ (engl. The Wild Robot) von Dreamworks aus dem Jahr 2024, der auf dem gleichnamigen Bestseller von Peter Brown basiert. Darin strandet ein intelligenter Roboter auf einer unbewohnten Insel und muss sich dort ohne menschlichen Input an die raue Natur anpassen. Einer seiner wichtigsten Helfer dabei ist der listige Fuchs Fink. Persönlich hat mich beeindruckt, wie sehr die Animatoren dabei selbst auf kleinste Details füchsischen Verhaltens geachtet haben, und wie gut es ihnen gelungen ist, diese für das Medium zu adaptieren. Wer viel Zeit mit echten Füchsen verbracht hat, wird sie in Fink absolut wiedererkennen. *Szene aus „Die Hunde sind los“ von Martin Rosen* Eine ehrenhafte Erwähnung soll an dieser Stelle außerdem der Fuchs in Martin Rosens herausragender Verfilmung des Buches The Plague Dogs (Die Hunde sind los) von Richard Adams gelten. Diese fesselnde Geschichte handelt von der Flucht zweier Hunde aus einem Tierversuchslabor. Kaum in Freiheit, werden sie von Menschen gejagt, und ein Fuchs, dem sie in der Wildnis begegnen, lehrt sie, dort zu überleben. ### ***7.3.3 | Welche bekannten Zeichentrickserien handeln von Füchsen?*** *Die Tiere versammeln sich am Fuchsbau (aus: Als die Tiere den Wald verließen)* Am bekanntesten dürfte hier wohl die umfangreiche und vergleichsweise aufwändige BBC-Produktion Als die Tiere den Wald verließen (The Animals of Farthing Wood) sein, die auf der erfolgreichen Romanvorlage von Colin Dann basiert. Angeführt vom Fuchs, macht sich darin eine Gruppe unterschiedlicher Tiere nach der Zerstörung ihres Lebensraums auf die Suche nach einem neuen Zuhause. Zwar richtet sich die Serie an jüngere Zuschauer als die hervorragenden Bücher Danns und wird dieser Vorlage in einigen Punkten nicht gerecht; dennoch ist sie aber absolut sehenswert. Die erstmals 2004 in Deutschland auf dem Kinderkanal ausgestrahlte sechsteilige Serie „Isegrim und Reineke“ erzählt die Geschichte vom Reineke Fuchs in stark abgewandelter Form nach. Sie erreichte jedoch nie größere Popularität. Dasselbe gilt für Dave Edwards’ „Geschichten vom Fuchs“, die von der ungewöhnlichen Freundschaft eines kleinen Fuchses und einem Truthahn handeln. Letztere sind jedoch liebevoll gezeichnet und eignen sich wirklich für die ganze Familie. ### ***7.3.4 | Welche Computer- und Videospiele handeln von füchsischen Charakteren?*** *Cover von „Starfox Adventures“ (Nintendo Gamecube)* Schon bald, nachdem in den frühen 1980er-Jahren des letzten Jahrhunderts der Siegeszug der Homecomputer und der preisgünstigen Videospielekonsolen begann, erschienen die ersten Computer- und Videospiele mit füchsischen Protagonisten. Auf dem Commodore C64 konnte man sich als Fuchs in dem humoristischen Titel Foxx fights back auf die Nahrungssuche begeben und sich allzu aufdringlicher Jäger und Jagdhunde mit Tricks, aber auch Maschinenpistolen erwehren. Das Spiel „Vixen“ (in Deutschland aus verständlichen Gründen unter dem Titel She-Fox veröffentlicht) handelt von einer leicht bekleideten Amazone, die sich in eine Füchsin verwandeln kann. Seit den neunziger Jahren wurden auf verschiedenen Hardwareplattformen und –generationen die Spiele der Starfox-Serie bekannt. Fox McCloud, Protagonist dieser Science-Fiction-Titel, nimmt dabei mit seinem Team den Kampf gegen das Böse im Universum auf. Im Gegensatz zu den klassischen Weltraum-Actionspielen aus der Serie tritt Fox McCloud in dem Abenteuerspiel Starfox Adventures (Nintendo Gamecube) auch in Third Person-Perspektive in Erscheinung. Szene aus „Erben der Erde“: Fuchs Rif bei den Elchen Ein Computerspiel, das von vielen als Klassiker im Bereich der Tierabenteuer angesehen wird, ist „Erben der Erde“ (Original „Inherit the Earth“, PC (1994), Dreamer’s Guild/New World Computing). Darin wird der Fuchs Rif fälschlicherweise des Diebstahls eines magischen Artefakts bezichtigt, und man droht, seiner Füchsin Rhene das Fell über die Ohren zu ziehen, wenn er es nicht wiederbeschafft. „Inherit the Earth“ legt – im Gegensatz zu anderen Spielen mit Tiercharakteren – großen Wert auf die tierischen Eigenschaften der Handelnden und hat auch heute noch eine ungewöhnlich treue Fangemeinde. Von dem kleinen amerikanischen Softwareunternehmen Wyrmkeep Entertainment ist es in einer Version für moderne PCs sowie Apples iOS-Plattform (iPod Touch, iPhone, iPad) wieder erhältlich. Die Steuerung der Smartphone-Version ist dabei allerdings gewöhnungsbedürftig. Seit den 2000er Jahren erhalten sogenannte Massively Multiplayer Online Games (MMOGs) – also Spiele, die von vielen Spielern über das Internet gemeinsam gespielt werden und dabei auch soziale Interaktionen ermöglichen – großen Zulauf. Im MMO-Rollenspiel Vanguard – Saga of Heroes konnte man zum Beispiel in die Rolle eines „Raki“ schlüpfen. Raki gleichen anthropomorphisierten, auf den Hinterbeinen gehenden Füchsen. Auch das weit bekanntere „World of Warcraft“ verfügt über eine fuchsähnliche Spezies, die sogenannten Vulpera. *Screenshot aus „Spirit of the North“* Neben großen Produktionen namhafter IT-Konzerne und -Publisher ist in den letzten 10 Jahren eine beeindruckende Vielfalt an hochwertigen Spielen mit füchsischen Protagonisten bei unabhängigen Spieleentwicklern („Indies“) entstanden. Dazu gehört etwa das preisgekrönte und ebenso wunderschöne wie bedrückende „Endling“, bei dem der Spieler als letzter Fuchs auf einer weitgehend zerstörten Erde seine Welpen beschützen muss. Ebenfalls einsam, aber etwas weniger traurig ist die Geschichte des namenlosen Fuchses in Spirit of the North von 2015 (und dem Nachfolger Spirit of the North 2 von 2025), mit dem sich der Spieler auf eine wunderschön inszenierte, eher ruhige Reise in mythische, eis- und schneebedeckte Landschaften begeben kann. *Screenshot aus „Tunic“* Während Endling und Spirit of the North von Vierbeinern handeln, ist der Held des Action-Abenteuers Tunic (2022) ein knuffiger anthropomorpher Fuchs. Auch wenn Tunic spielerisch an Klassiker wie „Legend of Zelda“ erinnert, haben die Entwickler sich viele originelle Gameplay-Ideen ausgedacht, die das Spiel zu etwas Besonderem machen. Weitere Computer- oder Videospiele, in denen Füchse eine wichtige Rolle spielen, sind: - In Armello (2015), einem rundenbasierten Taktik-/Strategiespiel, das klassische Tabletop-, Kartenspiel-, und Rollenspielelemente clever mischt, kann man mit dem kostenpflichtigen Add-On „The Bandit Clan“ eine anthropomorphe Füchsin spielen. Das Spiel war für diverse Preise nominiert und wurde verschiedentlich ausgezeichnet. (PC, Switch, iOS, Android, PS4/5, Xbox, Linux, Mac) - Dungeons of Aether (2023) ist ein Dungeon Crawler mit rundenbasierten Kämpfen und Pixelgrafik. Die anthropomorphe Füchsin Fleet ist einer der vier Protagonisten des Spiels. (PC, Switch) - The First Tree (2017) ist ein wunderschönes, aber trauriges Erkundungsspiel, bei dem der Spieler eine Füchsin auf ihrer Suche nach ihrer verlorenen Familie begleitet. Das Schicksal der Füchsin ist dabei mit jenem eines jungen Mannes verwoben, der versucht, seinem entfremdeten Vater wieder näherzukommen. (Mac, Windows, Linux, PS4, Switch, Xbox) - FoxTail (early access, Stand März 2026 noch in Entwicklung): Klassisches Point & Click-Abenteuer im Stil alter Lucas Arts-Adventures, mit Pixelgrafik und einer anthropomorphen Füchsin als Protagonistin. Entwickelt von einem ukrainischen Team. (PC) - Titus the Fox – Titus der Fuchs muss seine entführte Freundin retten (Jump and Run, Titus Interactive 1992, PC) - Kingsley’s Adventure – ein junger Fuchs rettet ein Königreich (Jump and Run, Psygnosis 1999, Playstation) - Sly Raccoon und Folgetitel – die Füchsin Carmelita Fox ist die attraktive, aber immer etwas zu langsame Gegnerin des Protagonisten Sly Raccoon (Jump and Run, Sucker Punch/Sony, diverse Plattformen). - Never Alone – ein Puzzle-Plattformer, bei dem der Spieler die Rolle eines Inuit-Mädchen und ihres Polarfuchs-Begleiters übernimmt. 2022 wurde ein Nachfolger angekündigt (Upper One Games 2014, diverse Plattformen) - Dust – An Elysian Tail – der mysteriöse, einem Polarfuchs nachempfundene Held dieses handgezeichneten Actionspiels hat die Mission, sein Land zu retten – und ist außerdem auf der Suche nach seiner eigenen Identität (Microsoft Studios, 2013, PC und Xbox360). - William and Sly 2 erzählt die Geschichte des Fuchses Sly, der für seinen menschlichen Freund William verlorengegangene Buchseiten wiederfinden soll (Jump ’n Run, Kongregate 2012, Browserspiel). - Lucky’s Tale ist ein Platformer, der exklusiv für Virtual Reality entwickelt wurde. Der knuffige Cartoon-Fuchs Lucky muss dabei auf der Suche nach seiner verschwundenen Schwester allerlei Abenteuer bestehen. Inzwischen gibt es auch einen Nachfolger, der kein VR-Headset voraussetzt. (Playful Corp. 2015, PC). - Fox’n’Forests ist ein in Deutschland entwickelter Retro-Plattformer im Stil alter 16 Bit-Abenteuer, der für eine Vielzahl von Plattformen erschienen ist. Der Spieler steuert dabei den listigen Fuchs Rick auf seiner Mission, mit Magie (und Waffengewalt) den Wald zu retten (Bonus Level Entertainment 2018, diverse Plattformen). weiter zu *7.4 | Der Fuchs im Spiegel von Kultur und Religion: Der Fuchs in der Musik* zurück zu *7.2 | Der Fuchs im Spiegel von Kultur und Religion: Der Fuchs in der Literatur* --- title: 7.4 | Der Fuchs im Spiegel von Kultur und Religion- Der Fuchs in der Musik date: 2026-03-19 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/7-4-der-fuchs-in-der-musik-songs-ueber-fuechse/ --- # 7.4 | Der Fuchs im Spiegel von Kultur und Religion: Der Fuchs in der Musik ### ***7.4.1 | Welche Stücke der klassischen Musik handeln von Füchsen?*** Aus der klassischen Musik sind immerhin zwei Opern mit füchsischen Protagonisten bekannt. Zum einen ist hier das in den Jahren 1921 bis 1923 entstandene Werk „Das schlaue Füchslein“ des tschechischen Komponisten Leoš Janácek zu erwähnen. Das Libretto (der Operntext) entstand auf Basis einer Novelle des ebenfalls tschechischen Autors Rudolf Tesnohlídek und schildert das Schicksal einer von einem Förster eingefangenen Füchsin, die auf dem Hof heranwächst, dann aber in den Wald entflieht. Immer wieder wird sie mit der Menschenwelt konfrontiert; der Förster versucht erfolglos, sie wieder einzufangen. Wenig später lernt sie einen attraktiven jungen Fuchs kennen, der ihr den Hof macht, und wird schließlich Mutter. Als jedoch ein Geflügelhändler und Wilderer der jungen Fuchsfamilie nachzustellen beginnen, nimmt ihre Geschichte eine tragische Wendung. „Das schlaue Füchslein“ gilt als eine originellsten Schöpfungen Janáceks; er selbst bezeichnete sie mehrfach als sein bestes Werk, und Max Brod, der Autor der deutschen Textfassung, bezeichnete die Oper als „Traum von der Ewigkeit der Natur und Liebeslust“. Noch heute wird sie international an verschiedenen Orten aufgeführt. Die zweite, allerdings deutlich weniger bekannte Oper mit einem Fuchs als Hauptcharakter ist dem Reineke Fuchs-Epos nachempfunden. „Le Renard“ von Igor Strawinski wurde 1915 uraufgeführt. ### ***7.4.2 | Welche modernen Songs handeln von Füchsen?*** In den meisten modernen Songs wird das englische Wort für Fuchs – „fox“ – als Synonym für attraktive, begehrenswerte Frauen verwendet (z.B. „Foxy Lady“ von Jimi Hendrix (1967), „Catch the Fox“ von Den Harrow (1986), „Twentieth Century Fox“ von The Doors (1967), Foolin‘ Around von Freddy Mercury (1985)). In einer Reihe weiterer bekannter Pop- und Rocksongs – etwa „Fox on the Run“ von The Sweet (1975), dem gleichnamigen Stück von Manfred Mann (1969) oder „Run with the Fox“ von Yes (1991) treten Füchse ebenfalls nur sinnbildlich in Erscheinung. Dem stehen vergleichsweise wenige bekannte Songs gegenüber, die den Fuchs als Tier thematisieren, und von diesen drehen sich wiederum die meisten um die Fuchsjagd mit Pferden und Hundemeuten. Hervorzuheben wären dabei etwa „The Fox“ von ELO Part II (1994) sowie der gleichnamige Song der britischen Progressive Rock-Formation Beggar’s Opera (1971). Besondere Erwähnung muss auch das leider kaum noch aufzutreibende „Foxing the Fox“ (1992) der Neo-Prog-Band Landmarq finden, das in einer Art Mini-Oper zwischen der Perspektive des Fuchses und jener der Jäger hin- und herwechselt und den Fuchs letztlich knapp entkommen lässt. Thematisch ähnlich, aber musikalisch von der härteren Sorte präsentiert sich „The Fox“ von Jaguar (1984), einer britischen Heavy Metal-Band. Im deutschsprachigen Bereich ist vor allem Reinhard Meys Stück „Füchschen“ zu erwähnen, in dem ein alter, erfahrener Fuchs seinen jungen Artgenossen vor Verführungen und der Falschheit der tierischen Obrigkeiten warnt. Der an den Reineke Fuchs-Epos angelehnte Text ermahnt allegorisch zu einem kritischen Blick, eigenständigem Denken und Misstrauen gegenüber den Mächtigen. Das Lied „Der Fuchs“ der deutschen Folk-Rock-Formation Ougenweide (1973) erzählt indes vom Raubzug eines hungrigen Fuchses, der für seine Familie Gänse und Enten von einem Bauernhof stiehlt und den Flinten der Menschen souverän entkommt. Wenn man Songs über Füchse aufzählt, darf natürlich auch „The Fox (What does the Fox say?)“ des norwegischen Komiker- und Entertainerduos Ylvis nicht fehlen. Das bewusst alberne Dance-Musikvideo aus dem Jahr 2013 ging in den sozialen Medien viral, war auf YouTube das Top Trending Video des Jahres 2013 und hat dort bis heute weit mehr als eine Milliarde (!) Views gesammelt. Obwohl das Lied nach Aussagen von Ylvis ursprünglich als parodistischer Anti-Hit konzipiert war, führte es zum internationalen Durchbruch des Duos. Inhaltlich spekuliert es (ziemlich frei) darüber, was Füchse wohl an Geräuschen von sich geben – mehr muss ich vermutlich nicht schreiben, denn wer das Jahr 2013 nicht hinter dem Mond verbracht hat, wird es kaum geschafft haben, diesem Song zu entgehen. zurück zu *7.3 | Der Fuchs im Spiegel von Kultur und Religion: Der Fuchs in den modernen (Unterhaltungs-)Medien* --- title: Beurteilung des Videos „Deutscher Jagdterrier- Arbeit in der Schliefanlage“ des Deutschen Jagdterrier-Clubs vom 11.11.2025 date: 2026-03-20 url: https://fuechse.info/flyer-und-artikel-ueber-fuechse-und-jagd-fuchsjagd/beurteilung-des-videos-deutscher-jagdterrier-arbeit-in-der-schliefanlage-des-deutschen-jagdterrier-clubs-vom-11-11-2025/ --- # Beurteilung des Videos „Deutscher Jagdterrier: Arbeit in der Schliefanlage“ des Deutschen Jagdterrier-Clubs vom 11.11.2025 November 2025 *Der Deutsche Jagdterrier-Club e.V. hat kürzlich ein Imagevideo über die „Arbeit in der Schliefanlage“ veröffentlicht. (1) In Schliefanlagen werden Jagdhunde an lebenden Füchsen für die Baujagd abgerichtet, was in mehrere Gutachten/Stellungnahmen (2,3,4,5) als klar tierschutzwidrig bewertet wird. Eine systematische Dokumentation der Zustände in deutschen Schliefanlagen hat in den letzten Jahren vielfältige Missstände bei den Haltungsbedingungen, der Versorgung und im Umgang mit Schliefenfüchsen ans Licht gebracht. Diverses Bildmaterial belegt zudem unmissverständlich, welchem Stress und Leid die Füchse ausgesetzt sind. Aufgrund dieser Tatsachen und Anzeigen durch Wildtierschutz Deutschland sind zuletzt die Schliefenanlagen des Teckelklubs Westmünsterland (2024) in Rhede (Kreis Borken, NRW) geschlossen und die des Jagdterrier-Klubs Eiterfeld-Ufhausen (Fulda, Hessen) behördlich geräumt (2024) worden. In mehreren Bundesländern wird ein Verbot von Schliefanlagen und der Baujagd diskutiert. Mit seinem Video will der DJT-Club nun offensichtlich zeigen, dass die Schliefenarbeit „gar nicht so schlimm“ ist. Wer sich das Video jedoch mit kritischem Blick ansieht, erkennt ****zahlreiche Unstimmigkeiten, die den Zuschauer – ob vorsätzlich oder fahrlässig – in die Irre führen.*** **Vorzeigefuchs als Schliefenfuchs präsentiert** Im Video wird behauptet, dass der eingangs gezeigte, auffällig zahme und gut gepflegte Fuchs derselbe Fuchs sei, der später beim Einsatz in der Schliefanlage gezeigt wird. Doch das ist definitiv nicht der Fall: Beide Füchse unterscheiden sich in Verhalten und Aussehen deutlich. Der überaus zutrauliche Fuchs hat ein makelloses, helles Fell, einen sehr buschigen Schwanz und einen kleinen, blassen Schnauzenfleck. Der Fuchs in der Schliefanlage wirkt wesentlich scheuer und hat ein unregelmäßiges Fell, sein Schwanz ist dünner und sein Schnauzenfleck auffällig groß. Warum hat man nicht den zahmen Fuchs (den angeblichen „Chefausbilder“) in der Schliefanlage gefilmt? **Wurde für die Aufnahmen im Gehege womöglich ein Filmtier oder ein gezüchteter Fuchs aus Privathaltung eingesetzt, weil die echten Schliefenfüchse viel scheuer und ängstlicher auf Menschen reagiert hätten? Auf jeden Fall wird der Zuschauer hier hinters Licht geführt.** Fakt ist, dass in Schliefanlagen meist keine zahmen Zuchtfüchse zu finden sind, sondern Wildfänge. Auch „Handaufzuchten“ von Fuchswelpen aus freier Natur sind und bleiben Wildfänge, die in aller Regel fremden Menschen gegenüber scheu werden, einen natürlichen Freiheitsdrang entwickeln und so vielfach unter dem Leben in einer Schliefanlage leiden. **Haltungsbedingungen und Versorgung** Das Gehege wird als „herausragende Anlage“ beschrieben, welche die Vorgaben aus dem erwähnten Gutachten(6) deutlich überschreite. In Wirklichkeit erfüllt das Gehege zwar flächenmäßig die Mindestanforderung, bleibt jedoch** weit unter der im Gutachten aus Tierschutzsicht empfohlenen Größe**. Zudem ist die **Ausstattung mehr als dürftig**: Ein altes Hundespielzeug ins Gehege zu legen, genügt als Enrichment-Maßnahme natürlich nicht. Laut Gutachten sollen angesätes Gras, geruchliche Reize, ungewohnte Gegenstände zum Klettern, Spielen und Verstecken, Schatten- und Sonnenplätze, Sichtblenden, etc. bereitgestellt werden. Auch „verschiedene Formen der Futterdarbietung, z. B. (…) in Büschen und Bäumen erreichbar verteilte, kleinere Futtertiere“ gehören zum Enrichment dazu. Das Gehege des DJT-Clubs ist dagegen eine überdachte Sandwüste ohne jeglichen Grünbewuchs, mit ein paar trockenen Ästen, einem hohlen Baumstumpf und einer kleinen Hütte als Unterschlupf. Zudem werden die Füchse wohl in separaten Gehegen gehalten, obwohl das Gutachten eine paarweise Haltung empfiehlt. Eine Einzelhaltung macht wichtige soziale Interaktionen (z. B. das gemeinsame Spiel oder die gegenseitige Fellpflege) unmöglich. Auch die im Video gezeigte Nahrung entspricht nicht dem erwähnten Gutachten, das für Füchse vorwiegend ganze Futtertiere empfiehlt. Trockenfutter wird von Füchsen oft schlecht vertragen und ist nicht artgerecht. Dass man im Video noch etwas Distel-Öl aus einer offenbar uralten, verrosteten Dose dazugibt, verschlechtert den Eindruck der Versorgungssituation noch weiter. **Eine lebenslange Haltung/Versorgung auf diesem Niveau wird den Bedürfnissen von Füchsen nicht gerecht. Es ist bezeichnend, was der DJT-Club hier in seiner Vorzeigeanlage hier als „herausragend“ präsentiert und dass sogar behauptet wird, die Füchse hätten dort *****„ein fantastisches Leben“*****.** Dass Gehege regelmäßig gereinigt und Tiere veterinärmedizinisch betreut werden, sollte übrigens selbstverständlich sein. Dennoch wurden auch in diesem Bereich in vielen deutschen Schliefanlagen gravierende Missstände festgestellt. Gehege waren oft massiv verdreckt und Angaben zu Namen, Alter, Herkunft und medizinischen Daten der Tiere waren oft zweifelhaft oder nachweislich falsch. **Verharmlosung und Fehlinformation** **Anders als im Video behauptet, hat der Schliefenfuchs bei der Konfrontation mit dem Hund massiven Stress.** Um dies zu belegen, muss man den Fuchs nicht einmal sehen, denn seine Lautäußerungen sprechen – selbst in dieser „vorbildlichen“ Schliefanlage – eine deutliche Sprache: Nachdem der Hund mit dem Verbellen beginnt, hört man den Fuchs keckern. Das Keckern zählt zu den distanzfordernden Lauten, welche Füchse äußern, wenn sie sich bedrängt bzw. bedroht fühlen oder Gegner abschrecken müssen. Der Jäger kommentiert das Verhalten mit den Worten „Der Fuchs arbeitet sehr gut mit“. Aber natürlich keckert der Fuchs nicht, um bewusst „mitzuarbeiten“, sondern schlicht als Reaktion auf die unmittelbare Bedrohung durch den aggressiven Hund, vor dem er nicht fliehen kann und gegen den er sich zu verteidigen versucht. Das Keckern beweist, dass der Fuchs in dieser Situation Stress und Angst empfindet – obwohl es nicht zu einem körperlichen Kontakt kommt. Ansonsten werden im Video die ebenso typischen wie haltlosen Behauptungen von einer ausufernden Fuchspopulation, von durch Füchse bedrohtem Niederwild, und der Baujagd als „notwendiger Management-Maßnahme“ aufgestellt. **Sie sind allesamt längst durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten **(7)** widerlegt und sollen hier lediglich dazu dienen, Schliefanlagen und Baujagd Laien gegenüber zu rechtfertigen.** **Fazit** Selbst die zumindest teilweise gestellten Aufnahmen mit einem Vorzeigefuchs und einer Vorzeigeanlage, mit denen der DJT-Club das Image von Schliefanlagen aufpolieren möchte, zeigen erneut, wie problematisch die Haltung von Schliefenfüchsen ist und dass die Abrichtung von Jagdhunden an lebenden Füchsen untrennbar mit Stress und Leid verbunden ist. Wie es in Anlagen aussieht, die nicht von Jagdhundeclubs zur Imagepflege genutzt werden, wurde vielfach dokumentiert. Die Belastungen, denen Schliefenfüchse durch mangelhafte Haltungsbedingungen oder die regelmäßigen Konfrontationen mit den Jagdhunden ausgesetzt werden, führen dazu, dass nahezu alle Schliefenfüchse früher oder später Verhaltensstörungen zeigen. Problematische Zustände in Schliefanlagen werden von Seiten des Tierschutzes also keineswegs „kolportiert“, wie der Vorsitzende des DJT-Clubs behauptet. Die Kritik beruht auf sachlichen und wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen über das Verhalten und die Bedürfnisse von Füchsen sowie zahlreichen Belegen für die Missstände in deutschen Schliefanlagen. Zu behaupten, der Einsatz eines Fuchses in der Schliefanlage sei „absolut tierschutzgerecht und stressfrei“, ist eine krasse Falschaussage, die gleichermaßen von mangelndem Respekt gegenüber der Kreatur und von fehlender Sachkunde zeugt. Zudem muss man sich vor Augen führen, **dass Schliefanlagen nur betrieben werden, damit ein kleiner Teil der Jägerschaft eine vollkommen unnötige und selbst hochgradig tierquälerische Jagdart – die Baujagd – ausüben kann**. Das legt nahe, dass es hier letztlich nicht um Arten- oder gar Tierschutz geht, sondern einzig und allein um die von begeisterten Baujägern so oft beschworene „Freude an der Baujagd“. Das Aktionsbündnis Fuchs fordert die Entscheidungsträger – auch ganz aktuell im Rahmen der anstehenden Jagdgesetzesnovelle in Niedersachsen – dazu auf, dem Staatsziel Tierschutz Rechnung zu tragen und die Jagdhundeausbildung an lebenden Füchsen sowie die Baujagd insgesamt endlich zu verbieten. *Sowohl der zahme als auch der scheue Fuchs wird „Schlumpes“ genannt. Die Kommentare und der Schnitt des Videos vermitteln den Eindruck, dass der zahme Fuchs in der Schliefanlage eingesetzt wird. Wie an Körperbau, Fellfärbung, Schwanz und Schnauzenfleck zu erkennen ist, kommt jedoch im Video in der Schliefanlage tatsächlich nicht der zahme Fuchs zum Einsatz.* **Quellen** (1) Deutscher Jagdterrier Club e.V. (11.11.2025): „Deutscher Jagdterrier: Arbeit in der Schliefanlage“, YouTube-Video, https://www.youtube.com/watch?v=cHWfG0vdsGs (2) DJGT (2019): „Tierschutzrechtliche Unzulässigkeit von Schliefanlagen und Bewertung des Filmmaterials unter Bezugnahme auf die gutachterlichen Stellungnahmen von Robin Jähne vom 15.10.2019 sowie von Dr. Claudia Stommel, Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) vom 26.02.2019“ (3) SWILD – Stadtökologie, Wildtierforschung, Kommunikation (2009): „Eine Beurteilung der Baujagd aus wildtierbiologischer und verhaltensbiologischer Sicht“, im Auftrag des Schweizer Tierschutz STS, 13.11.2009 (4) G. Bolliger, V. Gerritsen, A. Rüttimann (2010): „Die Baujagd unter dem Aspekt des Tierschutz- und Jagdrechts“, TIR – Stiftung für das Tier im Recht, im Auftrag des Schweizer Tierschutz STS, 11.05.2010 (5) Wüstenberg (2023): „Rechtswidrigkeit der Fuchsbaujagd“, NJOZ 2023, 1440-1446 (6) Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (07.05.2014): „Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren“ (7) Dag Frommhold: „Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) – Kurzzusammenfassungen wissenschaftlicher Literatur“ --- title: Bücher date: 2026-03-27 url: https://fuechse.info/buecher/ --- # Bücher Deutschsprachige Sachbücher über Füchse Deutschsprachige Romane über Füchse Englischsprachige Sachbücher über Füchse Englischsprachige Romane über Füchse --- title: Das Jahr des Fuchses date: 2023-01-27 url: https://fuechse.info/flyer-und-artikel-ueber-fuechse-und-jagd-fuchsjagd/das-jahr-des-fuchses/ --- # Das Jahr des Fuchses *Dag Frommhold, 2002 * Veröffentlicht in „Wolf Magazin“ (2003) Als der junge Fuchs Rif im Mai zum ersten Mal die Augen öffnet, ist er knapp zwei Wochen alt. Seit seiner Geburt sind er und seine beiden Geschwister fürsorglich von ihrer Mutter gepflegt worden; in den wärmenden Pelz der Füchsin gekuschelt, hat die schützende Enge des Fuchsbaus die anfangs noch blinden und tauben Fellknäuel von allen Unbilden der Außenwelt abgeschirmt. Ihr graubrauner Pelz macht es zu diesem Zeitpunkt schwer, die nur wenig mehr als maulwurfgroßen jungen Füchse von Hundewelpen zu unterscheiden. Noch lassen die tapsigen Bewegungen der Kleinen kaum darauf schließen, daß Rif und seine Geschwister eines Tages zu geschickten und intelligenten Mitgliedern der erfolgreichsten Beutegreiferart unseres Planeten heranwachsen werden. Nach gut zwei weiteren Wochen inspiziert Rif unter den wachsamen Augen seiner Mutter zum ersten Mal den Ausgang des Fuchsbaus. Nervös schnuppernd und staunend in eine für ihn vollkommen neue und gänzlich unbekannte Welt blickend, wagt er sich als erstes nach draußen, gefolgt von seinen zwar ebenso neugierigen, aber weniger mutigen Geschwistern. Tollpatschig erkunden die Jungfüchse ihre Umgebung mit Augen, Nase, Pfoten und natürlich den bereits beachtlich scharfen Milchzähnen und beginnen schon bald, sich gegenseitig zu jagen und miteinander zu balgen. Auch ihre Eltern, allem voran deren buschige Schwänze, müssen nicht selten als Spielzeug herhalten. So lange die Situation es erlaubt, verlassen die erwachsenen Füchse ihren Wachtposten am Bau für einige Zeit und gehen auf die Spielaufforderungen von Rif und seinen Geschwistern ein, doch sobald auch nur ein Hauch von Gefahr auszumachen ist, signalisieren sie ihren Jungen durch einen lauten Warnruf, sofort im sicheren Bau zu verschwinden. Bleibt die Gefahr bestehen, oder empfinden die Füchse den Bau nicht mehr als sicher – beispielsweise, weil daran menschliche Gerüche wahrzunehmen sind -, zieht die gesamte Fuchsfamilie kurzerhand in ein Ausweichquartier um. Im Spiel der Fuchswelpen bildet sich schon früh eine Hierarchie heraus. Rif, als der stärkste und mutigste der Kleinen, kann seinen Platz dabei ohne Schwierigkeiten behaupten und erwirbt so das Vorrecht, bei der Verteilung der elterlichen Jagdbeute der erste zu sein. Fuchskinder werden bis zu einem Alter von acht bis zwölf Wochen von ihrer Mutter gesäugt, bekommen jedoch gegen Ende dieser Zeit bereits feste Nahrung, die von Fuchs und Füchsin erbeutet und zum Bau gebracht wird. Rifs Vater beteiligt sich aufopferungsvoll an der Aufzucht der Jungfüchse, versorgt sie und ihre Mutter mit Eßbarem und spielt mit dem Nachwuchs. Gerade das Spielen ist für junge Füchse enorm wichtig: Im Spiel trainieren die Welpen bedeutende Fähigkeiten, die sie für ihr späteres Leben brauchen, können Verhaltensweisen ausprobieren, ohne die oftmals fatalen Konsequenzen des wirklichen Lebens fürchten zu müssen, und haben allem Anschein nach auch noch eine Menge Spaß dabei. Im Juli beginnen Rif und seine Geschwister schließlich, den für Füchse so wichtigen Beutesprung zunächst an Insekten, später dann an lebenden Beutetieren, die ihre Eltern ihnen von der Nahrungssuche mitbringen, zu üben. Ziel ist es dabei, sich mit seinen kräftigen Hinterläufen in die Luft zu katapultieren, die Beute – in aller Regel Mäuse – mit den Vorderpfoten zu Boden zu drücken und schließlich mit den Zähnen zu töten. Dem Ideal eines eleganten, millimetergenau gezielten „Mäusesprungs“ kommen Rifs erste Versuche jedoch nicht einmal nahe – bis die Technik perfektioniert ist, erfordert es schon einige Monate intensiven Übens. Immerhin hat Rifs Fellfarbe sich mittlerweile von dem Graubraun seiner frühen Kindheit zu der schönen Zeichnung entwickelt, die für Füchse so typisch ist: Das Fell ist dicht und leuchtend rot, der hellgraue bis weiße Pelz an Brust, Bauch und Beininnenseiten steht in prächtigem Kontrast zu dem Schwarz von Pfoten und Ohren, und der buschigen Schwanz, Zierde eines jeden Fuchses, endet in einer leuchtend weißen Spitze. Nach all der Familienidylle der vergangenen Monate wird das Leben in dem Revier, das Rif sich mit seinen Eltern und Geschwistern teilt, im September langsam unruhiger. Die Füchse verbringen nur noch wenig Zeit im Bau, und anstatt mit seinen Geschwistern zu spielen, verspürt Rif das zunehmende Bedürfnis, allein zu sein und seine Ruhe zu haben. Am liebsten liegt der junge Fuchs ausgestreckt auf einem großen Findling und läßt sich die Sonne auf den Pelz scheinen; auch wenn er bei der Jagd noch lange nicht so geschickt ist wie seine weitaus erfahreneren Eltern, sucht er sich seine Nahrung mittlerweile größtenteils selbst. Den Hauptanteil seiner Beute machen Mäuse und Kaninchen aus, doch auch Fallobst und Beeren schmecken Rif vorzüglich. Sowohl bei der Jagd als auch bei der Suche nach Früchten kommen dem jungen Fuchs seine überlegenen Sinnesorgane zugute – Füchse riechen 400mal besser als der Mensch, ihr Hörbereich reicht bis 65kHz, während Menschen lediglich Töne bis 16kHz wahrnehmen können, und ihre Nachtsicht ist ähnlich gut wie jene von Katzen. In den folgenden Wochen werden die Auseinandersetzungen Rifs mit seinen Geschwistern immer ruppiger. Auch wenn die jungen Füchse einander nicht ernsthaft verletzen und ihre gefährlichsten Waffen – die spitzen Fangzähne – konsequent aus dem Spiel lassen, fehlt diesen Kämpfen doch die spielerische Unbedarftheit aus früheren Tagen. Während die Atmosphäre im Fuchsrevier immer angespannter wird, verspürt Rif in zunehmendem Maße das Bedürfnis, sich ein eigenes Revier zu suchen. Nach Wanderungen über Dutzende von Kilometern und vielen Auseinandersetzungen mit ortsansässigen Füchsen, die Rif als Eindringling in ihrem Revier betrachteten und ihn dementsprechend mit Warnrufen, Drohgebärden und reichlich ungestümen Angriffen vertreiben wollten, gelingt es dem jungen Fuchs schließlich im späten Herbst, ein frei gewordenes Territorium in Beschlag zu nehmen. In den letzten Wochen hat Rif nicht nur sein dichtes, leuchtend rotes Winterfell bekommen, sondern auch an Stärke und Gewicht deutlich zugelegt. Dadurch, daß um ein Revier kämpfende Füchse sich gegenseitig in aller Regel nicht verletzen, ist es Rif erspart geblieben, durch eine Wunde allzu sehr in seinem Daseinskampf und bei der Verteidigung seines neu gewonnenen Besitzes beeinträchtigt zu werden. Mit dem ersten Schneefall im Dezember beginnt für Rif eine Zeit der Entbehrungen. Es wird immer schwerer, Beute zu finden, und immer häufiger bleibt seine Nahrungssuche erfolglos. Der Hunger hat schon viele Füchse vor ihm in die Nähe menschlicher Behausungen und ihrer Mülltonnen und Hühnerställe getrieben und dort in große Gefahr gebracht. Doch nicht die Leere im Magen ist jetzt die größte Gefahr für den jungen Fuchs: Sein prächtiger Winterpelz in der schneebedeckten Landschaft ist nicht nur ein unglaublich schöner, sondern auch ein sehr auffälliger Anblick, und so mancher Jäger wünscht sich nichts sehnlicher, als Rif dieses Fell über die Ohren zu ziehen. Um überleben zu können, ist der junge Fuchs jetzt vollständig auf seine scharfen Sinne und die sprichtwörtliche Schläue seiner Art angewiesen. Kaum ein Tier kann sich mit dem Fuchs messen, wenn es darum geht, einerseits mit Tricks und Täuschung potentielle Beute zu überlisten, andererseits aber den Nachstellungen von Flinten- und Fallenjägern durch Vorsicht, Einsicht und blitzschnelles Reagieren zu entkommen. Im Januar hört Rif einen Laut, einen Lockruf, der ihn wie kein anderer zuvor elektrisiert. Eine Füchsin, nicht allzu weit entfernt, scheint sich nach ein wenig Gesellschaft zu sehnen. Der junge Fuchs folgt dem Locken des Weibchens, schnuppert aufgeregt, bleibt immer wieder stehen, um zu lauschen, zu wittern und die eine oder andere Antwort in den kalten Wind zu bellen, und entdeckt sie schließlich: Ein wunderschönes Geschöpf mit tiefrotem Fell, das mit geschmeidigen Bewegungen einen schneebedeckten Hang hinaufschnürt und auffordernd zu Rif hinabblickt. Für den jungen Fuchs ist es Liebe auf den ersten Blick. In den folgenden Wochen hat er nur noch Ohren und Augen für seine neu gewonnene Freundin. Er folgt ihr, umwirbt sie und beschnuppert unaufhörlich ihre Duftmarken, um den richtigen Moment nicht zu verpassen, denn Füchsinnen sind nur während weniger Tage empfängnisbereit. Die Distanz zwischen den beiden Füchsen schrumpft im selben Maße, wie ihre gegenseitige Zuneigung wächst, und das gegenseitige Beknabbern und Belecken wird immer intensiver, bis die Füchsin Rif schließlich gewähren läßt. Mit ein wenig Glück werden die Kinder der beiden Füchse im folgenden April geboren werden. Außerdem ist es gut möglich, daß Rif und seine Freundin auch in den folgenden Jahren gemeinsam Junge großziehen werden – in jagdfreien Gebieten, wo die sozialen Strukturen der Fuchsgemeinschaft stabil und streßarm sind, gehen Füchse oft lebenslange Einehen ein. --- title: Der Fuchs als "Nützling" date: 2026-03-27 url: https://fuechse.info/fuchsjagd-und-wissenschaft/fuchse-wissenschaft-oekologische-oekonomische-leistungen/ --- # Der Fuchs als "Nützling" ## Inhalt - Zentrale Punkte - Füchse und ihr Einfluss auf die Lyme-Borreliose beim Menschen - Der Fuchs als „Nützling“ in der Landwirtschaft - Ökosystemare Leistungen des Fuchses ## Zentrale Punkte - Wo Füchse und andere mäusevertilgende Beutegreifer zahlreich sind, sinkt der Anteil an Zecken, die Krankheitserreger wie jenen der Lyme-Borreliose in sich tragen. Dadurch sinkt automatisch auch das Infektionsrisiko für den Menschen. - Füchse halten sich als opportunistische Beutegreifer an leicht verfügbare Nahrung – damit fallen kranke und schwache Beutetiere ihnen zuerst zum Opfer. Auf diese Weise halten sie die Populationen ihrer Beutetiere gesund. - Ein Fuchs vertilgt im Laufe eines Jahres rund 3.000 Mäuse und verhindert damit Schäden in der Land- und Forstwirtschaft. Der Fuchs arbeitet dabei kostenlos und ökologisch verträglich, ganz im Gegensatz zu dem Einsatz von Giften. - Wo Rehbestände hoch sind, können Füchse durch das Reißen von Rehkitzen zu deren Regulierung beitragen. ## Füchse und ihr Einfluss auf die Lyme-Borreliose beim Menschen **Hofmeester, T.R. et al (2017): Cascading effects of predator activity on tick-borne disease risk. Proc. R. Soc. B 284 : 20170453. http://dx.doi.org/10.1098/rspb.2017.0453** - Es wurden 20 Waldgebiete in den Niederlanden mit unterschiedlicher Häufigkeit von Beutegreifern verglichen. - Es zeigte sich, dass **in Gebieten mit hoher Dichte von Füchsen und Mardern signifikant weniger Zecken Erreger der Lyme-Borreliose in sich trugen**. Zurückzuführen war dies auf eine gesunkene Befallsrate von Mäusen mit Zeckenlarven – Mäuse sind das Hauptreservoir für den Borreliose-Erreger. - Zwar zeigte sich kein Einfluss von Füchsen und Mardern auf die Populationsdichte von Nagetieren. Allerdings wirkt sich ihre Anwesenheit auf das Verhalten etwa von Mäusen aus: Wo Beutegreifer zahlreich sind, halten Mäuse sich häufiger im Verborgenen auf und werden so seltener von Zeckenlarven befallen. **Levi, T., Kilpatrick, A.M., Mangel, M., Wilmers, C.C. (2012): Deer, predators, and the emergence of Lyme disease. Proc. Natl Acad. Sci. USA 109, 10942–10947** - Es zeigt sich, dass die Auftretenshäufigkeit von Zecken übertragener Krankheiten beim Menschen in verschiedenen Gegenden der USA negativ mit der Populationsdichte von Füchsen korreliert. - Die Autoren stellen die Vermutung auf, dass der Einfluss des Fuchses auf kleine Säugetiere wie Mäuse (die als Erregerreservoir für Krankheiten gelten) dazu führt, **dass bei hohen Fuchsdichten weniger Zecken Krankheitserreger übertragen**. **Ostfeld, R.S., Holt, R.D. (2004): Are predators good for your health? Evaluating evidence for top-down regulation of zoonotic disease reservoirs. Frontiers in Ecology and the Environment. 2(1), 13-20** - Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden, fordern Jahr für Jahr enormen Tribut. Für viele dieser Krankheiten stellen Nagetiere das primäre Erregerreservoir dar. - **Beutegreifer, die diese Nagetiere jagen, können die menschliche Gesundheit positiv beeinflussen** – beispielsweise, indem sie Nagetierpopulation dezimieren. - Der Artikel gibt einen Überblick über aktuelle Forschungsarbeit in diesem Themenbereich. ## Der Fuchs als „Nützling“ in der Landwirtschaft **Honisch, M. (2013): Mäuse im Grünland erfolgreich bekämpfen, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten (Allgäu).** - Mäuse können landwirtschaftliche Schäden von mehreren hundert Euro pro Hektar und Jahr verursachen. - Ein einziger Fuchs frisst im Jahr etwa 3.000 Mäuse. Füchse sind daher wertvolle Verbündete im Kampf gegen von Wühl- und Schermäusen verursachte Schäden im Grünland - Die Förderung natürlicher Feinde ist „die billigste und wirksamste Methode“ zur Mäusebekämpfung. Der Fuchs ist der Hauptfeind der Mäuse; Empfehlung: Jagddruck verringern. ## Ökosystemare Leistungen des Fuchses **Panzacchi, M. (2007): The ecology of red fox predation on roe deer fawns with respect to population density, habitat and alternative prey. Doctoral Thesis, Norwegian Institute for Nature Research** - Dissertation, im Rahmen derer der Einfluss von Rotfüchsen auf Rehe untersucht wurde. **Dabei zeigte sich, dass Füchse dazu beitragen können, hohe Rehpopulationen einzudämmen**: In einigen Untersuchungsgebieten ging bis zu 62% der gesamten Rehkitzmortalität auf das Konto von Füchsen; bis zu 25% der Rehkitze landeten im Magen von Füchsen. - Füchse jagen Rehkitze vor allem, wenn die Rehpopulation hoch ist und kleine Nagetiere wie Feldmäuse eher selten sind. Das macht die Jagd auf Rehkitze für einen opportunistischen Beutegreifer wie den Fuchs profitabel. **Jarnemo, A., Liberg, O. (2005): Red fox removal and roe deer fawn survival – a 14 year study. Journal of Wildlife Management 69(3): 1090-1098** - Die Autoren untersuchten über 14 Jahre hinweg den Einfluss des Rotfuchses auf Rehpopulationen in Schweden. In diesen Zeitraum fiel ein Ausbruch der Staupe, dem viele Füchse zum Opfer fielen, und der die Fuchspopulation vorübergehend stark dezimierte. - Die Häufigkeit von Füchsen wirkte sich stark auf die Überlebensrate von Rehkitzen aus. - Prädation durch Füchse machte 88% der Gesamtmortalität von Rehkitzen aus. ***Cancio, I., González-Robles, A., Bastida, J.M., Isla, J., Manzaneda, A.J., Salido, T., Rey, P.R. (2017): Landscape degradation affects red fox (Vulpes vulpes) diet and its ecosystem services in the threatened Ziziphus lotus scrubland habitats of semiarid Spain** - Im Rahmen von Kotanalysen in Südspanien wurde festgestellt, dass der Fuchs **zur Verbreitung einer Vielzahl an Pflanzensamen beiträgt**. --- title: Der Fuchs und das Jägerlatein date: 2026-01-27 url: https://fuechse.info/flyer-und-artikel-ueber-fuechse-und-jagd-fuchsjagd/der-fuchs-und-das-jaegerlatein/ --- # Der Fuchs und das Jägerlatein *Dag Frommhold, 1997/2002 * Veröffentlicht u.a. in „Stuttgarter Tierschutz“ (1997) und im „Wolf Magazin“ (2003) Kaum ein Tier wird hierzulande so erbarmungslos verfolgt wie der Fuchs. Mehr als 600.000 dieser ebenso schönen wie intelligenten Wildtiere mussten im Jagdjahr 2000/2001 durch jägerische Flinten und Fallen ihr Leben lassen; ein Großteil davon als Welpen am elterlichen Bau. Viele Jäger können ihren Haß dabei kaum verbergen, wenn sie von „dem Fuchs“ im Kollektivsingular feindbildbezogener Termini reden – als „Niederwildschädling“, „Wilderer“ und „Krankheitsüberträger“ diffamiert, wird ihm in Deutschland nicht einmal eine Schonzeit zugestanden. Als Berlin 1995 wagte, wenigstens erwachsene Füchse neun Monate im Jahr unter Schutz zu stellen, kam es in den Jagdmedien zu Proteststürmen – was die Jäger im Hinblick auf alle anderen Wildtiere als Ausdruck ihrer ethischen Gesinnung werten, mutiert zum „gefährlichen Werk von Öko-Amateuren“ (Wild und Hund), wenn es auch für Füchse Geltung erlangen soll. Nein, viel lieber schreibt man Fuchsjagd-Wettbewerbe aus, fordert hohe Abschußprämien und zeichnet die erfolgreichsten Fuchskiller mit Preisen, Urkunden und Anstecknadeln aus. Die Argumente, die die Jägerschaft zur Rechtfertigung ihrer rücksichtslosen Hatz auf Meister Reineke anführt, sind dabei vollkommen hanebüchen und werden auch dadurch nicht glaubwürdiger, dass die großen deutschen Jagdzeitschriften sie mit gebetsmühlenhafter Regelmäßigkeit wiederholen. Auf besondere Tradition kann in diesem Zusammenhang vor allem die These zurückblicken, der Fuchs als Hauptüberträger der Tollwut müsse intensiv „bejagt“ werden, um der Ausbreitung dieser Seuche Einhalt zu gebieten. ***Grausame Tollwutbekämpfung*** Bereits ein kurzer Rückblick auf die jahrzehntelange Geschichte gewaltsamer Tollwutbekämpfung, von Landwirtschaftsminister Ertl im Jahre 1970 mit der Anordnung des „Gastodes aller erreichbaren Füchse“ initiiert, sollte dabei genügen, um selbst dem begriffsstutzigsten Fürsprecher der Fuchsjagd die Sinnlosigkeit derartiger Kampagnen vor Augen zu führen. Trotz einer beispiellosen Vernichtungsschlacht war damals kein nennenswerter Einfluß auf die Tollwutausbreitung festzustellen; ebenso blieb die angestrebte Dezimierung der Füchse aus. In der Schweizerischen Tollwutzentrale konstatierte man schließlich, Fuchsjagd sei kein adäquates Mittel zur Tollwutbekämpfung, da die großflächige Dezimierung dieser Tiere nicht möglich sei. Werden Füchse nämlich nicht bejagt, so leben sie in stabilen Familiengemeinschaften von bis zu zehn Tieren zusammen, in denen nur die älteste Füchsin Kinder zur Welt bringt. Greift jedoch der Mensch mit Flinte und Falle in die Fuchspopulation ein, so brechen diese stabilen Strukturen durch die ständige Umschichtung der sozialen Verhältnisse auf. „Die Füchse haben kaum feste Reviere und keine feste Paarbindungen“, so der als Fuchsexperte geltende Biologe Dr. Erik Zimen, „Jede läufige Fähe findet ihren eher zufälligen Partner, der, einmal erfolgreich, gleich weiterzieht, um bei der nächsten sein Glück zu versuchen.“ „***Geburtenbeschränkung statt Massenelend“*** Hinzu kommt noch, daß bei starkem Jagddruck auch die durchschnittliche Welpenzahl pro Wurf weitaus höher ausfällt als in fuchsjagdfreien Gebieten. Während beispielsweise die hohen Vermehrungsraten bei nordamerikanischen Füchsen in den 70er Jahren auf den hohen Pelzpreis und demensprechend intensive Fuchsjagd zurückgeführt werden können, hat der geringfügig schwächere Jagddruck in Mitteleuropa zur Folge, daß sich zwar alle Füchsinnen fortpflanzen, die Wurfgröße jedoch geringer ist. In traditionell fuchsjagdfreien Gebieten wie jenem um die englische Stadt Oxford ist die Fortpflanzungsrate noch deutlich niedriger – hier bekommen nämlich wesentlich weniger Fuchsfähen überhaupt Welpen. Infolge dieses Phänomens – von Zimen treffend als „Geburtenbeschränkung statt Massenelend“ beschrieben – ist „Fuchskontrolle“ also weder notwendig noch – was die meisten Reviere angeht – überhaupt möglich. Damit ist die Tollwutbekämpfung durch Fuchsjagd ad absurdum geführt – und mehr noch: Fuchsverfolgung forciert die Tollwutausbreitung sogar. Da bei starker Bejagung mehr Jungfüchse zur Welt kommen, gerade diese im Herbst jedoch auf Reviersuche lange Wanderungen zurücklegen, steigt in einer stark bejagten Fuchspopulation die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Tollwut signifikant an. Hinzu kommt, daß der durch die Jagd verursachte soziale Streß zu einer größeren Zahl aggressiver Auseinandersetzungen zwischen Füchsen führt und die Ansteckungsgefahr somit ebenfalls erhöht. Als man dagegen bei Grafenau im Bayerischen Wald die Fuchsjagd aussetzte, um die Folgen zu studieren, stieß man auf ein wenig jagdfreundliches Resultat – die tollwütigen Tiere rotteten sich binnen drei Jahren selbst aus und wurden von gesunden Eindringlingen ersetzt. Inzwischen begegnet man übrigens nicht nur der Tollwut, sondern auch dem Fuchsbandwurm auf ebenso tierfreundliche wie erfolgreiche Weise mit Impf- beziehungsweise Entwurmungsködern, deren Auslegen gemäß jüngsten Kosten-Nutzen-Analysen auch bemerkenswerte ökonomische Vorteile gegenüber der gewaltsamen Tollwutbekämpfung besitzt. Selbst der Jägern zufolge so effektive Jungfuchsabschuß am Bau wurde im Résumée einer Pilotstudie, die in den Jahren 1994 und 1995 in der Schweiz durchgeführt wurde, als Maßnahme mit „großem Aufwand, aber wenig Effekt“ abgelehnt. Trotz dieser eindeutigen Beweislagen nutzen Jäger die Panikmache vor Tollwut und Fuchsbandwurm aber nach wie vor, um Stimmung gegen den Fuchs zu machen. ***Reineke als Beutekonkurrent*** Das andere Hauptargument der Jäger für die Fuchsjagd lässt die wahren Motive zur intensiven Bekämpfung von Meister Reineke dagegen bereits durchschimmern: Füchse sind die größten verbliebenen Jagdkonkurrenten im Revier und reißen möglicherweise auch einmal einen jener Hasen oder Fasanen, die der eifrige Weidmann lieber selbst getötet hätte. Gemäß Jagdverbandssprecher Spittler ist rigorose Fuchsverfolgung dementsprechend „notwendig, um eine optimale Hasen- und Fasanenstrecke zu erzielen“, und der begeisterte Trophäenjäger Heribert Kalchreuter rechnete vor, daß man beim Fehlen natürlicher Prädatoren wie Fuchs und Habicht ungleich mehr Hasen „abschöpfen“ kann als unter normalen Umständen. In Anbetracht derartiger Aussagen konstatiert der Verhaltensforscher und Buchautor Vitus B. Dröscher ganz richtig: „Viele Jäger betrachten Reineke als Wilderer, der tunlichst zu erschießen, zu vergasen, mit Hunden zu hetzen und totzuprügeln ist“. Allein die Tatsache, daß unzählige Füchse und Marder einen grausamen Tod sterben müssen, damit im Herbst mehr Feldhasen auf der Strecke liegen, ist bedenklich genug – doch damit nicht genug: Die größtenteils hausgemachte Misere vieler sogenannter Niederwildarten wird von Jägern immer wieder dazu genutzt, Stimmung gegen Beutegreifer zu machen. Kurzerhand behauptet man, ohne die scharfe Bejagung der Beutegreifer würden diese Hase, Reb- und Birkhuhn ausrotten. Gutachter wie Dr. Heribert Kalchreuter, der sich in Interviews wiederholt als „Jagd-Missionar“ bezeichnete, gehen dabei so weit, Kopfprämien für Füchse zu fordern – als Kompensation für sinkende Pelzpreise. Wissenschaftler, deren Glaubwürdigkeit nicht durch den Besitz eines Jagdscheins relativiert wird, sind sich jedoch darin einig, daß es nur einen einzigen Weg gibt, um gefährdeten Tierarten zu helfen: Die Rücknahme der Gefährdungsursache selbst. Der Einfluß von Beutegreifern dagegen beeinflußt die Populationsdichte von Hase, Reb- und Birkhuhn nicht entscheidend und ist allenfalls „in Konkurrenz zur jagdlichen Nutzung relevant“, wie die Biologen Döring und Helfrich konstatierten. In ganz Europa sind die Anteile beispielsweise von Hasenresten in Fuchslosungen verschwindend gering – selbst dort, wo Hasen noch in großer Zahl vorhanden sind – und Untersuchungen zeigten, daß Füchse insbesondere dann beispielsweise Entenvögel reißen, wenn diese durch die Jagd angeschossen oder geschwächt sind. Die realen Gründe für den Bestandsrückgang vieler sogenannter „Niederwildarten“ sind also keineswegs bei deren „natürlichen Feinden“ zu suchen, sondern vielmehr im anthropogenen Bereich. ***Tod durch Flurbereinigung und Einheitsgrün*** So fallen nach Hochrechnungen des führenden deutschen Hasenexperten Dr. Eberhard Schneider jährlich maximal 5% der Hasen Beutegreifern zum Opfer, während der Rest in variierenden Anteilen durch Landwirtschaft, Straßenverkehr, Krankheiten, Jäger, und – last but not least – Hunger infolge des stickstoffgeschwängerten Einheitsgrüns unserer Landschaft zu Tode kommt. Außerdem überschätzt die Jägerschaft nach Untersuchungen des Biologen Pegel die Bestandszahlen des Feldhasen systematisch um das Zwei- bis Vierfache und schießt aus diesem Grund wesentlich mehr, als der Bestand verkraften kann. Beim Rebhuhn werden als Gefährdungsursachen Flurbereinigung und die Anwendung toxischer Spritzmittel angeführt, wohingegen am Rückgang des Birkhuhns gemäß den Untersuchungen des Ornitho-Ökologen Prof. Reichholf auch die jagdliche Streckenmaximierung nicht unschuldig ist. Es ist nämlich Gang und Gäbe, im Herbst eigens zu Jagdzwecken gezüchtete Fasanen auszusetzen. Da diese jedoch dieselbe ökologische Nische beanspruchen wie das Birkhuhn, treten die beiden Arten in heftige Konkurrenz miteinander – weshalb nach Reichholf eine Verdrängung des Birkhuhns durch den Fasan sehr wahrscheinlich ist. Einen stichhaltigen ökologischen Grund für die Verfolgung des Fuchses gibt es schlichtweg nicht. Vielmehr nehmen sich die krampfhaften Versuche von Jagdmedien und -funktionären, die Fuchsjagd als einen Akt ökologischer Notwendigkeit darzustellen, eher als Verschleierungstaktik aus, mit der von realen Motiven zur Fuchsjagd – Beuteneid und Jagdlust – abgelenkt werden soll. Wirft man jedoch einen eingehenderen Blick in die prosaischen Ergüsse schreibender Jäger, die in den gängigen Jagdzeitschriften nach wie vor publiziert werden, so wird man nichtsdestoweniger rasch feststellen, worum es den Grünröcken wirklich geht. Wer das winterliche Nachstellen und Töten eines liebestollen Fuchspärchens zum erregenden, nur mit sexuellen Handlungen zu vergleichenden Ereignis emporstilisiert, ist nach heute gültigen Maßstäben nur in psychopathologischen Kategorien angemessen zu bewerten. Wir dürfen nicht vergessen, daß es sich bei jedem in einer angeblich „sofort tötenden“ Falle langsam zu Tode gequetschten, bei jedem im fahlen Mondlicht angeschossenen, bei jedem blutüberströmt vom Jagdhund aus dem vermeintlich sicheren Bau „gesprengten“ – und auch bei jedem „sauber gestreckten“ – Fuchs um ein fühlendes, denkendes Individuum mit einem Recht auf Leben handelt! In Anbetracht dessen macht es Mut, dass mancherorts bereits Konsequenzen aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und moralischem Fortschritt gezogen werden. In den Niederlanden wurden Füchse beispielsweise im Jahr 2002 unter Schutz gestellt, dürfen also nicht mehr gejagt werden. In vielen Nationalparks herrscht ebenfalls ein ganzjähriges Fuchsjagdverbot, und so mancher Förster fordert mittlerweile, Füchse und andere Prädatoren zu schonen – aus gutem Grund: Sie halten die Bestände ihrer Beutetiere widerstandsfähig, indem sie stets zuerst schwache und kranke Tiere reißen und auf diese Weise Seuchenherde frühzeitig eliminieren. Außerdem sind Füchse als eifrige Mäusevertilger ausgesprochene „Forst“nützlinge, und auf dem 2. Internationalen Rehwild- Symposium in Südtirol war zu hören, dass Füchse in genügend großer Zahl sogar die durch die intensive jägerische Hege überhöhten Rehwildbestände im Zaum halten können. Im 10.236 Hektar großen irischen Killarney-Nationalpark genießt Reineke bereits ganzjährige Vollschonung, weil er sich durch das Reißen von Kälbern maßgeblich an der Reduktion der dortigen Rotwildvorkommen beteiligt. ***Fuchsjagd: ökologischer Nonsens*** Beutegreifer zu bejagen, ist aus ökologischer Sicht vollkommen unsinnig; aus ethischer Sicht ist es verurteilenswert und anachronistisch. Es wird Zeit, daß wir uns als mündige Bürger endlich gegen all diejenigen wehren, die jeden vor den Augen seiner entsetzten Eltern vom „raubzeugscharfen“ Jagdhund zerfleischten Jungfuchs zum Anlaß nehmen, sich als Diener an Volksgesundheit und Artenvielfalt zu fühlen. Es ist ein gefährlicher und ethisch indiskutabler Zustand, dass die letzten größeren Beutegreifer Mitteleuropas der Willkür einer Bevölkerungsgruppe unterstellt sind, die in ihnen nichts als lästige Beutekonkurrenten sehen und ihnen demensprechend permanent nach dem Leben trachten. Die vollständige Unterschutzstellung aller einheimischen Prädatoren, allen voran die des seit Jahrzehnten beispiellos verfolgten Fuchses, ist längst überfällig. Davon könnten auch wir Menschen profitieren – wo Füchse ihre zweibeinigen Mitgeschöpfe nicht fürchten müssen, beispielsweise auf der nördlichen japanischen Hauptinsel Hokkaido, in Israel oder dem kanadischen Prince-Albert-Nationalpark, sind die hierzulande so mißtrauischen Rotröcke überaus zutraulich und lassen sich problemlos über Stunden in ihrem bezaubernden Sozialverhalten beobachten. --- title: Deutschsprachige Romane über Füchse date: 2026-03-26 url: https://fuechse.info/buecher/buecher-ueber-fuechse-deutschsprachige-romane/ --- # Deutschsprachige Romane über Füchse Die Auswahl an deutschsprachigen Fuchsromanen ist nicht riesig (ganz im Gegenteil zum englischen Sprachraum) – aber es gibt sie, auch wenn viele davon „nur“ Übersetzungen aus dem Englischen sind. Leider sind manche dieser Werke inzwischen vergriffen. Oft finden sich vergriffene Titel aber noch über das Zentrale Verzeichnis antiquarischer Bücher und andere Plattformen. Hier stelle ich die wichtigsten Bücher aus dieser Kategorie vor. **Vanessa Walder, Stadt der Füchse** *Loewe, 2023* Altersempfehlung: 8+ Ein kleiner Fuchs wird im Bau eines Dachses geboren – mitten im Land der Menschen. Doch er spürt, dass er nicht hierhergehört. Stattdessen zieht es ihn hinaus, und er begibt sich auf die Suche nach einem neuen Zuhause – vielleicht liegt es in der geheimnisvollen Stadt, in der es viele Füchse geben soll? „Stadt der Füchse“ nähert sich dem Thema Stadtfüchse in Form einer spannenden Geschichte, die aber gleichzeitig viel Wissen über Füchse vermittelt. **Garry Kilworth, Füchse unter sich.** *Schneekluth, München 1994 (engl. Original: Hunter´s Moon, Unwin Hyman, London 1994)* Altersempfehlung: 14+ „Füchse unter sich“ ist wahrscheinlich der beste Roman über Füchse und einer der besten Tierromane überhaupt – bezaubernd, schön, brutal und traurig zugleich. Der Leser liebt und leidet mit der charmanten jungen Rotfüchsin O-ha und schaut mit ihren Augen auf die befremdliche Menschenwelt, die sich mit Bulldozern und Betonplatten ins wilde Waldrevier hineinfrisst. Voller Witz und Phantasie, kenntnisreich und atmosphärisch erzählt Garry Kilworth O-has Lebensgeschichte. **Colin Dann, Als die Tiere den Wald verließen** *Ueberreuter, Wien 1981 (Engl. Original: The Animals of Farthing Wood, Hutchinson, London 1980)* Altersempfehlung: 10+ „Als die Tiere den Wald verließen“ ist vielen nur als Animationsserie bekannt. Dabei ist die Buchreihe, die der Serie zugrunde liegt, meines Erachtens in vielerlei Hinsicht die bessere Version der Geschichte: Colin Danns preisgekrönte Tierromane sind spannender, ernster, und haben mehr Tiefe als das TV-Format. Die Buchreihe erzählt die Geschichte einer Gruppe von Wildieren, vom Maulwurf bis zum Dachs, die angesichts der Zerstörung ihres Lebensraums durch den Menschen einen Pakt schmiedet: Sie beschließen, gemeinsam ein neues Zuhause zu suchen, und auf ihrer Reise einander nicht zu fressen. Angeführt vom Fuchs machen sie sich auf den gefahrvollen Weg, bis sie schließlich in einem Naturschutzgebiet Zuflucht finden. An den ersten Teil „Als die Tiere den Wald verließen“ schließen sich noch diverse andere Titel in der Reihe an. Allesamt sind empfehlenswert, auch wenn die ersten zwei bis drei Bücher klar am stärksten sind. **W. Wharton, Franky der Fuchs** *Goldmann, München 1992 (Engl. Original: Franky Furbo, Henry Holt&Co., New York 1989)* Altersempfehlung: 12+** ** Während des zweiten Weltkriegs werden der sterbende amerikanische Soldat William und sein deutscher Feind Wilhelm unter wundersamen Umständen von dem intelligenten Fuchs Franky Furbo gerettet. So merkwürdig die Geschichte auch ist, für William gibt es keine Zweifel an dem, was er erlebt hat. Als ihm aber weder seine Frau noch seine Kinder glauben, macht er sich verzweifelt auf die Suche nach Franky (und der Wahrheit). Franky der Fuchs ist ein unterhaltsames Fantasy-Märchen über intelligente Füchse, Krieg und Frieden, und die menschliche Psyche. Auch wenn nicht alle Geschehnisse einer perfekten inneren Logik folgen: Manche Wendungen und Perspektivenänderungen sind brilliant! **Inbali Iserles, Foxcraft: Die Magie der Füchse** *Fischer Sauerländer, 2015* *(Engl. Original: Foxcraft: The Taken)* Altersempfehlung: 10+ ** **Dieses Buch ist der Auftakt zur „Foxcraft“-Trilogie von Inbali Iserles, einer der Autorinnen des unter dem Pseudonym Erin Hunter („Warrior Cats“) bekannt gewordenen Schriftstellerteams. Tief verborgen in den Wäldern leben die Füchse wild und ungezähmt. Sie hüten ihre Geheimnisse und pflegen ihre uralte Magie. Doch eine dunkle Gefahr bedroht ihre Welt! Von all dem ahnt die junge Füchsin Isla nichts. Sie lebt in Frieden und Sicherheit. Doch dann verliert sie ihre Familie – und gerät mitten hinein in den Kampf um das Reich der Füchse. Wem kann Isla noch trauen? Wer ist Freund, wer Feind? „Foxcraft“ ist eine spannende Tierfantasy-Trilogie, die nicht nur bei Fans der „Warrior Cats“ gut ankommt. **Reinhard Michl, Reineke Fuchs** *Insel, 2019* Altersempfehlung: 16+ ** **Eine moderne Nacherzählung des Reineke Fuchs-Epos mit großformatigen und sehr detailreichen Illustrationen von Reinhard Michl. Der besondere Charme dieser Fassung liegt darin, das Michl – ein wirklich begnadeter Künstler – seine Zeichnungen in die moderne Welt übertragen hat. Das funktioniert auch deswegen extrem gut, weil die Thematik der Geschichte nichts an ihrer Aktualität eingebüßt hat. Bei einer „Reineke Fuchs“-Geschichte ist das eigentlich naheliegend, aber hier gilt besonders: Das Buch scheut sich nicht, Gewalt und Sexualität darzustellen, und ist von daher nichts für Kinder. **L. Daniels, Ein Fuchs in der Falle.** *Bertelsmann, München 1999 (Engl. Original: Cub in the Cupboard, Hodder, London 1994)* Altersempfehlung: 8+ Kinderbuch, das behutsam aber dennoch deutlich die Thematik Füchse und Jagd aufgreift. Kinder finden eine Füchsin, die mit der Pfote in eine Falle geraten ist, neben ihr ein wenige Stunden altes Fuchskind, und helfen den beiden gegen den Widerstand mancher Erwachsener, wieder auf die Pfoten zu kommen. **Roald Dahl, Der fantastische Mr.Fox** *Rowohlt, Reinbek 1979 (Engl. Original: Fantastic Mr.Fox, Allen&Unwin, London 1970)* Altersempfehlung: 8+ Deutsche Ausgabe des weltbekannten und von Wes Anderson in Stop Motion-Technik verfilmten Klassikers „Fantastic Mr. Fox“. Der clevere Mr. Fox und seine Familie werden dabei von einer Bande ebenso jagdbegeisterter wie skrupelloser Bauern belagert. **Irina Korschunow, Der Findefuchs – Wie der kleine Fuchs eine Mutter bekam.** *dtv junior, München 1984* Altersempfehlung: 6+ Wunderschönes, warmherziges Kinderbuch über eine Füchsin, die ein verlassenes Fuchskind im Gebüsch findet und es unter vielen Gefahren mit zu ihren eigenen Welpen in den heimischen Fuchsbau nimmt. Der liebevolle Erzählstil macht dieses Buch gemeinsam mit den tollen Illustrationen von Reinhard Michl zu einem echten Klassiker. **B. Rost, Jankers Versprechen.** *make a book, Neukirchen 2009* Altersempfehlung: 10+ ** **Der junge Fuchs Janker wächst in einer idyllischen Gegend auf; die alten Geschichten von dem „Gesetz der Feindschaft“ zwischen Menschen und Füchsen vermag er kaum zu glauben. Dennoch bricht er eines Tages auf, um die Menschen selber kennen zu lernen. Es dauert nicht lang, bis Jäger ihm erbarmungslos nachstellen… Beate Rosts engagiertes Jugendbuch stellt die alltägliche Realität in Wald und Feld ungeschönt und in eindrücklichen Bildern dar. --- title: Deutschsprachige Sachbücher über Füchse date: 2023-01-27 url: https://fuechse.info/buecher/buecher-ueber-fuechse-deutschsprachige-sachbuecher/ --- # Deutschsprachige Sachbücher über Füchse Die folgende Liste an Fuchsbüchern erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – es gibt so viele Bücher über Füchse, dass ich hier nur die vorstelle, die mir entweder besonders gut gefallen haben, oder die aus irgendwelchen anderen Gründen besonders relevant sind. Leider sind manche dieser Werke inzwischen vergriffen. Oft finden sich vergriffene Titel aber noch über das Zentrale Verzeichnis antiquarischer Bücher und andere Plattformen. **Dag Frommhold und Daniel Peller, Die Weisheit der Füchse** *Ludwig, 2022* *Rotes Fell, spitze Schnauze, buschiger Schwanz – Füchse sind nicht nur besonders schöne Tiere, sondern gelten auch als schlau, gewitzt und verspielt. Doch Füchse sind nicht nur klug, sondern auch außerordentlich empathisch und kommunikativ. Sie zeigen Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft, pflegen enge emotionale Bindungen, sind zärtliche Partner und liebevolle Eltern. Füchse zeigen uns, wie man mit einer guten Streitkultur mehr erreicht als mit Aggression, wie man mit Köpfchen und Flexibilität zum Ziel kommt und warum selbstloses Verhalten letztlich allen nützt. Die beiden Fuchskenner Dag Frommhold und Daniel Peller erzählen verblüffende und warmherzige Geschichten, die zeigen, was für faszinierende und erstaunliche Wesen Füchse sind – und dass sie uns nicht nur ähnlicher sind als wir denken, sondern dass wir auch eine Menge von diesen verkannten Helden lernen können.* Als Daniel und ich an dem Konzept für „Die Weisheit der Füchse“ arbeiteten, war uns klar, dass wir nicht einfach „noch ein Fuchsbuch“ verfassen wollten. Unsere Idee war, den allerneuesten Wissensstand über Füchse möglichst fesselnd, unterhaltsam und eingängig zu vermitteln, und dabei eine neue Perspektive hinzuzufügen: Wo gibt es Parallelen zwischen füchsischem und menschlichem Verhalten? Gibt es vielleicht sogar Dinge, die wir von Füchsen und ihren vielfältigen Anpassungsstrategien lernen können? Neben zahlreichen Anekdoten aus unseren persönlichen Erfahrungen mit Füchsen und vielen tollen Fotos hilft diese Betrachtungsweise auch dabei, komplexe Zusammenhänge zu veranschaulichen und das Leben von Füchsen noch lebendiger und anschaulicher darzustellen. *Buchtrailer „Die Weisheit der Füchse“* **Sophia Kimmig, Von Füchsen und Menschen** *Malik, 2021* Sophia Kimmig hat in Berlin viele Jahre über Füchse geforscht. In ihrem Buch „Von Füchsen und Menschen“ berichtet sie von ihren Erlebnissen als Wildbiologin in der Großstadt und gibt spannende Einblicke in ihre Forschungsarbeit. Dabei kommen interessante und unterhaltsam erzählte Informationen über Füchse – ob in der Stadt oder auf dem Land – nicht zu kurz. Ein liebevolles, intelligentes, aber auch persönliches Buch, das jeder Wildtierinteressierte gelesen haben sollte, und das es sogar auf die SPIEGEL-Bestsellerliste schaffte! **Andreas Tjernshaugen, Das verborgene Leben der Füchse** *Insel, 202*3 (norwegischer Originaltiten: Reveb) Ein Jahr lang hat sich Andreas Tjernshaugen auf die Pirsch begeben und hat in einem Wald am Oslofjord in Norwegen Füchse beobachtet. Zu Hause vertiefte er sich auch in die wissenschaftliche und kulturgeschichtliche Literatur über Füchse. In diesem Buch beschreibt er ausführlich, was er in dieser Zeit gesehen, gelesen und gelernt hat – über das Familienleben von Füchsen, die Eroberung von Städten durch den Fuchs und die Konflikte, die sich daraus ergeben, und viele andere Themen. Tjernshaugen geht aber auch auf die Mythen ein, die sich um den Fuchs gebildet haben, und auf tierschutzrelevante Themen wie die Fuchsjagd oder die Pelztierzucht. Tjernshaugen ist zwar kein ausgewiesener „Fuchsexperte“, aber sein Buch ist dennoch eine faktenreiche, unterhaltsame und lesenswerte Liebeserklärung an ein oft missverstandenes Tier. **Adele Brand, Füchse: Unsere wilden Nachbarn** *C.H. Beck, 2020* (englischer Originaltitel: The Hidden World of the Fox) Adele Brand ist Ökologin und hat schon als Kind in ihren Tagebüchern über Füchse geschrieben, die die Passion ihres Lebens wurden. Ihr kurzweiliges, zugängliches Buch bring Menschen Füchsen auf unterhaltsame Weise näher, entlarvt Vorurteile und verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit dem reichen persönlichen Erfahrungsschatz der Autorin. „Füchse: Unsere wilden Nachbarn“ ist eines der besten populärwissenschaftlichen Bücher über den Fuchs – wer gut Englisch kann, wird an dem englischsprachigen Original „The Hidden World of the Fox“ vielleicht noch mehr Freude haben. **Silje Elin Matnisdal, Leiv Magnus Grøtte, Ayla. Meine ungewöhnliche Freundschaft mit einem jungen Fuchs. ***Knaur, 2019* (norwegischer Originaltitel: ‎ Ayla the Fox – Reven som sjarmerte en hel verden) Geboren auf einer Pelzfarm, im Alter von fünf Monaten von der Tierfreundin Silje Matnisdal freigekauft, wächst die Füchsin Ayla auf einem abgelegenen Bauernhof in Norwegen auf. Schon bald sind Ayla und Silje unzertrenntlich. Anrührend und einfühlsam erzählt Matnisdal von ihrer gemeinsamen Zeit mit Ayla – den vergnüglichen, den abenteuerlichen, aber auch den traurigen Momenten, die das Zusammenleben mit einem Wildtier mit sich bringen. Die zahlreichen Fotos sind wunderschön und laden dazu ein, das Buch wieder und wieder anzusehen. **Lutz Artmann, Der Fuchs in der Stadt.** *Oertel + Spörer, 2016* „Der Fuchs in der Stadt“ dokumentiert des Leben von Stadtfüchsen in eindrucksvollen Bildern und knappen, aber informativen Texten. Interessante und oft amüsante Anekdoten, die die einzigartige Anpassungsfähigkeit Reinekes aufzeigen, runden das Buch des Fotografen und Architekten Lutz Artmann ab. **Albert Mächler, Fix** – Begegnungen mit dem Fuchs *Salm, 2009* Der Schweizer Jäger und Wildtierfotograf Albert Mächler hat für diesem großformatigen Bildband eine Vielzahl wirklich beeindruckender Aufnahmen von Füchsen zusammengestellt. Jedes Foto ist mit einem wissenswerten Informationshappen über Füchse oder mit einem passenden Zitat eines Biologen oder eines Schriftstellers garniert. Wer antiquarisch ein Exemplar dieses Buchs bekommen kann, sollte zuschlagen! **Sandra Gloor, Fabian Bontadina, Daniel Hegglin, Stadtfüchse – Ein Wildtier erobert den Siedlungsraum** *Haupt Verlag, 2006* Immer mehr Füchse entdecken menschliche Siedlungen als Lebensraum mit leicht verfügbarer Nahrung und geringem Jagddruck. „Stadtfüchse“ fasst die Ergebnisse eines Schweizer Forschungsprojekts, das sich seit 1995 mit dem Phänomen der Siedlungsfüchse befasst, auf anschauliche Weise zusammen. **Hartmann Jenal, Meine Füchse ***Gollenstein, 2009* „Meine Füchse“ ist ein liebevoller und sehr persönlicher Bildband über Füchse. Viele der Fotos sind in der Auffang- und Auswilderungsstation für Füchse entstanden, die der Autor aufgebaut hat, und zeigen ebenso interessante wie anrührende Einblicke in das Leben von Füchsen. Einige Texte über den Rotfuchs und einige seiner Verwandten runden das Buch ab. **David Macdonald, Unter Füchsen**. Eine Verhaltensstudie *Knesebeck, München 1993 (Engl. Original: Running with the Fox, Harper Collins, Glasgow 1987)* Wer sich näher mit Füchsen befassen möchte, kommt unmöglich um dieses Standardwerk herum. „Unter Füchsen“ ist nach mehr als 20 Jahren noch immer die definitive Fuchs-Monographie und das derzeit wohl umfassendste und faktenreichste Buch über den Rotfuchs. David Macdonald und sein Team haben über viele Jahre Pionierarbeit in der Fuchsforschung betrieben – hatte man den Fuchs zuvor noch als unsozialen Einzelgänger eingestuft, zeigten Macdonalds Arbeiten mit Telemetriehalsbändern erstmals, dass Füchse höchst soziale Tiere mit einem nuancierten Familienleben sind. „Unter Füchsen“ fasst viele Jahre intensiver Forschungsarbeit und Wort und Bild zusammen. Die deutsche Ausgabe ist inzwischen leider schwer zu bekommen (und wenn doch, ist sie meist sündhaft teuer). Wer gut Englisch kann, sollte zur Originalausgabe „Running with the Fox“ greifen, die besser verfügbar und meist günstiger ist. **Günther Schumann, Mein Jahr mit den Füchsen.** *Wartberg, 1992* Günther Schumann beschreibt in seinem Buch die wahre Geschichte seiner einzigartigen Freundschaft mit einer wildlebenden Fuchsfamilie. Mit einem hier veröffentlichten Bild, das eine Füchsin bei der neugierigen Inspektion seiner Kamera zeigt, gewann der Autor den Preis der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen für das beste Tierfoto des Jahres. Wer dieses Buch nicht mehr bekommen kann, kann alternativ auch zu „Wilde Füchse – ganz vertraut“ greifen (in dem jagdaffinen Verlag Neumann-Neudamm erschienen), in dem viele der Fotos ebenfalls enthalten sind. **Günther Schumann, Leben unter Füchsen.** *Wartberg, 1994* Fortsetzung zu „Mein Jahr mit den Füchsen“, ebenfalls mit sehr schönen Fotos illustriert. **Günther Schumann, Wilde Füchse – ganz vertraut** *Neumann-Neudamm, 2006* „Wilde Füchse – ganz vetraut“ ist im wesentlichen eine Zusammnenfassung von Schumanns anderen (inzwischen leider vergriffenen) Büchern über die Füchsin Feline und zumindest für all jene Fuchsfreunde, die „Mein Jahr mit den Füchsen“ und „Leben unter Füchsen“ nicht besitzen, eine empfehlenswerte Anschaffung. **Felix Labhardt, Der Rotfuchs.** *Paul Parey, 1990* Felix Labhardt berichtet in dieser umfangreichen Fuchsmonographie über seine langjährige Forschungsarbeit an Rotfüchsen. Auch wenn „Der Rotfuchs“ bei weitem nicht an David Macdonalds Standardwerk „Unter Füchsen“ heranreicht, ist es über weite Strecken eine interessante, spannende und lehrreiche Lektüre. Dass das Buch in einem Jagdverlag erschienen ist, wird leider spätestens am letzten Buchteil überdeutlich. Darin gibt ein „passionierter Fuchsjäger“ reich bebilderte Tips zur effektiven Fuchsjagd, diverse Fotos von Jägern mit stolz erlegter Beute inklusive. Wen das nicht vom (antiquarischen) Kauf abhält, findet hier aber ein ansonsten lesenswertes Buch. **Klaus Mailahn, Der Fuchs in Glaube und Mythos** *LIT Verlag, 2006* Eine ebenso beeindruckende wie umfangreiche Weltreise durch Mythen, Legenden und religiöse Überlieferungen, in denen Füchse und ihre nahen Verwandten eine wichtige Rolle spielen. Mit großer Fachkenntnis und Akribie analysiert Klaus Mailahn, welche kulturellen und religiösen Einflüsse, geographischen Bedingungen und Naturbeobachtungen zu den vielfältigen Bildern geführt haben können, die der Mensch im Laufe der Jahrhunderte von Füchsen gezeichnet hat. **K. Mailahn, Göttin, Fuchs und Ostern** *LIT Verlag, 2007* „Göttin, Fuchs und Ostern“ ergänzt Klaus Mailahns Werk „Der Fuchs in Glaube und Mythos“ um eine umfassende Darstellung des deutschen Osterfuchs-Brauchtums, das noch heute in einigen Gegenden Westfalens lebendig ist. Eine hochinteressante historische und religionswissenschaftliche Spurensuche, die Fuchsfreunde begeistern wird. **Maria Schnaitl, Sylvia Stürzer, Rotfuchs und Dachs. Raumnutzungsverhalten und Habitatwahl** *Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, Grafenau 2009* In diesem Buch werden die Ergebnisse mehrjähriger Untersuchungen im Nationalpark Bayerischer Wald zusammengefasst. Da der Fuchs dort nicht bejagt wird, ergaben sich dabei auch hervorragende Möglichkeiten zum Vergleich bejagter und unbejagter Fuchspopulationen – mit äußerst interessanten Resultaten, die klar gegen die Bejagung von Füchsen sprechen. **Klaus Mailahn, Der Fuchs und die Göttin. Neue Erkenntnisse über ein heiliges Tier der Großen Mutter** *disserta**, 2010* „Reineke Fuchs und die Göttin“ greift Erkenntnisse aus Klaus Mailahns früheren Werken auf und ergänzt sie um viele zusätzliche Aspekte, nicht zuletzt aus unserem heimischen Kulturkreis. Zudem vergleicht Mailahn die Rolle des Fuchses in Mythen und Religion in den unterschiedlichsten Kulturen und deckt dabei interessante Gemeinsamkeiten auf. **M. Natale, Das Märchen vom Fuchs** *Geistkirch Verlag, Saarbrücken 2012*** **Mario Natale ist Förster in einer saarländischen Kreisstadt und weiß aus eigener Erfahrung nur allzu gut, wie die meisten Jäger mit Füchsen umgehen. Sein modernes Fuchsmärchen ist eine gelungene Antwort an all jene, die Füchse als Schädlinge bekämpfen oder als ihnen als jagdliche Lustobjekte nachstellen. Mit Witz und viel Sachkunde entlarvt er die Propaganda gegen Meister Reineke als Schutzbehauptungen der konservativen Jägerschaft. --- title: Die Legende vom „Ökopelz“ date: 2023-01-27 url: https://fuechse.info/flyer-und-artikel-ueber-fuechse-und-jagd-fuchsjagd/oekopelz-friendly-fur-tierschutz-kritik/ --- # Die Legende vom „Ökopelz“ *Dag Frommhold, 2008* Seit Tier- und Naturschutzverbände vor knapp dreißig Jahren erstmals die entsetzlichen Zustände bei der Pelz“produktion“ aufdeckten und in Bild und Text schonungslos von der Vergasung von Nerzen, der Elektrokution von Füchsen und dem qualvollen Fallentod von Luchsen und Kojoten berichteten, haftet dem Tragen von Pelzen der Makel an, untrennbar mit Tierleid verbunden zu sein. Wer heutzutage mit Nerzmantel oder Fuchsstola durch die Fußgängerzone flaniert, erntet in aller Regel wenig bewundernde Blicke – abschätzige Gesichter und kritische Kommentare sind da schon weitaus häufiger zu beobachten. Der Pelzindustrie schwimmen folgerichtig – allen gebetsmühlenhaft wiederholten Meldungen über das angebliche „Comeback der Pelze“ zum Trotz – die Felle davon. So musste nach sinkenden Absätzen und schwindenden Ausstellerzahlen nun auch die Frankfurter Traditionsmesse „Fur and Fashion“ aufgeben. Von 2009 an wird sie nur noch als Teil einer internationalen Pelz- und Ledermesse in Mailand stattfinden. ***„Freundliche Pelze“?*** *Rotfuchs (Bild: Racineur/flickr)* Nachdem es gerade ethische Bedenken der Verbraucher sind, die Kürschnern und Pelzhändlern zu schaffen machen, ist es wenig verwunderlich, dass manche Unternehmen sich bemühen, ihren Produkten einen grünen Anstrich zu geben. Zu diesen Firmen gehört etwa das Berliner Label „Friendly Fur“, das vom Pelzkragen über Muffs bis hin zu Flaschenhaltern die unterschiedlichsten Accessoires aus dem Fell angeblich „ökologisch korrekt erlegter“ Rotfüchse feilbietet. „Die Pelze, die wir verwenden, stammen ausschließlich aus kontrollierter Jagd“, heißt es in holprigem Englisch auf der Website des Unternehmens. Man verwende lediglich Felle einheimischer Füchse, die aufgrund ihrer „Überpopulation“ ohnehin getötet werden müssten. Auf diese Weise, so räsoniert „Friendly-Fur“-Begründer Nikolas Gleber, sei der Erwerb seiner Produkte gar ein aktiver Beitrag zum Naturschutz, der dem „modernen Prinzip von Nachhaltigkeit und globalem ökologischem Bewusstsein“ folge. Die deutsche Presse – von „Bild“ bis hin zu „stern“ und „Gala“ – griff das Konzept des vermeintlich ökologisch korrekten Pelzes in den letzten Monaten überwiegend unkritisch auf. „Wer echten Pelz liebt, kann jetzt mit reinem Gewissen zugreifen“, schrieb etwa „Bild“, und das Lifestyle-Magazin „Park Avenue“ behauptete gar, Friendly Fur engagiere sich für Tier- und Naturschutz. Lediglich die „Welt Online“ gestattete sich die Frage, ob die von Gleber postulierte „Überpopulation“ des Rotfuchses überhaupt gegeben sei. ***Überpopulation und Jägerlatein*** Tatsächlich zitiert „Friendly Fur“ in diesem Punkt letztlich nichts anderes als die Position der großen deutschen Jagdverbände. Dort betont man stets, die Fuchsjagd sei notwendig, um ausufernde Bestände und die Ausbreitung von Seuchen zu verhindern. Dass Füchse ihre Bestandsdichte über ein komplexes Sozialsystem selbständig regeln und menschliche Eingriffe mit Flinte und Falle lediglich die Nachwuchsrate in die Höhe schnellen lassen, wird dabei außer Acht gelassen. Bereits in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts konstatierten etwa die Experten der Schweizer Tollwutzentrale, dass die Fuchspopulation mit jagdlichen Mitteln nicht zu beeinflussen sei. Selbst hohe Verluste von bis zu zwei Dritteln des Herbstbestandes können Füchse durch höhere Geburtenraten binnen Jahresfrist ausgleichen. Lässt man die Jagd dagegen ruhen, so leben Füchse in stabilen Familiengemeinschaften und bekommen deutlich weniger Nachwuchs, ein Phänomen, das der Biologe Erik Zimen einst mit den Worten „Geburtenbeschränkung statt Massenelend“ kommentierte. Als gesichert gilt zudem, dass intensive Fuchsbejagung die Ausbreitung etwa der Tollwut keinesfalls hemmt, sondern sie sogar fördert, weil in bejagten Fuchspopulationen stärkere Wanderbewegungen zu beobachten sind. Tier- und Naturschützer sehen dementsprechend in der selbstgesetzten jägerischen Aufgabe der „Fuchskontrolle“ nichts anderes als ein Feigenblatt, hinter dem sich Jagdlust und die Beseitigung unliebsamer Beutekonkurrenz als wahre Motive für die heftige Fuchsverfolgung verstecken. Pelzwaren wie jene von „Friendly Fur“ können also bestenfalls als Nebenprodukt von Jagdvergnügen und Beuteneid, gewiss jedoch nicht als Resultat „notwendiger Hegemaßnahmen“ betrachtet werden. Die PR-wirksam in Szene gesetzte Vermarktung von „Öko-Pelzen“ ist damit letztlich nur ein Etikettenschwindel auf Kosten der Tiere: Sie müssen auch für „Friendly Furs“ leiden und sterben, während Pelzhändler mit dem betrogenen Gewissen leicht beeinflussbarer Kunden Kasse machen. ***Fuchspelz mit Segen des NABU?*** *Tote Füchse in Graubünden: „Ökologisch korrekt erlegt“? (Bild: Chris Juden) –* **Vorschaubild** Unterdessen bemühen sich die Vermarkter „grüner“ Pelze um Unterstützung aus dem Lager des Natur- und Umweltschutzes. Tatsächlich lehnen viele dieser Organisationen etwa die Fuchsbejagung nicht grundsätzlich ab: Da Füchse nicht bestandsbedroht sind, betrachtet etwa der NABU (Naturschutzbund Deutschland) ihre Tötung als vertretbar, sofern die Felle der erschossenen Tiere verwertet werden. Dennoch verwunderte es, als im November auf der Website von „Friendly Fur“ der Hinweis prangte, man werde „freundlich durch den NABU beraten“. Überrascht von der ungewöhnlichen Allianz zwischen Pelzhändler und Naturschutzverein, fragte fuechse.info sowohl bei Nikolaus Gleber als auch beim NABU nach, wie genau diese Beratung denn aussähe. Während der „Friendly Fur“-Initiator behauptete, der Naturschutzbund unterstütze ihn bei der Erstellung von Pressetexten und der argumentativen Untermauerung seines Projekts, antwortete Magnus Herrmann, Referent für Natur- und Artenschutz bei der NABU-Bundesgeschäftsstelle: „Es gibt selbstverständlich keine Kooperation des NABU mit der besagten Firma. Eine diesbezügliche Anfrage wurde vom Landesverband Berlin ausdrücklich abgelehnt, da wir uns der mit Pelzen verbundenen Probleme sehr bewusst sind. Wegen der Verweisung auf der Homepage haben wir uns bereits mit dem Verantwortlichen in Verbindung gesetzt, um den Link dort löschen zu lassen, um dort nicht irrtümlich einen anderen Eindruck zu erwecken.“ Kurze Zeit später wurde der Verweis auf den NABU tatsächlich von der inzwischen umgestalteten Friendly Fur-Website gelöscht. Allerdings fand sich dort stattdessen ein PDF-Dokument, in dem Gleber eine Email von Anja Sorges, der Geschäftsführerin des NABU-Verbands Berlin, auszugsweise zitierte. Der zusammengekürzte Inhalt dieses Texts war in der Tat geeignet, eine Kooperationsbereitschaft des Vereins mit „Friendly Fur“ zu suggerieren. Auf Anfrage führte Sorges jedoch aus: „Es wurden von Friendly Fur genau die Textpassagen entfernt, die mit unserer Ablehnung deutlich in Verbindung stehen. (…)Weiterhin wurde ebenfalls der Satz entfernt, dass zu befürchten ist, dass in der öffentlichen Wahrnehmung kein Unterschied darin gemacht wird, woher ein Pelz letzten Endes stammt und die Öffentlichkeit diese Diskussion auch nicht mittragen wird. Wir prüfen zzt. die Einleitung rechtlicher Schritte.“ ***…oder des WWF?*** Letztlich lässt sich nur mutmaßen, wessen Darstellung der Wahrheit entspricht. Neben dem unglücklichen Zitat der Berliner NABU-Geschäftsführerin enthielt die von Gleber online gestellte PDF-Datei jedoch auch einen Hinweis auf eine anstehende Artikelveröffentlichung im „Stern“. Der Pelzhändler behauptete dort, dass „sich erstmalig ein Artikel (in dieser Zeitschrift, Anm.d.Red.) positiv über ein Pelz-Produkt aussprechen“ und den World Wide Fund for Nature (WWF) mit der Aussage zitieren werde, „dass in der Nutzung der Felle ökoverantwortlicher Quellen und deren Wirtschaftivierung (was auch immer das sein mag, Anm.d.Red.) die Zukunft des Artenschutzes und der Umwelt liegt“. Allerdings erwies sich auch diese Ankündigung des „Friendly Fur“-Begründers als Fehleinschätzung. Zwar griff der Stern die oft kolportierten Ausführungen über füchsische „Populationsüberschüsse“ in der Tat etwas unreflektiert auf, doch wurde Glebers vermeintlicher Verbündeter der ihm zugedachten Rolle ganz und gar nicht gerecht. Im Zuge eines eventuellen Pelzrevivals, so zitiert der Stern den beim WWF Deutschland für Biodiversität und Artenschutz zuständigen Biologen Volker Homes, könnten Arten wie Ozelot oder Schneeleopard erneut bedroht werden, weswegen man Konzepte wie jenes von „Friendly Fur“ kritisch sehe. Es dauerte folgerichtig nicht lange, bis die besagte Datei wieder von der „Friendly Fur“-Website verschwunden war. Ob dies auf Druck des NABU oder zur Vermeidung weiterer Peinlichkeiten geschehen ist, bleibt dabei offen. ***Pelz und Tierschutz*** *Fragwürdiges „Produkt“: Fuchspelze (Bild: wordyeti/flickr) – ***Vorschaubild** Die ablehnende Haltung von Organisationen wie dem Naturschutzbund Deutschland oder dem World Wide Fund for Nature zeigen auf, dass eine Rückkehr der Pelzmode durch die Hintertür in Form angeblicher „Öko-Pelze“ unwahrscheinlich ist. Wer neben den Aspekten des Natur- und Umweltschutzes indes auch Belange des Tierschutzes berücksichtigt, muss zwangsläufig zu dem Ergebnis kommen, dass es so etwas wie „Öko-Pelz“ schlicht und ergreifend nicht geben kann. Auch wenn Füchse oder Steinmarder, anders als Ozelot und Schneeleopard, nicht in ihrem Bestand bedroht sind, müssen auch sie zur Herstellung von Pelzen leiden und sterben. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Preis für einen Pelz – gleich, ob Mantel, Mütze oder Muff – auch in Zukunft der weit überwiegenden Mehrheit der Menschen zu hoch sein wird. ***Literatur:** * Frommhold, D. (2007): Füchse im Fadenkreuz – über Sinn und Unsinn der Fuchsjagd Gleber, N. (2008), Konzept „Friendly Soiree“. Hempel, S. (2008): Kann denn ein Pelzkragen Öko sein? Die Welt Online, 14.02.2008. Park Avenue, Ausg. September 2008 Tierrechtsinitiative Rhein-Main e.V. (2008), “Fur and Fashion ade”. Pressemeldung, 30.06.2008 *Wilke, S. (2008): Rotfuchs für Umweltbewusste: Fell aus deutschem Wald. Stern, Ausg. 52/2008* --- title: Die Räude und das Jägerlatein- Töten für die Tiergesundheit? date: 2026-01-20 url: https://fuechse.info/flyer-und-artikel-ueber-fuechse-und-jagd-fuchsjagd/fuechse-raeude-fuchsjagd-kontraproduktiv/ --- # Die Räude und das Jägerlatein: Töten für die Tiergesundheit? *Dag Frommhold, 2014* *Während Tier- und Naturschützer mehr Schutz für Meister Reineke fordern, behaupten Jagdverbände, man müsse Füchse intensiv bejagen. Immer häufiger führen sie als Argument dafür die Bekämpfung der Räude ins Feld. Einer kritischen Betrachtung hält diese Sichtweise jedoch nicht statt. Tatsächlich dürfte es vielmehr die Lust an der Fuchsjagd sein, die Waidmänner dazu motiviert, gegen den Schutz von Füchsen Sturm zu laufen.* In mehreren Bundesländern sind derzeit Novellierungen der Landesjagdgesetze im Gang oder zumindest in Vorbereitung. Dabei wird unter anderem darüber diskutiert, besonders grausame Jagdarten wie die Fallen- und die Baujagd zu verbieten, die für die Tötung von Füchsen nahezu bundesweit noch Gang und Gäbe sind. Auch die Einführung bzw. Ausweitung von Schonzeiten scheint auf dem Verordnungsweg in mehreren Bundesländern denkbar. *Räudekranker Fuchs im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit * *(Bild: TinyPackages/flickr)* Alles in allem handelt es sich dabei letztlich um überschaubare Zugeständnisse an den Tier- und Naturschutz – das von vielen Verbänden geforderte vollständige Verbot der Jagd auf Beutegreifer ist bislang in keinem Bundesland geplant. Dennoch kämpft die Jägerschaft mit harten Bandagen gegen jede noch so geringfügige Verbesserung des Schutzes ihres Beutekonkurrenten Reineke. Als Argument wird dabei immer häufiger ins Feld geführt, dass intensive Fuchsbejagung zur Bekämpfung der Räude unerlässlich sei. Bei der Räude handelt es sich um eine von Milben verursachte Hauterkrankung, die bei Haustieren und auch dem Menschen leicht behandelbar ist, bei wild lebenden Füchsen jedoch lebensgefährlich sein kann. Die Bejagung des Fuchses reduziere die Auftretenshäufigkeit der Räude und trüge insofern dazu bei, Fuchsbestände gesund zu halten. Als die saarländische Jamaika-Koaltion beispielsweise 2010 eine sechsmonatige Schonzeit für Füchse etablierte, malten die Saarjäger Schreckensszenarien explodierender Fuchsbestände und ausufernder Räudeepidemien an die Wand. Zwei Jahre später meldeten sie dann tatsächlich, dass die Füchse sich durch Einführung der Jagdruhe stark vermehrt hätten und infolgedessen die Räude zugenommen habe. ***Sinkende Fuchsdichten statt „Bestandsexplosion“*** Allerdings gibt es überhaupt keine Daten, die diese Thesen untermauern. Im Gegenteil: Die Anzahl der getöteten Füchse, die bei konstantem Jagddruck als Indikator für die Bestandsdichte gelten kann, ist seit Inkrafttreten der Schonzeit deutlich gesunken. Wurden 2009/2010 im Saarland noch 4.701 Füchse von Jägern getötet, so waren es 2010/2011 nur noch 3.559. Könnte man bis dahin noch argumentieren, die geringere Fuchsstrecke sei der gesunkenen Bejagungsintensität geschuldet, so zeigt sich auch in den Folgejahren eine konstante bis rückläufige Gesamtpopulation anstelle der prognostizierten Bevölkerungsexplosion: 2011/2012 fielen Jägern 2.890 Tiere zum Opfer, 2012/2013 – einem Jahr mit viel Schnee und sehr günstigen Jagdbedingungen – lag die Fuchsstrecke etwa auf demselben Niveau wie 2010/2011, und 2013/2014 konnten die Jäger nicht einmal mehr 2.000 Füchse töten. Auch von Wildtierstationen wurde gemeldet, dass tendenziell weniger verwaiste Jungfüchse abgegeben wurden. Damit zeigt sich auch im Saarland, was wissenschaftliche Studien ebenso wie Beobachtungen in jagdfreien Gebieten schon seit geraumer Zeit belegen: Weniger Fuchsjagd bedeutet keineswegs mehr Füchse. Tatsächlich weisen stark bejagte Fuchspopulationen deutlich höhere Geburtenraten auf als Füchse, denen nicht nachgestellt wird. Auf der einen Seite bedeutet dies, dass man Füchse mit jagdlichen Mitteln überhaupt nicht reduzieren kann, weil die Verluste rasch durch mehr Nachwuchs kompensiert werden. Auf der anderen Seite nehmen Fuchsbestände aber – anders, als es von der Jägerschaft behauptet wird – eben auch nicht zu, wenn sie nicht oder mit geringerer Intensität bejagt werden. ***Vier nachgewiesene Räudefälle in sechs Monaten*** Dennoch ist die Jägerschaft sich nach wie vor nicht zu schade, an ihrer offenkundig falsifizierten These festzuhalten. Und das gilt nicht nur für die vermeintliche „Bestandsexplosion“ des Fuchses, sondern auch für die angebliche Zunahme der Räude. Als das saarländische Landesamt für Verbraucherschutz, aufgeschreckt von den Behauptungen der Saarjäger, zur Einsendung aller räudeverdächtigen Tiere aufforderte, konnte die Jägerschaft trotz massiver Mobilisierung ihrer Mitglieder innerhalb von sechs Monaten gerade einmal 13 räudeverdächtige Füchse vorweisen. Davon erwiesen sich wiederum nur vier als tatsächlich erkrankt. Auch hier erfolgte kein demütiges Eingeständnis der eigenen Fehleinschätzung, sondern stattdessen gebetsmühlenhaftes Wiederholen des alten Jägerlateins. ***Jagd: Zur Bekämpfung von Wildseuchen kontraproduktiv*** Dabei ist die Jagd als Mittel zur Bekämpfung von Wildtierseuchen gerade beim Fuchs eher kontraproduktiv: Durch den Anstieg der Geburtenraten wächst der Anteil an Jungfüchsen in stark bejagten Revieren. Da Jungfüchse im Herbst auf Reviersuche gehen und dabei oft kilometerweit wandern, sind sie es meist, die Krankheiten erst in neue Gebiete einschleppen. Fakt ist zudem, dass die Räude schon seit Jahrzehnten in unregelmäßigen Abständen lokal aufflackert. Dabei zeigt sich, dass vor allem geschwächte Füchse besonders anfällig für eine Infektion sind. Neben Parasiten, Krankheiten oder Nahrungsmangel kann auch hoher Jagddruck die Konstitution der Tiere beeinträchtigen. So zeigen verschiedene Studien, dass beim Tod eines Fuchsrüden, der seine Familie mit Nahrung versorgt, der körperliche Zustand sowohl der Füchsin als auch der Welpen erheblich beeinträchtigt werden kann. Auch dies legt eine kontraproduktive Wirkung der Fuchsjagd nahe. *Füchse mit guter Konstitution können die Räude ausheilen (Foto: sara/flickr)* ***Räuderesistente Fuchspopulationen*** Mittlerweile gibt es übrigens mehrere Belege dafür, dass sich – insbesondere nach einem Räudezug – Fuchsbestände herausbilden, die weitgehend gegen die Räude resistent sind. Nur bei einem kleinen Teil dieser Tiere treten tatsächlich Symptome auf. Jäger können einem Fuchs eine eventuelle Räuderesistenz jedoch nicht ansehen und töten somit wahllose resistente Tiere ebenso wie für den Parasiten anfällige. Infolgedessen wird der sich aus der Resistenz ergebende Überlebensvorteil eliminiert, was abermals dem Ziel der Reduktion von Räudefällen zuwiderlaufen dürfte. ***Räude seltener als vermutet*** *Fuchsjagd als Dienst an der Tiergesundheit? (Bild: Sandro+Bianka Pelli)* – **Vorschaubild** Wie verbreitet die Räude in Fuchspopulationen tatsächlich ist, wurde bislang kaum systematisch untersucht. Derzeit laufen Forschungsprojekte in Bayern, die Antworten auf diese Frage geben sollten; in Baden-Württemberg wurde 2005 die bisher umfangreichste Erfassung von Räudefällen in Deutschland vorgenommen. Hier zeigte sich, dass von 2.481 untersuchten Füchsen nur etwa drei Prozent tatsächlich in Kontakt mit Räudemilben gekommen waren. Als Haut und Fell dieser etwa 80 Tiere genauer untersucht wurden, stellte sich heraus, dass nur vier von ihnen tatsächlich äußere Merkmale einer Räudeerkrankung aufwiesen. Hochgerechnet bedeutet dies, dass von 10.000 baden-württembergischen Füchsen etwa 300 räudepositiv waren und gerade einmal 15 von ihnen auch Symptome zeigten. Diese Zahlen legen nahe, dass die tatsächliche Verbreitung der Räude weit überschätzt wird, und dass die Jagdverbände sie wie zuvor Tollwut und Fuchsbandwurm instrumentalisieren, um in Bevölkerung und Politik Rückhalt für die Bejagung des Fuchses zu gewinnen. Insbesondere sollen Weiterentwicklungen der Jagdgesetze hin zu mehr Tierschutz – etwa in Form von Schonzeiten oder dem Verbot besonders grausamer Jagdarten – verhindert werden. Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die Jagdverbände, dass sie dabei auch vor gezielter Fehlinformation der Öffentlichkeit und höchst manipulativer Panikmache nicht Halt machen. ***Räude: Feigenblatt für andere Motive zur Fuchsjagd*** Dass es bei der Fuchsjagd letztlich um etwas ganz anderes als den Kampf gegen Wildtierseuchen geht, zeigen beispielsweise Jagdforen im Internet, in den Jäger sich stolz mit ihrer blutigen Beute – ob Altfuchs oder Welpe – präsentieren. Vor den Augen einer immer kritischeren Öffentlichkeit dürfte Jagdlust aber kaum als Argument für die massenhafte Tötung von Füchsen bestehen können. ***Literatur:** *1. *Constantin, E.-M. (2005): Epidemiologische Untersuchung zur Verbreitung der Räude beim Rotfuchs (Vulpes vulpes) in Baden-Württemberg. Dissertation, Berlin.* *2. Davidson, R.; Bornstein, S.; Handelanda, K. (2008): Long-term study of Sarcoptes scabiei infection in Norwegian red foxes (Vulpes vulpes) indicating host/parasite adaptation. Veterinary Parasitology, Vol. 267(3-4)* 3. *Vergara, V. (2001): Comparison of parental roles in male and female Red Foxes, Vulpes vulpes, in southern Ontario. Canadian Field Naturalist, Vol. 115(1)* 4. *Zabel, C.J. (1986): Reproductive Behavior of the Red Fox (Vulpes vulpes): A Longitudinal Study of an Island Population* --- title: Ein paar Worte über mich... date: 2026-03-30 url: https://fuechse.info/startseite/fuechse-info-ueber-dag-frommhold/ --- # Ein paar Worte über mich... *Dag Frommhold (Foto: Melanie Schneider Fotografie)* Ich wurde zwar in Nordrhein-Westfalen geboren, lebe aber schon seit langem im schönen „Ländle“ Baden-Württemberg. Gemeinsam mit meiner Frau und meiner Tochter wohne ich dort an den malerischen Weinbergen einer Mittelstadt. Ich bin studierter Diplom-Psychologe, habe aber schon während meines Studiums eine Karriere als Unternehmer, Entwickler und Manager im IT-Bereich begonnen. Nachdem ich ein international erfolgreiches Software-Unternehmen mitgegründet und schließlich verkauft habe, bin ich heute als Vice President of Engineering und Leiter eines Forschungs- und Entwicklungsstandorts bei einem weltweit bekannten IT-Konzern tätig. Füchse haben mich schon immer fasziniert – im zarten Alter von fünf Jahren hielt ich in krakeliger Blockschrift meine ersten Kurzgeschichten über Füchse für die Nachwelt fest; später begann ich, sie zu beobachten und alles über sie zu lesen, was mir vor die Nase kam. Klar, wenn man sich für Füchse interessiert, stößt man früher oder später auch auf das Thema Jagd, und als mir bewusst zu werden begann, was das für meine Freunde in Wald und Feld eigentlich tagtäglich bedeutet, begann ich, mich im Wildtierschutz zu engagieren. Die Füchse haben mich seitdem nicht losgelassen – ganz im Gegenteil. Gemeinsam mit einigen Mitstreitern habe ich etwa das Aktionsbündnis Fuchs ins Leben gerufen, eine von mehr als 70 Tier- und Naturschutzorganisationen unterstützte Kampagne für den Schutz von Füchsen. Als Ansprechpartner für die Themenbereiche Füchse und Beutegreiferbejagung arbeite ich mit einer Reihe von Organisationen und Initiativen zusammen, schreibe Artikel oder arbeite an Broschüren mit. Außerdem habe ich gemeinsam mit Daniel Peller das Buch „Die Weisheit der Füchse“ verfasst, in dem wir uns auf unterhaltsame und zugängliche Weise dem Faszinosum Fuchs widmen. --- title: Einjähriges Jagdverbot auf Füchse in Luxemburg- Jagdlobbyismus gegen Reineke date: 2022-10-20 url: https://fuechse.info/flyer-und-artikel-ueber-fuechse-und-jagd-fuchsjagd/fuchsjagdverbot-luxemburg-protest-jagdverbaende/ --- # Einjähriges Jagdverbot auf Füchse in Luxemburg: Jagdlobbyismus gegen Reineke *Dag Frommhold, 2015* *Seit dem 1.4.2015 ist die Fuchsjagd in Luxemburg für zunächst ein Jahr verboten – das zuständige Ministerium sieht für die Tötung von Füchsen in Wald und Feld keinen vernünftigen Grund. Bisher kamen vor den Flinten der Jägerschaft im Großherzogtum etwa 3.000 Füchse im Jahr zu Tode. Doch die FSHCL, Verband der luxemburgischen Jäger, will sich das Jagdvergnügen auf Meister Reineke nicht so einfach verbieten lassen und versucht, mit Panikmache und abstrusen Behauptungen Druck auf die Regierung aufzubauen.* *Für ein Jahr Ruhe vor Nachstellungen: Füchsin mit Jungfuchs * *(Bild: Fabien Gagnon)* Um Unterstützung in Politik und Öffentlichkeit zu gewinnen, malt die FSHCL in einer öffentlichen Stellungnahme Schreckensszenarien ausufernder Fuchsbestände und um sich greifender Wildseuchen an die Wand. Bereits ein kurzer Blick auf die Erfahrungen in (fuchs)jagdfreien Gebieten sowie wissenschaftliche Erkenntnisse zur Populationsdynamik des Fuchses entlarvt diese Behauptungen jedoch allesamt als Jägerlatein. ***Jagdfreie Gebiete: Keine Bestandssteigerung*** Zunächst einmal kommt es bei der Reduktion oder Einstellung der Fuchsjagd keineswegs zu einer dramatischen Bestandssteigerung – zu sehen ist das an Orten, an denen Meister Reineke tatsächlich nicht mehr bejagt wird, etwa in Nationalparks und Schutzgebieten, den Dünengebieten Nordhollands oder dem Schweizer Kanton Genf. Überall dort blieb die Populationsdichte des Fuchses nach der Einstellung der Jagd konstant. Als im Saarland 2010 eine sechsmonatige Schonzeit für die ansonsten ganzjährig bejagten Füchse eingeführt wurde und die Jägerschaft sich mit ähnlich düsteren Prognosen wie nun in Luxemburg an die Öffentlichkeit wandte, zeigte sich in den Folgejahren sogar ein tendenziell sinkender Fuchsbestand. Auf der anderen Seite hat selbst intensive Jagd offensichtlich keinen nachhaltigen Einfluss auf die Fuchsdichte: In Deutschland etwa werden kontinuierlich gut eine halbe Million Füchse im Jahr getötet, ohne dass der Bestand dadurch sinken würde. Und selbst als man in den 1970er Jahren dem Fuchs als Tollwutüberträger mit allen Mitteln den Krieg erklärte und ganze Fuchsfamilien in ihren Bauen vergaste, gelang es dadurch nicht, die Fuchsdichte zu reduzieren. ***Soziale Bestandsregulierung*** *„Geburtenbeschränkung statt Massenelend“ (Bild: Fabien Gagnon)* Zurückzuführen ist dies auf die flexible Sozialstruktur des Rotfuchses: Werden Füchse nicht bejagt, leben sie in stabilen Familiengemeinschaften zusammen, in denen nur die älteste Füchsin Nachwuchs bekommt. „Geburtenbeschränkung statt Massenelend“, kommtierte der Biologe Erik Zimen dieses Phänomen. Greift nun jedoch der Mensch mit Flinte und Fallen in dieses System ein, zerbrechen die Familiengemeinschaften durch die Tötung einzelner Mitglieder; nahezu jede Füchsin wird schwanger, und die Geburtenrate steigt an. Wie Studien zeigen, ist darüber hinaus auch die durchschnittliche Wurfgröße in bejagten Gebieten deutlich höher: zwei bis vier Welpen in unbejagten Fuchspopulationen stehen bis zu acht in stark bejagten Gebieten gegenüber. Dadurch können einerseits Verluste von bis zu zwei Dritteln des Herbstbestandes kompensiert werden, andererseits wächst die Fuchspopulation aber auch nicht dramatisch an, wenn man die Jagd unterbindet. Der von der Jägerschaft prognostizierte Anstieg der Fuchsdichte um Faktor 2 oder 3 ist also schlicht unseriös und als vorsätzliche Täuschung der Öffentlichkeit zu betrachten. Allein schon aus diesem Grund ist die gesamte vom FSHCL präsentierte Liste vermeintlicher Folgen einer solchen Bestandsexplosion hinfällig. Im Folgenden soll trotzdem kurz auf die einzelnen Behauptungen der luxemburgischen Jägerschaft eingegangen werden. ***Fuchsjagd lässt das Infektionsrisiko für Menschen ansteigen*** **1. Dass Fuchsjagd einen Beitrag zur Eindämmung der afrikanischen Schweinepest leisten kann, ist schlichtweg eine unbewiesene Behauptung, die zudem offenkundig der Faktenlage widerspricht.** Zunächst einmal können sich Füchse sich mit dieser Krankheit gar nicht infizieren. Dagegen gelten als Hauptrisiken für die Verbreitung der afrikanischen Schweinepest Transport und Einfuhr von Produkten aus nicht durchgegartem Fleisch oder Schlachtabfällen. Wenn Jäger also beispielsweise illegal Fleischreste von Nutztieren zum Anlocken von Beutegreifern einsetzen, besteht darin ein nicht unerhebliches Infektionsrisiko für Wildschweine. Wenn man unterstellt, dass Aasfresser die Schweinepestviren an Fell oder Pfoten in neue Gebiete einschleppen, würde die Jagd sogar kontraproduktiv wirken: Wie eingangs erläutert, lässt Bejagung die Reproduktionsraten in die Höhe schnellen. Dadurch wird der Anteil an Jungtieren an der Gesamtpopulation deutlich erhöht. Gerade diese Jungtiere sind es jedoch, die sich im Herbst auf die Suche nach einem eigenen Revier machen, auf ihren Wanderungen viele Kilometer zurücklegen und Seuchen damit oft erst in neue Gebiete tragen. Aus diesem Grund breitete sich in den 1970er und 1980er Jahren die Tollwut auch mit zunehmender Geschwindigkeit aus. **2. Am Fuchsbandwurm zu erkranken ist extrem unwahrscheinlich** – selbst in Gebieten, in denen ein großer Anteil der Füchse Echinococcus multilocularis in sich trägt. Deutschlandweit infizieren sich pro Jahr etwa 20 bis 30 Menschen mit dem Fuchsbandwurm. Damit ist es wahrscheinlicher, vom Blitz getroffen zu werden oder bei einem Jagdunfall zu Schaden zu kommen, als an Echninokokkose zu erkranken. Hauptursache für diese Infektionen ist dabei übrigens der Kontakt mit unzureichend entwurmten Haustieren. Entgegen den Behauptungen der Jägerschaft zeigen wissenschaftliche Studien übrigens, dass trotz wachsender Befallsraten mit dem Fuchsbandwurm seit 1990 keine Zunahme der Krankheitsfälle beim Menschen zu verzeichnen ist. Grund dafür ist das gewachsene Hygienebewusstsein und insbesondere die bessere Entwurmung von Haustieren. Durch dieselben Mechanismen, die bereits im Hinblick auf die Schweinepest angeführt wurden, begünstigt die Jagd die Ausbreitung des Fuchsbandwurms sogar. Auch wenn man Füchse durch das Auslegen geeigneter Ködern entwurmen möchte, ist die Jagd kontraproduktiv: Jagddruck lässt die Wanderbewegung in Fuchspopulationen ansteigen, wodurch Füchse von außen in das beköderte Gebiet eindringen und dabei den Fuchsbandwurm wieder einschleppen. **3. Was Fuchsjagd in Bezug auf die Tollwut ausrichtet, haben wir in Mitteleuropa in den 1970er und 1980er Jahren schmerzhaft erfahren müssen:** Gerade als Füchse intensiver denn je zuvor bejagt wurden, stieg die Fuchspopulation an; die Tollwut breitete sich infolge wachsender Reproduktionsraten und zunehmender Wanderbewegungen immer schneller aus. Die Schweizerische Tollutzentrale konstatierte schließlich, dass das Töten von Füchsen keine geeignete Maßnahme zur Bekämpfung der Tollwut sei. Erst durch den flächendeckenden Abwurf von Impfködern aus Flugzeugen konnte die Tollwut auf ebenso tierfreundliche wie effiziente Weise eliminiert werden, so dass die meisten Länder Mitteleuropas inzwischen seit vielen Jahren tollwutfrei sind. Die Handauslegung von Ködern durch Jäger zeigte sich dagegen weit weniger effektiv – nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass Beteiligung und Motivation vieler Jäger zu wünschen übrig ließen. **4. Jäger machen immer wieder den Fuchs für den Rückgang bedrohter Arten verantwortlich. Dabei stellt sich die Frage, warum die Waidmänner selbst jedes Jahr mehr als eine Viertelmillion Hasen und mehrere Tausend Rebhühner erlegen** – Wildtiere, die in der „Roten Liste“ der gefährdeten Arten stehen. Zusätzlich schreckt die Jagd auch Wildtiere auf, die selbst nicht geschossen werden, und schadet dadurch auch bedrohten Arten. Dagegen wird keine Tierart in Mitteleuropa durch den Fuchs im Bestand bedroht – vielmehr ist die fortschreitende Zerstörung sensibler Lebensräume dafür verantwortlich. Nur die Renaturierung dieser Habitate wird bedrohten Arten vom Hasen bis zu Bodenbrütern letztlich helfen können. Da eine Reduktion des Fuchses mit jagdlichen Mitteln ohnehin nicht möglich ist, gibt es auch keinen Anlass zu der Annahme, dass die flächendeckende Fuchsjagd bedrohten Arten hilft. Dadurch, dass Jäger die Schuld an der schwierigen Situation vieler Wildtierarten auf Beutegreifer wie den Fuchs schieben, lenken sie von eigener Mitschuld ab – und versuchen gleichzeitig die Jagd auf Füchse zu rechtfertigen. *Erschossene Füchse nach revierübergreifender Fuchsjagd (Bild: S.+B.Pelli) *– **Vorschaubild** **5. Die Behauptung der Jägerschaft, Fuchsjagd sei „Tierschutz“ und diene durch die Gesunderhaltung der Bestände auch den Füchsen selbst, ist an Zynismus kaum zu überbieten.** Die Fuchsjagd zerstört Familienverbände, verwandelt Populationen mit stabilen Sozialstrukturen in ein ständigen Umwälzungen unterworfenes, konfliktträchtiges soziales Chaos. Die meisten Füchse sterben in intensiv bejagten Populationen noch in ihrem ersten Lebensjahr, und Studien zeigen, dass selbst bei der vergleichsweise ruhigen Ansitzjagd nur etwa jeder zweite Schuss sofort tötet – die übrigen Tiere entkommen schwer verletzt und sterben zumeist qualvoll. Bei Treibjagden, auf denen in Luxemburg die meisten Füchse getötet werden, dürfte die Quote noch deutlich schlechter aussehen. Dass die Kugel eines Jägers ein „gnädigerer“ Tod sei als Krankheiten oder Hunger, gehört also ins Reich des Jägerlateins. Zudem sterben bei intensiver Bejagung infolge steigender Reproduktionsraten in Summe weitaus mehr Tiere als in unbejagten Gebieten. Das Ausmaß des Leides in bejagten Fuchspopulationen ist also ungleich größer als in jagdfreien Gebieten. ***Keine Argumente für die Beibehaltung der Fuchsjagd*** Die argumentative Position der Jägerschaft in dieser Debatte ist also äußerst schwach – es gibt kein nach wissenschaftlichen Kriterien haltbares Argument für die Beibehaltung der flächendeckenden Fuchsjagd. Wer jedoch Lustgewinn dabei empfindet, Füchse zu töten, wird Argumenten kaum zugänglich sein. Selbst als nach Einführung der sechsmonatigen Fuchsschonzeit im Saarland eindeutige Belege für stagnierende Populationsdichten vorlagen, sprachen die dortigen Jäger noch von ausufernden Fuchsbeständen und um sich greifenden Räudeepidemien. Das zuständige Ministerium forderte die Jäger schließlich auf, jeden räudeverdächtigen Fuchs einzusenden – mit dem Ergebnis, dass in sechs Monaten gerade einmal 13 Füchse zusammenkamen, von denen vier (!) tatsächlich an der Räude erkrankt waren. Zum Schweigen brachte auch dieses peinliche Ergebnis die Jäger nicht. Und nachdem die Regierungskoalition mit grüner Beteiligung im Saarland zerbrochen und durch ein schwarz-rotes Bündnis ersetzt worden war, gaben jagdfreundliche Politiker schließlich dem permanenten Druck des Jagdverbands nach und verkürzten die Fuchsschonzeit kurzerhand auf vier Monate – ohne dass es dafür eine vernünftige Begründung gegeben hätte. Es ist daher zu erwarten, dass auch die luxemburgischen Jäger sich weiterhin haarsträubender Panikmache und unbewiesener bzw. unbeweisbarer Behauptungen bedienen werden, um die Fuchsjagd so schnell wie möglich wieder zu etablieren. Nach wissenschaftlichen Kriterien haltbare Belege für ihre Thesen werden sie nicht liefern können. Es ist zu hoffen, dass die zuständigen Politiker in Luxemburg an ihrer wichtigen und richtigen Entscheidung festhalten und dem Druck der auch in Luxemburg sehr einflussreichen Jägerschaft nicht nachgeben werden. ***Luxemburg: Europäischer Vorreiter im Wildtierschutz*** Für den Schutz von Wildtieren und Natur in Deutschland und anderen europäischen Ländern ist die Entscheidung Luxemburgs indes richtungsweisend: Sie zeigt, dass man sich bei politischen Entscheidungen zum Thema Jagd und Natur auch an biologischen Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren kann, statt sich den Abschussinteressen einer kleinen, aber mächtigen Lobby zu unterwerfen. Zur Erinnerung: In den meisten deutschen Bundesländern hat der Fuchs nicht einmal eine Schonzeit; selbst grausamste Jagdarten wie die Fallenjagd oder die Baujagd sind in fast ganz Deutschland noch zulässig, und schon Welpen werden am elterlichen Bau zu zehntausenden von Jägern erschossen oder in Fallen gefangen und dann erschlagen. Umso bemerkenswerter und wichtiger ist der Schritt, den Luxemburg unter der Federführung des Staatssekretärs Camille Gira nun gegangen ist. ***Literatur: *** ***Populationsdynamik:** *1. P. Baker, S. Harris, C. Webbon: Effect of British hunting ban on fox numbers, Nature 2002; 419 (6902) 2. M.J.Heydon, J.C.Reynolds: Demography of rural foxes (Vulpes vulpes) in relation to cull intensity in three contrasting regions of Britain. Journal of Zoology, London (2000), 251 3. J.Bellebaum, „Bestandsentwicklung des Fuchses in Ostdeutschland vor und nach der Tollwutimpfung“, Zeitschrift für Jagdwissenschaften, Springer Verlag, Berlin/Heidelberg 2003, Vol. 49, 41-49 4. J.-S. Meia, Organisation sociale d’une population de renards (Vulpes vulpes) en milieu montagnard, Dissertation, Université de Neuchâtel, 1994 5. T. Kaphegyi, Untersuchungen zum Sozialverhalten des Rotfuchses (Vulpes vulpes L.), Dissertation, Forstwissenschaftliche Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Brsg, Freiburg im Breisgau, 2002 6. Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald (Hrsg.), Rotfuchs und Dachs – Raumnutzungsverhalten und Habitatwahl, Wissenschaftliche Schriftenreihe Heft 18, 2009 7. D. Macdonald, Unter Füchsen – Eine Verhaltensstudie. Knesebeck, München 1993 ***Tollwut:** *1. W. Berberich, W.d`Oleire-Oltmanns, Das Raum-Zeit-System des Rotfuchses, Forschungsbericht Nr. 17 der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden, 1989 2. D. Eisinger, H.-H. Thulke, T. Selhorst, T. Müller, Emergency vaccination of rabies under limited resources – combating or containing? BMC Infectious Diseases, 2005, 5:10 3. T.Müller et al., SURVIS: a fully-automated aerial baiting system for the distribution of vaccine baits for wildlife, Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift 125, Heft 5/6 (2012) 4. D. Macdonald, Unter Füchsen – Eine Verhaltensstudie. Knesebeck, München 1993 ***Fuchsbandwurm:** *1. D. Hegglin, P. I. Ward, P. Deplazes, Anthelmintic Baiting of Foxes against Urban Contamination with Echinococcus multilocularis, Emerging Infection Diseases 2003; 9(10) 2. T. Sréter, Z. Széll, Z. Sréter-Lancz, I. Varga: Echinococcus multilocularis in Northern Hungary. Emerging Infectious Diseases, 2004 3. P. Kern, K. Bardonnet, E. Renner, H. Auer, Z. Pawlowski, R.W. Ammann, D.A. Vuitton, P. Kern, and the European Echinococcosis Registry: European Echinococcosis Registry: Human Alveolar Echinococcosis in Europe, 1982–2000. Emerging Infectious Diseases, Vol. 9, No. 3, March 2003 4. P. Deplazes, D. Hegglin, S. Gloor and T. Romig: Wilderness in the city: the urbanization of Echinococcus multilocularis. TRENDS in Parasitology Vol.20 No.2 February 2004 5. A. König, T. Romig, Bericht an die Gemeinden des Landkreises Starnberg sowie die Gemeinden Neuried und Planegg über das Projekt Kleiner Fuchsbandwurm im Bereich der Gemeinden im Landkreis Starnberg sowie den Gemeinden Neuried und Planegg im Landkreis München, 2007 ***Einfluss auf andere Tierarten:** *1. Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald (Hrsg.), Rotfuchs und Dachs – Raumnutzungsverhalten und Habitatwahl, Wissenschaftliche Schriftenreihe Heft 18, 2009 2. W. Teunissen; H. Schekkermann, F. Willems (2005): Predatie bij weidevogels. Op zoek naar de mogelijke effecten van predatie op de weidevogelstand. Gutachten im Auftrag von Sovon ogelonderzoek Nederland, Alterra 3. H. Hötker, H. Jeromin, K.-M. Thomsen, Aktionsplan für Wiesenvögel und Feuchtwiesen – Endbericht -, 2007 4. T. Langgemach, J. Bellebaum, Prädation und der Schutz bodenbrütender Vogelarten in Deutschland, VOGELWELT 126: 259 – 298 (2005) 5. S. Junker, H. Düttmann, R. Ehrnsberger, Nachhaltige Sicherung der Biodiversität in bewirtschafteten Grünlandgebieten Norddeutschlands am Beispiel der Wiesenvögel in der Stollhammer Wisch, Studie der Hochschule Vechta, Deutsche Bundesstiftung Umwelt, 2011 6. E. Gottschalk, W. Beeke: Ein kurzer Leitfaden für ein Rebhuhnschutzprojekt nach unseren Erfahrungen im Landkreis Göttingen, Abteilung Naturschutzbiologie der Universität Göttingen, 2014 7. NABU Landesverband Baden-Württemberg. Auerhühner in Baden-Württemberg – zwischen Lebensraum und Bürokratie. NABU-Stellungnahme zum Aktionsplan Auerhuhnschutz des Landes Baden-Württemberg, 2009 8. D. Macdonald, Unter Füchsen – Eine Verhaltensstudie. Knesebeck, München 1993 ***Tierschutzaspekte:** *1. Fox, N. et al. (2003): Welfare Aspects of Shooting Foxes. All Party Parliamentary Middle Way Group; sowie Fox, N. et al. (2005): Wounding rates in shooting foxes (Vulpes vulpes). Animal Welfare (14) --- title: Englischsprachige Romane über Füchse date: 2026-03-26 url: https://fuechse.info/buecher/buecher-ueber-fuechse-englische-romane/ --- # Englischsprachige Romane über Füchse Besonders England hat eine lange und noch immer lebendige Tradition an Tierromanen. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass es einen reichhaltigen Fundus englischsprachiger Fuchsromanen gibt, von denen ich ein paar hier vorstellen möchte (und ja, die letzten beiden Bücher sind eigentlich keine Romane). Leider wurden bei weitem nicht alle dieser Geschichten, die es verdient hätten, auf deutsch übersetzt – wo es Übersetzungen gibt (etwa bei den Büchern von Colin Dann und Garry Kilworth, oder bei der Foxcraft-Reihe), **habe ich die betreffenden Originaltitel in der Liste deutschsprachiger Romane vorgestellt und sie hier nicht erneut gelistet**. Leider sind manche dieser Werke inzwischen vergriffen. Oft finden sich vergriffene Titel aber noch über das Zentrale Verzeichnis antiquarischer Bücher und andere Plattformen. **Anne Louise Avery, Reynard the Fox ***Bodleyan, 2020* Altersempfehlung: 16+ Anne Louise Avery hat mit dieser Reineke Fuchs-Nacherzählung die vielleicht beste Version der Geschichte geschaffen. Die Autorin baut dafür auf William Caxtons englischer Übersetzung von 1481 auf, modernisiert sie behutsam und ergänzt sie mit vielen Details und Ausschmückungen, lässt sie inhaltlich jedoch weitgehend unangetastet. Wer sich – ob noch einmal oder zum ersten Mal – auf die Spuren Reinekes begeben möchte, ist mit Averys Geschichte über diesen weltbekannten subversiven, verwegenen, anarchischen, aristokratischen, schlauen und, ja, auch ziemlich skrupellosen Fuchs definitiv gut bedient. Die Themen sind jedenfalls heute nicht weniger aktuell als im 15. Jahrhundert. **Brian Carter, A Black Fox Running ***Bloomsbury, 2018* Altersempfehlung: 16+ „A Black Fox Running“ erschien ursprünglich 1981, wurde aber 2018 von Bloomsbury neu aufgelegt. Es erzählt die Geschichte von Wulfgar, einem Fuchs mit dunklem, fast schwarzem Fell, und seinem Erzfeind und Jäger, dem Fallensteller Scoble mit seinem Jagdhund. Sie spielt im kalten Winter des Jahres 1947. Scoble ist aus dem Krieg versehrt zurückgekehrt; er ertränkt seinen Schmerz in Alkohol und projiziert all seine Frust und seine Wut über sein Schicksal auf Füchse. Während Wulfgar dem Winter trotzen muss und um das Überleben seiner Familie kämpft, stellt Scoble ihm nach, besessen von dem unstillbaren Verlangen, Wulfgar zu töten. Carters Beschreibungen der Natur und ihrer Bewohner sind mal poetisch, mal atemberaubend intensiv, und manchmal auch beides zugleich. **Kate Dreyer, The Fox of Richmond Park** *Unbound, 2017* Altersempfehlung: 12+ Vince ist ein Fuchs aus dem titelgebenden Richmond Park, und er macht gerade einiges durch. Sein Bau wird von den örtlichen Machthabern aus Furcht vor einer Rebellion zerstört, die Liebe seines Lebens hat ihr Herz an einen anderen Fuchs verloren, und die einzige, die noch zu ihm hält, ist eine Elster. Also beschließt er, das ehemalige Zuhause seiner Großeltern zu finden – irgendwo inmitten von London. Doch während Vince sich den Gefahren der Großstadt stellt, eskaliert die Situation im Richmond Park, und seine alten Freunde geraten in Gefahr. **C.W. Nicol, The Raven’s Tale** *Harbor, 1992* Altersempfehlung: 12+ „The Raven’s Tale“ ist in Japan ein Bestseller. Die englischsprachige Version erschien ursprünglich 1940 und wurde 1993 neu aufgelegt. Der alte Rabe Gon erzählt darin die Geschichte eines jungen Fuchses, dessen Schicksal zunächst besiegelt scheint, denn er ist mit der Pfote in ein Tellereisen geraten. Doch der Fuchs beweist eisernen Lebenswillen und beißt sich die eigene Pfote ab, um zu entkommen. Derart gehandicapt, ist er auf Verbündete angewiesen, um in der Arktis zu überleben. The Raven’s Tale ist eine spannende, emotionale Geschichte. Das Buch ist leider schwer zu bekommen, aber es lohnt sich! **Cherrie Mason, Wild Fox – a true Story** *Down East Books, 1993* Altersempfehlung: 6+** ** Die wahre Geschichte von Vicky, einem durch eine Falle verstümmelten Fuchs, der mit der Autorin des Buches Freundschaft schloß. Die Geschichte geht zu Herzen; die Illustrationen sind wirklich einzigartig und laden mit vielen Details dazu ein, sich das Buch wieder und wieder anzuschauen. **S**cott Goodall, John Stokes, Marney the Fox *Rebellion, 2017* Altersempfehlung: 8+ Marney the Fox ist ein klassischer britischer Comic-Strip, der ursprünglich von 1974 bis 1976 erschienen ist. Er erzählt vom Überlebenskampf eines verwaisten Fuchswelpen in der englischen Landschaft. Selbst wenn man sich an dem heute etwas altmodisch wirkenden Comic-Stil stört, kann man noch immer in den detailreichen Schwarz-Weiß-Illustrationen von John Stokes versinken. **Linda Zuckerman, A Taste for Rabbit.** *Arthur A. Levine Books, 2007* Altersempfehlung: 10+ In einer Welt, in der Füchse und Kaninchen eigene Zivilisationen aufgebaut haben, müssen der Fuchs Harry und das Kaninchen Quentin ihren Weg durch ein Dickicht aus Macht und Skrupellosigkeit, Freundschaft und Zweckbündnissen finden. **Daniel P. Mannix, The Fox and the Hound** *Longmans, 1968* Altersempfehlung: 14+ Der gleichnamige Disney-Film (auf Deutsch „Cap und Capper“) basiert zwar auf diesem Buch, allerdings nur sehr, sehr lose. Mannix‘ Geschichte ist realistisch, fesselnd und sehr detailreich geschrieben, und in vielerlei Hinsicht brutal und düster. In ihrem Zentrum steht die Feindschaft zwischen dem Jagdhund Copper und dem Fuchs Todd. Coppers Herr, ein leidenschaftlicher Jäger, macht Todd für den Tod seines alten Jagdhundes verantwortlich und richtet Copper gezielt darauf ab, Todd nachzustellen und ihn zu töten. **Alain Vaes, Reynard the Fox** *Turner, 1994* Altersempfehlung: 8+ Eine (für Kinder und Jugendliche geeignete) Interpretation des Reineke-Fuchs-Epos in einem großformatigen Band mit tollen und detalreichen Illustrationen. Die Geschichte wird hier von einem alter Einsiedler erzählt, der von einem jungen König um Rat für eine gerechte Regentschaft gefragt wird. Allerdings nimmt diese Fassung eine etwas andere Wendung als das Original… **Eve Bunting, Red Fox Running** *Clarion Books, 1993* Altersempfehlung: 0+ In lyrischen Versen erzählt dieses Bilderbuch von den Abenteuern eines Rotfuchses im Schnee. Die spektakulären Illustrationen Wendell Minors machen dieses Buch zu etwas ganz Besonderem. **M. Gagné, A Search for Meaning. The Story of Rex (engl.)** *Gagné International Press, Burbank 2002* Altersempfehlung: 6+ Michel Gagnés liebevolle Geschichte über den niedlichen jungen Fuchs Rex, der sich in einer lustigen, gefährlichen, spirituellen und vor allem reichlich skurrilen Welt auf die Suche nach Sinn begibt, ist für Leser jeden Alters (sofern sie des Englischen mächtig sind) ein Riesenspaß. Garantiert! --- title: Englischsprachige Sachbücher über Füchse date: 2026-03-26 url: https://fuechse.info/buecher/buecher-ueber-fuechse-englischsprachige-sachbuecher/ --- # Englischsprachige Sachbücher über Füchse Im englischen Sprachraum sind im Laufe der Jahrzehnte geradezu unüberschaubar viele Sachbücher über Füchse erschienen. Daher kann die folgende Liste bei weitem keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Ich möchte aber zumindest die Bücher kurz vorstellen, die ich für besonders interessant halte. **Wichtig:** Bücher, deren deutsche Ausgabe ich bereits in der Übersicht über deutschsprachige Sachbücher über Füchse vorgestellt habe (z.B. die Titel von David Macdonald und Adele Brand), kommen hier nicht erneut vor. Leider sind manche der aufgeführten Werke inzwischen vergriffen. Oft finden sich vergriffene Titel aber noch über das Zentrale Verzeichnis antiquarischer Bücher und andere Plattformen (ggf. in den USA, Großbritannien oder Irland). **Adele Brand, Fox. A biography of Britain’s natural neighbor ***Self-published**, 2017* Die Biologin Adele Brand ist für ihr in viele Sprachen übersetzes Werk „The Hidden World of the Fox“ (deutsch „Füchse: Unsere wilden Nachbarn“) wohl deutlich besser bekannt. „Fox“ ist das Erstlingswerk der Autorin, die Füchse über Jahrzehnte studiert, fotografiert und gerettet hat. Sie beschreibt darin, wie Füchse es – allen Nachstellungen zum Trotz – mit beeindruckenden Sinnesleistungen, Intelligenz und Anpassungsfähigkeit geschafft haben, in den Wäldern und Siedlungsgebieten des englischen Südostens zu bestehen. **Lucy Jones, Foxes Unearthed. A Story of Love and Loathing in modern Britain ***Elliott & Thompson, 2017* Lucy Jones ist eine britische Autorin und Journalistin, die viel über Wildtierthemen schreibt und die für ihr Buch „Foxes Unearthed“ ausgezeichnet wurde. Sie beschäftigt sich darin mit dem schwierigen und vielschichtigen Verhältnis des Menschen zu Füchsen. Sie beleuchtet die Rolle des Fuchses in der britischen Geschichte, Kultur, und Landschaftsökologie und versucht zu erklären, warumn der Fuchs bei Menschen so starke Emotionen auslöst – im Positiven wie im Negativen. Jones beleuchtet, wie unterschiedliche Gruppen – Tierfreunde, Jäger, Hühnerhalter, Hausbesitzern – Füchse sehen, und stellt Vorurteilen Fakten gegenüber. **Neil Aldridge, Matt Maran, Andy Parkinson: FOX – Neighbour, Villain, Icon ***Hemisphere, 2023* Die drei preisgekrönten Fotografen Neil Aldridge, Matt Maran und Andy Parkinson fotografieren seit über 20 Jahren Füchse und haben mit diesem großformatigen Werk den wahrscheinlich umfassendsten Fuchs-Bildband überhaupt geschaffen. Ihre ebenso eindrucksvollen wie einfühlsamen Bilder zeigen die verschiedensten Facetten füchsischen Lebens und leisten einen wertvollen Beitrag, gängige Vorurteile über Füchse zu zerstreuen. **Karen Smyers, The Fox and the Jewel: Shared and Private Meanings in Contemporary Japanese Inari Worship ***University of Hawai’i Press, 1999* Die Gottheit Inari wird in Japan mindestens seit dem frühen achten Jahrhundert verehrt und ist heute in einer bemerkenswerten Vielfalt von Kontexten präsent: in Shintō-Schreinen, buddhistischen Tempeln, Fabriken, Theatern, Privathaushalten, Restaurants oder auch Schönheitssalons. Der Fuchs als Botentier Inaris spielt dabei fast überall eine zentrale Rolle. Die Autorin Karen Smyers nähert sich in dieser ausführlichen Studie dem Phänomen Inari und der besonderen Bedeutung des Fuchses, die sich bis heute in der japanischen Kultur und im Volksglauben gehalten hat. Wer sich für die Rolle des Fuchses in Kultur, Religion und Mythologie Japans interessiert, findet hier einen reichhaltigen, klug recherchierten Fundus an Fakten und interessanten Anekdoten. **Martin Wallen, Fox** *Reaktion Books, 2006* „Fox“ ist eine intelligente und umfassende Betrachtung des Fuchses im Spiegel menschlicher Kultur. Neben einem kurzen Abriss der füchsischen Naturgeschichte geht Martin Wallen detailliert auf die Rollen ein, die Füchse in unterschiedlichen Kulturen und Mythologien, vor allem aber auch der modernen Gesellschaft spielen. **Jessica Addams & Andrew Miller, Management of the Red Fox (Vulpes Vulpes) in Captivity** *Eckhard H. Hess Institute of Ecology, 2005* Füchse sind Wildtiere und fühlen sich in Freiheit am wohlsten – allzu oft jedoch kommen Füchse als verwaiste Welpen in menschliche Obhut und können später nicht mehr ausgewildert werden. Dieses Buch ist ein idealer, umfassender und fundierter Ratgeber für die Aufzucht und Haltung von Rotfüchsen. **J. David Henry, Foxes – Living on the Edge.** *NorthWord Wildlife Series, 1996* Hübsch bebildertes Buch mit eher übersichtsartiger, aber sehr gut zusammengefasster Information über verschiedene Fuchsarten und ihren Schutz. „Foxes – Living on the Edge“ ist ein guter Einstieg in das Thema Fuchs. **Stephen Harris, Urban Foxes.** *Whittet Books, 1986* Das wohl beste und umfassendte Buch über Stadtfüchse von einem der rennomiertesten Fuchsforscher Europas. „Urban Foxes“ ist gut gegliedert, die Texte sind unterhaltsam und gut verständlich (und oft mit einem Augenzwinkern) geschrieben. Später ist eine Neuauflage des Buchs (in Zusammenarbeit mit Phil Baker) erschienen, die antiquarisch meist leichter zu bekommen ist. **J. David Henry, Red Fox – The Catlike Canine.** *Smithsonian Institution Press, Washington/London 1986* „Red Fox – The Catlike Canine“ enthält eine Reihe interessanter Artikel zur Fuchsbiologie, von denen die meisten trotz ihres Alters noch immer aktuell sind. Der Autor geht dabei insbesondere auf die Frage ein, warum Füchse – obwohl sie biologisch ja eigentlich Hundeartige sind – in vielerlei Hinsicht Katzen so sehr ähneln. **Rebecca L. Grambo, The Nature of Foxes – Hunters of the Shadows.** *Greystone Books, 1995* Ein absolutes „Must Have“ für jeden, der Füchse mag, selbst, wenn er der englischen Sprache nicht mächtig ist. Die überwältigend schönen Fotos wären eines jeden großformatigen Bildbands würdig, und der gleichermaßen engagierte wie informative Text rundet dieses Buch hervorragend ab. **Martin Hemmington, Foxwatching** *Whittet Books, 199*9 „Foxwatching“ ist ein ideales Buch für jeden, der lernen möchte, wie man Füchse am besten beobachtet, ihr Verhalten deutet und ihre Spuren liest. Der Autor Martin Hemmington hat Jahrzehnte an Erfahrung in diesen Disziplinen und teilt nicht nur eine Vielzahl nützlicher Tipps für Wildtierbeobachtungen; seine detaillierten Beschreibungen und die zahlreichen Illustrationen helfen auch dabei, das Verhalten und die Körpersprache der beobachteten Tiere zu deuten. --- title: Feindbild Fuchs date: 2023-01-27 url: https://fuechse.info/flyer-und-artikel-ueber-fuechse-und-jagd-fuchsjagd/feindbild-fuchs/ --- # Feindbild Fuchs *Dag Frommhold, 1996* *Veröffentlicht in „Naturschutz heute“ (1996), der Verbandszeitschrift des Naturschutzbundes Deutschland (NABU)* Was Naturschützer schon lange angesichts der stetig sinkenden Feldhasenbestände forderten, ist seit Dezember 1994 Realität – Meister Lampe ist in die Rote Liste der gefährdeten Tierarten aufgenommen worden. In der Tat stimmt die Entwicklung, die die Populationsdichte des Hasen seit der Nachkriegszeit genommen hat, nachdenklich. Während die bundesdeutschen Jäger noch 1977 mehr als eine Million Hasen schossen, sanken ihre „Strecken“ bis 1993 auf nur unwesentlich mehr als 50% dieses Ergebnisses – wobei die Abschußzahlen weitestgehend proportional zu der Zahl der tatsächlich vorhandenen Tiere sein dürften. Vollkommen geklärt ist dabei für viele Wildbiologen noch immer nicht die Frage, wer oder was für den drastischen Rückgang der Feldhasendichte verantwortlich zu machen ist. Auch das Rheinland-Pfälzische Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau und Forsten schien hierüber keine Klarheit zu besitzen und beauftragte somit das Europäische Wildforschungs-Institut (EWI) in Bonndorf-Glashütte (Saarland) damit, Untersuchungen über den Einfluß von Füchsen auf Hasenpopulationen anzustellen. Überraschung griff schließlich selbst unter Jägern um sich, als das EWI im Januar 1995 mit seinen Ergebnissen an die Öffentlichkeit trat – man konstatierte, der Fuchs drohe den Feldhasen auszurotten und forderte überdies Kopfprämien für Füchse, um den Anreiz zur Fuchsjagd für die Waidmänner zu erhöhen. Doch während große Teile der Jägerschaft sich in Anbetracht des unerwarteten Resultats über den neuen Grund zur eifrigen Jagd auf den Fuchs freuten, standen viele Wissenschaftler und andere Insider den „neuen Erkenntnissen“ von vorneherein kritisch gegenüber. So äußerte beispielsweise der Göttinger Wildbiologe Dr. Eberhard Schneider den Verdacht, das EWI habe bei seinen Untersuchungen bewußt wichtige Literatur ignoriert. Diese Zweifel erscheinen verständlich, wenn man das EWI mitsamt seinen Mitarbeitern genauer unter die Lupe nimmt. So untersteht es der Leitung des Biologen Dr. Heribert Kalchreuter, dessen 1984 in überarbeiteter Neuauflage erschienenes Buch „Die Sache mit dem Waidwerk“ auch von konservativeren Zeitschriften wie dem „Nationalpark“ als „rückschrittlich“ und uneingeschränktes, unkritisches „Plädoyer für die Bejagung freilebender Tiere“ bezeichnet wurde. Kalchreuter ist überdies selbst leidenschaftlicher Jäger, der auch der Trophäenjagd in Afrika frönt, und charakterisierte sich in Interviews wiederholt als „Jagd-Missionar“. Als zweiter Mitarbeiter des EWI ist im „Handbuch Jagd“ des Deutschen Jagdschutz-Verbandes Prof. Paul Müller vom Biogeographischen Institut der Universität des Saarlandes aufgeführt. Auch er ist Jäger und setzt sich vehement selbst für so umstrittene Jagdarten wie die Fallenjagd ein („Wie kann die Fangjagd überleben ?“, Wild und Hund 12/1992). Desweiteren steht das EWI in enger Kooperation mit jagdlichen Organisationen wie der FACE, dem Interessenverband der europäischen Jäger und Fänger. Somit ist es durchaus nicht abwegig, zu vermuten, daß die erwähnte Studie über Fuchs und Hase von vorneherein mit dem Ziel konzipiert wurde, die Fuchsjagd, für die schon seit langem ein chronisches Rechtfertigungsdefizit existiert, wissenschaftlich abzusegnen. Doch die überwiegende Mehrheit der Ökologen und Biologen sehen die Prädation durch Füchse als einzig und allein in Konkurrenz zur jagdlichen „Nutzung“ der Hasenbestände als relevant an. Im Klartext: Füchse können Hasen niemals an den Rand der Ausrottung bringen, doch die Hasen, die von ihnen gerissen werden, stehen für die Jäger nicht mehr zum Abschuß zur Verfügung – in der Jagdzeit können damit weniger Hasen „geerntet“ werden, als es ohne Füchse der Fall wäre. Begründet liegen diese Feststellungen zum einen darin, daß Füchse sogenannte Nahrungsgeneralisten sind und sich durch ein Phänomen, welches von Ökologen „Schwellenreaktion“ genannt wird, stets auf die häufigste und am leichtesten erreichbare Nahrungsquelle umstellen. Ein Fuchs, der sich von Hasen ernähren müßte, würde in kürzester Zeit verhungern – nicht nur aufgrund der Seltenheit von Meister Lampe, sondern auch wegen dessen Schnelligkeit. Wie der Biologe Labhardt beobachtete, ist ein gesunder Hase für jeden Fuchs eine unerreichbare Beute. Bestätigt wird der niedrige Prädationsdruck des Fuchses auf den Feldhasen übrigens durch die geringe Furcht, die Hasen vor Reineke zeigen – vielerorts hoppeln sie übermütig um den Beutegreifer herum und ruhen sich in seiner unmittelbaren Nähe aus, ohne sich im Geringsten gestört zu fühlen. Anders als das EWI sehen Wissenschaftler wie der Wildbiologe Dr. Eberhard Schneider dementsprechend nicht den Fuchs, sondern den Menschen als Hauptfeind des Hasen an. Durch die Umgestaltung der Landschaft und damit der Ausräumung des Lebensraumes von Meister Lampe sowie durch die Überdüngung des Bodens kommt es zu einem permanenten Nahrungsmangel, der – vor allem in Kombination mit ungünstigen Witterungseinflüssen – hohe Verluste für die Hasenpopulation mit sich bringt. Langfristig kann dem Hasen somit keineswegs durch die erbarmungslose Bejagung des Fuchses, sondern einzig und allein durch die Verbesserung seines Lebensraumes geholfen werden. Davon abgesehen kritisierte der Biologe und Jäger Manfred Pegel schon in den 80er Jahren die „systematische Überschätzung der Zuwachsraten des Feldhasen“ – konkret warf er seinen Waidgenossen vor, bis zu 50% mehr Tiere zu töten, als der Bestand verkraften konnte! Auch die Forderungen der EWI-Mitarbeiter nach Kopfgeld für Füchse und die krampfhafte Suche nach einer Rechtfertigungsmöglichkeit macht Fuchsjagd nicht weniger sinnlos und brutal als sie eben ist. Selbst ökologisch orientierte Jagdvereine wie der Bund Deutscher Jäger (BDJ) machen keinen Hehl daraus, daß die nur allzu oft in der Jägerschaft geäußerten Thesen von einer angeblichen unabdingbaren Wichtigkeit der Bejagung dieser schönen Wildtiere nicht der Wahrheit entsprechen. Sie meinen, daß „man den Fuchs in einem guten Bestand halten sollte“, wie der BDJ-Präsident Müller-Hirschmann äußerte – als Aasvertilger und eifriger Mäusejäger macht der Rotrock sich nämlich um die Ordnung in Wald und Flur verdient; wie kürzlich auf dem 2. Internationalen Reh-Symposium in Südtirol zu hören war, hilft er außerdem dabei, die durch intensive Hege überhöhten Rehwildbestände in Grenzen zu halten. Ganz davon abgesehen, trägt der Fuchs – wie alle anderen Prädatoren auch – maßgeblich dazu bei, durch ständigen Selektionsdruck und das „Wegfangen“ kranker und schwacher Tiere die Populationen seiner Beutetiere gesund zu halten. Und „Überhandnehmen“ können Fuchspopulationen ohnehin nicht – soziale Faktoren, die der Biologe Zimen mit den Worten „Geburtenbeschränkung statt Massenelend“ kommentierte, sorgen dafür, daß Reineke jährlich nur so viel Nachwuchs bekommt, wie sein Lebensraum auch vertragen kann. Andererseits können durch die flexible füchsische Sozialstruktur auch massivste Verluste ausgeglichen werden – während in jagdfreien Gebieten nur 25% der Fuchsfähen reproduzieren und durchschnittlich 3-4 Kinder zur Welt bringen, gebären unter starkem Jagddruck nahezu alle Füchsinnen jeweils bis zu 8 Jungen! Dennoch wurde und wird kaum ein Wildtier hierzulande so erbarmungslos mit Flinte und Falle bejagt wie der Fuchs, jener ebenso schöne wie intelligente Beutegreifer, dem unbegründete menschliche Vorurteile nur allzu oft zum Verhängnis werden. Zimen stellte bei seinen Untersuchungen im Saarland fest, daß mehr als 50% der in Mai und Juni geschossenen Füchse säugende Fähen waren, deren noch unselbständige Jungen qualvoll sterben mußten. Auch das interessante und ausgeprägte Sozialverhalten der Tiere leidet unter dem starken Jagddruck sehr – nur selten trauen Fuchseltern sich hierzulande, mit ihrem Nachwuchs ausgedehnt zu spielen, während derartige Verhaltensweisen in jagdfreien Gebieten ausgedehnt beobachtet werden können. Nachdem die argumentativen Feigenblätter Tollwut und Fuchsbandwurm als Rechtfertigungsmöglichkeit für die Fuchsjagd gescheitert sind, soll nun der Bestandsrückgang des Feldhasen dafür herhalten. Doch stichhaltiger als die erstgenannten Argumente ist auch dieses nicht. Selbst in der heutigen Kulturlandschaft muß die Natur weitaus weniger „geregelt“ werden, als viele Menschen, und allen voran zahlreiche Jäger und Jagdfunktionäre, noch immer denken; im Gegenteil: Gerade die intensive Bejagung der letzten größeren Beutegreifer Europas ist ein ökologischer Fehlgriff sondergleichen, der zwar dem Jäger dient, der Natur aber signifikante Schäden zufügt. Hinzu kommt das Leid all jener Tiere, die vor jägerischen Flinten und in Fallen einen beileibe nicht immer schnellen Tod für nichts weiter als die menschliche Jagdleidenschaft sterben. Trotz all der massiven Verleumdungskampagnen, die weite Teile der deutschen Jägerschaft aus purem „Futterneid“ gegen den Fuchs und viele andere Prädatoren (Marder, Habicht, Rabenvögel) führen, läßt sich der jüngsten Studie des EWI aber doch ein positiver Aspekt abgewinnen – nachdem Müller und Kalchreuter jahrelang die Situation des Feldhasen bagatellisiert und auf „natürliche“ Bestandsschwankungen zurückgeführt haben, geben sie jetzt endlich zu, daß die Sorge um Meister Lampe durchaus gerechtfertigt ist. ***Literatur:** *V.Guthörl, „Viele Füchse sind des Hasen Tod“, Deutsche Jagd Zeitung 2/1995 V.Guthörl, „Haben wir Reineke unterschätzt ?“, Wild und Hund 2/1995 S.Linn, „Rätselvolle Fuchsgesellschaft“, Die Pirsch 2/1994 P.Müller, „Wie kann die Fangjagd überleben?“, Wild und Hund 12/1992 H.Kalchreuter, Die Sache mit der Jagd, München/Wien/Zürich 1984 M.Pegel, „Ist der Feldhase in der Bundesrepublik bestandsgefährdet?“, DJV-Nachrichten 1/1987 F.Labhardt, Der Rotfuchs, Hamburg-Berlin 1990 D.Macdonald, Unter Füchsen, München 1993 *D.Frommhold, Das Anti-Jagdbuch – von der ökologischen und ethischen Realität des edlen Waidwerks, München 1994* --- title: Flyer und Artikel date: 2022-10-19 url: https://fuechse.info/flyer-und-artikel-ueber-fuechse-und-jagd-fuchsjagd/ --- # Flyer und Artikel Hier finden sich Flyer und Artikel über Füchse aus der Feder verschiedener Autoren. **Flyer** Gejagte ÜberlebenskünstlerHerunterladen Dieser Flyer stellt den Fuchs als wichtiges Mitglied unserer Fauna vor, erläutert die Selbstregulation von Fuchsbeständen und gibt Tipps im Umgang mit Stadtfüchsen. Darüber nimmt er die Angst vor Wildtierkrankheiten wie Tollwut und Fuchsbandwurm und begründet, warum die Fuchsjagd unnötig und oftmals grausam ist. Das PDF-Dokument eignet sich sehr gut für die direkte Übermittlung an Druckereien (z.B. flyeralarm.de), kann aber auch mit handelsüblichen Tintenstrahl- oder Laserdruckern ausgedruckt werden. FuchsFlyer_AktionsbuendnisFuchs_WEBHerunterladen Dieses bewusst knapp und übersichtlich gestaltete Faltblatt beschäftigt sich mit dem Fuchs als Nachbar in Städten und Siedlungen. Es geht auf die häufigsten Fragen und Bedenken ein, die Menschen bei Begegnungen mit Stadtfüchsen haben, und gibt nützliche Tipps zum Umgang mit ihnen. Das PDF-Dokument eignet sich sehr gut für die direkte Übermittlung an Druckereien (z.B. flyeralarm.de), kann aber auch mit handelsüblichen Tintenstrahl- oder Laserdruckern ausgedruckt werden. **Artikel und Informatives** *Beurteilung des Videos „Deutscher Jagdterrier: Arbeit in der Schliefanlage“ des Deutschen Jagdterrier-Clubs vom 11.11.2025 Dag Frommhold und Daniel Peller, 2025* Analyse eines Imagevideos des Deutschen Jagdterrier-Club e.V. zur „Arbeit in der Schliefanlage“. In Schliefanlagen werden Jagdhunde für die Baujagd auf Füchse abgerichtet – und zwar an lebenden Füchsen. Verschiedene Gutachten haben diese Praxis bereits als tierquälerisch gebrandmarkt; mehrere Schliefanlagen wurden aufgrund rechtswidriger Haltungs- und Abrichtungsbedingungen geschlossen. Mit seinem Video will der DJT-Club nun offensichtlich zeigen, dass die Schliefenarbeit „gar nicht so schlimm“ ist. Wer sich das Video jedoch mit kritischem Blick ansieht, erkennt zahlreiche Unstimmigkeiten, die den Zuschauer – ob vorsätzlich oder fahrlässig – in die Irre führen. *Im Fokus: Baujagd am Kunstbau Dag Frommhold, 20*23 Einige Bundesländer haben die Baujagd am Naturbau eingeschränkt; die Baujagd am Kunstbau hingegen wird auf politischer Ebene bisher kaum diskutiert. Zu Unrecht: Mag das Risiko für den Jagdhund am Kunstbau auch geringer sein, ist die Baujagd am Kunstbau letztlich kaum weniger tierquälerisch als am Naturbau. *Nachtjagd in Niedersachsen – Offener Brief an Ministerin Miriam Staudte Dag Frommhold/Aktionsbündnis Fuchs, 20*23 In immer mehr Bundesländern wird ins Spiel gebracht, die Jagd mit Nachtsichtgeräten – bisher ein Tabu und selbst von Jägern vielfach als „nicht waidgerecht“ kritisiert – zu erlauben. Damit sollen überwiegend nachtaktive Wildtiere effektiver bejagt werden können. Doch die Legalisierung von Nachtsicht- und Nachtzielgeräten unterminiert Tier- und Naturschutz und öffnet weiterer Tierquälerei bei der Jagdausübung Tür und Tor. *Wiesenvogelschutz im Bremer Blockland: Vom „Leuchtturmprojekt“ der Jagdverbände zum Bumerang* *Dag Frommhold, 2021* Das Wiesenvogelschutzprojekt im Bremer Blockland wurde von Jagdverbänden immer wieder zur Rechtfertigung der Fuchsjagd herangezogen: Während Naturschutzverbände dort für die Verbesserung der Lebensbedingungen bodenbrütender Vögel sorgen, töten die Jäger mit Flinte und Falle so viele Beutegreifer wie irgend möglich – angeblich, um dadurch die Vögel vor ihren natürlichen Feinden zu schützen. Damit soll die Effektivität der Fuchsjagd für den Artenschutz belegt werden. Einem kritischen Blick halten die Zahlen der Jagdverbände jedoch nicht stand: Sämtliche Bestandszuwächse bei Bodenbrütern sind auf Lebensraumverbesserungen zurückzuführen; die Beutegreiferbejagung hat weder einen Einfluss auf die Fuchsdichte noch auf den Bestand an Bodenbrütern. *Luxemburg als Vorbild: Fuchsjagdverbot verlängert Dag Frommhold, 2016 * In Luxemburg wurde in diesen Tagen das seit 2015 bestehende Fuchsjagdverbot um ein weiteres Jahr verlängert. Der kleine Staat kann damit als großes Vorbild für Europa dienen: Statt sich einseitig den Abschussinteressen der Jägerlobby unterzuordnen, setzt die luxemburgische Regierung darauf, Belange von Natur- und Tierschutz bei der Jagdgesetzgebung angemessener zu berücksichtigen. Die Botschaft: Auch Wildtiere brauchen Schutz vor ungerechtfertigten Nachstellungen. *Jäger über Füchse * *(diverse Autoren, kontinuierlich erweitert) * Zusammenstellung von Jagderlebnissen, Berichten und Thesen über die Fuchsjagd – allesamt unzensiert und unverändert aus Jagdliteratur, Jagdzeitschriften und dem Internet übernommen. *Fuchsbandwurm: Risikofaktor Jagd Dag Frommhold, 2015 * Regelmäßig wird in den Medien über den Fuchsbandwurm berichtet – bisweilen in einem Ton, der an Hysterie grenzt. Grund dafür dürfte nicht zuletzt die Pressearbeit der Jagdverbände sein, die die Angst vor dem Parasiten gezielt schüren, um die Jagd auf Meister Reineke zu rechtfertigen. Tatsächlich kann man sich vor dem Fuchsbandwurm jedoch mit einfachen Mitteln schützen. Und Forschungsergebnisse zeigen, dass die Fuchsjagd das Risiko für den Menschen keinesfalls verringert, sondern es sogar ansteigen lässt. *Jagdverbot auf Füchse in Luxemburg: Jagdlobbyismus gegen Reineke * *Dag Frommhold, 2015 * Vom 1.4.2015 an ist die Fuchsjagd in Luxemburg für zunächst ein Jahr verboten – das zuständige Ministerium sieht für die Tötung von Füchsen in Wald und Feld keinen vernünftigen Grund. Bisher kamen vor den Flinten der Jägerschaft im Großherzogtum etwa 3.000 Füchse im Jahr zu Tode. Doch die FSHCL, Verband der luxemburgischen Jäger, will sich das Jagdvergnügen auf Meister Reineke nicht so einfach verbieten lassen und versucht, Druck auf die Regierung aufzubauen. fuechse.info untersucht die Behauptungen der Jäger. *Die Räude und das Jägerlatein: Töten für die Tiergesundheit? * *Dag Frommhold, 2014 * In mehreren Bundesländern sind Bestrebungen im Gange, Schonzeiten für Füchse zu etablieren oder auszuweiten und besonders grausame Jagdarten wie die Fallenjagd oder die Baujagd zu verbieten. Die Jagdverbände laufen Sturm gegen diese Entwicklung und führen dabei häufig die Räude als Argument für die Fuchsjagd ins Feld: Die scharfe Bejagung des Fuchses sei unerlässlich, um die Ausbreitung der Fuchsräude zu verhindern. Dieser Artikel hinterfragt derartige Behauptungen und stellt ihnen Fakten entgegen. *Stadtfüchse – Gefährliche Eindringlinge oder harmlose Nachbarn? * *Dag Frommhold, 2012 * Füchse sind heutzutage weitaus häufiger in Siedlungsgebieten anzutreffen als noch vor fünfzig Jahren. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe dieser Entwicklung, beantwortet häufig gestellte Fragen über Stadtfüchse, und zeigt auf, wie das Nebeneinander von Mensch und Fuchs in der Stadt konflikfrei gestaltet werden kann. Anders, als leider noch immer oft zu hören, stellen Füchse in der Stadt nämlich weder ein Gesundheitsrisiko dar, noch sind sie eine unkalkulierbare Gefahr für unsere Haustiere. *Schonzeit für Füchse? Über Fuchsrüden, ihre Rolle bei der Welpenaufzucht und §22 Absatz 4 des Bundesjagdgesetzes * *Dag Frommhold, 2010 * Füchse haben in den meisten Bundesländern keine Schonzeit und dürfen das ganze Jahr über geschossen oder in Fallen gefangen werden. Ausgenommen davon ist lediglich die Zeit der Jungenaufzucht, während der §22 Absatz 4 des Bundesjagdgesetzes die Tötung von Elterntieren, die für die Versorgung von Nachwuchs erforderlich sind, verbietet. Bisher galt es unter Jägern als ausgemacht, dass Fuchsrüden einen solchen Schutz nicht genießen – doch wissenschaftlich ist seit langem belegt, dass Fuchsväter einen äußerst wichtigen Beitrag zur Aufzucht ihrer Welpen leisten. Folgerichtig müsste man sie eigentlich bereits in der Paarungszeit unter Schutz stellen. *Füchse im Fadenkreuz: Über Sinn und Unsinn der Fuchsjagd * Dag Frommhold, 2002/2007 Anhand aktueller wissenschaftlicher Literatur zum Thema Fuchs werden verschiedene Fragen einer eingehenden Analyse unterzogen: Welche Auswirkungen hat die Jagd auf den Fuchs als Art im allgemeinen und das Individuum Fuchs im besonderen? Welche Rolle spielt die Jagd bei der Bekämpfung von Wildseuchen wie etwa der Tollwut? Kann Fuchsjagd einen Beitrag zum Schutz bedrohter Arten leisten? Sind Füchse eine Gefahr für Haustiere und Landwirtschaft? Der Artikel beinhaltet ein umfassendes Literaturverzeichnis und wurde ursprünglich für das Symposium „Natur ohne Jagd“ an der Technischen Universität Berlin (August 2002) verfaßt. Die hier veröffentlichte Version wurde 2007 grundlegend überarbeitet und um aktuelle Quellen ergänzt. *Die Legende vom „Ökopelz“ * Dag Frommhold, 2008 In jüngerer Vergangenheit versucht die Pelzindustrie, Pelzprodukte mit „grünem“ Anspruch zu vermarkten. So behauptet das Berliner Label „Friendly Fur“ beispielsweise, nur die Pelze „ökologisch korrekt erlegter“ Rotfüchse aus einheimischen Revieren für seine Produkte zu verwenden. Doch wie tötet man Tiere „ökologisch korrekt“, und was ist von der Aussage der „Friendly Fur“-Macher zu halten, dass große Naturschutzorganisationen ihr Konzept unterstützen? *Füchse in den Niederlanden: Quo Vadis, Reineke? * Dag Frommhold, 2006 In den Niederlanden gilt seit dem 2. April 2002 das „Flora- und Faunawet“, ein Natur- und Tierschutzgesetz, das ursprünglich neben zahlreichen anderen Arten auch den Fuchs ganzjährig vor jägerischen Nachstellungen schützen sollte. Auf massiven Druck der niederländischen Jägerschaft darf seit dem 12.4.2006 unter dem Deckmantel des Vogelschutzes nun wieder ganzjährig Hatz auf Meister Reineke gemacht werden – obschon ein großangelegtes, staatlich mitfinanziertes Forschungsprogramm gänzlich andere Schlussfolgerungen nahe legt. *Das Jahr des Fuchses* Dag Frommhold, 2002 Dieser Text erzählt das erste Jahr im Leben des jungen Fuchses Rif und bringt dem Leser biologische Fakten auf unterhaltsame Art und Weise nahe. --- title: Fragen und Antworten date: 2022-07-21 url: https://fuechse.info/fragen-und-antworten/ --- # Fragen und Antworten „Alles über Füchse“ ist das Motto des großen Fragen & Antworten-Bereichs auf fuechse.info. Er ist die wohl umfassendste deutschsprachige Online-Informationsquelle über den Rotfuchs und wird regelmäßig aktualisiert und ergänzt. Wer eine Frage hat, die hier nicht beantwortet wird, kann sie mir schicken, und ich werde schauen, dass ich sie (samt Antwort, versteht sich) beim nächsten Update hinzufüge. Die Seiten sind durch Querverlinkungen so gestaltet, dass man bequem darin schmökern kann, aber natürlich ist sind alle Inhalte auch über die Volltextsuche auffindbar. **1. Allgemeines über Füchse** ***1.1 Taxonomie und Terminologie*** - 1.1.1 Wie sind Rotfüchse biologisch zu klassifizieren? - 1.1.2 Was ist der wissenschaftliche Name für den Rotfuchs? - 1.1.3 Welche anderen Fuchsarten gibt es neben dem Rotfuchs? - 1.1.4 Was bedeutet „schnüren“? - 1.1.5 Gibt es sonst noch irgendwelche wichtigen „fuchsspezifischen“ Begriffe? - 1.1.6 Woher kommt die Ähnlichkeit von Fuchs und Katze? - 1.1.7 Was heißt „Fuchs“ in anderen Sprachen? ***1.2 Aussehen und Erscheinungsbild*** - 1.2.1 Wie sieht ein Rotfuchs aus? - 1.2.2 Wie groß ist ein Rotfuchs? - 1.2.3 Wie sieht eine Fuchsspur aus? - 1.2.4 Was für eine Zahnformel haben Füchse? - 1.2.5 Sind alle Rotfüchse rot? - 1.2.6 Worin unterscheiden sich Rotfüchse in nördlichen Arealen von Rotfüchsen in südlicheren (und wärmeren) Gefilden? - 1.2.7 Riechen Füchse wirklich so unangenehm? - 1.2.8 Haben Füchse einziehbare Krallen? - 1.2.9 Wie kann man das Alter von Füchsen bestimmen? - 1.2.10 Wie kann man Fuchsrüden von Fähen unterscheiden? - 1.2.11 Wie sieht ein Fuchsschädel aus? - 1.2.12 Wie sieht ein Fuchsskelett aus? - 1.2.13 Wie sieht Fuchskot aus? ***1.3 Verbreitung, Lebensraum und Lebensweise *** - 1.3.1 Wo überall gibt es Füchse? - 1.3.2 Welche Art von Lebensraum bevorzugen Rotfüchse? - 1.3.3 Sind Füchse eher tag- oder eher nachtaktiv? - 1.3.4 Halten Füchse sich meist im Bau auf? - 1.3.5 Wie ist ein Fuchsbau angelegt? - 1.3.6 Leben Füchse wirklich mit anderen Tieren zusammen in einem Bau? - 1.3.7 Halten Füchse Winterschlaf? ***1.4 Sinnesleistungen, Intelligenz und körperliche Leistungsfähigkeit *** - 1.4.1 Wie gut sind die Sinnesleistungen von Rotfüchsen? - 1.4.2 Wie alt werden Füchse? - 1.4.3 Wie schnell können Füchse rennen? - 1.4.4 Wie hoch können Füchse springen? - 1.4.5 Sind Füchse wirklich so schlau? - 1.4.6 Können Füchse schwimmen? - 1.4.7 Können Füchse klettern? ***1.5 Nahrung und Feinde *** - 1.5.1 Wovon ernähren sich Füchse? - 1.5.2 Wieviel Nahrung brauchen Füchse am Tag? - 1.5.3 Wie jagen Füchse ihre Beute? - 1.5.4 Rotten Füchse ihre Beutetiere aus? - 1.5.5 Betreiben Füchse Vorratswirtschaft? - 1.5.6 Welche Funktion erfüllen Füchse in der Natur? - 1.5.7 Was sind die bedeutendsten Feinde von Füchsen? **2. Ökologie und Verhalten** ***2.1 Füchsische Kommunikation *** - 2.1.1 Wie verständigen Füchse sich untereinander? - 2.1.2 Welchen Sinn haben die Duftmarken von Füchsen? - 2.1.3 Welche Duftdrüsen besitzen Füchse? - 2.1.4 Was ist typisch für füchsische Körpersprache? - 2.1.5 Was für Laute geben Füchse von sich? ***2.2 Familienleben*** - 2.2.1 Wann und wie paaren sich Füchse? - 2.2.2 Leben Füchse monogam (in Einehe)? - 2.2.3 Leben Füchse in Rudeln zusammen? - 2.2.4 Wann, wo und wie werden die Jungfüchse geboren? - 2.2.5 Wovon hängt die Wurfgröße bei Füchsen ab? - 2.2.6 Wie lange werden Füchse gesäugt? - 2.2.7 Wann bekommen Jungfüchse ihre ersten Zähne? - 2.2.8 Wie spielen Füchse? - 2.2.9 In welchem Alter sind Rotfüchse ausgewachsen/geschlechtsreif/selbständig? - 2.2.10 Hilft der Fuchsrüde bei der Welpenaufzucht? - 2.2.11 Verlassen alle Jungfüchse das Revier ihrer Eltern? ***2.3 Reviere und Territorialität*** - 2.3.1 Wie groß ist ein durchschnittliches Fuchsrevier? - 2.3.2 Besitzen alle Füchse ein Revier? - 2.3.3 Wie kämpfen Füchse um Reviere? - 2.3.4 Wie grenzen Füchse ihr Revier ab? ***2.4 Populationsdynamik *** - 2.4.1 Was sind die häufigsten Todesursachen von Rotfüchsen? - 2.4.2 Können Füchse überhand nehmen/gibt es „zu viele“ Füchse? - 2.4.3 Ist es möglich, Fuchspopulationen mit Gewehr und Falle zu reduzieren? - 2.4.4 Was für Auswirkungen haben hohe Verluste auf das Leben von Füchsen? **3. Füchse und Wildtierkrankheiten** ***3.1 Tollwut *** - 3.1.1 Was ist die Tollwut? - 3.1.2 Wie groß ist die Gefahr, an Tollwut zu erkranken? - 3.1.3 Welche Rolle spielt die Tollwut heute? - 3.1.4 Woran erkennt man ein an Tollwut erkranktes Tier? - 3.1.5 Wie wurde die Tollwut bekämpft? - 3.1.6 Wie kann ich mich vor Tollwut schützen? ***3.2 Fuchsbandwurm*** - 3.2.1 Was ist der Fuchsbandwurm? - 3.2.2 Wie groß ist die Gefahr, an Echinokokkose zu erkranken? - 3.2.3 Wo ist der Fuchsbandwurm besonders verbreitet? - 3.2.4 Können meine Haustiere durch den Kontakt mit Füchsen zu Überträgern des Fuchsbandwurms werden? - 3.2.5 Kann sich mein Pferd mit dem Fuchsbandwurm infizieren? - 3.2.6 Wie kann ich mich vor Echninokokkose schützen? - 3.2.7 Was wird gegen den Fuchsbandwurm unternommen? ***3.3 Räude*** - 3.3.1 Was ist die Räude? - 3.3.2 Ist die Räude auf Haustiere übertragbar? - 3.3.3 Ist die Räude auf den Menschen übertragbar? - 3.3.4 Wie verbreitet ist die Räude unter Füchsen? - 3.3.5 Woran erkennt man eine Räudeinfektion bei Füchsen? - 3.3.6 Was kann man gegen die Räude bei Füchsen unternehmen? **4. Füchse und Menschen ** ***4.1 Stadtfüchse *** - 4.1.1 Warum kommen Füchse in menschliche Siedlungsgebiete? - 4.1.2 Füchse im Garten: Freund oder Feind? - 4.1.3 Stellen Stadtfüchse nicht ein Gesundheitsrisiko für den Menschen dar? - 4.1.4 Stellen Stadtfüchse eine Gefahr für spielende Kinder dar? ***4.2 Füchse und Haus- bzw. „Nutz“tiere *** - 4.2.1 Stellen Stadtfüchse eine Gefahr für Haustiere dar? - 4.2.2 Stellen Füchse eine Gefahr für Schafe dar? - 4.2.3 Stellen Füchse eine Gefahr für Hühner dar? - 4.2.4 Besteht die Gefahr, dass Füchse sich mit meinem Hund paaren? ***4.3 Wildlebende Füchse als Nachbarn*** - 4.3.1 Wie kann ich Füchse dazu bringen, meinen Garten (auch) in Zukunft zu besuchen? - 4.3.2 Wie werde ich den Fuchs in meinem Garten los? - 4.3.3 Kann ich den Fuchs in meinem Garten nicht einfach erschießen lassen? - 4.3.4 Kann ich etwas gegen den Lärm unternehmen, den Füchse machen? - 4.3.5 Was ist davon zu halten, Füchse in Lebendfallen zu fangen und andernorts wieder auszusetzen? - 4.3.6 Soll ich Füchse in meinem Garten füttern? - 4.3.7 Wie, wo und wann kann ich wildlebende Füchse am besten beobachten? **5. Fuchsjagd ** ***5.1 Fuchsjagd: Wie, wann, wo, warum? *** - 5.1.1 Wie viele Füchse werden von Jägern getötet? - 5.1.2 Warum werden Füchse gejagt? - 5.1.3 Wie werden Füchse gejagt? - 5.1.4 Ist die Fallenjagd auf Füchse legal? - 5.1.5 Wann werden Füchse gejagt? - 5.1.6 Gibt es Gebiete, in denen Füchse nicht gejagt werden? - 5.1.7 Was kann man gegen die Fuchsjagd tun? ***5.2 Fuchsjagd: Konsequenzen der Jagd *** - 5.2.1 Wie wirkt sich Jagd auf die Struktur von Fuchspopulationen aus? - 5.2.2 Macht die Jagd Füchse scheu? - 5.2.3 Ist Fuchsjagd grausam? ***5.3 Fuchsjagd: „Müssen“ Füchse gejagt werden?*** - 5.3.1 Oft wird behauptet, es gäbe „zu viele“ Füchse. Stimmt das? - 5.3.2 Ist Fuchsjagd dazu geeignet, Wildtierkrankheiten wie die Tollwut einzudämmen? - 5.3.3 Ist Fuchsjagd ein geeignetes Mittel, um bedrohten Vogel- und Säugetierarten zu helfen? - 5.3.4 Was wären die Konsequenzen, wenn man die Fuchsjagd abschaffen würde? **6. Füchse in menschlicher Obhut ** ***6.1 Füchse als Pelzlieferanten*** - 6.1.1 Unter welchen Bedingungen werden Füchse in Pelzfarmen gehalten? - 6.1.2 Sind die Füchse in Pelzfarmen nicht längst domestiziert? - 6.1.3 Wann und wie werden Füchse in Pelzfarmen getötet? - 6.1.4 Wie viele Füchse werden jährlich in Pelzfarmen getötet? - 6.1.5 Wie kann man Echtpelz von Kunstpelz unterscheiden? ***6.2 Füchse als Haustiere? *** - 6.2.1 Sollte man verletzte Füchse mit nach Hause nehmen, um sie dort (bzw. beim Tierarzt) zu behandeln? - 6.2.2 Ist es sinnvoll, verwaiste Fuchsbabys mit nach Hause zu nehmen? - 6.2.3 Darf ich einen Fuchswelpen einfach mitnehmen? - 6.2.4 Ich habe einen Fuchswelpen gefunden – was nun? - 6.2.5 Kann man Füchse als Haustier halten? **7. Der Fuchs im Spiegel von Kultur und Religion ** ***7.1 Die Rolle von Füchsen in Mythen, Legenden und Glauben *** - 7.1.1 Haben Füchse menschliche Legenden und Mythen stärker inspiriert als andere Tiere? - 7.1.2 Was für Eigenschaften wurden/werden Füchsen im Volksglauben zugeschrieben? - 7.1.3 Welche Rolle spielt der Fuchs in der japanischen Mythologie? - 7.1.4 Welche Rolle spielt der Fuchs in der chinesischen Mythologie? - 7.1.5 Welche Rolle spielt der Fuchs in der koreanischen Mythologie? - 7.1.6 Welche Rolle spielt der Fuchs in der Mythologie der nordamerikanischen Ureinwohner? - 7.1.7 Welche Rolle spielt der Fuchs in der südamerikanischen Mythologie? - 7.1.8 Welche Rolle spielt der Fuchs in europäischen Legenden und Mythen? - 7.1.9 Welche Rolle spielt der Fuchs im christlichen Glauben? - 7.1.10 Was sind Kitsunes? ***7.2 Der Fuchs in der Literatur *** - 7.2.1 Welche Arten von Geschichten über Füchse gibt es? - 7.2.2 Welche bekannten Fabeln handeln von Füchsen? - 7.2.3 Woher kommt der Name „Reineke“? - 7.2.4 Worum geht es in der Geschichte des “Reineke Fuchs”? - 7.2.5 Wie viele Varianten des Reineke-Epos gibt es? - 7.2.6 Gibt es moderne Romane und Geschichten über Füchse? - 7.2.7 Gibt es Comics über Füchse? ***7.3 Der Fuchs in den modernen (Unterhaltungs-)Medien *** - 7.3.1 Gibt es Realfilme, die von Füchsen handeln? - 7.3.2 Welche Zeichentrickfilme gibt es über Füchse? - 7.3.3 Welche bekannten Zeichentrickserien handeln von Füchsen? - 7.3.4 Welche Computer- und Videospiele handeln von füchsischen Charakteren? ***7.4 Der Fuchs in der Musik *** - 7.4.1 Welche Stücke der klassischen Musik handeln von Füchsen? - 7.4.2 Welche modernen Songs handeln von Füchsen? --- title: Fuchsbandwurm- Risikofaktor Jagd date: 2026-03-20 url: https://fuechse.info/flyer-und-artikel-ueber-fuechse-und-jagd-fuchsjagd/fuechse-fuchsbandwurm-risikofaktor-jagd/ --- # Fuchsbandwurm: Risikofaktor Jagd *Dag Frommhold, 2015* *Regelmäßig wird in den Medien über den Fuchsbandwurm berichtet – bisweilen in einem Ton, der an Hysterie grenzt. Grund dafür dürfte nicht zuletzt die Pressearbeit der Jagdverbände sein, die die Angst vor dem Parasiten gezielt schüren, um die Jagd auf Meister Reineke zu rechtfertigen. Tatsächlich kann man sich vor dem Fuchsbandwurm jedoch mit einfachen Mitteln schützen. Und Forschungsergebnisse zeigen, dass die Fuchsjagd das Risiko für den Menschen keinesfalls verringert, sondern es sogar ansteigen lässt.* *Larven des Fuchsbandwurms (Bild: US Dep. of Health & Human Services)* Vor allem im Süden Deutschlands trägt ein beträchtlicher Teil der Füchse den Fuchsbandwurm als Darmparasiten in sich. Die Bandwurmeier, die sie mit dem Kot ausscheiden, können beim Menschen die sogenannte alveoläre Echinokokkose verursachen, eine ernste Krankheit, die lebenslanger Behandlung bedarf. Was zunächst gefährlich und unberechenbar klingt, ist in Wirklichkeit jedoch eine extrem seltene Erkrankung, vor der man sich mit einfachen Mitteln zuverlässig schützen kann. Dennoch schüren einschlägige Medienberichte die Angst vor dem Fuchsbandwurm, nicht zuletzt als Resultat eifriger Pressearbeit der Jagdverbände. Diese nutzen die latente Furcht der Bürger von einer Infektion mit der Echninokokkose wiederum, um für die Fuchsjagd zu werben – nur durch die intensive Jagd auf den Fuchs, so argumentieren sie, könne man den Fuchsbandwurm eindämmen. ***Kein Grund zur Panikmache*** Dabei ist frappierend, wie schlecht selbst in vermeintlichen Fachkreisen zum Thema Fuchsbandwurm recherchiert wird. So schrieb die „Ärzte Zeitung“ jüngst, im Jahr 2015 seien bis zum August bereits 96 Erkrankungen am Fuchsbandwurm (sog. alveoläre Echinokokkose) gemeldet worden. Tatsächlich hatte man dabei aber Infektionen mit dem gut doppelt so häufigen Hundebandwurm (zystische Echninokokkose) fälschlicherweise dem Fuchsbandwurm zugeschlagen. Wie die Meldedaten des Robert-Koch-Instituts in Berlin zeigen, lag die Zahl der Fuchsbandwurminfektionen dagegen auf ähnlichem Niveau wie in den Vorjahren, in denen bundesweit jeweils etwas mehr als 30 Menschen erkrankten – weit weniger übrigens, als beispielsweise durch Jagdwaffen oder Blitzschläge zu Schaden kommen. Jagdverbände wie Jagdmedien witterten offensichtlich dennoch ihre Chance, Angst vor Füchsen zu schüren und dadurch Rückendeckung für die Fuchsjagd zu gewinnen. Gierig griffen sie die Meldung der Ärzte Zeitung auf und verbreiteten sie mit Schlagzeilen wie „Füchse sind gefährlich!“ (jagderleben.de) eifrig weiter, nicht ohne es zu versäumen, auf die vermeintliche Notwendigkeit der Bejagung von Füchsen hinzuweisen. ***Luxemburg: Kein Zusammenhang zwischen Jagdverbot und Befallsraten*** Ganz ähnliches hatte sich bereits einen Monat zuvor in Luxemburg abgespielt, wo Füchse derzeit aufgrund eines zunächst einjährigen Jagdverbots vor Nachstellungen geschützt sind. Seit Jahren liegen die Befallsraten luxemburgischer Füchse mit dem Fuchsbandwurm bei etwa 20-30%; ein Niveau, das etwas unterhalb jener der angrenzenden deutschen Bundesländer liegt. Als die Untersuchung von 32 tot aufgefundenen Füchsen im Oktober jedoch ergab, dass 13 von ihnen Bandwürmer im Darm trugen – eine Quote von etwa 40% – , war der luxemburgische Jagdverband schnell dabei, den Grund für den Anstieg in der jagdlichen Schonung von Meister Reineke zu suchen. Die Meldung gab den gebetsmühlenhaft wiederholten Forderungen des luxemburgischen Jagdverbands nach einer umgehenden Aufhebung des Jagdverbots neuen Auftrieb. *Füchse: Opfer von Halbwissen und Fehlinformation (Foto: Allison Balley)* Dass eine derart geringe Stichprobengröße bei einem so niedrigen Unterschiedsniveau (zehn Prozentpunkte entsprechen etwa drei Tieren) überhaupt keine Aussage erlaubt und die Differenz mit beträchtlicher Wahrscheinlichkeit reiner Zufall ist, blieb dabei aber unerwähnt. „Es besteht kein Grund zu der Annahme, dass die Befallsraten in Luxemburg sich anders entwickeln als in den benachbarten deutschen Bundesländern“, erläutert daher Felix Wildschutz, Direktor des luxemburgischen Veterinäramts, gegenüber fuechse.info. „Es besteht auch keine Annahme, dass ein Zusammenhang zwischen dem Jagdverbot und den Befallsraten der Füchse existiert.“ ***Fuchsjagd lässt das Infektionsrisiko für Menschen ansteigen*** *Steigendes Infektionsrisiko durch Fuchsbejagung? * *(Foto: Sandro&Bianka Pelli)* – **Vorschaubild** Tatsächlich gibt es keinen einzigen Beleg für die Hypothese, der Fuchsbandwurm könne durch intensivere Fuchsjagd zurückgedrängt werden. Wie spätestens die dramatischen Misserfolge bei der Tollwutbekämpfung in den 1960er und 70er Jahren eindrucksvoll gezeigt haben, lassen Fuchsbestände sich großflächig nicht durch die Jagd reduzieren. Damals verfolgte man Füchse mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln – bis hin zur Vergasung ganzer Fuchsfamilien im Bau. Dennoch gab es nach zwanzig Jahren rigorosester Fuchsjagd mehr Füchse als je zuvor, und die Tollwut griff ungehindert weiter um sich. Fuchspopulationen reagieren auf intensive Bejagung nämlich mit steigenden Geburtenraten, wodurch auch hohe Verluste schnell wieder ausgeglichen werden. Bereits bei der Tollwutbekämpfung erwies die Fuchsjagd sich jedoch nicht nur als wirkungslos, sondern sogar als kontraproduktiv. Zwar beeinflusst sie den Gesamtbestand nicht nachhaltig, führt durch die steigenden Geburtenraten aber zu einem höheren Anteil an Jungfüchsen an der Gesamtpopulation. Da diese Jungfüchse sich jedoch im Herbst ein eigenes Revier suchen und dabei oft viele Kilometer zurücklegen, sind sie es, die die Tollwut oft erst in neue Gebiete einschleppen. So ist es zu erklären, dass die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Tollwut sogar zunahm, bevor man die Seuche durch den flächendeckenden Abwurf von Impfködern aus Flugzeugen schließlich besiegte. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine derartige kontraproduktive Wirkung der Jagd auch für den Fuchsbandwurm gilt. So finden sich im Darmtrakt junger Füchse deutlich mehr ausgewachsene Exemplare des Fuchsbandwurms, als es bei älteren Tieren der Fall ist1,2,8. Im Laufe ihres Lebens entwickeln Füchse offensichtlich Abwehrmechanismen gegen den Parasiten. Dies lässt den Schluss zu, dass in bejagten Fuchsrevieren unter dem Strich mehr Eier des Fuchsbandwurms in die Umwelt abgegeben werden, weil dort der Anteil für den Bandwurm empfänglicher Jungfüchse höher ist. Das Infektionsrisiko für Menschen steigt durch die Jagd also demnach an. ***Einfache, aber wirkungsvolle Schutzmaßnahmen*** Ganz davon abgesehen, dass eine Erkrankung an der alveolären Echinokokkose schon rein statistisch extrem unwahrscheinlich ist, kann man sich mit einfachen Maßnahmen davor schützen. Die weitaus wichtigste davon ist, Hunde und Katzen regelmäßig zu entwurmen und im Umgang mit ihnen Hygiene zu wahren. Durch den Verzehr von Mäusen, die mit dem Bandwurm infiziert sind, können sie ähnlich wie der Fuchs zu Ausscheidern von Fuchsbandwurmeiern werden. Experten gehen davon aus, dass der weitaus größte Teil der Infektionen mit alveolärer Echinokokkose auf das Konto unzureichend entwurmter Heimtiere geht. Bodennah wachsende Waldbeeren sind – anders, als es oft dargestellt wird – als Infektionsquelle dagegen unbedeutend. Einerseits ist es extrem unwahrscheinlich, dass eine Beere jemals mit Fuchskot in Kontakt kommt und dann auch noch ungewaschen verzehrt wird, andererseits scheint nur eine Dauerexposition – also der regelmäßige Kontakt mit Bandwurmeiern – auch zu einer Infektion zu führen. Immer mehr Epidemiologen zweifeln daher grundsätzlich an, dass der Infektionsweg über kontaminierte Pilze oder Waldfrüchte überhaupt eine Rolle spielt. Wer sich dennoch unwohl fühlt, kann eventuelle Bandwurmeier durch das Erhitzen der Nahrung auf mindestens 60 Grad sicher abtöten. Zu guter Letzt ist es in Gebieten mit hoher Verbreitung des Fuchsbandwurms ratsam, sich nach der Gartenarbeit die Hände zu waschen. Dadurch kann man verhindern, dass man eventuell an den Händen haften gebliebene Fuchsbandwurmeier aufnimmt. ***Kein Zusammenhang zwischen Befallsrate der Füchse und Infektionen beim Menschen*** *Füchse in Siedlungen: Kein Gesundheitsrisiko (Bild: Paul Cecil)* Interessanterweise scheint es jedoch nur wenig Zusammenhang zwischen der Befallsrate der Füchse mit dem Fuchsbandwurm und der Anzahl auftretender Echinokokkose-Erkrankungen beim Menschen zu geben. Die Forscher um den ungarischen Epidemiologen Sréter stellten beispielsweise fest, dass trotz deutlich ansteigender Befallsraten der Füchse in den 1990er Jahren auch langfristig keine Zunahme an Echinokokkosefällen zu verzeichnen war9. Sie erklären diesen Umstand mit dem gewachsenen Hygienebewusstsein der Menschen, insbesondere im Umgang mit Haustieren. Die regelrechte Hysterie, die der Fuchsbandwurm vielerorts auszulösen scheint, ist also ganz offensichtlich ungerechtfertigt. Zudem gibt es heutzutage Entwurmungsköder, mit deren Hilfe das Auftreten des Fuchsbandwurms in Fuchspopulationen auf nahezu null reduziert werden kann3. Von 2003 bis 2007 wurden beispielsweise im Landkreis Starnberg Entwurmungsköder verteilt. Waren 2003 noch 51% der Füchse mit dem Fuchsbandwurm infiziert, so sank diese Zahl im Jahr 2005 auf 42%, 2006 auf 12%, und im März 2007 betrug die Befallsrate sogar nur noch 0,8%6,7. Auch hier gilt allerdings, dass die Fuchsjagd einen negativen Einfluss auf die Wirksamkeit der Beköderung hat. Da Jagddruck die Wanderbewegungen in Fuchspopulationen ansteigen lässt, erhöht sie das Risiko, dass nicht entwumte Tiere von außen in das beköderte Areal eindringen und dabei den Bandwurm wieder einschleppen4. Dennoch gilt, dass – von den erwähnten einfachen Vorsichtsmaßnahmen abgesehen – die Entwurmung von Füchsen das einzig wirksame Mittel gegen den Fuchsbandwurm darstellt. ***Jagd: Teil des Problems*** Wer dagegen – ob aus Unwissen oder verantwortungslosem Kalkül – die Jagd als probates Mittel gegen den Fuchsbandwurm propagiert, muss sich vorwerfen lassen, nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems zu sein. Immerhin deutet einiges darauf hin, dass die Jagd auf Meister Reineke die Verbreitung des Bandwurms sowie das Infektionsrisiko für den Menschen sogar ansteigen lässt. Den Fuchsbandwurm zu instrumentalisieren, um die Fuchsjagd zu rechtfertigen, ist daher schlichtweg zynisch und gefährdet im schlimmsten Fall sogar Menschenleben. ***Literatur:** *1. P. Deplazes, D. Hegglin, S. Gloor, T. Romig (2004): Wilderness in the city: the urbanization of Echinococcus multilocularis“. TRENDS in Parasitology Vol.20 No.2 2. D. Ewald, J. Eckert (1993): Verbreitung und Häufigkeit von Echinokokkus multilocularis bei Rotfüchsen in der Nord-, Süd-, und Ostschweiz sowie im Fürstenturm Liechtenstein. Zeitschrift für Jagdwissenschaften, 39, 171-180 3. D. Hegglin, P. Deplazes (2008): Control strategy for Echinococcus multilocularis. Emerg Infect Dis 14, 1626-1628 4. D. Hegglin, P.I. Ward, P. Deplazes (2003): Anthelmintic Baiting of Foxes against Urban Contamination with Echinococcus multilocularis, Emerging Infection Diseases, 9(10) 5. S. Hofer, S. Gloor, U. Müller, A. Mathis, D. Hegglin, P. Deplazes (2000), High prevalence of Echinococcus multilocularis in urban red foxes (Vulpes vulpes) and voles (Arvicola terrestris) in the city of Zürich, Switzerland. Parasitology, 120, 135-142 6. A. König, T. Romig, C. Janko, R. Hildenbrand, E.A. Holzhofer, Y. Kotulski (2008): Integrated-baiting concept against E. multilocularis in foxes is successful in Southern Bavaria, Germany. European Journal of Wildlife Research 54, 439-447 7. A. König, T. Romig (2007), Bericht an die Gemeinden des Landkreises Starnberg sowie die Gemeinden Neuried und Planegg über das Projekt Kleiner Fuchsbandwurm im Bereich der Gemeinden im Landkreis Starnberg sowie den Gemeinden Neuried und Planegg im Landkreis München 8. K. Tackmann, U. Loschner, H. Mix, C. Staubach, H.H. Thulke, F.J. Conraths (1998): Spatial distribution patterns of Echinococcus multilocularis (Leuckart 1863) (Cestoda: Cyclophyllidea: Taeniidae) among red foxes in an endemic focus in Brandenburg, Germany. Epidemiol Infect 120, 101-109 9. T. Sréter, Z. Széll, Z. Sréter-Lancz, I. Varga (2004): Echinococcus multilocularis in Northern Hungary. Emerging Infectious Diseases, 10, 1344-1346 --- title: Füchse im Fadenkreuz - Über Sinn und Unsinn der Fuchsjagd date: 2023-01-26 url: https://fuechse.info/flyer-und-artikel-ueber-fuechse-und-jagd-fuchsjagd/fuechse-ueber-sinn-und-unsinn-der-fuchsjagd/ --- # Füchse im Fadenkreuz - Über Sinn und Unsinn der Fuchsjagd Dag Frommhold, 2002; vollständig überarbeitete Version 2007 ***1. Einleitung*** Beutegreifer – oder vielleicht sollte man es in diesem Kontext bei dem althergebrachten Begriff des „Raubtiers“ belassen – sind böse. Wölfe fressen kleine Kinder, die ihrer kranken Großmutter Proviantkörbe bringen wollen, Marder machen sich vorsätzlich an der Deutschen liebstem Kind, dem Auto, zu schaffen, und Füchse sind lustmordende Hühnerdiebe, die zu allem Überfluss auch noch tödliche Krankheiten übertragen und die armen Feldhasen ausrotten. So – oder ähnlich – äußern sich leider selbst in unserer vermeintlich aufgeklärten Gesellschaft des frühen 21. Jahrhunderts noch viele Mitmenschen, wenn das Gespräch auf wildlebende Prädatoren kommt. Derartige alte Vorurteile und liebgewonnene Feindbilder, die leider gerade auch von der Jägerschaft geschürt werden, sorgen dafür, dass sich zumindest gegen die hierzulande noch weit verbreiteten Beutegreifer regelrechte Feldzüge richten. Insbesondere der Rotfuchs steht aus mannigfaltigen Gründen ganz oben auf der Abschussliste der Jägerschaft: Etwa 600.000 Individuen der Spezies Vulpes vulpes müssen jedes Jahr allein in Deutschland ihr Leben vor jägerischen Flinten und in jägerischen Fallen lassen. Füchse haben in sämtlichen Bundesländern mit der Ausnahme Berlins keine Schonzeit und dürfen das ganze Jahr über bejagt werden; selbst das Mindestgebot, die Mütter noch unselbständiger Jungfüchse zu verschonen, sofern nicht zuvor bereits die Welpen getötet wurden, wird häufig fahrlässig oder vorsätzlich ignoriert (ZIMEN, 1992). Großangelegte, revierübergreifende „Fuchswochen“ mit dem Ziel, jeden erreichbaren Fuchs zu töten, finden im Winter überall in Deutschland statt, Jagdzeitschriften rufen Fuchsjagdwettbewerbe aus, postulieren Thesen wie „Wer Füchse sieht, hat zu viele davon“ und machen systematisch Front gegen jedwede Form einer auch nur vorübergehenden Schonung dieser Beutegreifer. Als Berlin es einst wagte, die Jagdzeit auf erwachsene Füchse von November bis Januar zu beschränken, war das Geschrei groß, und die grünberockten Redakteure der großen deutschen Jagdzeitschriften sprachen von einem ebenso fahrlässigen wie gefährlichen Werk inkompetenter „Öko-Amateure“ (Wild und Hund, 26/1995). In Anbetracht dieser massiven Front von Abneigung und bisweilen sogar Hass gegen den Fuchs, die sich auch in den einschlägigen Jagdseiten und –foren im Internet überdeutlich manifestiert, überrascht es wenig, dass gerade auf Drängen der Jägerschaft vielerorts gegen Ablieferung von Schwanz oder Ohrspitzen Abschussprämien für jeden erschossenen oder in Fallen getöteten Fuchs gezahlt werden. In praktisch allen Ländern der westlichen Welt dürfte die Jagd zum weitaus bedeutendsten Mortalitätsfaktor in Fuchspopulationen geworden sein: Zwischen 56 und 75 Prozent der jährlich in Deutschland zu Tode kommenden Füchse sterben durch die Jagd (LABHARDT, 1990); wo überdies Kopfprämien gezahlt werden, kommen bisweilen deutlich mehr als 80 Prozent der Füchse vor ihrem ersten Geburtstag ums Leben (MACDONALD, 1993; GORETZKI, TOTTEWITZ & SPARING, 2003). Eine Frage, die im Hinblick auf diese massive Fuchsverfolgung viel zu selten gestellt wird, ist, welchen Zweck all dieses Töten letzten Endes erfüllt. Auf einer rein juristischen Ebene müsste ein „vernünftiger Grund“ für die Fuchsjagd zu identifizieren sein, weil sie ansonsten mit dem Tierschutzgesetz – das eben diesen „vernünftigen Grund“ zwingend vorschreibt – in Konflikt geriete. Auf ethisch-moralischer Ebene müssen wir uns überdies verdeutlichen, dass es bei jedem einzelnen der von Jägern getöteten Individuen um hochentwickelte Säugetiere und Vögel handelt, die nach aktuellem Erkenntnisstand in Ethologie und Neurophysiologie durchaus zu subjektivem Empfinden, Emotionen und Gedanken fähige Wesen sind. Ihr Leben – wie es bei der Jagd zwangsläufig geschieht – vorsätzlich durch Gewaltausübung zu beenden und ihnen dabei in aller Regel erhebliche Schmerzen zuzufügen, ist keine leichtfertig zu treffende Entscheidung. Unter Berücksichtigung dieser Prämissen sollen die unterschiedlichen Argumente, die für eine Bejagung des Fuchses ins Feld geführt werden, einer genaueren Analyse unterzogen werden. ***2. Füchsische Populationsdynamik*** In nahezu allen Fällen, in denen realen oder vermeintlichen ökologischen, epidemiologischen oder ökonomischen Problemen durch die massive jagdliche Verfolgung und Tötung von Füchsen begegnet werden soll, wird stillschweigend von der Gültigkeit der simplen Gleichung „mehr Jagd = weniger Füchse“ ausgegangen. Diese Annahme ist zum zentralen Element jedweder jägerischer Rechtfertigung der Jagd auf Füchse und viele andere Wildtiere geworden, erscheint dieser einfache und leicht zu verstehende monokausale Zusammenhang auf den ersten Blick doch durchaus logisch und einprägsam. Wenn etwa Füchse Hauptüberträger der Tollwut sind, sollte es doch beispielsweise möglich sein, durch intensive Fuchsjagd die Anzahl der Füchse zu reduzieren und dadurch die Tollwut einzudämmen. Seit geraumer Zeit kann jedoch als gesichert gelten, dass gerade diese fundamentale These schlichtweg falsch ist. Sie widerspricht nicht nur den jüngeren Erkenntnissen systematischer Fuchsforschung, sondern steht ganz offensichtlich im Widerspruch zu nahezu allen Erfahrungen, die Menschen in den letzten Jahrzehnten mit der Dynamik von Fuchspopulationen gesammelt haben. Als in den sechziger und siebziger Jahren von den Landwirtschaftsministern Höcherl und Ertl die Tötung aller erreichbaren Füchse zur Bekämpfung der damals grassierenden und sich rasant ausbreitenden Tollwut angeordnet wurde, begann eine regelrechte Vernichtungsschlacht gegen Reineke. Ganze Fuchsfamilien wurden in ihren Bauen vergast, zusätzlich waren Jäger, Hunde und Fallen am Werk, um jeden Fuchs sofort zu töten, der sich auch nur in der Nähe von Menschen blicken ließ. Dennoch blieb die angestrebte drastische Dezimierung der Füchse aus – nach Jahren dieses einseitigen Krieges gab es nicht weniger Füchse als zuvor, und auch die Tollwutfälle hatten eher zu- als abgenommen (WANDELER et al., 1974; ZIMEN, 1980; DEBBIE, 1991).Von sehr ähnlichen Resultaten berichtete auch die Schweizerische Tollwutzentrale, die schließlich konstatierte, Fuchsjagd sei kein adäquates Mittel zur Tollwutbekämpfung, da eine nachhaltige Dezimierung von Füchsen nicht möglich sei (ZIMEN, 1980). Auch gezielte großflächige Reduktionsversuche jüngeren Datums zeigen, dass das Ziel einer Dezimierung der Fuchsbestände „allein mit den heute zur Verfügung stehenden jagdlichen Mitteln kaum zu erreichen ist“ (KAPHEGYI, 2002; BAKER und HARRIS, 2006; KAPHEGYI, 1998; BAKER und HARRIS, 1997). Zurückzuführen ist dies auf eine überaus flexible soziale Dichtekontrolle, mit deren Hilfe Fuchspopulationen nicht nur Verluste von gut zwei Dritteln des Herbstbestandes kompensieren können (BAKER, HARRIS und WHITE, 2006; MACDONALD, 1993), sondern außerdem Überpopulationen mit daraus resultierenden Hungersnöten vermeiden. Werden Füchse nicht bejagt, so neigen sie dazu, in Familiengemeinschaften zusammenzuleben, die im Herbst aus einem Rüden, „seiner“ Füchsin und in der Regel den weiblichen Jährlingen aus dem vorangegangenen Wurf besteht. In diesen Gemeinschaften bringt nur die jeweils älteste Füchsin Welpen zur Welt, während die Jährlingstöchter lediglich bei der Nahrungsbeschaffung und Jungenaufzucht behilflich sind (KAPHEGYI, 2002; MACDONALD, 1993; LABHARDT, 1990). Durch diese soziale Geburtenkontrolle wird der Fuchsbestand auf einem konstanten Niveau gehalten. Greift nun jedoch der Mensch mit Flinte und Falle in dieses soziale Gefüge ein und zerstört es durch die Tötung territorialer Füchse, so brechen die stabilen Sozialstrukturen als Folge der ständigen Umschichtung der sozialen Verhältnisse auf. „Die Füchse haben kaum feste Reviere und keine festen Paarbindungen“, so der Wildbiologe ZIMEN (1992). „Jede läufige Fähe findet ihren eher zufälligen Partner, der, einmal erfolgreich, gleich weiterzieht, um bei der nächsten sein Glück zu versuchen“. Hinzu kommt, dass unter derartigen Bedingungen auch die durchschnittliche Welpenzahl pro Wurf weitaus höher ausfällt als in jagdfreien Gebieten. Eine holländische Studie weist die durchschnittliche Wurfgröße in bejagten Gebieten beispielsweise mit durchschnittlich fünf aus, wohingegen dieser Wert in einem jagdfreien Dünenareal bei Amsterdam lediglich zwischen zwei und drei Welpen pro Füchsin lag (VAN DER VLIET und BAEYENS, 1995; MULDER, 1988). In einer vergleichenden Studie aus Großbritannien wurde in einem Gebiet mit niedriger Fuchsdichte eine mittlere Wurfgröße von 6,38, in einer Region mit höherer Fuchsdichte dagegen lediglich von 4,49 Welpen ermittelt (HEYDON und REYNOLDS, 2000). Wie MACDONALD (1993) ausführt, ist die hohe Reproduktionsrate bei nordamerikanischen Füchsen in den 70er Jahren auf den hohen Pelzpreis (und dementsprechend intensives Jagen und Fallenstellen) zurückzuführen. Demgegenüber zeigen die unter geringfügig niedrigerem Jagddruck leidenden mitteleuropäischen Fuchspopulationen zwar ähnlich hohe Anteile an reproduzierenden Füchsinnen, aber niedrigere Wurfgrößen. In fuchsjagdfreien Gebieten wie etwa jenem um die englische Stadt Oxford ist die Fortpflanzungsrate noch deutlich geringer – hier bekommen nämlich wesentlich weniger Fuchsfähen überhaupt Nachwuchs. Tatsächlich deutet die Entwicklung der Jagdstrecken darauf hin, dass die mitteleuropäischen Fuchspopulationen nach der Zurückdrängung der Tollwut im Zeitraum zwischen 1990 und dem Beginn des neuen Jahrtausends deutlich gewachsen sind. Seitdem haben sie sich jedoch – bedingt durch die soziale Dichteregulation – auf einem konstanten Niveau eingependelt. Diese Beobachtung deckt sich mit den von BELLEBAUM (2003) berechneten Populationsmodellen zur Bestandsentwicklung des Fuchses nach der Einführung der Tollwutimpfung: Hier war „eine vorübergehend erhöhte Wachstumsrate in den ersten Jahren nach der Immunisierung“ zu verzeichnen, die jedoch nach weniger als zehn Jahren wieder zurückging, so dass die Fuchspopulation sich auf einem stabilen Niveau hielt. BAKER, HARRIS und WHITE (2006), die sich schon seit Jahrzehnten mit der Populationsdynamik des Fuchses befassen, sehen es als erwiesen an, dass Fuchspopulationen nicht durch das verfügbare Nahrungsangebot, sondern durch soziale Mechanismen reguliert werden. Langzeitbeobachtungen aus Großbritannien weisen dementsprechend aus, dass auch bei einem deutlichen Überangebot an Nahrung kein weiterer Anstieg der Fuchspopulation zu verzeichnen ist (HARRIS et al., 1995), und jüngste Studien an (unbejagten) Stadtfüchsen zeigen, dass selbst bei einem 150fachen Nahrungsüberschuss kein Anwachsen der Fuchsdichte und keine Verkleinerung der Fuchsterritorien mehr erfolgt (BAKER, HARRIS und WHITE, 2006). Interessanterweise wird von engagierten Fuchsjägern immer wieder eine einzelne „Studie“ gegen diese nach wissenschaftlichen Maßstäben doch recht eindeutige Erkenntnislage ins Feld geführt. Dabei handelt es sich um einen vierseitigen Text des jagenden Biologen PEGEL (2004) von der Wildforschungsstelle des Landes Baden-Württemberg, der jedoch keinesfalls als Studie oder Arbeit mit wissenschaftlichem Anspruch misszuverstehen ist. Es gibt weder Literaturangaben oder Zitate, noch werden Publikationen oder Forschungsergebnisse erwähnt, die Pegels Behauptungen einer vermeintlichen Notwendigkeit der Fuchsbejagung untermauern. Mit Hilfe simpler Rechenbeispiele auf Basis völlig hypothetischer Zahlen und den sich gegen den bundesweiten Trend entwickelnden Jagdstrecken eines einzelnen Bundeslandes wird stattdessen versucht, Möglichkeit und Erfordernis einer jagdlichen „Fuchsreduktion“ zu konstruieren. So geht Pegel beispielsweise davon aus, dass Fuchsfähen als „genetisch fixiertes Maximum“ im Mittel nicht mehr als fünf Welpen zur Welt bringen können, obwohl in Studien mittlere Wurfgrößen von deutlich über sechs Welpen ermittelt wurden (HEYDON und REYNOLDS, 2000). Darüber hinaus vergleicht er die Bestandsentwicklung bejagter und unbejagter Fuchspopulationen anhand völlig hypothetischer Zuwachs- und Mortalitätsraten, die weder mit der jagdlichen noch mit der biologischen Realität in Einklang zu bringen sind – die von ihm im „Reduktionsszenario“ angenommene Ausdünnung der Fuchsdichte durch die Jagd um 71% des Sommerbestandes dürfte in der Praxis großflächig niemals zu erreichen sein (siehe dazu z.B. LABHARDT, 1990). Ganz nebenbei werden in der Praxis enorm wichtige Faktoren wie die Zuwanderung von Füchsen aus deckungsreichen Gebieten schlichtweg ignoriert. In Summe lässt sich damit konstatieren, dass Pegels Text vielleicht als Argumentationshilfe für bedrängte Fuchsjäger, nicht aber als fundierter Diskussionsbeitrag gelten kann. Es fällt in Anbetracht all dieser Tatsachen schwer, eine wie auch immer geartete Sinnhaftigkeit oder gar Notwendigkeit der Fuchsjagd zu erkennen. Offensichtlich ist eine großflächige Dezimierung von Füchsen mit jagdlichen Mitteln nicht möglich, und auch die Nichtbejagung von Fuchspopulationen scheint durch die Reduktion der Geburtenrate keineswegs die von Jägerseite immer wieder prophezeite „Explosion“ der Fuchsbestände zur Folge zu haben, wie ein Blick in jagdfreie Gebiete zeigt. Ob in den deutschen Nationalparks Berchtesgaden (KRÜGER, 2002) und Harz (KÖTTNER, 2002), im gänzlich jagdfreien italienischen Gran Paradiso-Nationalpark (BASSANO, 2001), im Schweizer Nationalpark (HALLER, 2002), in den Dünengebieten Nordhollands (VLIET und BAEYENS, 1995), in verschiedenen urbanen Gebieten Englands (MACDONALD, 1993), im irischen Kilarney-Nationalpark oder auch dem kanadischen Prince-Albert-Nationalpark (HENRY, 1996): Dort sind keine drastischen Anstiege der Fuchspopulationen, signifikante negative Auswirkungen auf die Bestände anderer Tierarten oder gar Schäden durch die Einstellung der Fuchsjagd zu berichten. ***3. Füchse und Krankheiten*** Der Grundgedanke, der hinter der jagdlichen Bekämpfung der Tollwut steht, liegt darin, die Fuchspopulation auf einen kleinen Teil ihrer ursprünglichen Dichte zu reduzieren. Dadurch, so die Theorie, werden Begegnungen zwischen Füchsen so selten, dass die Infektionskette abreißt und die Tollwut erlischt. Aus bekannten Gründen scheiterte dieser Plan bereits im Ansatz – und damit nicht genug: Interessanterweise nahm gerade in jener Zeit, in der die Fuchsbekämpfung intensiviert wurde, die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Tollwut zu, was Forscher (KAPHEGYI, 2002; MACDONALD, 1993; ZIMEN, 1980) zu der Annahme brachte, die Fuchsjagd sei als Mittel zur Tollwutbekämpfung gänzlich kontraproduktiv. Insbesondere dort, wo niederwildreiche Feldreviere, in denen hoher Jagddruck auf den Füchsen lastet, an deckungsreiches Waldland grenzt, „wandern revierlose Jungtiere zwangsläufig in die freiwerdenden Territorien der offenen Landschaft ab und sorgen für einen regen Grenzverkehr“ (MACDONALD, 1993). Dadurch steigt die Kontaktrate der Füchse untereinander an, anstatt – im Sinne des ursprünglichen Ziels der Fuchsverfolgung – abzunehmen. Da überdies „in dem sozialen Chaos der intensiv bejagten Feldfuchs-Gesellschaft Kämpfe und wohl auch Verletzungen an der Tagesordnung sind, hat das Tollwutvirus hier beste Chancen, sich rasch auszubreiten“. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass Fuchsjagd die Nachwuchszahlen erhöht und somit im Herbst eine größere Anzahl an Jungrüden – die das elterliche Territorium zu diesem Zeitpunkt verlassen – auf Reviersuche umherstreift. Gerade diese Jungtiere sind es jedoch, die aufgrund ihrer zahlreichen Begegnungen mit Artgenossen mit höherer Wahrscheinlichkeit tollwutpositiv sind, und die aufgrund ihrer kilometerlangen Wanderungen die Tollwut oftmals erst in neue Gebiete einschleppen. JOHNSTON (1979, zit. in BURROWS und MATZEN, 1981) fand dementsprechend bei seinen Untersuchungen, dass 66% der gefundenen tollwutpositiven Füchse Rüden, und davon wiederum 65% jugendliche Tiere waren. Hinzu kommt, dass fuchsleer geschossene Reviere eine regelrechte Sogwirkung auf reviersuchende Jungtiere besitzen (LABHARDT, 1990) und so Wanderbewegungen innerhalb der Fuchspopulation zusätzlich fördern. Bezeichnenderweise war auch im Kampf gegen die Tollwut erst eine Vorgehensweise von Erfolg gekrönt, die ganz ohne die Tötung von Füchsen auskommt. Seit Mitte der achtziger Jahre werden im großen Stil speziell entwickelte Impfköder zur oralen Immunisierung der Füchse gegen die Tollwut ausgelegt. Die Vorteile dieses Verfahrens liegen auf der Hand: Es ist ethisch akzeptabel, lässt das füchsische Sozialsystem intakt, und ist überdies weitaus billiger als die massive Verfolgung des Fuchses unter Zuhilfenahme von Abschussprämien. So ergab eine für den Raum Oberbayern im Zeitraum von 1983 bis 1987 angestellte Kosten-Nutzen-Analyse, dass die finanziellen Aufwendungen für die Fuchsbekämpfung die Kosten der oralen Immunisierung um das 13fache überstiegen (SCHNEIDER, 1991). Eine ganz ähnliche Situation finden wir im Hinblick auf den Fuchsbandwurm vor, einen Tierparasit, dessen Endwirt der Fuchs ist, und dessen Eier bei Aufnahme durch den Menschen zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung, der alveolären Echinokokkose, führen können. Die Echinokokkose wurde mit Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes am 1. Januar 2001 in Deutschland meldepflichtig; daher liegen seitdem akkurate Zahlen über die Anzahl an Infektionen vor. Das dafür zuständige Robert-Koch-Institut in Berlin veröffentlicht die ausgewerteten und bestätigten Meldungen in den jeweiligen infektionsepidemiologischen Jahrbüchern. Demnach wurden im Jahr 2001 bundesweit zwölf Erkrankungsfälle an alveolärer Echinokokkose gemeldet; 2002 waren es sechs, 2003 insgesamt 21, 2004 16 und 2005 15 Meldungen (PEG, 2006). Europaweit nahmen die Infektionsfälle trotz in den 1990er Jahren steigender Fuchsdichten und wachsender Befallsraten nicht zu (SRETER et al., 2004). Das Erkrankungsrisiko ist in Deutschland also vergleichsweise gering und betrifft vornehmliche Angehörige von Risikogruppen wie Jäger, Bauern oder Förster (KERN, 2003), weswegen man davon ausgeht, dass erst eine Dauerexposition und nicht bereits die einmalige Aufnahme von Bandwurmeiern zur Erkrankung führt. Diese epidemiologischen Fakten lassen die regelrechte Panikmache vor dem Fuchsbandwurm, die insbesondere von Jagdverbänden in Lokalzeitungen und anderen Medien lanciert wird, bereits reichlich absurd erscheinen. Hinzu kommt, dass bislang kein einziger Hinweis darauf existiert, dass die zur Bekämpfung des Fuchsbandwurms von Jägerseite propagierte Bejagung die Befallsrate der Füchse oder die Gesamtbiomasse des Fuchsbandwurms zu reduzieren vermag. Da eine großflächige Reduktion der Fuchsdichte mit jagdlichen Mitteln nicht zu erreichen ist, gäbe es hierfür auch keinen plausiblen Mechanismus. Mittel der Wahl im Kampf gegen den Fuchsbandwurm sind heutzutage Entwurmungsköder, über die den Füchsen eine orale Wurmkur verabreicht wird. Bereits zu Beginn der 1990er Jahre konnte in Studien im Raum Göppingen die Effizienz dieser Methode nachgewiesen werden (FRANK, 1991); jüngere Untersuchungen aus verschiedenen Regionen untermauern diese Erkenntnisse. Von 2003 bis 2007 wurden beispielsweise im Landkreis Starnberg Entwurmungsköder ausgelegt. Waren 2003 noch 51% der Füchse mit dem Fuchsbandwurm infiziert, so sank diese Zahl im Jahr 2005 auf 42%, 2006 auf 12%, und im März 2007 betrug die Befallsrate sogar nur noch 0,8% (KÖNIG und ROMIG, 2007). In diesem Kontext wirkt sich die Bejagung der betreffenden Fuchspopulationen einmal mehr kontraproduktiv aus. HEGGLIN, WARD und DEPLAZES (2003) argumentieren, dass vor allem bei regional stark beschränkter Köderauslegung ein geringes Ausmaß an Wanderbewegungen innerhalb der Fuchspopulation wünschenswert ist, um einen möglichst großen Anteil der Füchse zu entwurmen. Da Fuchsjagd die räumliche Dynamik der Füchse jedoch signifikant erhöht, ist die Auslegung von Entwurmungsködern insbesondere dort effektiv, wo kein oder nur geringer Jagddruck auf den Füchsen lastet. Ganz ähnlich wie für die Tollwut gilt zudem, dass Jungtiere – die bei intensiver Fuchsverfolgung einen erheblich größeren Teil der Fuchspopulation stellen – durch ihre weiten herbstlichen Wanderungen auf Reviersuche besonders zur Verbreitung des Fuchsbandwurms beitragen. Auf Jungfüchse entfällt bis zu 85% der Gesamtbiomasse an Echninokokkus multilocularis (DEPLAZES, 2004). Tollwut und Fuchsbandwurm sind als Rechtfertigungen für die Bejagung von Füchsen damit gänzlich ungeeignet. ***4. Füchse und ihre Beutetiere*** Ein wenigstens unter Jägern durchaus geläufiges Argument für die Fuchsjagd leitet sich aus dem Prädatorendasein von Vulpes vulpes ab: Als Beutegreifer ist er darauf angewiesen, andere Tiere zu töten, um überleben zu können. Dadurch tritt er natürlich in Beutekonkurrenz zum Jäger, der das vom Fuchs gerissene Niederwild lieber selber erbeuten würde, und der ihm dementsprechend nach dem Leben trachtet. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Anwesenheit von Beutegreifern wie Füchsen oder Mardern das Waidmannsvergnügen durchaus dämpfen kann. Wie etwa SPITTLER (1991) in der Zeitschrift „Rheinisch-Westfälischer Jäger“ unter der vielsagenden Überschrift „Fuchsjagd tut Not“ ausführte, ist rigorose Fuchsverfolgung notwendig, „um den Fuchs auf die niedrige Besatzdichte zu bringen, die erforderlich ist, um eine optimale Hasen- und Fasanenstrecke zu erzielen“. KALCHREUTER (1984), vielzitierter Protagonist uneingeschränkter Jagdfreuden, rechnet in seinem Standardwerk „Die Sache mit der Jagd“ anhand der Zustände auf der Nordseeinsel Föhr vor, dass man beim Fehlen natürlicher Beutegreifer jährlich 46% des Herbstbestandes an Hasen auf 91% der Revierfläche „abschöpfen“ kann, während unter normalen Umständen nur 19% der Hasen auf 38% der Revierfläche der jagdlichen Nutzung zugeführt werden können. Aus ethischer Sicht kann Beutekonkurrenz als Motiv für die Bejagung von Beutegreifern wohl durchaus als zweifelhaft gelten; selten ist sie indes mit Sicherheit nicht, wie dem geneigten Leser bei Durchsicht der gängigen Jagdzeitschriften oder Internet-Jagdforen rasch deutlich werden wird. Dennoch dürfte das jägerische Ansinnen, durch den Abschuss einer höheren Zahl von Beutegreifern bei herbstlichen Treibjagden mehr Hasen töten zu können, in weiten Schichten der nicht jagenden Bevölkerungsmehrheit auf Ablehnung stoßen. Was läge da näher als eine Neudefinition des Problems – statt die Beutekonkurrenz zwischen Jäger und Fuchs zu thematisieren, nutzt man die Prädatorenrolle des Fuchses und die bedrängte Situation, in der sich mitteleuropäische Feldhasen- oder Rebhuhnbestände befinden, gekonnt, um Füchse für die Ausrottung des Niederwildes verantwortlich zu machen. Der Jäger selbst wird nun zum Naturschützer, indem er seinerseits die Füchse tötet und damit die gefährdeten Beutetiere des Fuchses rettet. Jagende Wissenschaftler wie GUTHÖRL (1995), PEGEL (2004), MÜLLER (1997) oder der sich in Interviews als „Jagd-Missionar“ bezeichnende KALCHREUTER (1984) gehen dabei so weit, zu postulieren, dass nur die massive Bekämpfung des Fuchses etwa den Feldhasen als Art langfristig erhalten könne, und sie empfangen dafür auf den Leserbriefseiten und in den Internetforen der Jagdzeitschriften viel Applaus. Dabei sind sie allerdings nicht in der Lage, zu erläutern, wie die zur Rettung der Hasen- und Rebhuhnbestände angeblich erforderliche großflächige Reduktion der Fuchsbestände denn überhaupt mit jagdlichen Mitteln erreicht werden soll. Auch die „Ausrottungs-These“ an sich stößt in der Wissenschaft auf massiven Widerspruch. So stellten die Jagdwissenschaftler DÖRING und HELFRICH (1986) in Bezug auf das Rebhuhn fest, dass Prädatoren die Populationsdichte des Rebhuhns „nicht entscheidend“ beeinflussen und „ausschließlich in Konkurrenz zur jagdlichen Nutzung“ von Bedeutung sein können. SCHNEIDER (1995), einer der führenden Hasenforscher Deutschlands, kommt in Hochrechnungen zu dem Ergebnis, dass allenfalls 5 Prozent der Hasen Beutegreifern zum Opfer fallen, während der Rest in variierenden Anteilen durch Landwirtschaft, Straßenverkehr, Krankheiten, Jäger und insbesondere Hunger infolge des stickstoffgeschwängerten Einheitsgrüns unserer Landschaft zu Tode kommt. Allgemein sind übrigens die Anteile des sogenannten „Niederwildes“ in Fuchslosungen und -mägen durchweg gering. Überall in Europa, einschließlich osteuropäischen Ländern, in denen Hasen noch in großer Zahl vorhanden sind, liegt der Anteil der gefundenen Fuchslosungen mit Hasenresten durchweg unter 10% (LABHARDT, 1990), Studien im Bliesgau wiesen ihn in den Monaten Januar bis Mai mit 4,8%, sonst mit unter 2% aus, wohingegen keine Verluste bei den in geringen Dichten vorkommenden Rebhühnern und Fasanen festzustellen waren (LABHARDT, 1991). Im Saarland war der Wildgeflügelanteil während einer dreijährigen Studie mit durchschnittlich 3,5% zu beziffern (REICHHOLF, 1989), im Rheintalgraben wurde der Anteil der zu Jagdzwecken ausgesetzten Fasanen mit 1,82%, der des Rebhuhns mit 0,156% angegeben (MATEJKA et al., 1977), in Polen und der zu diesem Zeitpunkt noch existenten DDR lag der Anteil von vogelhaltigen Fuchslosungen bei durchschnittlich 5,5% (GOSZCYNSKI, 1974) – und Untersuchungen in der Camargue ergaben, dass Entenvögel insbesondere dann erbeutet werden, wenn viele von ihnen durch die Jagd angeschossen oder geschwächt sind (REYNOLDS, 1979). Bei Untersuchungen im rheinland-pfälzischen Winzheimer Feld, bei denen unter anderem auch die Todesursachen von Rebhühnern festgehalten wurden, waren die Verluste durch Beutegreifer ebenfalls gering (LINN, 1994), und verschiedene Studien aus Großbritannien legen nahe, dass Füchse keinen signifikanten Einfluss auf Feldhasen- (McDONALD et al., 1997) und Rebhuhnpopulationen (POTTS, 1986) besitzen. Eine großangelegte Studie in den Niederlanden, die die Erforschung des Einflusses von Füchsen auf die Populationen bedrohter Wiesenvogelpopulationen zum Inhalt hatte, brachte ebenfalls Entlastung für Meister Reineke: Beutegreifer im allgemeinen spielten für den Rückgang der Vogelarten nur eine untergeordnete Rolle, und Fuchsrisse im besonderen erwiesen sich mit durchweg weniger als fünf Prozent der insgesamt von Beutegreifern verursachten Verluste als unbedeutend (TEUNISSEN, SCHEKKERMAN und WILLEMS, 2006). In praktisch allen Fällen hat die Misere, in der sich viele Tierarten in unserer heutigen, vom Menschen beherrschten Kulturlandschaft befinden, letztlich anthropogene Ursachen. SCHNEIDER (1995, 1997) wies beispielsweise nach, dass die massive Überdüngung der Felder mit Stickstoff eine drastische Abnahme der physiologischen Verwertbarkeit der betreffenden Pflanzen zur Folge hat. Auf der durchschnittlichen mitteleuropäischen Ackerfläche sind demzufolge nur 21% der aufgenommenen Nahrung für Hasen verwertbar, während der Rest ungenutzt wieder ausgeschieden wird und die Tiere quasi mit vollem Magen verhungern. Unverständlich ist auch, warum die Jägerschaft dem Drängen von Naturschützern zum Trotz auf Biegen und Brechen an der Bejagung des Feldhasen festhält und jährlich nach wie vor über 400.000 dieser Tiere tötet – obschon selbst PEGEL seinen Jagdgenossen bereits 1984 vorrechnete, dass sie die jährlichen Zuwachsraten beim Feldhasen systematisch überschätzten. Auch das Rebhuhn ist in erster Linie ein Opfer moderner Landwirtschaft – durch die Flurbereinigung und den damit verbundenen Wegfall geeigneter Nistplätze (REICHHOLF, 1989; PIELOWSKI, 1986) wurden weite Teile der Landschaft für diese Vogelart unbewohnbar. Zusätzlich wirkt sich die Anwendung toxischer Spritzmittel in der Landwirtschaft negativ aus, da Rebhuhnküken auf Kleininsekten als Eiweißquelle angewiesen sind (EVANS und WILSON, 2001; REICHHOLF, 1989). Es wäre also ganz offensichtlich angebracht, die Flinte zur Seite zu legen und stattdessen Hecken zu pflanzen, Ausgleich für zerstörte Biotope zu schaffen und die Lebensgrundlagen der gefährdeten Tiere wiederherzustellen. Selbst Organisationen wie der Ökologische Jagdverein, der ganz sicher nicht in dem Ruf steht, ein Verband für Fuchsfreunde zu sein, sieht in der massiven Verfolgung des Fuchses zum angeblichen Schutz bedrohter Beutearten eine gefährliche „Hetze gegen Füchse“, die sinnlos Ressourcen bindet und von den tatsächlichen Rückgangsursachen bedrohter Tierarten ablenkt (KORNDER, 2001). Zu demselben Resultat kommt KAPHEGYI (1998) im Rahmen einer Studie zum Einfluss großflächiger Fuchsbekämpfung auf die Populationsentwicklung bedrohter Rauhfußhühner. Es kann in Anbetracht dessen wohl konstatiert werden, dass die großflächige Bejagung von Beutegreifern nur schwerlich als unverzichtbarer Beitrag zum Schutz bedrohter oder seltener Arten gewertet werden kann. Interessanterweise scheint dies oft selbst für Fälle zu gelten, in denen lokal begrenzte Restpopulationen bedrohter Arten vor Fuchsprädation geschützt werden sollen: Als in den 1970er Jahren etwa in Holland die Löffelentenpopulation auf ganze 200 auf einige wenige Naturschutzgebiete verteilte Tiere geschrumpft war, begann man voller Panik, in diesen Arealen so viele Füchse wie möglich zu töten. Da dies zu keinem Erfolg führte, stellte man die Fuchsjagd in den betreffenden Gebieten nach einigen Jahren wieder vollständig ein (VAN BAARSEN, 1997). Da Füchse nämlich territorial organisiert sind und infolgedessen ihr Revier nicht nur gegen eindringende füchsische Artgenossen, sondern auch gegen andere Prädatoren wie Steinmarder oder Iltis verteidigen, halten sie den Prädationsdruck auf die bedrohte Vogelpopulation auf einem konstanten Niveau. Dieses Niveau ist überdies verhältnismäßig niedrig, weil Füchse den seltenen Vögeln nicht gezielt nachstellen (SEYMOUR et al., 2003), sondern sich in erster Linie an ihre Hauptbeute – in aller Regel Mäuse und Kaninchen – halten, und ihre bevorzugten Aufenthaltsorte und Pässe überdies den Vögeln bekannt sind. Werden die betreffenden territorialen Standfüchse nun jedoch weggeschossen, kann das Revier nicht mehr verteidigt werden, und wie bereits erwähnt, hat ein solches Vakuum eine regelrechte Sogwirkung auf vagabundierende Jungfüchse zur Folge. Damit wächst der Prädationsdruck auf die Vögel womöglich sogar an; das ursprüngliche Vorhaben – nämlich die Beutetiere der Füchse zu schützen – ist gescheitert. Ganz davon abgesehen, reagieren viele Vogelarten insbesondere in der Brut- und Aufzuchtzeit sehr empfindlich auf menschliche Störungen; der Abschuss von Füchsen würde infolgedessen unvermeidbar zu Gelegeverlusten und erhöhter Mortalitätsrate bei unselbständigen Jungtieren führen. Lediglich Schutzzäune erscheinen als menschlicher Eingriff in dieses Räuber-Beute-System bisweilen sinnvoll (SWAAN, 1997; PATTERSON, 1977). Dass die großflächige Reduktion von Füchsen mit jagdlichen Mitteln unmöglich ist, wurde vielfach zweifelsfrei belegt. Nur dort, wo mittels extremer Fuchsbekämpfung überhaupt eine drastische lokale Ausdünnung oder sogar Ausrottung von Füchsen – und natürlich allen anderen relevanten Beutegreifern – erreicht werden kann, ist überhaupt denkbar, dass Restpopulationen einer Beuteart von der Fuchsverfolgung profitieren. Voraussetzung dafür sind sehr deckungsarme Gebiete, in denen ein Großteil der Füchse getötet und eine Einwanderung vagabundierender Füchse aus dem Umland weitestgehend ausgeschlossen werden kann. Die Bejagung der Füchse durch Freizeitjäger dürfte dabei nicht ausreichend sein – SCHWARZ, SUTOR und LITZBARSKI (2005) stellten beispielsweise fest, dass selbst durch Anreize zur intensiven Fuchsbekämpfung mittels eines Prämiensystems kein ausreichend hoher Jagddruck zur Reduktion der Fuchsprädation in brandenburgischen Großtrappenlebensräumen aufgebaut werden konnte, sondern dass hierfür eigens eingestellte Berufsjäger erforderlich sind. Ob jedoch der gewaltsame Tod Hunderter oder Tausender Füchse, Marder, Krähen und Greifvögel pro Jahr zur Verlängerung des Überlebens einer wenige Dutzend Tiere zählenden Vogelpopulation ethisch rechtfertigbar ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Außerdem stellt sich die Frage, ob die dazu eingesetzten finanziellen und personellen Ressourcen nicht weitaus besser und effektiver in Maßnahmen zur Restrukturierung des Lebensraums der bedrohten Art und demnach zur dauerhaften, nachhaltigen Sicherung ihres Überlebens eingesetzt werden könnten. HEIDEMANN (2002) argumentiert daher: „Bei genauerer Betrachtung sollte klar werden, dass tiefgreifende und vielschichtige, vom Menschen verursachte Lebensraumveränderungen und nicht die Raubsäuger die primäre Ursache für die Bestandseinbrüche bei den Vögeln sind. Diese Probleme können eben nicht durch fortwährendes Töten von Raubsäugern beseitigt werden, sondern allein durch Lebensraumgestaltung. An den Beispielen von Birkwild und Kiebitz in Norddeutschland oder der Großtrappe in Brandenburg werden diese Zusammenhänge besonders deutlich. Diese Arten konnten weder durch die Einrichtung von relativ kleinräumigen Schutzgebieten noch durch Jagd auf alle möglichen Beutegreifer in größeren und stabilen Beständen erhalten werden“. Und sein Kollege BELLEBAUM (2002), der sich intensiv mit der Rolle der Prädation beim Rückgang bodenbrütender Vögel auseinandersetzt, führt aus: „Unbegründete Dezimierungsmaßnahmen sind nicht nur rechtlich fragwürdig, sondern können auch die Energien und Geldmittel des Naturschutzes von den eigentlichen Ursachen ablenken und so den langfristig den Erfolg von Schutzbemühungen gefährden. Anders, als viele Menschen leider noch immer annehmen, besitzen Beutegreifer in der Natur eine wichtige Rolle. Da etwa Füchse nicht in der Lage sind, gesunde Hasen im Lauf zu erwischen, fallen ihnen in erster Linie kranke Tiere zum Opfer, die ansonsten womöglich andere Artgenossen mit ihrer Krankheit infiziert (SCHNEIDER, 1997; VOSS und EICHER, 2002) und dementsprechend weitaus gravierendere Verluste herbeigeführt hätten. Schon Jagdbuchautor KREBS (1974) berichtet beispielsweise, dass dort, wo nach Tollwutepidemien einzelne Gebiete nahezu frei von Füchsen waren, die Hasenstrecken keineswegs anwuchsen, dafür aber die Seucheninfektionen unter Hasen signifikant zunahmen. Auch aus der sicherlich kritischen Situation, in der sich viele Vogel- und Säugetierbestände nach wie vor befinden, kann somit keine Rechtfertigung für die großflächige Fuchsverfolgung abgeleitet werden. ***5. Füchse als Gefahr für Haustiere und Landwirtschaft?*** Nicht zuletzt steht der Fuchs auch heute noch in dem Ruf, ein Hühnerdieb zu sein. Insbesondere zur Zeit der Jungenaufzucht, in der Fuchs und Füchsin nicht nur sich selbst, sondern auch ihren Nachwuchs mit Nahrung versorgen müssen, fällt ihnen in unzureichend geschützten Freilandgehegen in Waldnähe gehaltenes Hausgeflügel zum Opfer. Grundsätzlich sind freilaufende Hühner Gefahren durch eine ganze Reihe an Prädatoren ausgesetzt – angefangen bei streunenden Hunden und Katzen bis hin zu Mardern und eben Füchsen -, doch ist es grundsätzlich möglich, Hühner in Freilandgehegen vor dem Zugriff eben dieser Beutegreifer zu schützen, indem beispielsweise ein fuchssicherer Zaun errichtet wird. Als „fuchssicher“ kann in diesem Fall ein Zaun gelten, der ausreichend engmaschig, knapp zwei Meter hoch und überdies mindestens 30-50 Zentimeter in den Boden eingelassen ist, damit der Fuchs sich nicht darunter hindurchgraben kann (MACDONALD, 1993). Auch Elektrozäune haben sich in Studien als sehr wirkungsvoll erwiesen: Wie McDONALD et al. (1997) berichten, gab es 1993 in keinem von 50 mit Elektrozäunen ausgestatteten Freilandgehegen in Großbritannien Verluste durch Beutegreifer. Selbst dort, wo nur unzureichende Schutzmaßnahmen ergriffen worden waren, fielen trotz der in England vergleichsweise hohen Fuchsdichte im Schnitt weniger als 2 Prozent der Legehennen wild lebenden Prädatoren zum Opfer, während die natürliche Mortalität mit 8,3 bis 11,6% zu Buche schlug (McDONALD et al., 1997). Aus ökonomischer Sicht sind die Verluste durch Beutegreifer also als unbedeutend einzustufen; da sie überdies allenfalls punktuell auftreten und durch hinreichenden Schutz der Hühner vermeidbar sind, vermögen sie schwerlich als Grund für die massenhafte Verfolgung wild lebender Prädatoren zu gelten. Insbesondere aus Großbritannien sind zahlreiche Studien bekannt, die sich der Fragestellung widmen, inwiefern Fuchsprädation Aufzucht und Haltung von Schafen negativ beeinflusst. Als gesichert kann dabei gelten, dass Füchse adulten Schafen nicht gefährlich werden, sondern allenfalls Lämmer erbeuten. Studien weisen aus, dass von jenen Lämmern, die nicht das Erwachsenenalter erreichen, 40% bereits tot geboren werden, 30% durch Witterungseinflüsse und Nahrungsmangel sterben, 25% durch Krankheiten und angeborene Defekte umkommen und lediglich 5% durch Unfälle und Beutegreifer getötet werden. Selbst unter diesen 5% handelt es sich bei einem Großteil der Tiere um Lämmer, die mit Krankheiten infiziert oder von der Mutter verlassen worden sind und die die folgenden Tage ohnehin nicht überlebt hätten (McDONALD, 1997). Als man überdies in einem Gebiet mit intensiver Freilandhaltung von Schafen in Schottland die Fuchsjagd für drei Jahre vollständig aussetzte, konnten keine Hinweise auf erhöhten Prädationseinfluss festgestellt werden; die jährlichen Verluste durch Füchse blieben konstant bei weniger als 1% der neugeborenen Lämmer (HEWSON, 1990; MOBERLY, WHITE und HARRIS, 2002). Ein Blick auf die eingangs erwähnten Mortalitätsursachen in der Schafzucht legt nahe, dass nicht die Elimination von Beutegreifern, sondern die Optimierung der Lebensbedingungen neugeborener Lämmer (Schutz vor Kälte und Witterung; bessere Nahrungsversorgung) einen signifikanten Beitrag zur Verbesserung der Überlebensraten leisten könnte. Auch das britische Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung (MAFF) schließt sich dieser Folgerung in einer 1998 veröffentlichten Broschüre an. Wenn die Frage eventueller Schäden durch Füchse an der Landwirtschaft gestellt wird, muss andererseits allerdings auch berücksichtigt werden, dass von Landwirten als Schädlinge betrachtete kleine Säugetiere wie Wühlmäuse oder Kaninchen zu den bevorzugten Beutetieren des Fuchses gehören. Auch wenn Studien zum Einfluss von Fuchspopulationen auf die Abundanz ihrer Hauptbeutetiere uneinheitliche Resultate liefern und tendenziell eher nahe legen, dass in den meisten Gebieten allenfalls eine temporäre Reduktion von Wühlmaus- und Kaninchendichten durch die Fuchsprädation gegeben ist (McDONALD, 1997), scheint eine häufige Präsenz von Füchsen und anderen Prädatoren Wühlmäuse fernzuhalten (JEDRZEJEWSKI, zit. in McDONALD, 1997). Studien zeigten, dass verschiedene Mäusearten sich von der Witterung des Fuchses fernhalten, und dass sich weibliche Wühlmäuse an Orten mit hohem Prädationsdruck mit geringerer Wahrscheinlichkeit fortpflanzen (KLEMOLA, zit. in McDONALD, 1997). BAKER, HARRIS und WHITE (2006) stellten anhand in verschiedenen Studien erhobener Zahlen die durch Füchse verursachten Kosten im landwirtschaftlichen Bereich dem ökonomischen Nutzen durch das Reißen landwirtschaftlicher „Schädlinge“ gegenüber. Selbst bei einer konservativen Schätzung wiegt demnach der Nutzen sämtliche durch das Reißen von Nutztieren verursachten Schäden durch Füchse auf; mit großer Wahrscheinlichkeit übersteigt der Nutzen in der Praxis die Schäden jedoch deutlich. Es liegen dagegen keine aus systematischer Forschung erwachsenden Anhaltspunkte vor, die einen positiven Einfluss der Fuchsjagd auf die Landwirtschaft nahe legen. ***6. Folgen der Fuchsjagd für die Füchse*** In den vorherigen Abschnitten dieses Beitrags wurden vornehmlich die Folgen der Fuchsjagd oder einer Beendigung derselben auf die Umwelt des Fuchses unter ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten diskutiert. Fuchsjagd – oder, viel allgemeiner, das Töten von Tieren – ist jedoch ein Thema, das nicht in einem sozialen oder ethisch-moralischen Vakuum diskutiert werden kann. Immerhin geht es bei jedem der über 600.000 Füchse, die Jahr für Jahr durch Jäger getötet werden, um ein hochentwickeltes Säugetier, das – nach allem, was die vergleichende Verhaltensforschung ans Licht gebracht hat – zu subjektiven Empfindungen, engen sozialen Bindungen und äußerst sensiblen Reaktionen auf seine Umwelt fähig ist. Natürlich ist es schwer, nach wissenschaftlichen Kriterien zu erfassen, was es bedeutet, wenn Jungfüchse bei der Baujagd unmittelbar vor ihrer Mutter vom Jagdhund totgebissen werden, wenn Familiengemeinschaften zerstört, Tiere angeschossen, in Fallen verwundet oder mit Knüppeln erschlagen werden. Der einzige Zugang, der sich uns neben der Beobachtung physiologischer Parameter zur Objektivierung der Folgen solcher Ereignisse bietet, sind Verhaltensänderungen, die durch den systematischen Vergleich jagdfreier mit bejagten Gebieten zweifelsfrei auf den Jagddruck zurückzuführen sind. Nach allem, was wir wissen, kann als gesichert gelten, dass in bejagten Fuchspopulationen ein deutlich höheres Niveau an individuellem Stress herrscht und weitaus mehr aggressive Auseinandersetzungen mit Artgenossen sowie Grenzkonflikte zwischen Fuchsterritorien zu beobachten sind (MACDONALD, 1993). Darüber hinaus sinkt die Stabilität von Familiengemeinschaften, während die individuelle Lebenserwartung in bejagten Arealen naheliegenderweise deutlich niedriger als in jagdfreien Gebieten ist (LABHARDT, 1990). Fuchsjagd wirkt sich in vielerlei Hinsicht auf das Verhalten der Individuen in der betroffenen Population aus. Während Fuchseltern in jagdfreien Gebieten ausgedehnt mit ihrem Nachwuchs spielen, verhält sich die Füchsin ihren Welpen gegenüber in intensiv bejagten Arealen eher unterkühlt und weist Spielangebote konsequent ab, da die Ablenkung und die drohenden Gefahren schlichtweg zu groß sind. Wie Beobachtungen mit Nachtsichtgeräten zeigen, verlassen die Altfüchse ihre Jungen nach der Fütterung selbst in stockdunkler Nacht bald wieder, um sich in der Nähe des Baues auf Wachtposten zu begeben (LABHARDT, 1990). Überdies berichtet der Biologe Darius WEBER (1988), dass in Jagdrevieren, in denen die Baujagd intensiv betrieben wird, Füchse nur noch selten ihren Bau aufsuchen. Allgemein wächst in bejagten Arealen die Furcht der Tiere vor menschlichen Wesen – LABHARDT (1990) beispielsweise sieht einen direkten Zusammenhang zwischen der Bedrohung mit weitreichenden Waffen und der Fluchtdistanz von Füchsen. Seine Erfahrungen fasst er folgendermaßen zusammen: „Da etwa zur Ranzzeit meist mehrere Füchse sich im selben Bau befinden, können gewisse Tiere Augenzeuge werden, wie ihre Artgenossen vom Menschen oder deren Hunden am Bau getötet werden. Auch bei der Bejagung der Jungfüchse, bei der selten das ganze Geheck getötet wird, erleben Füchse, wie ihre Geschwister umkommen. Gehecke, aus welchen Jungfüchse geschossen wurden, benehmen sich in aller Regel weit scheuer als in Ruhe gelassene. Die davongekommenen Tiere reagieren vor da weg meist auch viel lichtscheuer, während sie vor dem Abschuss ihrer Geschwister selbst gegenüber sehr hellem Scheinwerferlicht und direkter Anstrahlung keinerlei Reaktion zeigen“. Interessanterweise wird die große Scheu der hierzulande lebenden Wildarten insbesondere durch die Jägerschaft immer wieder auf die ständige Präsenz von Joggern, Mountainbikern, Reitern oder Wanderern in deutschen Wäldern zurückgeführt. Dabei zeigen Beobachtungen in jagdfreien Gebieten, dass es keineswegs die menschliche Präsenz oder menschliche Lebensäußerungen per se sind, die Tiere in Angst und Schrecken versetzen, sondern vielmehr die Erfahrung, dass es einen Zusammenhang zwischen der Anwesenheit von Menschen und dem Tod von Artgenossen oder eventuell sogar eigenem Leiden gibt (WEBER, 1983; SPERBER, 2002). Füchse sind in Städten, wo sie nicht bejagt werden, sehr viel zutraulicher als in Wald und Feld (MACDONALD, 1993); in Israel, wo Füchse ganzjährig geschützt sind, ist die Zutraulichkeit dieser andernorts so schwer zu beobachtenden Tiere zu einer regelrechten Touristenattraktion geworden (MACDONALD, 1993), und der nordamerikanische Biologe HENRY (1996) konnte in dem seit Jahrzehnten fuchsjagdfreien kanadischen Prince-Albert-Nationalpark wild lebenden Füchsen stundenlang zu Fuß folgen, ohne dass diese sich durch seine Anwesenheit gestört fühlten. Diese teils anekdotischen, größtenteils aber in systematischen Untersuchungen ermittelten Befunde erlauben das Urteil, dass der hohe Jagddruck für Füchse auf individueller Ebene gravierende negative Folgen in Form einer quantitativen und qualitativen Zunahme an Stressoren sowie einer Einschränkung des Auslebens natürlicher Verhaltensweisen besitzt. Darüber hinaus ist unbekannt, wie viele Füchse in Deutschland jedes Jahr durch schlecht gezielte Schüsse nur verletzt, aber nicht getötet werden, und nach der Flucht langsam und qualvoll sterben. Untersuchungen aus Großbritannien zu diesem Thema haben gezeigt, dass für jeden bei der Jagd getöteten Fuchs mindestens ein weiterer nur verletzt und von diesen angeschossenen Tieren wiederum nur ein Teil überhaupt gefunden wird. (FOX et al., 2003; FOX et al., 2005). ***7. Fazit*** Aus der Sicht von Natur- und Tierschutz, Artenschutz und prinzipiell auch der Landwirtschaft sollte es angesichts der vorliegenden Daten verhältnismäßig einfach sein, ein Urteil über die Fuchsjagd zu fällen: - Fuchsjagd mit Flinte, Falle und selbst Baubegasungen sind offensichtlich ungeeignet, um Füchse großflächig zu reduzieren. - Weder zur Bekämpfung von Wildseuchen noch zum Schutz bedrohter Tierarten ist Fuchsjagd als geeignetes Mittel zu bezeichnen. - Die negativen Auswirkungen des Fuchses auf die Landwirtschaft scheinen vernachlässigbar und werden in aller Regel durch die positiven Effekte der Anwesenheit von Füchsen zumindest kompensiert. - Intensive Fuchsjagd hat weitreichende negative Effekte für die verfolgten Füchse, von konkretem individuellen Leid über die quantitative wie qualitative Zunahme stressauslösender Ereignisse bis hin zur Unterdrückung natürlicher (sozialer) Verhaltensweisen. Dass trotz dieser allzu offensichtlichen Faktenlage von Seiten der Jägerschaft noch immer die Mär einer angeblichen „ökologischen Notwendigkeit“ der Fuchsjagd verbreitet wird, entzieht sich einer wissenschaftlich orientierten Betrachtung. Es darf aber gemutmaßt werden, dass derartige Gleichsetzungen von Jagd und Naturschutz lediglich ein Feigenblatt sind, hinter dem sich vollkommen andere Motive für die Jagdausübung verbergen, welche keineswegs aus altruistischen Impulsen, sondern viel eher individuellem Lustgewinn entspringen. Jedes Jahr finden sich in den gängigen Jagdzeitschriften Dutzende von Jagdberichten, die den unglaublichen Reiz der winterlichen Fuchsjagd beschwören, das Erlebnis des Nachstellens, Tötens und Beutemachens zur Essenz jägerischen Daseins erheben und das Erschießen wehrloser Tiere als lustbetontes Ereignis zelebrieren (siehe dazu beispielsweise Jäger über Füchse – eine Zitatesammlung). Dass man dann die ohnehin latent in vielen Köpfen vorhandenen Vorurteile gegen Beutegreifer schürt und gelegentlich ergänzt, um vor den Augen einer nichtsdestoweniger kritischer werdenden Öffentlichkeit die Fuchsjagd zu rechtfertigen, liegt nahe. Nur wenige Menschen – soviel kann in einer Gesellschaft, die mit weit überwiegender Mehrheit auch die Nutzung von Pelzen ablehnt, wohl als gesichert gelten – würden schließlich akzeptieren, dass Hunderttausende von Füchsen reiner Jagdlust geopfert werden. Zu Beginn dieses Artikels wurde kurz auf die jägerische Willkür eingegangen, unter der der Fuchs hierzulande mehr denn je zu leiden hat. Ich denke, dass nur die vollständige Abschaffung der Fuchsjagd hier Abhilfe schaffen kann. So lange Reineke, und mit ihm viele andere heimische Beutegreiferarten, der Willkür einer Bevölkerungsgruppe unterstellt ist, die in ihm bestenfalls eine begehrte pelztragende Zielscheibe und schlechtestenfalls einen bekämpfungswürdigen Jagdkonkurrenten und Schädling sieht, werden naturschützerische Missstände aufrechterhalten und Belange des Tierschutzes konsequent mit Füßen getreten. Es wird Zeit, dass wir diesen längst überfälligen Schritt in die Zukunft endlich in die Tat umsetzen. ***Literatur:*** – BAKER, P., HARRIS, S. & WHITE, P. (2006): After the hunt: The future for foxes in Britain. Report, University of Bristol/University of York. – BAKER, P., HARRIS, S. (2006): Does culling reduce fox (Vulpes vulpes) density in commercial forests in Wales, UK? European Journal of Wildlife Research 53 (2), 99-108. – BAKER, P. & HARRIS, S. (1997). How will a ban on hunting affect the British fox population? Report of the School of Biological Sciences, University of Bristol. 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Vielerorts ist er sehr gering. Wo die Ausräumung ihres Lebensraums die Lebensbedingungen der Beutearten jedoch bereits stark verschlechtert hat, können Füchse und andere Beutegreifer die Situation weiter verschärfen. Das liegt beispielsweise daran, dass die Beutetiere eines Mangels an Deckung und Nahrung zu riskanterem Verhalten bei der Nahrungssuche gezwungen sind. - Die weit überwiegende Zahl wissenschaftlicher Studien kommt zu dem Ergebnis, dass die Intensivierung der Fuchsbejagung bedrohten Beutearten nicht hilft. In einigen Fällen zeigen sich sogar kontraproduktive Effekte, d.h. die Fuchsjagd hat einen negativen Effekt auf die Bestandsentwicklung der Beutearten (beispielsweise durch Störungen im Lebensraum sensibler Arten infolge von Jagden). - Grund für das Scheitern der Fuchsbejagung als Artenschutzmaßnahme ist in den meisten Fällen schlichtweg die Tatsache, dass Jagd die Fuchspopulation nicht nachhaltig zu reduzieren vermag. - Will man bedrohten Arten helfen, kann dies nur dadurch geschehen, dass man ihre Lebensräume wieder verbessert (z.B. Vorhandensein von Deckung, Nahrung, geeigneten Brutstätten). Dadurch können auch prädationsbedingte Verluste reduziert werden. - In einem geeigneten Lebensraum können Beutegreifer und Beutetiere problemlos koexistieren. ## Einfluss des Fuchses auf Beutepopulationen **Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald (Hrsg.) (2009): Rotfuchs und Dachs – Raumnutzungsverhalten und Habitatwahl, Wissenschaftliche Schriftenreihe Heft 18** - „Der Einfluss des Rotfuchses auf die Populationsdichte seiner Beutetiere konnte bisher noch nicht bewiesen werden, da die Füchse bei Nahrungsknappheit auf alternative Nahrung ausweichen, bis sich der Bestand der ursprünglichen Hauptbeute erholt hat“. - „Im Nationalpark Bayerischer Wald **ist die erfolgreich wiederangesiedelte Auerhuhnpopulation vom Rotfuchs nicht gefährdet**, es wurden keine Nachweise von Raufußhühnern in den Losungen gefunden. **Die Einwirkung auf andere Niederwildarten schätzten PALOMARES und RUIZ-MARTINEZ (1994) auf weniger als 1%**.“ **Teunissen W, Schekkermann H, Willems F. (2005): Predatie bij weidevogels. Op zoek naar de mogelijke effecten van predatie op de weidevogelstand. Gutachten im Auftrag von Sovon ogelonderzoek Nederland, Alterra** - Bei einer niederländischen Studie zu den Wirkungen der Prädation auf Wiesenvögel (135 S.; www.sovon.nl; mit englischer Zusammenfassung) zeigte sich, dass Säugetiere (z. B. Fuchs, Hermelin, Iltis) vor allem die Gelege, Vögel (z. B. Mäusebussard, Graureiher) eher die Küken der Wiesenvögel erbeuteten. Der Fuchs stellte sich in den meisten Fällen als Hauptprädator der Gelege dar. Insgesamt nahm der Prädationsdruck mit zunehmender Offenheit der Landschaft ab. In den Modellierungen der Untersuchung war die Prädation auf Küken für die Population der Wiesenvögel der wirkungsvollste Faktor, während die Wirkung der Gelegeprädation geringer oder vergleichbar zu anderen Faktoren (z. B. Verluste durch Mahd) war.** Insgesamt war der Einfluss des Fuchses auf die Wiesenvögel gering**. Die niederländische Regierung wartete damals übrigens nicht auf die Resultate der Studie, sondern gab den Fuchs auf Druck der Jägerschaft wieder zum Abschuss frei. - Siehe dazu Frommhold, Dag: Quo Vadis, Reineke?, http://www.fuechse.info/index.php?navTarget=artikel_texte/quovadis.html **Seymour A.S., Harris S., Ralston C., White P.C.L. (2003): Factors influencing the nesting success of Lapwings Vanellus vanellus and behaviour of Red Fox Vulpes vulpes in Lapwing nesting sites. Bird Study 50: 39-46.** - Untersuchung zum Verhalten des Fuchses in Brutgebieten des Kiebitzes und zum Einfluss des Fuchses auf den Bruterfolg des Kiebitzes - Wenn die Kiebitzdichte gering ist, betreiben Füchse nur minimalen Aufwand bei der Suche nach Kiebitznestern. Je höher die Dichte an Kiebitzen, desto mehr Aufwand wird für das Auffinden von Nestern betrieben. Der Prädationsdruck auf seltene Tiere ist dadurch gering, der auf häufige entsprechend höher („Schwelleneffekt“) - **Insgesamt sind die Verluste durch Füchse gering**; deutlich mehr Kiebitze fallen Krähen zum Opfer **Bruns, H.A., Hötker H., Christiansen J., Hälterlein B. & Petersen-Andresen W. (2001): Brutbestände und Bruterfolg von Wiesenvögeln im Beltringharder Koog (Nordfriesland) in Abhängigkeit von Sukzession, Beweidung, Wasserständen und Prädatoren. Corax 18, Sonderheft 2: 67-80. ****** - Untersuchung von Einflussfaktoren auf die Brutbestände und den Bruterfolg von Entenarten (Anatidae) in Nordfriesland. „Als für die Bestandsgrößen wichtige Faktoren ließen sich Wasserstand und verschiedene Wetterparameter ermitteln. **Die Häufigkeit von Füchsen (Vulpes vulpes) erwies sich sowohl für die Erklärung der Bestandshöhe als auch des Bruterfolges als weniger bedeutend**.“ **Wübbenhorst D. (2002): Gefährdungsursachen des Rebhuhns Perdix perdix in Mitteleuropa. Vergleichende Untersuchung von Lebensräumen mit unterschiedlicher Siedlungsdichte des Rebhuhns unter besonderer Berücksichtigung der Nisthabitate. Kassel university press, Kassel** - Ursache für die Bestandsabnahme beim Rebhuhn ist eine sinkende Lebensraumkapazität infolge schlechter werdender Biotopqualität, nicht der Einfluss von Beutegreifern. - Es gibt Hinweise darauf, dass Beutegreifer menschlichen Spuren, die in Untersuchungsgebieten bei der Nesterkontrolle entstehen, gezielt folgen. **Dadurch wird in einigen Untersuchungen die Prädationsrate vermutlich künstlich erhöht und infolgedessen deutlich überschätzt**. - **Prädationsversuche mit Kunstnestern sind ungeeignet**, einen entscheidenden Prädationseinfluss auf Rebhuhnpopulationen zu belegen. - **„**Für das langfristige Überleben einer Art dürfte zudem optimale Fitness entscheidend sein, nicht eine konstant hohe Individuenzahl, weshalb Prädationsdruck für die Beute nicht unbedingt negativ ist.“ **Baker P., Furlong M., Southern S., Harris S. (2006): The potential impact of red fox Vulpes vulpes predation in agricultural landscapes in lowland Britain. Wildlife Biology, 12, 39-50.** - In einem landwirtschaftlich genutzten Untersuchungsgebiet in Südengland wurde der Anteil einer großen Bandbreite an Beutearten am Nahrungsspektrum des Fuchses untersucht (Kotanalyse) und in Bezug zur Reproduktionsleistung der betreffenden Art innerhalb des Untersuchungsgebiets gesetzt. Kaninchen und Feldmäuse waren dabei die häufigsten Beutetiere. - Ein möglicher regulierender Einfluss auf die Beutearten ergab sich lediglich für den (zu Jagdzwecken ausgesetzten) Fasan sowie die Feldmaus (!), wobei für die Beurteilung dieses Zusammenhangs die Untersuchung der Rolle der zahlreichen anderen natürlichen Feinde der Feldmaus vonnöten wäre. Die Verluste bei Fasanen wurden durch Einwanderung von Tieren aus benachbarten Gebieten ausgeglichen. **Kissling, J., Bshary R., Fischer C. (2018): Assessing the predation pressure of the Red fox on the Brown hare in agricultural areas of Switzerland. 33rd International Union of Game Biologists.** - In landwirtschaftlich genutzten Gebieten der Schweiz wurden Interaktionen zwischen Feldhasen und Beutegreifern mit reichweitenstarken Infrarotkameras untersucht. - 316 von 344 dieser Interaktionen fanden zwischen Hasen und Füchsen statt. In 78% davon hatten die Füchse Blickkontakt zu den Hasen, aber nur in 4% der Fälle setzten die Füchse den Hasen kurz nach (über weniger als 50 Meter). In keinem einzigen Fall gab es einen erfolgreichen Angriff eines Fuchses auf einen Hasen. - Gegenüber Füchsen zeigen Hasen nahezu kein Fluchtverhalten, was ein Hinweis darauf ist, dass Füchse für Hasen keine gefährlichen Feinde sind. Der Anblick von Hunden löste dagegen regelmäßig Fluchtverhalten bei Hasen aus. - Die Autoren schließen, dass Füchse **keine Gefahr für erwachsene Hasen darstellen**. **Whelan, C.J., Dilger, M.L., Robson, D., Hallyn, N., Dilger, S. (1994): Effects of Olfactory Cues on Artificial-Nest Experiments. The Auk 111(4), 945-952** - In Schutzgebieten werden die Nester bodenbrütender Vögel oft von Menschen kontrolliert (z.B. um Prädationsereignisse zu erfassen) - Im Rahmen der Studie wurden in zwei Experimenten (mit je 15 Tagen Dauer) Bambusnester mit Wachteleiern bestückt. Es wurden Geruchsspuren mit unterschiedlichen Geruchsnoten und -intensitäten gelegt (Menschengeruch, Parfum, Hirschgeruch, kein Geruchsstoff). - Prädationsereignisse wurden mit Hilfe von Wildkameras dokumentiert. - Es zeigte sich, dass im Falle von Parfum und Menschengeruch eine deutlich höhere Prädationswahrscheinlichkeit für die betreffenden Nester bestand. **Beutegreifer können also die menschlichen Geruchsspuren gezielt nutzen, um Bodenbrüternester aufzuspüren**. - Dadurch **wird die Prädation in vielen Studien, bei denen Nester manuell kontrolliert werden, vermutlich systematisch überschätzt**. ## (Fehlende) Effektivität der Jagd zum Schutz von bedrohten Arten **Côté I.M., Sutherland W.J. (1997): The effectiveness of removing predators to protect bird populations. Conservation Biology 11, 395–405.** - Literaturstudie, die 20 Experimente zur Prädatorenkontrolle zusammenfasst und dabei (im Gegensatz zu früheren Studien) auch die Stärke dieses Effekts berücksichtigt. - Fazit: **Prädatorenkontrolle (typischerweise intensiv mit Berufsjägern betrieben) hat keinen signifikanten positiven Einfluss auf die Brutpopulation von Vogelarten.** Zwar fanden einige Studien, dass mehr Gelege überlebten und die Herbstpopulation anstieg; diese Effekte hatten sich jedoch bis zur nächsten Brutsaison wieder verloren. - **Einige Studien zeigten sogar ein Absinken der Brutpopulationen unter Prädatorenkontrolle.** **Baines D. (1996): The implications of grazing and predator management on the habitats and breeding success of black grouse (Tetrao tetrix). ****Journal of Applied Ecology 33, 54–62.** - Untersuchung zum Einfluss der Prädatorenkontrolle auf Dichte und Bruterfolg des Birkhuhns - 20 Moorgebiete mit Birkhuhnvorkommen wurden dabei verglichen. **Es gab keinen Unterschied hinsichtlich Bruterfolg und Bestandsdichte zwischen Gebieten mit und ohne Prädatorenkontrolle.** - Sowohl Bruterfolg als auch Bestandsdichte waren jedoch in Gebieten höher, in denen es bessere Nahrungsbedingungen und hohe Vegetation als Deckung vor Prädatoren gab. - Ein zweites Experiment (Calladine J, Baines D and Warren P (2002) Effects of reduced grazing on population density and breeding success of black grouse in northern England. Journal of Applied Ecology 39: 772–780) zeigte zudem einen negativen Einfluss grasender Schafherden auf die Birkhuhnpopulation. **Summers R.W., Proctor R., Thornton M., Avey G. (2004): Habitat selection and diet of the capercaillie (Tetrao urogallus) in Abernethy Forest, Strathspey, Scotland. Bird Study 51: 58–68.** - Studie zum Einfluss von Prädatoren (Krähen und Füchse) auf Auerhahnpopulationen - Ergebnisse zu Krähen waren uneindeutig, weil Jahre mit Prädatorenkontrolle gleichzeitig mit geringerem Niederschlag koinzidierten, was sich positiv auf den Bruterfolg der Auerhühner ausgewirkt haben dürfte. - Im Hinblick auf Füchse konnte trotz des Einsatzes von Berufsjägern keine Reduktion der Bestandsdichte festgestellt werden; **es gab keine Anhaltspunkte dafür, dass es zwischen der Fuchsdichte und der Auerhuhndichte einen Zusammenhang gibt.** **Bolton M., Tyler G., Smith K. & Bamford R. (2007): The impact of predator control on lapwing Vanellus vanellus breeding success on wet grassland nature reserves. Journal of Applied Ecology, 44, 534-544** - Studie über den Einfluss massiver Bejagung von Fuchs und Krähen auf den Fortpflanzungserfolg von Kiebitzen. - Insgesamt 11 Gebiete. In 5 davon töteten Berufsjäger in den ersten vier Jahren Füchse und Krähen, in vier weiteren Jahren nicht. In sechs weiteren Gebieten war die Reihenfolge umgedreht. - Während die Gelegeanzahl in einigen Gebieten mit Prädatorenkontrolle höher war als ohne, war es in anderen andersherum. - Fazit: „There was no overall effect of predator control on lapwing population trends“ (**Prädatorenkontrolle hatte insgesamt keinen Einfluss auf die Populationstrends beim Kiebitz**). **Gibbons D.W., Amar A., Anderson G.Q.A., Bolton M., Bradbury R.B., Eaton M.A., Evans A.D., Grant M.C., Gregory R.D., Hilton G.M., Hirons G.J.M., Hughes J., Johnstone I., Newbery P., Peach W.J., Ratcliffe N., Smith K.W., Summers R.W., Walton P. and Wilson J.D. (2007): The predation of wild birds in the UK: a review of its conservation impact and management. RSPB Research Report no 23. RSPB, Sandy.** - Sehr umfangreiche Literaturstudie der britischen Royal Society for the Protection of Birds, in die Ergebnisse zahlreicher Forschungsarbeiten einbezogen wurden. - Generalistische Prädatoren haben bisweilen (aber bei weitem nicht immer) einen Einfluss auf die Populationsdichte ihrer Beutetiere. - Die RSPB hält es jedoch für wichtig, sich primär um Maßnahmen zur Habitatverbesserung zu kümmern (z.B. um die Lebensbedingungen für die Beutetiere zu verbessern und jene für die Beutegreifer zu verschlechtern). Zusätzlich werden bisweilen elektrische Schutzzäune eingesetzt. Das Töten von Prädatoren sollte nur in Ausnahmefällen und nur lokal begrenzt zum Einsatz kommen. - Im Vergleich zu 1961 sind die Fuchsstrecken in Großbritannien heute fast fünfmal so hoch (dort gab es wohlgemerkt keine Tollwut – die Ausrottung der Tollwut hat also keinen Anteil an einer vermuteten Bestandssteigerung). Seit 1990 sind die Bestände jedoch konstant oder sogar leicht am sinken. Eine mögliche Erklärung dafür ist **die große Anzahl zu Jagdzwecken ausgesetzter Vögel, was das Nahrungsangebot für Füchse dramatisch verbessert haben dürfte**. - Insgesamt zeigt sich, dass **intensive Verfolgung von Prädatoren mitunter nützlich für Jäger ist**, weil sie die Herbstpopulation der betreffenden Vogelarten – und damit die für die Jagd zur Verfügung stehenden Tiere – erhöht. **Wenn das Ziel jedoch der Artenschutz ist und es daher darum geht, die Brutpopulationen zu erhöhen, sind die Ergebnisse durchwachsen und bisweilen sogar negativ**. **Hötker H., Jeromin H., Thomsen K.M., Aktionsplan für Wiesenvögel und Feuchtwiesen – Endbericht, 2007** - Prädationsraten sind bei Abwesenheit von Deckung höher. - **„Insgesamt zeigte sich kein signifikanter Einfluss der Prädatorenbekämpfung auf die Bestandsentwicklungen“.** - „Die in der Literatur erwähnten Tötungen von Prädatoren führten in vielen Fällen zu höheren Reproduktionsleistungen bei den Wiesenvögeln, aber keinesfalls immer zu positiven Bestandsveränderungen (Côté & Sutherland, 1997; Newton, 1993). In einer umfangreichen experimentellen Studie konnten Bolton et al. (2007) zeigen, dass die Tötung von Füchsen und Krähen in einigen, aber nicht in allen Gebieten zu einem höheren Bruterfolg von Kiebitzen führte. **Ein Einfluss der Prädatorenkontrolle auf die Bestandsentwicklung ließ sich nicht nachweisen**.“ - „Möglicherweise ist die Wirksamkeit der Prädatorenbekämpfung vor allem an solchen Orten gegeben, an denen die freigewordenen Reviere nicht unmittelbar durch benachbarte Individuen aufgefüllt werden können, also etwa auf Inseln oder Halbinseln.“ - „Als weitere Möglichkeit, Prädatoren von den Gelegen und Küken der Wiesenvögel fernzuhalten, wird die großflächige Überflutung von Feuchtwiesen vor der Brutzeit angesehen. Diese Überflutung vernichtet die lokalen Kleinsäugerpopulationen und damit die wesentliche Nahrungsgrundlage der meisten Prädatoren. Für sie wird das Gelände so wenig attraktiv, dass sie es nicht mehr aufsuchen.“ **Langgemach T., Bellebaum J. (2005): Prädation und der Schutz bodenbrütender Vogelarten in Deutschland, Vogelwelt 126, 259 – 298** - Literaturstudie/Zusammenfassung von Forschungsergebnissen zum Thema Prädationseinfluss. - Kommen zu dem Ergebnis, dass Prädation durchaus einen Einfluss auf Bodenbrüter haben *kann*, äußern sich jedoch zur Jagd als Mittel zur Reduktion dieses Prädationseinflusses kritisch: - „Diese Schwierigkeiten auf Inseln deuten an, wie viel schwieriger es auf dem Festland bei uneingeschränkter Zuwanderung ist, Raubsäuger zu reduzieren. Die Ausbreitung und rapide Bestandszunahme von Marderhund und Waschbär wurden auch durch eine Bejagung ohne Schonzeit nicht ansatzweise verhindert, wahrscheinlich nicht einmal verlangsamt.“ - „Für den Fuchs nehmen HEYDON & REYNOLDS (2000) an, dass die in Großbritannien üblichen Formen der Bekämpfung, die deutlich weiter gehen als die deutschen Jagdmethoden, die Dichte regional begrenzen können. Nach HEWSON (1986) dagegen konnten vergleichbare Methoden die Fuchsfamiliendichten in einem schottischen Gebiet nicht verringern.“ - „**Auch bei Zahlung von Abschussprämien an Jäger ließen sich tollwutfreie Fuchsbestände nach der Erfahrung in verschiedenen Ländern nicht nachhaltig reduzieren** (z. B. Schweiz: KAPHEGYI & BREITENMOSER 1995; Australien: ANONYMUS 2003).“ - „In anderen Ländern ist mehrfach versucht worden, zumindest lokal die relevanten Prädatoren zu dezimieren, wobei die meist jagdlich motivierten Maßnahmen die Vernichtung einer möglichst großen Zahl potenzieller Nesträuber (v. a. Raubsäuger und Rabenvögel) unabhängig von deren Anteilen an Nestverlusten anstrebten, z. B. in der nordamerikanischen Prärie (SARGEANT et al. 1995; SOVADA et al. 2001) oder in England (z. B. TAPPER et al. 1996). Die meisten Maßnahmen konnten wenigstens die Bruterfolge steigern, aber nur selten die Brutbestände im darauffolgenden Frühjahr (Übersicht: CÔTÉ & SUTHERLAND 1997).“ - „**An der Ostseeküste Schleswig-Holsteins hat die Fuchsbejagung in Schutzgebieten die Präsenz von Füchsen nicht merklich verringert**. Auf dem Graswarder blieb z. B. die Prädation auf Gelege und Jungvögel der Sturmmöwe unverändert hoch (KUBETZKI 2002). Am Bottsand wurden Erfolge nur erzielt, wenn gleichzeitig ein Elektrozaun betrieben wurde (BEHMANN 1998).“ - „In Deutschland fanden Versuche zur Fuchsreduzierung bisher gewöhnlich mit Hilfe der örtlichen Jagdpächter statt. Trotz gesteigerter Abschüsse in Projektgebieten wurden aber keine oder nur kurzfristige Erfolge erzielt. **Auch bei intensiver Kooperation mit den Jägern und Zahlung von Prämien über zehn Jahre in zwei Trappenschongebieten in Brandenburg ließen sich keine messbaren Veränderungen der Prädationsverluste erzielen** (SCHWARZ et al. 2005).“ **Junker S., Düttmann H., Ehrnsberger R. (2011): Nachhaltige Sicherung der Biodiversität in bewirtschafteten Grünlandgebieten Norddeutschlands am Beispiel der Wiesenvögel in der Stollhammer Wisch, Studie der Hochschule Vechta, Deutsche Bundesstiftung Umwelt** - Studie über die Einflussfaktoren auf die Kiebitz- und Uferschnepfenpopulationen in der Stollhammer Wisch (Niedersachsen). - Füchse spielen vor allem als Gelegeprädatoren eine Rolle und haben regional einen Einfluss auf ihre Beutetiere; ihre Bejagung hat jedoch nur einen sehr eingeschränkten Einfluss auf die Bestandsdichte von Kiebitz und Uferschnepfe. Drastische Reduktionen der Fuchsdichte durch Seuchen wie die Tollwut haben jedoch in einigen Studien einen Einfluss auf die Dichte der Vogelarten gezeigt. - „**Die verstärkt durchgeführte Bejagung des Rotfuchses hat ganz offensichtlich zu keiner nachhaltigen Bestandsabnahme geführt, da die Abschusszahlen über die Jahre hinweg nicht sinken**.“ - „Im Zeitraum 2002-2004 wurde die Fuchsbejagung besonders in und um unsere Untersuchungsgebiete herum intensiviert. Trotzdem konnte kein Absinken der Abschusszahlen beobachtet werden, was darauf schließen lässt, dass verstärkte Bejagung im Winter und Frühjahr keine langfristige Reduzierung des Fuchsbestandes nach sich zieht.“ - **Es gibt einen Zusammenhang zwischen Bruterfolg des Kiebitzes und Wühlmausdichte** – wenn Wühlmäuse zahlreich sind, ernähren sich Marder, Mäusebussard und Fuchs vor allem von ihnen; Prädation auf Kiebitze nimmt dadurch ab. **Dion N., Hobson K.A., Larivière S. (1999): Effects of removing duck-nest predators on nesting success of grassland songbirds. *Canadian Journal of Zoology*, 77, 1801-1806****** - Im Rahmen dieser Studie, durchgeführt in North Dakota/USA, wurde untersucht, welchen Einfluss die Entfernung von Prädatoren (hier Fuchs, Waschbär und Skunk) auf die Population von Singvögeln auf Wiesen- und Weideland besitzt. Dafür wurden acht Untersuchungsgebiete zufällig einer von zwei Gruppen zugewiesen, wobei in der einen Gruppe keine Maßnahmen zur Reduktion von Beutegreifern durchgeführt wurden, in der anderen die Beutegreifer mit Schusswaffen und verschiedenen Fallentypen getötet wurden. - Es zeigte sich, dass **die Überlebensrate der Gelege sich in den Untersuchungsgebieten nicht unterschied**. **Schwarz S., Sutor A., Litzbarski H. (2005): Bejagung des Rotfuchses Vulpes vulpes im NSG Havelländisches Luch (Brandenburg) zugunsten der Großtrappe Otis tarda. Vogelwelt 126, 431-445.** - Mit Hilfe von Prämien wurden Jäger dazu animiert, die Fuchsbejagung zu intensivieren, um den Prädationsdruck auf die Großtrappe zu reduzieren. - Es zeigte sich jedoch kein klarer Zusammenhang zwischen intensivierter, durch das Prämiensystem unterstützter Fuchsbejagung und der Bestandsentwicklung der Großtrappe. Die Ergebnisse „legen nahe, **dass eine wirksame Prädatorenkontrolle durch private Jagdpächter (Freizeitjäger) allein nicht erreicht werden kann**.“ **Mooij, J.H. (1998): Zum Einfluß von Biotopeignung und Prädatoren auf die Bestände einiger Niederwildarten. Beiträge zur Jagd- und Wildforschung 23, 161-178.****** - Zusammenfassung zahlreicher Untersuchungen zum Einfluss von Lebensraum und Beutegreifern auf die Bestände von Niederwildarten. - „Es gilt mittlerweile als sicher, dass der Rückgang der Bestände von Feldhase, Rebhuhn und Fasan primär auf die negativen Landschaftsveränderungen zurückzuführen ist.“ - Dass nicht der Fuchs für den Rückgang z.B. des Rebhuhns verantwortlich ist, zeigen Daten aus den Niederlanden und Belgien, wo ein starker Rückgang der Rebhuhnbestände spätestens seit den 1950er Jahren, parallel zur Intensivierung der Landwirtschaft, einsetzte. Ein Anstieg der Fuchsbestände war aber erst Ende der 1960er Jahre (Niederlande) bzw. in den 1980er Jahren (Belgien) zu verzeichnen. **In Deutschland begann der Niedergang des Rebhuhns bereits in den 1930er Jahren, und die Abnahme der Feldhasenpopulation Mitte der 1970er Jahre eine Zunahme der Fuchsbestände wurde aber erst seit Mitte der 80er Jahre verzeichnet**. In der Schweiz sank der Feldhasenbestand ab Mitte der 1960er Jahre deutlich ab, die Füchse nahmen aber erst Ende der 1970er Jahre zu. - **Prädatorenbekämpfung wirkt sich selbst in einer intensiv genutzten Agrarlandschaft so gut wie nicht aus, weil die Biotopqualität primär die Bestandsgröße bestimmt**. - **„Objektiv wissenschaftlich wäre deshalb festzustellen, dass auch bei Füchsen und Rabenvögeln die Bejagung keinen wesentlichen Einfluss auf die Bestandsgröße haben wird.“** - **Fuchsbejagung kann u.U. die Gesamtzahl der Füchse, die in einem Gebiet über ein Jahr hindurch leben, erhöhen.** **Kämmerle, J.L., Niekrenz S., Storch I. (2019): No evidence for spatial variation in predation risk following restricted-area fox culling. BMC Ecol. 19(1):17** - In Gebieten im Schwarzwald mit unterschiedlich intensiver Fuchsbejagung (gezielte Bejagung mit finanziellen Anreizen gegenüber keiner gezielten Fuchsbejagung) wurden 273 künstliche Vogelnester mit Wildkamera überwacht. - Obwohl in Revieren mit gezielter Fuchsbejagung deutlich mehr Füchse getötet wurden, konnte dort keine dauerhafte Reduktion des Fuchsbestands festgestellt werden. - Die Fuchsbejagung hatte keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Prädationsereignissen (Ausrauben der künstlichen Nester). - Die Autoren schließen, **dass die Fuchsbejagung durch Freizeitjäger selbst bei finanziellen Anreizen für den Fuchsabschuss keinen Einfluss auf das Prädationsrisiko von Beutetieren hat**. **Müller, P. (1996): Klimawandel, Flächennutzungsdynamik und Prädation als populationssteuernde Faktoren beim Feldhasen. Schriftenreihe Landesjagdverband Bayern 2:5-24** - Zwischen 1990 und 1996 wurde im etwa 700 Hektar großen Jagdrevier Wahlen im nördlichen Saarland unter der wissenschaftlichen Leitung des damaligen Vizelandesjägermeisters Prof. Dr. Paul Müller (Universität des Saarlandes) der Totalabschuss von Beutegreifern (Füchse, Dachse, Rabenvögel u.a.) versucht, um die Bestandsauswirkungen auf das Niederwild (Feldhasen, Fasane, Rebhühner u.a.) und einige Singvogelarten zu untersuchen. - In diesen sechs Jahren des Feldversuchs wurden insgesamt 2.242 Rabenkrähen, Elstern und Eichelhäher, 579 Füchse und 643 weitere Beutegreifer erlegt. Zugleich wurden 93 Fasanen und 46 Feldhasen zur Strecke gebracht. In der Relation sind hier mehr als 24 Rabenvögel für einen Fasan gestorben und 20 „Kleinraubtiere“ für je einen Hasen. - **Die Jagdstrecken von Fasan und Feldhase veränderten sich offensichtlich nicht, obwohl der sonst übliche Abschuss von Beutegreifern auf ein Vielfaches erhöht worden war**. Es gelang auch nicht, eine Zunahme von Singvögeln nachzuweisen. Das zu erreichen, war aber eines der beiden Ziele des „Totalabschusses“ im Großrevier gewesen. - Die zunächst vermutete leichte Zunahme der Jagdstrecken beim Fasan erwies sich bei genauerer Betrachtung als Teil eines weiträumigen Effekts, der aller Wahrscheinlichkeit von der Witterung ausgegangen war. Denn die Straßenverkehrsverluste von Fasanen stiegen im Vergleichszeitraum zum Beispiel in Ostbayern (Bundesstraße 12 von München nach Niederbayern, 150 km Distanz) ganz ähnlich wie im 500 km entfernten Saarland an. **La Haye M, van Kats R., Müskens G.J.D.M., Hallmann C. (2020): Predation and survival in reintroduced populations of the Common hamster Cricetus cricetus in the Netherlands. Mammalian Biology – Zeitschrift für Säugetierkunde 100(6):1-11** - Da Füchse im Verdacht standen, die Population des bedrohten Feldhamsters zu dezimieren, wurde ihre Bejagung in den Jahren 2009 bis 2014 intensiviert. Zudem wurde der Abschuss von Füchsen im Licht von Scheinwerfern gestattet. - Ein Vergleich der Überlebensraten von Feldhamster zwischen Jahren mit und ohne intensivierter Fuchsbejagung zeigte, **dass die Jagd auf Füchse die Überlebenschancen von Feldhamstern nicht erhöht**. **Jellesmark, S., Ausden, M., Blackburn, T.M., Hoffmann, M., McCrae, L., Visconti, P., Gregor, R.D. (2022): The effect of conservation interventions on the abundance of breeding waders within nature reserves in the United Kingdom. Ibis 165, 69-81** - Im Rahmen der Untersuchung wurde die Effektivität verschiedener Maßnahmen zum Schutz von Watvögeln (Kiebitz, Großer Brachvogel, Sumpfschnepfe und Rotschenkel) untersucht. - **Weder das Töten von Krähen noch die Jagd auf Füchse hatte einen signifikanten Effekt auf die Brutpopulationen der Zielarten**. - Zäune zum Schutz der Watvögel vor Beutegreifern waren bei Kiebitz und Rotschenkel effektiv. - Vermutlich wurden die getöteten Krähen und Füchse rasch durch einwandernde Individuen ersetzt. ***Reimoser, S., Reimoser, F. (2020): Lebensraum & Jagdstrecke: Abschussdichten verschiedener Wildarten in den österreichischen Bezirken seit 1955 – 3. Teil: Rotfuchs.** - Artikel fasst die Fuchsstrecken in Österreich von 1955 bis 2018 zusammen. - In den 1980er Jahren waren – tollwutbedingt – die Fuchspopulation und dementsprechend die Jagdstrecken bei Füchsen gering, trotzdem erfolgte in dieser Zeit der stärkste Rückgang der Hasen- und Fasanenstrecken. - In den 1990er Jahren stiegen die Fuchsstrecken stark an (starkes Indiz für steigende Populationsdichten) – allerdings gab es in dieser Zeit (zwischen etwa 1990 und 2010) keinen weiteren Rückgang bei Fasan und Feldhase! - Seit Anfang der 2010er Jahre wieder Rückgang von Fasan- und Feldhasenpopulationen, aber die Fuchsstrecken waren in dieser Zeit weitgehend konstant! ***Kirkwood, R., Sutherland, D.R., Murphy, S., Dann, P. (2014): Lessons from long-term predator control: a case study with the red fox. Wildl Res 41 (3): 222–232.** - Evaluation einer 58 Jahre andauernden Kampagne, die eine bedrohte Pinguinpopulation auf der australischen Phillip Island vor den dort eingeführten Rotfüchsen schützen sollte. - Von 1980 bis 2005 wurden verschiedene Jagdtechniken eingesetzt, mit hochintensiver Bejagung. Da es sich um eine Insel handelte, die nur über eine Brücke mit dem Festland verbunden war, konnte die Zuwanderung effektiv begrenzt werden. **Dennoch hatte diese intensive Bejagung keine Reduktion des Prädationsdrucks auf die Pinguine zur Folge**. - Erst durch das systematische Auslegen von Giftködern konnte die Prädation reduziert werden (Hinweis: Außerhalb von Insellagen scheitert in Australien selbst dies in der Regel). ***Pépin, D., Feuvrier, P., Powolny, T., Giraudoux, P. (2025): Investigating the effects of red fox management on poultry beyond the controversy, Jura Massif, France. Scientific Reports 15(1)** - Fragestellung: Sollten Füchse wegen ihrer Rolle als Prädatoren von Nutzgeflügel bejagt werden? - In Frankreich können Wildtierarten als „Schaden verursachende Spezies“ (ESOD) eingestuft werden. Wildtiere mit dieser Klassifikation werden das ganze Jahr über gefangen/bejagt. - 231 Farmen (mit im Schnitt 10.883 Tieren!) wurden über 4 Jahre beobachtet; dabei kam es zu insgesamt 1105 Prädationsfällen in 109 Farmen, von denen 48,3% sicher oder wahrscheinlich Füchsen zuzurechnen waren. - **Die Klassifikation des Fuchses als ESOD und die damit verbundene intensivere Bejagung hatte keinen Einfluss auf die Verluste**. Dagegen reduzierten bessere Schutzmaßnahmen (z.B. bessere Zäune) die Fuchsprädation deutlich. ## Nicht-tödliche Methoden zum Schutz bedrohter Arten vor Beutegreifern **Gibbons D.W., Amar A., Anderson G.Q.A., Bolton M., Bradbury R.B., Eaton M.A., Evans A.D., Grant M.C., Gregory R.D., Hilton G.M., Hirons G.J.M., Hughes J., Johnstone I., Newbery P., Peach W.J., Ratcliffe N., Smith K.W., Summers R.W., Walton P. and Wilson J.D. (2007): The predation of wild birds in the UK: a review of its conservation impact and management. RSPB Research Report no 23. RSPB, Sandy.** - Sehr umfangreiche Literaturstudie der britischen Royal Society for the Protection of Birds, in die Ergebnisse zahlreicher Forschungsarbeiten einbezogen wurden. - Nicht-letale Methoden zum Schutz von Vogelarten: Zäune sind mitunder ein geeignetes Instrument, um Prädatoren fernzuhalten und den Bruterfolg zu erhöhen (Kiebitz, Alpenstrandläufer) - Spezielle prädatorensichere Nistkästen können ebenso zum Einsatz kommen wie akustische Vergrämung („Catwatch units“, die von der RSPB eingesetzt werden) - Conditional Taste Aversion: Nutzung bitterer Geschmacksstoffe (z.B. in präparierten Eiern), um Füchse den Gelegeverzehr „abzugewöhnen“, war in Laborexperimenten erfolgreich (Macdonald DW and Baker SE (2004) Non-lethal control of fox predation: the potential of generalised aversion. Animal Welfare 13: 77–85). - Wichtig sind Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung Geeignete Brutplätze - Nahrungsangebot (Mangeln an Nahrung kann auch zu größerem Bewegungsradius und damit mehr Prädation führen) - Deckung vor Feinden - Nutztierhaltung ist ebenfalls problematisch (Tottrampeln von Bodenbrütern, Aufschrecken brütender Vögel, …) - Viele andere, zum Teil sehr komplexe und subtile Wirkmechanismen **Moseby K.E., Read J.L. (2006): The efficacy of feral cat, fox and rabbit exclusion fence designs for threatened species protection. Biological Conservation, 127, 429-437** - Untersuchung zu Effektivität und Kosten verschiedener Zauntypen zum Schutz lokal bedrohter Restbestände bedrohter Beutearten vor Beutegreifern und Kaninchen in Australien. - Es zeigte sich, dass ein vergleichsweise einfaches Zaundesign (1,20m hoher, nach außen gebogener Zaun mit einem zusätzlichen 60cm hohen Überhang, sowie einer 30cm Schürze als Untergrabschutz) einen effektiven Schutz darstellte, bei Kosten von etwa 7.000 AUD (ca. 4.700 Euro) pro Kilometer Zaun. **Macdonald D.W., Baker S.E. (2004): Non-lethal control of fox predation: the potential of generalised aversion. Animal Welfare 13: 77–85****** - Füchse wurden mit Hilfe von mit Bitrex (einer geruchlosen, aber bitter schmeckenden Substanz) versetzter Milch erfolgreich darauf konditioniert, keine Milch mehr zu sich zu nehmen. Die Erwartung ist, dass Füchse auf diesem Weg (generalisierte Geschmackskonditionierung) darauf konditioniert werden können, Tiere bestimmter Beutearten nicht mehr zu erbeuten. ***Selonen, V., Banks, P.B., Tobajas, J., Laaksonen, T. (2022): Protecting prey by deceiving predators: A field experiment testing chemical camouflage and conditioned food aversion. Biological Conversation 275, 109749** - Untersuchung zu zwei nicht-tödlichen Methoden zum Schutz von Bodenbrütern vor Prädatoren: Negative Geschmackskonditionierung und chemische Tarnung - Bei der negativen Geschmackskonditionierung werden Eier mit einer bitter schmeckenden Substanz präpariert; für die chemische Tarnung wird der Geruch der Vögel an Stellen verteilt, an denen es keine Beute gibt. - **Die chemische Tarnung führte zu einer deutlichen Reduktion der Prädation durch Rotfüchse**. Negative Geschmackskonditionierung zeigte weniger klare Ergebnisse, zeigte aber dennoch Potential, die Gelegenprädation zu reduzieren. - Die chemische Tarnung reduzierte offensichtlich vor allem die Fähigkeit der Füchse, Nester zu finden (sie hatte ansonsten keine Auswirkungen auf die Aktivitäten der Füchse). ***Andrewartha, T., Evans, M., Blencowe, A., Brewer, K., Gordon, I.J., Manning, A.D. (2023): Landscapes of nausea: Successful conditioned taste aversion in a wild red fox population. Conservation Science and Practice, 5(8)** - Test der Effektivität von aversiver Geschmackskonditionierung. - Als Köder wurden Köder aus gebratenem Hühnerfleisch verwendet, die mit Übelkeit verursachendem Levamisol versetzt waren. - **Nach dem Einsatz dieser präparierten Köder sank die Annahme unpräparierter Kontrollköder signifikant, was die Effektivität der Technik belegt**. ***Tobajas, J., Escalzo, E., Mateo, R., Ferreras, P. (2020): Reducing nest predation of ground-nesting birds through conditioned food aversion. Biological Conversation, 242, 108405** - Unterschuchung zur Effektivität der Conditioned Food Aversion (CFA, aversive Nahrungskonditionierung) als Maßnahme zum Schutz von Rothühnern vor Füchsen. - Vorher/nachher-Vergleich, bei dem 1329 künstliche Nester in zwei verschiedenen Habitaten in Zentralspanien ausgebracht wurden. Die künstlichen Eier darin wurden mit dem Fungizid Thiram präpariert. - Zusätzlich wurden Wildkameras an den Nestern installiert und 26 Füchse wurden mit Telemetriehalsbändern ausgestattet. - Die CFA reduzierte die Prädation der Nester durch Füchse um 26,8% bis 50,1% - 78% der Füchse, die mit Thiram präparierte Eier fraßen, unternahmen danach keine Versuche mehr, Nester zu plündern. - Die Produktivität der Rothuhnpopulation war in Gebieten, in denen die CFA eingesetzt wurde, um 132-677% höher als in Kontrollgebieten, und die Rothuhndichte in CFA-Gebieten stiegt um 193-292% an (vs. 1.8-99% in Kontrollgebieten), obwohl die Prädation durch andere Tierarten sogar zugenommen hatte. - **Die CFA erwies sich also als sehr effektiv, um die Prädationsrate zu senken und die Ppopulationsdichte des Rothuhns zu erhöhen.** ***Tobajas, J., Roig, J., Afonso-Jordana, I. (2026): Coexistence conservation strategies: Testing conditioned food aversion to protect the endangered Western capercaillie. Journal for Nature Conservation, 89, 127140** - Untersuchung der Conditioned Food Aversion (CFA, aversive Nahrungskonditionierung) als nicht-tödliche Maßnahme, um die Verluste einer Auerhuhnpopulation durch Füchse und andere Prädatoren zu reduzieren. - Dafür wurden künstliche Eier mit dem Fungizid Thiram präpariert. - Die **Prädation durch Rotfüchse war nach dem Einsatz der CFA um den Faktor 2,35 geringer als in einem Vergleichsgebiet**, was die Effektivität der CFA zur Reduktion der Prädationsraten durch Füchse belegt. - CFA und andere nicht-letale Methoden sind nach Sicht der Autoren effektive Alternativen zu letalen Maßnahmen und „sind nicht nur sozial und ethisch akzeptiert, sondern fördern auch den effektiveren und nachhaltigeren Schutz bedrohter Tierarten“. ## Maßnahmen zur Habitatverbesserung (und Interaktion zwischen Habitatfaktoren und Prädationsrate) **Gottschalk, E. & W. Beeke (2014): How can the drastic decline in the Grey Partridge (Perdix perdix) be stopped? Lessons from ten years of the Grey Partridge Conservation Project in the district of Göttingen. ****Ber. Vogelschutz 51: 95–116.** - Es wurde der Effekt von Habitatverbesserungen für Rebhühner evaluiert; Prädatorenkontrolle wurde nicht durchgeführt. - Die wichtigste Ursache für den Rückgang der Rebhühner ist die erhöhte Kükensterblichkeit, die sich seit den 1930er Jahren von ca. 50 % auf ca. 70 % erhöht hat. Großräumige Untersuchungen zeigen den Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Rebhühner auf Grund der Abnahme der Insekten (Kükennahrung) durch den Gebrauch von Pestiziden, insbesondere von Herbiziden, da die Insektendichte von der Artenzahl und Häufigkeit der in der Kultur vorhandenen Wildpflanzen abhängt. - Nach der Anlage von ca. 500 Hektar an Blühstreifen ist der Rebhuhnbestand im Landkreis Göttingen um ca. 1/3 gestiegen. Lokal konnte mit einer hohen Dichte von Blühstreifen (ca. 6% der Ackerfläche einer Gemarkung) der Rebhuhnbestand sehr deutlich angehoben werden (von 4 Hähnen auf 39 innerhalb von drei Jahren). In derselben Zeit ging die Population im restlichen Niedersachsen auf die Hälfte des Ausgangsbestands zurück. **Rohde W., Hartmann R. (wiss. Projektbegleiter) (2009): Niederwildprojekt “Das mögliche Tun”, Rheinland-Pfalz, 2009** - Untersuchung zu Einflussfaktoren auf die Population von Niederwildarten. Es wurde u.a. der Einfluss von Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung (Anlage von 100 zusätzlichen Biotopflächen für Niederwildarten) und Beutegreiferbejagung betrachtet. - Es zeigte sich, dass **Prädatoren wie Fuchs oder Krähe keinen signifikanten Einfluss auf die Population besaßen**. Die Maßnahmen zur Biotopverbesserungen waren dagegen erfolgreich. - Selbst der vergleichsweise geringe Zuwachs an Biotopflächen (0,5%) erwies sich bereits effektiv, um die Population z.B. des Feldhasen zu steigern. **Slamecka J., Hell P., Jurcik R. (1997): Brown hare in the west Slovak lowland. Acta Scientarum Natura Brno 31, 1-115** - Durch bessere Habitatqualität konnte der Feldhasenbestand ohne jeden Eingriff in Fuchspopulationen nahezu verdoppelt werden. **Smith R.K., Jennings N.V., Harris S. (2005): A quantitative analysis of the abundance and demography of European hares *Lepus europaeus* in relation to habitat type, intensity of agriculture and climate. Mammal Review 35 (1), 1-24** - Literaturrecherche über 77 Studien aus 12 europäischen Ländern: Veränderungen in der Landwirtschaft sind Ursache für den Rückgang der Feldhasenpopulation. Unter bestimmten Umständen (Ausräumung der Landschaft infolge intensiver Landwirtschaft) können Prädatoren und Witterungsbedingungen ebenfalls einen Einfluss auf die Feldhasenpopulation haben. **Letztendlich kann der Feldhasenpopulation jedoch nur durch Habitatverbesserungen geholfen werden**. **Schekkerman, H., Teunissen,W., Oosterveld, E. (2009): Mortality of Black-tailed Godwit Limosa limosa and Northern Lapwing Vanellus vanellus chicks in wet grasslands: influence of predation and agriculture. J Ornithol 150, 133–145** - Untersuchung zum Einfluss von Prädation und Landwirtschaft auf die Mortalität von Kiebitz und Uferschnepfe. - Grund für die Abnahme dieser Vogelarten ist die Intensivierung der Landwirtschaft. - Prädationsbedingte Verluste gingen vor allem auf das Konto von Graureiher, Wiesel und Bussard, weniger auf jenes von Füchsen. Vor allem zeigte sich aber ein starker Einfluss der Lebensraumstruktur auf das Risiko, Beutegreifern zum Opfer zu fallen: Auf kürzlich abgeernteten oder abgegrasten Feldern war das Risiko, einem Beutegreifer zum Opfer zu fallen, dreimal höher. Auch schlechte körperliche Konstitution, verursacht durch Nahrungsmangel, erhöht das Risiko, erbeutet zu werden. - Schutzmaßnahmen sollten sich daher darauf konzentrieren, landwirtschaftliche Praktiken zu reformieren und sicherzustellen, dass genug Deckung und Nahrung für Kiebitz und Uferschnepfe vorhanden sind. **MacDonald, M.A., Bolton, M. (2008): Predation of Lapwing Vanellus vanellus nests on lowland wet grassland in England and Wales: Effects of nest density, habitat and predator abundance. ****J Ornithol 149, 555–563** - In sieben Untersuchungsgebieten in England und Wales wurde die Prädation von 1390 Kiebitznestern erhoben. - Der beste Prädiktor für die Prädationswahrscheinlichkeit war die Dichte von Kiebitznestern: **In ausreichend hoher Dichte können Kiebitze Beutegreifer offensichtlich abschrecken. **Managementmaßnahmen könnten sich daher darauf fokussieren, geeignete Lebensräume zu schaffen, in denen Kiebitze ihre Nester nahe beeinander bauen. **Panek, M. (2009): Factors affecting predation of red foxes Vulpes vulpes on brown hares Lepus europaeus during the breeding season in Poland. ****Wildlife Biology 15, 3** - Eine wichtige Moderatorvariable für den Einfluss von Beutegreifern und insbesondere dem Fuchs auf den Feldhasen ist der Abwechslungsreichtum der Landschaft: Vor allen dort, wo die Hasendichte bereits gering ist, zeigt sich ein großer Einfluss der Habitatdiversität auf das Prädationsrisiko. - In landwirtschaftlich genutzten Gebieten mit geringer Hasendichte sollte man sich daher vor allem darauf konzentrieren, die Habitatdiversität zu erhöhen. **Knauer, F., Küchenhoff, H., Pilz S. (2009): A statistical analysis of the relationship between red fox Vulpes vulpes and its prey species (grey partridge Perdix perdix, brown hare Lepus europaeus and rabbit Oryctolagus cuniculus) in Western Germany from 1958 to 1998** - Untersuchung des Einflusses der Fuchsprädation auf Feldhase, Rebhuhn und Wildkaninchen auf Basis der Jagdstrecken in acht deutschen Bundesländern über einen Zeitraum von 41 Jahren. - Dabei wurden andere Einflussfaktoren – wie etwa das Wetter sowie langfristige Trends in der Populationsentwicklung – berücksichtigt. - **Langfristige Trends – vermutlich verursacht durch Veränderungen des Lebensraums – haben einen weitaus größeren Einfluss als die Entwicklung der Fuchspopulation**. Die Autoren schließen, dass man sich aufgrund der geringen Relevanz der Fuchsprädation auf Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung statt auf die Fuchsbejagung konzentrieren soll. --- title: Fuchsjagd in den Niederlanden – Quo vadis, Reineke? date: 2023-01-27 url: https://fuechse.info/flyer-und-artikel-ueber-fuechse-und-jagd-fuchsjagd/fuchsjagd-in-den-niederlanden-quo-vadis-reineke/ --- # Fuchsjagd in den Niederlanden – Quo vadis, Reineke? *Dag Frommhold, 2006 * *Veröffentlicht u.a. in „Freiheit für Tiere“ (2006)* *In den Niederlanden gilt seit dem 2. April 2002 das „Flora- und Faunawet“, ein Natur- und Tierschutzgesetz, das neben zahlreichen anderen Arten auch den Fuchs ganzjährig vor jägerischen Nachstellungen schützen sollte. Auf massiven Druck der niederländischen Jägerschaft darf seit dem 12.4.2006 unter dem Deckmantel des Vogelschutzes nun wieder ganzjährig Hatz auf Meister Reineke gemacht werden – obschon ein großangelegtes, staatlich mitfinanziertes Forschungsprogramm gänzlich andere Schlussfolgerungen nahe legt.* Als das Flora- und Faunagesetz („Flora- en Faunawet“) in den Niederlanden im April 2002 nach fast fünfzehnjähriger Bearbeitung und trotz massiven Widerstands der Jägerschaft schließlich in Kraft trat, war die Freude im Lager der Natur- und Tierschützer groß. Neben zahlreichen anderen Verbesserungen des Schutzes wildlebender Tier- und Pflanzenarten wurde der Katalog jagdbarer Tiere von zuvor 96 auf nunmehr sechs drastisch zusammengestrichen. Unter den seitdem geschützten Wildarten befand sich auch Vulpes Vulpes, der Rotfuchs – europaweit ein Novum, zählt Reineke doch zu jenen Arten, die in den meisten Ländern als Pelzlieferanten, Hühnerdiebe oder vermeintliche Schädlinge unter massiven Nachstellungen zu leiden haben. Auch in den Niederlanden wurden vor Einführung des Flora- und Faunagesetzes jährlich etwa 14.000 Füchse von Jägern getötet. Die Proteststürme von Hühnerfarmern und insbesondere Jägern ließen angesichts dieses Affronts der damaligen Mitte-Links-Regierung und der sozialdemokratischen Landwirtschaftsministerin Faber nicht lange auf sich warten. Jagdfunktionäre malten Horrorszenarien explodierender Fuchsbestände, massenweise ausgeraubter Hühnerställe und ausgerotteter Wiesenvogelpopulationen an die Wand, und viele Journalisten griffen diese spektakulären Bilder nur allzu gerne auf, ohne dass auch nur ein einziger wissenschaftlich untermauerter Anhaltspunkt für derartige Befürchtungen existierte. „Fuchs ermordet brütende Hühner!“ war in einer holländischen Tageszeitung zu lesen, „Füchse verschlingen neugeborenes Kalb!“, meldete das Dagblad Waterland, und der Gelderlander berichtete empört von einer über das Land rollenden „Fuchsplage“. Durch den vorzeitigen Fall der niederländischen Regierung im Sommer 2002 und die sich daran anschließenden Neuwahlen änderte sich das Kräftegleichgewicht im Parlament zugunsten einer Koalition aus Christdemokraten, Rechtsliberalen und der rechtspopulistischen LPF (Lijst Pim Fortuyn). Es dauerte nicht lange, bis jagende Parlamentarier aus diesen Parteien den Schutz des Fuchses massiv zu torpedieren begannen – im November 2002 hatte sich eine gut organisierte Front aus konservativen und rechtsgerichteten Kräften innerhalb des Parlaments gebildet, die den Schutz bedrohter Wiesenvögel als Argument für eine Wiedereinführung der Fuchsjagd ins Feld führten. Insbesondere machten sich die besorgten Volksvertreter – unter ihnen etwa die Christdemokratin Annie Schreijer-Pierik, nebenbei Sprecherin der niederländischen Jägervereinigung KNJV – für die Interessen der Uferschnepfe und des Großen Brachvogels stark, zwei Arten, deren Bestände in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen sind. Zur selben Zeit begannen einzelne niederländische Provinzen, auf Druck von Jägern und einigen Landwirten Sondergenehmigungen für den Abschuss von Füchsen zu erteilen. Das Flora- und Faunagesetz sieht derartige Ausnahmen für den Fall vor, dass durch bestimmte Tiere lokal erhebliche nachweisbare Schäden verursacht werden. Während etwa Brabant und Limburg für einzelne Regionen auf Antrag Genehmigungen für die Fuchsjagd erteilten, gab das als Jägerhochburg geltende Friesland Meister Reineke gleich auf der ganzen Provinzfläche zum Abschuss frei. Die Umstände, unter denen diesen Abschussanträgen stattgegeben wurde, blieben jedoch zumeist im Dunkeln, und die angeführten Begründungen – zumeist der Schutz lokaler Vogelpopulationen oder Hühnerfarmen – waren bestenfalls fadenscheinig. Die Naturschutzorganisation „Faunabescherming“ klagte dementsprechend auch in zahlreichen Fällen erfolgreich vor Gericht gegen die Vergabe von Sondergenehmigungen zur Fuchsjagd. Ein regelrechtes, von beiden Seiten mit großer Vehemenz geführtes Tauziehen um die Jagd auf Vulpes Vulpes, den größten Beutegreifer der Niederlande, begann und hielt viele Monate an. In dieser Zeit wuchs der Druck auf den nunmehr für das Landwirtschaftsressort zuständigen christdemokratischen Minister Veerman kontinuierlich. Veerman, zwar selbst Jäger, nach eigener Aussage jedoch nicht vom Sinn der Fuchsbejagung überzeugt, wurde von seinen fuchsjagdbegeisterten Parteikollegen und Koalitionspartnern dazu gedrängt, Meister Reineke „für den Schutz von Uferschnepfe und Großem Brachvogel“ landesweit wieder jagdbar zu machen. Veerman verwies zunächst auf eine großangelegte, staatlich mitfinanzierte Studie zum Einfluss von Beutegreifern auf Wiesenvogelpopulationen, die im Jahr 2000 begonnen und deren Resultate für 2006 erwartet wurden. Er betonte zunächst mehrfach, diese Untersuchung zur Grundlage seiner Entscheidung in Sachen Fuchsjagd machen zu wollen, wurde dann aber im Herbst 2005, ein gutes halbes Jahr vor Abschluss der Forschungsarbeiten, wortbrüchig. Unter dem wachsenden Druck von Jägern und Landwirten brachte er eine Gesetzesänderung ein, die Füchse zur Vermeidung landwirtschaftlicher und ökologischer Schäden zu einer ganzjährig jagdbaren Art erklärt. Zu Beginn des Jahres wurde dieser Entwurf erwartungsgemäß von der rechtskonservativen Parlamentsmehrheit bestätigt. Seit dem 12. April 2006 dürfen nun selbst säugende Fähen getötet, Jungfüchse mit Knüppeln erschlagen und Füchse im Dunkel der Nacht mit Lampen geblendet werden, damit sie leichter zu erschießen sind. Wolf Teunissen, Leiter des erwähnten Forschungsprojekts, äußert sich äußerst irritiert über die Entscheidung des Ministers. „Gerade im Hinblick auf die Rolle der Prädation gibt es viele Vorurteile und Jägerlatein. Es ist ein Jammer, dass das Ministerium eine so große Summe in Forschungsprojekte investiert, dann aber nicht auf deren Resultate wartet, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.“ Auch der ebenfalls am „Prädationsprojekt“ beteiligte Ornithologe und Wiesenvogelexperte Hans Schekkermann hält die Entscheidung für voreilig: „Unsere Untersuchungsergebnisse sprechen keinesfalls für eine Wiedereinführung der Fuchsjagd“, konstatiert er. „Wir gehen nicht davon aus, dass Fuchsjagd ein probates Mittel ist, um bedrohten Wiesenvogelpopulationen zu helfen.“ Das Projekt „Predatie bij Weidevogels“ gehört mit einer Dauer von sechs Jahren und einem Finanzierungsvolumen von knapp einer Million Euro zu den größten ornitho-ökologischen Untersuchungen, die jemals in den Niederlanden durchgeführt wurden. Ziel war es dabei, die Rolle der Prädation beim Rückgang verschiedener Wiesenvogelpopulationen in unterschiedlichen Regionen der Niederlande zu analysieren. Mit Hilfe aufwändiger Technik – neben Radiotransmittern kamen auch Wärmebildkameras sowie die Videoüberwachung von Nestern zum Einsatz – sollte die Frage geklärt werden, durch welche Faktoren der als Hauptgrund für den Rückgang der Vogelpopulationen identifizierte mangelnde Bruterfolg maßgeblich verursacht wird. Im Rahmen der Untersuchung wurden für verschiedene Wiesenvogelarten – darunter der Große Brachvogel, der Kiebitz und die Uferschnepfe – sowohl die Ursachen für den Tod von Jungvögeln als auch die Gründe für den Verlust noch nicht ausgebrüteter Eier ermittelt. Dabei ist der Verlust von Jungvögeln für den Bestand einer bedrohten Vogelpopulation in aller Regel kritischer als der Verlust von Eiern: Erfolgt der Verlust des Geleges in einem frühen Stadium, so ist die Möglichkeit einer erneuten Befruchtung noch gegeben; werden dagegen erst die bereits ausgebrüteten Jungvögel getötet, so ist es für eine „zweite Chance“ oftmals schon zu spät. Die niederländischen Ornithologen stellten fest, dass der Anteil nicht ausgebrüteter Eier sowohl durch landwirtschaftliche Aktivitäten als auch durch Beutegreifer kontinuierlich zugenommen hat. Verluste durch Füchse spielten dabei jedoch nur in einigen wenigen Brutgebieten eine Rolle, während in anderen Untersuchungsarealen trotz dort zahlreich vorhandener Füchse keine Eier von Meister Reineke erbeutet wurden. Ein noch deutlicheres Bild zeigt sich im Hinblick auf Jungvögel: Über alle Untersuchungsgebiete hinweg fielen in den Jahren 2003 bis 2005 ein knappes Drittel der neugeborenen Kiebitze und Uferschnepfen Prädatoren zum Opfer, wobei daran zumindest fünfzehn unterschiedliche Beutegreifer beteiligt waren. Während 15% der durch Beutegreifer getöteten Jungvögel von Marderartigen, 12% von Bussarden, bis zu 18% von Graureihern und 6% von Krähen erbeutet wurden, waren Füchse durchweg für signifikant weniger als 5% des Prädationsanteils verantwortlich. Interessanterweise zeigte sich, dass die Höhe der Verluste sowohl von Eiern als auch von Jungvögeln weitestgehend von der Anzahl im Brutgebiet lebender Beutegreifer unabhängig war. Landschaftliche und landwirtschaftliche Faktoren schienen in diesem Kontext eine wesentlich größere Rolle zu spielen und zudem auch das Ausmaß zu bestimmen, in dem bodenbrütende Vögel von Beutegreifern erbeutet werden konnten. In flurbereinigten, trockengelegten Arealen waren die Verluste durch Beutegreifer beispielsweise deutlich größer als in weitgehend naturbelassenen Gebieten mit zahlreichen Teichen. Außerdem erwies sich die vorhandene Deckung als Einflussgröße von erheblicher Bedeutung: Wo Wiesen, die bodenbrütenden Vögeln als Sichtschutz vor Beutegreifern dienen konnten, erst spät in der Saison gemäht wurden, verzeichneten die Wissenschaftler erheblich geringere Verluste als auf früh abgeernteten Flächen. Ganz offensichtlich handelt es sich beim Rückgang bedrohter Wiesenvogelpopulationen – das gilt für Deutschland ebenso wie für die Niederlande – um ein komplexes Problem, für das eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren verantwortlich ist. Hier wie dort gibt es jedoch nicht den geringsten Grund zu der Annahme, dass ausgerechnet die flächendeckende Bejagung des Fuchses Auswege aus einer Misere bietet, die durch die massive Umgestaltung unserer Landschaft zur Agrarsteppe, durch Flurbereinigung und maschinell betriebene Landwirtschaft ihren Anfang genommen hat. Wird hier möglicherweise der Fuchs zum Sündenbock für fundamentale Fehler in der Landbewirtschaftung gemacht? Deutet die Eile, mit der die Wiedereinführung der Fuchsjagd so kurz vor Veröffentlichung der Resultate einer mehrjährigen, staatlich geförderten Untersuchung umgesetzt wurde, nicht vielleicht sogar darauf hin, dass jagende Politiker vollendete Tatsachen schaffen wollten, bevor harte Fakten ihre Position in der Auseinandersetzung gravierend schwächen konnten? Während Jäger ihre Waffen vielerorts bereits wieder mit geeigneten Kalibern für die Fuchsjagd laden, hält man selbst bei staatlichen Organisationen wie der Landverwaltungsgesellschaft „Staatsbosbeheer“, die für große Teile des Veluwe, des größten niederländischen Waldgebiets, zuständig ist, wenig von der Entscheidung des Ministers. „Der Fuchs hat als unser größter Beutegreifer eine wichtige ökologische Funktion“, betont J. Rouwenhorst von Staatsbosbeheer. „In unseren Gebieten werden Füchse seit mehreren Jahren nicht bejagt. Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht und haben keine Absichten, diese Politik zu ändern. Für die Füchse im Veluwe wird die Gesetzesänderung keine Konsequenzen haben.“ Nahezu überall sonst warten jedoch wieder jägerische Flinten und Fallen auf Meister Reineke – eine Situation, die niederländische Tier- und Naturschützer nicht einfach hinnehmen wollen. Innerhalb einer einzigen Woche gingen 40.000 Protest-Emails im Landwirtschaftsministerium ein, und auf politischer Ebene machten Vertreter von Sozialdemokraten, Grünen und Sozialisten ihre Empörung deutlich. Im April startete die Naturschutzorganisation „Faunabescherming“ die Aktion „Stoppt die Fuchsjagd“ mit dem Ziel, das ministeriale Votum zu revidieren. Um darüber hinaus die Verfolgung von Füchsen ins Licht der Öffentlichkeit zu zerren, wurde ein Fotowettbewerb für Bilder ausgeschrieben, die auf frischer Tat ertappte Jäger mit ihrer Beute zeigen. Ob die Proteste für den Fuchs kurzfristig zu den erhofften Erfolgen führen können, wird sich zeigen. Offen ist jedoch auch, ob die Wiedereinführung der Fuchsjagd noch lange Bestand haben wird, wenn bei den Parlamentswahlen 2007 – ähnlich wie bereits bei den Kommunalwahlen zu Beginn diesen Jahres – sich das Blatt wieder zugunsten einer Mitte-Links-Regierung wenden sollte. Die Fakten sprechen immerhin eine deutliche Sprache: Der als Argument für die Bejagung ins Feld geführte Schutz bodenbrütender Vögel ist nur vorgeschoben; die Verfolgung von Füchsen ist gänzlich ungeeignet, um das Überleben von Uferschnepfe oder Großem Brachvogel zu sichern. Letztendlich bleibt zu hoffen, dass die Vernunft eines nicht allzu fernen Tages wieder über Jagdlust und althergebrachte Feindbilder von Jägern und Landwirten siegen wird. Und vielleicht wird die aktuelle Diskussion in den Niederlanden auch mithelfen, die nicht minder erbarmungslose Verfolgung des Fuchses in anderen europäischen Ländern in Frage zu stellen. Dank gebührt Wendel Schaatsbergen für die Übersetzung zahlreicher niederländischer Texte. ***Literatur:** * W. Teunissen, H. Schekkerman, F. Willems (2006): Predatie bij weidevogels. Opzoek naar de mogelijke effecten van predatie op de weidevogelstand. Artikel aus „De Gelderlander“, „Dagblad Waterland“, „Leeuwarder Courant“, „Eemsbode“, „Vierklank“ sowie niederländischen Online-Publikationen De Faunabescherming, www.stopdevossenjacht.nl; www.faunabescherming.nl *A. Hidding, www.reinaertdevos.nl* --- title: Fuchsjagd und Fuchsbandwurm date: 2026-03-27 url: https://fuechse.info/fuchsjagd-und-wissenschaft/fuchsjagd-und-wissenschaft-fuchse-fuchsbandwurm/ --- # Fuchsjagd und Fuchsbandwurm ## Inhalt - Zentrale Punkte - Fuchsjagd und die Epidemiologie des Fuchsbandwurms - Entwurmung von Fuchspopulationen - Alveoläre Echinokokkose beim Menschen ## Zentrale Punkte - Die alveoläre Echninokokkose (also die Erkrankung von Menschen an Finnen des Kleinen Fuchsbandwurms) ist eine der seltensten Parasitenerkrankungen Europas (in Deutschland etwa 30-50 Fälle im Jahr) - Die Fuchsjagd ist kein geeignetes Instrument zur Bekämpfung des Fuchsbandwurms. Im Gegenteil: Intensive Fuchsbejagung erhöht die Infektionshäufigkeit von Füchsen signifikant. - Zurückzuführen ist dies auf zwei Mechanismen: Einerseits sind Jungfüchse für den Fuchsbandwurm anfälliger als ältere Tiere. Die Bejagung erhöht den Anteil an Jungfüchsen an der Gesamtpopulation, wodurch die Menge an ausgeschiedenen Bandwurmeiern ansteigt. Zusätzlich führt intensive Fuchsjagd zu häufigeren und weiteren Wanderungen von Jungfüchsen, wodurch Kot mit besonders hohem Anteil an Bandwurmeiern über einen größeren Raum verteilt wird. - In Feldexperimenten war die Entwurmung von Füchsen mit Hilfe von Ködern sehr erfolgreich. Jagddruck ist bei der Entwurmung von Fuchspopulationen jedoch hinderlich, weil in bejagten Populationen mehr Wanderbewegungen stattfinden, was die Verbreitung der Parasiten begünstigt. - Hauptrisikofaktoren für die Erkrankung am Fuchsbandwurm sind die Jagd auf Füchse (bzw. der Umgang mit toten Füchsen) sowie der Besitz von Katzen oder Hunden. Letzteres liegt darin begründet, dass Katzen und Hunde durch den Verzehr infizierte Mäuse selbst zu Ausscheidern von Bandwurmeiern werden können. - Der Verzehr von ungewaschenen Pilzen oder bodennah wachsenden Beeren wurde dagegen nicht als relevanter Risikofaktor identifiziert. ## Fuchsjagd und die Epidemiologie des Fuchsbandwurms **Deplazes P., Hegglin D., Gloor S., Romig T. (2004): Wilderness in the city: the urbanization of Echinococcus multilocularis. ****Trends in Parasitology 20, 2** - Fuchsjagd beschleunigt evtl. die Ausbreitung des Fuchsbandwurms. - **„Der Einfluss der Fuchsjagd auf die Fuchspopulationen ist zweifelhaft und von vielen Parametern abhängig. Eine allgemeine Reduktion der Fuchsdichte kann mit konventionellen Mitteln kaum erreicht werden.“** - Jagd beeinflusst v.a. die Populationsstruktur und führt zu einem höheren Anteil junger Füchse. Diese wiederum tragen bis zu 85% der Gesamtbiomasse an E. multilocularis in sich. „**Die Jagd könnte aufgrunddessen einen kontraproduktiven Einfluss auf die Bekämpfung der Echinokokkose haben und ihre Ausbreitung beschleunigen.“** **Tackmann K., Loschner U., Mix H., Staubach C., Thulke H.H., Conraths F.J. (1998): Spatial distribution patterns of Echinococcus multilocularis (Leuckart 1863) (Cestoda: Cyclophyllidea: Taeniidae) among red foxes in an endemic focus in Brandenburg, Germany. ****Epidemiol Infect 120, 101-109** - Feststellung: **Jungfüchse sind häufiger mit dem Fuchsbandwurm infiziert als adulte Tiere**. - Daraus kann man ableiten, dass in stark bejagten Gebieten – wo es einen höheren Anteil an Jungfüchsen an der Gesamtpopulation gibt – der Eintrag an Fuchsbandwurmeiern größer (!) ist als in nicht bejagten Arealen. **Ewald D., Eckert J. (1993): Verbreitung und Häufigkeit von *Echinokokkus multilocularis* bei Rotfüchsen in der Nord-, Süd-, und Ostschweiz sowie im Fürstenturm Liechtenstein. Zeitschrift für Jagdwissenschaften, 39, 171-180** - Jungfüchse sind deutlich häufiger mit dem Fuchsbandwurm infiziert und tragen deutlich mehr adulte Bandwürmer (die Eier ausscheiden können) in ihrem Darmtrakt. **Ein größerer Anteil an Jungfüchsen an der Population bedeutet also mehr ausgeschiedene Bandwurmeier.** **Hofer S., Gloor S., Müller U., Mathis A., Hegglin D., Deplazes P. (2000): High prevalence of Echinococcus multilocularis in urban red foxes (Vulpes vulpes) and voles (Arvicola terrestris) in the city of Zürich, Switzerland. Parasitology, 120, 135-142** - Über einen Zeitraum von 26 Monaten wurden 366 Füchse in Zürich auf das Vorhandensein von Fuchsbandwürmern im Darmtrakt untersucht. - Es zeigte sich, dass Jungfüchse zwar nicht häufiger befallen waren als erwachsene Füchse, allerdings **trugen Jungfüchse eine sehr viel höhere Zahl von adulten Bandwürmern im Darmtrakt**. - Ein größerer Anteil an Jungfüchsen an der Population bedeutet also mehr ausgeschiedene Bandwurmeier. **Comte S. et al (2017): Echinococcus multilocularis management by fox culling: An inappropriate paradigm, Preventive Veterinary Medicine, Volume 147, 178-185****** - Um die Effektivität von Tötungsmaßnahmen zur Bekämpfung des Fuchsbandwurms zu bewerten, wurde im Rahmen einer vierjährigen Studie in einem Gebiet um die französische Stadt Nancy die Jagd auf Füchse unter erheblichem Aufwand intensiviert - Obwohl die Fuchsstrecke dadurch auf einem Areal von 693km² um 35% stieg, **konnte die Fuchsdichte nicht gesenkt werden**. - Allerdings **stieg der Anteil der mit *Echinococcus multilocularis* befallenen Füchse während der intensiven Bejagung von 40 auf 55 Prozent an**, während er in einem angrenzenden Kontrollgebiet konstant blieb. - Zwar konnte im Rahmen der Studie kein Einfluss der Bejagung auf die Altersstruktur der Population festgestellt werden; die Forscher führten den Anstieg der Fuchsbandwurminfektionen bei starker Bejagung jedoch auf die erhöhte Mobilität junger, für den Bandwurm besonders anfälliger Tiere zurück, auf die frei gewordene Reviere eine regelrechte Sogwirkung besitzen. - Die Autoren empfehlen, statt auf die Bejagung von Füchsen auf den Einsatz von Entwurmungsködern zu setzen, deren Wirksamkeit in diversen Studien nachgewiesen wurde. **Craig, P.S.; Hegglin, D.; Lightowlers, M.W.; Torgerson, P.R.; Wang, Q. (2017): Echinococcosis: Control and Prevention. Advances in Parasitology 96 : 55-158** - Literaturstudie, die die Ergebnisse einer Vielzahl von Untersuchungen zum Themenkomplex Echinokokkose zusammenfasst - **Die Bejagung von Fuchspopulationen mit dem Ziel der Eindämmung des Fuchsbandwurms wird sehr kritisch gesehen**, weil die dafür erforderliche flächendeckende Reduktion des Fuchsbestands in der Praxis nicht zu erreichen ist. Dies gilt selbst für Länder wie Australien, in denen Füchse als invasive Spezies und „Schädling“ ganzjährig massiv mit Flinte, Fallen, Giftködern und weiteren Maßnahmen verfolgt werden. - **Zudem führt Bejagung zu einer höheren Reproduktionsrate, damit zu einem höheren Anteil an Jungfüchsen, und gerade diese tragen eine deutlich höhere Anzahl an Bandwürmern in sich als adulte Tiere.** - Darüber hinaus **führt Bejagung zu stärkeren Wanderbewegungen in der Fuchspopulation, was in einer höheren räumlichen Dynamik der Parasitenausbreitung resultieren kann**. - Studien aus Deutschland, der Schweiz, Japan, der Slowakei und Frankreich zeigen, dass die regelmäßige Auslage von Praziquantel-Ködern die Befallsrate der Füchse mit dem Fuchsbandwurm deutlich reduzieren kann. - Im Gegensatz zu der Tollwut ist jedoch eine regelmäßige Beköderung notwendig, weil die Füchse ja nicht gegen den Parasiten immunisiert werden können. Aufwandsbedingt ist eine flächendeckende Ausrottung des Fuchsbandwurms daher unwahrscheinlich. **Fischer, C.; Reperant, L.A.; Weber, J.M.; Hegglin, D. Deplazes, P. (2005): Echinococcus multilocularis infections of rural, residential and urban foxes (Vulpes vulpes) in the canton of Geneva, Switzerland. Parasite 12 (4), 339-346** - 267 Füchse aus dem Kanton Genf (Schweiz) wurden auf Befall mit Echinococcus multilocularis untersucht. - Es zeigte sich, dass die Befallsrate in urbanen Gebieten deutlich niedriger war als in ländlichen (52% vs. 31%). - Darüber hinaus wurde in einigen juvenilen Füchsen eine extrem hohe Anzahl an Bandwürmern (mehr als 120,000) gefunden. Jungtiere waren erheblich stärker belastet als erwachsene Tiere. **Janko C. (2003): Habitatnutzung des Rotfuchses (Vulpes vulpes) in Dörfern und Kleinstädten, Diplomarbeit, Universität Hohenheim, Institut für Zoologie, Fachbereich Parasitologie** - S.94: Befallsraten der Füchse mit dem Fuchsbandwurm sind in Großstädten oft geringer als in ländlichen Gegenden, weil dort die Häufigkeit der betreffenden bandwurmbefallenen Nagetiere niedriger ist. ***Gilot-Fromont, E., et al. (2025): Opinion and report of the French Agency for Food, Environmental and Occupational Health & Safety (ANSES) on the assessment of the impact of fox population dynamics on public health. Food Risk Assess Europe 3(2)** - Stellungnahme der französischen Behörde für Ernährung, Umwelt und Arbeitsgesundheit und -sicherheit (ANSES) zum Einfluss der Populationsdynamik von Füchsen auf die Öffentliche Gesundheit. - Der Fuchs spielt durch den Fuchsbandwurm eine Rolle, aber die Bejagung von Füchsen ist kein geeignetes Mittel zu seiner Bekämpfung und hat womöglich sogar den gegenteiligen Effekt. - „**There is no public health justification for culling foxes**” – einzige Ausnahme: Ausbrüche von Rindertuberkulose, bei denen Füchse in direkter Umgeng der betreffenden Ställe gezielt getötet werden, um eine Übertragung zu unterbinden. ## Entwurmung von Fuchspopulationen **Hegglin D., Ward P.I., Deplazes P. (2003): Anthelmintic Baiting of Foxes against Urban Contamination with Echinococcus multilocularis, Emerging Infection Diseases, 9(10)** - Lokale Entwurmung von Füchsen (z.B. in Städten) mit Ködern ist erfolgreich möglich. - Entwurmungsköder: In Zürich, wo laut HOFER et al. (2000) bis zu 47 % der Stadtfuchspopulation mit E. multilocularis infiziert sind, konnte der Anteil von Fuchskot mit Fuchsbanwurmeiern durch eine 19-monatige Beköderung in einem Areal von einem Quadratkilometer von 38,6% auf 5,5 % und in einem Areal von 6 Quadratkilometern sogar von 66,7 % auf 1,8 % gesenkt werden. - **Geringer Jagddruck (!) ist gut für die Entwurmung von Fuchspopulationen, weil Jagddruck die Wanderbewegung in Fuchspopulationen ansteigen lässt, wodurch ggf. infizierte Tiere von außen in das beköderte Gebiet eindringen und den Fuchsbandwurm wieder hineintragen**. **König A., Romig T. (2007): Bericht an die Gemeinden des Landkreises Starnberg sowie die Gemeinden Neuried und Planegg über das Projekt Kleiner Fuchsbandwurm im Bereich der Gemeinden im Landkreis Starnberg sowie den Gemeinden Neuried und Planegg im Landkreis München** - In Bayern seit 1990 leicht steigende Anzahl von klinischen Krankheitsfällen mit alveolärer Echinokokkose auf sehr niedrigem Niveau (von ca. 0-2/Jahr auf 6-10/Jahr). - **Befallsrate der Füchse mit Fuchsbandwurm kann durch Einsatz von Ködern drastisch reduziert werden**: „Die Befallsrate in der vom Projektteam 2003 im Auftrag der Gemeinden erstellten Risikoanalyse lag bei 51% (untersucht wurden dabei 268 Füchse). Innerhalb des Projektgebietes waren es 40% (18 von 45 Untersuchten) im Jahr 2005 und 42% (42 von 100) bei der Risikoanalyse. Im ersten halben Jahr des Projekts konnte innerhalb weniger Entwurmungszyklen die Befallsrate im Projektgebiet auf 12% (10 von 82) gedrückt werden. Ein weiteres Jahr später (Stand März 2007) sind nur noch 0,8% (1 von 116) der Füchse im Projektgebiet befallen (Tab. 2 und Abb. 7).“ **Tackmann K., Loschner U., Mix H., Staubach C., Thulke H.H., Conraths F.J. (2001): A field study to control Echinococcus multilocularis-infections of the red fox (Vulpes vulpes) in an endemic focus. Epidemiol Infect 127, 577-587** - Entwurmungsköder: In einem zweijährigen Beköderungszeitraum konnte die Befallsrate der Füchse mit dem Fuchsbandwurm in einem 5000qkm großen Beköderungsareal von ursprünglich 16-27% auf 2-6% gesenkt werden. **König A., Romig T., Janko C., Hildenbrand R., Holzhofer E.A., Kotulski Y. (2008): Integrated-baiting concept against E. multilocularis in foxes is successful in Southern Bavaria, Germany. European Journal of Wildlife Research 54, 439-447** - Die **Prävalenz des Fuchsbandwurms konnte mit Hilfe von Köderauslage innerhalb von nur vier Monaten von durchschnittlich 35% auf durchschnittlich 1% reduziert werden**. - Dieser im Vergleich zu den vorangegangenen Studien rasch einsetzende Effekt wird unter anderem auf eine höhere Köderdichte von 50 pro km2 zurückgeführt, welche in den anderen Studien bei lediglich 20 pro km2 lag (TACKMANN et al. 2001; ROMIG et al. 2007). Zudem wurden in der Untersuchung von König et al. erstmals Siedlungen, insbesondere Gärten, in die Beköderung einbezogen, und das Beköderungsintervall wurde anfänglich auf vier Wochen verkürzt, was die rasch einsetzende Reduktion der Prävalenz ebenfalls begünstigt haben dürfte. **Hegglin D., Deplazes P. (2008): Control strategy for Echinococcus multilocularis. ****Emerging Infectious Diseases 14, 1626-1628** - Entwurmungsköder: Durch ein monatliches Beköderungsintervall konnte die Kontamination der Fuchslosung mit E. multilocularis von 22,5% auf 5,4% gesenkt werden. - Auch die Fläche des Beköderungsareals spielt eine wichtige Rolle für den Erfolg der Behandlung, da bei sehr kleinen Studienarealen Randeffekte entlang der Grenzen der Beköderungsareale zu erwarten sind. Diese kommen durch immigrierende, nicht entwurmte Füchse zustande und sind umso größer, je kleiner das Studienareal ist. ## Alveoläre Echinokokkose beim Menschen **Sréter T., Széll Z., Sréter-Lancz Z., Varga I. (2004): Echinococcus multilocularis in Northern Hungary. Emerging Infectious Diseases, 10, 1344-1346** - **Trotz der wachsenden Befallsrate von Füchsen mit dem Fuchsbandwurm in den 1990er Jahren ist keine Zunahme der Krankheitsfälle beim Menschen zu verzeichnen.** - Die Autoren erklären das mit der gewachsenen Aufmerksamkeit der Menschen und den daraus resultierenden Schutzanstrengungen (Entwurmung von Haustieren, …) **Kern P., Bardonnet K., Renner E., Auer H., Pawlowski Z., Ammann R.W., Vuitton D.A., and the European Echinococcosis Registry: European Echinococcosis Registry (2003): Human Alveolar Echinococcosis in Europe, 1982–2000. ****Emerging Infectious Diseases, 9, 3** - Größter Teil der an alveolären Echinokkose erkrankten Menschen gehören zur Risikogruppe Bauern + Jäger. - Untersuchung von insgesamt 210 Echinokokkose-Patienten aus dem ländlichen Raum aus Zentraleuropa. - 61.4% davon gingen landwirtschaftlichen Tätigkeiten bzw. jagdlichen oder forstwirtschaftlichen Aktivitäten nach. **Kern, P., Ammon, A., Kron, M., Sinn, G., Sander, S., Petersen, L.R., Gaus, W. (2004): Risk Factors for Alveolar Echinococcosis in Humans. Emerging Infectious Diseases 10(12)** - Die Studie untersuchte Risikofaktoren für Fuchsbandwurm-Erkrankungen beim Menschen. Dafür wurden 40 Echinokokkose-Patienten und 120 Kontrollpersonen befragt. - **Der mit Abstand bedeutendste Risikofaktor war der Besitz von Hunden, die Wildtiere töten (z.B. Jagdhunde)** – Menschen, auf die dies zutraf, hatten ein 18fach erhöhtes Risiko, an Echinokokkose zu erkranken. Auch der Besitz freilaufender Hunde (6,4fach) sowie landwirtschaftliche Tätigkeit (4,7fach) waren mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko verbunden. - Der **Verzehr von ungekochtem oder ungewaschenem Gemüse oder Salat (ebenso wie Kräuter, Pilze oder Beeren) vergrößerte das Erkrankungsrisiko dagegen nicht**. **Kreidl, P., Allerberger, F., Judmaier, G., Auer, H., Aspöck, H., Hall, J. (1998): Domestic pets as risk factors for alveolar hydatid disease in Austria. American Journal of Epidemiology 147(10), 978-981** - Von 1967 bis 1997 wurden die Gewohnheiten und Aktivitäten von 21 Echinokokkosepatienten mit jenen von 84 gesunden Kontrollpersonen verglichen, die ihnen im Hinblick auf Alter, Geschlecht und Wohnort entsprachen. - Es zeigte sich, dass es **zwei Faktoren gab, die das Erkrankungsrisiko am Fuchsbandwurm stark erhöhten: Jagd und Katzenbesitz**. Jäger hatten eine 7,83fach erhöhte Erkrankungswahrscheinlichkeit; das Erkrankungsrisiko von Katzenbesitzern war um den Faktor 6,47 erhöht. - Das erhöhte Erkrankungsrisiko von Katzenbesitzern ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass freilaufende Katzen mit dem Fuchsbandwurm infizierte Mäuse fressen und dann selbst Bandwurmeier ausscheiden. - **Der Verzehr von Pilzen oder bodennah wachsenden Beeren korrelierte dagegen nicht mit Echinokokkoseinfektionen**. **Viel, J.F., Giraudoux, P., Abrial, V., Bresson-Hadni, S. (1999): Water vole (Arvicola terrestris scherman) density as risk factor for human alveolar echinococcosis. Am J Trop Med Hyg 61(4):559-65** - Die Studie ging der Frage nach, ob es einen Zusammenhang zwischen der Größe der Mäusepopulation und der Erkrankungswahrscheinlichkeit an alveolärer Echinokokkose beim Menschen gibt. - Wo hohe Mäusedichten zu finden waren, gab es ein bis zu 10fach erhöhtes Erkrankungsrisiko für den Menschen. --- title: Fuchsjagd und Räude date: 2026-03-27 url: https://fuechse.info/fuchsjagd-und-wissenschaft/fuchsjagd-und-wissenschaft-raeude/ --- # Fuchsjagd und Räude ## Inhalt - Zentrale Punkte - Resistenz gegen Räude - Auftretenshäufigkeit der Räude und Einflussfaktoren für ihre Ausbreitung - Behandlung von Räude bei Füchsen ## Zentrale Punkte - Die Räude tritt bereits seit vielen Jahrzehnten in europäischen Fuchspopulationen auf. Sie kann die Fuchspopulation regional vorübergehend drastisch dezimieren. - Nach einem Räudezug steigt die Resistenz einer Fuchspopulation gegen die Räude offensichtlich an, was temporär vor einem erneuten Räudezug schützt. - Es gibt Hinweise darauf, dass Antigene in einer Population von der Mutter auf die Welpen weitergegebebnen wird. - Es gibt keinen einzigen wissenschaftlichen Beleg für die immer mal wieder kursierende Behauptung, dass Fuchsjagd die Räude eindämmen könne. Dagegen spricht auch, dass die Jagd überhaupt keinen regulierenden Effekt auf Fuchspopulationen besitzt. ## Resistenz gegen Räude **Davidson R.K., Bornstein S., Handeland K. (2008): Long-term study of Sarcoptes scabiei infection in Norwegian red foxes (Vulpes vulpes) indicating host/parasite adaptation. Veterinary Parasitology 156 (3-4)** - Es wurden in einem Gebiet Räudemerkmale bei 363 geschossenen Füchsen untersucht, und zwar im Abstand von ca. 10 Jahren. - Es zeigte sich, dass die Auftretenshäufigkeit der Räude dramatisch gesunken war und dass die Resistenz der Füchse gegen Räude erheblich angestiegen war. - **Räudezüge führen also offensichtlich dazu, dass die betreffende Fuchspopulation langfristig deutlich stärker gegen die Räude resistent ist.** ***Börner, K. (2014): Untersuchungen zur Raumnutzung des Rotfuchses, Vulpes vulpes (L., 1758), in verschieden anthropogen beeinflussten Lebensräumen Berlins und Brandenburgs. Dissertation, Berlin.** - Dissertation über Fuchspopulationen in Berlin und Brandenburg (Populationsdynamik, Nahrungsquellen, Krankheitsgeschehen) - Stark variierende Befallsintensitäten in Berlin zwischen 5 und 25% in einem 20jährigen Untersuchungsintervall - **Die Untersuchungen weisen darauf hin, dass sich in Populationen, in denen sich der Parasit bereits über viele Generationen etabliert hat, die Sterblichkeitsrate herabgesetzt ist**. Möglicherweise kommt es bei diesen Tieren dazu, dass Antigene maternal auf die Jungtiere übergeben werden. Diese Tiere besäßen aufgrund der Immunantwort bei einer Infektion eine höhere Überlebenschance. Zudem könnte durch eine weniger intensive Reaktion auf den Parasiten der Juckreiz verringert und damit das Risiko einer Sekundärinfektion herabgesetzt sein. ## Häufigkeit der Räude und Einflussfaktoren für ihre Ausbreitung **Soulsbury C.D., Iossa G., Baker P.J., Cole N.C., Funk S.M. and Harris S. (2007): The impact of sarcoptic mange *Sarcoptes scabiei* on the British fox *Vulpes vulpes* population. Mammal Review, 37 (4), 278-296** - Die Räude kann Fuchspopulationen lokal stark dezimieren (bis zu 95%), und es kann 15-20 Jahre dauern, bis die Population sich wieder erholt hat. - **Die Räude ist kein neuzeitliches Phänomen, das mit dem vermeintlichen Anstieg der Fuchspopulation im Zusammenhang steht, sondern tritt schon lange in den verschiedensten Ländern immer mal wieder auf**. - Je höher die Habitatqualität, desto geringer die Auftretenswahrscheinlichkeit der Räude. **Constantin, E.M. (2005): Epidemiologische Untersuchung zur Verbreitung der Räude beim Rotfuchs (Vulpes vulpes) in Baden-Württemberg. Dissertation, Berlin** - In Baden-Württemberg wurde 2005 die bisher umfangreichste Erfassung von Räudefällen in Deutschland vorgenommen. Hier zeigte sich, dass von 2.481 untersuchten Füchsen nur etwa drei Prozent tatsächlich in Kontakt mit Räudemilben gekommen waren. Als Haut und Fell dieser etwa 80 Tiere genauer untersucht wurden, stellte sich heraus, dass nur vier von ihnen tatsächlich äußere Merkmale einer Räudeerkrankung aufwiesen. **Hochgerechnet bedeutet dies, dass von 10.000 baden-württembergischen Füchsen etwa 300 räudepositiv waren und gerade einmal 15 von ihnen auch Symptome zeigten**. **Carricondo-Sanchez, D; Odden, M; Linnell, J.D.C.; Odden, J. (2017) The range of the mange: Spatiotemporal patterns of sarcoptic mange in red foxes (Vulpes vulpes) as revealed by camera trapping. PLoS ONE 12(4)** - Mit Hilfe von 305 Wildkameras wurde die Prävalenz und spatiotemporale Dynamik der Räude in einem 18000km² großen Untersuchungsgebiet in Norwegen überwacht - Die Prävalenz der Räude belief sich dabei im Mittel auf 3,15% - In Zeiten der Nahrungsknappheit (Winter) halten vor allem räudekranke Füchse im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit sich mit höherer Wahrscheinlichkeit in der Nähe menschlicher Siedlungen auf Sie sind dadurch für Menschen besonders sichtbar, wodurch der Eindruck einer deutlich höheren Räudeprävalenz entstehen kann, als de facto gegeben ist. - Grundsätzlich trat die Räude in Form kleiner lokaler Ausbrüche auf. ## Behandlung von Räude bei Füchsen ***Lee, S.K., Lee, A.-N., Shin, E.-B., et al. (2025): Sarcoptic Mange in Reintroduced Red Foxes (Vulpes vulpes) in South Korea: Case Histories, Clinical Assessments, Treatments, and Pathological Findings. Animals 15(10)** - In Korea wurden Füchse durch massive Vergiftungskampagnen gegen Nagetiere nahezu ausgerottet. Neuerdings werden gezielt Tiere ausgesetzt, um die Population zu stabilisieren. - Zwischen 2019 und 2024 wurden 27 Fälle von Räude bei 26 verschiedenen Tieren diagnostiziert. 12 davon wurden tot aufgefunden, 15 konnten lebend in Obhut genommen werden. - **Die Behandlung mit Fluralaner oder Invermectin führte in 12 dieser 15 Fälle zu einer vollständigen Genesung**; drei Füchse verstarben während der Behandlung. --- title: Fuchsjagd und Staupe date: 2026-03-27 url: https://fuechse.info/fuchsjagd-und-wissenschaft/fuchsjagd-und-wissenschaft-staupe/ --- # Fuchsjagd und Staupe ## Inhalt - Zentrale Punkte - Auftreten und Mortalität ## Zentrale Punkte - Es gibt wenig wissenschaftliche Erkenntnisse zur Epidemiologie der Staupe bei wild lebenden Tieren, weil sie für den Menschen nicht gefährlich ist. - Wollte man die Staupe bei Füchsen eliminieren, müsste man einen Teil der Population (gut 20%) immunisieren. Es gibt dagegen keine Beleg dafür, dass Jagd einen Einfluss auf die Auftretenshäufigkeit der Staupe bei Füchsen besitzt. ## Auftreten und Mortalität **Nouvellet P. et al. (2011): Rabies and Canine Distemper Virus Epidemics in the Red Fox Population of Northern Italy (2006–2010), PLoS ONE 8 (4)** - Untersuchung einer Fuchspopulation in Nordostitalien, die 2006 und in den Folgejahren von einem Ausbruch der Staupe heimgesucht wurde. Zusätzlich brach dort 2008 vorübergehend die Tollwut wieder aus (nach 13jähriger Abwesenheit in Italien). Es wurden mathematische Modelle entwickelt, um die Ausbreitung der Krankheiten und die Effektivität von Impfungen zu evaluieren bzw. vorherzusagen. - Die Epidemiologie der Staupe bei wildlebenden Tieren wurde bisher kaum untersucht, da die Staupe keine Gefahr für den Menschen darstellt. - Mortalitätsrate der Staupe bei Caniden beträgt ca. 43%, wobei Individuen mit besserer Konstitution höhere Überlebenschancen besitzen. In diesem Fall verfügen sie i.d.R. anschließend über eine lebenslange Immunität gegenüber der Staupe. - Bei Füchsen: Geschätzte Mortalität beträgt etwa 50% - Das Modell zeigt, dass es genügt, einen Anteil von 21% der Füchse (gegen Staupe oder Tollwut) zu immunisieren, um die Ausbreitung der betreffenden Krankheit zu unterbinden. - Zum Ende der Studie war die Tollwutepidemie unter Kontrolle **Damien B.C., Martina B.E., Losch S., Mossong J., Osterhaus A.D., Muller C.P. (2002):** **Prevalence of Antibodies against Canine Distemper Virus among Red Foxes in Luxembourg, Journal of Wildlife Diseases, 2002, 38(4)** - Untersuchung von Rotfüchsen in Luxemburg hinsichtlich Vorhandenseins von Antikörpern gegen Staupeviren - Graufüchse (Urocyon cinereoargenteus) sind für Staupe deutlich anfälliger als Rotfüchse, die wiederum ähnliche Anfälligkeit und ähnliche Krankheitsverläufe aufweisen wie Haushunde - 9-13% der Füchse wiesen Antikörper auf, d.h. sie sind mit Staupe in Kontakt gekommen, haben aber überlebt - In den USA oder Tokyo wurden dagegen keine Anzeichen für Staupe bei Rotfüchsen gefunden, obwohl die Krankheit bei anderen Wildtieren aufgetreten ist. Dasselbe gilt für Füchse im Saarland (1995) ***Börner, K. (2014): Untersuchungen zur Raumnutzung des Rotfuchses, Vulpes vulpes (L., 1758), in verschieden anthropogen beeinflussten Lebensräumen Berlins und Brandenburgs. Dissertation, Berlin.** - Dissertation über Fuchspopulationen in Berlin und Brandenburg (Populationsdynamik, Nahrungsquellen, Krankheitsgeschehen) - **Staupe ist keine neue Erscheinung und ist in Berlin schon seit Jahrzehnten gut dokumentiert**: „So fand HÖPPNER (1992) heraus, dass bis zu 16% der Füchse den Staupe-Virus besaßen. FRÖLICH und Mitarbeiter (2000) wiesen nach, dass 10% der Füchse in Berlin Virusträger waren. In anderen suburbanen und ruralen Lebensräumen Deutschlands wurden von TRUYEN et al. (1998) Seroprävalenzen von 4,4% vorgefunden.“ --- title: Fuchsjagd und Tierschutz date: 2026-03-27 url: https://fuechse.info/fuchsjagd-und-wissenschaft/fuchsjagd-tierschutz-baujagd-verletzungsraten-jagdzeiten/ --- # Fuchsjagd und Tierschutz ## Inhalt - Zentrale Punkte - Nicht-tödliche Verletzungen durch Jagdmunition - Baujagd - Jagdzeiten und Elterntierschutz ## Zentrale Punkte - Auf jeden bei der Jagd erschossenen Fuchs kommt mindestens ein weiterer, der nur verletzt wird und von diesen angeschossenen Tieren wird nur ein Teil überhaupt gefunden. - Die Baujagd stellt in mehrfacher Hinsicht schwerwiegende Tierquälerei dar. - Fuchsrüden spielen bei der Jungenaufzucht eine bedeutende Rolle. Dennoch werden sie gerade in der Paarungszeit intensiv bejagt. Ein nach erfolgter Paarung getöteter Fuchsrüde steht nicht mehr für die Versorgung seiner Familie zur Verfügung, wodurch Überlebenschancen und Konstitution von Füchsin und Welpen erheblich beeinträchtigt werden. ## Nicht-tödliche Verletzungen durch Jagdmunition **Fox, N. et al. (2003): Welfare Aspects of Shooting Foxes. All Party Parliamentary Middle Way Group; sowie Fox, N. et al. ****(2005): Wounding rates in shooting foxes (Vulpes vulpes). Animal Welfare (14)** - **Auf jeden bei der Jagd erschossenen Fuchs kommt mindestens ein weiterer, der nur verletzt wird und von diesen angeschossenen Tieren wird nur ein Teil überhaupt gefunden.** - Fox et al. untersuchten die Treffsicherheit von unerfahrenen, angelernten und erfahrenen Jägern auf sich bewegende Papiersilhouetten eines Fuchses. Anhand der Lage der Einschußlöcher und der errechneten Eindringtiefe der Geschosse wurde abgeleitet, dass unter normalen Geländebedingungen der Anzahl geschossener Füchse mindestens diesselbe Anzahl von verwundeten Füchsen, die nicht aufgefunden werden, entspricht. Außerdem ergab sich, dass mit zunehmender Erfahrung der Jäger die Rate der geschossenen Füchse anstieg bei unverändertem Anteil der als verwundet gewerteten Silhouetten. ***Elmeros, M., Holm, T.E., Haugaard, L., Madsen A.B. (2012): Prevalence of embedded shotgun pellets in protected and in legally hunted medium-sized carnivores in Denmark. Eur J Wildl Res 58, 715–719** - Schrotschüsse sind immer mit der Gefahr verbunden, Tiere nur zu verwunden und nicht zu töten. - Röntgenuntersuchungen von erlegten Füchsen, Ottern und Dachsen in Dänemark**. Bei insgesamt 13,8% der Füchse fanden sich alte Schrotkugeln im Körper**, wobei die Zahl von 24,9% in den späten 1990ern (24,9%) bis Ende der 2000er Jahre (8,5%) sank, vermutlich durch veränderte Jagdmethoden. ## Baujagd **Bolliger G., Gerritsen V., Rüttimann A. (2010): Die Baujagd unter dem Aspekt des Tierschutz- und Jagdrechts, Gutachten (Schweiz)** - Die Praktik kann als ein Aufeinanderhetzen von Tieren bezeichnet werden, bei dem nicht selten unterirdische Kämpfe stattfinden und sowohl der Hund als auch das bejagte Wildtier erhebliche Verletzungen erleiden oder sogar getötet werden. **Füchse und Dachse werden bei dieser Jagdmethode ausserdem an einem Ort attackiert, der von ihnen als sicheres Rückzugsrefugium genutzt wird und zur Jungenaufzucht dient**. - **Aus der Sicht des Tierschutzrechts erfüllt die Ausübung der Baujagd gleich mehrfach den Tatbestand der Tierquälerei von Art. 26 TSchG**. Dennoch finden sich in verschiedenen Erlassen Vorschriften, aus denen geschlossen werden könnte, die Baujagd sei erlaubt. Dabei handelt es sich jedoch ausschliesslich um Verordnungen und kantonale Gesetze, also um Erlasse, die dem Tierschutzgesetz hierarchisch untergeordnet sind und daher eigentlich keine ihm zuwiderlaufende Bestimmungen enthalten dürften. - Die betreffenden Bestimmungen wurden somit in kompetenzwidriger Weise erlassen. Weil der Bürger auf die Richtigkeit von Rechtserlassen vertrauen darf, zieht die Durchführung der Baujagd unter diesen rechtlichen Umständen wohl keine Strafe nach sich. **Gleichwohl bedeutet sie eine Tierquälerei, deren Legalisierung jeglicher rechtmässiger Grundlage entbehrt.** Es ist daher zu fordern, dass dieser rechtswidrige Zustand durch die Streichung der betreffenden Bestimmungen bald möglichst beseitigt wird. ## Jagdzeiten und Elterntierschutz **Vergara V. (2001): Comparison of parental roles in male and female Red Foxes, Vulpes vulpes, in southern Ontario. Canadian Field Naturalist 115(1), 22-33** - Fuchsrüde trägt durch Wache halten und durch die Versorgung von Fähe und Welpen mit Nahrung zur Aufzucht der Jungtiere bei. Außerdem spielt er mit den Welpen. - Die kanadische Biologin Valeria Vergara stellte in einer Studie zur Vaterrolle des Fuchsrüden fest, dass der Reproduktionserfolg deutlich höher ist, wenn beide Elternteile den Nachwuchs gemeinsam aufziehen, als wenn die Fähe dabei auf sich allein gestellt ist. - Die Tötung des Fuchsvaters hat negative Folgen für die Konstitution von Fähe und Welpen. **Gloor S., Bontadina F., Hegglin D. (2006): Stadtfüchse. Ein Wildtier erobert den Siedlungsraum. Haupt** - Fuchsrüden beteiligen sich aktiv an der Aufzucht ihres Nachwuchses. Die Hauptaufgabe der Rüden ist dabei die Versorgung der durch Schwangerschaft und Geburt geschwächten Fähe sowie ihrer Welpen mit Nahrung. - Die Füchsin wird nach der Geburt der Welpen vom Rüden versorgt und verlässt in dieser Zeit den Bau kaum. Sie darf die neugeborenen Jungfüchse nicht für längere Zeit allein lassen, weil diese ihre Körpertemperatur noch nicht selbstständig aufrechterhalten können. **Zabel C.J. (1986): Reproductive Behavior of the Red Fox (Vulpes vulpes): A Longitudinal Study of an Island Population** - Im Rahmen von Forschungsarbeiten zum Fortpflanzungsverhalten des Rotfuchses wurden elf Fuchsfamilien beobachtet. - Nur eine der betreffenden Füchsinnen musste ihren Nachwuchs ohne Hilfe eines Rüden großziehen, und sie war die einzige, von deren Welpen kein einziger das erste Lebensjahr überstand. Neben der schlechteren Nahrungsversorgung waren vor allem Störungen durch rivalisierende Füchse dafür verantwortlich – ein eindeutiges Indiz dafür, dass auch das Wach- und Verteidigungsverhalten der Fuchsväter für das Überleben der Jungtiere von erheblicher Bedeutung ist. **Frey-Roos, A. (2007): Fuchs und Co – Biologie und jagdliche Konsequenzen. In: Bericht über die 13. Österreichische Jägertagung zum Thema Räuber und Beute – die ökologische Bedeutung der Beutegreifer im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen, 13. und 14. Februar 2007 an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein. Irdning: Höhere Bundeslehr- u. Forschungsanstalt für Landwirtschaft, S. 31–34.** - In der Säugezeit werden in Österreich nachweislich mehr Fähen als Rüden erlegt, ansonsten deutlich mehr Rüden als Fähen. Die ansonsten viel misstrauischeren Fähen legen zu dieser Zeit ihre Vorsicht ab, um größere Mengen an Futter verzehren bzw. zu den Welpen bringen zu können. Konsequenz ist, dass die Welpen dieser Fähen verhungern/verdursten/erfrieren. - Offensichtlich sind Jäger also nicht in der Lage (oder nicht willens), die Füchse in der Säugezeit sicher anzusprechen. **Weitere Belege für die Rolle des Fuchsrüden bei der Jungenaufzucht:** - J.R.Malcolm (1985): Paternal Care in Canids. American Zoologist, 25(3): 853-856 - D. Macdonald (1980): Social factors affecting reproduction by the red fox, Vulpes vulpes. In: E. Zimen, ed. The Red Fox, Symposium on Behavior and Ecology. Biogeographica 18, W. Junk, The Hague, The Netherlands - J.D. Henry (1986): Red Fox: The Catlike Canine. Smithsonian Institute Press - C.S.Asa (1997): Hormonal and Experiential Factors in the Expression of Social and Parental Behavior in Canids. In: N. G. Solomon & J.A.French, Cooperative Breeding in Mammals. Cambridge University Press - D.G.Kleiman, J.R.Malcolm (1981): The Evolution of Male Parental Investment in Mammals. In: D.J. Gubernick, P.H. Klopfer, Parental Care in Mammals. Plenum Publishing - C.S.Asa, C.Valdespino (1998): Canid Reproductive Biology: an Integration of Proximate Mechanisms and Ultimate Causes. American Zoologist, 38: 251-259 - D. Macdonald (1991): Running with the Fox. Facts on File - S. Harris (1986), Urban Foxes. Whittet Books - C.J. Zabel, S.J. Taggart (1989): Shift in red fox, Vulpes vulpes, mating system associated with El Niño in the Bering Sea, Animal Behavior 38, 830-838 --- title: Fuchsjagd und Tollwut date: 2026-03-27 url: https://fuechse.info/fuchsjagd-und-wissenschaft/fuchsjagd-und-wissenschaft-tollwut/ --- # Fuchsjagd und Tollwut ## Inhalt - Zentrale Punkte - Fuchsbejagung und Tollwutausbreitung - Immunisierungsstrategien ## Zentrale Punkte - Deutschland ist seit dem Jahr 2008 offiziell tollwutfrei. - Die Immunisierung von Fuchspopulationen gegen die Tollwut mit Hilfe von aus Flugzeugen abgeworfenen Impfködern hat sich als hocheffektiv erwiesen - Die Bejagung bzw. Bekämpfung von Füchsen begünstigt die Tollwutausbreitung dagegen sogar, weil sie zu steigenden Geburtenraten und damit einer größeren Zahl reviersuchender Jungfüchse führt, die auf ihren kilometerlangen Wanderungen die Tollwut erst in neue Gebiete einschleppen. - Die Fuchsbekämpfung erwies sich überdies als weitaus teurer als die Impfaktionen ## Fuchsbejagung und Tollwutausbreitung **Berberich W., `Oleire-Oltmanns W. (1989): Das Raum-Zeit-System des Rotfuchses, Forschungsbericht Nr. 17 der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden** - „Eine Bejagung des Fuchses im Nationalpark als Präventivmaßnahme gegen eine Ausbreitung der Tollwut erscheint fragwürdig. Die im Frühjahr und Herbst 1988 von der WHO durchgeführten Impfaktionen werden als einzig adäquate Maßnahme betrachtet.“ - Im Nationalpark Berchtesgaden werden Füchse nicht bejagt. **Debbie, J. (1991): Rabies control of terrestrial wildlife by population reduction. In: Baer, G.M. (Ed.), The natural History of Rabies. ****CRC Press, Boca Raton.** - Nahezu weltweit wurde die Bejagung der primären Überträgerspezies zunächst als Mittel zur Tollwutbekämpfung eingesetzt. **Allerdings blieben diese Ansätze in aller Regel erfolglos, weil mit jagdlichen Mitteln die Dichte der meisten Spezies nicht auf das Niveau abgesenkt werden kann, das erforderlich ist, um die Tollwutausbreitung zum Erliegen zu bringen**. Insgesamt ist der Einfluss der Jagd auf die Populationsdichte der betreffenden Spezies vernachlässigbar. - **Jagd kann sich kontraproduktiv auswirken, weil sie die Reproduktionsrate der betroffenen Spezies erhöht und dadurch Wanderbewegungen in der Population fördert**. **Macdonald D. (1993): Unter Füchsen – Eine Verhaltensstudie. Knesebeck, München** - „Die Krankheit lässt sich nur bekämpfen, wenn sich die Kontaktrate senken lässt. Folglich versuchten die staatlichen Gesundheitsämter die Tollwut zu bekämpfen, indem sie zu massiven Abschlachtkampagnen gegen Füchse aufriefen. Der Plan sah vor, die Fuchsbestände auf einen so niedrigen Wert zu drücken, dass tollwütige Füchse vor ihrem Tod möglichst keine Gelegenheit mehr hatten, andere Tiere anzustecken. **Hunderttausende von Füchsen wurden in Europa vergiftet, vergast und abgeschossen. Die Krankheit hat sich dennoch in gleichmäßigem Tempo weiter ausgebreitet**.“ - „Der Misserfolg hat viele Gründe: Einmal können Fuchsbestände den Aderlass ausgezeichnet abpuffern. Wollte man die Krankheit länger als nur für eine Fortpflanzungssaison bremsen, müsste man in verseuchten Gebieten mindestens 60 Prozent der Füchse vernichten.“ - Im Feld ist der Jagddruck i.d.R. hoch, im deckungsreichen Wald eher niedrig. „Revierlose Jungtiere wandern zwangsläufig in die freiwerdenden Territorien der offenen Landschaft ab und sorgen für einen regen Grenzverkehr. Da in dem sozialen Chaos der intensiv bejagten Feldfuchs-Gesellschaft Kämpfe und wohl auch Verletzungen an der Tagesordnung sind, hat das Tollwutvirus hier beste Chancen, sich rasch auszubreiten. - „(Impfköder) haben den großen Vorteil, dass das Sozialsystem der Füchse intakt bleibt. **Zudem ist Impfen weit billiger**, als die Füchse in arbeits- und kostenintensiven Einsätzen zu töten, von ethischen Bedenken ganz zu schweigen.“ **Schneider L.G. (1991): Einfluß der oralen Immunisierung auf die Epidemiologie der Tollwut. Fuchs-Symposium Koblenz, 2.-3.März 1990. Heft 20 d. Schriften des Arbeitskreises Wildbiologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen e.V., Melsungen.** - Tollwutbekämpfung: Bei einer ökonomischen Gegenüberstellung der (erfolglosen) Fuchsbekämpfung mit Jagd und Baubegasungen und den Impfaktionen ergibt sich, dass die Kosten für die Fuchsbekämpfung die Aufwendungen für die Impfaktionen um das 13fache überstiegen. ## Immunisierungsstrategien **Eisinger D., Thulke H.H., Selhorst T., Müller T. (2005): Emergency vaccination of rabies under limited resources – combating or containing? ****BMC Infectious Diseases 5:10** - Beim lokalen Auftreten von Tollwut ist eine lokale kreisförmige Tollwutimmunisierung erfolgreich. **Müller T. et al. (2012): SURVIS: a fully-automated aerial baiting system for the distribution of vaccine baits for wildlife, Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift 125, Heft 5/6** - „Die großflächige Flugzeugauslage von Impfködern wird seit Jahren erfolgreich bei der Bekämpfung der sylvatischen Tollwut in Europa und Nordamerika eingesetzt. Ein technischer Meilenstein auf diesem Weg in Europa war die Entwicklung einer vollautomatischen, computergestützten und kostengünstigen Technologie für die automatisierte Auslage von Impfködern per Flugzeug wie zum Beispiel das SURVIS-System. Jeder abgeworfene Köder wird durch einen Sensor erfasst, wobei die genaue Position, die Zeit und das Datum des Abwurfes gespeichert werden.“ - **Manuelle Köderauslage durch Jäger ist ineffektiv, aufwändig und kann auf großen Flächen und in schwer zugänglichen Gebieten nicht durchgeführt werden.** Außerdem empfanden die zweimals jährlich erfolgende Köderauslage viele Jäger als mühsam und zu anstrengend und nahmen deswegen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt daran teil. Vielerorts (z.B. Italien, 2009) ist die manuelle Köderauslage schlicht gescheitert/konnte die Tollwut nicht zurückdrängen. - **Erst der Abwurf von Ködern aus Flugzeugen war flächendeckend erfolgreich** (z.B. Sachsen-Anhalt, 1995 – dort wurde SURVIS das erste Mal eingesetzt -, Österreich (seit 2000), Polen (seit 2007), Türkei (ab 2008), Lettland (seit 2008), usw.). Seit 1999 ist SURVIS das einzige in Deutschland eingesetzte System. - Bei jedem Flug können bis zu 20.000 Köder vollautomatisch abgeworfen werden. - SURVIS ist nicht nur zur Tollwutimpfung geeignet, sondern auch für andere oral zu verabreichende Köder. Erfolgreiche Einsätze schon im Hinblick auf Schweinepest (seit 2001) und Echinokokkose. **Aubert M.F.A. (1999): Costs and benefits of rabies control in wildlife in France. ****Revue scientifique et technique (International Office of Epizootics) 1 : 533-543** - Evaluation der durch die Tollwut in Frankreich verursachten Schäden und Gegenüberstellung mit den durch ihre Bekämpfung verursachten Kosten - In diesem Zusammenhang wurden auch die Kosten für die Intensivierung der Fuchsbejagung (mit dem angestrebten Ziel der Dezimierung der Population) mit den Kosten für die Impfung der Fuchspopulation durch Köderauslage verglichen. - Bis zum vierten Jahr sind die Kosten für die Maßnahmen vergleichbar, danach hat die Beköderung deutliche Kostenvorteile - Hinzu kommt, dass durch Bejagung keine nachhaltige Reduktion des Tollwutvorkommens erreicht werden kann, die Impfung sich dagegen selbst bei steigenden Fuchspopulationen als wirksam erwiesen hat. **Müller, T., Bätza, H. J., Freuling, C., Kliemt, A., Kliemt, J., Heuser, R., Schlüter, H., Selhorst, T., Vos, A., Mettenleiter, T.C. (2012): Tilgung der Fuchstollwut in Deutschland mithilfe der oralen Immunisierung. Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift 125 (5/6): 178–190** - Historischer Überblick über die Entwicklung der Tollwut in Deutschland - Die Anzahl der Tollwutfälle (bei Tieren) sank von 10484 im Jahr 1983 auf 3 Fälle im Jahr 2006. Seitdem sind keine Tollwutfälle verzeichnet. - Seit 2008 ist Deutschland offiziell tollwutfrei - Die Eliminierung der Tollwut in Deutschland kostete etwa 100 Millionen Euro, von denen 37 Millionen von der EU getragen wurden. --- title: Fuchsjagd und Wissenschaft date: 2026-03-27 url: https://fuechse.info/fuchsjagd-und-wissenschaft/ --- # Fuchsjagd und Wissenschaft Mir werden oft Fragen rund um die Bejagung von Füchsen gestellt: Gibt es nicht zu viele Füchse? Rotten Füchse ihre Beutetiere aus, wenn man sie nicht bejagt? Was passiert mit Krankheiten wie Räude oder Zoonosen wie dem Fuchsbandwurm, wenn man Füchse nicht bejagt? Unter „Alles über Füchse“ gibt es kurze Antworten zu all diesen Fragen. Wenn man aber die Hintergründe verstehen und fundiert argumentieren will, braucht man nachprüfbare Daten, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren und akadamischen Standards genügen. Genau diesem Zweck dient die Rubrik „Fuchsjagd und Wissenschaft“. Hier habe ich zahlreiche wissenschaftliche Texte über den Rotfuchs und die Fuchsbejagung kurz zusammengefasst. Wer – ob als Journalist, Wissenschaftler, Natur- bzw. Wildtierschützer oder Jäger – tiefer in die Thematik einsteigen möchte, findet hier eine solide und umfangreiche Grundlage für eigene Recherchen. - Populationsdynamik: Was bestimmt die Größe einer Fuchspopulation? Welchen Einfluss kann der Mensch auf sie nehmen? Welche Rollen spielen Sozialstrukturen, Bejagung oder Nahrungsverfügbarkeit? - Füchse und ihre Beutetiere: Welchen Einfluss haben Füchse auf die Populationen ihrer Beutetiere? Leistet die Fuchsjagd einen Beitrag zum Schutz bedrohter Arten? - Fuchsjagd und Tollwut: Welche Rolle haben Impfaktionen bei der Bekämpfung der Tolllwut gespielt? Welche Rolle spielt die Jagd dabei? - Fuchsjagd und Räude: Kann die Fuchsjagd dabei helfen, die Räude einzudämmen? Können Füchse eine Resistenz gegen die Räude entwickeln? Wie verbreitet ist die Räude? - Fuchsjagd und Staupe: Ist die Staupe immer tödlich für Füchse? Kann die Fuchsjagd dabei helfen, die Staupe einzudämmen? Wie verbreitet ist die Staupe? - Fuchsjagd und Fuchsbandwurm: Nimmt die Verbreitung des Fuchsbandwurms zu? Wie häufig kommt alveoläre Echinokokkose beim Menschen vor? Was sind die wichtigsten Risikofaktoren für eine Infektion mit alveolärer Echinokokkose? Ist die Fuchsjagd ein geeignetes Instrument, um gegen den Fuchsbandwurm vorzugehen? - Der Fuchs als „Nützling“: Welchen ökonomischen und ökologischen „Wert“ besitzt der Fuchs? Welche Rolle spielt er bei der Eindämmung von Krankheiten, die auf den Menschen übertragen werden können? - Fuchsjagd und Tierschutz: Wie oft kommt es vor, dass Füchse nur angeschossen werden? Wie sind Bau- und Fallenjagd aus Tierschutzsicht zu werten? Wie problematisch sind die aktuellen Jagdzeiten unter Tierschutzgesichtspunkten? ***Aktuelle Fassung:*** *29.03.2026* Mit (*) gekennzeichnete Texte sind seit der letzten Überarbeitung (28.12.2022) hinzugekommen. --- title: fuechse.info- Alles über Füchse date: 2026-02-21 url: https://fuechse.info/ --- # fuechse.info: Alles über Füchse ***Der Rotfuchs (Vulpes vulpes)*** *Rotfuchs (Bild: Archiv)* Der Rotfuchs ist eines der erfolgreichsten Säugetiere der Welt, der Landbeutegreifer mit dem weltweit größten Verbreitungsgebiet, ein Geniestreich der Evolution. In ihm vereinen sich Schönheit und sprichwörtliche Schläue, unbändiger Überlebenswille und einzigartige Anpassungsfähigkeit. Dennoch wissen viele Menschen auch heutzutage noch nur wenig über diese ebenso hübschen wie intelligenten Beutegreifer. Manche fürchten sie zu Unrecht als Krankheitsüberträger, andere sehen sie als Beutekonkurrenten, oder einfach als schwierig zu überlistende und gerade deswegen so attraktive Jagdbeute. Nur wenige wissen dagegen, dass Füchse fürsorgevolle Eltern und zärtliche Liebhaber, verspielte Schelme und unersetzliche Gesundheitspolizisten, exzellente Mäusejäger und listenreiche Überlebenskünstler in einer von Menschen beherrschten Welt sind. ***Warum eine Infoseite über Füchse? *** fuechse.info soll über Füchse, ihr Leben, ihren Schutz und ihre Bedrohung durch den Menschen informieren. Sie richtet sich an alle, die mehr über dieses faszinierende Wildtier wissen wollen, vom Schüler bis zur Journalistin. Falls dabei Fragen auftauchen, die durch die aktuellen Fragen und Antworten-Seiten oder die anderen Artikel noch nicht abgedeckt werden, würde ich mich über eine kurze Nachricht freuen! Die Website gibt es übrigens schon seit 2002 und wird kontinuierlich weiterentwickelt und erweitert. ***Was finde ich auf fuechse.info? *** *Rotfuchs (Bild: Eric Bégin)* Das Herzstück dieser Seiten bildet der umfangreiche „Fragen und Antworten“-Teil, in dem viele Informationen über Rotfüchse und ihre Verwandten, garniert mit einigen Fotos, Illustrationen sowie Angaben weiterführender Literatur, enthalten sind. Unter „Artikel und Texte“ finden sich Aufsätze und Artikel über Füchse. Der „Links“-Bereich wiederum führt zu anderen virtuellen Fuchsbauen im Internet, und unter „Literatur“ kann man sich mit Tipps für den einen oder anderen gemütlichen Offline-Abend eindecken. ***Domains/URLs*** Momentan ist die Website unter den folgenden URLs zu erreichen: - www.fuechse.info - www.fuchsjagd.info - www.fuechse.org - www.foxes.de ***Wer „macht“ fuechse.info?*** Verantwortlich für alle Inhalte ist Dag Frommhold (Impressum). Vielen Dank gebührt allen, die Medien und Informationen für die Website zur Verfügung gestellt haben, vor allem aber an: - Karoline Baumwolf (diewoelfin.net) (Webdesign) - Werner Zimmer (Header-Foto: Rennender Fuchs) - Barbara Quentin (Header-Foto: Fuchs im Herbstlaub) - Luise Dittombée (alle anderen Header-Fotos) - Deltef Hinrichs, Wendel Schaatsbergen, Günther Schumann, Emilie Tourin, Stefanie Fuchs, Sandro und Bianca Pelli, Evelyn Dreyer, Thorsten Emberger, Luise Dittombée (weitere Fotos) - Helmut Sütsch, fuchsfilm.de (Videos) - Dr. Sophia Kimmig, Daniel Peller (Inhaltliches Feedback) *Quo vadis, Reineke? (Bild: Paul Cecil)* --- title: Im Fokus- Baujagd am Kunstbau date: 2026-03-20 url: https://fuechse.info/flyer-und-artikel-ueber-fuechse-und-jagd-fuchsjagd/baujagd-am-kunstbau-vs-naturbau-tierschutz/ --- # Im Fokus: Baujagd am Kunstbau September 2023 Der Regierungsentwurf zum neuen rheinland-pfälzischen Jagdgesetz sieht vor, die Baujagd auf Füchse und Dachse am Naturbau zu verbieten. Am Kunstbau (künstlich angelegter Fuchsbau) soll sie aber weiterhin erlaubt bleiben. Rheinland-Pfalz folgt damit etwa dem Beispiel Baden-Württembergs, wo eine ähnliche Regelung bereits seit längerem besteht. Begründet wird diese Unterscheidung zwischen Kunst- und Naturbauen damit, dass bei Naturbauen oftmals nicht eindeutig geklärt werden kann, ob der Bau von einem Dachs bewohnt wird. Dachse ergreifen bei der Baujagd in der Regel nicht die Flucht vor dem Jagdhund, sondern liefern sich heftige Kämpfe mit ihm. Außerdem kommt es immer wieder vor, dass Jagdhunde in Naturbauen feststecken und nur dadurch wieder befreit werden können, dass ein erheblicher Teil des Baus aufgegraben und dadurch zerstört wird. Diese Argumentation greift aber bei weitem zu kurz. Selbst in Kunstbauen flieht nicht jeder Fuchs sofort vor dem Jagdhund; Beißereien zwischen Fuchs und Jagdhund können daher auch dort nicht sicher ausgeschlossen werden. Schwere Verletzungen auf beiden Seiten kommen somit auch am Kunstbau vor. Selbst wenn der Fuchs den Bau verlässt, ist er dabei hochflüchtig. Auch ein Schrotschuss kann daher nicht sicherstellen, dass der vergleichsweise kleine, schnelle und plötzlich im Baueingang erscheinende Fuchs tödlich getroffen wird. Das Risiko von nicht-tödlichen Verletzungen, die schlimmstenfalls zu einem langsamen, qualvollen Tod führen, ist infolgedessen erheblich. Auch insofern stellt die Baujagd – egal, ob am Kunst- oder Naturbau – einen Verstoß gegen das im Tierschutzgesetz festgeschriebene Gebot der größtmöglichen Schmerzvermeidung (§4 Abs. 1 Satz 2 TierSchG) dar. Tierschutzrelevant ist außerdem, dass Füchse bei der Baujagd an einem Ort attackiert werden, der von ihnen als sicherer Rückzugs- und Ruheort genutzt wird. Die Baujagd ist daher geeignet, Tiere zu traumatisieren. Wie der Biologe Darius Weber beispielsweise feststellte, kann intensiv betriebene Baujagd dazu führen, dass Füchse ihre Baue deutlich seltener aufsuchen (1). Ein Gutachten zur Tierschutzgerechtigkeit der Baujagd in der Schweiz (2) kommt unter anderem aus diesem Grund zu dem Ergebnis, dass die Baujagd grundsätzlich als tierquälerisch und tierschutzwidrig zu bewerten ist. Seitdem haben die Kantone Thurgau, Zürich, Baselland, Waadt und Bern die Baujagd bereits verboten; es ist fest damit zu rechnen, dass weitere Kantone folgen werden. Die Baujagd, ob am Natur- oder am Kunstbau, ist aus Tierschutzsicht grundsätzlich nicht akzeptabel. Zwar sterben nur vergleichsweise wenig Füchse bei der Baujagd (ihr Anteil an der Fuchsstrecke (inkl. Fallwild) schwankte in den Jagdjahren 2019/20 bis 2021/22 etwa in Nordrhein-Westfalen zwischen 1,4 und 2,8 Prozent; für Rheinland-Pfalz liegen keine Daten vor3), das dabei verursachte Leid ist aber besonders groß. Das Aktionsbündnis Fuchs fordert das Umweltministerium in Rheinland-Pfalz, aber auch die Gesetzgeber in allen anderen Bundesländern daher dringend dazu auf, die Baujagd als nicht tierschutzkonform vollständig zu verbieten. **Quellen** 1) Weber, D. (1988): Wie und wann Füchse ihre Baue benutzen. Deutsche Jagd-Zeitung (12), 50-56 2) Bolliger G., Gerritsen V., Rüttimann A. (2010): Die Baujagd unter dem Aspekt des Tierschutz- und Jagdrechts. Gutachten. TIR-Schriften (10) 3) Jagdstrecke 2021/22: Erläuterungen zur Jagdstrecke 2021/2022 Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung (FJW) --- title: Jäger über Füchse- Eine Zitatesammlung date: 2023-01-26 url: https://fuechse.info/flyer-und-artikel-ueber-fuechse-und-jagd-fuchsjagd/zitate-jaeger-ueber-fuechse-und-fuchsjagd-jagdzeitschriften-jagdforen/ --- # Jäger über Füchse: Eine Zitatesammlung Die folgenden Zitate über Füchse und die Fuchsjagd sind aus Jagdbüchern, Jagdzeitschriften und einschlägigen Websites entnommen. Sie spiegeln eindrucksvoll wider, wie viele Jäger heutzutage über Füchse denken. Die Liste ließe sich praktisch endlos fortführen – ein kurzer Blick in die aktuelle Ausgabe von „Wild und Hund“, „Jäger“ oder „Die Pirsch“ am Kiosk genügt ebenso wie das Surfen durch die Internet-Foren oder einschlägige Social Media-Kanäle. ***Revisionen** 06.01.2005 Dokument erstellt 09.07.2005 Überschriften und neue Einträge ergänzt 30.09.2006 Neue Einträge ergänzt 21.07.2007 Neue Einträge ergänzt 21.10.2007 Neue Einträge ergänzt 02.03.2008 Neue Einträge ergänzt 14.02.2009 Neue Einträge ergänzt 21.11.2009 Neue Einträge ergänzt 26.12.2009 Neue Einträge ergänzt 23.01.2010 Neue Einträge ergänzt 27.03.2010 Neue Einträge ergänzt 22.01.2011 Neue Einträge ergänzt 29.01.2011 Neue Einträge ergänzt 23.10.2011 Neue Einträge ergänzt 06.04.2012 Neue Einträge ergänzt 24.12.2012 Neue Einträge ergänzt 08.01.2013 Neue Einträge ergänzt 16.02.2013 Neue Einträge ergänzt 30.12.2014 Neue Einträge ergänzt 25.04.2015 Neue Einträge ergänzt 14.06.2015 Neue Einträge ergänzt* ***Zitate über Füchse und Fuchsjagd aus Jagdliteratur und Jagdzeitschriften*** **Lust und Freude** „Ist Fuchsjagd ein sinnloser Eingriff in eine sich auch selbst regulierende Tierpopulation? Wenn menschliche Lust und Freude sinnlos sind, dann ja.“ *Jagdautor Bruno Hespeler in der Deutschen Jagd Zeitung* **Penisknochen als Trophäe** „Eine interessante Trophäe sind die Penisknochen der Marderartigen und der Hundeartigen. Fuchs, Waschbär, Steinmarder haben diesen Knochen.“ *Carsten Bothe, Jagdautor, „Das Fangjagdbuch“* **Waidmannsfreude** „Es gewährt große Waidmannsfreude, den oft aus weiter Entfernung und recht flott zustehenden Fuchs, ob durch Kugel oder Schrote, rollieren zu lassen.“ *Jagdautor Hans Behnke in seinem Buch „Jagd und Fang des Raubwildes“* **Nutzbare Niederwildbestände** „(Durch die Fuchsjagd) sichern wir Jäger uns für die Zukunft nutzbare Niederwildbestände, bei denen wir im Herbst und Winter mit ruhigem Gewissen den Zuwachs abschöpfen können.“ *Andre Westerkamp, Inhaber einer Fangjagdschule und Jagdautor, in der Jagdzeitschrift „Wild und Hund“, Ausg. 17/2006* **Ohne Kommentar** „Füchslein rot, bist gleich tot.“ *Titel eines Artikels mit Tipps zum Töten von Fuchswelpen am Bau in der Jagdzeitschrift „JÄGER“, Ausg. 16/2003* **…sauberen Schuss verdient!** „Fuchs und Marder sind auch Wildarten und dementsprechend haben sie einen sauberen Schuß oder eine vernünftige Falle verdient.“ *Carsten Bothe, Jagdautor, „Das Fangjagdbuch“* **Waidmannsfunktionär Prof. Dr. Dr. h.c. mul. Paul Müller #1…** „Nur mit Waffe und Falle ist der Fuchs hinreichend zu bejagen. (…) Viele Naturschützer haben die Bedeutung der Prädation bis heute fehlgedeutet und mißverstanden.“ *Prof. Paul Müller, Jäger, in der Jagdzeitschrift „Die Pirsch“ (1994)* **…und #2.** „Wir kennen das beim Fuchs: Wenn er intensiv bejagt wird, nehmen die Bestände zu!“ *Prof. Müller, seine eigene Argumentation ad absurdum führend, gegenüber Dag Frommhold in der Diskussionssendung „mittwochs Forum“, SWF 3 (1995)* **Brantenfang oder Schrotschuss?** „Ich selbst fange schon seit 50 Jahren in meinem Revier Fuchs und Marder mit dem großen Schwanenhals. Bei sachgemäßer Aufstellung der Falle wird der Fuchs blitzartig durch Genick- und Drosselschlag getötet. Gewiss kann es auch hier gelegentlich zu einem Brantenfang kommen, ganz besonders bei Frost, wenn die Falle mit Verzögerung zuschlägt. Was ist aber qualvoller für den Fuchs: ein paar Stunden mit der Brante im Eisen gefangen zu sein, oder einige Schrote durch einen schlechten Schrotschuss in den Weichteilen zu haben und nach Tagen qualvoll zu verenden?“ *Hugo Kieferle, Jagdausstatter, in der Jagdzeitschrift „Die Pirsch“* **Optimale Strecken…** „Um den Fuchs auf die niedrige Besatzdichte zu bringen, die erforderlich ist um eine optimale Hasen- und Fasanenstrecke zu erzielen, müssen mehr oder weniger alle Möglichkeiten praktiziert werden.“ *Heinrich Splittler, Jäger und Wildbiologe, in der Zeitschrift „Rheinisch-Westfälischer Jäger“* **Jagen aus Freude** „Wir jagen, weil es uns Freude macht, und was wir Hege nennen, ist blanker Eigennutz, gelegentlich Fressneid. Wir wollen den Habicht nicht fangen, weil uns die armen Fasanen leid tun, weil wir ihnen das ewige Leben wünschen. Wir wollen Habicht, Wiesel, Fuchs und Co. nur ans Leder, weil wir deren Beuteanteile selbst schlagen und kröpfen wollen.“ *Bruno Hespeler, Journalist und Jagdautor, in seinem Buch „Raubwild heute“* **Freude am Beutemachen und Überlisten** „Wir Jäger sind nicht Ersatz für Großraubwild, wir entnehmen nicht nur Krankes und Schwaches aus der Wildbahn, wir jagen heute nicht zum Nahrungserwerb, sondern aus Freude am Beutemachen oder Überlisten. Das ist althergebrachtes Recht. Dafür zahlen wir, und dafür sollten wir auch einstehen. Die Fangjagd zählt zum festen Bestandteil dieses Rechtes.“ *Wolfram Osgyan, Jagdautor, in seinem Buch „Erfolgreich Raubwild bejagen“* **Finger krumm** „Bei Jungfüchsen machen wir den Finger krumm – auch den Füchsen selbst zuliebe.“ *Peter Petersen in der Jagdzeitschrift „Jäger“, Ausg. 2/2004* **Effektive Fuchsbejagung** „Erst hat er sämtliche Welpen erlegt, anschließend gelang es ihm noch, die Fähe zu strecken. Das ist effektive Fuchsbejagung.“ *Aus der Jagdzeitschrift „Jäger“, Ausg. 6/2003* **Zuviel ist zuviel** „Wer Füchse sieht, hat zu viele davon!“ *Der Jagdjournalist Reinhard Huber in der Deutschen Jagd Zeitung über Füchse* **Waidmannsheil** „Wem jetzt im Schneelicht einer Winternacht ein Fuchs anläuft, dem seien sein Herzklopfen und die Faszination und Spannung gegönnt, bis er ihn endlich mit dem Zielstachel erfasst hat und Reineke, von der vollen Schrotgarbe oder der sauberen Kugel gefasst, im Feuer bleibt. Dazu ein ehrliches und von Herzen kommendes Weidmannsheil!“ *Aus dem Editorial der Jagdzeitschrift „Die Pirsch“* **Weniger Füchse – höhere Strecken** „Der Fuchs ist ein Konkurrent des Jägers. Vor allem in Niederwildrevieren kann die Reduktion der Füchse zu höheren Strecken für den Jäger führen. Ihn deshalb zu jagen, halte ich für durchaus legitim.“ *Der Jäger und Wildbiologe Erik Zimen in einem Schreiben an Boris Bürgel aus dem Jahr 2003* **Wirbeln und schlagen…** „Ein langgestreckter Körper schleicht hurtig heran – so gleitet nur der Fuchs durch die Flur – gehe sofort in Anschlag, fahre mit. Jetzt ist er nahe genug! Der Schuss unterbricht die eilige Fahrt. Ich sehe es sekundenlang wirbeln, schlagen – dann liegt Reineke als dunkler Fleck bewegungslos im weißen Schnee.“ *Willy Hardt in der Jagdzeitschrift „Die Pirsch“, Ausg. 26/1992* **Nahkampf** „Es war im Dezember beim Morgenansitz. Es lag für unsere Verhältnisse sehr hoher Schnee. Wieder kam der Fuchs auf dem bekannten Pass, ein herrliches Bild im tiefen Schnee. Die Standarte lag regelrecht auf dem Schnee. Im Schuss schien der Fuchs verendet. Ich war mir meiner Sache sicher und kümmerte mich nicht mehr um ihn. Als ich wieder in diese Richtung schaute, lag der Fuchs nicht mehr am Anschuss! Ich sah noch, wie er sich schwer verletzt davonstahl. Einen schnellen Schuss warf ich ihm noch nach. Dann war der Fuchs aus meinem Blickfeld verschwunden (…) Der Fuchs lag vor mir und zeigte sein scharfes Gebiss. Ich nahm meine neue Flinte und versetzte dem Fuchs einen kräftigen Hieb mit dem Schaft. Mein Schlag saß, der Fuchs hauchte sein Leben aus.“ *Jäger Hans Löhr in der Jagdzeitschrift „Die Pirsch“* **Ranzjagd** „Einer im Januar erlegten ranzigen Fähe entnehmen wir die Blase und ziehen mit ihr Schleppen zum Luderplatz. Der Urin der Fähe enthält den Duftstoff, der den Rüden unfehlbar anzieht.“ *Ein Ratschlag für Jäger aus der Jagdzeitschrift „Die Pirsch“* **Ein letztes schwaches Luntenschwenken** „Da, er erscheint, aber näher als angenommen. An der kleinen Biegung der Hecke schiebt er sich hervor, hält schnurgerade auf den Sitz zu, so dass das Absehen von oben auf den Rücken zeigt. Die .22 Magnum aus dem Einstecklauf des Drillings fährt kurz hinter den Blättern in den rotbepelzten Rücken. Den Getroffenen reißt es auf der Hinterhand zusammen. Er zeigt dabei Breitseite und damit Angriffsfläche für die Schrote des linken Rohres. Ein Zucken der dunklen Branten noch, ein letztes schwaches Luntenschwenken, aus.“ *Aus der Jagdzeitschrift „Die Pirsch“* **Ein verflixt kleines Ziel…** „Der Fuchs bot ein verflixt kleines Ziel – doch da alles sehr schnell gegangen und deshalb Jagdfieber gar nicht erst aufgekommen war, stand das Fadenkreuz ruhig, und schon war der Schuss draußen. Eine hohe Flucht, und deutlich erkennbar verletzt strebte der Fuchs dem oberen Rand der Weide zu, tauchte hinter dem Koppelzaun unter den Randbäumen des Laubholzes unter (…). Aber noch war nicht alles verloren, noch lange nicht. Nach Hause, um den Hund zu holen! (…) Am Nachmittag streifte ich den Fuchsrüden. Der Balg war unversehrt. Die Schussverletzung konnte ich erst am Kern feststellen. Die Kugel hatte den rechten Hinterlauf zertrümmert. Geschosssplitter waren in die Weichteile eingedrungen (…). Schrote fand ich am Kopf und am Hals, große Wirkung hatten sie wohl nicht erzielt.“ *Jäger Lothar Schütz in der Jagdzeitschrift „Die Pirsch“* **Schweiß in der Spur** „Der Fuchs überschlug sich, rollte wie eine rote Kugel unter die Randzweige und entschwand meinen Blicken. Was nun? Schweiß (Blut, Anm.v.fuechse.info) lag genau in der Spur. Ihc zog den Schal fester und kroch vorsichtig ins Dichte der „Schweißrutsche“ nach. (…) Aber das einzige, was ich von ihm zu sehen bekam, war die geknickte Lunte. Der hastig hinterhergeworfene Schuss ging fehl (…) Mit schussfertigem Drilling pirschte ich bedächtig vor. Da sah ich ihn 40 Gänge vor mir im Schnee liegen. Mein Schuss ließ ihn verenden. Endlich!“ *Rolf Goergen, „Ranzzeit“, Die Pirsch Ausg. 2/1989* **Reineke – listige Beute** „Das Blut hämmert dem Jäger im Hals, sein Atem geht flach – jetzt bloß nicht bewegen! (…) Der Jäger mäuselt, und richtig, der Fuchs verhofft und sitzt unschlüssig auf den Keulen. Die kleine Kugel des Einstecklaufes wirft ihn in den Schnee. Minuten später ist der Jäger beim Roten. Er freut sich über den Balg, streicht darüber und nimmt den Fuchsgeruch wahr. Reineke der Listige, Fabeltier und Verkehrsopfer, Hühnerdieb und Tollwutträger, Schädling oder Nützling, gehasst, geliebt und bewundert, seine Beute!“ *Stephan Menzel, Deutsche Jagd Zeitung 1/1994* **Aktiv mit dem Fuchs messen…** „Der Fuchs ist Jäger und Gejagter zugleich. Er muss deshalb – wie die Fabel berichtet- schlauer sein als sein übermächtiger Feind und Vetter Wolf, als der tollpatschige Bär und der lauernde Luchs. (…) Kein anderes Raubwild, das uns geblieben ist, fordert uns so ebenbprtig heraus. Der Dachs erfordert geduldiges Sitzfleisch, der Marder Geschicklichkeit im Aufspüren und einen flinken Schuss; allein der Fuchs steht mit allen Sinnen und Listen so hoch, dass es ungewiss bleibt, wie die Begegnung ausgeht, wenn wir uns aktiv mit ihm messen: beim Treiben und Riegeln, beim Reizen und auf der Pirsch.“ *Aus dem Editorial der Jagdzeitschrift „Die Pirsch“* **Exorbitanter Lusteffekt** „Denn darin, dass wir das Naturding Wild töten und dabei einen exorbitanten Lusteffekt erleben, erweist es sich empirisch, dass wir etwas ganz Besonderes in unserem Innern erfahren. Mit der Jagd ist es so ähnlich wie mit der Liebe: Das erotische Erleben liegt auf dem Weg zum Höhepunkt. Das Ziel liegt nämlich nicht im schnellen Schuss, sondern im Erstreben und Erleben eines gemeinsam erreichten anhaltenden Höhepunkts. Den emotionalen Höhepunkt seiner Jagd, den Kick, erlebt der Jäger immer dann, wenn er den todbringenden Schuss auslöst. *Prof. Dr. Gerd Rohmann auf der Jahrestagung 2004 des Forums lebendige Jagdkultur e.V., Vortragstitel „Neue Gedanken zur Lust an der Lust zwischen Erleben und Erlegen“* **Die Blase einer ranzigen Fähe** „Erst mal Dankeschön für die tollen Gewinnaktionen! Weiter so! Ich benutze Anis. Goldwert ist jedoch die Blase einer ranzigen Fähe. Als Schleppe vor den Hochsitz gelegt, ist Herr Reineke nicht mehr zu stoppen.“ *Jäger „Alexander Meyer“ beantwortet in der Jagdzeitschrift Wild und Hund die Frage nach dem besten Lockmittel für Füchse (WuH 05/2011)* **Bissverletzungen im Kopfbereich sind nicht selten** „Vor Jagdbeginn ist ein Set für erste Hilfsmaßnahmen zusammenzustellen. Hierzu zählen Mittel zur Erstversorgung von Wunden wie Pinzette, Schere, Desinfektionslösung und Verbandsmaterial. Jeder Jagdeinsatz kann für den Hund unangenehme Folgen haben. Die häufigsten davon sind: 1. Bissverletzungen im Kopf- und Halsbereich. Unter der Erde geht es oft um Leben oder Tod. Dementsprechend heftig sind die Auseinandersetzungen zwischen Hund und Raubwild. Bissverletzungen im Kopfbereich sind dabei nicht selten. Betroffen sind regelmäßig die Lefzen, der Oberkiefer und die Behänge.“ *Aus einem Artikel in der Jagdzeitschrift „Wild und Hund“ über die Baujagd (Ausg. 23/2009)* **Effektivste Art der Fuchsjagd: Abschuss schwangerer Füchsinnen!** „Eine Fähe, die Ende Februar erlegt wurde, wird kaum durch Zuwanderung einer anderen Fähe ersetzt. Somit ist der Abschuss von tragenden Fähen am Heckbau die effektivste Art der Fuchsbejagung, die beim Ansitz möglich ist.“ *Deutsche Jagd Zeitung, Ausg. 01/2012* ***Zitate über Füchse und Fuchsjagd aus dem Internet*** **Fuchsjagd macht schlicht Freud!** „Grüß Euch! Ausrotten werden wir Füchs nie können. Würd ich mir nicht wünschen. Jag gern auf die Roten, darf Fuchsjagd nicht schlicht Freud machen? Guter Balg freut meine Mädels genauso. Alte Bauernjägerregel: Heut erlegter Fuchs raubt nie wieder.“ *„Grenadiere“, Wild und Hund-Forum, 30.06.2004* **Füchse und Hauskater für die Hundearbeit** Plötzlich nehme ich einen grauen Schatten an den Brombeeren wahr. Stubentiger! Der Schrotlauf des Drilling leistet ganze Arbeit. Die beiden Jungfüchse hatten jeder knapp 3kg. Beide für die Hundearbeit geeignet, da die Hornet nur kalibergroße Ausschüsse machte. Der Kater brachte über 6 Kg auf die Waage. *„trapper oli“, Wild und Hund-Forum, 21.04.2007* **Füchse in die Tierkörperverwertung** „Im übrigen teile ich Deine Vorliebe für die winterliche Fuchsjagd bei Minusgraden und Schnee oder Reif. Nur das Verwerten der Bälge habe ich aufgegeben – es will sie einfach niemand mehr (geschenkt natürlich ja). Nachdem ich in meinen ersten J-Jahren so gut 30 wunderschöne Winterfuchsbälge im Keller hängen hatte (die niemand wollte) habe ich mir davon eine wunderschöne Couchdecke und ne Winterpelzmütze nähen lassen. Jetzt kommen die erlegten Füchse leider in die Tierkörperverwertung.“ *„Foxhunter“, Wild und Hund-Forum, 21.08.2001* **…am Spannbrett vereint** „Wenn das Mondlicht süss auf die steirisch Hügel scheint, wenn im kalten Schnee die Fuchsfäh´um den verschwundnen Rüden weint, dann lass ich sie nicht lange weinen, will sie bald glücklich am Spannbrett vereinen…“ *Ein Jäger im Wild und Hund-Forum versucht sich an naiver Poesie (2004)* **Weniger Füchse – mehr Hasen** „Übrings schießen wir die füchse hier, um mehr hasen zu haben und warum? Nun um auch wieder hasen schießen zu können, die man aber sehr wohl essen kann.“ *Carl-Christian Meyer, Jäger, in einem Schreiben an Marc Buchtmann von www.wir-fuechse.de, 2005* **Meine ersten Füchse** „Habe meine ersten beiden Füchse mit 3,5mm Waidmannsheil beim Maisdreschen(01.11.01) erlegt. Der erste Fuchs (starker Rüde) rollierte (25-30m), der zweite (junge Fähe) zeichnete im Schuß(ca. 30m)und fiel nach ca. 30-40m mausetot um.“ *„Ernsting“, Wild und Hund-Forum, 17.11.2001* **Gefühl der Freude** „Viele Waidmänner schaffen es noch nicht einmal zuzugeben, dass ihnen ihr tun Freude bereitet…doch wenn wir einmal ehrlich sind, ist es doch ein kaum zu übertreffendes Gefühl der Verbundenheit mit der Natur und damit einhergehend ein Gefühl der Freude, wenn der Fuchs sich in einer kalten Winter-Schnee-Mondnacht im Knall überschlägt und uns seinen Balg als (leider kaum mehr sinnvoll zu verwertende) Trophäe lässt!“ *aus dem Wild und Hund-Forum, 2005* **Kampf dem Niederwildräuber!** „ich habe mir freitags den jagdschein(jugend) geholt und hab samstags und sonntags unsere 5! jungfüchse am bau erlegt. das war für mich schon ein großes ereignis die ersten füchse in meinem jägerleben. und ich denke ein fuchs der selbstständig wird frißt auch selbstständig ein paar stück niederwild!“ *Ein Jungjäger im Forum von „Wild und Hund“* **„…das Fell verdampft gewissermaßen.“** „Kurz vor dem Dorfeingang entdecke ich, an dem Platz an dem ich oft Wind prüfe und noch mal Wasser abschlage, ohne nach ihm gespäht zu haben, aus dem Augenwinkel einen Fuchs beim Mäuseln. Schnell den Wagen angehalten, Handbremse rein, Tür auf, im Schatten flach ausgestiegen, Waffe von der Rückbank genommen, gespannt (nicht repetiert, da ich schon eine Patrone in der Kammer hatte – ist so leiser), eingestochen (wunderbar leiser Krico Rückstecher), Waffe über die flache Motorhaube und den Niederwildfeind ins feine Okularabsehen genommen. Bis jetzt hat alles keine halbe Minute gedauert. Durch den laufenden Motor des Autos an der Landstraße schöpfte der Fuchs so schnell keinen Verdacht. Peng! Lunte hoch. Fuchs macht einen Satz und läuft ein Stück, fällt, kommt hoch, Peng! fällt, liegt. Die 3,24 g VM hat dem Fuchs auf so 70 m auf der Ausschußseite das Fell abgezogen. Nicht die Haut, nur die Haare. Dasselbe kam mir schon mal bei einem Sechser auf 30 m mit meiner heißen .30-06 und hörte ich auch schon von der 8 x 68 S auf Hirsche. Das Fell verdampft gewissermaßen.“ *Jäger und Webseitenbetreiber Lutz Möller in seinen Jagdgeschichten* **Winterfüchse** „Die nächste Nacht kam ich die Kanzelleiter hoch und sah den Fuchs schon Nähe des Luderplatzes. Nach ca. drei Minuten konnte ich den Schuß auf den breit stehenden Fuchs anbringen. Ohne zu zeichnen flüchtete er ca. 150m auf das freie, vom Vollmond hell leuchtende Senffeld und …setzte sich. Erneut beschossen rutschte er langsam Richtung Schwalgloch. Ich entschloß mich Hund und Flinte zu holen. Einstein umkreiste den Pappelhain zweimal und verschwand Richtung Schwalgloch, wo er laut wurde. Im Licht der Taschenlampe sah ich, wie der Hund sich mit Vorder- und Hinterläufen über dem Schwalgloch abstützte und den 1,5m unter ihm sich drückenden Fuchs verbellte. Mit Mühe konnte ich ihn überreden abzulassen um endlich den Fangschuß antragen. Danach durfte er den 6kg schweren Fuchsrüden aus dem Schwalgloch ziehen. (…) Der Fuchs drehte sich und lief langsam in Schlangenlinien über den Senfschlag Richtung Wassergraben. Ein zweiter Schuß beendete seine Fährte und er lag im Mondschatten. Nach einigen Minuten bildete ich mir ein, er läge nun woanders ? Konzentriert beäugte ich den diffusen Fleck im Mondlicht. Ja ! Hubertus hilf‘. Der Fuchs schleppte sich fort. Zwei weitere Schüsse brachten kein Resultat.(…) Am Schlafzimmerfenster stand Onkel Jupp, bereits alarmiert durch meine zahlreichen Schüsse in der Nacht und rief uns zu, unser Hund hätte unter dem Silohaufen einen Fuchs hochgemacht, in die Garage getrieben und würde dort einen Heidenlärm machen. Sein Sohn Klaus kam mit Schrotflinte bereits aus dem Haus und gemeinsam folgten wir dem Laut. Hund und Fuchs tobten in der Garage zwischen Mercedes und Mülleimer und der kleinere Fuchs konnte sich zwischen Wand und PKW drücken. Der wütende Hund wurde abgetragen und dem Fuchs konnte der Fangschuß angetragen werden; allerdings nicht mit Flinte, da hätte der Wagen doch zu sehr gelitten. Es handelte sich um einen abgeranzten Fuchsrüden von 6,7 kg mit einem hohen Keulen- und einem Laufschuß. Die Nachsuche vollzog sich über 1,8 km !“ *Jägerin Christiane Lohmann, http://www.jagdhunde-lohmann.de/jagd/jagern.html* **Ewige Treue…** „Der kristallene Schnee knirscht unter den warmen Stiefeln.Der kalte Nachtwind küselt leicht durch´s Schneehemd. Die behandschuhte Faust umfaßt den schwarzen Lauf der treuen Hornet. Um den Hals schmiegt sich das getreue Dialyth. Eine einzelne Wolke begrüßt auf Ihrer nächtlichen Wanderung den leicht milchigen Gevatter Mond. Und auf einmal,ganz plötzlich erschallt der heisere rauhe Liebesruf des roten Räubers. Ranznacht! Und irgendwann nach vielen kalten Stunden,streicht Deine Hand liebevoll durch die roten Grannen des dichten Winterbalges. Nur ein paar kleine Schweißtröpfchen rinnen aus dem winzigen Löchlein,durch welches der Hornettod gefahren ist und verlieren sich in dem endlosen Weiß dieser Rauhnacht. Und wenn sich später Deine rote Beute rythmisch zu Deinen Schritten verzurrt auf dem Rucksack wiegt,dann weißt Du: Dir meiner Hornet gelobe ich ewige Treue. Und mag der Hohn und Spottgesang der unisonen Masse noch so anschwellen. Und der Mond beleuchtet Dir den Heimweg durch die hohen stummen Fichten“ *Der Jäger mit dem Pseudonym H.v.Tronje gelobt im Wild und Hund-Forum seiner Jagdwaffe „ewige Treue“, 21.08.2001* **Bier, Kippen und Füchse** „Ich saß noch keine 10 Minuten und traute meinen Augen nicht, als auf 60 m ein Jungfuchs aus dem Raps kam. Er setzte sich und begann sich zu putzen. (…) Die 30-06 zeigte volle Wirkung. Bei der obligaten Zigrette stellte sich ein Gefühl der Zufriedenheit ein, welches einem Schrecken wich, als auf ca 90 m ein weiterer Fuchs aus dem Raps geschlichen kam. Schnell umgesetzt und richtig angeschlagen. Sch***e, Altfuchs – schießen oder nicht? Aber was war das? Ein JuFu folgte auf 10 m und somit war alles klar. Das Absehen stand sauber auf dem Körper nach dem Schuss sprang nur die Fähe ab. (…) die abgebrannte Kippe in den Taschenascher und eine Neue angemacht. (…) Beim hochnehmen des Fernglases entdecke ich im Augenwinkel eine Bewegung. Fuchs! Dieser trollt sich durch die Reifenspur schräg von mir weg, genau auf die Stelle zu, wo der zweite Kollege auch schon liegt. 70 m, 80 m, immer nur spitz/schräg von hinten. Mist. Plötzlich zieht er quer und verhofft. Die Kugel geht auf Reise und das Schlagen der Lunte verrät mir, das auch dieser Fuchs liegt. Es ist jetzt gegen 22.15 Uhr und ich bekomme einen richtigen Bier-Durst. (…) Als gegen 22.30 noch ein Fuchs über die Stoppeln zieht blicke ich ungläubig in mein Etui und stelle fest, das ich noch genau zwei Kugelpatronen habe – eine davon im Lauf. Dieses mal merke ich schon im Schuss, dass der Fuchs im Moment der Schußabgabe auf ein Mäuschen springt. Gefehlt! Mist! (…) Schnell die Füchse eingesammelt und heimwärts. Da wir das beste Wetter seit Wochen habe, sitzen wir noch bis 00.30 auf der Terrasse. So langsam fange ich an, mein Glück richtig zu realisieren und gehe müde und zufrieden zu Bett.“ *„Freggel“, Wild und Hund-Forum, 07.07.2007* **Ein starker Rüde mit dunklem Balg** Langsam öffnete ich die Klappe des Zielfernrohrs, entsicherte meine Waffe und bewegte diese Milimeter für Milimeter in Richtung des Fuchses. Als der Fuchs einmal kurz innehielt ließ ich aufs Blatt fliegen. Der Fuchs wurde rückwärts umgerissen und verschwand damit in Richtung des nicht einsehbaren Weges. In dem Wissen, gut abgekommen zu sein harrte ich anschließend noch bis zur Dunkelheit aus – aber es trat kein Wild mehr aus. Der Fuchs, ein starker Rüde mit sehr dunklem Balg lag auf dem Weg, keine 6m vom Anschuß entfernt und hatte den Einschuss kurz hinter dem Blatt einen Auschuss genau auf der anderen Seite kurz hinter dem Blatt und den anderen Ausschuss am Hinterlauf! *„epsylon“, Wild und Hund-Forum, 27.06.2007* **…lenkt vom Lernen ab** „Nervenkitzel bei der Rehwildjagd kommt bei mir nur wenig auf dagegen die winterliche Fuchsjagd ist für mich schon sehr reizvoll wenn es eiskalt ist, man selber schon friert aber noch ein wenig durchhalten möchte und es absolut Still ist und auf einmal schnürt ein Fuchs vorbei, lagsam die Waffe hoch, anpfeifen und die hornet macht „patsch“ und der Fuchs liegt oh mann idanach kann man richtig süchtig werden ich darf gar nicht dran denken und die Sache lenkt mich viel zu sehr vom Lernen ab. Und ja, […] ich würd versuchen möglichst viel Rehe bis zum November zu schiessen so daß ich den Winter für die Fuxis habe… ab und zu geht man dann an die gut angemomme Kirrung und schiesst noch ein Kitz oder so. […] Im September werd ich eine Kanzel bauen rein für die Fuchsjagd mal sehen was ich im Winter dort erbeuten kann, im November besucht mich ein Freund aus NRW (Niederwildrevier) dann sitzen wir uns den Allerwertesten wund um Füchse zu packen wir treiben uns selber zu Höchstleistungen an das macht richtig Saß auch wenns anstrengend ist ich freu mich schon wieder drauf…“ *Der Jungjäger „Dachsschinken“ im Wild und Hund-Forum, 2006* **Ein Orden für den Raubwildhasser!** „…an dieser Stelle gilt auch mein Dank „Jägerenno“, der akribisch das Raubwild kurz hält. Gäbe es einen Orden am Band für den ‚Räubwildhasser‘ des Jahres, er und sein Hund hätten diesen redlich verdient. Daher macht es auch mir 1 x jährlich grosse Freude, ohne Reue in seinem Revier auf die doch vielerorts so dezimierten Niederwildbestände zu waidwerken.“ *Jäger Peter im Wild-Web-Forum, Juli 2007* **Legitimes Anliegen** „Zur Hege gehört aber auch die Bejagung von Beutegreifern, insbesondere von Fuchs, Steinmarder und Rabenkrähe. Dabei geht es nicht nur um eine flankierende Maßnahme zum Schutz bedrohter Wildarten oder von Wiesenbrütern; – nein – auch der Wunsch nach besseren Niederwildstrecken ist ein legitimes Anliegen.“ *Eckhard Uhlenberg, Jäger und Minister für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, auf einer Rede vor der KJS Remscheid, 16.05.2006* **Die Leiden des irdischen Lebens** „Die Welpen werden selbständig. heute drei Stück von der Sorte gesehen: ich hab schon 2 dieser Kerle in den Fuchshimmel geschickt und jetzt vor zwei Stunden nen Kapitalen Rüden mit ca.9 kg. Die jungen streunen jetzt auf den frisch gemähten Wiesen und abgeernteten Felder umher und mausen… Sind auch viele der Jungfüchse im Mais und Raps… da machts gleich doppelt soviel Spaß draußen anzusitzen und zu blatten… auf 190 ha in meinem Hauptpirschbezirk ist es mir innerhalb der letzten Woche gelungen, sechs Jungfüchse und zwei Altfüchse von den „Leiden des irdischen Lebens zu erlösen“ (grins).“ *Jäger Falk im Wild-Web-Forum, Juli 2007* **Kurzschnauzenfüchse** „Komme gerade aus der Jagd heim. Wollte den guten Mond nutzen und ein Bisschen nach den Füchsen schauen. (…) Läuft doch ein Kurzschnautzenfuchs direkt vor mir über die Straße. Ein beherzter Schlenker von mir konnte das Schlimmste verhindern. (…) Ein kurzes Plopp, Plopp bestätigte die saubere Ausführung meines Schlenkers!“ (Anm.: Als „Kurzschnauzenfuchs“ werden im Jägerjargon bisweilen Hauskatzen bezeichnet) *Jäger Targethunter im Wild und Hund-Forum, August 2007* **100 Gramm mehr oder weniger** „Der Fuchsrüde unterstüzt eine, oft auch mehrere Fähen bei der Nahrungsbeschaffung für die Jungfüchse und wenn die Fähe umkommt versucht er das Geheck alleine zu ernähren. Aber das Geheck kommt solange die Fähe nicht umkommt auch durch. Und ob die Fuchswelpen, wenn sie den Bau verlassen 100 g mehr oder weniger wiegen ist mir ehrlich gesagt egal. Und warum schreibe ich das alles? Weil ich SPASS an der Jagd habe und auch im Februar gerne auf Füchse gehe.“ *Jäger winzi im Wild und Hund-Forum, Februar 2008* **Suicide by Hunter** „Jede Faehe, die den Verlust ihres Mannes nicht ertragen kann, moechte sich zwecks „suicide by hunter“ bitte bei mir im Revier einfinden…ihr wird noch fast zwei Wochen lang geholfen.“ *Jäger promillo im Wild und Hund-Forum, Februar 2008* **Nachsuche** „bei der vierten baujagd sprengten wir einen kapitalen fuchs aus dem naturbau, durch viel pech (waren etwas falsch aufgestellt) wurde er nur angeschweißt. kilometerlange nachsuche im frischen schnee mit viel schweiß. sprengten ihn 2 weitere male aus anderen naturbauten. die weiteren schüsse beeindruckten ihn nicht, wir waren mit 3mm schrot deutlich unterbewaffnet für den angeschweisten winterfuchs. die nacht und starker schneefall zwangen uns zur aufgabe. (Anm.d.Red.: Schweiß = Blut in der Jägersprache)“ *Jäger 8+68S im Wild und Hund-Forum, Januar 2008* **Wie tötet man einen Fuchs, der in der Kastenfalle gefangen wurde?** „Das gefangene Stück in einen Sack lassen und über den Kopf schwingend fest auf den Boden schlagen. Wirkt bestens und ist Balgschonend. (…) Und es klappt immer auch mit dem stärksten Fuchs, hab ich schon etliche male gemacht.“ *Jäger „44MAGNUM“ im „landlive“-Forum, 07.01.2009* **Ich schieß‘ jeden, den ich sehe!** „Ich schieß jeden den ich sehe (…) Jetzt im Winter wo es kalt ist und Schnee liegt, schmeiße ich meinen Aufbruch regelmäßig in einen alten. ausgetrockneten Entwässerungsgraben. Dort sieht dies keiner. Zufällig steht etwa 60m entfernt eine Kanzel. Vorgestern ist wieder eine Fähe aus dem Graben gekommen und hat mich angewechselt, konnte in aller Ruhe meine BBF nehmen und bei 35m steht ein Haselnußstecken in der Wiese. Als sie diesen pasierte hab ich meine 3,7mm Schrote vorbeigeschickt. Am Sonntag Abend was es die Kugel (5,5x50R) die einem Fuchsrüden zum bleiben überreden konnte. Leid tut mir nur, das die Füchse nicht verwertet werden, gerben bringt nichts und Fuchshaken kann ich für ein paar Cent kaufen und muß mir den Gestank nicht antun.“ *Jäger „Robert aus BY“ im Wild und Hund-Forum, 07.01.2009* **Freude an der Fuchsbejagung** „Keine andere Maßnahme bei der Niederwildhege macht mir soviel Freude wie die Fuchsbejagung.“ *steve, Moderator des Wild und Hund-Forums, 05.01.2009* **Freude an der Fuchsbejagung** „Sollte bei uns im Revier, ein Fuchs mit einem Fang voller Mäuse gesehen werden, ist sofort Alarmstufe Rot angesagt. Dann wird solange gesucht bis das Geheck gefunden wird. Sollte das Geheck nicht gefunden werden, wird bei den Reviernachbarn Alarm ausgelöst. Wir lassen dann Böcke Böcke sein und ziehen dann mit den Jungfuchsfallen bewaffnet,ins Revier.“ (Anm.d.Red.: Ein Fuchs „mit einem Fang voller Mäuse“ deutet darauf hin, dass Fuchsmutter oder -vater ihren Welpen Nahrung bringen) *Jäger „Mongolicus“, im „landlive“-Forum, 08.02.2009* **Effektive Welpentötung** „Töten der Jungfüchse in der Falle durch Kopfschuß mit der Kurzwaffe im Kaliber 22lfb! Wenn sie keine Räude haben eignen sie sich sehr gut für die Hundeausbildung. Wie ich schon mal schrieb, beim Ansitz am Bau erst mal die Füchse zählen und dann erlegen. Solltest du nicht alle auf einmal erlegen die Geschossenen liegen lassen und am nächsten Tag weiterjagen. Es besteht die Gefahr, daß wenn du die erlegten Füchse einsammelst die Fähe dich mitbekommt. Sie wird sich dann mit dem Rest der Jungen mit unbekannten Ziel verabschieden (meine persönlichen Feststellungen). Ansonsten bei Verwendung der Jungfuchsfallen dafür sorgen, daß die restlichen Röhren dicht sind und keine Füchse mehr aus ihnen herauskommen können. Sozusagen ein Zwangswechsel aus den Tiefen der Bauanlage in deine Falle. Natürlich hierbei das jeweilige Landesjagdgesetz und die Fangjagdverordnung beachten.“ *Jäger „Stietz“ im „landlive“-Forum als Antwort auf die Frage, wie man gefangene Fuchswelpen am besten tötet, 26.04.2009* **Weidwund und mit durchbissener Kehle** „Ich hatte letztens ein Problem, der Fuchs klagte und rein in den Mais, ich schnalle den Hund, Hetzlaut, knacksen im Mais auf einmal giftiger Standlaut, Hund klagte und kam schweißüberströmt wieder, ich konnte aber keine Verletzung erkennen und brach erstmal ab. Am nächsten Tag nochmal hin (…). Den fuchs habe ich gefunden. Weidwund und mit durchbissener Kehle, Matti hat also seinen Job schon beim ersten Anlauf gemacht.“ *Jäger „Wachtelhund“ im „landlive“-Forum, 23.09.2009* **Ich schieße gerne…** „Ich schiesse gerne Füchse, Winterfüchse besonders und stehe dazu. Jagd ist mehr als reine Schalenwildreduktion.“ *Jäger „Stalker“ im „landlive“-Forum, 24.09.2009* **Highlight des Jahres** „Die Jagd auf den Fuchs, vor allem im Winter während der Ranzzeit ist wirklich eines der Highlights des Jahres.“ *Jäger „Aquila“ im „landlive“-Forum, 24.09.2009* **Jägerherzen schlagen höher** „Fuchsjagd im Winter ist eine der schönsten Jagdarten, und der rote Freibeuter im Schnee ein Anblick, der Jägerherzen höher schlagen lassen sollte. Mein Mitleid gebührt jedem, der das nicht kennt bzw. kennen darf.“ *Jäger „ssquat“ im „landlive“-Forum, 24.09.2009* **Mitleidiges Lächeln** „ich würde vor gut nem Monat ziemlich belächelt……Ein Mitjäger hat nen Fuchs angeflickt und erzählte dies beim erneuten Treffen nach dem Ansitz ganz stolz. Er ist nicht mal zum Anschuß gegangen oder sonst was. Er meinte der Fuchs hätte sich zweimal gedreht und wär dann ins Getreide. Ich hab mir dann meinen Hund geschnappt und wollte da hin um den Nachzusuchen. Prompt wurde ich von den anderen Mitjägern belächelt und für verrückt erklärt. Ende vom Lied: Ich bin alleine mit meinem nicht komplett ausgebildeten Hund dem Fuchs hinterhergegangen und die anderen sind nach Hause gefahren. Gefunden hab ich den Fuchs leider nicht.“ *Jägerin „NickRatte“ im „landlive“-Forum, 24.09.2009* **Querschnittgelähmt und bewegungsunfähig** „Im letzten Winter habe ich abends um 22.30h einen Fuchs geschossen, der den Schuss mit einer Rolle in den Graben quittierte. Ich war mir meines Schusses sicher. Als ich um 0.00 Uhr abbaumte, standen auf dieser Wiese jedoch acht Stück Rehwild, deshalb habe ich die Suche / das Abholen auf den nächsten Morgen verschoben. Am nächsten Morgen nach dem Hellwerden war ich am Ort des Geschehens und musste zu meinem Schrecken feststellen, daß ich dem Fuchs die Wirbelsäule kurz oberhalb des Beckens zerschossen hatte und er noch lebte; er war also querschnittgelähmt und bewegungsunfähig.“ *Jäger „Laerchenwald“ im „landlive“-Forum, 24.09.2009* **Nachsuche? Vertagt.** „Ein Fuchs kam aus dem Dickicht und schnürte Richtung Misthaufen. Schnell den Gehörschutz aufgesetzt und die Waffe in Anschlag gebracht. Der Fuchs stand ungefähr drei Meter unterhalb des Misthaufens und holte sich Wind. Das Absehen stand ruhig auf dem Blatt und nach dem Schuss machte der Fuchs eine Flucht Richtung Wildacker. Der anschließende Blick durchs Fernglas brachte auch keinerlei Bestätigung. Nun gut.(…) Zwei Minuten später ein Knacken im Wildacker. Ein Blick durchs Glas: Unterhalb des Misthaufens, am Anschuss des 1.Fuchses, steht ein Roter: Gehörschutz auf, Bergstutzen an die Schulter gezogen und nach einigem hin und her ist der Schuss draußen. Der Fuchs macht eine Flucht von 30m auf mich zu und bleibt auf dem Rapsacker verendet liegen. (…) Zuerst zum Anschuss des ersten Fuchses: Schweiß ist da, sogar ein Stück des Herzens. Bleibt nur die große Frage: Ist dies wirklich der Anschuss des ersten Fuchses oder der des dritten Fuchses, schließlich stand dieser an exakt der gleichen Stelle. Eine kurze Suche im Schein der Lampe bringt keine neuen Erkenntnisse. Also wird die Sache auf morgen früh vertagt. Die beiden anderen Füchse hab ich schnell eingesammelt und im Heckträger verstaut.“ *Jäger „Seibert“ im Wild und Hund-Forum, 02.10.2009* **Fuchsverrückt** „Und wenn ich weiß das sich in einer bestimmten Ecke ein Fuchs herrumtreibt krieg ich ihn. Und wenn ich ihn habe verblasst mein letzter Hirsch von den Highlands. Dann muß ich mit meinem Weib ne Pulle Roten aufmachen, mit über 40 jagdscheinen bin ich da immer noch aufgewühlt (bessere Hälfte fragt schon manchmal wann ich wieder mal nen Fuchs schieße)!“ *Der 59-jährige Jäger „scotsman“ im „landlive“-Forum, 15.12.2009* **Als gelte es, ihn auszurotten** „(…) Den Fuchs so zu bejagen, als gelte es, ihn auszurotten, finde ich nicht verwerflich.“ *Jäger „websaugerwildschwein“ im „landlive“-Forum, 16.12.2009* **Sobald er den Lauf hebt, wird er bejagt!** „Ich bin jungjäger und dem ersten fuchs sind nun 21 gefolgt bei uns im revier hat ein fuchsrüde keine schonzeit sobald er sein hinter läufchen hebt zum nessen (Anm.d.Red.: korrekt wäre nässen = urinieren) wird er bejagt und solange er in brb keine schonzeit hat wird es auch so bleiben.“ *Jäger „Pelle3006“ beweist im landlive-Forum, dass ein passionierter Fuchsjäger nichts von Orthographie oder Interpunktion verstehen muss (20.12.2009)* **Aus dem Baum gesprungen** „also hund rein und schon ging die post ab. der fuchs guckt raus dreht sich sieht meinen vater und verschwindet wieder im bau. unser hund legt sich mächtig ins zeug und der fuchs springt. ich schieße zwei mal und der fuchs rolliert, nimmt sich wieder auf und verschwindet in einer hecke. der hund hinterher, der fuchs kommt aus der hecke, mein vater wirft einen schuss hin und der fuchs verschwindet wieder. also ab zur hecke und nachgucken. ich hab mich an die hecke gestellt und mein vater hat in der hecke mit dem hund nachgesucht. auf einmal springt neben mir ein roter blitz aus dem baum und will zurück in den bau. meine schrote lassen ihn 5m vor der einfahrt verenden. der fuchs ist aus 1,5m höhe aus dem baum gesprungen!! *Jäger „der mit dem wolf tanzt“ im Wild und Hund-Forum, 05.01.2010* **Bagger gegen Jungfüchse** „Riesenburg ich glaub 10-14 Röhren so einen Riesenbau hab ich noch nie gearbeitet, Hund angesetzt nach einer Stunde ist der Hund kurz raus und wieder rein nach weiteren 40 Minuten gräbt ein Bagger einmal 30-40 cm weg, das wir vielleicht einmal den Weg vom Fuchs verkürzen Bagger abstellen Hund suchen im gleichen Moment springt der Fuchs, ich glaub ohne graben oder anfangen zum graben wär der Fuchs nie gesprungen.“ *Jäger „Stietz“ berichtet im „landlive“-Forum davon, wie er Fuchsbaue mit dem Bagger aufgräbt, 28.01.2010* **Verstümmelte Jagdhunde** „am samstag waren wir strohballen kontrollieren – lange nix gehört dann giftiger laut aus der mitte in der tiefe – lange ruhe – bauer geholt strohballen auseinander – da kamen die hunde raus – der 1. nix der 2. beide leftzen duchgebissen, an der rechten pfote ein ballen abgebissen, im gesicht total verschrammelt aber der 3 !!!! linke leftze bis zur mitte abgerissen, unterlippe nebst zahnfleisch abgeriissen und in der mitte gespalten, unterkiefer vorne blank !!!“ *Jäger „Pritt1“ berichtet im „landlive“-Forum von einer erfolglosen Fuchsjagd mit „raubwildscharfen“ Jagdhunden, 08.02.2010* **Paradox** „Wir Jäger müssen mit der Tatsache leben, dass wir ein solch schönes, stolzes und intelligentes Tier wie den Fuchs, das wir selbst ungemein lieben, einfach jagen müssen.“ *Der Wittgensteiner Hegeringleiter Albrecht Beitzel in der „Siegener Zeitung“ über die ach so großen Gewissensbisse der Fuchsjäger, 15.02.2011* **Inaugurationssitte** Ob man auf die Welpen ballern muß, um sie hinterher wegzuwerfen, wage ich ganz entschieden zu bezweifeln. Es ist eine seltsame „Inaugurationssitte“, die „Jungjäger“ an den Bau zu schicken um einige Fuchswelpen zu zerschroten. *Das (kritische) Forenmitglied „Kreischsäge“ im Wild und Hund-Forum, 14.03.2009* **„Das Mistvieh hat sich doch glatt tot gestellt!“** „So, heute Nachmittag haben wir Fuchs Nr. 20 und 21, zwei Rüden, verhaftet. Trotz Nieselregen und Bauwetter waren die Kunstbaue unbefahren, die beiden lagen zusammen mit einer Fähe in den Brombeeren. Basko hatte die drei innerhalb von 5 Minuten nach draußen befördert. leider entkam die Fähe (ausgerechnet!), weil unser Kamerad grandios vorbei gesemmelt hat, na ja, passiert halt. Dafür konnte ich die beiden andern erlegen. Der zweite schaffte es noch zurück in die Hecken, konnte aber dann nicht mehr weiter (Hinterteil zerschossen) und hat sich dem Hund gestellt. Ich bin dann in die Brombeeren rein und seh den Fuchs tot (Augen verdreht, regungslos) unter den Brombeeren liegen, mein Dicker geht ihm an die Kehle und beutelt ihn, wofür ich ihn lobte. Bin dann raus, um eine Rosenschere zu holen, um Hund und Fuchs freizuschneiden. Da geht das Theater wieder los, mein Hund klagt jämmerlich, mein Kumpel geht hin und was sieht er: Hat sich dieses Mistvieh doch glatt tot gestellt, als ich kam und als ich wegging, ist er dem ahnungslosen Hund an die Kehle bzw. hatte dessen Fang im Fang! Mein Kumpel ist ihm dann auf den Hals gestiegen, worauf er los lies und erlegt werden konnte.“ *Landlive-Forenmitglied „kurpfalzjaeger“ am 26.01.2011* **Valentinstag** „Das erste Mal, dass ich beim Füchse sprengen dabei war und konnte gleich den obersten Rüden erlegen. Der junge Hund Apollo hat gut gearbeitet. So müsste jeder Valentinstag ablaufen.“ *Landlive-User „Kuhstiegler“ am 21.02.2011 als Kommentar zu einem Bild, auf dem drei zerschossene Füchse zu sehen sind* **Gerade erst 14 Tage alt** „(…)Ich stand genau auf einer Fuchsfähe. Mit der KK-Pistole wurde sie erlegt. Ein Freilegen des Kessels ergab dann acht Jungfüchse. Die JF gerade 14 Tage alt. Die Augen waren erst aufgegangen. Das sich dieses Jahr bei uns die JF soviel Zeit lassen das habe ich in den Vorjahren noch nicht erlebt. Der Einsatz hatte sich wieder gelohnt.“ *Jäger „Orthofuchs“ im Forum von nimrods.de, 19.05.2010* **„Alle schon abgewürgt“** „Also die heurige strecke von jungfüchsen hat mir alle mein terrier gebracht, alle schon abgewürgt! In den vergangenen jahren, wenn der terrier zb. nicht bis ans geheck kam und ich graben musste, hat das erlegen dann die 12/70 übernommen, das ging immer schnell und ohne aufhebens!“ *Jäger „Orthofuchs“ im Forum von nimrods.de, 19.05.2010* **Ein Bisschen Spaß an der Freud‘** „Nur deswegen machen wir das Ganze ja, um im Herbst Hasen und Fasane ernten zu können. Na ja, zugegebenermaßen, ein bißchen Spaß an der Freud ist auch dabei…“ *Jäger „Kurpfalzjäger“ im Forum von nimrods.de, 08.02.2011* **Der halbe Hinterlauf fehlt** „Die wollten nicht raus, weil sie mit dem Fuchs beschäftigt waren. Camelo kam ja wieder raus wo er rein ist. Daisy hat sich irgendwie über den Fuchs geschafft und dann haben sie ihn von 2 Seiten bearbeitet. Sah gar nicht mehr so gut aus der Kollege. Der rechte Hinterlauf hat zur Hälfte gefehlt! Das hat ganz schön gerumpelt da unten!“ *Jäger „Mausehund“ im Parson-Russell-Terrier-Forum, 10.01.2010* **Habe ihn da mal aufräumen lassen** „Heute beim luder raus bringen ist mir eine ruppige feehe über den weg gelaufen. da in der nahe ein kunst bau ist gleich nachgesehen da ich nicht so viel zeit hatte habe ich mich für die schnelle wariante entschieden da ich mein schwarzen teufel mit hatte, habe ich ihn da mal aufreumen lassen got sei dan war das wohl auch die feehe von den kleinen die ich gesehen hatte sonst wäre willi mit schrammen und vielleicht mehr aus. Habe bloß einen auf dem foto von 6 den die anderen sehn nicht sehr schön aus. Damit liege ich dieses jahr bei 14 Fuchse.“ *Jäger „Cloesen“ aus dem Wild-und-Hund-Forum hetzt seinen Hund auf Jungfüchse, 12.06.2011* **Tolle Gesellschaftsjagden, die sich rechnen** „der reinrassige niederwildjäger: der alles daran setzt von januar bis dezember einen super wildbestand aufzubauen damit man eben zur „erntezeit“ tolle gesellschaftsjagden abhalten kann, die sich auch rechnen. dafür wird jedem prädator vollgas nachgestellt. und zwar ‚ziemlich intensiv‘.“ *„Woidjaga“ aus dem Wild-und-Hund-Forum charakterisiert seine Waidgenossen, 21.09.2011* **Frei von Raubwild** „Wenn Du bei uns Dir den Hochsitz aussuchst und gehst da 5 Abende sitzen, egal zu welcher Jahreszeit, du wirst zu 99% keinen Fuchs sehen und das auf 1500 ha. Ich weiß wieviel Arbeit nötig ist um ein Niederwildrevier nur halbwegs von Raubwild frei zu halten…“ *Jäger „martes“ aus dem Landlive-Forum, 03.10.2011* **Erfahrungsaustausch in der Öffentlichkeit nicht zielführend** „Bitte die Jungfuchsbejagung mit der Flinte oder wie bereits von anderen genannt mit der Jungfuchsfalle. Biite nicht mit superscharfen Bauhunden ans Geheck, das ist nicht selten eine große sauerei, und man weiß nie was „unten“ wirklich los ist. (…) Es gibt hierzu in der Gruppe der bestätigten Jäger ein extra Baujagdforum, Ich halte einen Erfahrungsaustausch hier in aller ÖFFENTLICHKEIT nicht zielführend.“ *Jäger „DerSichEinenWolfTanzt“ aus dem Wild und Hund-Forum, 28.03.2012* **…immer einen Spaten** „8x57IS und immer einen guten Spaten!“ *Empfehlung des Jägers „michik007“ aus dem Wild und Hund-Forum zur Tötung von Jungfüchsen, 28.03.2012* **Tabula rasa** „Mit Schrot wird am Bau schnell tabula rasa gemacht und wenn es geht als letzte die Alte. Es bleiben dann immer noch genug für den Winterbalg übrig.“ *Jägers „cast“ erzählt im Wild und Hund-Forum, wie er Jungfüchse tötet, 01.03.2012* **Baujagd mit Böllern** „Ich führe zwar einen DJT, nehme ihn aber (anders als seine Vorgänger) nicht zur Baujagd. Einfach wegen den ständigen Verletzungen. Nun habe ich vergangenen Winter mal ausprobiert, ohne Hund zu Fuchsen – nähmlich mit kleinen Böllern. Ich habs an drei Bauen ausprobiert (jeweils einen in ein Loch reingeschmissen und gewartet) und an einem ist einer gesprungen – hab ihn auch gekriegt.“ *Jäger „jonny2“ gibt im Landlive-Forum zum Besten, wie er Füchse aus dem Bau jagt, 19.12.2012* **Jagdhund vs. Fuchs** „Ich war mit meiner Foxhündin an der Erlegung von 50 Füchsen beteiligt. Kommt aber dadurch, dass dieses Jahr außergewöhnlich viele Gehecke gefunden wurden. Von meinen 50 sind etwa 40 Jungfüchse. Dann wurde (die Hündin) leider kurz nach Weihnachten vom Fuchs relativ schwer gebissen… Nasenrücken durch und oberhalb der Nase n langer Riss…Deswegen wurde jetzt erstmal ne Krankheitspause eingelegt! (…) Ich hab vor mehr als 30 Jahren, der Jagdschein war noch druckfrisch, bei einer Baujagd auf angebliche Jungfüchse meinen Hund verloren. (…) Spaß bei Seite, der Terrier eines Freundes hatte den Kehlbiss sowas von raus, dass es zum Schluss wirklich keinen Spaß mehr gemacht hat, den zum Baujagen einzusetzen, weil wenn der Fuchs nicht sofort gesprungen ist, dann wurde er vom Hund abgewürgt und rausgezerrt…“ *Die Baujagd-Erlebnisse des Jägers „johannson“, Landlive-Forum, 08.01.2013* **Schuss von hinten – Nachsuche aufgegeben** „habe gestern abend auf ca. 25m einen Fuchs mit 3,5mm Schrot 12/70 halbspitz von hinten beschossen. Im Schuss flüchtet er im Tiefgang im Halbkreis zurück in den Bestand. Am Anschuss kein Schweiß (Blut, Anm.d.Red.), kein Haar, aber eine eher schleifende Spur im Schnee. Im Bestand normalisiert sich die Fährte wieder, dafür findet sich vereinzelt Schweiss. Nach 500m im Nachbarrevier hat der Hund aufgegeben, der Fuchs ist nicht zu finden.“ *Jäger „schnuggels2000“, Landlive-Forum, 17.01.2013* **Auf dem Feld der Ehre** „Ihre unerbittliche Härte ist meinem Hundl gestern zum Verhängnis geworden. Sie ließ ihr Leben im Bau. (…) Ich habe es schon ein paar mal geschrieben und auch selber erlebt – in den stiefeln auf dem feld der ehre !!!“ *Jäger „tomhaus“, Landlive-Forum, 28.01.2013* **Auf dem Feld der Ehre** „Ihre unerbittliche Härte ist meinem Hundl gestern zum Verhängnis geworden. Sie ließ ihr Leben im Bau. (…) Ich habe es schon ein paar mal geschrieben und auch selber erlebt – in den stiefeln auf dem feld der ehre !!!“ *Jäger „tomhaus“, Landlive-Forum, 28.01.2013* **Aus dem Vollen geschöpft** „das letzte wochenende haben wir wieder aus den vollen geschöpft … u.a. ein geheck mit 5 weiblichen und 2 männlichen und eines mit 1 weiblichen und 2 männlichen jungfüchsen … beim ersten ist die fähe gesprungen und mehrfach beschossen entkommen … beim zweiten hat sich die fähe gestellt und liegt auf der strecke … soweit, so gut ( eigentlich sehr gut ).“ *Jäger „jagawixa“ im Forum von nimrods.de, 06.05.2008* **Alle schon abgewürgt** „also die heurige strecke von jungfüchsen hat mir alle mein terrier gebracht, alle schon abgewürgt! in den vergangenen jahren, wenn der terrier zb. nicht bis ans geheck kam und ich graben musste, hat das erlegen dann die 12/70 übernommen, das ging immer schnell und ohne aufhebens!“ *Ein anonymer Jäger im Forum von nimrods.de, 01.06.2007* **Ein einziges Blutbad…** „Bin echt erschrocken, der Fang ein einziges Blutbad! Ich hab sofort den Hund versorgt, der nach dem 2- stündigen Kampf rechtschaffen erledigt war. Gottseidank war es nicht ganz so schlimm, insgesamt 5 größere Bisse, zwei unten im Kiefer, drei oben, wohl von einer Fang in Fang Situation.“ *Der „Kurpfalzjäger“ im nimrods.de-Forum berichtet von einer Baujagd auf Füchse, 07.02.2011* **Der Fuchs bettelt um die Kugel** „schon früh kommt auf die circe ein altfuchs aus dem mais…..steht an der gemähten grabenkante und bettelt auf ca. 180m um ne kugel.“ *Jäger Sirvival im Forum der Jagdzeitschrift Wild und Hund, 29.07.2010* **Ein alter Schuss** „Der Schuss brach und der Fuchs lag im Feuer. Nach kurzer Zeit, bin ich zum Fuchs hin. Da war mein Erstaunen sehr groß, denn als ich mir mit der Taschenlampe den Fuchs angucken wollte, sah ich dass der Fang einen Schuss hatte. Doch war ich doch gut abgekommen und er lag im Knall? Aber als ich den Lichtschein auf den Körper hielt, sah ich meinen guten Blattschuss. Also guckte ich mir den Fang genauer an. Es war ein alter Schuss, wie alt kann man nicht genau sagen. Der Fang war mit viel Sand bedeckt und angetrockneter Schweiß (Blut, Anm.d.Red.) war zu sehen.“ *Ein anonymer Jäger im Forum von landlive.de, 19.02.2011* **Fallenjagd ist wie Geschenke auspacken** „Ich finde Fallenjagd gut, weil immer wenn die Klappen gefallen sind, dann ist es irgendwie, wie am Weihnachtsabend. GESCHENKE auspacken-Herzklopfen und Vorfreude.“ *Jäger „wachtelschachtel“ im Forum von landlive.de, 11.12.2009* **Die blöde Angewohnheit, auf Füchse nicht so genau zu zielen** „Durch Streß und schlechte Auflage verursachte ich einen schlechten Treffer! Ich schoß etwa 10 cm rechts und 5 cm zu hoch! Er war gekrellt! In Fuchsmitte war die Wirbelsäule abgeschossen, nicht nur ein Schlitz, sondern ein richtiger Waal! Das Geschoß pilzte also sofort auf, hinterlies eine breite Wunde! Ich habe die blöde Angewohnheit auf Füchse nicht so genau zu zielen! Es war übrigens ein Jungfuchs! Jetzt bin ich zwar erschöpft, aber dennoch heilfroh! Mit dem Erlös des Fuchses kann ich mir wieder 25 neue Geschosse leisten!“ *Jäger Paul Seidl auf der Website http://kjg-munition.de/Jagd/Fuchsjagd.html* **Suchtpotential** „War gestern das erstemal mit zur Baujagd,gleich am ertsen Bau konnte ich meinen ersten Baufuchs, eine Fähe, erlegen. Sehr Spannende Jagdart, die glaube ich das gleiche „Suchtpotential“ hat wie die Krähenjagd.“ *Jäger „bene22“ im Wild und Hund-Forum, 20.02.2013* **Baujagd ist einfach was Feines** „(…)Nur mußte er dazu auf 5m an mir vorbei und ich erlegte ihn balgschonend….(20/70 3,5mm). War eine starke Fähe und ein kaptitaler Rüde die da zusammen steckten……. Der Kapitalrüde auf nächste Distanz,bei bestem Licht……..Herrliche Bilder,die sich einbrennen…. Baujagd ist einfach was feines!“ *Jäger „weimaraner“ im Wild und Hund-Forum, 23.12.2013* **Kuschelnde Jungfüchse erlegt** „Hallo ich habe am 1.5. Abends per Zufall an einer grabenkante auf 35 m ein geheck endeckt was sich zusammengekuschelt sonnte es sah aus als würde dort ein Findling liegen bis sich der Findling bewegte. dann hab ich 5 von 6 mit der hornet erlegen können innerhalb von 5-10 min hornet als einstecklauf in der BBF“ *Jäger „grooveman“ im landlive-Forum, 04.06.2015* **…geht die Öffentlichkeit nichts an** „daß es einem ordentlichen jagdhund ein leichtes sein sollte, eines ausgewachsenen fuxes herr zu werden, steht außer frage, geht aber die öffentlichkeit nix an. es reicht doch wohl schon, daß viel uns gegenüber nicht gerade wohlgesonnen sind. da müssen sie nicht auch noch angst vor unseren hunden haben. ich bin immer froh, wenn ich die leute davon überzeugen kann, daß 35kg dd ganz lieb und verschmust sind und sie keine angst haben brauchen. (wenn die wüßten, was für eine rabiate drecksau der sein kann).“ *Jäger „molch“ im landlive-Forum, 05.06.2015* **Perfekt organisiert: Baujagd mit Minibagger** „habe selten eine solch gut organisierte baujagd erlebt….an alles wurde gedacht….selbst freiwillige aus den dörfern zur verstärkung mit spaten und schaufel waren dort und es gab 2 minibagger die auf abruf bereitstanden ….daumen hoch an die organisatoren“ *Jäger „hornet22“ im landlive-Forum, 08.06.2015* --- title: Links date: 2026-02-02 url: https://fuechse.info/websites-ueber-fuechse-links/ --- # Links Auch im Internet gibt es mehr Füchse, als man denkt. Die folgende Link-Aufstellung erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, beinhaltet aber die besten und wichtigsten mir derzeit bekannten Web-Sites über Vulpes vulpes. **fuechse.info verlinken:** Für Links, die auf fuechse.info verweisen, bin ich natürlich immer dankbar. Bei Bedarf dafür bitte folgendes Logo verwenden: **Wege zu anderen Fuchsbauen: Deutschsprachige Webs**ites Das „Aktionsbündnis Fuchs“ ist ein Zusammenschluss zahlreicher deutscher Organisationen aus dem Tier- und Naturschutzbereich. Es will den Füchsen eine Stimme geben und verfolgt das Ziel eines ganzjährigen Jagdverbots auf Füchse. Eine gemeinsame Erklärung der beteiligten Organisationen sowie ein umfassendes Dokument mit wissenschaftlich fundierten Erläuterungen legen dar, warum Füchsen dringend Schutz vor menschlichen Nachstellungen geboten werden muss. Auf der Website der Initiative finden sich zudem zahlreiche Artikel und Pressemeldungen. Die Website der Fuchs-Hilfe von Daniel Peller ist Anlaufstelle Nummer eins für alle, die kompetente Ansprechpartner rund um das Thema Fuchs suchen, egal, ob es um verwaiste Welpen, Aufklärungsarbeit oder konkrete Probleme mit Füchsen im Siedlungsraum geht. Außerdem finden sich auf der Website zahlreiche interessante und nützliche Informationen über Füchse. Thorsten Emberger betreibt in Bayern eine vorbildliche Fuchsauffangstation, die er vollständig aus privaten Mitteln finanziert. Auf seiner Homepage frecherfuchs.de finden sich allerlei Informationen zu Füchsen und anderen Wildtieren. Da Thorsten nebenbei auch noch ein hervorragender Hobbyfotograf ist, gibt es dort zudem zahlreiche schöne Fuchsfotos. Wildtierschutz Deutschland e.V. ist eine führende deutsche Natur- und Wildtierschutzorganisation, die sich unter anderem dem Schutz von Füchsen widmet. Wildtierschutz Deutschland betreibt und finanziert Wildtierstationen, kämpft gegen grausame Jagdpraktiken, und setzt sich für ein Ende der Jagd auf Füchse im Speziellen und für die Abschaffung der Hobbyjagd im Allgemeinen ein. Auf der Website finden sich aktuelle News zum Thema Wildtierschutz, Informationen zu Kampagnen, und viel Wissenswertes über Wildtiere. Außerdem stellt die Organisation eine umfangreiche Liste von Wildtierauffangstationen in Deutschland zur Verfügung. Das Netzwerk Fuchs setzt sich seit 2023 für den Schutz von Füchsen und einen respektvollen Umgang mit ihnen ein. Das Engagement richtet sich dabei insbesondere gegen grausame und tierschutzwidrige Jagdmethoden wie beispielsweise die Baujagd und gegen Schliefenanlagen. Langfristig strebt das Netzwerk ein Verbot der Fuchsjagd an. Um seine Ziele zu erreichen, weist das Netzwerk Fuchs auf Missstände hin und bringt wissenschaftliche Erkenntnisse rund um die Fuchsjagd stärker in die Öffentlichkeit. Zu diesem Zweck hat es z.B. eine Infoseite über Schliefanlagen erstellt, in der alle ihm bekannten Schliefanlagen – samt Standort und Status – katalogisiert sind. Die Bürgerinitiative Pro Fuchs Deutschland e.V. setzt sich dafür ein, dass Füchse besser geschützt werden. Dabei steht vor allem die kritische Auseinandersetzung mit dem „Beutegreifermanagement“ in Wiesenvogelschutzprojekten sowie die Aufklärung über grausame Jagdpraktiken im Vordergrund. Fuchsfreund Marc Buchtmann beschäftigt sich auf dieser umfangreichen Website vor allem mit der Frage, ob in der freien Wildbahn mutterlos aufgefundene Jungfüchse vorübergehend oder dauerhaft als Haustiere aufgenommen werden können, und stellt einige derartige Fälle vor. Außerdem klärt die Seite in Wort und Bild umfassend über Füchse, Jagd und Jäger auf. fuchsfilm.de ist die Website des Tierfilmers Helmut Sütsch, der für fuechse.info freundlicherweise umfassendes Videomaterial zur Verfügung gestellt hat. Auf seiner Homepage zeigt er eine ganze Reihe weiterer Videoclips von Füchsen und anderen einheimischen Wildtieren. Jagd und Jäger Der ehemalige Jäger Eckbert Heinenberg setzt sich auf seiner Website in mehreren Artikeln kritisch mit der Jagd auseinander. Seine differenzierten Betrachtungen sind sowohl für Jäger als auch für (Wild-)Tierschützer absolut lesenswert. Gleich mehrere Abschnitte widment Heinenberg dem Fuchs und dem Hass, den viele Waidmänner ihm entgegenbringen. **Wege zu anderen Fuchsbauen: Englischsprachige Websites** Paul Cecil fotografiert seit 2005 die Füchse in seiner Umgebung und stellt auf seiner Website eine unglaubliche Menge an Fuchsfotos und -videos bereit. Die National Fox Welfare Society ist eine kleine englische Organisation, die kranke oder verletzte Füchse aufnimmt, sie gesundpflegt und wieder in die Wildnis entläßt. Sie gibt außerdem Hilfestellung in Sachen Stadtfüchse und hat sich dem Kampf gegen die Räude unter wildlebenden Füchsen verschrieben. Das britische „Fox Project“ ist eine 1991 gegründete gemeinnützige Organisation in England. Ursprünglich fokussierte sich die Arbeit auf Beratung im Umgang mit Wildtieren und insbesondere Stadtfüchsen. Seit 1993 gehört auch eine Wildtierklinik zum Fox Project, die heutzutage pro Jahr mehr als 1400 Füchse behandelt. „The Fox Website“ ist ziemlich genau das: Eine umfassende Website über Füchse mit vielen Informationen zu Ökologie, Verhalten und Management von Füchsen sowie zur Lösung von Mensch-Wildtier-Konflikten. --- title: Luxemburg als Vorbild- Fuchsjagdverbot verlängert date: 2022-10-19 url: https://fuechse.info/flyer-und-artikel-ueber-fuechse-und-jagd-fuchsjagd/fuechse-luxemburg-als-vorbild-fuchsjagdverbot-verlaengert/ --- # Luxemburg als Vorbild: Fuchsjagdverbot verlängert *Dag Frommhold, 2016* *In Luxemburg wurde in diesen Tagen das seit 2015 bestehende Fuchsjagdverbot um ein weiteres Jahr verlängert. Der kleine Staat kann damit als großes Vorbild für Europa dienen: Statt sich einseitig den Abschussinteressen der Jägerlobby unterzuordnen, setzt die luxemburgische Regierung darauf, Belange von Natur- und Tierschutz bei der Jagdgesetzgebung stärker zu berücksichtigen. Die Botschaft: Auch Wildtiere brauchen Schutz vor ungerechtfertigten Nachstellungen.* In nahezu ganz Europa werden Füchse gejagt, mit Flinten, Fallen und Hunden – in vielen Ländern sogar ganzjährig. Die Fuchsjagd gilt dabei vielen Jägern als besonders spannende und herausfordernde Jagdart. Nicht zuletzt daher war wohl der Protest des luxemburgischen Jagdverbands FSHCL so massiv, als die luxemburgische Regierung im letzten Jahr ein einjähriges Jagdverbot auf Meister Reineke verkündete. Man startete Petitionen, zog vor Gericht, machte in der Presse publizistisch Hatz auf den Fuchs und die für das Jagdverbot verantwortlichen Politiker, allen voran den grünen Staatssekretär Camille Gira als Initiator der Regelung. In öffentlichen Stellungnahmen malte der FSHCL Schreckensszenarien ausufernder Fuchsbestände und um sich greifender Wildseuchen an die Wand. Dabei ist wissenschaftlich gut belegt, dass der Fuchsbestand sich weitestgehend unabhängig von jagdlichen Beeinflussungsversuchen entwickelt, weil intensive Bejagung die Fortpflanzungsraten in die Höhe schnellen lässt. Aus demselben Grund ist die Jagd auch zur Eindämmung von Tollwut oder Fuchsbandwurm ungeeignet – vieles deutet sogar darauf hin, dass diese sich bei hohem Jagddruck schneller ausbreiten können. *In Luxemburg weiterhin sicher vor Jägern: Spielende Jungfüchse (Bild: Mike Baird)* ***Trotz Jägerprotesten: Jagdverbot verlängert*** Trotz der massiven Beeinflussungsversuche durch den Jagdverband setzten sich die Stimmen der Vernunft in der luxemburgischen Regierung durch. Ende Januar 2016 entschied sie, das Fuchsjagdverbot um zunächst ein weiteres Jahr zu verlängern. Zuvor war ein Jahr nach dem Inkrafttreten des Fuchsjagdverbots vor den Abgeordneten der zuständigen Parlamentsausschüsse eine Bilanz gezogen worden: Laut Natur- und Forstverwaltung seien nach der Einführung des Fuchsjagdverbots keine wesentlichen Probleme festgestellt worden. Auch der Vertreter des Gesundheitsministeriums hatte nichts zu bemängeln. Um eventuelle Auswirkungen des Jagdverbots zu analysieren, wurde nun eine Expertengruppe eingesetzt, die aus Vertretern der Ministerien für Gesundheit, Landwirtschaft und Nachhaltigkeit besteht. Sie soll eventuelle landwirtschaftliche Schäden durch Füchse bewerten und den Gesundheitszustand der Fuchspopulation überwachen. ***Keine „Massenvermehrung“ in jagdfreien Gebieten*** Ein Blick auf langjährig fuchsjagdfreie Gebiete zeigt dabei, dass das Jagdverbot auch weiterhin keineswegs das vielzitierte ökologische Gleichgewicht aus den Angeln heben wird. Ob in den Dünengebieten Nordhollands, dem jagdfreien Schweizer Kanton Genf, Nationalparks wie Berchtesgaden und Bayerischer Wald, oder fuchsjagdfreien Großrevieren in ganz Europa: Überall dort hat weder eine Massenvermehrung von Füchsen stattgefunden, noch hat die Häufigkeit von Wildseuchen zugenommen. Es gibt daher auch keinen Anlass zu der Annahme, dass die Situation in Luxemburg sich in den nächsten Jahren anders entwickeln wird. ***Jäger ziehen vor Gericht*** *Anblick, auf den die Jägerschaft nicht verzichten will: Erlegter Fuchs am Hochsitz * *(Bild: E.Dreyer)* – **Vorschaubild** Vielleicht aus genau diesem Grund will der FSHCL nicht auf die Ergebnisse der Expertenkommission warten, sondern versucht, gerichtlich gegen das Fuchsjagdverbot vorzugehen. Die Argumente, derer man sich dabei bedient, sind reichlich angestaubt und längst widerlegt: Abermals muss der Fuchsbandwurm herhalten; zudem bemüht man eine Studie der niederländischen Organisation SOVON zum Einfluss von Beutegreifern auf Wiesenvögel. Diese soll angeblich den Ausschlag dafür gegeben haben, dass der Fuchs nach einer gut dreijährigen Jagdruhe in den Niederlanden 2005 wieder zum Abschuss freigegeben wurde. Tatsächlich erfolgte die Jagdfreigabe jedoch bereits vor Abschluss der Untersuchung – und zwar auf massiven Druck der Jägerschaft, die in der damals gerade gewählten Mitte-Rechts-Regierung viele Fürsprecher hatte. Wolf Teunissen und Hans Schekkerman, Hauptautoren der Studie, protestierten damals vehement gegen die Vorverurteilung des Fuchses. Ihre Forschungsarbeiten ergaben nämlich, dass der Fuchs nur einen vergleichsweise unbedeutenden Einfluss auf Wiesenvogelpopulationen besitzt. Zur eigentlichen Kernfrage, ob die Fuchsjagd diesen Einfluss verändern kann, trafen sie überdies gar keine Aussage. ***Luxemburg: Vorbild für ganz Europa?*** Argumentativ steht die Jägerschaft also auf verlorenem Posten. Es ist daher zu hoffen, dass Luxemburg auch in Zukunft am Fuchsjagdverbot festhalten wird. Was den Wildtier- und Naturschutz angeht, kann das Großherzogtum damit zum Vorbild für ganz Europa werden: Die Schonung von Meister Reineke zeigt exemplarisch auf, dass nicht Jagdlust und Beuteneid, sondern Verstand und Empathie unseren Umgang mit Wildtieren prägen sollten. ***Literatur:** *1. *D. Frommhold (2015): Jagdverbot auf Füchse in Luxemburg: Jagdlobbyismus gegen Reineke.* 2. *D. Frommhold (2015): Fuchsbandwurm: Risikofaktor Jagd* 3. *D. Frommhold (2006): Fuchsjagd in den Niederlanden – Quo vadis, Reineke?* 4. *W. Teunissen, H. Schekkerman, F. Willems (2006): Predatie bij weidevogels. Opzoek naar de mogelijke effecten van predatie op de weidevogelstand. Gutachten im Auftrag von Sovon ogelonderzoek Nederland, Alterra* 5. *Der Fuchs bleibt weiter unbehelligt. Luxemburger Wort, 29.1.2016* *6. Bilanz nach Fuchsjagdverbot: „Keine wesentlichen Probleme“. Luxemburger Wort, 21.1.2016* --- title: Nachtjagd in Niedersachsen - Offener Brief an Ministerin Miriam Staudte date: 2026-03-20 url: https://fuechse.info/flyer-und-artikel-ueber-fuechse-und-jagd-fuchsjagd/nachtjagd-in-niedersachsen-offener-brief-an-ministerin-miriam-staudte/ --- # Nachtjagd in Niedersachsen - Offener Brief an Ministerin Miriam Staudte März 2023 Sehr geehrte Frau Ministerin, das Aktionsbündnis Fuchs ist eine Initiative von über 60 deutschen Tier- und Naturschutzorganisationen mit dem Ziel, Füchse vor ungerechtfertigten Nachstellungen zu schützen. Der Koalitionsvertrag der rot-grünen Regierung in Niedersachsen ist aus Sicht des Tier- und Naturschutzes sehr enttäuschend. Im Bereich der zulässigen Jagdmethoden, der Jagdzeiten sowie dem Verbot tierquälerischer Praktiken wie der Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren sind deutlich weitreichendere Änderungen längst überfällig. Als besonders problematisch sehen wir auch Ihre Pläne an, dass die Jagd mit Nachtsichtgeräten ausgerechnet – und gemäß Koalitionsvertrag offenbar ausschließlich – „zusammen mit den organisierten Jäger*innen evaluiert werden“ soll. Durch die Legalisierung der Verwendung von Nachtsichtvorsätzen und Nachtsichtaufsätzen für Zielhilfsmittel, die für Schusswaffen bestimmt sind, wurde weitreichender Tierquälerei bei der Jagdausübung Tor und Tür geöffnet: 1. Die nächtliche Ruhezeit für Wildtiere – auch für Tierarten ohne Jagdzeiten – fällt durch den Einsatz von Nachtsichtgeräten gänzlich weg. Die Zeiten, in denen Wildtiere vor jägerischen Nachstellungen sicher sind, werden drastisch verkürzt; Jagddruck und Stress steigen dadurch weiter an. 2. Nachtsichtgeräte sind kein Ersatz für das Ansprechen von Tieren unter geeigneten Sichtverhältnissen. Ihre Verwendung ermutigt Jäger noch stärker dazu, hochriskante Schüsse abzugeben, durch die Wildtiere nur verletzt, aber nicht sofort getötet werden. Das dadurch verursachte Leid wird noch dadurch verstärkt, dass zur Nachtzeit eine Nachsuche i.d.R. nicht erfolgen kann und – wenn überhaupt – frühestens am nächsten Morgen durchgeführt wird. 3. Tierarten wie Fuchs und Steinmarder, denen von Jägern als vermeintlichen Beutekonkurrenten ohnehin schon erbarmungslos nachgestellt wird, werden durch die Jagd mit Nachtsichtgeräten unter noch stärkeren Jagddruck geraten. Dabei ist gerade die Jagd auf Beutegreifer weder ökologisch noch epidemiologisch zielführend, wie unsere Zusammenfassung von mehr als 100 wissenschaftlichen Studien zu diesen Themen belegt. Letztlich wird das auch durch die negative Entwicklung der im Bestand gefährdeten jagdbaren Arten in Niedersachsen untermauert. 4. Durch den Einsatz von Nachtsichtgeräten entzieht sich die Jagd noch weiter der öffentlichen Beobachtung. Jagdvergehen werden dadurch noch schwerer entdeck- und dokumentierbar. Letztlich können Jäger dadurch noch uneingeschränkter und unkontrollierter schalten und walten als bisher schon. 5. Aufgrund der nächtlichen Beunruhigung von Wildtieren ist nach einhelliger Meinung von Wissenschaftlern davon auszugehen, dass jeder zusätzliche Stress dem Verbiss von jungen Pflanzen und dem Schälen von Bäumen Vorschub leistet. 6. Wie die Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht e.V. in ihrer Stellungnahme zur Novellierung des Bundesjagdgesetzes von 2020 ausführt, verstößt die Jagd mit Nachtzielgeräten selbst nach Einschätzung des Bayerischen Jagdverbands gegen die Waidgerechtigkeit. Damit stünde sie auch im unmittelbaren Konflikt mit dem Tierschutzgesetz. Die Leidtragenden dabei sind Natur und Wildtiere und letztlich auch der Mensch, dem die Möglichkeit der Beobachtung der durch die jagdlichen Störungen zunehmend heimlicher werdenden Tiere genommen wird. Bei der im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Evaluierung der Nachtzieltechnik halten wir es für dringend erforderlich, diese nicht alleine oder vorwiegend mit der Jägerschaft durchzuführen. So ein Vorgehen ließe keine neutrale Bewertung des Status quo erwarten. Vielmehr muss eine sachliche Bewertung tierschutzrelevanter Themen wissenschaftlichen Maßstäben genügen und ethische Aspekte eingehend berücksichtigen. Das kann aus unserer Sicht nur in Zusammenarbeit mit jagdunabhängigen Tier- und Naturschutzorganisationen geschehen. Mit freundlichen Grüßen Aktionsbündnis Fuchs --- title: Populationsdynamik date: 2026-03-27 url: https://fuechse.info/fuchsjagd-und-wissenschaft/fuechse-populationsdynamik-regulierung-jagd-fuchsmanagement/ --- # Populationsdynamik ## Inhalt - Zentrale Punkte - Einfluss der Bejagung auf die Fuchsdichte allgemein - Soziale Regulationsmechanismen ## Zentrale Punkte - Die Populationsdichte von Füchsen richtet sich danach, wie viele Füchse ein Lebensraum ernähren kann. - Durch die Fuchsjagd kann die Fuchsdichte in der Fläche nicht reduziert werden, weil Verluste durch einwandernde Tiere sowie steigende Geburtenraten ausgeglichen werden. - Wird eine Fuchspopulation durch Jagd oder Krankheiten vorübergehend dezimiert, steigt nicht nur der Anteil reproduzierender Fähen, sondern auch die durchschnittliche Wurfgröße deutlich an. - Es gibt einige Hinweise darauf, dass Jagd die Fuchspopulation infolge steigender Geburtenraten mitunter sogar anwachsen lässt - Werden Füchse dagegen nicht bejagt, steigt die Populationsdichte nicht an, Füchse bei hohen Dichten meist in sozialen Gruppen zusammenleben, in denen nur die dominante Füchsin Nachwuchs bekommt (“Geburtenbeschränkung statt Massenelend”). - Soziale und hormonelle Faktoren hindern die anderen Füchsinnen in einer solchen Gruppe daran, selber Nachwuchs zu bekommen. ## Einfluss der Bejagung auf die Fuchsdichte allgemein **Hewson R. (1986): Distribution and density of fox breeding dens and the effects of management. Journal of Applied Ecology 23, 531-538.** - Ermittlung der Anzahl von befahrenen Fuchsbauen in unterschiedlichen Arealen, um die Entwicklung der Populationsdichte zu verfolgen. - **Bejagung führte nicht zu einer Verringerung der befahrenen Fuchsbaue im darauffolgenden Frühjahr.** **Baker P., Harris S. (2006): Does culling reduce fox (Vulpes vulpes) density in commercial forests in Wales, UK? ****European Journal of Wildlife Research 53 (2), 99-108.** - Im Rahmen der Studie wurde untersucht, ob mit Hilfe intensiver Fuchsjagd im Winter die Fuchsdichte im darauffolgenden Frühjahr reduziert werden kann. Die Fuchsdichte wurde dabei durch das Zählen von Kothaufen ermittelt. - Die Verluste wurden vermutlich durch Einwanderung rasch ausgeglichen. - **Insgesamt gab es keinen Hinweis darauf, dass das Töten von Füchsen die Anzahl der Füchse reduziert**. - Um Füchse nachhaltig zu reduzieren, müsste man Jahr für Jahr rund 80% der Herbstpopulation töten **Rushton S.P., Shirley D.F., Macdonald D.W. & Reynolds J.C. (2006): Effects of culling fox populations at the landscape scale: a spatially explicit population modeling approach. Journal of Wildlife Management 70, 1102-1110.** - Die Studie nutzte eine Computersimulation, um den Einfluss verschiedener Techniken auf die Fuchsdichte in einem großen Gebiet (1.600km^2) zu ermitteln. Von vier Methoden (Fuchsjagd mit Hundemeuten, Abschuss in Herbst und Winter, Abschuss am Bau, und Reduktion der Fruchtbarkeit) war die Tötung von Mutter und Welpen am Bau sowie der Abschuss abwandernder Jungfüchse am effektivsten. Allerdings waren auch diese Methoden nur bei extrem hohen Tötungsraten (>80% der Gesamtpopulation!) effektiv, was für größere Gebiete in der Praxis vollkommen unerreichbar ist. **Insgesamt erwies sich keine der Methoden als effektiv zur Reduktion der Fuchspopulation, weil einwandernde Füchse rasch die getöteten Tiere ersetzten.** **Webbon C.C., Baker P.J., Harris S. (2004): Faecal density counts for monitoring changes in red fox numbers in rural Britain, Journal of Applied Ecology 41, 768-779.** - Analyse der Populationsdichte von Füchsen in mehreren über Großbritannien verteilten Gebieten von je einem Quadratkilometer Größe. Die Ermittlung der Populationsdichte erfolgte durch Zählung von Kothaufen. - Zwei Erhebungszeiträume: 1999/2000 und 2002/2003. Der zweite Erhebnungszeitraum fällt in die Zeit, in der nach dem Ausbrauch der Maul- und Klauenseuche in GB 2001 keine Jagd mit Hundemeuten zugelassen war. - **In acht von neun Gebieten gab es keine Unterschiede in der Populationsdichte von Füchsen vor und nach Inkrafttreten des Jagdverbots.** **Baker P.J., Harris S., Webbon C.C. (2002): Effect of British hunting ban on fox numbers, Nature 419 (6902)** - 2001 durften Füchse wegen des Auftretens der Maul- und Klauenseuche nicht mit Pferden und Hundemeuten gejagt werden. Es wurde untersucht, wie sich dieses Jagdverbot auf die Fuchspopulation auswirkte. - In den Untersuchungsgebieten **hatte das Jagdverbot keinen Einfluss auf die Fuchspopulation** **Beyer G. (2004): Wildtiermanagement in deutschen Nationalparken: Eine Herausforderung für den Naturschutz. In: Von der Jagd zur Wildbestandsregulierung: Muss in den Wildbestand im Nationalpark Eifel eingegriffen werden? Symposium am 13. Mai 2004 in Monschau-Imgenbroich, NUA Heft Nr. 15** - Der Aufwand, der zur reduzierenden Beeinflussung einer Tierart betrieben werden muss, steht im Verhältnis zur Größe des einzelnen Tiers. „Dabei gilt in starker Vereinfachung, dass Rotwildpopulationen in der Regel mit jagdlichen Methoden relativ einfach beeinflussbar sind, beim Rehwild der zu betreibende Aufwand bereits zunimmt und **bei Tierarten wie Fuchs und Waschbär ein so gigantischer Aufwand betrieben werden muss, dass jagdliche Methoden hier unter realpraktischen Gesichtspunkten weitgehend unpraktikabel sind**. In diesem Zusammenhang muss auch gefragt werden, inwieweit es überhaupt möglich ist, mittels jagdlicher Methoden Wildtierpopulationen zu beeinflussen beziehungsweise ob mit jagdlichen Methoden oftmals nicht genau das Gegenteil dessen erreicht wird, was im Rahmen der Zielsetzung eigentlich erreicht werden sollte.“ **Macdonald D. (1993): Unter Füchsen – Eine Verhaltensstudie. Knesebeck, München** - „**In den meisten Gegenden Europas verkraften Füchse selbst noch einen Abschuss von zwei Dritteln des Herbstbestandes**. Pro Quadratkilometer und Jahr erlegen Jäger in Europa 0,7 bis 2,0 Füchse. Und trotz allem sind Füchse weitverbreitet und zahlreich geblieben“. - Unter normalen jagdlichen Bedingungen (also keine Armeen von Berufsjägern, die sich vollständig dem Ziel der Fuchsvernichtung verschrieben haben) kann Fuchsjagd die Fuchsdichte nicht senken: Viele Füchse werden im Winter erlegt, und viele davon sind umhervagabundierende Rüden. - Ein getöteter territorialer Fuchs hinterlässt ein Revier, das schnell einen neuen Besitzer anzieht. - Wenn die Frühjahrspopulation dezimiert wird, steigt die Geburtenrate an (gestörtes Sozialsystem und weniger Nahrungskonkurrenz). - „**Was bei den meisten Aktionen gegen Füchse herauskommt, sind allenfalls Fuchspelze – der Versuch, ihre Zahlen zu senken, steigert höchstens die „Produktion“**“. **Lozano J., Casanovas J. G., Virgós E. & Zorrilla J. M. (2013): The competitor release effect applied to carnivore species: how red foxes can increase in numbers when persectuted. Animal Biodiversity and Conservation, 36(1): 37–46.** - Numerische Simulation der Populationsdynamik verschiedener Beutegreiferarten (Rotfuchs, Dachs, Baummarder) in Abhängigkeit von der Bejagungsintensität. - Während Dachs und Baummarder bereits bei mittlerer Bejagungsintensität bis zur Ausrottung dezimiert werden, zeigt sich beim Fuchs, dass die Individuenzahl als Resultat der Bejagung sogar zunehmen kann und selbst extreme Bejagung nicht zur Ausrottung führt. **Beja, P. at al. (2009): Predator abundance in relation to small game management in southern Portugal: conservation implications. European Journal of Wildlife Research, 55(3): 227-238** - Im südlichen Portugal wurden 12 stark bejagte Gebiete mit aktivem „Management“ der Wildtierpopulationen 12 vergleichbaren Gebieten ohne derartigen Managementmaßnahmen gegenübergestellt. Jedes der Gebiete war über 500ha groß. - **Es zeigte sich, dass trotz intensiver Maßnahmen zur Reduktion der Fuchspopulationen die Fuchsdichte in den intensiv bejagten Arealen doppelt so hoch war wie die Fuchsdichte in den Vergleichsgebieten.** - Beja und Kollegen führten dies vor allem darauf zurück, dass die Hege bejagter Arten (z.B. Hasen und Rebhühner) Prädatoren anlockt und die Bejagung von Prädatoren nicht in der Lage ist, diesen Sogeffekt zu kompensieren. - Als Resultat ist der Prädationsdruck in Gebieten mit aktivem „Game Management“ vermutlich deutlich höher als in Gebieten ohne derartige Maßnahmen! **Kämmerle, J.L., Ritchie, E.G., Storch, I. (2019): Restricted‐area culls and red fox abundance: Are effects a matter of time and place?** - Im Schwarzwald wurden auf einer Gesamtfläche von 18.000ha Reviere mit gezielter Fuchsbejagung mit anderen Revieren verglichen, in denen Füchse nicht gezielt bejagt wurden. Jagdverbände nutzten zudem finanzielle Anreize, um den Abschuss von Füchsen zu intensivieren. - Andere landschaftsspezifische Variablen (Distanz zu Straßen und Siedlungsgebieten, topographische Beschaffenheit des Terrains, etc.) wurden ebenfalls erfasst, um die Vergleichbarkeit der Gebiete sicherzustellen. - Die Häufigkeit von Füchsen wurde mit Wildkameras und der Erfassung von Kotfunden ermittelt. - In Gebieten mit gezielter Fuchsbejagung und Anreizen für die Fuchsjagd wurden deutlich mehr Füchse getötet. Dies wirkte sich jedoch nur vorübergehend auf die Fuchspopulation aus: Zwar gab es im in diesen stark bejagten Gebieten im Winter tatsächlich weniger Füchse, **bis zum nächsten Herbst waren die Verluste jedoch vollständig kompensiert**. **Newsome T.M., Van Eeden L.M., Lazenby B., Dickman C.R. (2017): Does culling work? Australasian Science 38(1):28-30** - In New South Wales (Australien) wurde die Fuchsdichte vor und nach einer gezielten Tötungsaktion mit Hilfe von nächtlichen Sichtungen im Licht von Taschenlampen („Spotlight counts“). - In 12 Nächten wurden innerhalb von 66 Stunden Bejagung 47 Füchse getötet. Die Populationsdichte konnte dadurch nur wenig reduziert werden (von 4,18 auf 3,26 Individuen pro Quadratkilometer). - Die Kosten dafür beliefen sich auf rund 1.500 Australische Dollar; die Aktion erforderte es zudem, rund 500 Kilometer in Allradfahrzeugen zurückzulegen. - Die Autoren gehen davon aus, dass die Fuchsdichte schon wenig später durch Einwanderung wieder das ursprüngliche Niveau erreicht hat. **González Casanovas, J., Barrull, J., Mate, I., Zorrilla, J.M. (2012): Shaping carnivore communities by predator control: competitor release revisited. Ecological Research 27(3)** - Mit Hilfe einer mathematischen Simulation wurde analysiert, wie sich unterschiedliche Bejagungsintensitäten auf die Populationsdichten von Fuchs, Steinmarder und Dachs auswirken. Die Simulationsergebnisse wurden zudem Populationsdaten aus Gebieten mit unterschiedlich intensiver Prädatorenbejagung gegenübergestellt. - Es zeigte sich, dass die Fuchspopulation selbst bei hoher Bejagungsintensität stabil blieb oder sogar anstiegt, während die Populationen von Dachs und Steinmarder zurückgingen, in einigen Fällen sogar bis zur Ausrottung. - Beim Vergleich von Daten aus Gebieten mit gezielter Prädatorenbejagung und Gebieten ohne spezifische Management-Maßnahmen **zeigte sich dementsprechend, dass die Fuchsbejagung keinen Einfluss auf die Fuchsdichte besaß**. **Die höchsten Fuchsdichten wurden ausgerechnet in zwei Gebieten mit intensiver Fuchsbejagung festgestellt.** ***Jiguet, F. (2020): The Fox and the Crow. A need to update pest control strategies. Biological Conservation 248** - Review einer Reihe von Studien zur Kontrolle von Fuchs- und Krähenpopulationen in Europa sowie der Rolle dieser Tiere im Ökosystem. - **Fazit ist, dass Bejagung nicht in der Lage ist, Fuchspopulationen zu reduzieren, und dass sie ökologisch wie epidemiologisch kontraproduktiv ist** (z.B. im Hinblick auf die Verbreitung des Fuchsbandwurms) - Der Autor plädiert dafür, die Frage nach der Prädatorenbejagung zukünftig auf Basis wissenschaftlicher Kriterien zu evaluieren und europaweite Regularien dafür zu schaffen. **Lozano, J., González Casanovas, J., Virgós, E., Zorilla, J.M. (2013): The competitor release effect applied to carnivore species: How red foxes can increase in numbers when persecuted. Animal Biodiversity and Conservation 36(1)** - In einer Computersimulation wurde die Reaktion verschiedener Prädatorenspezies auf Bejagung untersucht. Es zeigte sich, **dass Fuchspopulationen aufgrund steigender Geburtenraten unter Bejagung sogar zunehmen können**. **Barrull, J., Mate, I., Salicrú, M., Palet, J. (2014): Differential response of a carnivore community to predator control: A spatio-temporal observational study. Italian Journal of Zoology, 81:2, 271-279** - In der Region Serra de Montsant (Nordostspanien) wurde über drei Jahre hinweg die Populationsdichten von Füchsen, Steinmardern und Dachsen erhoben. Dabei wurden Gegenden mit starker Prädatorenbejagung mit Gebieten verglichen, in denen Beutegreifer nicht bejagt wurden. - Während die Dichte von Steinmarder und Dachs in den unbejagten Gebieten höher war, waren Füchse in bejagten Gebieten sogar etwas häufiger als in unbejagten Arealen(!). Als die Bejagung ausgesetzt wurde, nahmen Steinmarder- und Dachspopulation deutlich zu, die Fuchspopulation aber leicht ab (um 10%). - Die Autoren begründen dies damit, dass Fuchspopulationen einerseits die Verluste durch die Jagd schnell kompensieren können, und sie andererseits zudem vom Rückgang der anderen Beutegreifer (die Nahrungskonkurrenten sind) profitieren. **Goszczyński, J., Misiorowska, M., Juszko, S. (2008): Changes in the density and spatial distribution of red fox dens and cub numbers in central Poland following rabies vaccination. Acta Theriologica 53(2):121-127** - In einem Gebiet in Mittelpolen wurde von 1980 bis 2006 die Größe der Fuchspopulation mit Hilfe von verschiedenen Methoden erhoben: a.) Anzahl aufgefundener Spuren im Schnee, b.) Geheckzählungen, und c.) durch gezieltes Aufschrecken von Wildtieren (ähnlich einer Treibjagd, bei der die Tiere gezählt und nicht erschossen werden). - Insgesamt verdoppelte die Fuchspopulation im Verlauf der Beobachtungsjahre etwa (je nach Erhebungsmethode lag der Anstieg zwischen 66 und 110 Prozent). Als Hauptgrund dafür werden die Tollwutimpfungen ab 1993 vermutet. Zugleich zeigte sich aber, dass die mittlere Anzahl an Welpen pro Bau sank (um 11%). - Gleichzeitig stiegt die Anzahl erlegter Füchse im Untersuchungsgebiet von rund 10 Tieren pro Jahr zu Beginn der 1990er-Jahre auf mehr als 60 in den 2000ern. - Die Fuchspopulation im Untersuchungsgebiet wurde zu Beginn der Jagdsaison zwischen 2000 und 2005 **auf 80 Individuen geschätzt. Obwohl davon im Durchschnitt 64 erlegt wurden, bliebt die Fuchspopulation im Folgejahr konstant oder stieg sogar an**. - Die Verluste wurden vermutlich durch vagabundierende, revierlose Füchse aus angrenzenden Gebieten ausgeglichen. **Kaphegyi T.A. (2002): Untersuchungen zum Sozialverhalten des Rotfuchses (Vulpes vulpes L.), Dissertation, Forstwissenschaftliche Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Brsg, Freiburg im Breisgau, 2002** - „Helferfähen“: S. 79: „Festgestellt wurde, dass subdominante Fähen, die selber nicht zur Reproduktion kommen, bei der Aufzucht der Jungen der dominanten Fähe helfen. Angenommen wird, dass die „Helfer“ sowohl die eigene Fitness als auch die ihrer Eltern erhöhen (EMLEN 1978; MACDONALD 1980; MACDONALD & MOEHLMAN 1982). Territorialität vorausgesetzt, hätten die „Helfer“-Fähen den unmittelbaren Vorteil eines gesicherten, geeigneten Areals, das ihre Überlebenswahrscheinlichkeit erhöht und das sie eventuell von den Eltern übernehmen können“. - S. 83: Tendenziell ist bei hoher Populationsdichte eine geringere Abwanderung festzustellen, jedoch widersprüchliche Ergebnisse im Hinblick darauf, ob eher Fähen oder eher Rüden abwandern. - S. 84: Territorialität wird überbewertet: „Es deutet sich an, dass der Stellenwert von Territorialität als Mechanismus zur Aufteilung von Ressourcen innerhalb von Fuchspopulationen überbewertet wurde. Die von uns untersuchten Füchse investieren offensichtlich nicht in die Verteidigung von Territorien. Die adulten Tiere sind ortstreu, wobei sie Ressourcen gemeinsam mit anderen Füchsen nutzen.“ (im Untersuchungsgebiet geringer Jagddruck, relativ hohe Bestandsdichte) - S. 2: „Vor allem im Zusammenhang mit der Tollwutbekämpfung zeigte sich jedoch, **dass es sogar in Verbindung mit Baubegasungen mittels jagdlicher Reduktionsmaßnahmen nur bei wenigen Dezimierungskampagnen gelang, die Populationsdichte unter den Schwellenwert abzusenken, unter dem die Seuche zum Erliegen kommt (DEBBIE 1991). Die Bemühungen scheiterten an der Reproduktionsleistung und der hohen Anpassungsfähigkeit der Füchse an verschiedenste Umweltbedingungen** (WANDELER ET AL. 1974, 1988; BÖGEL ET AL. 1974).“ - S. 3: „Sowohl zur Seuchenbekämpfung als auch als Unterstützung von in ihrem Bestand gefährdeten Beutetieren des Fuchses ist eine Reduktion nur dann wirkungsvoll, wenn großflächig eine Absenkung der Bestandsdichte gelingt, die nicht aufgrund von Zuwanderung oder erhöhter Reproduktionsleistung durch die Füchse wieder ausgeglichen werden kann. **Reduktionsversuche auf großer Fläche zeigten, dass dieses Ziel allein mit den heute zur Verfügung stehenden jagdlichen Mitteln kaum zu erreichen ist. Aufgrund dieser mangelnden Effizienz sollten Forderungen nach der Reduktion des Fuchses kritisch betrachtet werden (KAPHEGYI & BREITENMOSER 1995; KAPHEGYI 1998).** Deutlich wird, dass einfache Ansätze wie jagdliche Eingriffe den heutigen Anforderungen an ein Management von Fuchspopulationen nicht gerecht werden. Es wäre zielführender, die der Populationsdynamik dieser Spezies zugrundeliegenden Zusammenhänge zu erkennen und aufbauend auf diesen Erkenntnissen entsprechende Managementmaßnahmen zu konzipieren (Z.B. BREITENMOSER ET AL. 1995; KAPHEGYI 1995).“ ***Kistler, C., Gloor, S., Hegglin, D., Bontadina, F. (2023): Das Management des Fuchses sollte auf wissenschaftlichen Grundlagen anstatt auf Annahmen basieren. In: Voigt, C.C. (eds) Evidenzbasiertes Wildtiermanagement. Springer Spektrum, Berlin, Heidelberg** - Es gibt zunehmend Belege, dass die vorherrschenden Methoden der Fuchsjagd – trotz großem Aufwand durch die Jägerschaft – weder die Bestände noch die verursachten Schäden wirksam und nachhaltig reduzieren. - „Die Jagd auf Füchse basiert aktuell nicht auf wissenschaftlichen Grundlagen, denn es fehlen Bestandszahlen sowie klar definierte und messbare Ziele.“ - „Zudem werfen verschiedene Jagdmethoden wie die Baujagd mit Hunden oder der Einsatz von Schrot grundsätzliche ethische und tierschützerische Fragen auf.“ - Zum aktuellen Fuchsmanagement in der Schweiz: „**Jährlich werden also unter grossem jagdlichen Aufwand Tausende von Füchsen geschossen, ohne dass die Populationen bzw. die Auswirkungen der Prädation in relevanter und effektiver Weise reduziert werden**.“ Selbst mit der Tötung von Welpen am Bau „ist nicht garantiert, dass der Fuchsbestand auf ein tiefes Niveau reduziert werden kann. Das legen die Erfahrungen aus der Tollwutepidemie nahe. Obwohl man damals jahrelang Vergasungsaktionen an Jungenbauen durchführte, war es nicht gelungen, die Fuchsbestände nachhaltig zu reduzieren und die Tollwut zu eliminieren“ - Daher: Forderung nach evidenzbasiertem Wildtiermanagement, das ökologische, ökonomische und ethische Kriterien beinhaltet und neben Abschüssen auch nicht-tödliche Massnahmen einbezieht. ***Delcourt, J., Brochier, B., Delvaux, D., Vangeluwe, D., Poncin, P. (2022): Fox Vulpes vulpes population trends in Western Europe during and after the eradication of rabies. Mammal Review 52, 343-359** - Literatur-Review über die Entwicklung der Fuchspopulation während und nach der Ausrottung der Tollwut in Westeuropa - Jagstrecken als Anhaltspunkt für die Populationsdichte sind zwar problematisch (weil abhängig von Jagdintensität und anderen Faktoren), aber korreliert hinreichend hoch mit anderen Daten (z.B. Verkehrsopfern in der Schweiz), um nützlich zu sein. - Anhand der Jagdstrecken lässt sich ein Populationsanstieg nach der Ausrottung der Tollwut ableiten. Die Impfung war jedoch nicht ursächlich für den Populationsanstieg, weil in tollwutfreien Gebieten (z.B. Großbritannien) ebenfalls ein solcher Anstieg zu verzeichnen war. Grund dafür war vielmehr die Umgestaltung der Lebensräume durch Menschen ab den 1960er Jahren; die Tollwut verzögerte das Wachstum lediglich. - **Ländliche Fuchspopulationen leben derzeit vermutlich an der Carrying Capacity des Lebensraums; Jagd spielt für die Fuchsdichte dagegen keine Rolle.** - In einigen Ländern (darunter Deutschland) sinken die Jagdstrecken in den letzten 20 Jahren wieder etwas; die Gründe dafür sind unklar. Denkbar wären z.B. Staupe oder Räude als limitierende Faktoren, gesunkene Jagdintensität, oder sinkende Kapazität der Lebensräume, aber das ist noch nicht geklärt. ## Soziale Regulationsmechanismen **Hartley F.G., Follett B.K., Harris S., Hirst D., McNeilly A.S. (1994): The endocrinology of gestation failure in foxes (Vulpes vulpes). J Reprod Fertil, 100(2):341-6.** - Studien sowohl an wild als auch in Gefangenschaft lebenden Füchsen haben gezeigt, dass in einer Gruppen von Füchsen normalerweise nur die dominante Fähe Nachwuchs bekommt. Dies konnte auch in dieser Studie an Gehegefüchsen belegt werden. - **Hierbei wurde festgestellt, dass nicht reproduzierende Fähen deutlich niedrigere Progesteron- und Prolactinkonzentrationen, aber höhere Cortisolkonzentrationen im Blut aufwiesen. Dies wird auf sozialen Stress bei den subdominanten Fähen zurückgeführt. Hierin scheint eine wichtige Komponente der sozialen Geburtenregelung bei Füchsen zu bestehen.** **Van der Vliet F., Baeyens, G. (1995): Voedsel van vossen in de duinen: Variatie in ruimte en Tijd. Atlelier Rijksbouwmeester, Amsterdam.** - Untersuchung der Fuchspopulation in einem Dünenareal in Nordholland, das seit vielen Jahren jagdfrei ist. - Die Füchsinnen in diesem Gebiet gebaren im Durschnitt **weniger als 3 Welpen pro Wurf**. **Janko C., Trappmann D., Schröder W., Linke S., König A. (2013): Populationsdichten des Rotfuchses (Vulpes vulpes) im Stadt-Land-Gradienten und deren Determinanten. Beiträge zur Jagd- und Wildforschung, Bd. 38, 89-94** - **Stadtfüchse (die ja i.d.R. nicht bejagt werden) leben in Familiengruppen zusammen. Während Füchse im Offenland paarweise leben, besteht eine Stadtfuchsfamilie aus drei bis sechs Füchsen**. An der Reproduktion nehmen die dominanten Tiere teil und die Subdominanten werden geduldet, wenn das Streifgebiet für alle genügend Ressourcen bietet. **Iossa G., Soulsbury C.D., Baker P.J., Edwards, K.J., Harris, S. (2009): Behavioral changes associated with a population density decline in the facultatively social red fox. Behavioral Ecology, 20 (2), 385-395.** - Analyse von Paarungsverhalten und Gruppenbildung nach einem natürlich bedingten Abfall der Populationsdichte einer lokalen Fuchspopulation. - Sowohl vor als auch nach dem Rückgang der Populationsdichte lebten die Tiere in Gruppen zusammen. Bei hohen Dichten war das Geschlechterverhältnis in den sozialen Gruppen ausgeglichen (!), und es wurden sowohl verwandte als auch familienfremde Tiere in den Gruppenstrukturen festgestellt (!!) - Bei niedrigeren Dichten überwogen in den Gruppen weibliche Tiere, wobei es eine einzelne dominante Fähe gab. - Die Gruppengröße bei hohen Dichten war größer **Heydon M.J., Reynolds J.C. (2000): Demography of rural foxes (Vulpes vulpes) in relation to cull intensity in three contrasting regions of Britain. Journal of Zoology, 251** - Die Studie wird oft von Jägern zitiert, weil sie zu dem Ergebnis kommt, dass Füchse sich zwar auf hohem Niveau selber regulieren, die Jagd aber durchaus einen Einfluss auf Fuchsdichten haben kann. Es wurde die Reproduktion von Füchsen in drei Regionen mit unterschiedlicher Bejagungsintensität untersucht. - Unterstützt dennoch die Annahme, dass bei hoher Fuchsdichte die Reproduktionsrate sinkt: In Region mit hoher Fuchsdichte größerer Anteil nicht reproduzierender Fähen (19% statt 0% der geschossenen Füchsinnen haben nie empfangen – „placental scars“). Hinzu kommt, dass die „in utero“-Verluste bei höher Fuchsdichte erheblich höher sind (32% statt 10,6% bzw. 17,6%). - In Region mit höherer Fuchsdichte geringere Welpenanzahl pro Wurf (4,49 vs. 6,38 und 6,24). Es geht aber noch drastischer: 3,8 bis 4,0 (Harris & Smith, 1987); 3,0 (Englund, 1970); 3,1 (Zapata 1997) - Die Studie wurde finanziert von der Countryside Alliance (britischer Verband, der sich u.a. für die Wiedereinführung der klassischen Fuchsjagd mit Hundemeuten einsetzen) und vom Game Conservacy Trust (der Jägerschaft nahestehende Forschungseinrichtung) durchgeführt. **Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald (Hrsg.) (2009): Rotfuchs und Dachs – Raumnutzungsverhalten und Habitatwahl, Wissenschaftliche Schriftenreihe Heft 18** - „Der geringe Sommerbesatz im Nationalpark Bayerischer Wald kann auf die niedrigen beobachteten Geheckgrößen (1,7 Welpen pro Wurf) zurückgeführt werden. **Die Ursache liegt in der Sozialstruktur der hiesigen Fuchspopulation. Nach den vorliegenden Ergebnissen handelt es sich um eine stabile Population, die keinem menschlichen Jagddruck unterliegt** (…).“ - „STUBBE stellte Unterschiede in der Reproduktivität zwischen Waldgebieten mit niedriger Mortalität und Wald-Feld-Mischgebieten bzw. reinen Feldgebieten mit hoher Mortalität fest. Im Wald gab es signifikant weniger Welpen am Bau und einen höheren Anteil nicht reproduzierender Fähen. Zudem gelang der Nachweis von größeren und stabilen sozialen Strukturen in Waldgebieten. Nur wenig Fähen reproduzieren erfolgreich.“ - „**Grundsätzlich produzieren wenig bejagte Fuchspopulationen weniger Nachkommen und ihr Durchschnittsalter ist höher**. Die vorliegenden Ergebnisse bestätigen sowohl die geringen Populationszahlen in Waldgebieten als auch eine geringere Reproduktion. Die Bestandszahlen im angrenzenden Landkreis mit einem größeren Wiesenanteil waren wesentlich höher als im Nationalparkgebiet.“ **Goretzki J., Tottewitz F. Sparing H. (2003): Bemerkenswerte Ergebnisse der Wildmarkierung (Interesting results of gamemarking), BFH-Nachrichten** - Ergebnisse zur Altersstruktur von Fuchspopulationen in Arealen mit hoher vs. geringer Mortalität: „Bezüglich des Lebensalters von Füchsen in freier Wildbahn konnten auf Rügen ebenfalls interessante Ergebnisse erzielt werden. Fuchspopulationen unter Tollwuteinfluss und intensiver Bejagung bestehen in der Regel zu 2/3 aus Tieren im Alter von weniger als einem Jahr. Füchse im Alter von mehr als drei Jahren sind in diesen Populationen als Seltenheit zu betrachten. Deutlich anders dagegen sieht die Alterszusammensetzung tollwutfreier Fuchspopulationen mit geringerem Jagddruck aus. Für die Insel Rügen konnten durch Rückmeldungen Füchse bis zu einem Lebensalter von 12 Jahren zweifelsfrei nachgewiesen werden.“ **Meia J.S. (1994): Organisation sociale d’une population de renards (Vulpes vulpes) en milieu montagnard, Dissertation, Université de Neuchâtel** - Beobachtungen im Schweizer Jura: Füchse sind in hierarchische Gruppen organisiert (Alphapärchen + subordinate adulte Tiere, typischerweise Fähen). **Die Paarung ist hier nicht auf das dominante Paar beschränkt, aber trotzdem gibt es nur einen Wurf pro Fuchsfamilie.** - Grund dafür sind in-utero-Verluste bei den subdominanten Füchsinnen. Diese spielen offensichtlich bei der sozialen Bestandsregulierung von Fuchspopulationen eine wichtige Rolle. **Baker P.J., Funk S.M., Harris S., White P.C. (2000): Flexible spatial organization of urban foxes, Vulpes vulpes, before and during an outbreak of sarcoptic mange, Animal Behavior 59 (1).** - Studie zur sozialen und räumlichen Organisation einer Fuchspopulation vor und nach dem Ausbruch der Räude - Es zeigte sich dasselbe Phänomen wie durch Verluste infolge starker Bejagung: Die Größe von Fuchsgruppen sank, überlebende Tiere dehnten ihre Streifgebiete aus. ***Börner, K. (2014): Untersuchungen zur Raumnutzung des Rotfuchses, Vulpes vulpes (L., 1758), in verschieden anthropogen beeinflussten Lebensräumen Berlins und Brandenburgs. Dissertation, Berlin.** - Dissertation über Fuchspopulationen in Berlin und Brandenburg (Populationsdynamik, Nahrungsquellen, Krankheitsgeschehen) - In Berlin beteiligten sich 83,5% der erfassten Fähen an der Reproduktion. Diese Werte liegen unterhalb derer, die für verschiedene Offenlandschaften festgestellt wurden: Börner zitiert zum Vergleich Werte von Ansorge aus der Oberlausitz (97%) und Ulbrich aus dem Bezirk Dresden (96,1%). - **Der Grund für die niedrigere Reproduktionsbeteiligung liegt in Berlin nicht an Nahrungsknappheit (hier liegt vielmehr ein sehr reichliches Nahrungsangebot vor), sondern an sozialen Faktoren**. Füchse leben in Berlin oft in Sozialverbänden mit Helferfähen, die nicht selber reproduzieren. Die Größe der erfassten Familienverbände wies jedoch maximal eine Größe von vier adulten Tieren auf. - In England (Börner zitiert Harris sowie Voigt & Macdonald) wurden bei hohen Populationsdichten im urbanen Raum sogar Anteile reproduzierender Fähen von lediglich 40-50% erfasst. - „**Es greifen populationsinterne Regulationsmechanismen, die die Ranz rangniederer Fähen unterdrücken oder zum späteren Abort von Föten führen** (POHLMEYER 2007). Interne populationsregulatorische Mechanismen scheinen demnach bei höheren Populationsdichten, wie sie für urbane Lebensräume typisch sind, aufzutreten.“ In dieser Studie wurden tatsächlich relativ hohe pränatale Verluste festgestellt (15,8% präimplantativ, 20,8% postimplantativ; gegenüber Werten von 9 bis 13,2% bzw. 3,5% bis 15% aus anderen Studien). - Die Lebenserwartung von Berliner Stadtfüchsen im Rahmen der Untersuchungen belief sich auf 20 Monate (Rüden) bzw. 21 Monate (Fähen). In suburbanen Gebieten wurden schon durschnittliche Lebenserwartungen von 5 Jahren festgestellt (Börner zitiert hier Doncaster & Macdonald); im Stadtzentrum (mit hohem Verkehrsaufkommen und anderen Gefahren) werden die Tiere jedoch im Schnitt nur etwa 12 Monate alt. - Hinweis: Tabelle 4 listet Populationsdichten von Füchsen in Europa aus unterschiedlichen Studien auf. **Pagh, S., Chriél, M., Madsen, A. B., Jensen, T-L. W., Elmeros, M., Asferg, T., & Hansen, M. S. (2018): Increased reproductive output of Danish red fox females following an outbreak of canine distemper. Canid Biology & Conservation, 21(3), 12-20** - In Dänemark fiel 2012 ein erheblicher Teil der Fuchspopulation einer Staupeepidemie zum Opfer fiel. Es wurde untersucht, wie sich dieser Populationseinbruch auf die Fortpflanzungsbiologie der Füchse auswirkte. - Vor dem Staupeausbruch bekam nur ein kleiner Anteil der Jährlingsfähen Nachwuchs: Füchsinnen in ihrem ersten Lebensjahr machten gerade einmal sechs Prozent der reproduzierenden Weibchen aus. Nach der Epidemie lag ihr Anteil dagegen bei 61 Prozent. **Hatten die allermeisten jungen Fähen sich zuvor also nicht fortgepflanzt, beteiligten sie sich nun rege am Reproduktionsgeschehen**. - Doch damit nicht genug: **Während die mittlere Wurfgröße vor dem Einbruch der Population noch bei 5,6 Welpen gelegen hatte, schnellte sie danach auf sage und schreibe 8,2 in die Höhe. Die Vermehrungsrate der Füchse war also beträchtlich angestiegen.** - Die Studie zeigt, dass mit sinkender Populationsdichte sich mehr Fähen am Reproduktionsgeschehen beteiligen und zudem die Wurfgröße zunimmt. **Epidemien oder auch die Jagd auf Füchse führen also dazu, dass die Reproduktionsrate ansteigt und die Verluste so wieder ausgeglichen werden.** - **Die Autoren schließen, dass die Fuchsjagd in Dänemark keine langfristigen Auswirkungen auf die Fuchspopulation hat.** ***Jackowiak, M., Jasińska K.D., Gryz, J., Guzowska, E., Szyc, K., Krauze-Gryz, D. (2024): Is it beneficial to be a city dweller? Impacts of urban conditions on red fox reproduction. Journal of Zoology 325(2):155-165** - Vergleich einer Stadtfuchspopulation (Warschau) mit einer Fuchspopulation in einem Wald/Feld-Mosaik in Zentralpolen hinsichtlich verschiedener reproduktiver Parameter - In der Stadtfuchspopulation waren soziale Gruppen gängig (im Mittel 2,37 Individuen pro Gruppe); in der Landfuchspopulation wurden ausschließlich Paare adulter Füchse beobachtet. - Die Paarungszeit setzte bei Stadtfüchsen 2 Wochen früher ein; die Wurfgrößen waren mit 3,98 gegenüber 3,48 Welpen größer als bei den Landfüchsen. - Die Autoren führen die höhere Reproduktionsrate bei Stadtfüchsen auf bessere Nahrungsgrundlagen zurück ***Cavallini, P., Santini, S. (1996): Reproduction of the red fox Vulpes vulpes in Central Italy. Annales Zoologici Fennici 33(2):267-274** - Post-mortem-Analyse der Reproduktion (Ovulationsrate, Fruchtbarkeit, Anteil nicht reproduzierender Fähen, pränatale Mortalität) einer Fuchspopulation in der Provinz Pisa (Zentralitalien). - Der Anteil nicht reproduzierender Fähen lag bei 20%; in-utero Verluste waren häufig, insbesondere bei Jährlingsfähen (43,5% der Jährlingsfähen verloren mindestens einen Fötus, aber nur 16,7% der adulten Tiere). - Pro erlegter Fähe im Mittel 3,88 lebende Embryos - Die Menge an Körperfett korrelierte nicht mit der Reproduktionsleistung der Tiere. - **Insgesamt war die Reproduktionsleistung dieser Fuchspopulation vergleichsweise gering, trotz günstiger Lebensraumbedingungen.** - Folgerung der Autoren: Die **Reproduktionsleistung der Füchse wurde nicht durch die Nahrungsverfügbarkeit beeinflusst, sondern durch soziale Modulation**. ***Ruette, S., Albaret, M. (2011): Reproduction of the red fox Vulpes vulpes in western France: Does staining improve estimation of litter size from placental scar counts? European Journal of Wildlife Research 57(3):555-564** - Post-mortem-Analyse von 358 Fähen aus drei Studiengebieten in Frankreich über 3 Jahre - Im Mittel 4,66 Embryos pro Fähe, wobei die Zahl bei adulter Fähen (im Mittel 5,53) deutlich höher war als bei Jährlingsfähen (3,62) - 19,8% der Jährlingsfähen reproduzierten nicht (bei adulten Fähen waren es nur 11,8%) - Trotz relativ intensiver Bejagung war die Fuchspopulation in allen drei Gebieten konstant; **die Bejagungsintensität genügte also nicht dafür, die Fuchsdichte zu reduzieren, obwohl die Fuchspopulation hier im Vergleich nicht einmal besonders „produktiv“ war**. - Tabelle 3 fasst die **Ergebnisse verschiedener europäischer Studien zu Reproduktionsparametern** (Plazentanarben, Anzahl Embryonen, Anzahl Welpen pro Bau, Anteil nicht reproduzierender Fähen) zusammen ***Lindström, E.R. (1992): Diet and Demographics of the Red Fox (vulpes Vulpes) in Relation to Population Density — The Sarcoptic Mange Event in Scandinavia. In book: Wildlife 2001: Populations** - Studie aus Schweden. Mäusezyklen (3-4 Jahre) beeinflussen dort viele Aspekte füchsischen Verhaltens (Ernährung, Ovulationsrate, durchschnittliche Wurfgröße, Anteil an Jährlingen). Als ein Ausbruch von Räude die Fuchspopulation stark dezimierte, war das eine Gelegenheit, die Auswirkung der Populationsdichte auf diese Zusammenhänge zu untersuchen. - **Sowohl die Ovulationsrate als auch der Anteil an subadulten Tieren an der Gesamtpopulation waren negativ mit der Populationsdichte korreliert**: Ein deutlicher Hinweis auf höhere Reproduktionsraten bei niedrigerer Populationsdichte. ***Lindström, E.R. (2006): Food limitation and social regulation in red fox population. Ecography 12(1):70 – 79** - Evaluation eines Modells, das die Reaktion von Fuchspopulationen auf fluktuierende Mäusedichten voraussagt. Die folgenden Kernaussagen des Modells wurden empirisch bestätigt: Wenn Mäusedichten gering sind, ist Nahrungsverfügbarkeit der primär limitierende Faktor für die Fuchsdichte - **Bei hoher Mäusedichte wird die Fuchspopulation durch dichteabhängige Faktoren begrenzt (insbesondere Familiengruppen mit nicht reproduzierenden Fähen)** --- title: Schonzeit für Füchse? date: 2023-01-26 url: https://fuechse.info/flyer-und-artikel-ueber-fuechse-und-jagd-fuchsjagd/schonzeit-fuer-fuechse-fuchsrueden-welpenaufzucht/ --- # Schonzeit für Füchse? Über Fuchsrüden, ihre Rolle bei der Welpenaufzucht und §22 Absatz 4 des Bundesjagdgesetzes *Dag Frommhold, 2010* *Füchse haben in den meisten Bundesländern keine Schonzeit und dürfen das ganze Jahr über geschossen oder in Fallen gefangen werden. Lediglich Elterntiere genießen den Schutz von §22 Absatz 4 des Bundesjagdgesetzes, der sie so lange vor Nachstellungen bewahren soll, wie sie für die Aufzucht des Nachwuchses notwendig sind. Dadurch soll verhindert werden, dass Jungtiere, die allein auf sich gestellt noch nicht überlebensfähig wären, durch Unterkühlung, Verhungern oder Verdursten zu Tode kommen.* ***Keine Schonung für Fuchsväter?*** Nach gängiger Auslegung gelten dabei lediglich die Mütter noch unselbstständiger Jungfüchse als „notwendig“ für die Welpenaufzucht, nicht jedoch die Fuchsrüden. Ein Jäger, der zwischen März und Juli einen Fuchs töten will, muss also zumindest das Geschlecht des betreffenden Tiers vor dem Schuss identifizieren. Da dies in der Praxis nur sehr selten zuverlässig möglich ist, dürfte die Anzahl „versehentlich“ erschossener säugender Füchsinnen beträchtlich sein – bei weitem nicht alle Jäger lassen den Finger gerade, wenn sie in der Zeit der Jungenaufzucht einem Fuchs begegnen. Außerdem ist es durchaus üblich, erst die Fuchswelpen am Bau zu töten, um dann ihre Mutter zu erschießen – mit dem Argument, dass die Füchsin nun ja nicht mehr für die Aufzucht notwendig sei. Dieser Versuch, die Regelungen des §22 Absatz 4 zu umgehen, ist jedoch keineswegs gesetzeskonform, wie Lorz, Metzger und Stöckel in ihrem Kommentar zum Bundesjagdgesetz erläutern1. Ein Jäger, der dies tut, macht sich also strafbar und sollte umgehend angezeigt werden. All diesen Regelungen liegt die Annahme zugrunde, Fuchsväter würden keinen signifikanten Beitrag zur Aufzucht der Jungfüchse leisten. Tatsächlich vertreten die Autoren verbreiteter Jagdlehrbücher die Ansicht, dass die Rüden sich nach der Paarung rasch wieder zurückziehen und kein weiteres Interesse an Ihrem Nachwuchs zeigen2. In der Jägerschaft scheint diese These auch heute noch zu dominieren, sofern man verschiedene öffentliche Diskussionen im Internet als Gradmesser dafür heranzieht3. Wer daran Zweifel äußert – wie etwa Klaus Maylein, Vorsitzender der „alternativen“ Jäger vom ÖJV Baden-Württemberg – muss damit rechnen, von seinen Weidgenossen heftig angegriffen und bisweilen auch beleidigt zu werden4. ***Die Mär vom „Rabenvater Fuchs“*** *Fuchsrüden beteiligen sich an der Welpenaufzucht * *(Bild: Thorsten Emberger)* Interessant ist die Vehemenz, mit der die Beteiligung des Rüden an der Welpenaufzucht bestritten wird. Wirft man nämlich einen Blick in die wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Literatur, die in den letzten 25 Jahren zum Sozialverhalten des Fuchses publiziert wurde, so kommt man zu einem gänzlich anderen Ergebnis. Biologen, die sich mit dem Fuchs beschäftigen, konstatieren mit beeindruckender Einhelligkeit, dass Fuchsrüden sich aktiv an der Aufzucht ihres Nachwuchses beteiligen. Die Hauptaufgabe der Rüden ist dabei die Versorgung der durch Schwangerschaft und Geburt geschwächten Fähe sowie ihrer Welpen mit Nahrung (siehe z.B.5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14). Zusätzlich hält er Wache und beschützt seine Familie vor Konkurrenten und Feinden15, 16. Bisweilen wird auch berichtet, dass Rüden mit ihren Welpen spielen17. Wo beide Elternteile noch am Leben sind, trägt der Fuchsrüde den Welpen im übrigen sogar mehr Nahrung zu als die Fähe, die ihrerseits dagegen viel Zeit in Baunähe verbringt und die Jungfüchse säugt, Fellpflege betreibt, oder mit ihnen spielt18. Alles in allem dürfte es in der wissenschaftlichen Literatur zu wenigen Aspekten des überaus komplexen und flexiblen füchsischen Sozialverhaltens einen so klaren Konsens geben wie zu der Frage, ob Fuchsrüden sich an der Jungenaufzucht beteiligen. Natürlich ergibt sich aus der dargelegten Rolle des Fuchsvaters bei der Welpenaufzucht nicht zwingend, dass sein Einsatz für die Jungfüchse überlebenswichtig wäre. Allerdings beschrieb der angesehene Biologe und Fuchsexperte J. D. Henry schon 1986, dass bei Überleben beider Elternteile die Füchsin die ersten 10 bis 14 Tage nach der Geburt der Welpen im Bau bleibt und sich vom Rüden mit Nahrung versorgen lässt19. In einer späteren Publikation führt Henry aus, dass die Fähen in einigen der von ihm untersuchten Gebiete in dieser Zeit vollständig vom Jagderfolg des Rüden abhängig sind20. Auch die Schweizer Biologen Gloor, Bontadina und Hegglin bestätigen anhand ihrer Untersuchungen im Großraum Zürich, dass die Füchsin nach der Geburt der Welpen vom Rüden versorgt wird und in dieser Zeit den Bau kaum verlässt21. Sie darf die neugeborenen Jungfüchse nicht für längere Zeit allein lassen, weil diese ihre Körpertemperatur noch nicht selbstständig aufrechterhalten können22. Das Fehlen des Fuchsrüden als „Versorger“ in dieser Phase hat also zwangsläufig gravierende Auswirkungen auf die Nahrungsversorgung der Fähe in der Zeit nach der Geburt und damit auch auf die Versorgung der Fuchswelpen mit überlebenswichtigen Nährstoffen. Folgerichtig stellte die kanadische Biologin Valeria Vergara in einer Studie zur Vaterrolle des Fuchsrüden fest, dass der Reproduktionserfolg deutlich höher ist, wenn beide Elternteile den Nachwuchs gemeinsam aufziehen, als wenn die Fähe dabei auf sich allein gestellt ist23. Der deutsche Biologe Felix Labhardt führt in seiner 1990 veröffentlichten Fuchsmonographie „Der Rotfuchs“ aus, dass „die Betreuung durch beide Elternteile die Überlebenschance der Welpen erhöht“24. Seine Kollegin Zabel beobachtete in den 1980er Jahren im Rahmen von Forschungsarbeiten zum Fortpflanzungsverhalten des Rotfuchses elf Fuchsfamilien. Nur eine der betreffenden Füchsinnen musste ihren Nachwuchs ohne Hilfe eines Rüden großziehen, und sie war die einzige, von deren Welpen kein einziger das erste Lebensjahr überstand. Neben der schlechteren Nahrungsversorgung waren vor allem Störungen durch rivalisierende Füchse dafür verantwortlich25 – ein eindeutiges Indiz dafür, dass auch das Wach- und Verteidigungsverhalten der Fuchsväter für das Überleben der Jungtiere von erheblicher Bedeutung ist. ***Fuchsjagd von Januar bis August – ein Verstoß gegen das Bundesjagdgesetz?*** *Die Tötung ihrer Väter reduziert die Überlebenschancen unselbständiger Welpen (Bild: Detlef Hinrichs)* Diese Forschungsergebnisse legen nahe, dass Jahr für Jahr ein erheblicher Teil der Fuchswelpen zu Tode kommt, weil ihr Vater von einem Jäger getötet wurde. Damit verstieße auch die Tötung der Fuchsrüden zur Zeit der Jungenaufzucht gegen §22 Absatz 4 des Bundesjagdgesetzes, weil sie für das Überleben der Jungfüchse notwendig sind. Hält man in Jagdkreisen vielleicht deswegen so krampfhaft an der Hypothese vom „Rabenvater Fuchs“ fest, weil man fürchtet, ansonsten eine jagdliche Büchse der Pandora zu öffnen? Tatsächlich hätte die Anerkennung der Vaterrolle von Fuchsrüden weitreichendere Konsequenzen, als auf den ersten Blick offenkundig ist. Die Zeit der intensivsten Fuchsbejagung fällt nämlich in die Monate Dezember bis Februar. Hauptgrund dafür dürfte heutzutage keinesfalls mehr der „reife Winterbalg“ der Füchse sein (die meisten getöteten Füchse werden mit Haut und Haar kurzerhand in Tierkörperbeseitigungsanlagen entsorgt), sondern die Tatsache, dass die Paarungszeit auf genau diese Monate fällt. In der so genannten „Ranz“ sind die sonst überaus vorsichtigen Füchse oft auch tagsüber unterwegs; durch weit hörbares, heiseres Bellen halten sie miteinander Kontakt, und ihre scharfen Sinne beschäftigen sich mehr mit dem anderen Geschlecht als mit dem lauernden Jäger. Hinzu kommt, dass der Schnee in diesen Monaten die Füchse und ihre Spuren besser sichtbar macht. Den Höhepunkt erreicht die Fuchsjagd in den Monaten Januar und Februar mit den vielerorts stattfindenden revierübergreifenden „Fuchswochen“, bei denen unter Zuhilfenahme vieler revierloser Jäger innerhalb weniger Tage Dutzende, in einigen Fällen sogar über hundert Füchse getötet werden. Zwischen Rüden und Fähen wird beim Abschuss kein Unterschied gemacht. Allerdings ist davon auszugehen, dass gerade zur Zeit dieser „Fuchswochen“ ein Großteil der Fähen bereits schwanger ist. Die überlebenden Füchsinnen bringen nach einer Tragzeit von 50 bis 54 Tagen ihre Welpen zur Welt. Da durch den hohen Jagddruck im Januar und Februar jedoch viele der zu diesen Fuchsfamilien gehörenden Rüden zu Tode gekommen sind, stehen diese nicht mehr für die Jungenaufzucht zur Verfügung. Es genügt also keinesfalls, Fuchsrüden – gemeinsam mit den Füchsinnen – mit der Geburt der Welpen von der Bejagung auszunehmen; vielmehr müsste dieses Bejagungsverbot konsequenterweise bereits in der Paarungszeit beginnen. *Bei sogenannten „Fuchswochen“ töten Jäger so viele Füchse wie * *nur möglich (Bild: Sandro & Bianka Pelli) –* **Vorschaubild** Eine Unterscheidung von Füchsen hinsichtlich ihres Geschlechts ist auf die Distanz äußerst schwierig, sofern man die Tiere nicht gerade bei der Reviermarkierung oder ähnlichen „verräterischen“ Tätigkeiten beobachten kann26. Das gilt erst recht, wenn – wie bei der Baujagd oder bei Treibjagden üblich – auf fliehende Tiere geschossen wird. Konsequenterweise müsste ein Bejagungsverbot also sowohl Rüden als auch Fähen einschließen und bereits im Januar einsetzen, um die Tötung für die Welpenaufzucht notwendiger Elterntiere auszuschließen. ***Aktuelle Schonzeitregelungen: Jägerwillkür*** Bislang haben immerhin zwei Bundesländer – Berlin und vor kurzem auch das Saarland – erkannt, dass eine umfassende Schonzeit für Füchse längst überfällig ist. In Berlin ruht die Jagd auf erwachsene Füchse von Februar bis Oktober, während Jungfüchsen von Februar bis April nicht nachgestellt werden darf; im Saarland wurde eine sechsmonatige Schonzeit mit Beginn im Februar eingeführt. Die Regelungen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen (dreimonatige Schonzeit für Altfüchse ab März) sowie Schleswig-Holstein (viermonatige Schonzeit für Altfüchse ab April) greifen indes viel zu kurz, weil sie zum einen die Tötung der Fuchsrüden in der Paarungszeit nicht verhindern, und zum anderen die Welpen am Ende der Schonzeit im Juni noch keineswegs selbständig sind. Eine Geburt Mitte April vorausgesetzt, wären die Jungfüchse zum Ende der Schonzeit gerade einmal zwei Monate alt. Bedenkt man, dass die Fähe sie mindestens acht Wochen lang säugt und die Welpen erst mit drei bis vier Monaten beginnen, selber kleine Tiere wie etwa Insekten zu erbeuten, erscheint ein derart frühes Ende der Jagdruhe vollkommen unverständlich. Noch absurder stellt sich die Situation dort dar, wo keine explizite Schonzeit für Füchse festgelegt ist: In den Kommentaren zum Bundesjagdgesetz wird als „Brut- und Setzzeit“, während derer die für die Welpenaufzucht erforderlichen Elterntiere geschützt sind, der Zeitraum vom 01.03. bis zum 15.07. genannt. Schonzeitenverzeichnisse für Baden-Württemberg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern betrachten jedoch lediglich die Frist vom 01.05. bis zum 15.06. als Brut- und Setzzeit27. Die erste Zeit nach der Geburt der Welpen sowie mehrere Wochen vor dem eigentlichen Selbständigwerden der Jungfüchse wäre demnach auch die Tötung der Fuchsmutter zulässig – mit der Konsequenz, dass tausendfach hilflose Fuchswelpen qualvoll zu Tode kommen. Zu erklären sind die aktuell gültigen Jagdzeitenregelungen nur mit der massiven politischen Einflussnahme der Jagdfunktionäre, die vehement an ihren überholten Stammtischthesen festhalten. Offensichtlich will man dem Fuchs, einem vielen Jägern verhassten Beutekonkurrenten, nicht einmal Gelegenheit bieten, seinen Nachwuchs ungestört großzuziehen. Folgt man dagegen dem Anspruch von §22 Absatz 4 des Bundesjagdgesetzes, so wäre eine Schonzeit für Füchse, die zumindest von Anfang Januar bis Ende August reicht, obligatorisch. Es wird höchste Zeit, dass unsere Bundesländer ihre Jagdzeitenverordnungen an biologische Realitäten anpassen. Die zuständigen Politiker müssen sich dabei durchaus die Frage gefallen lassen, warum sie noch immer das in Jagdmagazinen kolportierte Halb- und Unwissen über vielfach belegte wissenschaftliche Erkenntnisse stellen. Die Mär vom Fuchsrüden als „Rabenvater“ ist jedenfalls seit geraumer Zeit als antiquiertes Jägerlatein entlarvt. ***Literatur:** 1. A. Lorz, E. Metzger, H. Stöckel (1998): Beck’sche Kurzkommentare, Bd. 38. Jagdrecht, Fischereirecht: Bundesjagdgesetz mit Verordnungen und Länderrecht, Binnenfischereirecht, Fischereischeinrecht, Seefischereirecht. C.H. Beck. * *2. H. Schulze (1977): Jäger, Jagd und Wild. Landbuch-Verlag * *3. Wild und Hund-Forum* *4. Wild und Hund-Forum* *5. J.R.Malcolm (1985): Paternal Care in Canids. American Zoologist, 25(3): 853-856 * *6. A.B. Sargeant, L.E. Eberhardt (1975): Death feigning by ducks in response to predation by red foxes (Vulpes fulva). American Midland Naturalist 94, 108-119* *7. D. Macdonald (1980): Social factors affecting reproduction by the red fox, Vulpes vulpes. In: E. Zimen, ed. The Red Fox, Symposium on Behavior and Ecology. Biogeographica 18, W. Junk, The Hague, The Netherlands* *8. C.J. Zabel, S.J. Taggart (1989): Shift in red fox, Vulpes vulpes, mating system associated with El Niño in the Bering Sea, Animal Behavior 38, 830-838* *9. J.D. Henry (1986): Red Fox: The Catlike Canine. Smithsonian Institute Press* *10. C.S. Asa (1997): Hormonal and Experiential Factors in the Expression of Social and Parental Behavior in Canids. In: N.G. Solomon & J.A. French, Cooperative Breeding in Mammals. Cambridge University Press* *11. F. Labhardt (1990): Der Rotfuchs, Paul Parey* *12. D.G.Kleiman, J.R.Malcolm (1981): The Evolution of Male Parental Investment in Mammals. In: D.J. Gubernick, P.H. Klopfer, Parental Care in Mammals. Plenum Publishing* *13. C.S. Asa, C. Valdespino (1998): Canid Reproductive Biology: an Integration of Proximate Mechanisms and Ultimate Causes. American Zoologist, 38: 251-259* *14. D. Macdonald (1991): Running with the Fox. Facts on File* *15. J.D. Henry (1996): Foxes – Living on the Edge. NorthWord* *16. V. Vergara (2001): Comparison of parental roles in male and female Red Foxes, Vulpes vulpes, in southern Ontario. CANADIAN FIELD-NATURALIST 115(1):22-33* *17. siehe 16* *18. siehe 5* *19. siehe 9* *20. siehe 15* *21. S. Gloor, F. Bontadina, D. Hegglin (2006): Stadtfüchse. Ein Wildtier erobert den Siedlungsraum. Haupt* *22. S. Harris (1986), Urban Foxes. Whittet Books* *23. siehe 16* *24. siehe 11* *25. C.J.Zabel (1986): Reproductive Behavior of the Red Fox (Vulpes vulpes): A Longitudinal Study of an Island Population* *26. siehe 14 * *27. Schonzeiten.de* --- title: Stadtfüchse - gefährliche Eindringlinge oder harmlose Nachbarn? date: 2023-01-26 url: https://fuechse.info/flyer-und-artikel-ueber-fuechse-und-jagd-fuchsjagd/stadtfuechse-nachbarn-tipps-zum-umgang/ --- # Stadtfüchse - gefährliche Eindringlinge oder harmlose Nachbarn? *Dag Frommhold, 2012* Füchse sind heute weitaus häufiger in Siedlungsgebieten anzutreffen als noch vor fünfzig oder gar hundert Jahren. Im Gegensatz zu manch anderer Tierart, die von Lebensraumzerstörung und zunehmender Urbanisierung an den Rand der Ausrottung gedrängt wurde, findet der anpassungsfähige Fuchs insbesondere in den grünen Vororten der Städte hervorragende Lebensbedingungen vor. Gärten und Parks sind reich an Deckung und leicht erreichbarer Nahrung; überall stößt man auf weggeworfene Essensreste, und Mäusen, Ratten und Tauben sind weitaus zahlreicher als in freier Natur. Hinzu kommt, dass die sprichwörtlich schlauen Füchse gerade die unmittelbare Umgebung ihres ärgsten Feindes als sicheren Lebensraum identifiziert haben: Während ihre Artgenossen in Wald und Feld stets unnachgiebigen Nachstellungen durch Jäger ausgesetzt sind, darf in Siedlungsgebieten nicht geschossen werden. Inzwischen sind Füchse daher selbst in den Zentren von Großstädten wie Berlin, München oder Stuttgart anzutreffen. ***Von Menschen und Füchsen*** *Statt in Wald und Feld… (Bild: Detlef Hinrichs)* Viele Menschen erfreuen sich dabei am Dasein des Fuchses und heißen ihn als Stück ursprünglicher Wildnis im Asphaltdschungel unserer Städte willkommen. Sie freuen sich darüber, wenn eine Füchsin in der Nachbarschaft ihren Nachwuchs großzieht oder sich ein Fuchs im Garten sonnt, halten aber ansonsten Distanz. Andere Menschen füttern Füchse sogar, um sie leichter beobachten zu können, oder weil sie glauben, dass Wildtiere in der Stadt Hilfe bräuchten. Eine dritte Gruppe schließlich begegnet Stadtfüchsen mit großer Skepsis oder gar Angst. Fuchsbandwurm und Tollwut kommen vielen in den Sinn, wenn sie an den Fuchs denken; Haustierhalter befürchten Angriffe auf Katzen oder Kaninchen, und Familienväter sorgen sich um die Gesundheit ihrer im Garten spielenden Kinder. Allen Vorbehalten zum Trotz scheint dabei insgesamt eine eher positive Haltung zum Fuchs in Siedlungsgebieten vorzuherrschen. In einer großangelegten Studie in Großbritannien gaben 65,7% der Befragten an, Stadtfüchse zu mögen, während weitere 25,8% sie neutral beurteilten. Auch bei Umfragen in einem Münchner Vorort überwogen positive Einstellungen zu Füchsen, und 91% stimmten der Aussage zu, Stadtfüchse hätten ein Recht auf Leben. Dies deutet zumindest darauf hin, dass das Zusammenleben von Mensch und Fuchs in Städten und Vororten im Großen und Ganzen gut verläuft und Störungen der nachbarschaftlichen Beziehungen eher die Ausnahme als die Regel sind. Wo es dann aber doch zu wahrgenommenen oder realen Problemen kommt, sind viele Zeitgenossen rasch mit drastischen Lösungen bei der Hand, deren Kern in aller Regel die Beseitigung des vierbeinigen Übeltäters darstellt. Umso wichtiger ist es, mit kühlem Kopf an solche nachbarschaftlichen Konflikte heranzugehen, Maß zu halten, und sach-, aber auch tierschutzgerechte Lösungen für eventuelle Probleme zu finden. ***Wer hat Angst vorm bösen Fuchs?*** *…spielen Fuchswelpen immer häufiger in den Parks * *und Gärten unserer Städte. (Bild: Bruce Macadam)* Regelmäßig wird in den Medien – insbesondere lokalen Tageszeitungen – darauf hingewiesen, dass Füchse Überträger gefährlicher Krankheiten wie Tollwut oder Fuchsbandwurm seien. Interessant ist dabei, dass sich nahezu ausschließlich Vertreter der Jägerschaft mit derartigen Aussagen hervortun. Zumeist fügt man im nächsten Atemzug an, dass man aufgrunddessen den Fuchs „scharf bejagen“ müsse, um der Ausbreitung derartiger Krankheiten Einhalt zu gebieten. Bei so manchem Stadtbewohner, der einen Fuchs in seinem Garten sieht, löst die Lektüre solcher Informationen natürlich Angst aus: Was, wenn ich bei der Gartenarbeit mit Fuchskot in Kontakt komme und mich dabei mit der Echinokokkose infiziere? Was, wenn der Fuchs tollwütig ist, auf einmal aggressiv wird und meine im Garten spielenden Kinder beißt? Berücksichtigt man dagegen die nüchternen Fakten und wirft einen Blick auf die statistische Häufigkeit von Tollwut- oder Fuchsbandwurmerkrankungen beim Menschen, stellt sich die Situation weit weniger dramatisch dar, als die Warnungen der Jägerschaft vermuten lassen. Der Fuchsbandwurm ist eine meldepflichtige Krankheit, mit der sich bundesweit im Durchschnitt etwa 20 Menschen pro Jahr infizieren. Im direkten Vergleich ist es deutlich wahrscheinlicher, vom Blitz getroffen zu werden oder bei einem Jagdunfall zu Schaden zu kommen. Grund für die geringe Zahl an Echinokokkose-Erkrankungen ist dabei unter anderem die Tatsache, dass nur eine Dauerexposition auch zur Infektion führt – eine einmalige Aufnahme von Fuchsbandwurmeiern reicht dafür noch nicht aus. Inzwischen bezweifeln Experten sogar, dass man sich über den Verzehr von kontaminierter Nahrung überhaupt mit dem Fuchsbandwurm infizieren kann. Wer trotzdem auf Nummer sicher gehen will, kann durch gründliches Waschen, besser noch das Abkochen der im Garten geernteten Früchte zuverlässig jedes Bandwurmei eliminieren. Entwarnung kann übrigens auch im Hinblick auf die Tollwut gegeben werden. Tollwütige Füchse sind bei uns schon seit Jahren nicht mehr anzutreffen. Infolge der Immunisierung mitteleuropäischer Fuchspopulationen durch den Einsatz von Impfködern gelten Deutschland und Österreich seit 2008, die Schweiz bereits seit 1999 als frei von terrestrischer Tollwut. Die Gefahr, die Menschen durch Parasiten und Krankheiten des Fuchses droht, wird also ganz offensichtlich weit übertrieben. Dass viele Jäger die Angst vor dem Fuchs schüren, ist dabei wohl weniger der Sorge um die Volksgesundheit geschuldet, sondern dient viel eher dazu, in der Bevölkerung Rückhalt für die Jagd auf Füchse zu gewinnen. Immerhin fragen immer mehr Menschen, welche Rechtfertigung es dafür gibt, dass in Deutschland Jahr für Jahr mehr als eine halbe Million Füchse erschossen oder in Fallen gefangen werden. ***Zutrauliche Füchse: Neugier oder Aggression?*** *Selbst der Autoverkehr in der Stadt ist eine kalkulierbarere Gefahr als der Jagddruck in freier Natur (Bild: Thorsten Emberger)* Stadtfüchse sind in aller Regel weitaus weniger scheu als ihre Artgenossen in Wald und Flur. Vor allem unerfahrene Jungfüchse lassen es bisweilen zu, dass man sich ihnen auf wenige Meter nähert, bevor sie Reißaus nehmen. Manche Stadtfüchse suchen sogar gezielt die Nähe des Menschen – ein Jogger aus Berlin berichtete mir beispielsweise, dass er auf seinen Runden jedes Mal an derselben Stelle von einem Fuchs abgepasst wurde, dieser ihnen ein Stück weit begleitete, bevor das Tier schließlich in stets demselben Gebüsch verschwand. Andernorts lassen sich Füchse beim Spiel im Garten beobachten, stehlen Schuhe, Bälle und andere Gegenstände aus Gummi und Leder und bringen diese dem Nachwuchs zum Spiel mit. In London wurden Füchse sogar schon auf der Rolltreppe einer U-Bahn-Station beobachtet. Füchse sind ebenso neugierige wie anpassungsfähige Tiere, die ihren Ruf als Schlauberger nicht zu Unrecht tragen. Während der hohe Jagddruck in freier Natur extrem scheue Füchse hervorbringt, bemerken Stadtfüchse rasch, dass die Menschen ihnen in aller Regel nichts Böses wollen. Wenn ein Stadtfuchs also nicht sofort Reißaus nimmt, sobald er einen Menschen erblickt, ist das keineswegs ein Indiz für Krankheit oder Aggressivität, sondern vielmehr Ausdruck füchsischer Anpassungsfähigkeit. So lange man das betreffende Tier nicht in die Enge treibt, muss man keine Angst haben, gebissen zu werden – es ist kein belegter Fall bekannt, in dem ein Fuchs einen Menschen von sich aus angegriffen hätte. ***Füchse und Haustiere*** Für den Menschen stellen Stadtfüchse also offensichtlich keine Gefahr dar. Zu den häufigsten Anfragen, die mich erreichen, gehören jedoch Emails besorgter Haustierhalter, die um die Sicherheit ihrer vierbeinigen Lieblinge bangen. Insbesondere unter Katzen- und Kaninchenhaltern herrscht Unsicherheit, wie mit dem Fuchs umzugehen ist. Katzen oder selbst kleine Hunde sind dabei so wehrhaft, dass ein Fuchs das Risiko einer Auseinandersetzung mit ihnen nur im äußersten Notfall eingehen würde. Zudem sind Füchse weitaus leichter und zierlicher, als ihr vor allem im Winter sehr üppiger Pelz vermuten lässt: Mit typischerweise sechs bis acht Kilogramm ist selbst ein voll ausgewachsener Fuchsrüde kaum schwerer als eine große Hauskatze. Zudem verfügen Katzen über scharfe Krallen, die sie zu formidablen Kämpfern machen. Es ist also kaum verwunderlich, dass Füchse Katzen in aller Regel aus dem Weg gehen und, wie viele Clips auf Internet-Videoplattformen belegen, im Zweifelsfall die Flucht vor unseren Haustigern ergreifen. Ganz anders sieht es natürlich bei kleineren Haus- und Nutztieren aus. Vor allem, wenn Füchse in kalten Wintern oder während der kräftezehrenden Jungenaufzucht vom Hunger geplagt werden, schlagen sie mitunter alle Vorsicht in den Wind und machen auch vor Hühnern und Kaninchen keinen Halt. Die Anziehungskraft eines Kaninchen- oder Hühnergeheges für einen Fuchs ist so groß, dass nur drei Dinge ihn von einem Einbruch abhalten können: Menschliche Gegenwart, ein Wachhund, oder ein fuchssicheres Gehege. Ein Gehege kann dann als fuchssicher gelten, wenn die Umzäunung zumindest dreißig Zentimeter in den Boden eingelassen und mindestens 180cm hoch ist. Das soll Füchse davon abhalten, sich unter dem Zaun hindurchzugraben oder hinüberzuspringen. Alle Öffnungen mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern oder mehr müssen verschlossen werden, da Füchse sich auch durch extrem kleine Löcher zwängen können. Zu guter Letzt sollte man darauf aufpassen, dass man nicht ungewollt durch Kisten, Erdhaufen oder durch die natürliche Steigung des Geländes „Treppen“ baut, die einem Fuchs den Einstieg in das Gehege ermöglichen. ***Den Jäger rufen?*** So mancher Kaninchen- oder Hühnerhalter mit „Fuchsproblem“ wird zumindest erwogen haben, den Jäger zu rufen. Da dieser im Siedlungsraum meist keine Waffe zum Einsatz bringen darf, werden häufig Fallen für den vierbeinigen Delinquenten aufgestellt. Ist der Fuchs gefangen, bringt der Jäger ihn kurzerhand in den Wald und erschießt ihn dort mit einer Kleinkaliberpistole. Abgesehen von den ethischen Bedenken, die diese Vorgehensweise mit sich bringt, wird die Tötung des Fuchses das eigentliche Problem in aller Regel nicht dauerhaft lösen. Füchse sind territorial und halten eindringende Artgenossen aus ihrem Revier fern. Wird nun ein Revier frei, so hat dies eine regelrechte Sogwirkung auf revierlose Füchse, und der soeben getötete Revierinhaber wird sofort durch einen Nachfolger ersetzt. Unter den Bedingungen, die im dicht besiedelten städtischen Umfeld herrschen, dürfte es vollkommen unmöglich sein, ein Gebiet über längere Zeit „fuchsfrei“ zu halten. Hinzu kommt, dass Füchse insbesondere dann an Hühner- oder Kaninchenställen zu finden sind, wenn sie Junge zu ernähren haben. Die Tötung von Elterntieren, die für die Aufzucht unselbständiger Jungtiere erforderlich sind, ist jedoch schon von Gesetzes wegen verboten, um die Welpen vor qualvollem Verhungern oder Verdursten zu bewahren. ***Füchse im Garten*** *Gartenstühle sind hervorragende Aussichtsplattformen * *(Bild: Thorsten Emberger)* Auch wenn man keinen ausgesprochenen „Fuchsmagneten“ im Garten hat, kann es vorkommen, dass man regelmäßig von Meister Reineke besucht wird. Während viele Menschen sich am Anblick ihrer füchsischen Nachbarn erfreuen, empfinden andere die Lebensäußerungen von Vulpes vulpes als Störung – sei es, weil der Fuchs Beutereste im Blumenbeet vergräbt, oder weil er seine Welpen in einem frisch angelegten Bau unter dem nunmehr bröckelnden Fundament des Gartenhäuschens aufzieht. Wenn man einen Fuchs dazu bringen möchte, seinen Garten zu verlassen, sollte man einige grundlegende Dinge beachten. Zunächst einmal sollten alle Nahrungsquellen wie etwa Hunde- und Katzenfutter, Vogelfutter, auf den Komposthaufen geworfene Essensreste oder unverschlossene Mülleimer entfernt werden. Gartengrille sollten gut gereinigt werden. Auch potentielle Spielzeuge wie Gummistiefel, Lederschuhe, Bälle oder andere Gegenstände aus Leder oder Gummi ziehen Füchse magisch an. Viele Füchse meiden nachts gut ausgeleuchtete Bereiche, daher sind Außenlampen mit Bewegungssensoren eine gute Wahl. Außerdem fliehen Füchse vor intensiver menschlicher Aktivität – am einfachsten ist es, sie lautstark davonzujagen. Dabei sollte man aber Acht geben, dass der vertriebene Fuchs nicht direkt auf eine vielbefahrene Straße rennt. Ihren Bau verlassen Füchse normalerweise, wenn sie in unmittelbarer Umgebung störende menschliche Aktivität wahrnehmen. Ein lautes Radio, eingestellt auf einen Sender, auf dem nur wenig Musik gespielt wird, kann selbst hartgesottene Stadtfüchse vertreiben. Noch wirksamer sind für den Fuchs unangenehme Gerüche wie etwa Wildvergrämungsmittel, die im Jagdbedarf angeboten werden. Auf keinen Fall darf man einen Bau einfach zuschütten oder verschließen, so lange er möglicherweise noch bewohnt wird. Wer sich nicht zutraut, dies anhand von Spuren oder Gerüchen zu erkennen, kann ein oder zwei dünne Zweige vor dem Baueingang so positionieren, dass der Fuchs sie beim Betreten oder Verlassen der Höhle entfernen oder zerbrechen muss. Erst wenn die Zweige mehrere Tage in Folge unbeschädigt an Ort und Stelle geblieben sind, kann man davon ausgehen, dass der Bau tatsächlich unbewohnt ist. Bei alledem sollte man berücksichtigen, dass die vierbeinigen Untermieter in aller Regel wieder verschwinden, wenn die Jungfüchse den Familienverband im Spätsommer verlassen, um sich ein eigenes Revier zu suchen. Ein wenig Geduld löst das Problem daher meist ebenso gut wie aufwändige Vergrämungsmaßnahmen. Zudem sollte man den Füchsen zuliebe während der Jungenaufzucht davon absehen, die Tiere aus ihrem Bau zu vertreiben. Sofern die Fuchsfamilie nicht bereits über ein Ausweichquartier verfügt, kann dies im schlimmsten Fall insbesondere sehr junge Fuchswelpen das Leben kosten. ***Die andere Seite…*** Während manche sich von Füchsen gestört fühlen, sind sie anderen Menschen umso willkommener. So mancher Gartenbesitzer freut sich nicht nur über ihre Anwesenheit, sondern legt sogar gezielt Katzen- oder Hundefutter für sie aus, um sie besser beobachten zu können. Allerdings vergisst man leicht, dass sich Füchse daran gewöhnen, vom Menschen Nahrung anzunehmen, und man sie im schlimmsten Fall sogar von sich abhängig macht. Darüber hinaus ermutigt man die Tiere dazu, ihre Scheu vor dem Menschen gänzlich abzulegen. Resultat dessen sind im schlimmsten Fall Füchse, die sich bis in den Hausflur vorwagen und sich nur mit lautem Geschrei wieder vertreiben lassen – und arglos ins Verderben laufen, wenn ihnen weniger freundlich gesonnene Zeitgenossen gegenüberstehen. Wo ihnen ängstliche Stadtbewohner innerhalb von Siedlungen und begeisterte Fuchsjäger außerhalb der Stadtgrenzen nach dem Leben trachten, sind zutrauliche Füchse leider oft sehr schnell tote Füchse. Man sollte daher auf ein Mindestmaß an Distanz zu seinen vierbeinigen Nachbarn achten und auf „Fuchsfütterungen“ unbedingt verzichten. ***Füchse als Nachbarn*** Was wir auch tun, und ganz egal, ob es uns nun gefällt oder nicht: Stadtfüchse sind ein Phänomen, das nicht einfach wieder verschwinden wird. Auch andere anpassungsfähige Wildtiere erobern sich nach und nach die Lebensräume zurück, die wir ihnen genommen haben – Steinmarder etwa sind in nahezu jeder Siedlung anzutreffen, und auch Waschbären dehnen ihren Lebensraum mehr und mehr bis in die Zentren von Städten aus. Zwar kann man einzelne Individuen vertreiben oder auch töten, doch wird ihr Platz in aller Regel rasch von einem Nachfolger eingenommen. Uns wird also gar nichts anderes übrig bleiben, als uns mit der Anwesenheit von Wildtieren im Siedlungsraum zu arrangieren – und ein besonnener, respektvoller Umgang mit unseren alten, neuen vierbeinigen Nachbarn ist dabei allemal besser, als hysterisch nach Gewehr und Falle zu rufen. *Stadtfüchse tauschen Zärtlichkeiten aus (Bild: Keven Law)* Wenn man die eine oder andere Verhaltensregel berücksichtigt und zumindest ein wenig Toleranz aufbringt, kann diese Nachbarschaft Vorteile für beide Seiten mit sich bringen. Für die Tiere, weil ihnen die Stadt als Ersatz für ihren mehr und mehr vom Menschen zerstörten und vereinnahmten natürlichen Lebensraum in Wald und Feld zu einer neuen Heimat wird, und für den Menschen, weil er sich an einem Stück wunderschöner, ungezähmter Wildnis direkt vor seinem Wohnzimmer erfreuen kann. ***Literatur:** 1. Baker, P., Harris, S. & White, P. (2006): After the hunt: The future for foxes in Britain. Report, University of Bristol/University of York.* *2. McDonald, E.; Baker, P.; Harris, S. (1997): Is the fox a pest? The ecological and economic impact of foxes in Britain.* *3. Harris, S. & Baker, P. (2001): Urban Foxes. Whittet Books, Suffolk.* *4. Hemmington, M. (1997): Foxwatching – In the shadow of the fox. Whittet Books, London.* *5. König, A. (2007): Fears, attitudes and opinions of suburban residents with regards to their urban foxes. A case study in the community of Grünwald – a suburb of Munich. European Journal of Wildlife Research, 10.* --- title: Wiesenvogelschutz im Bremer Blockland- Vom „Leuchtturmprojekt“ der Jagdverbände zum Bumerang date: 2026-03-20 url: https://fuechse.info/flyer-und-artikel-ueber-fuechse-und-jagd-fuchsjagd/wiesenvogelschutz-bremer-blockland-fuechse/ --- # Wiesenvogelschutz im Bremer Blockland: Vom „Leuchtturmprojekt“ der Jagdverbände zum Bumerang September 2021 In den letzten Monaten haben Jagdverbände immer wieder ein Wiesenvogelschutzprojekt im Bremer Blockland zur Rechtfertigung der Fuchsjagd herangezogen. Während Naturschutzverbände dort für die Verbesserung der Lebensbedingungen bodenbrütender Vögel sorgen, töten die Jäger mit Flinte und Falle so viele Beutegreifer wie irgend möglich – angeblich, um dadurch die Vögel vor ihren natürlichen Feinden zu schützen. Das Narrativ der Jagdverbände geht so: „Während im (intensiv bejagten) Bremer Blockland der Bestand verschiedener Wiesenbrüter (Kiebitz, Bekassine, Uferschnepfe, Großer Brachvogel und Rotschenkel) von 2014 bis 2019 anwuchs, sei das in den beiden (weniger bejagten) Vergleichsgebieten Niedervieland und Oberneuland – trotz ähnlicher Maßnahmen im Wiesenvogelmanagement – nicht der Fall gewesen. Also müsse die Beutegreiferbejagung – allen voran das Töten von Füchsen – für den erfolgreichen Wiesenvogelschutz unerlässlich sein.“ Oder etwa nicht? **Bei genauerer Betrachtung der Daten (s.u.) fallen eine ganze Menge Ungereimtheiten auf, die so ganz und gar nicht zu den Schlussfolgerungen der Jagdverbände passen wollen:** 1. Wie die Jägerschaft selber einräumt, weist das **Bremer Blockland bessere Habitatbedingungen** als die Vergleichsgebiete Niedervieland und Oberneuland auf und damit bessere Grundvoraussetzungen für den Schutz von Wiesenvögeln. Dass Schutzmaßnahmen im Blockland besser greifen – und zwar auch ohne Beutegreiferbejagung – ist daher selbstverständlich. 2. Betrachtet man die Zahlen im Vergleichsgebiet Niedervieland, so zeigt sich dort zwischen 2008 und 2018 ein Anstieg der Wiesenvogelpopulationen von jeweils fast 80 Prozent (von 102 auf 180 Individuen). Der Zuwachs liegt dort damit – trotz weit weniger intensiver Beutegreiferbejagung – ähnlich hoch wie im Bremer Blockland (von 285 auf 508 Individuen). **Der Bestandszuwachs im Blockland dürfte damit also nicht durch Jagd auf Fuchs und Co. zurückzuführen sein.** *Gelegeverluste durch Prädation. Trotz intensiver Beutegreiferbejagung und konstanter bis steigender Fuchsstrecken im Blockland konnte keine Reduktion der Gelegeverluste erreicht werden.* 3. Auch die Betrachtung der Gelegeverluste gibt keine belastbaren Daten für einen besonderen Nutzen der Beutegreiferbejagung im Blockland her. Es fällt zunächst zwar auf, dass in den Jahren 2014 bis 2019 die Gelegeverluste im bejagten Bremer Blockland durchweg geringer waren als in Niedervieland. Da das Blockland günstigere Habitatbedingungen aufweist, ist das jedoch grundsätzlich zu erwarten, weil mehr geeignete, vergleichsweise sichere Brutplätze zur Verfügung stehen. Im Übrigen sind die Gelegeverluste in beiden Regionen zwischen 2017 und 2019 gegenüber den Jahren 2014 bis 2018 gestiegen. Im ersten Zeitraum lagen sie im Mittel bei etwa 33 Prozent im Blockland und bei 45 Prozent im Niedervieland, im zweiten Zeitraum bei 38 und 52 Prozent. **Es ist also weder im Blockland noch im Niedervieland ein Rückgang der Gelegeverluste zu verzeichnen**, sondern vielmehr eine Zunahme. Auch scheinen die Gelegeverluste in der festgestellten Größenordnung angesichts der kontinuierlichen Verbesserung der Bestandssituation in den Vergleichsgebieten kein signifikanter Faktor zu sein. *Entwicklung der Fuchsstrecke im Bremer Blockland. Ein nachhaltig bestandsreduzierender Effekt ist offensichtlich nicht gegeben.* 4. Die intensive Fuchsbejagung kann auch deshalb nicht zielführend sein, weil die Fuchsstrecken im Bremer Blockland keineswegs abnehmen. **Ein bestandsbegrenzender Effekt durch die Jagd ist also nicht zu verzeichnen**, weil das jeweils entstehende „Fuchsvakuum“ immer wieder durch einwandernde Füchse aufgefüllt wird. Die Rückschlüsse, die der Landesjagdverband Bremen und der Deutsche Jagdverband aus dem Zahlenmaterial zu ziehen versuchen, geben die Daten also gar nicht her. Es handelt sich vielmehr um einen weiteren pseudowissenschaftlichen Versuch, Rechtfertigungen für die Fuchsjagd zu ersinnen. **Der erfreuliche Anstieg der Wiesenvogelpopulationen dürfte – im Blockland wie im Niedervielland – vielmehr auf die vielfältigen Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung zurückzuführen sein.** Das Programm im Bremer Blockland ist ein mit beträchtlichem Personalaufwand und nicht unerheblichen Finanzmitteln unterstütztes „Leuchtturmprojekt“ der Jägerschaft, mit dem Ziel, die Sinnhaftigkeit der Fuchsjagd zu belegen. Wenn selbst ein solch aufwändiges und vergleichsweise kleinflächiges Projekt – bei dem Füchse mit allen erdenklichen Mitteln getötet und Welpen schon am elterlichen Bau „weggeschossen“ werden – dieses Ziel nicht im Ansatz erreicht, spricht das eine deutliche Sprache. *Bestandsentwicklung von Wiesenbrütern im Bremer Blockland (hohe Jagdintensität)* *Bestandsentwicklung von Wiesenbrütern im Niedervieland (geringe Jagdintensität)* ***Quellen:*** 1. Berichte des BUND Bremen zum Kooperativen Wiesenvogelschutz seit 2015 2. 3. LJV Bremen, Prädatorenmanagement im Wiesenvogelschutz 2014 bis 2022 ## Posts --- title: Über Füchse.info date: 2022-10-01 url: https://fuechse.info/2022/10/01/410/ --- # Über Füchse.info ***Der Rotfuchs (Vulpes vulpes)*** *Rotfuchs (Bild: Archiv)* Der Rotfuchs ist eines der erfolgreichsten Säugetiere der Welt, der Landbeutegreifer mit dem weltweit größten Verbreitungsgebiet, ein Geniestreich der Evolution. In ihm vereinen sich Schönheit und sprichwörtliche Schläue, unbändiger Überlebenswille und einzigartige Anpassungsfähigkeit. Dennoch wissen viele Menschen auch heutzutage noch nur wenig über diese ebenso hübschen wie intelligenten Beutegreifer. Manche fürchten sie zu Unrecht als Krankheitsüberträger, andere sehen sie als Beutekonkurrenten, oder einfach als schwierig zu überlistende und gerade deswegen so attraktive Jagdbeute. Nur wenige wissen dagegen, dass Füchse fürsorgevolle Eltern und zärtliche Liebhaber, verspielte Schelme und unersetzliche Gesundheitspolizisten, exzellente Mäusejäger und listenreiche Überlebenskünstler in einer von Menschen beherrschten Welt sind. ***Warum eine Infoseite über Füchse? *** fuechse.info soll über Füchse, ihr Leben, ihren Schutz und ihre Bedrohung durch den Menschen informieren. Sie richtet sich an alle, die mehr über dieses faszinierende Wildtier wissen wollen, vom Schüler bis zur Journalistin. Falls dabei Fragen auftauchen, die durch die aktuellen Fragen und Antworten-Seiten oder die anderen Artikel noch nicht abgedeckt werden, würde ich mich über eine kurze Nachricht freuen! Die Website gibt es übrigens schon seit 2002 und wird kontinuierlich weiterentwickelt und erweitert. ***Was finde ich auf fuechse.info? *** *Rotfuchs (Bild: Eric Bégin)* Das Herzstück dieser Seiten bildet der umfangreiche „Fragen und Antworten“-Teil, in dem viele Informationen über Rotfüchse und ihre Verwandten, garniert mit einigen Fotos, Illustrationen sowie Angaben weiterführender Literatur, enthalten sind. Unter „Artikel und Texte“ finden sich Aufsätze und Artikel über Füchse. Der „Links“-Bereich wiederum führt zu anderen virtuellen Fuchsbauen im Internet, und unter „Literatur“ kann man sich mit Tipps für den einen oder anderen gemütlichen Offline-Abend eindecken. ***Domains/URLs*** Momentan ist die Website unter den folgenden URLs zu erreichen: - www.fuechse.info - www.fuchsjagd.info - www.fuechse.org - www.foxes.de ***Wer „macht“ fuechse.info?*** Verantwortlich für alle Inhalte ist Dag Frommhold (Impressum). Vielen Dank gebührt allen, die Medien und Informationen für die Website zur Verfügung gestellt haben, vor allem aber an: - Karoline Baumwolf (diewoelfin.net) (Webdesign) - Werner Zimmer (Header-Foto: Rennender Fuchs) - Barbara Quentin (Header-Foto: Fuchs im Herbstlaub) - Luise Dittombée (alle anderen Header-Fotos) - Deltef Hinrichs, Wendel Schaatsbergen, Günther Schumann, Emilie Tourin, Stefanie Fuchs, Sandro und Bianca Pelli, Evelyn Dreyer, Thorsten Emberger, Luise Dittombée (weitere Fotos) - Helmut Sütsch, fuchsfilm.de (Videos) - Dr. Sophia Kimmig, Daniel Peller (Inhaltliches Feedback) *Quo vadis, Reineke? (Bild: Paul Cecil)*